Ausgabe 
22.5.1902 Zweites Blatt
 
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5'afittbtreffioit, Les Obervergamtsbezirks und anderer Staats- schluß Waldeck-Rousieaus, noch und Stadtbehörden. Nach der Eröffnungsansprache des Ge- Kammer zurückzutreten, gerade

Die vulkanische Katastrophe.

schluß Waldeck-Rousieaus, noch vor der Berufung der neuen - ' >, in dem Augenblicke in die

richtet. Nicht nur, daß der Sousfriöre wiederum aus gebrochen ist unDi Falles mit Asche zwei Fuß hoch bis sechs Meilen von Kingstown bedeckt, selbst ein neuer Vulkan, Bonhomme, unweit Kingstown, hat sich ausgethan, der Rauch ausstüßt.

Zur ßinweihurrg des Nurschenschaftsdenkrnals in ßisenach.

(Originalbericht desGieß. Anz.")

II.

öffentliche Diskussion geworfen wird, wo der Präsident der Republik in Rußland eintraf. Die reaktionäre Presse erblickt in der Demission natürlich eine Flucht, welche der Furcht vor einer Niederlage in der Kammer entspreche. Die republi­kanische Presse erkennt die Motive Waldeck-Rousieaus an, bedauert aber, daß die Parteien in der neuen Kammer keine Gelegenheit zu einer großen, die Situation klärenden Debatte inden sollen, bevor der Präsident der Republik das neue Ministerium ernennt. DiePetite RepubliqUe" befürchtet, daß die Linke durch irgend einen Kompromiß mit den Ge­mäßigten um ihre Wahlerfolge betrogen werden könnte.

politische Tagesschau.

Waldeck.Rouffeau's Rücktritt.

Der bevorstehende Rücktritt des französischen Minister­präsidenten Wal d c ck- Roussc au hat m Berliner poli­tischen Kreisen überrascht. Man ist der Meinung, daß die Notwendigkeit der Neubildung des Kabinetts den Prä­sidenten Lo ub et vor eine schwere Aufgabe stellt, denn nichts könne die durch die Wahlen geschaffene günstige politische Situation schneller in das Gegenteil verwandeln, als Miß­griffe in der Berufung neuer Männer. Nach den letzten Pariser Meldungen darf cs feststehend gelten, daß das künf­tige Kabinett keinen sozialistischen Minister auf- weisen wird; der bisherige Handelsministcr Millerand nimmt kein Portefeuille mehr an. Darnach werden die neuen Staatsmänner mit der Gegnerschaft der sozialistischen Kammergruppe zu rechnen haben. Solche ist unausbleiblich, wenn ein Republikaner der Meline'scheu Richtung in's Kabinett berufen werden sollte. Als für den Posten des Ministerpräsidenten in Betracht kommend, nennt man den bekannten radikalen Politiker Bourgeois und den früheren Gouverneur von Jndochina, Doumer. Eine unlängst an dieser Stelle zum Abdruck gebrachte Pariser Korrespondenz sagte dem letzteren gleichfalls eine politische Zukunft voraus. Um das Amt des leitenden Staatsmannes zu übernehmen, dazu ist Herr Doumer aber wohl nicht hinreichend in die Politik eingelebt; er würde allenfalls einen tüchtigen Ressort­minister, etwa im Kolonial- oder Auswärtigen Amt, ab- geben.

In der Pariser Presse hat die Ankündigung der De- misfion des Biinisteriums Waldeck - Rousseau alle anderen Betrachtungen in den Hintergrund gedrängt, und nicht mi Unrecht wundert sich dieLaterne". daß der plötzliche Ent-

heimrats Jcncke sprach der Han d e lsmin i st er. Er forderte den Verein auf, fortzuschreiten in der Verfolgung der wirtschaftlichen und sozialpolitischen Ziele, insbesondere mitzuarbeiten am Ausbau der nationalen Wasserstraßen.

Aus Stadt und Sand.

Gießen, 22. Mai 1902.

