Ausgabe 
22.10.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. »48

rffteut täglich außer Sonntagtz.

Dem Lietzener Anzeiger werden rm Wechsel mit dem vesflsche« Landwirt die Gießener Zamllten. blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'schen Un werf.-Buch- u.Slein- druckerei (Pietsch (irbtn) Redaktion, Lrpeditto« «nd Druckerei:

Gchulstratze 7«

Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen.

yernsprkchanlchluß Nr. 6L

Erstes Blatt. 153. Jahrgang

Mittwoch 33. Oktober 1903

GietzenerAnzeiger

** General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

ve»ngSprei»r monatlich 7b Pf^ viertel jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk. 2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg» Annahme von Anzeige» für dre Tagesnummer bis vormittag» 10 Uhr. Zetlenprets: lokal 12 Pf- a-swärtS 20 Psg.

Verantwortlich: für den voltt. u. allgem, Teil: P. Wttlko; für Stadt und Land^ und .Gerichtssaal^i Lurt Plato; sür den An­zeigenteil: HanS Beck.

KeKaMtmachung.

Wir ersuchen diejenigen Herren, welche geneigt wären, dem unterfertigten OrtSgericht als Gemeindewaisenrat in der Ueberwachung der Waisen in hiesiger Stadt Hilfe zu leisten, sich gütigst auf dem Bureau deö OrtSgerichtS zu melden.

Gießen, den 21. Oktober 1902.

Großh. OrtSgericht Gießen.

Gros.

Die Auren-KeneraLe und der deutsche Kaiser.

Man schreibt unSr

Tie drei Burengenerale haben seit Samstag die Haupt- tabt des Leutchen Reiches verlassen. Wie bei dem Em- rsang, so wurden auch bei der Abfahrt den drei Lelden >te stürmischsten und herzlichsten Ovationen dargebrachit, wie sie vielleicht nur verglichen werden können mit dem Jubel, mit dem man den als siegreichen Kaiser heim- kehrenden König Wilhelm anno 1871 begrüßte. Aber noch kein auswärtiger Fürst oder Held bat den Empfang in Berlin gesehen, wie Botha, Tewet uno Delarey. Man ließ sich durch nichts irre machen, kein Mißton wurde herein- gebracht, nicht in dem kleinsten mll> geringsten Worte ging man über die Grenzen des gebotenen Taktes hinaus, weder von der Seite der Komiteemitglieder, die die unüber­wundene Tapferkeit priesen, noch von feiten der Generale, die bittend erntraten, das Elend des Volkes lindern zu Helsen.

Nun aber, nachdem die Festtage vorüber und die Ver­nunft und das ruhige Denken die überschwcllende Begeiste­rung deS Herzens abgelöst haben, liegts doch wie ein Alb aus der Brust, nämlich der Gedanke, daß unseres Kaisers Fühlen in der Sache, in der sich fast ganz Berlin und mit ihm fast ganz Deutschland eins gewußt hat und noch weiß, so ganz anders war, als das der weit überwiegenden Mehr­zahl seiner Unterthanen, daß er so ganz beiseite stand und dem Heldenmut, dem Aufopfern irdischer Güter für gemein­same ideale Zwecke öffentlich kein Wort der Anerkennung zollte. Bekanntermaßen zerschlug sich die Audienz und an die Stelle der anfänglichen Sympathie trat Mißstimmung, die sogar eine Beteiligung an den Begrüßungsfeierlich­keiten von feiten der militärischen und civilen Kreise nicht wünschte.

Nun kann ja der Kaiser natürlich seine fremden Be­suche empfangen, wie er will, aber die Seele des Volkes hat diese Enttäuschung bitter empfunden. Es thut uns leid, daß der Kaiserin echte Weiblichkeit, die sonst immer Worte hat und Thaten zeigt für die wehrlos Unter­drückten, für die, die der Hilfe anderer bedürftig und würdig sind, hier stumm zur Seite stehen mußte, wo deutsche Frauen in richtiger Auffassung chres Berufes, die Kämpfer für Vaterlandsliebe, für den häuslichen Herd und für Ge­rechtigkeit ehrten und Geld sammelten für die Frauen, die in stumpfer Medergedrücktheit oft noch schärfer litten, als die Männer selbst, und die kaum mehr gerettet haben, als womit sie ihre Blöße können decken.

