Ausgabe 
22.3.1902 Erstes Blatt
 
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-gehalten, obwohl nach meiner Ansicht, da die Scheibe ganz war, sofort nach Beseitigung des Pferdes hätte weiter­gefahren werden können. Es wurden dadurch noch etwa Kwei Minuten verbummelt. Ich begab mich deshalb, um nachzusehen, warum meinem Durchfahrtssignal nicht Folge geleistet wurde, nach vorn. In diesem Augenblick erfolgte der Anprall. Nach meiner Uhr war es 12.15. Bei einem Zugunfall bin ich verpflichtet, zurückzugehen bis zur nächsten Wärterbude, Knallpatronen auszulegen und die rote Scheibe zu stellen. Hier lag ein Hindernis nicht vor, es handelte jich um ein paar Minuten Aufenthalt. Es sind mir bei meiner langjährigen Thätigkeit sehr viele derartige Fälle vorge- lommen, und es ist bei solchen Fällen bis jetzt nichts gemacht worden. Es würden da Beschwerden über Beschwerden Kommen. Präs.: Nach dem Unfall sorgten Sie nun für »Sicherung? Angell.: Ja. Die Druckmaschine schob sich, bei dem Anprall in den letzten Wagen des D-uZges, den Wagen '3. Klasse, und zertrümmerte diesen. Ich ließ sofort sämt­liche Wasserkasten aus dem Zug holen. Präs.: Sie be­haupten also, es sei die Zeit zur Anwendung der Sicherung zu kurz gewesen, und es habe sich um keine eigentliche Streckensperrung gehandelt? Angell.: Ja. Präs.: Sie wollen nicht gewußt haben, daß der Personenzug folgte? Hatten Sie keinen Fahrplan? Angell.: Ich fuhr das zweite Mal. Die Strecke hat aber allein vier Fahrpläne. Es war $01 keine Zeit, sich damit zu befassen. Die Maschine war in Ordnung und läufig. Die Laterne bot kein Hindernis. Eventuell hätte der Lokomotivführer auch mit einer Laterne fahren können. Je näher wir an den Berg kamen, desto nebliger wurde es.

Der Angeklagte Meyer Benter ft: Am 20. Dezember sei es furchtbar neblig gewesen, sodaß man nicht 50 Schritt weit sehen konnte. Er habe deshalb Knallpatronen aus­gelegt. Er habe von der Blockstation Schürenberg das Signal freie Fahrt" erhalten und daher angenommen, der D-Zug fei bereits durch und die Bahn frei gemacht. Gleich darauf kam der Schaffner Wessel und sagte: Es ist ein Unglück geschehen, halten Sie den Güterzug zurück. Wäre das nicht geschehen, dann wäre womöglich der Güterzug auf Den Personenzug hinaufgefahren.

Der Angellagte Kleinhaus war der Meinung, daß Der D-Zug vor Keimberg liege, und gab dorthin die Ein­fahrt frei. Nach zwei bis drei Minuten kam ein zweites Erinnerungszeichen von Meyer:Ich bin noch nicht frei" -oderich bin frei". Ich glaubte noch immer, es sei der D-Zug und gab frei. Präs.: Wann hatten Sie morgens Ihren Dienst angetreten? Angell.: Um 7 Uhr früh. An­gell.: Ich mußte jedesmal die Kurbel elfmal drehen; des Nebels wegen war langsamer zu drehen. Das Abläutezeichen für den Güterzug 6513 habe ich nicht gehört.

Zeuge Regierungsbaurat Dahme bekundet, daß, wenn auch nicht häufig, Störungen an dem Blocksignal Vorkommen.

