Ausgabe 
22.3.1902 Erstes Blatt
 
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Samstag 22. Marz LAOS

152. Jahrgang

Erstes Blatt.

" General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

Nr. 69

Vrscheint tSgNch außer Sonntags, Dem Gießener Anzeiger werden Im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Zamtlien- -lätter viermal in der

Woche beigelegt. * NotationS druck u. Ver­lag der B h l'schen Untverf.-Buch- iu©tcii>- druckerei (Pietsch Erbens Nedaktion, Erpeditton uni) Druckerei:

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Fernlprrchanschluß Nr. bl.

VezugSpretSr monatlich 7bPi., Dtertel*1 jährlich Ätk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen' monatlich 65 Pf.; durch diePoft Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr,^ ZeilenpreiS: lokal 12Pl, auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich: für den polit. u. allgem.- Teil: P. Wtttko: für, ,Stadt und Land^ unb, .Gerichtssaal": R-Ditt- mann; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

5>U Spannung

auf den Ausgang der parlamentarischen Beratungen über den Z o l l t a r i s dauert fort Noch vor den Osterferien wird in der Zweiten hessischen Kammer die Anfrage des Grafen Oriola, wie sich bie Gvoßh. Regierung zu den Getreide- z ö l l e n stellt, zur Verhandlung kommen, und mit B e g i n n des nächsten Vierteljahres werden die Beratungen der Zolltarifkommission des Reichstags ihrenFort- gang nehmen. Es wird beabsichtigt, die Kommission während des ganzen Sommers tagen $u lassen; für diesen Fall werden den Kommissionsmitgliedern Tagegelder in Form einer Pauschalentschädigung zugebilligt Man knüpft daran vielfach die Hoffnung, daß dadurch die Frage der Gewährung von Präsen^geldern au den Reichstag überhaupt in Fluß gelangen werde. Einstweilen weiß niemand die Frage: Was nun weiter? mit einiger Sicherheit zu beant­worten

Die demnLchfiigen Kammerwahlen in Frankreich werden sich zu einem lebhaften Kampfe um die politische Herrschaft gestalten; ob das am Ruder befindliche Kabinett ober der Klerus siegen wird, ist vor der Hand nicht abzu­sehen. England hat unter dem Drucke des südafrika­nischen Krieges zum ersten Male unter allen civilisier- ten Nationen eine ostastatische Macht, Japan, durch Schließung eines Bündnisses als gleichberechtigt anerkannt und hofft hiervon wie von den jüngsten Anfreundungs­versuchen bei Italien an den ostasiatischen wie an den mittelländischen Küsten Früchte zu ernten, die zunächst für die Russen wenig schmackhaft sein sollen. In seinem inneren Parteileben vollzieht sich der weitere Verfall der liberalen Partei. Mit Irland scheinen inzwischen sich un­willkommene neue Schwierigkeiten zu ergeben, noch ehe der Krieg in Südafrika beendigt ist, den englische Voreiligkeit schon so oft als abgeschlossen hingestellt hat, während lhat- sächlick die ewig denkwürdige Tapferkeit unermüdlicher Vaterlandsverteidiger sein Ende noch gar nicht voraussehen läßt; denn die neuen Erfolge Delareys sprechen dafür eine zu deutliche Sprache; die Hoffnungen der Burenfreunde sind wesentlich gehoben.

Allen diesen Fragen widmet derGieß. Anz." seine volle Aufmerksamkeit Außerdem erfahren dieGieß. Familienbl." und derHess. Landwirt" besondere Pflege. Der Handelsteil desGieß. Anz." wird unausgesetzt weiterer Ausgestaltung unterzogen. Aus dem Leserkreise geäußerte Wünsche werden gern berücksichtigt

Unsere bisherigen und alle neu hinzutretenden Abon­nenten bitten wir um baldigste Bestellung für das bevor­stehende neue Vierteljahr April-Mai-Juni und machen wiederholt darauf aufmerksam, daß sämtliche Brief- und Landbriefträger in der Zeit vom 15. bis 25. März Bestell­ungen aus denGieß. Anz." entgegennehmen. In den Orten, für die wir einen eigenen Botendienst eingerichtet haben, beliebe man sich an die Ausgabestellen zu wenden.