* ZurFerienorduung an den hiesigen höheren Schulen. Wie der Mehrzahl unserer Leser bekannt sein wird, ist im Februar dieses Jahres eine mit zahlreichen Unterschriften von Familien- vorständen der verschiedensten Kreise Gießens versehene Ein­gabe an das Großh. Ministerium des Innern gerichtet worden wegen Festlegung der Hcrbstferien an den höheren Schulen (Gymnasium, Realgymnasium und höhere Töchterschule) Gießens, und zwar in dem Sinne, daß deren Be­ginn ungefähr mit dem Beginn der Unioersitätsferien zusammen­gelegt werden möge. Mit Rücksicht darauf, daß es wünschens­wert ist, die drei Schulzeitterziale in ihrer Dauer möglichst gleich zu gestalten, war dabei der Vorschlag gemacht worden, die Herbstferien von fünf auf sechs Wochen zu ver­längern und, wenn es nötig schiene, dafür die Oster­ferien von drei auf zwei Wochen abzukürzen. Vor einigen Tagen ging an einen der Unterzeichner der Eingabe die Antwort ein:Die Regierung fei nicht in der Lage, bereits, wie gewünscht, in diesem Jahre eine

Zahlreicher denn je haben in diesen Tagen aus allen Gauen Deutschlands die Burschenschafter wieder Einzug ge­halten in der Wartburgstadt, und trotz des ungünstigen Wetters flutet in den mit Fahnen festlich geschmückten Straßen reges Leben und Treiben aus und ab. Eine ge­schmackvolle Ehrenpforte am Bahnhof entbietet den An­kommenden den Willkommengruß der Stadt. Ein Stü­de n t e n s e st wollen sie feiern, das den Mick zurückschweifeu ÄßL nach jenen ewig denkwürdigen Oktobertagen 1817 und und der 50jährigen Erinnerungsfeier 1867. Ihr Kommen gilt der Weihe des Denkmals, welches dankbare Liebe den Männern errichtet hat, feieren Denken, Thun und Handeln den alten Traum der Burschenschaften und ihre patriotischen Ziele in ungeahnter Herrlichkeit erfüllte. Die aus Anlaß Keser Feier in Aussicht genommenen Fe st l i ch k e i t ens nahmen heute abend int großen Saale des Kurhauses Fürstenhof" ihren offiziellen Anfang. Alle beut»! scheu Universitäten und 60 einzelne Burschenschaften, sowie die österreichischen Burschenschaften (L. D. C.) und die Burschenschaften der deutschen technischen Hochschulen (R. D. C.) haben Vertreter zum Feste geschickt. Dazu kommen noch mehrere Hunderte alter Herren, welche arößtenteils in Begleitung ihrer Damen erschienen sind, sodaß der ge­räumige Saal, der über 2000 Personen faßt, mit all den anschließenden Nebenräumen bis auf den letzten Platz ge- üllt war. Es mochten wohl allein gegen 2000 aktive Burschenschafter und alte Herren zugegen sein. Neben den jugendfrischen Gestalten im lockigen Haar sah man gereifte Männer und hochbetagte Semester in großer Zahl, und es entwickelte sich bald ein lebhafter Meinungsaustausch, der oft nur schwer zu dämpfen war. Der Orchesterraum war mit Lorbeerbäumen und Blattpflanzen und den Büsten des Kaisers und Großherzogs, sowie den Fahnen der vertretenen Burschenschaften geschmückt. .Von der Galerie herab grüßte das treu gehütete alte Burschenschaftskleinod, die rot-schwarz­rote Burschenschaftsfahne mit dem goldenen Ehrenzweig. Tie Festversammlung, die durch den Gesang des Fest­liedes:Willkommen hier, vielliebe Brüder" eingeleitet wurde, begrüßte Medizinalrat Dr. Wedemann- Eisenach. Darauf folgte die Verlesung einer endlosen Zahl eingegangener Zuschriften und Telegramme.

Kaiser Wilhelm ließ durch Den weiwarischen Ge-q sandten, Grafen R a t i b o r, unter dem Ausdruck des Dankes sein Bedauern aussprechen, an dem Feste nicht teilnehmen zu können. Der Gr o ßh erzo g von Sach sen-Weimar ließ durch den Freiherrn v. Eglofs stein erklären, daß er ebenfalls zu seinem lebhaften Bedauern verhindert sei, der Einladung Folge zu leisten, und ließ denAusdruch der herzlichsten Teilnahme an dieser bedeu-, tun gsv ollen vaterländischen Feier überM mittel n". Ein verbindliches Schreiben war ferner vom Reichskanzler Grasen Bülow eingelaufeu. Graf Bülow schrieb: c .

Da ich die nationalen Bestrebungen der deutschen Burschenschaft mit reger Anteilnahme verfolge, hat es mich lebhaft interessiert, aus der von dem Burschenschafts-' denkmalverein herausgegebenen Festschrift Näheres üben die Geschichte, die Idee, die äußere sowie innere Gestalt, des Denkmals und die Beziehungen Weiland Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Karl Alexander von Sachsen dazu ersehen zu können."