Präs.: Kann auch durch fehlerhafte Bedienung der Blockeinrichtung eine Störung der Signal - Apparate ein­treten? Zeuge Dahme: Gewiß, es könnte ein falsches Feld, weiß für rot oder umgekehrt, eintreten. Deshalb besteht die Bestimmung, daß der Beamte 11 mal kurbeln muß, obwohl gemeinhin 23 mal genügen. Bert. Lenz- -monn: Das Vorweg- und Erinnerungszeichen wird mit demselben Apparat gegeben? Zeuge: Nicht nur mit dem­selben Apparat, auch auf dieselbe Art. Tas erstere klingelt aber. Bert.: Sind nach dem Unfall andere Ein^- richtungen getroffen worden? Zeuge: Davon ist mir nichts bekannt. Die Streckeneinrichtung soll wohl geändert worden fein, aber es ist noch die alle Einrichtung in Betrieb. Lenzmann: Ist es richtig, daß die vorge- fchriebene automatische Tastenblockung durch den Zug auf dieser Strecke noch nicht eingeführt war? Zeuge: Eine Vorschrift besteht darüber nicht. Es handelt sich da um eine Neuerung, die noch erprobt werden soll. Lenzmann: In Mecklenburg sind diese Kontakte allgemein eingeführt; überall sonst hat man sie, nur in Preußen nicht. Es liegt mir fern, die Bahnverwaltung anzugreifen. (Lachen im Publikum.) Aber diese wichtige Strecke, die von Schnell- und Perfonenzügen so stark befahren wird, hatte früher eine stärkere Aufsicht. Srnd nicht Wärterhäuser eingezogen worden? Zeuge: Die Besetzung der Strecke ist seit dem 1. Oktober 1900 so wie jetzt, jedoch durch die neue Strecken­blockung wurden weniger Leute nötig. An Stelle des Wär- terhauses 34 sind zwei Bloch'tationen eingerichtet worden; die Besetzung ist also hier gerade verdoppelt worden. Bert.: Wie war die Str ecken aufsicht bei der Reise des Kronprinzen am 19. Dezember? War die Aufsicht nicht aus Rücksicht auf die Person, sondern aus Rücksicht auf die Sicherheit des Fahrdienstes nicht eine größere? Zeuge: Wenn höchste und allerhöchste Herr­schaften fahren, werden weitgehende Sicher­heitsmaßregeln getroffen. Meist wird die Be­wachung der ganzen Strecke verdreifacht. Die Wärter stehen so nahe, daß einer den anderen sehen kann, so daß es sofort zu sehen ist, wenn etwas auf die Schienen geworfen wird. Die größten Vorsichtsmaßregeln werden natürlich getroffen, wenn der Kaiser oder die Kaiserin die Strecke passieren. Das ist mit Rücksicht aus die Eisen­bahn-Attentate in Rußland notwendig erschienen. Die Strecke soll dreimal täglich von einem Streckenläufer be­gangen werden. Hier geschieht es aber mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit der Strecke achtmal täglich.

Es erfolgt dann zunächst die Vernehmung der Fuhr­leute, denen das Pferd davongelaufen, und unter den D-Zug geraten ist. Bremser Burgdorf nahm von einem dem T-Zuae entgegenkommenden Güterzuge wahr, wie die Zugmaschine des D-Zuges das auf der Strecke herumlaufende Pferd erfaßte und zermalmte. Der Loko­motivführer Dierkmeyer, der die Zugmaschine des D-Zuges führte, sagt aus: Als das Pferd unter der Ma­schine hervorgeholt war, habe er die Laterne der Maschine, die zertrümmert war, durch die Tenderlaterne ersetzen müssen. Präs.: Hat der Zugführer Ihnen nicht gesagt, es kommt auf die Laterne gar nicht an? Zeuge: Gott bewahre! Peters war ja unter uns am Zuge. Tie La­ternen mußten Brennen, einmal des dichten Nebels wegen, und weil wir auch bald daraus durch einen Tunnel zu fahren hatten. Als die Laternen aufgesteckt waren, gab Peters den Befehl zum Meiterfahren. Ich zeigte ihm aber, daß die Laterne noch angezündet werden müsse. Während nun der Heizer mit dem Anzünden beschäftigt war, gab es einen Stoß, und die Maschine rückte ein Stück nach vorn. Ich rief dem Heizer noch schnell zu: Beine weg! Präs.: Hat der Zugführer nicht mit Ihnen über die Rücken­deckung des Zuges gesprochen? Zeuge: Nein. Präs.: Haben Sie ihm nicht gesagt, eine Deckung sei nicht nötig, weil der Zug zwischen Blockdeckung liege? Zeuge: Nein, ich habe mit PeterS überhaupt nicht darüber gesprochen. Rechtsanwalt Bernau: Hat Peters Sie nicht gefragt, ob alles in Ordnung sei, und ob nun weiter gefahren werden könne? Zeuge: Nein. Das ist nicht wahr.