Tas Volk der Buren ist wert, daß es nicht untergeht"', so hat'» uns einer der Generale gesagt, und wir glauben diesem Worte, und daß wir'ö glauben, haben die Thaten gezeigt.

Selbst die dem Publikum übrigens sehr entgegenkom­mende Berliner Pollzei hielt dem Gefühl der allgemeinen Begeisterung nicht stand, und ihm folgend, begab sich der Vertreter des Polizeipräsidiums, Geheimrat Friedmann, nach einer Besprechung mit dem Polizeiobersten in das Hotel und bat die maßgebenden Herren, sie möchten die Generale bitten, vor die Menge auf dem Balkon zu treten. Und diese, die sich schon in ihre Gemächer zurückgezogen hatten, traten auf, erschienen und redeten kurze Worte des Tankes. Brausender Jubel, lautlose Stille, nicht enden wollendes Hurrarufen und Tücherschwenken, das war die Antwort auf die Reden der Helden. Tie Polizei, die Hüterin jedweder Ordnung, als Fürsprecherin zur Erfüllung der Wünsche der Menge, das dürfte noch nicht dagewesen sein.

Ob der Kaiser alles erfährt, wie's dieser Tage in seiner Reichshauptstadt zugegangen ist? Ob bte Herzenssprache hinauf zu seinem Throne dringt und dort richtig ausgelegt wird? Wenn es geschieht, dann haben wir auch die sichere Hoffnung, daß der Kaiser bald denkt und fühlt wie sein Volk, das der als eine schneidende Wunde empfindet, daß in dieser Sache ib'er Kaiser nicht auf seiner Seite steht.

G. St.

Urinz ^Ludwig von Mayern und die Neteriuär- wisieujchasten.

Beim Festmahl dos deutschen Veterinärtags antwortete Prinz Ludwig auf den Toast des Prof. Dr. Schmalz-Berlin, Redakteurs oer Berliner tierärztlichen Wochenschrift und Sekretärs des Veterinärtages, der dem Prinzen den Tarik der deutschen Tierärzte für sein Eintreten für das Er­fordernis der Maturitas ausgesprochen hatte, u. 0. folgendes:

Als diese Frage auf der Tagesordnung des Landwirt­schaftlichen Vereins stand, dachte ich dabei an nichts anderes, als wie ich es bei derartigen Gelegenheiten gewohnt bin, nämlich frei meine Meinung zu sagen und Tas zu vertreten, was ich für richtig halle. Ich war mir dabei ich habe Tas als Landwirt am eigenen Leibe erfahren von der hohen Bedeutung Der Tierärzte für das allgemeine Volkswohl bewußt. Im Interesse der Gesanitbevölkerung li^qt es, daß sie genießbares, d. h- oer Gesundheit nicht schckoliches Fleisch bekommt, ferner, daß vermieden wird, daß Seuchen überhand nehmen, welche unmittelbar das menschliche Leben gefährden; ich erinnere nur an die Tollwut und an die Rotzkrankheit. Daß aber ganz speziell die landwirtschaftliche Bevölkerung auf die Tierärzte angewiesen ist und vielfach von der Kenntnis und von dem guten Willen der Tierärzte abhängt, weiß jeder, der auf dem Lande lebt. Ist es za in die Hand der Tierärzte gelegt, zu erklären, ob dieses oder jenes Gehöft, ob diese oder jene Gemeinde, ob eine ganze Provinz ver­seucht ist und abgesperrt werden soll, ob Der oder jener Viehmarkt abgehalten werden darf, ob die auf den Vieh- märtten geschlossenen Geschäfte giltig sind oder nicht. Wenn die Tierärzte ihre Sache nicht verstehen oder gar gewissenlos sind, so hängt das Wohl und Wehe eines großen Teiles der Landbevölkerung von chnen ab. Tie Gewissenlosigkeit, Das ist die Sache des Ein­zelnen, Tas ist die Sache der Religion, der Erziehung, des Ehrgefühls, das Wissen ist Sache des Erlernens, und da

