Ausgabe 
22.11.1902 Fünftes Blatt
 
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rJerteft Niemand von imS weiß, ob und wann sie eingelöst werden. (Sehr wahr I rechts.) Die Mehrheit der Kommission hat geglaubt. Über diese Bedenken dadurch Hinwegkommen zu können, daß sie Ihnen vorschlägt, die neue Last auf die Mehrerträgnisse der Lebens­mittelzölle zu reduziren und diese Mehrerträgnisse bis 1910 zu thesauriren. M) will hier nicht auf die Frage eingehen, ob es sich empfiehlt, wieder zu dem System der Spaltung der Einnahme­quellen zurückzukehren. Mehr fällt für mich der Umstand ins Ge­wicht, daß der Zoll, auf den Sie die Last beschränken wollen, kein Finanzzoll, sondern ein Schutzzoll ist. Es handelt sich bei dem Schutzzoll doch um eine Last, die, wenn sie ihren Zweck, der Land- Wirthschaft zu helfen, erfüllen soll, in wenigen Jahren zurückgehen wird. Und auf solche in wenigen Jahren zurückgehende Einnahmen wollen Sie wachsende Ausgaben begründen?

Nein, nach meiner Meinung werden wir, wenn wir dem Pro­blem der Wittwen- und Waisenversicherung näher treten wollen, uns auf eine solidere Grundlage stellen müssen, und diese Grund­lage kann nur bestehen in festen und nachhaltig geordneten Reichs­finanzen. (Sehr richtig I rechts.) Tas haben die Antragsteller auch selbst gefühlt, und deshalb haben sie die Thesaurirung vor- gcschlagcn. Aber, wie die Tinge augenblicklich liegen, stellen Sie durch diese Thesaurirung das Reich doch nur vor die Wahl, ent­weder neue größere Schulden auf der anderen Seite zu machen, oder dringende, berechtigte Wünsche aufzuschieben. Es bedeutet weiter eine Einschränkung des Budgetrechts, eine so wichtige Ein­nahmequelle, wie diese, der freien Verfügung der kommenden Reichs­tage zu entziehen. Auf die Clausula Franckenstein sverden Sie sich in dieser Hinsicht als einen Vorgang nicht berufen können, denn durch Oie Clausula Franckenstein ist weder, was ihren Zweck, noch was ihren Erfolg betrifft, das Budgctrccht des Reichstages auch nur im Mindesten eingeschränkt worden. Dazu kommt, daß gerade das Jahr 1910 sehr unglücklich gewählt ist, denn dies Jahr wird für die Reichsfinanzen geradezu verhängnißvoll werden. Wenn wir uns mit der Sanirung des Reichsinvalidenfonds nicht beeilen, so wird dieser Fonds gerade in zehn Jahren erschöpft sein, und wir müssen dann 40 Millionen unvermittelt auf die Reichskasse übernehmen. Aus diesen Gründen bitte ich Sie, den Kommissions- ontrag abzu^ehnen. Ich gebe zu, daß durch die Fassung deS Antrages Trimborn unsere Bedenken einigermaßen abgeschwächt sind, aber beseitigt sind sie nicht. Dagegen erachte ich den Antrag Rettich für durchaus annehmbar. (Lachen links, Beifall rechts.)

Abg. Rettich flons.l: Mein Freund Frhr. v. Nichthofen hat aller­dings einmal geäußerr, daß die Landwirthschaft die Lasten einer Wittwen- und Waisenversicherung nicht tragen könne, aber damit ist nicht gesagt, daß wir nichts von einer solchen Versicherung wissen wollen. Im Gegentheil, wir sind im Prinzip dafür, aber wir glauben aus den von den Regicrungsvertretern angeführten Grün­den augenblicklich gegen den § 11a stimmen zu müssen. Vor Allem ist darauf hinzuweisen, daß Die Einnahmen aus den Zöllen durch­aus nicht feststehen. Auf einer so schwankenden Grundlage eine Versicherung aufzubauen, widerspricht einer gesunden Finanzpolitik. Wir sind gerne bereit, an einer Wittwen- und Waisenvcrsicherung mitzuarbciten, aber wegen der unsicheren Grundlage wird die über­wiegende Mehrheit meiner Freunde sowohl gegen den § 11a stimmen als auch gegen den Antrag Trimborn, dem im Wesentlichen die­selben Bedenken entgegenstehen. Ich habe Ihnen deshalb eine Reso­lution vorgcschlagen, die erst die geeignete Grundlage für den dauernden Bestand dieser Versorgung ermitteln helfen soll, und ich bitte Sie, dieser Resolution Ihre Zustimmung nicht zu versagen.

