Ausgabe 
22.5.1902 Zweites Blatt
 
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Aenderung bet Ferienordnuug herbeizuf ührery sei aber nicht abgeneigt, für das nächste Jahr eine solche zu verfügen, und zwar nach dem Willen der Gesuchsteller, sofern sich auf Umfrage die Mehrheit der davon berührten Familien damit eiiwerstanden erklärt.* Dabei sei eSselbstverständliche, daßeine Verkürzung der Osterferien von 3 auf 2'/, Wochen und der Pfingst- ferien von 1 auf V, Woche" eintreten müsse. Warum nicht, wie in der Eingabe angedeutet wurde, unter Bei­behaltung der Iwöchigen Psingstferien die Osterferien um eine ganze Woche gekürzt werden können, wird nicht aus­geführt. Vorstehende Mitteilungen mögen den Unterzeichnern der Eingabe einstweilen zur Kenntnis dienen.

Ferienkurse au der Universität Marburg. Die dies­jährigen Ferienkurse mit Vorlesungen und Hebungen in deutscher, französischer und englischer Sprache sinden in der Zelt vom k. bis 26. Juli und vom 3. bis 23. August statt. Deutsche Vorlesungen halten Prof. Bühmel, Prof. Dr. Bonhoff, Pros. Dr. Lollin, Prof. Dr. Elster, Göttmann, Berlin, Prof. Dr. Gundlach, Dr. Helm, Dr. Knabe, Direktor der Oberrealschule Marburg, Dr. Schmidt, Dr. Schulze, Dr. See Haussen, Direktor der höh. Töchterschule Marburg; in französischer Sprache Prof. Dr. Chamard aus Lille, Prof. Dr. Dimier aus Valen- ciennes, Prof. Dr. Malapert aus Paris, Lector Dr. Scharff (Marburg); in englischer Sprache Prof. Grisfin aus London, Rcv. Fripp, AL A. aus Mansfield und Lector Dalrymple, M. A. (Marburg). Ausführliche Prospekte werden auf Ver­langen vom Sekretariat der Marburger Ferienkurse, A. Cocker, Villa Cranston, Marburg a. d. Lghn unentgeltlich versandt. Ferner werden Vorttäge halten Dr. Diemar und Prof. Pr. Thumb.

w. Geilshausen, 20. Mai. Der Jagdpächter F. Haag von Frankfurt erlegte gestern abend emen kapitalen Zwölf­ender. Das Gewech ist so prachtvoll, daß es der glückliche Schütze auf die Geweihausstellung in Berlin schicken will.

1c. Homburg v. d. H., 21. Mai. In Ritters Parkhotel wurde für die 3. Juliwoche für König Eduard von Eng­land Quartier bestellt. Der Inhaber der Adler-Drogerie, Schwarz, hat sich heute Morgen erhängt. Er war noch nicht 30 Jahre alt. Unglückliche Geschäftsverhältnisse sollen ihn zum Selbstmord getrieben haben.

Wiesbaden, 21. Mai. Der Oberprokurator desHeiligen Russischen Synod", Powjedonoßzew, der seit einigen Tagen hier zum Kurgebrauch roeilte, hat demWiesb. Tgbl." zufolge seinen auf mehrere Wochen berechneten hiesigen Auf­enthalt abgebrochen und ist bereits heute Vorniittag direkt nach Petersburg zurück g er ei ft Er wird, wie das ge­nannte Blatt hört, auch auf der Reise von einem Geheim­schutzmann begleitet.

Vermischtes.