sage ich, daß der Tierarzt genau so gebildet werden muß wie jeder andere Stand, insbesondere Der Beamte, der über daS Wohl und Wehe anderer Menschen zu entscheiden bat. (Bravo!) Deshalb habe ich mich so warm verwendet dafür, daß für die Tierärzte dieselben Bedingungen gestellt wer­den, wenn sie an die Hochschule kommen. Ich bleibe aber nicht gern bei Einem stehen, sondern sage, wenn man nur auf Einem Punkte stehen bleibt, und nicht vorwärts schaut und strebt, so kommt man zurück. (Bravo!) Es ist erfreu­lich, daß die Tierärzte jetzt diese Etape erreicht haben, ick möchte aber, daß sie noch einen Schritt weiter kommen, und da komme ich auf einen Gegenstand, den ich schon oft behandelt habe, wie mit der Forderung der Maturität für die Tierärzke. Ich möchte, daß die Tierärztlichen Hochschulen den Universitäten, und wo keine solchen sind, den Technischen Hochschulen ange­gliedert werden. (Beifall.) Was muß der Landwirt treiben? Er muß trachten, aus dem Grund und Boden, über den er zu verfügen hat, sowohl bezüglich der Pflan­zen als der Tiere das Beste und Gesündeste zu liefern. Je größer das Gut ist, das ein Landwirt verwaltet, um so notioendiger ist eine allgemeine Bildung. Natürlich, der Landwirt selbst kann nicht Tierarzt werden, aber er muß doch einen Begriff davon haben, sonst macht er in dem Augenblick, wo er nicht in der Lage ist, einen Tier­arzt kommen zu lassen, die größten Fehler, ja er ist nicht einmal in der Lage, zu beurteilen, ob ein Fall vorliegt, wo er einen Tierarzt rufen soll. Deshalb wünschte ich, daß diese drei Sparten möglichst vereinigt werden. Tas tierärztliche Studium hat man nicht an die Universitäten angegliedert. Man vereinige auch dieses Studium mit den Umuerfitäten. Tie Tierärzte werden dann gerade so gut Universitätsstudenten sein wie die Forstleute. Ja, m. H., ich allein vermag sehr wenig, aber es hat mich sehr gefreut, daß speziell Die bayerische Staatsregierung sich dieser Sache angenommen und im Bundesrat diesen Antrag gestellt hat und daß derselbe dort angenommen worden ist. Ich wünsche also, daß die Zeit komme, daß die Tierärzte, sei es Universitätsstudenten, sei es Studenten der Technischen Hochschule sein werden. Und mit diesem Wunsche, bejfen Erfüllung gewiß den deutschen Tierärzten zum Segen gereichen würde, ergreife ich das Glas und rufe:Tie deutschen Tierärzte, sie leben hoch!" (Leb­hafter, stürmischer Beifall.)

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Aus Stadt und Land.

Gießen, den 22. Oktober 1902.

* Gedenktage. Am 23. Oktober 1803 wurde Berlin der Opernkomponist Albert Lortzing als Sohn eines Schauspielers geboren. Nachdem er in Kinder- und Liebhaberrollen aufgetreten war, schrieb er mit 20 Jahren seine erste Oper. 1837 wurdenDie beiden Schützen" auf­geführt und in demselben Jahre folgte die OperZar und Zimmermann", die Lortzings Namen rasch durch Deutschland trug. Verschiedene Kapellmeisterstellen mußte er wegen Auf­lösung der Unternehmungen niederlegen und geriet in äußerst bedrängte Lage mit seiner Famllie. Seine Hauptwerke, die er selbst gedichtet hat, sind volkstümlich geworden.

Das Kastspiel von ßyarlotte Wiehe und ihre französische Ke/ellschajt in Kleßeu.

(Freitag, den 24. Oktober.)