VolitljüjL Äügesschau.

Professor Schweninger und das Krankenhaus in Groß-Lichterfelde.

In der Nr. 12 derTtsch. Medic. Wochenschr." unter­wirft chr Redakteur Dr. Schwalbe Schweningers Bericht über den Betrieb des genannten Kreis kranken Hauses einer überaus scharfen Kritik, und faßt seine Ansicht folgender­maßen zusammen:

Wäre Cchweninger nichts als ein medizinischer Literat, prakt. Arzt, Dermatologe, Konsiliarius usw., jo hätte für uns keinerlei Veranlassung vorgelegen, uns jo eingehend mit ihm zu beschäftigen. Schweninger ist eben noch außerordentlicher. Professor an der Berliner Universität, dirigierender Arzt an der königlichen Charitä

und Leiter eines großen Kreiskrankenhauses. Als er vor etwa zwei Tecennien, trotz des energischen Pro­testes der Fakultät, sein Lehramt und die Ab- teilung für Hautkrankheiten in der Charlls erhielt, hatte der damalige Kultusminister dem Drucke des Für­sten Bismarck nachgeben zu müssen geglaubt. Da­mals konnte man sich mit einer gewissen Se lb st Über­windung die Einreihung Schweningers unter d.e Ber­liner medizinischen Professoren in Ansehen seiner früheren wissenschaftlichen Publikanonen noch gefallen lassen. In den folgenden Jahren hat zwar Schweningermanch- erlei sich zu Schulden kommen lassen, was einem anderen Fakultä tsmitgliede seine Stellung gekostet hätte indes war doch nichts geschehen, was ihn in offenbaren Gegensatz zur Wissen­schaft gebracht hätte. Das medizinische Glaubensbekennt­nis, das Schweninger in seinem diesjährigen Bericht niedergelegt hat, schließt ihn aus dem Kreise der heutigen medizinischen Wissenschaft aus. Wir sind gewiß die letzten, die die Freiheit, ja die Vorurteilslosigkeit der Wi,'senscha,t antasten möchten, die Lehren aber, die Schweninger vertritt, charakteri­sieren sich als A f t e r w is s e n s ch a f t Unserer Meinung nach kann die Unterrichtsverwaltung es nicht länger mehr verantworten, daß solche Lehren der akademischen Jugend an der Berliner Uni­versität eingeprägt werden, daß unter ihrer Autori­tät bei den Berliner Medizinstudierenden Vorstellungen und Meinungen gezüchtet werden, d.e die wissenschaft­liche Ausbildung und das daraus entspringende prak­tische Handeln der Schüler verwirren und schwer beein­trächtigen können. Schweninger auf einemLehr- stuhl der Berliner Universität bedeutet so viel, wie ein Homöopath als akademischer Lehrer der Pharmakologie ober ein Katholik als Ordinarius der evangelischen Theologie!

Tas Bereich von Schweningers Wirksamkeit als Der­matologe an der Berliner Universität ist aber immerhin relativ beschränkt, thatsächlich noch vermindert durch die ganze exzeptionelle gleichzeitige Leitung eines außer­halb Berlins gelegenen Krankenhauses und durch die umfangreiche KonsiliarPraxis. Weit bedenklicher er­scheint uns deshalb die Thätigkeit Schweningers als un­umschränkten Gebieters eines allgemeinen öffentlichen Krankenhauses. Ter Bericht Schweningers selbst läßt er­sehen, beziehungsweise vermuten, die bekannt ge­wordenen Mitteilungen von Patienten beweisen es, was im Licht er selber Krankenhause in der Kranken- behanblung geleistet wird. Hier kommen nicht blos, wie an der Berliner Charite, Hautkränke in Betracht, sondern Patienten jeder Art, bie in einer von ber medi­zinischen Wissenschaft und ärztlichen Praxis mehr oder weniger zu verurteilenden Weise kuriert werden, und unter Umständen eine schwere Schädigung an ihrem Leibe erfahren müssen. Wir halten die nach Schweningers Grundsätzen durchgeführte Behandlung ber das Groß-Lichterfelder Hospital zwangswei.e au, suchenden Kranken zum mindesten für höchst bedenklich, eine Abhilfe dieser Verhältnisse für dringend geboten!"