Hochwasser. Die Nachrichten über Hochwaffer- gefahren mehren sich. Aus Mainz wird vom 21. ds. ge­meldet, daß der Rhein noch fortwährend wächst. Das Wasser­bauamt erhielt folgende offizielle Mitteilung: Maxau gestern 640, heute 690, steigt. Mannheim gestern 607, heute 646, langsam steigend. Worms gestern 322, heute 361, steigt. Ein Privattelegramm aus Mainz teilt uns mit, daß der Rhein dort stellenweise heute aus den Ufern getreten ist und noch steigt. Ebenso wird aus Köln berichtet, daß im ge­samten Oberrheingebiet Hochwasser herrscht. Die Kölner Pegelhöhe ist seit gestern um 1,25 Meter gestiegen. Die hochgehende Ruhr verursachte Störungen' im Schlepp­verkehr. Köln meldet 5 Mir., .Düsseldorf 4,40, Ruhrort 3,98 __ Auch die Mosel steigt bei Koblenz stündlich um 6 Ctm. Amtlich wird weiter gemeldet: Obe'rmosel und Saar stark steigend. In verschiedenen Orten der Rhein- und Kinziggegend in.Baden ist durch daS Hochwasier bereits bedeutender Schaden verursacht; insbesondere im Amtsbezirk Rastatt, sowie im Amt Kehl sind die durch die Ueberflutungen angerichteten Schädigungen erheblicher Art. In Griesheim, Amt Offenburg, mußte die Wasserwehr alarmiert werden. Richt weniger beängstigend lauten die Nachrichten aus Oester- freich. lieber Budapest ging gestern Nachmittag ein ürchterliches Unwetter mit starkem Hagelschlag nieder. Die Keller m den meisten Häusern sind überschwemmt. Auch die Lahn führt seit einigen Tagen sehr viel Waffer und beginnt, an flachen Stellen aus den Ufern zu treten.

Von dem jüngst verstorbenen russischen Schrift­steller Uspenski erzählt ein Petersburger Blatt folgende Anekdote: Auf einer akademischen Ausstellung befand sich em Bild Uspenski's, von der Meisterhand Kramskoi's gemalt. Ein Freund beredete Uskenski, diese Gemäldeausstellung mit ihm zu besuchen. Uspenski war ein Feind allen Gedränges und Ausstellungen interessierten ihn nicht. Als er durch das Zimmer ging, wo sein Bildnis hing, hielt ihn plötzlich ein korpulenter Herr an, der eine dicke goldene Uhrkette trug, an der ein mit großen Brillanten besetztes Jeton hmg.Wie freue ich mich, Sie zu sehen!" rief der Dicke laut und schüttelte dem erstaunten Schriftsteller kräftig die Hand.Freut mich sehr.... Ich habe soeben ihr Porträt gekauft. Ein sehr wertvolles Porträt".Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, mein Porträt zu kaufen?" fragte chn Gljeb Iwanowitsch.Ich bin ein großer Verehrer Ihrer Werke", erwiderte der dicke Herr, drückte Uspenski nochmals die Hand und ging in den nächsten Saal.Uspenski fragte seinen Be­gleiter nach dem Namen des sonderbaren Herrn und erfuhr, daß es ein bekannter Mäcen, der Schnapsfabrikant S. war. Er eilte sofort dem Dicken nach und fragte ihn:Bitte, sagen Sic mir doch, wo ich Ihr Bild laufen kann?" Mein Bild?" meinte verwundert und sichtlich geschmeichelt Herr S.Ja, wenn auch nur Ihre Photographie." Wie kommen Sie denn auf die Idee, mein Bild zu kaufen?" fragte der Schnapsfabrikant.Ich bin ebenfalls ein großer Verehrer Ihrer Werke", antwortete Uspenski.

Elberfeld, 21.Mai. Ter Kassierer der Bergischen Kleinbahnen hierselbst ist nach Unterschlagung einer größeren Summe flüchtig geworden.

Potsdam, 21. Mai. Bei einer Bootfahrt auf dem Templiner See ertranken gestern nachmittag drei Personen, deren Leichen bis jcijt nicht aufgefunden sind.

Hamburg, 21. Mai. Im Heizraum des Dampfers Münster" wurden fünf Feuerleute durch aussttömenden Dampf verbrüht. Drei sind tot.

* Stockholm, 21. Mai. In Hudiksvall tötete heute

102.90

Nach-

112.44

Tendenz: rnHz-.

Für die Redaktion öeraniwnrmci) i. V.: N. Tilmann.