Zeuge Packmeister Lührig: Ms das Pferd weg- geschafft war, sagte ich zu Peters: Nun aber los! Darauf ging er bis zur Mitte des Zuges und gab das Aufsteige- und Abfahrtssignal, also Nr. 26 und 27. Präs.: Ja, mußte der Lotomotivsührer es hören? Zeuge: Tas meine ich wohl, ich wenigstens habe es deutlich gehört. Präs.: Wurde nun abgefahren? Zeuge: Nein. Ter Lokomotivführer stieg ab von der Maschine und machte ich erst an der Laterne zu schaffen. In diesem Augen­blick gab es einen Stoß, so daß ich noch ausrief: Wie kann der Ochse so weit vorfahren! Ich nahm an, daß die Schubmaschine vorgefahren sei. Präs.: Wie lange war der Aufenthalt des Zuges auf der freien Strecke? Zeuge: Ich schätze ihn auf höchstens 7 Minuten.

Ter Schaffner Geißler hat nicht gehört, daß Peters den Befehl zur Abfahrt erteilt hat. Ferner wurde ver­lesen das Protokoll der Vernehmung des Wagenwärters Boldt, der noch in Berlin im Krankenhause liegt. Tieser hat das Signal des Zugführers gehört, und sich gewundert, daß dcr Lokomotivführer nicht abfuhr. Ter Heizer Schick, der auf der Maschine am Ende des Zuges war, hat den hinten herankommenden Zug gehört und ist abgesprungen; zum Pfeifen habe er keine Berechtigung gehabt.

Um li/2 Uhr erklärte der Verteidiger Lenzmann, daß er keinesfalls heute noch plaidieren werde. Es trat dann eine Pause ein.

Partien als Kopenhagen; die Boulevaichs, breit und grvy- städtisch, sind mit hübschen Bausteinen eingefaßt. Das Thor- waldsen-Museum mit seinen Meisterwerken ist weltberühmt und Tausende sehen sich Jahr für Jahr die SehenswurdiK« leiten an, ferner die herrlichen Schlösser mit innerer Ein­richtung. Schloß Fredensborg, die Residenz des Königs, hat eine anmutige Lage, ferner noch. Trvense, ^vendborg, Hammerhus, Skopschooed, Tuglesang rc., kurzum, dreie Serie Bietet eine reiche Fülle von Abwechselung unb_ ist von einer photographischen Gesellschaft in Pans ausge­nommen. . ~ a .

** Vom Frühling. Gestern hatten wir Frühlingsanfang. Der volle Frühling ist aber doch erst da, wenn Weißdorn und Roßkastanie blühen, wenn der Flieder seinen köstlichen Duft ausströmt. Da wird auch der Laubwald grün. Die verschiedenen Phasen in der Entwickelung des erwachenden Pflanzenlebens werden seit zwanzig Jahren zurnerst nach einem einheitlichen Plane an vielen Otten Deutschlands be­obachtet. So wurde eine Summe von Daten gewonnen, aus denen es möglich wurde, Schlüsse auf die Ausbreitung des Frühlings über das Gebiet Deutschlands zu ziehen. Die Richtung, die der Frühling bei seinem Einzuge einschlägt, verläuft nicht gerade von Süd nach Nord, sondern bildet eine schräge Linie von Südsüdwest nach Nordnordost. Professor Dr. Ihne in Darmstadt hat auch die Geschwindigkeit er­mitteln können, mit der der Frühling in dieser Richtung fort- schreitet. Sie wird sowohl durch die geographische Breite, als auch durch die geographische Länge bestimmt. In Orten, die unter demselben Längegrad liegen, tritt der Frühling um so später ein, je nördlicher sie gelegen sind,- die Verzögerung be­trägt für je einen Breitegrad (111 Km.) rund vier Tage. So liegen z. B. Raunheim am Main und Bielefeld annähernd unter demselben Längegrade, während sie in der geographi­schen Breite um zwei Grade (50,1 Gr. und 52,1 Gr.) diffe­rieren. Tie Meereshöhe ist für Raunheim 85 Mt., für Biele­feld 105 Mt. Das Aufblühen bestimmter Frühlingspflanzen erfolgt nun m Bielefeld im Durchschnitt der Beobachtungs- jahie 7,4 Tage später als in Raunheim. Augustenburg, Alfen, liegt unter 54,52 nördlicher Breite und etwas östlicher als Raunheim, der Frühling trat hier 21,5 Tage später als in Raunheim ein. Außerdem ist auch die geographische Länge auf das Vorrücken des Frühlings von (Änfluß. Für Otte, die unter demselben Breitegrade liegen, verspätet sich der Frühlingsanfang, je weiter sie nach Osten abrücken, und zwar beträgt die Verzögerung rund 1 Tag für 1 Gr. oder 111 Kilometer.