Die Idee einer Kunststudentenfahrt nach Paris.

In Betreff der Studentenfahrt nach Paris, die bezweckte, den Parisern dieRäuber" vorzuipielen, ist schon mitgeteilt worden, daß dieser Plan an Stellen, die ihn mit dem Gesühl der politischen Verantwortung be­urteilen, Mißbehagen erweckt. Tie Vorstellungen sollen nunmehr bis nach den französischen Kammerwahlen ver­schoben werden, der übrige Teil des Programms soll wie geplant ausgesührt werden. Die von Berlin offiziös be­dienteMünch. Allg. Ztg." schreibt denn auch:

Vor allem hat ber Reichskanzler keinen Zweifel

barüber gelassen, daß er dem Unternehmen warnend und ablehnend gegenübersteht. Wenn von Leipzig aus behauptet wird, das sei nicht richtig, so ist das vielleicht darauf zurückzuführen, daß der Herr, der den Leipziger Abgesandten die betreffende Auskunft gegeben hat, sich infolge der Fragestellung über die persönliche Meinung des Reichskanzlers wohl übervorsichtig ausgedrückt hat. Jedenfalls kann versichert werden, daß über die Mein­ung des Grasen Bülow selbst in unterrichteten Kreisen nicht der geringste Zweifel besteht Das kann ja auch, gar nicht anders sein, denn wer über die Pariser Ver­hältnisse auch nur einigermaßen informiert ist, muß auch wissen, daß nicht die geringste Garantie für die Vermeidung der unangenehmsten Zwischenfälle besteht, die wohl nicht gerade ernste Verwicklungen nach sich ziehen werden, aber doch immer ausreichen, um die mühsame Arbeit ber allmählichen Verstänbigung zwischen ben beiden großen Kulturnationen um ein gutes Stück zurückzuwerfen. Jeder, dem ernstlich barum $u thun ist, daß Deutsche und Franzosen einander mit der Zeit näher kommen unb. sich gegenseitig verstehen lernen, wird vor allem wünschen müssen, baß dieses Werk, dessen Gelingen ja uns selbst und der gesamten euro­päischen Kulturentwicklung nur zum Segen gereichen könnte, mit behutsamer und geschickter Hand angefaßt werde, daß es so fortgeführt werde, wie es vom Kaiser und den berufenen Staatsmännern begonnen worden ist, und daß das Erreichte nicht von Dilettanten zerstört werde, die gewiß das beste wollen, denen es aber offen­bar an politischem Augenmaß fehlt

Heer uuo Ftorre.

Der Großherzog von Luxemburg feiert am 22., b. M. das 60jährige Jubiläum als Chef eines preußischen Regiments. In ber Armeegeschickte ge* hört ein oerartiges Jubiläum zu den größten Seltenheiten^ bisher war nur Kaiser Wilhelm I. eine derartig lange Zeit Chef eines Regiments. Der Großherzog Adolf von Luxem­burg, der 1817 geboren ist, wuroe am 22. März 1842 al5 Herzog von Nassau Ches des westfälischen Ulanen-Regimentsi Sir. 5. Seit 1855 ist er General der Kavallerie, (ä ift ia diesem Dienstgrade schon seit langer Zell der älteste in ber preußischen Armee; nach chm folgen der Großherzogl von Mecklenburg-Strelitz, ber 1859, und der Herzog von Sachsen-Altenburg, ber 1866 General geworden ist

Aas «MeuöeLeuer tzjsenöaynunglück vor Gericht.