. 101.80

. 91.65

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20

Mexikaner . . 4*/2 /(, Chinesen . . Electric, beb ackert . Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien , . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Beniner Handelsges. Oesterr. Staatebahn . Lombarden . . , Gotthardbahn . . . Laurai.ütte . . . . Bochum . . , . . Harpener . . . .

18U2.

. 25.70

. 8935

. 100.00

^-ottesüiechl in öer tzgnagoge, tzudantage. Israelitische Religionsgemeinde.

Samstag, den 24. Mai 1902.

Vorabend: 7^Uhr. Äiorgens: 8" Uhr Predigt.

mittags: 4 Uhr.

Sabbalbausgang: 9'° Uhr.

Neue>le Weisungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

L. Darmstadt, 22. Mai. (Privattelegramm des Gießener Anz.") Die Beerdigung des Prälaten D. Habichr fand heute vormittag 11 Uhr unter außerordent­lich zahlreicher Teilnahme der staatlichen, städtischen und kirch­lichen Behörden, za.4».eucher Freunde und Verehrer des

. 215.80

. 183.90

. 135.10

. 13940

. 152.20

. 149.00

. 14.20 , 169.20 . 199.50 . 194.00

. 173J.0

Damen-Handscimiie Preislagen A. Waag, Ä

102.10

45.20

28.00

4°/ Italien. Rente . . . 4% Portugiesen . . .

30/ Portugiesen. . . .

1% C. Türken . . .

Türkenlose.....

4°/0 UnecL Monopol -Anl.

4' , 56 äussere Argentincr

früh der Arbeiter Dergstroem in einem Wahnsinnaufall mit Beilhieben feine Braut und seine Wirtin und verwundete noch zwei andere Frauen. Vorher hatte die Polizei die Fesselung de§ Wahnsinnigen abgelehnt, da der Kowimffar noch nicht erschienen sei.

London, 21. Mai. Die 23jährige Edüh Brooks stieg gestern abend in Sheffield in einem Ballon 2500 Fuß hoch, um sich bann in einem Fallschirm fallen zu lassen. Der Fallschirm öffnete sich aber nicht und die Brooks stürzte zu Boden. Es heißt, daß ihr jeder Knochen gebrochen wurde. Sie starb wenige Augenblicke nach dem Sturz.

"Paris, 21. Mau Mch einer Blättermeldung hat die Polizei heute Nacht einen Bruder der Frau Humbert in einer Stadt in der Nähe von Paris feftgenommen.

* Wien, 21. Mai. Zwischen dem alldeutschen Ab­geordneten Berger und dem Advokaten Dr. Mühlwert fand ein Säbelduell statt, wobei Berger schwer und Mühlwert leichter verwundet wurde.

4'/, % Oesterr. bilberrente 101.70

4% Ungar. Goldrente . . 101.80

Telephonischer Kursbericht«

.Frankfurt u. LI., 22. Mai

Gerichts faul.