Ein sehr herzliches Schreiben sandte der Großh. Staats­rat aus dem weimarischen Ministerium Dr. Hunnius:

,Empfangen Sie freundlichst die besten Wünsche für bas Zeichen der Kraft und Dankbarkeit der Burschenschaft und genehmigen Sie die Versicherung, daß es mir eine große Freude ist, das BurschenschnftÄdenkmal in der Stadt erwachsen zu fühlen, in der sich von jeher das nationale Gefühl und die Vaterlandsliebe der Burschenschafter be- thätigt haben. Möge die treueste Liebe zum Vaterlande, die Treue bis zum Tode, die 1870/71 so viele Burschen­schafter bewährt hoben, der Leitstern sein und bleiben, dem das Banner der deutschen Burschenschaft folgt!"

Von den zahlreichen anderen Telegrammen, Die zur Verlesung kamen, und unter denen noch die des Fürste« Pismarck-Schönhausen, Grafen Moltke und Grafen Roon erwähnt seien, wurden mit ganz besonderem Beifall auf­genommen die der alten Burschenschafter Hermannstadts (Siebenbürgen), der Arminia Czernowitz, des Abg. Lutz- Koroni, des ReichpArats und Abg. Hauck-Wien, der Stirio- Graz, der Albia-Wien, der alten Burschenschafter aus Lud­wigshafen, Lindau und Zürich, des 14. deutschen Durn- kreises Sachsen rc. , ±r,

Die zum erftenmole zu einem deutschen Burschen- schaftsfest erfolgte größere Beteiligung oster-, r e i ch i s ch e r B u r s ch e n s ch a f t e r es sind derer gegen 30 vertreten wurde überall freudig begrüßt und verleiht den denkwürdigen Tagen zweifellos eine gewisse p o li- tische Bedeutung, die gerade in heutiger Zeit beacht tenswert ist. Der Empfangsabend, der durch Konzertvor-, träge und allgemeine Gesänge ausgefüllt wurde, nahm den schönsten Verlauf und zeigte ein büntbewegtes Bckd echt studentischen Lebens und Treibens. Erwähllenswert durfte noch die Mitteilung sein, daß der Konvent heute be­schlossen hat, den Verband nicht mehr A D. C., solidem Deutsche Burschenschaft" zu nennen. Die Denk- malweihe findet morgen 2 Uhr statt.

Es scheint fast, als ob die ganze un glückliche Insel Martinique dem Untergang g e w e i h t sein solle. Nach der Vernichtung von St. Pierre traten Tage einer gewissen Ruhe ein, und man glaubte schon, die schreck­liche Katastrophe habe ihr Ende erreicht. Ta kamen vor- g.stern, erst vereinzelt, Nachrichten, in denen zunächst noch unklar angedeutet wurde, daß die vulkanische T t ig­le i t v o n neuem auf der unglücklichen Insel begonnen habe. Jene ersten Mitteilungen werden jetzt nur allzusehr bestätigt. Auf dem Mont Pelee öffneten sich neue Krater, Basse Pointe wurde, wie schon mitgeteilt, zum Teil zerstört; das Meer tobte, wiederum erfüllte ein Regen von Asche und Steinen die Luft, unfe jetzt Hot die verheerende Wolke ihren Weg nach Fort de France, der Hauptstadt der Insel Martinique, genommen, Entsetzen und Todes­angst unter bi er Bevölkerung verbreitend.

Wir haben bereits gestern von diesen neuen Aus­brüchen des Mont Pelee, die noch viel schlimmer sein sollen als .die ersten, berichtet. Unter Der Bevölkerung ist die größte P a n i k ausgebrvchen. Alles sucht nach Fort de France zu» flüchten.

Nach den letzten Trohtmeldungen wurden Steine, die mehrere Fuß 'im Durchmesser hatten, hoch in die Lüfte geschleudert und fielen in Rotglühhitze in der Umgegend von St. Pierre, sowie manche kleinere Steine in Fort de France nieder. Das Trinkwasser auf der Insel ist nunmehr ungenießbar, da es heiß ist und schlecht schmeckt. Auch von einer Springflut wird berichtet, sodaß manche Schiffe schnellstens den Hafen verließen. Die ganze Insel soll Stunden lang geschwankt haben.