Paderborn, 21. März. 1

Das Altenbekener Eisenbahnunglück voral 20. Dezember v. I., in seinen Folgen eine der fürchterlichsten Eisenbahnkatastrophen der letzten Jahre, findet jetzt vor dem hiesigen Landgericht ein gerichtliches Nachspiel. Die An-^ klage, die sich gegen die Bahnwärter Kl ein haus undi Meyer aus Benhausen bei Paderborn und gegen den Zu^ sührer des verunglückten D-Zuges, Peters aus Berlin, richtet, lautet aus Gefährdung eines Eisenbahn-, transportes, fahrlässige Tötung und schwere; Körperverletzung.

Der Präsident beginnt mit der Vernehmung des Zugführers Peters, der folgendes aussagt: Ich berteufte gerade Platzkarten, als der Zug zwischen Neuenbeken und' Altenbeken stehen blieb. Es war ein Pferd unter die vierteAch feder Maschine geraten. Ich sagte zunr Lokomotivführer: Wir müssen den Zug sichern. 2)er Zugführer sagte, das sei nicht nötig, wir seien durch die Blocksignale gesichert. Ich fragte, wie lange es dauern würde, er meinte 5 Minuten. Ich ließ die Druck­maschine um eine Pferdelänge zurückgehen. Wir wollten schon abfahren, als mir gesagt wurde, die Laterne an der Maschine sei nicht in Ordnung. Es wurde entgegen berat von mir gegebenen Fahrzeichen noch wegen der Laterne

Irauenwopt.

(Originalbericht desGieß, Anz.")

Unlängst fand in Berlin im VereinFrauenwohl" eine Versammlung statt, um Über die Notwendigkeit eines Findel Hauses zu beraten.

Stadtrat Dr. Münfterberg als erster Redner be­tonte, daß Findelhaus kein moderner Begriff sei. Im 9. Jahrhundert sei in Italien berDrehkaste n" ein ge­führt. Dies sei eine Art Krippe mit Dreheinrichtung in der Wand oder Thür des Findelhauses eingelassen. Auf ein Glockenzeichen von außen habe der Pförtner den Dreh­kasten an die Außenseite des Hauses gedreht die Mutter oder etwa eine Ziehmutter, ber das Kind eine Last war, habe beit Säugling in den Behälter gelegt, der Pförtner habe wieder gedreht, ohne zu fragen, wer draußen stehe, unb der Säugling befand sich in seinem späteren Heim. Die Anonymität blieb als«) gewahrt. 1811 wurde der Dreh­kasten in Frankreich eingesührt. Oft wurde diese Einrichtung' mißbraucht. Ganz gutsituierte San bleute ließen nicht selten auf diese Weise ihre Kinder auf Staatskosten erziehen. Da­durch wurde das Pflichtgefühl ber Eltern unterbrückt und die Zahl ber unehelichen Kinder erhöhte sich gewaltig. Der Drehkasten" wurde zuweilen direkt zu einer Prämie. Eine Gewissenlosigkeit und Unsittlichkeit. In einer Provinz Italiens fing man an, bie Mütter aufzufordern, sich offen an bie Direktion zu wenden und sicherte ihnen in jeher Weise Unterstützung, falls sie sich bereit erklärten, ihre Kinder zu behalten. Auf Bitte der Mütter jedoch nnirbe ber Fall durchaus diskret behandelt, nur suchte man bie Berbinbung zwischen Mutter und Kind aufrecht zu erhalten, um das Muttergesühl zu retten. Die Frage ist nun: Was können wir an die Stelle des Findelhauses setzen? Die Antwort