Berlin, 21. Mai. Heute wurde eine urheberrechtlich e Entscheidung gefällt, die in akademischen Kreisen mit einer gewissen Spannung erwartet wurde. Es handelte sich um die Frage, ob und inwieweit es gestattet ist, aus Universität s- oorlesungen etwas zu veröffentlichen. Prof. S ch in 0 l l e r hatte in seinem letzten nationalökonomischen Kolleg am Schluffe des Winterhalbjahres wich die Frage des neuen Zolltarits ge­streift. Er sprach sich im Sinne des Regierungsentwurfs aus und meinte, daß dieser zugleich auch eine geeignete Grundlage sei für den Abschluß von Handelsverträgen, die der Professor lebhaft be­fürwortete. Ter Student W 0 t h veröffentlichte diese Bemerkungen in Berliner Blättern. Prof. Schmoller erblickte in dieser Benützung seines Vortrags eine Verletzung des Urheberrechts, well die Publikation als unerlaubter Nachdruck eines Teiles aus einem wiffenschaitlichen Wecke auszufaffen sei, und stellte den Strafantrag im Einvernehmen mit anderen Professoren, um diese Frage einmal grundsätzlich zum Austrag zu bringen. Tie Angelegenheit wurde heute vor der 8. Strafkammer des Landgerichts I, Berlin, ver­handelt. Der Verteidiger R.-A. Dr. Fränkel behauptete, daß die fraglichen Bemeckungen des Pros. Schmoller gar nicht mehr zum Kolleg selbst gehörten, sondern außerhalb des Rahmens des­selben gemacht worden seien und daß seine Ausführungen im Kolleg genau mit einem Vortrage übereinstimmten, den er seinerzeit m München bei einer Tagung des Vereins für Sozialpolitik ge­hallen. Beides wurde von Professor Schmoller bestritten. Staatsanwalt Ellendt hiell in subjektiver und objektiver Be­ziehung den 8 38 des neuen Nachdruckgesetzes für verletzt. Da der Angeklagte hier nicht aus idealen Gründen gehandelt, sondern gewinnsüchtige Zwecke verfolgt habe und es doch auch einen Vertrauensmißbrauch darstelle, wenn ein Student solche Aeußerungen, die ein Professor in einem Privatkolleg macht, un- kontrolliert in die Oeffentttchkeit bringe, so beantrage er 300 Mack Geldstrafe, eventl. 30 Tage Gefängnis und Vernichtung des betr. Teils des Kollegienheftes. Rechtsanwalt Dr. Fränkel bestritt so­wohl subjektiv als objckttv das Vorliegen eines Nachdrucks und beantragte eventl. die Einholung des Berichts über die Münchener

Verewigten statt. Der Großherzog Uetz sich wrch veq Gcneralabjutanterr Oberst v. Wach ter vertreten, der einen Kranz am Grabe niederlegte. Die Grabrede hiell Oder» konsistorttrlrat Dr. Flöring. Namens der Gießener logischen Fakultät legte Prof. Dr. Krüaer einen Kranz nieder. Der Großherzog folgte gestern abend eurer; Einladung des Oberstleutnants Lungershauseu und über» nachtete im Schlosse. Heute siedelte er nach Schloß ffitolfä» garten über.

Köln, 22. Mau Erzbischof Sim ar ist an Lungenend zündung erkrankt.

Gelsenkirchen, 22. Mai. Ein betrunkener Berginvalld* verursachte eme Dynamitexplosion, wodurch seine Tochter getütet rourde. Em anderes Kmd wurde schwer verletzt. Der Thäter ist flüchttg.

Chemnitz, 22. Mai. Irr Sandheim bei Elsterwerda töteten sich ein 50 jähriger Einwohner und eine 45 jährige Frau durch Ettränken in der Elster. Die Leichen wurden zusammengebunden an das Ufer getrieben.

Stuttgart, 22. Mai. Der Deutsche Schulvereirt hat als nächsten Versammlungsort Potsdam bestimmt.

London, 22. Mai.Daily Telegraph" tellt mit, fei» Spezialkorrespondent in Pretoria telegraphierte privatim an seine Verwandten, daß er zurückkehre. Das Blatt be- n,erkt: Der Korrespondent wählte wegen der Zensur diese Umschreibung und den Umweg, um die Meldung hierher gelangen zu lassen, daß nach feiner Ueberzeugung die Buren den britischen Vorschlägen zustimmten. DaS Blatt erfährt noch, daß unter den Sonntag in Pretoria cingetroffencn Burcndelegierten sich General BeyerS und die Kommandanten Kühler, Ferreiva und Thomsscn befinden.

London, 22. Mai. Gestern abend vernahm man auf St. Vincent cm starkes Getöse, begleitet von heftige» Erdstößeu und elekttischen Entladungen. Aus dem Krater drangen dichte schwarze Wollen hervor. Um 81/, Uhr erhob sich eine leuchtende Wolke aus dem Krater und ver­schwand in nördlicher Richtung. Alsdann erfolgte um Mitter­nacht ein feiner Aschenregen. Der Bewohner hat sich eine große Panik bemächtigt. Sie fliehen wohin sie können.