Abg. Molkcnbuhr (Soz.): Als int Jahre 1883 die Kranken­versicherung eingerichtet wurde, wurde sie mit Rücksicht auf die Nothlage der Landwirthschaft" auf die Landwirthschaft nicht aus­gedehnt. Als drei Jahre später die landwirthschaftlichen Zölle ver­dreifacht wurden, da wurde trotz der erhöhten Einnahmen der Land­wirthschaft dies nicht nachgeholt. Als 1887 eine weitere Erhöhung stattfand, dachte man auch nicht daran. Kurz und gut, wir können die landwirthschaftlichen Zölle bis in infinitum steigern, die Arbeiter­schaft wird doch davon nichts haben. Der Herr Schahsekretär hat erklärt: die verbündeten Regierungen haben das Wohl der Arbeiter nach wie vor im Augei Sehr gutl Nur wird er schwerlich Glauben in der Arbeiterschaft finden, so lange die Verbündeten Negierungen mit solchen Vorlagen kommen wie der Zolltarif. Nun will ja das Centrum die Einnahmen aus dem Zolltarif für die Wittwen und Waisen verwenden. Das heißt doch aber nur Versteckspiel treiben. Schließlich: Sie bewilligen ja doch alle möglichen Ausgaben, und wenn dann der Ncichssäckel nicht langt, so kommen Sie eben mit neuen Belastungen, mit der Bier- und Tabaksteuer. Also schließlich müssens die Arbeiter doch bezahlen. Das Versprechen der Wittwcn- und Waisenversicherung erinnert lebhaft an die kaiserliche Botschaft von 1881, mit der Bi marck die Arbeiter einfangen wollte. Aber so wenig die Arbeiter damals auf den Leim gingen, so wenig werden sie es heute thun. DaS Centrum fühlt sich nicht wohl nach der Sünde des Zolltarifs; es will Buße thun mit dem guten Werk der Wittwen« und Waisenversorgung. Aber die Arbeiterschaft hat kein Versländniß für den bußfertigen Sünder; weiß sie doch nur zu gut, daß er jederzeit zu einem Rückfall bereit ist. DaS Volk ist an der Grenze seinerLeistungsfähigkeit angelangt. Aber die Mittel, mit denen eine vernünftige Wittwen- und Waisenversorgung hätte eingerichtet werden können, sind schon im Voraus verausgabt worden, für Mili­tär- und Marinezwecke. Der gegenwärtige Plan des Centrums ist ja direkt komisch: um 8 Mk. 59 Pf. für die Wittwen- und Waisenversorgung zu erhalten, muß der Deutsche 100 Mk. zahlen. lHört, Hörti links.) Der ganze Plan ist ja nur dazu da, damit daS Centrum in den katholischen Arbciterkreisen die durch den Zoll­tarif verscherzten Sympathien sich wieder erringt. Wir glauben aber nicht, daß daS gelingen wird, daß die katholischen Arbeiter daS Danaergeschenk dieser Wittwen- und Waisenversicherung