siebt uns erstens das Gesetz:Wo der einzelne nicht für ich sorgen kann, hat die Gemeinde die Pflicht, für ihn zu orgen." Wir wollen aber auch die Mütter vor benEngel­macherinnen" schützen. Es existieren in Berlin einHeim für Viädchen", ein Wöchnerinnenheim, eine Unterkunft für Wöchnerinnen, eine Heimstätte, das Asyl für Obdachlose. Diese Stätten sind voll von Mädchen aus der Provinz; sie flüchten sich entweder vor der Schande in ber Heimat, ober bie Heimatsgemeinde hat sie schnell nach Berlin abgeschoben. Zu diesen Einrichtungen kommen neuerdings nochdas Kinderasyl", der Krippenverein, der Kinderschutzverein und einige Säuglingskrippen, die mit den Kirchen Zusammen­hängen. ,Halte"- und Ziehkinder unehelicher Geburt giebt es in Berlin ca. 8000, solcher Kinder aber, die direkt von ber Mutter wegen störender häuslicher Verhältnisse einer Ziehmutter übergeben sind, ca. 20 000. Die Sterblichkeit unter biefen Kindern ist ungeheuer! Wir brauchen also eine Einrichtung, bei welcher ber Zusammenhang zwischen Mutter unb Kind gewahrt bleibt

Frl. Dr. Annita Augsburg fordert vom Staate Schutz für bie Mütter. Früher, hob sie hervor, nahm man ihr die Verantwortlichkeit, damit aber and) alle Rechte. Der Staat braucht Bürger, er hat das größte Interesse an jeder Geburt, deshalb sollte er die Wöchnerinnen nicht nur während des Wochenbettes, sondern schon in ben letzten Wochen vor ber Niederkunft schützen. Jede Mutter, sofern sie es verlangt, sollte unter dem Schutze des Staates die Geburtszeit über­stehen, ganz gleich, ob sie Mädcken ober Frau sei. Der Staat habe Mittel für Kasernen, für Schulen, für Gefäng­nisse und Zuchthäuser. Für letzteres würde er well weniger gebrauchen, wenn jedes Kind von vornherein richtig beschützt würde.

Tie bekannte Schriftstellerin Gabriele Reuters äußerte die Ansicht, daß man auf solche Gesetze wohl noch lange Zell warten müsse. Deshalb sei es unsere Pflicht, bie Privatliebesthätigkeit in Bewegung zu setzen. Nicht die Anonymität, sondern die Fürsorge für bie Hilfsbedürfti­gen befürworte sie. Rette man so viele Kinder wie möglich, erziehe sie nach ihrer Veranlagung zu tüchtigen kraftvollen Menschen! Gelingt bies, bann wird man vielleicht bald! nicht nur von einer Beamten-, einer Offiziers-, einer Man­nesehre, sondern auch von einer Vaterehre sprechen. In ber innersten sittlichen Gesinnung muß die WanblunK vor sich gehen, bie Besserung schasst.

Dr. Brinkmann verteidigt die Findelhäuser. Er will nicht nur vongefallenen" Mädchen, sondern cmchj vongefallenen" Männern reden.

Es folgten noch verschiedene Reben. Pn'Äfrzt ver­langte, daß die Aerzte mehr^ür bie Sachet herangezogen mürben. Ein Dien st mädchen sprach .'für- ihren Stand, in bescheidener und herzbewegender Weise. Sie- wies dar­aus hin, daß, wenn bie Dlädchen an Soiwitaj^n erst um 6 ober 7 Uhr frei bekämen, sie bann nicht an gute Ver­gnügungsorte gingen, sondern auf Tanzböden, unb manche gerieten hier ins Unglück nicht aus Leichtsinn, sondern aus Unwissenheit. Sie bat, sich ber Dienstboten anzunehmen und auch wenn sie vielen Undank ernteten, überzeugt zu fein, daß alle besseren Mädchen ihnen jedes ernste liebe­volle Wort danken würden. r

Zum Schluß wies Stadtrat Dr. M ü n ft e r I^e r g dar­aus yin, daß alles Mitleid und der ernste Wunsch in dieser dringenden Frage zu helfen, doch nicv dazu führen dürfe, das Gesühl der Selb st Verantwortlichkeit abzuschwächen.