Brüffel, 22. Mai. Hiesige Burenkreise ecklären, der Stand der Friedensverhandlungen sei schlecht. Sie machen lediglich England für das eventuelle Schellern derselben verantwortlich. Chamberlain und Milner zeigen sich selbst in Nebenfragen wie die Freigabe des Kabels an die Burenführer sehr unnachgiebig, was als Beweis gelten könnte, daß sie entgegen den südlichen Jntensionen des Königs von England gar nicht gewillt sind, den Friedensschluß herbei- zuführen.

Madrid, 22. Mai. Der Hof und die ftemden Fürstlich- kellcn, sowie die Vertteter der auswärtigen Mächte wohnten gestern einem Stiergefechte bei, bei dem 9 Stiere ge­tötet wurden. Der König wurde bei seinem Erscheinen leb­haft begrüßt. Später machten die fremden Fürstlichkeiten, welche heute abzureisen gedenken, dem Könige Abschiedsbesuche, welche dieser erwiderte.

Neapel, 22. Mai. Ein fürchterlicher Sturm richtete im Hafen großen Schaden an. Da viele Schiffe schwer be­schädigt wurden, mußte die Schifffahck eingestellt werden.

Petersburg, 22. Mai. Nach dem gestrigen Frühstück zogen die Majestäten mehrere Personen ins Gespräch. Darauf begaben sich der Kaiser und Präsident Loubet nach Zara- koje Sselo.

Petersburg, 22. Mai. Zu der Truppenparade in Krasnoje-Sselo erschien vormittags 11 Uhr der; Kaiser mit dem Präsidenten Loubet zu Wagen auf dem Paradefelde, wo, idtte Kaiserin-Muttzer, die Kaiserin, Präsi­dent Loubet und die Großfürstin Elisabeth Feodorowna in einem a la Doumont bespannten Wagen Platz nahmen, während der Kaiser zu Pferde stieg. Loubet saß links von der Kaiserin Alexandra. Tie Parade begann mit einer? Fahrt längs der Front der im Viereck aufgestellten Truppen. Ter Kaiser ritt neben dem Wagen, in dem die Kaiserin und Loubet saßen. Nack) der Umfahrt begaben sich die Kaiserinnen und Präsident Loubet zum Zelt aus einer An­höhe. Der Kaiser nahm zu Pferde am Fuße der Anhöhe die Parade ab. Den Oberbefehl sämtlicher Truppen führte der Generalinspekteur der Kavallerie, Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch. Hinter dem Kaiser hielten bie Großfürsten und das Gefolge zu Pferde. An dem vortrefflich ausge­führten Vorbeimarsch nahmen 9612 Bataillone, 36 Schwa­dronen, 12 Sotnien und 266 Geschütze teül. An die Parade schloß sich eine Kavallerie-Attacke. Tas Wetter ist sonnig. Tret Mann stürzten und trugen erhebliche Verletzungen davon.

Fort de France, 22. Mai. Der nordamerikanische HilfsdampferD i x i e" fuhr gestern nacht an dem rauchen­den und flammenden Krater des Mont Pelse vorüber. Tie Flammen waren verursacht durch dasselbe ausströmende Gas, welches die in St. Pierre Verunglückten getötet hat, deren Zahl in den ersten Berichten über­trieben zu sein scheint. Jetzt wird sie höchstens noch auf 25 000 geschätzt. Der Pelee raucht noch stark, ein neuer Ausbruch ist sehr wahrscheinlich. Die Insel St. Vincent soll nach hier eingegangenen Berichten wegen der an­dauernden Gefahr völlig geräumt werden. TerDixie" geht dorthin ab, da Hilfe nötig ist. In Fort de France waren die Lebensmittel zeitweise knapp, aber nie­mand hat gehungert. In St. Pierre sind bis jetzt 6000 Leichen gesunden worden. Hunderte von Einwohnern . brachten sich nach Santa Lucia in Sicherheit.