RR. Dudenhofen, 21. März. Den Angehörigen des kürzlich hier verstorbenen Gastwitts G. Weber, der Mitglied der Sterbekasse des Bundes Deutscher Gastwitte (Juristische Person, Sitz in Darmstadt) war, wurde infolgedessen das an­sehnliche Sterbegeld im Betrage von Mk. 1214 durch den Bezirksortsrechner L. Rühl in Wetzlar wenige Stunden nach Einlauf der Sterbeatten ausbezahlt. Es ist dies ein Beweis- für das segensreiche Wirken dieses Instituts.

Grünberg, 20. März. Der Grünberger Pferdever» sicherungsverein, der am 27. Dezember 1876 gegründet wurde, hielt dieser Tage imEnglischen Hof" seine 25. ordent­liche Generalversammlung ab. Die anfänglich nur geringe Zahl von Mitgliedern hat nunmehr die stattliche Höhe von 400 erreicht, mit einem Versicherungsbestand von über 600 bis 300 000 Mark versicherten Pferden. Der Verein arbeitet mit einem sehr geringen Prozentsatz; es dürfte, wie in der Generalversammlung der Berichterstattende ausfühtte, im deutschen Reiche kaum ein mit so niedrigem Prämiensatze arbeitender Versicherungsverein bestehen. Dem damals g& wählten Vorstand gehören heute noch an Gg. Keil, Ernst Zimmer, Ehr. Frank, Heinrich Zimmer II, der letztere die 25 Jahre hindurch ununterbrochen als Rechner, während ber Erstere schon lange Jahre als Nachfolger von Fritz Eckstein als Direktor fungiert.

Saubad), 20. März. Eineteuere Schnepsenjagd^ hat es letzthin in dem benachbarten Röthges gegeben. Die Schnepfen stteichen seit 8 Tagen bei den warmseuchten Frühlingsabenden in größerer Menge durch das Buschwerk der Wälder. In R., wo letzthin ein Kvnsvttum von Land­wirten die Jagd gepachtet, zogen die Nimrode nun all­abendlich in beträchtlicher Zahl hinaus zur Schnepfenjagd, die einen solchen Rett ausübte, daß man stellenweise die Einholung des erforderlichen Jagdpasses ganz vergessen hatte. Unserer Genoarmerie und den Forstwarten war daA bekannt geworden, und so faßten diese drei solcher über-, eifriger Jäger bei ihrer Rückkehr ab, die nun wegen Jagd­ausübung ohne Paß eine empfindliche Geldstrafe treffen!, wird.

Darmstadt, 21. März. Die Landgräfin von Hessen traf gestern mittag 12 Uhr 57 Min. zum Besuch der Gräflich Erbachschen Herrschaften von Frankfurt hier ein. Sie wurde von dem Grafen zu Erbach-Schön­berg auf dem Bahnhof empfangen, worauf die Herr­schaften nach dem Alten Palais fuhren. Nach dem Diner fuhr die hohe Frau, vom Grafen zu Erbach-Schönberg zur Bahn geleitet, um 3 Uhr 3 Min. wieder nach Frankfurt zurück. Dem Vernehmen nach wird bei dem Besuche des Prinzen Heinrich hier in Hinsicht auf den hohew kirchlichen und ernsten Charakter des Tages der Ankunft Charfreitag seitens der städtischen Behörden von jedem geräuschvollen Empfange abgesehen werden.