Ter Kapitän des KreuzersSuchet", auf dem sich, wie gemeldet, der stellvertretende Gouverneur, Senator Knight, nach der neuen Unglücksstelle begeben hat, telegraphiert aus Fort de France, baß auch gestern früh wieder ein Stein- regen auf d i e Stadt nieder ging, der eine neue Panik veranlaßte. Aus dem zunächst betroffenen Carbet und den benachbarten Orten brachte der Dampfer 240 Per­sonen nach der Hauptstadt. Doch ist nach Ansicht des Gou­verneurs die Existenz von Fort be France zwar zunächst noch nicht gefährdet. Aber trotzdem nimmt die Panik auch in Fort de France immer mehr zu, und die Bewohner strömen scharenweise noch den im Hofen liegenden Schiffen, die bereits sämtlich mit Geängstigten gefüllt sind, die unter allen Umständen Martinique verlassen moften.

Auch von St. B i n c e n t, der Nachbarinsel Martiniques, wird aus St. Lucia über eine n e u e K a t a st r o p h e be-

Ausland.

London, 21. Mai. Der Bericht des zur Prüfung der Bestimmungen über die Offiziersausbildung eingesetzten Ausschusses verurteilt das gesamte bisher übliche System des militärischen Er - ziehungswesens, welches einer völligen Umbild­ung unterzogen werden müßte. Es sollen, wie vorgeschla- gen wird, künftig in jedem Jähr fünfzig Offizierspatente an Studenten aus den englischen Kolonien vergeben werden, um sie zur Einschlagung der Offizierslaufbahn zu er­mutigen. Ferner mühte es den Kadetten, welche einen Zuschuß von 200 Pfund jährlich haben, möglich sein, bei Kavallerie einzutreten. Dann solle ein Generalinspek­teur für das militärische Erziehungswesen ernannt werden, dessen erste Pflicht es sein würde, die militärischen Jn- struktionsbücher zu revidieren, soweit sie zu tadeln sind. Polot-Touruiere zwischen den verschiedenen Regimentern sollen verboten werden, ebenso die Ditte der Regimenter, Regiments kutschen und Hundemeuten zu halten.

Antwerpen, 21. Mai. DieMetropole" schreibt: Wir sind aus authentischer Quelle zu der Erklärung er­mächtigt, daß die aus Brüssel an denStandard" über­sandte Nachricht vollkommen falsch ist, wonach die bel­gische Regierung auf eine Ablehnung der Zucker­konvention seitens der Parlamente mehrerer Länder gefaßt zu sein scheine, und daß die Möglichkeit der Em- berufung einer neuen Konferenz vorliege, ferner, daß neuerliche diplomatische Verhandlungen zwischen den Ka­binetten eingeleitet seien, um die Konvention abzuändern.

Nom, 21. Mai. Deputiert en kämme r. Bei Be­ratung der berichtigten Budgets des Finanzjahres 19011902 spricht der Schatzminister Dr. Broglio seine Freude darüber aus, daß er mit sämtlichen Rednern im Einvernehmen über die Finanzlage sei. Der Minister führt aus, das Betriebsjahr werde mit einem Aktivüber­schuh von über 13 Millionen abschließen.

Newyork, 21. Mai. In der Harvard Univer­sität sind die vom Kaiser Wilhelm geschenkten und vom Prinzen Heinrich überreichten Photographien gestohlen worden.

DieNewyorker Staatszeitung" erhielt die Meld­ung, daß der neue amerikanische Marineattache Potts dem deutschen Kaiser höchst u n s y m p a t i s ch sei und er die persönliche Vorstellung hin ausschieb en werde, weil Potts in der Schley-Affaire gegen Schley gewesen sei. Diese Meldung befremdet hier, da die Schley-Affaire lediglich als eine innere amerikanische Sache betrachtet wird.

Der deutsche Burenkrieger Baron Kahn ach schwamm zweieinhalb Stunden von Burts Island nach Bermuda, wo er jedoch nicht verborgen bleiben konnte und sich daher den englischen Behörden wieder stellte.

Washington, 20. Mai. Das Deutsche Reich hat Die Vereinigten Staaten ersucht, ihre Dienstschiffe am Isthmus von Panama anzuweisen, die deutschen Re ichs an gehörig en während der dortigen Unruhen zu schützen. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat sich sofort dazu bereit erklärt und entsprechende Weisungen an Den Kommandanten des bei Boca de Toro ankernden KanonenbootsMachvas" gekabelt.

Präsident Loubet richtete gestern von Kronstadt aus an den Präsidenten Roosevelt ein Telegramm, in dem er ihm die aufrichtigsten Glückwünsche anläßlich der Proklamierung Kubas als Republik unter der mäch­tigen Aegide der Vereinigten Staaten ausspricht, und den besten Wünschen für die junge Republik Ausdruck giebt.