Rede des Prof. Schmoller und ^Befragung der Sachverständigen­kammer. Der Angeklagte habe gewiß nicht richtig gehandelt, er würde aber dem Pros. Schmoller sehr dankbar fein, wenn er durch Zurückziehung des Strafantrages weitere Unannehmlichkeiten er­spart. Pros. Schmoller erklärte dies nicht für möglich. Der Ge­richtshof lehnte die Beweisanträge ab, hielt einen Nachdruck im Sinne des § 38 für vorliegend mid verurteilte den Angeklagten mit Rücksicht darauf, daß hier doch ein grober Verstoß gen die ak ademische Sitte und Ordnung vorliege, zu 0 Mark Geldstrafe eveiitl. 40 Tagen Gefängnis.

3'/,0/0 Reichsanleihe

30/9 do. . . 3-1/,% Konsole . . .

3% do. . . . .

31/2°/o Hessen . . .

3% Hessen . . . .

4% Oesterr. Goldretne .

Arbeiterbewegung.

Barcelona, 21. Mai. In Tarassa ist ein allgemeiner Aus stand der Weber ausgebrochen. 8000 legten die Arbeit nieder. Die Arbeitgeber weigern sich nachzugeben.

Handel und Verkehr. DoUiswttWast.

Offenbacher Stadtanleihe. 6 Millionen Mack 3i/2proz. An­leihe der Stadt Offenbach vom Jahre 1902, unkündbar bis 1908, sind im Berliner Börsenhandel auf Grund des gleichzellig zum Aushang gebrachten Prospektes zugelassen worden.

Elettrizitätsgesellschaft Horm. Schuckert n. Cie. in Nürn­berg. Tie Zwickauer Straßenbahn, deren Aktien zum größten Teil in den Händen der Schuckeckgesellschaft sind, kann für 1901 nur 1 Prozent Dividende zahlen, gegen oockährige 3 Proz. Tie Weichunger Straßenbahn hat sich im letzten Jahre so schlecht ren- tieck, daß die Schuckeck-Gesellschaft die garantierten 6 Prozent voll zahlen muß.

Miueu-Judustrie. Wie aus Johannesburg gemeldet wird, haben die Behörden nunmehr gestattet, daß weitere 400 Poch­werke zwischen jetzt und dem 15. Juni in Betrieb genommen werden.

Von der Deutschen Reichsbauk ist zu melden, daß die Geld­oersteifung, die sich seit einiger Zett bemerkbar machte, wieder nachgelassen hat. Gleichzeitig wird gemeldet, daß die umlaufen­den Gerüchte, der Reichsbankpräsident Koch sei schwer erkrankt, unrichtig sind. Derselbe ist von seiner letzten Urlaubsreife wieder nach Berlin zurückgekehck und hat seine Thättgkett wieder ausgenommen.

Hamburg, 21. Mai. An Stelle des oerftorbenen Direktors L. Meyer wurde heute, wie dieHamburger Nachrichten" melden, Julius T h 0 m a n zum Direktor der Hamburg -Amerika- Linie ernannt. ,

Kunst und Wissenschaft.

Verliu, 2L Mai. ©ruft v. W 0 l zo gen legt die Direktion des von ihm begnüibeten Bunten Theaters nieder. In einem Schreiben an die Berliner Blatter bezeichnet er als Motiv für diesen Entschluß die zahlreichen Angriffe, denen er als Direktor und Schnstsleller seitens eines Teils der Presse ausgesetzt war. Er beklagt sich besonders darüber, daß die Fehlgriffe seiner Nachahmer ihm zum Vorwurf gemacht worden sind. Gleichwohl wird Herr v. Wolzogen seinem Theater als Kraft erhalten bleiben. Tas Bunte Theater wird in der nächsten Saison sein Programm weiter aus- ge|talten und Herr v. Wolzogen wird als künstlerischer Beirat und auch als künstlerische Kraft Mitwirken. Ter bisherige Oberregisseur Dr. Mackin Zickel wird die Funktionen des Direktors über- nehmen.

-Wiwersitats-Nachrichlru.

Lemberg, 2L Mai. Da der Unterrichtsminister das Verbot betr. Abhaltung von Versammlungen innerhalb der technischen Hochschule, zurückgeiiominen hat, haben die Polytechntter den Besuch der Vorlesungen in der Hochschule wieder ausgenommen.