Mainz, 20. März. Eugen Binder, der in Mainz als witziger Redner und als Liederdichter vorteilhaft be­kannt ist, trug zu Beginn des Jahres im Freundeskreise ein Burenlied vor, das enthusiastisch aufgenommen wurde. Das Lied schildert den Heroismus der Buren und wirkt recht originell durch die Refrainstrophe:

Piter", ruft ein Bur da vorn, Nimm den Roten gut aufs Korn, Ziel nit lang und gieb's ihm nur, Transvaal hoch, es leb' der Bur!

Die Gesellschaft, die den Refrain kräftig rnitgesungen hatte, bewog den Autor zur Uebersendnng des Liedes an Ohm Krüger, und bald darauf gelangte an Herrn Binder ein von Uhut, 25. Januar, datiertes und vom Kabrnettschef des Präsidenten unterzeichnetes Schreiben, das folgenden Wortlaut hat:Euer Wohlgeboren beehre ich mich im Auf­trag des Herrn Staatspräsidenten der Südafrikanischen Re­publik den Empfang zu betätigen Ihres sehr geehrten vom 6. d. M. sowie des von Ihnen verfaßten Bureiiliedesl und Ihnen für den Beweis des lebhaften Interesses und der herzlichen Teilnahme Seiner Hochedlen warmen Dank von.ganzem Herzen a.uszusprechen."

Frankfurt a. M., 21. Marz. Bor kurzem hielt im hiesigen Senkenbergfchen Institut der Verband Beu t-d

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 22. März 1902.

** lieber die Thätigkeit des Schularztes (Schluß). Die Untersuchung der Luftverhältnisse in den Schulbaracken and durch öftere Feststellung des Kohlensäuregehalts, der be- änntlich einen Maßstab für die Verunreinigung der Luft darstellt, vor Beginn des Unterttchts und dann vor und nach jeder Pause statt. Diese Feststellungen ergaben, daß man mit den Luftverhältnissen in den Baracken zufrieden fein kann. Jedenfalls ist die Luft nicht schlechter, sondern eher noch besser als in den Schulräumen der Schulhäuser. Was den Wassergehalt der Luft in den Baracken anlangt, so betrug die relative Feuchtigkeit während der Heizperiode zwischen 33 und 67 Prozent, meistens zwischen 40 und 55 Prozent, sodaß auch in dieser Hinsicht keine Anstände zu erheben sind. Den Tem - peraturverh ültnissen in den Baracken wurde fort- wahrende Aufmerksamkeit gewidmet. Die in denselben be- chäftigten Lehrer fühtten Tabellen, in welchen die Temperatur der Luft in Fußboden-, Brust- und Kopfhöhe zu verschiedenen Stunden eingetragen wurde; außerdem fanden weitere Beobach­tungen durch den Schularzt statt. In den Baracken der Knabenschule konnte man im Winter mit der Lufttemperatur zufrieden fein. Sie zeigte im Winter weder erhebliche Schwankungen, noch fanden sich erheblich größere Differenzen zwischen der Temperatur in Boden- und Kopfhöhe als in Zimmern des Schulhauses. Auch war stets die für Schul­zimmer übliche Temperatur vorhanden. Dagegen waren in den Baracken der Mädchenschule an einzelnen sehr kalten Wintettagen die Verhältniffe weniger günstig. An diesen Tagen war in der ersten Stunde trotz zeitigen StnfeuemS öfter die Temperatur überhaupt zu niebrig, und die Differenz zwischen der Temperatur in Fußboden- und Kopfhöhe zu groß (bis zu 14 Grad C). Wurde zur Abhilfe an diesen kalten Tagen recht stark wetter geheizt, fo wurde leicht die obere Temperatur zu hoch, während sie am Fußboden nied- rig blieb. Derartig ungünstige Verhältnisse zeigten sich frei­lich nur an einzelnen sehr kalten Tagen, während im all­gemeinen die Lufttemperatur auch in den Mädchenschulbaracken leidlich war. Der Unterschied in der Heizungsfähigkeit der Baracken der Knaben- und Mädchenschule dürfte darauf zurückzuführen sein, daß die Baracken der Knabenschule eine windgeschützte sonnige Lage und diejenige der Mädchenschule ein den Nordwinden frei zugängliche und teilweise schattige Lage haben. Im Sommer konnte die Temperatur in den Baracken nicht in nennenswerter Weise beanstandet werden. Auch in diesem Jahre wurden die Fußböden der Schul­räume dreimal mit dem FußbodenansteichStauboertilger" imprägniert. Mit dem Erfolg hinsichtlich der Verhütung des Aufwirbelns von Staub war man auch in diesem Jahre zu­frieden. Es genügte bei dieser Behandlung ein trockenes Reinigen der Fußböden jeden zweiten Tag bezw. in den am meisten benutzten Schulsälen jeden Tag.