mit großer Freude annehmen werden. Sie sehen sa selber sofort, daß die ganze Sache nur darauf binanSläu^. daß, wenn sie selbst in Folge der neuen Lebensminelzölle verhungern, ihre Wittwen und Waisen dann eine Kleinigkeit bekommen. Wie verschwindend, wie lächerlich klein ist doch diese Summe, die Sie den Armen fdjenfen" wollen, wenn Sie sie mit den fürstlichen Liebesgaben an die Agrarier vergleichen! Vergleichen Sie doch einmal Die paar elenden Pfennige, die Sie den Wittwen und Waisen zukommen lassen wollen, mit den kolossalen Summen, die Sie durch das Mittel des Zolltarifs in die Taschen Der Agrarier fließen lassen. Wir werden gleichwohl für diese Wittwen- und Waisenversorgung stim­men, obwohl wir wisien, daß es sich hier nur um eine Beihilfe für die Armenlasten handelt.

Abg. Dr. von KomierowSki (Pole) äußert sich dahm, man dürfe sich in keinem Fall auf Die Resolution beschränken. Auf die finanziellen Bedenken des Schatzsekretärs erwidere er: Wo Der Thaler fehlt, thut e5 zur Noth auch Der Groschen. Seine Parier werde in erster Linie für den Kommissionsbeschluß, und, falls dieser abgelehnt werde, für den Antrag Trimborn stimmen.

Aba. Richter (freif. Vp ): Ich Halle es für sehr bedenklich, den Zolltarif mit der Frage der Wittwen- und Waisenversorgung zu verquicken, denn damit legen wir Die erhöhten Zölle für alle Zeiten fest. Es ist überhauvt nicht rathsam, durch Reichszuschüye auf allen möglichen Gebieten, das SelbstveraiuwortlichteitSgefübl der Bevölkerung zu schwää)en. Diese Reichszuschüsse kommen doch auch immer nur einzelnen Theilen der Bevölkerung zu Gute, während andere, die nicht günstiger gestellt sind, keinen Theil daran haben. Wenn nun noch eine höhere Belastung des Bieres und des Tabaks bevorsteht, so hat man um so mehr Grund, vorsichtig zu sein. Der Staatssekretär sagt: Woher sollen wir die Mittel nehmen zur Deckung der Ausgaben des Reiches? Ja, die Negierungen wollen ja gar nicht die Mehrerträge der Zölle dem Reich, sondern Den Einzelstaaten zuwenden. Ter Staatssekretär sprach von dem großen Defizit des nächsten Etats. Wenn er und der Ncichskanzler die Lage so tragisch nehmen, wie durfte letzterer dann noch im vorigen Jahre erklären, daß die Mehreinnahmen aus den Zöllen zu Wohl­fahrtseinrichtungen verwendet werden, sollen? (Sehr gut! links.) Nicht für Zwecke einer Wittwen- und Waisenversorgung, sondern zur Verminderung der Verbrauchsabgaben sollten Die Mehrerträge aus den Zöllen verwendet werden. Namentlich könnten sie sehr gut zu einer Aufhebung der Zuckerverbrauchsabgabcn benutzt werden, und ich bedauere es, daß der Präsident meinen dahin gehenden An­trag nicht zur Diskussion gestellt hat. Wenn es berechtigt war, durch das Zolltarifgesetz sogar Kommunalabgaben aufzuheben, dann wird es doch auch wohl berechtigt sein, gelegentlich dieses Gesetzes eine Verbrauchssteuer des Reiches aufzuheben. (Sehr richtig! links.) Wenn es aber wirklich nicht möglich ist, im Rahmen dieses Gesetzes die Aufhebung der Zuckersteuer herbeizuführen, dann ist es jeden­falls wenigstens möglich, den Kaffee- und Petroleumzoll aufzu­heben, um so für die Belastung durch die übrigen Zölle eine Ent­lastung an anderer Stelle herbeizuführen. Die Belastung bleibt dabei doch noch unendlich viel größer. Alle diese Aenderungen lassen sich sehr leicht einführen. Denn sie binden nicht für die Zukunft, wie es bei Der Wittwen- und Waisenversorgung Der Fall wäre. (Beifall links.)