Pretoria, 21. Mai. Sechs von der Konferenz in Vereeniging gewählte Delegierte, darunter Mit­glieder der beiden Negierungen, nebst Telarey, De Wet , und acht Sekretären sind am Sonntag angekommen; sie wohnen in einem Gebäude neben dem Hause Kitcheners und Milners, die gestern eintrafen.

Peking, 20. Mai. (Reuter.) Die Gesandten be­schlossen, die auf die Entschädigungssumme ein­gegangenen Teilzahlungen vorläufig zu verteilen und beschlossen ferner, den Bankierausschuß auszuforderu, dem Toatai von Shanghai mitzuteilen, daß seine Ansicht, die Entschädigungssumme sei in Silber zahlbar, unhaltbar sei. Der Generaliuspektor der Zölle, Robert Hart, trat der Ansicht bei. Die Bankiers ersuchten kürzlich den Toatai, sie davon zu benachrichtigen, welchen Fortschritt die Ein­ziehung der Entschädigungssumme mache.

Präsident «^orröet in Rußland.

Petersburg, 21. Mai.

Nach der Ankunft des Präsidenten Loubet und des Zaren in Kraßnoje Sselo fand eine Parade statt. Tor auf nahmen die Herrschaften im Kaiserzelt das Früh- tück ein, bei dem der Kaiser folgenden Drin ksprach ausbrachte: t .

Herr Präsident! Meine Truppen, Deren Vorbei­marsch Sie soeben gesehen haben, sind glücklich, Daß sie ihre Ehrenbezeugungen Dem hochgeachteten Haupt Des befreundeten und verbündeten Staates haben erweisen können. Tie lebhaften Sympathien, welche das russische Heer der schönen französischen Armee gegen­über beseelen, sind Ihnen bekannt. Sie bilden eine wirk­liche Waffenbrüderschaft, welche wir mit umso größerer Befriedigung konstatieren, als diese gewaltige Macht keineswegs die Bestimmung hat, ag­gressive Absichten zu unterstützen, sondern ganz im Gegenteil, Die Au f r e ch t e r h a l t u n g Des allgemeinen FrieDens zu sichern unD Die Achtung vor Den erhabenen Grundsätzen sicher zu stellen, welche Die Wohlfahrt Der Volker sichern unD ihrem Fortschritt Dienen. Ich erhebe mein Glas auf das Gedeihen und Den Ruhm Des tapferen französischen Heeres."

Präsident Loubet erwiderte sofort:

Sire! Ich danke Ew. Majestät dafür, daß Sie mir das lebhafte Vergnügen bereitet haben, diese schonen Truppen bewundern zu dürfen, deren stolze, kriegerische Haltung und graziöse Bewegungen beweisen, daß die russische Armee durch unaufhörliche Fortschritte tapfer ihren hohen Ruf aufrecht erhält. Ebenso, wie gemein­same Sympathien und höhere Interessen Die beiDen Völker vereinigt haben, so schaffen eDle WaffenbrüDerschaft unD gegenseitige Achtung ein engeres Band zwischen Den beiDen Heeren. Diese gew altige Macht ist für nicmanD e ine Drohung. RußlanD unD Frankreich Dürfen Darin aber zu gleicher Zeit eine Garantie für Die Ausübung ihrer Rechte unD eine Schutzwehr sehen, unter Der sie in aller Ruhe frucht­barer Arbeit nachgehen können, Die ihren WohlstanD mehren unD DaDurch ihre Macht unD ihren legitimen Einfluß erhöhen wirD. Im Nomen Der französischen Ar­mee, welche Die Ehre nicht vergessen hat. Die Eure Ma­jestät ihr DaDurch erwiesen haben, Daß Sie ihren Ma- nöüern beiwohnten, trinke ich auf Dos GeDeihen unD Den Ruhm Der tapferen russischen Armee."

V *

Petersburg, 21. Mai. ImRathause fanD gestern zu Ehren Der französischen Marineoffizier e ein- Rout mit Konzert statt. Dem Feste wohnten Admiral Rou- stonD, Der Verweser Des Marineministeriums VizeoDmiral Tyrtow unD Botschafter Montebello bei. Bürgermeister Lel- janow brachte einen Trink sprach auf PräsiDent Loubet, Die ronzösische Flotte unD Die Gäste aus. In ODessa be­schloß Die StaDtverorDnetenversammlillig, eine Strafe zur Erinnerung an Den Besuch Loubets BoulevarD de France zu benennen.