UL

Tie dritte Pvogrammnummer wird uns mit des Wiener Schriftstellers Arthur SchnitzlerA b s ch i e d s s o u p e r" bekannt machen. In einem Hotel erwartet Maurice, be­gleitet von seinem Freunde Max, die Ballettänzerin Luise, um mit ihr, wie gewöhnlich nach dem Ende der Oper, zu Abend zu speisen. Er hat ihr, als sie sich Liebe schwuren, versprochen und sie ihm, daß, wenn das eine für das andere keine Liebe mehr spüren würde, es frei heraus gesagt werden solle. Maurice hat nun fein Herz anderweit vergeben und möchte dies Luisen gestehn, findet aber schon seit acht Tagen nicht den Mut dazu, unD hat deshalb Max mitgebracht, der ihm sekundieren uni) Die gewiß trostlose Luise beruhigen soll. Er preist Max gegenüber. Nachdem er ihn zuvor in feine Aufgabe eingeweiht, seine neue Liebe als ein reizendes und dabei anspruchsloses, einfaches Wesen.

Auch Luise hat sich aber des gegenseitigen Versprechens erinnert, sie hat sich in einen armen Kollegen vom Ballet verliebt und ist entschlossen, ihm bald auch die Hand zu schenken. Luise tritt ein mit der festen Absicht, Maurice Dies unverweilt zu gestehen und zum letzten Male mit ihm zu soupieren. Diese Absicht führt sie auch sofort aus und kommt somit Maurice zuvor. Der die Mitteilung sehr ungnädig aufnimmt. Luise läßt sich aber nicht aus dem Gleichgewicht bringen, sie ist entschlossen, im Guten von ihm zu gehen und nebenbei ausgiebigen Abschied von Bur­gunder und Champagner, von Austern, Rebhühnern und Creme zu neunen, Tinge, Die sie in Zukunft alle ent­behren muß. Schließlich gesteht auch Maurice, daß er sich in derselben Lage wie Luise befinde und daß er dies Souper als Abschiedssouper arrangiert habe. Luise ist darüber zunächst sehr belustigt, braust aber heftig auf, als er ihr weiter sagt, daß sich sein Herz nicht erst seit gestern Dieser neuen Liebe geöffnet habe. Tas ihr mitzuteilen, empfindet sie als Mangel an Takt. Sie Eonn sich jedoch nicht ver­sagen, mitten in ihrem Zorn von Dem eben Herbeigebrachten Vanille-Creme noch rasch eine Probe zu nehmen, und auch von ihm sich zu verabschieden.

Ten Schluß des Abends bildetL'Homme aux Po upe es", ein mimisches Märchen von Henry Bersny. Wir sehen da einen Dichter, verzweifelnd an seiner Schaf­fenskraft. Das ideale Wesen, das ihn zur Arbeit be­geistern soll, glaubt er in seiner hübschen Frau nicht ge­sunden zu haben. Er betrachtet ihr Bild, wirft es aber enttäuscht zur Seite und holt sich dafür einige Puppen, unter denen eine am meisten dem von ihm geträumten Ideal zu gleichen scheint. Vielleicht könnte er ihr Leben einhauchen? Mit der Puppe im Arm schläft er ein. So findet ihn seine Frau; ihr kommt die Idee, ihn von seinem Wahn zu heilen, ihm zu zeigen, daß er das ge­träumte Glück ganz in seiner Nähe hat. An die Stelle der Puppe legt sie ihr Bild und entfernt sich dann. Der erwachende Dichter ist trostlos über Den Verlust feiner Lieblingspuppe; da wird eine Kiste hereingetragen, in Der er eine Puppe findet, die der verschwundenen ähnlich sieht. In seiner närrischen Freude hätschelt und streichelt er sie, und bemerkt endlich, daß sie Leben gewinnt, ihre Starrheit verliert und Weib wird, das die Beseitigung aller anderen Puppen und die Alleinherrschaft über ihn verlangt. Sie macht sich über seine schwermütigen Gedichte lustig und begeistert ihn zu einem Sang, voll von Früh- lingslust und Leven. Tas Puppenweib verlangt jetzt auch nach Nahrung. Während der Dichter fort ist, um solche zu holen, streckt sie sich auf dem Divan aus und wird wieder Puppe. Der betrübte Dichter legt sie in die Kiste zurück. Plötzlich ertönt Gesang aus dieser, es ist das frohe Lied, das er vorhin gedichtet hatte. Strahlend ent­steigt seine Frau der Kiste, selig stürzt er gehellt ihr zu Füßen.