** Gewährung freier Lehrmittel. Bekanntlich hat die Stadtverordnetenversammlung unterm 19. Oktober 1889 be­schlossen, allen denjenigen Steuerpflichtigen, welche mit einem Einkommen von weniger als 900 Mk. zur Steuer veranlagt sind, auf ihren bei der Schule zu stellenden Antrag hin, den normalen Bedarf, welchen ihre Kinder an Lehrmitteln u. s. w. in der Volksschule haben, zu Lasten der Stadt­kasse unentgeltlich zu gewähren. Für diesen Zweck wurden im Berichtsjahr 1900/01 4 495,88 Mark auf- gewendet.

** Folgende Bekanntmachung des Staatssekretärs des Reichspostamtes geht uns zur Veröffentlichung zu: Vom 1. April ab wird innerhalb des Reichspostgebiets für den Umtausch amtlich ausgegebener Formulare zu Karten­briefen, Postkarten und Postanweisungen mit Wertstempel, die in den Händen des Publikums unbrauchbar geworden sind, eine Gebühr von 1 P f g. für jedes Stück erhoben.

** Preiswettbewerb in Betäubungs-Apparaten fifr Kleinvieh. Am Mittwoch und Donnerstag hat im )tädtischen Schlachthof zu Leipzig die Prüfung der auf Veranlassung des Preisausschreibens der FrauBolza in Freiburg i. B. eingegancjenen Betäubungsapparate für Kleinvieh stattgefunden. Den 1. Preis im Betrag von 3000 Mk. erhielt, wie dieIntern. Fleischerztg." zu Leipzig mitteilt, das Adlerwaffenwerk in Zella-St. Blasii, einen solchen von 2000 Mk. Bezirkstierarzt Flessa-Hof i. B., 1 5 0 0 M k. Schlachthosdirektor Liebe-Gießen. Alle drei Apparate waren Schießbolzenapparate, also rohr- oder pistolenförmige Schuß­waffen, bei denen durch Patrone statt der Kugel ein Bolzen aus- getrieben wurde, der in den Schädel der Tiere eindringt und so die blitzartige Betäubung bewirkt. Der Bolzen bleibt indes mit seinem Hinteren Ende im Apparat und wird sofort nach dem Schuß wieder aus der Slirnwunde herausgezogen. Die Apparate sind somit ganz ungefährlich. Die Bedienung geschieht durch eine Person; das Abfeuern erfolgt bei dem mit dem höchsten Preis ausgezeich­neten Apparat mittelst leichten Schlages mit der flachen Hand auf den Ksvfteil des Apparats, bei bat anderen beiden Apparaten durch Berührung einer Feder bezw. des AbzugShahireS.

** ftaiferpÄHOram«. Die Prachtserre Schwerz, die mit großem Beifall ausgenommen wurde, geht heute zu Ende. Von morgen ab wird eine neue Serie,Ansichten lvon Kopenhagen", ausgestellt. Keine Sllrdt hat schönere