Abg. von Tiedemann sNp.): Meine Freunde stehen dem An­trag Trimborn sehr sympathisch gegenüber, glauben aber Angesichts der gegenwärtigen Finanzlage und der Ungewißheit über den Er­trag der neuen Zölle noch nicht näher treten zu dürfen und werden daher für den Antrag Rettich stimmen.

Abg. Bassermonn snat.-lib.j: Wir haben dem Wunsch, eine Wittwen- und Waisenversorgung in Deutschland eingeführt zu sehen, bereits früher Ausdruck gegeben, und wir befinden uns darin im Einklang mit der national-liberalen Partei im Reiche. Die ver­bündeten Regierungen müssen in absehbarer Zeit der Lösung dieser Frage näher treten, sie werden sich auf die Tauer dem s. Zt. ein- müthig gefaßten Beschluß des Reichstages nicht widersetzen können. Ein Theil meiner Freunde sieht sich genötigt, mit Rücksicht auf die Finanzlage, und weil die Verquickung einer solchen Frage mit Dem Zolltarif ihnen nicht angebracht erscheint, gegen den § 11a sowie Den Antrag Trimborn und für die Resolution Rettich zu stimmen. Aus den Darlegungen der Vertreter der verbündeten Re­gierungen bin ich zu der Ueberzeugung gekommen, daß eine Be­schlußfassung des Reichstags im Sinn des Antrags Trimborn nicht mehr wie früher auf ein Unannehmbar bei den verbündeten Negie­rungen stoßen wird. Ich kann mich für meine Person nicht davon überzeugen, daß der Weg der Resolution uns in absehbarer Zeit weiterbringen wird. Es werden immer wieder die Finanzlage Des Reichs und gewisse Widerstände in der Industrie geltend gemacht werden, und Je näher die Frage ihrer gesetzgeberischen Lösung kommt, desto stärker werden diese Widerstänoe werden. Angesichts dieser Thatsache und Angesichts des UmstandeS, daß es sich um die Thesau­rirung von Erträgen aus Zöllen auf Lebensmittel handelt, sowie Angesichts der Thatsache, daß der Antrag Trimborn in der That den ersten Schritt zur Einführung der Wittwen- und Waisenversiche­rung bedeutet, werde ich mit einem Theil meiner Freunde für den Antrag Trimborn stimmen. (Beifall.)

Abg. Graf Kanitz (kons.): Warum kündigt die Regierung nicht die Handelsverträge? Tausende und Millionen von Landwirthen warten auf die Kündigung. (Lachen links.) Ich wünsche, daß die Verträge noch in diesem Jahre gekündigt werden. Bezüglich deS Antrages Trimborn stimme ich den Vertretern der Regierung zu. Dem Schatzsekretär möchte ich bemerken, daß daS Defizit, von dem er sprach, sich noch um 30 Millionen vermehren wird, durch den Mindererttag aus den Verbrauchsabgaben für Zucker, wenn die Brüsseler Konventton in Kraft tritt. Nun glaube ich allerdings nach Der letzten Rede deS englischen Ministers Balfour, daß bi' Konvention überhaupt nicht inS Leben treten wird. Das Defiztt

auf Dem Dege Der 'J'ratrinnanmitagen aus oet mcir zu lajuiftn, halte ich kaum für möglich. Tas Reick muß sich neue eigene Ein. nahmen schaffen, denn eS handelt sich nicht um einen außerordentlichen Bedarf, und c5 wäre ver­fassungswidrig. zur Deckung laufender Ausgaben Anleihen zu machen. Die Pumpwirrhschaft muß früher ober später mal auf« hören (Äha! links) Tic BundeSstaalen würden Durch höhere Mairikularbeiträge schwer in Mitleidenschaft gezogen werben, vor Allem Preußen, dessen Finanzlage durchaus keine günstige ist. Ich weise nur auf den Ausfall der Eisenbahneinnahmen hin. Tie Sozialdemokraten sprechen immer von der Belastung deS Volkes durch die Agrarzölle, aber bedeuten denn die Hnduftriezölle_ keine Belastung des Volkes? Ich kann gegenüber Dem KommissionS- bcscklnß und Dem Antrag Trimborn nur sagen: Wir können un­möglich Beschlüsse iiber die Verwendung von Ueberschüsien fassen, die wir noch gar nicht haben. (Beifall rechts.)