In den drei Stücken ihres Programms, deren Inhalt wir zum besseren Verständnis der Theaterbesucher kurz wiedergegeben haben, ijt nun Frau Wiehe schon in einer großen Reihe von Städten, Wiesbaden, Köln, Hannover, Berlin, Dresden, München, Wien, Budapest, Karlsruhe usw. aujgetreten. ~ie Kritik hat ihrer Kunst allüberall das gleite hohe Lob gespendet, und deshalb genüge es, nur eine einzige tritische Stimme hier anzuführem Die Kölnische Zeirnng" schrieb:

feite das Ballett überhaupt in Deutschland völlig zurückgetreten ist, so spielen au< nuferen deutschen Thea­tern auch. Die früher sehr beliebt gewesenen Pantomimen

keine Rolle mehr, das Publikum hat die Fühlung mit dem Werte einer reinen rhytmischen Gebärdenkunst ganz ver­lörest. Frau Wiehe siegte aber sofort durch die ganz außer­ordentliche Anmut ihres Wesens. Tie PantomimeDitz Hand" schildert den Einbruch eines Diebes in die Wo^» nung einer Tänzerin, die durch einen abgewiesenen Ver­ehrer gerettet wird. Frau Wiehe, in der sich der hell­blonde Typus des germanischen Nordens mit der Grazie der Pariserin reizend vereint, spielt eine ebenso pikante^ wie decent durchgeführte Auskleideszene, tanzt mit fesseln­der Anmut einen orientalischen Tanz und entfaltet dann, erschreckt und in Angst getrieben durch die an einer Vov- hangöffnung sichtbare Hand des Einbrechers sowie bei dessen mörderischem Ueberfall eine meisterhafte Mimik, die gerade bei ihrer zierlichen blonden Persönlichkeit einen besonderen Reiz erhält. In SchnitzlersAbschiedssou- p e r", dem die französische Uebertragung sehr zum Vorteil gereicht, zeigt sie sich uns als Schauspielerin von ent­zückendem Humor. Tie französische Sprache glänzend be# herrschend, stellt sie uns eine zwanglose Ballettratte, Den echten Kulissengamin, mit feinem Geschmack und doch voll drolliger Komik dar, die bezwingend niedlich wirkt. Eine weitere PantomimeSeine Puppe" giebt der Künstlerin Anlaß, das bekannte Ballettkunststück, eine Puppe oarzu- stellcn, mit besonderer Feinheit durchzuführen. if£ dabei auch Gelegenheit zu einer neckischen Mimik gegeben» Tie Kunstweise von Frau Wiehe ist der zierlichen Bronze auf dem Tisch eines Tamenboudoirs zu vergleichen, aber, sie hat ihren großen Wert durch die Lieblichkeit und be* zwingende Grazie der Tarstellerin, die nicht blos Technik ist, sondern in der sich ein außerordentlich liebenswürdi­ges persönliches Naturell eines lieblichen Theaterkindes offenbart, das mit blauen Kinderaugen sich Darüber freut; dem Publikum zu Gefallen zu sein. Ter leichte, vorsichtig verwertete Pariser Tust giebt der blonden Lieblichkeit dieser Darbietungen noch eine besondere Würze. Frau Wiehe wird überall ihr Publikum finden, nicht zum wenigsten bei der Damenwelt."

Wenn wir zum Schluß den Besuchern der Wiehe-Vor­stellung am Freitag noch einen Rat geben sotten, so ist es der, sich mit Opernguckern auszurüsten. Denn es giebt da sehr viel für das Ange, und wären es auch nur die Pracht- vollen Toiletten der Künstlerin.