Ein S ch l u ß a n t r a g der Abgg. v. Normann und Dr. Arendt wird angenommen.

Abg. Singer (Soz., zur Geschäftsordnung): Ich beantrage, über Den Antrag Trimborn zur einfachen Tagesordnung überzugehen, da uns durch Den Schlußantrag daS Wort abgcfchnit- ten ist, und wir nun wenigstens, in der Begründung unseres An­trages auf Uebergang zur Tagesordnung noch Gelegenheit gewin­nen wollen, unS zur Sache zu äußern. (Große Unruhe rechts.)

Präsident Graf Lallestrem: Ein Antrag auf Tagesordnung ist in jedem Falle zulässig. ES erhält bann ein Redner .für und ein Rednergegen" daS Wort. Tas Wort für den Antrag hat der Abg. Ledebour.

Abg. Ledebour (Soz): Wir befürworten dringend daS Fest­halten an dem Kommissionsbeschlusse, und zwar vorwiegend deshalb, um die Verwendung großer Summen für nach unserer Ueberzeu­gung schädliche Zwecke auszuschließen und sie der Förderung Der Volkswohlfahrt zu Gute kommen zu lassen. Finanzielle Bedenken sind um so weniger am Platze, als c5 sich doch nicht um bestehende, fenbern um zukünftige Einnahmen handelt. Wenn solche von den Negierungen jetzt erhoben werben, so bokumenttren sie damit nur, daß sie es mit ihrer Erklärung, die neuen Zölle sollten keine Finanz­zölle sein, nicht ernst meinten. Ta wir die Wittwen- und Waisen­versorgung über den Antrag Trimborn hinaus gesichert sehen wol­len, so beantragen wir, über diesen Antrag zur Tagesordnung über­zugehen.

Abg. Dr. Spahn (Ctr.): Nach meiner Auffassung Dürfte ein Redner, der das Wort zu einem Anträge auf Uebergang zur TageS, erbnung erhält, nur eben biefen Antrag begrünben, aber nicht auf die biesem Anträge zu Grunde liegende Sache eingehen. (Wider­spruch links.) Ich beschränke mich auf die Bitte, den Antrag Singer abzulehnen.

Der Antrag Singer auf Uebergang zur Tagesordnung über den Antrag Trimborn wird gegen die Stimmen der Sozial­demokraten und einiger Mitglieder der freisinnigen Vereinigung abgelehnt.

Präsident Graf Dallestrem schlägt dem Hause vor, über Den Antrag Trimborn vor der Abstimmung über § 11a abzustimmen. Diese Abstimmung werde auf Antrag Trimborn eine namentliche sein.

Abg. Dr. Spahn (Ctr.) beantragt, zuerst über Den Kommissions- beschluß abzustimmen.

Tie Abgg. Singer (Soz.) und v. KomierowSki (Pole) schließen sich diesem Anträge an, während Abg. v. Kardorff (Np.) sich da­gegen erklärt.

Präsident Graf Dallestrem bemerkt, daß nach Dem Gebrauch des Hauses zunächst über den Anttag Trimborn abgeftimmt werden müsse. Da er ein Abänderungsantrag zu der Kommissionsvorlage sei. Er werde aber das Haus entscheiden lassen.

Mit großer Mehrheit beschließt das HauS, über den Kom - missionsbeschluß vor dem Anträge Trimborn abstimmen zu lassen.

Zunächst folgt jetzt die namentliche Abstimmung über den Antrag Albrecht u. Gen. auf Erweiterung deS Streife» der Gegenstände, auS dem Mehrerttäge für die Wittwen« und Waisenversorgung Verwendung finden sollen.

Der Antrag wird mit 208 gegen 47 Stimmen abge­lehnt.

Ebenso wird ein sozialdemokratischer Antrag, Den ganzen Ertrag Der Zölle für diesen Zweck zu verwenden, in namentlicher Abstimmung mit 214 gegen 37 Stimmen abge­lehnt.

Ein weiteres sozialdemokratisches Amende­ment, welches die Frist zur Einführung Der Versorgung gleich­zeitig mit dem Inkrafttreten deS Zolltarifgesetzes festlegen will, wird in namentlicher Abstimmung mit 205 gegen 43 Stimmen und 4 Stimmenthaltungen abgelehnt.

Hierauf wird die KornmissionSfassuna deS § 11a in einfacher Abstimmung gegen die Stimmen Der Sozialdemokraten und Polen abgelehnt.

Der Antrag Trimborn wird sodann in namentlicher Absttmmung mit 143 gegen 106 Stimmen und 2 Stimmenthaltun­gen angenommen.

Hierauf vertagt sich Da5 HauS.

Nächste Sitzung: Sonnabend 12 Uhr. 1. Interpella­tion der Sozialdemokraten, betr. Die Uebergriffe der Polizei. 2. Fortsetzung der heutigen Be­rn t h u n g.

Schluß 6% Uhr.

Parlamentär isckcs.

Berlin, 21. Nov. Die demB. T." yifolge ver­lautet, sollen die Vertrauensmänner, die von den Mehr­heits-Parteien des Reichstages zur Vorbereitung einer Verständigungö-BasiS bestimmt werden, nicht lediglich die Ausgabe haben, ein Verständigungsprogramm für die Mehr­heits-Parteien zu cntlucrfcn, auf Grund dessen dann Ver­handlungen mit der Negierung geführt werden könnten. Sie sollen vielmehr selbst bereits einen Einigungs- Versuch mit der Negierung vornehmen und zu diesem Zweck dauernd mit dem N e i ch s k a n z l e r kon­ferieren. Erst das Ergebnis dieser Konferenz würde dann der Genehmigung der Mchrheitsparteien unterbreitet wer- den. Von den Kionservativen sind als ihre Vertrauens­männer für diesen Zweck bezeichnet worden die Abag. von 9tormann und Graf Limburg Stirum, von der Neichs- partei die Abgg. von Kardorff und Stockmann. Tie Germania" erklärt, daß die Beratung der Mehrheits- Parteien wegen einer Verständigung über den Zolltarif kein positives Resultat herbeigeführt habe. Was in gut unterrichteten Kreisen b sher über das Maß von Entgegenkommen seitens der Reich Sregier- ung verlautet, erscheine als so unzulänglich, daß der Gedanke an eine Verständigung dadurch mehr in eine nebelhafte Ferne gerückt wird, als daß er eine greif­bare Gestalt gciüinnc. Nach dem,^Lok.-Anz." sollen ,ogar diese Verhandlungen resultatlos verlaufen (ein. Tie Mehrheit^ Parteien werden, wie verlautet, -ich zunächst dahin verständigen, Telegierte der einzelnen Fraktionen zu weiteren gemeinschaftlichen Besprechungen Lusammentreten zu lassen.

VondemReiaiShauShaltSetatsürlYYZ find bisher nur einige kleinere, weniger wesentliche Teile dem Bundesrate unterbreitet worden; die bedeutenderen, wie diejenigen für das ReichSheer, die Marineverwaltung, das Auswärtige Amt. die Postverwaltung, haben erst kürzlich

in den 2tud gegeben weeoen lenn.-r. -anaa» ift es nicht gut denloar, dag der Bundesrat sich mit den Hauptteilen oeö nächstjährigen Liats vor dem ^zember iviro befassen tonnen. Ta namentlich auch mit Rücksicht auf die un­günstige Finanzlage die Beratungen des Bundes­rates über bett naäj|ijdiMigen Etat fia) Diesmal noaj ein­gehender als sonst g^raltcn werden, jo ist es als ziemlich sicher anzu,eh^n, bay der Reichsi-aushaltSelat für lJUu dem Reichstage er ft un Januar öorgeiegt werden wird.

I n der letzten Sitzung des Bundesrates wurden die ilKütciiuhgen de» Presidenten Ouä Reichstages, betreffend die Schaffung eines ReichS-Vereins- und V e r ) a m m l u n g s r e ch t s, bi zw. die Gleichstellung der Frauen mit den Männern in diesem Gesetze, dem zu,uinoigi.n ^u»schu,se uberlme,eu.

La nd t a g» s o z i ai i st e u. ^au> einer Zusammenstel­lung DerHuhl Vmlvztg." sitzen in 13 von 24 deutschen Landtagen «U jozcaweme-».tätliche Abgeordnete: in xxL)ern oei lub '^bgco um »Iden 11, in itJürUuinbetg 6 von VJ, in Buden 6 von bu, in Hessen b von ou, in Led^nourg l bei 3d, in Coburg-Gor.-a lu bei 3d (Gotyaischer X.«uo^ag 19 Aogeordn^c u.u, 'u SoziaUrrmolraletl. ^uurg^t Land­tag li ^.ügeorDnae uiu> 1 Sozialdemokrat), in Sachsen- Meiningen u bei 24, in Sach^n-ultenoutg 4 bei 3U, in Schwa.zdurg-Rudu»,i».dr 7 bei lu, in Rrutz a. £. 1 J5ei 12, in yxeub j. o bei lu, die Bürgerschaft von Hamburg weif» bei loU Mitgliedern l, die Burger,chuft von Bremen bei 150 Mitgliedern 11 Sozialdemokraten auf.

Deutsches Reich.

Hamburg, 21. Nov. Tie^.o.^u^llern" mit dem Kaiser an r-orD passierte heute nachmittag 5 Uhr Hel­goland. Don der Südspitze wurden Salu.schiisse ab­gegeben.

DiuoersitätsAachrichtea.

Dem f(ciifn(cnEls. Kurier" zusolqe wird die katho­lische theologische F a k u 11 d t an Der Universität Straß­burg im nächsten Herbst, vielleicht schon um Ostern ins Tajem treten. Tic eiwrdeilicheu Kredite, die sich aus die Summe von vorerst 80 000 Mk. belaufen, sollen schon in Der nächsten Session Des Laudesausschusses bewilligt werben.

Unulle ItlrlüuiujriL

Lriginaldiah 1 Meldungen des Gießener Anzeiger.

Berlin, 22. Nov. TieT. Tagesztg." schreibt, daß der Adg. Freiherr von Wangenheim den Vorsitz im Bund der Landwirte oehalten werde.

München, 21. Nov. TieMünch. N. N." teilen mit, daß ihnen em Telegramm d s italienischen Ministers Pri- nett i zug^gangen s.i, in Dun als durchaus unbegrün» bet bezci^stiet wird, daß der &u). >wmmerzienrat Krupp au Sgewiesen sei.

London, 22. Nov. Gestern sand unter dem Vorsitz des Lord Leicester eine Versammlung^statt, in welcher der Vorschlag erwogen wurde, England, Tcutschland und Tünemark mochten gemeinsam vorgehen bei dem Plane, dasGedäeytnisNudolfVirchowSzuverewigen.

3 L G t i c n n e, 22. Nov. Tic Minengesellichaften unter­zeichneten cm Dt-n den Grubenarbeitern angenommenes Lb- lommen, wonach sie die Einsetzung von Schieds­gerichten billigten.

Caracas, 22. Nov. Tie venezolanische Regierung erhob scharfen Protest bei der englischen Regierung über die E n l s e n b u n g eines britischen Kreuzers in die C',cidgi ?r des Crinoco. Tie venezolanische Regierung er­härt, daß diese Entsendung ohne ihre Erlaubnis geschehen, und han dadurch ihre Souveränetät verletzt fei.