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Nr. «74
Erscheint täglich außer SomnagS.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die rtegenee Lamilien- blätter viermal m der Woche beigelegt.
BotattonSbrud u. Verlag bei Brüh l'schen Univers.'Buch- u.Slein- bruderet (Pietsch Erben) fiebaftton, OrpebilioH und Trudctei:
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Erstes Blatt.
152. Jahrgang
Freitag 21. November 1802
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger y
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Volitische Tagesschau.
AnS dem Reichstag.
Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 20. November:
Im Reichstage ist heute wieder eine Streitfrage zwischen der Zollkommissions-Mehrheit und der Regierung angeschnitten worden: die Besteuerung von Lebensrnitteln durch die Gemeinden. "Durch den neu eingefügten $ 10 a sollen nach Inkrafttreten des Zolltarifgesehes solche Abgaben nicht mehr erhoben werden. Das Zentrum hält an seinem in der Kommission vertretenen Standpunkt gegen die kommunale B"steuerung fest, während Abg. Rettich für die Konservativen die Auffassung des Staatssekretärs Grafen Posadowsky acceptierte, daß diese Abänderung Lerfassunaswidrig sei. Noch schwereres Geschütz, als die ,,starken Bedenken" des Grafen Posadowsky fuhr der preußische Minister des Innern Frhr. v. Hammerstein auf. *€r war in der Lage, gleich einen Kollektiv-Protest Ler süddeutschen Bundesstaaten gegen diesen „tiefen Eingriff in das Finan.zrecht" zu überbringen. Die Finanzverhältnisse der Gemeinden, welche indirekte Verbrauchssteuern erheben, würden in hohem Grade gefährdet werden, bedeutende Erhöhimgen der direkten Kommunalsteuern zweifellos unumgänglich sein. Allerdings, das ist die „Kehrseite der Medaille". In der Nachbarresidenz Verlins, in Potsdam, hat bei näherer Betrachtung dessen, DaS folgt, der auf den ersten Blick so „populäre" Antrag recht sehr an Glanz verloren. Daß d<rs Zentrum für die "Abschaffung der kommunalen Steuern auf Lebensmittel ein- tritt, läßt sich allenfalls aus taktischen Gründen erklären, es ist eine Beschwichtigung der über die Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle murrenden städtischen Zentrums- »vähler, die sich schon an mehreren Orten zu Protestversamm- [ungen zusammengethan haben. Minder verständlich ist die Haltung der äußersten Linken. Als ob nicht die kleinen Einkommen bis zu 900 Mk., die in den Gemeinden mit Mahl- unb Schlachtsteuern jetzt von direkten Gemeindesteuern befreit sind, mit getroffen würden von der Abschaffung kommunaler indirekter Steuern! Zum Glück für diese Personen mit geringem Einkommen ist nicht die mindeste Aussicht, daß Die verbündeten Regierungen ihren Widerspruch aufgeben. Auch der § 10 a gehört zum Programm des großen Umfalls in dritter Lesung. Tie „Voss. Ztg." verbreitet heute abend eine Meldung, wonach die ganze Beratung der Zollvorlage bereits zwischen dem 10. und 15. Dezember beendet fein soll. Tas wird selbst für den zuversichtlich gestimmten Grafen Bülow zuviel des Guten sein. So Lasch geht die Sache denn doch nicht.
Zur Krupp'scheu Affaire.
Dem „Rhein. Cour." geht aus Berlin folgende Nachsicht zu: Tie Nachricht von der angeblichen Au s w ei su n g deS Geh. Kommerzienrats Alfred Krupp aus Italien Htt Sache § 175 des Strafgesetzb.), über deren Richtigkeit die bevorstehende Gerichtsverhandlung gegen den „Vorwärts" Aufklärung schaffen dürfte, trifft mit einer anderen nicht weniger bemerkenswerten zusammen. Wie der „Tisch. Journalpost" nämlich gemeldet wird, wurde vor etwa drei Wochen die Gattin des Geh. Kommerzienrats Krupp von der Villa Hügel bei Essen wegen „hochgradiger Nervosität" in die Priva'tklinik des Geh. Hofrats Professors Tr. Binswanger in Jena, des bekannten Leiters der psychiatrischen Abteilung der Jenenser Universitätsklinik, überführt. Tie Kruppsche Villa aus Capri ist allen Jtalienreisenden als ein Idyll bekannt. Mit der Erbauung derselben schuf Krupp str die Insel, welche die „blaue Grotte" beherbergt, einen weiteren Anziehungspunkt und damit eine neue Einnahmequelle für die verlotterten Capranesen, bei denen die angeblichen sittlichen Bedenken ihrer Regierung kaum viel ■ Gegenliebe finden dürften.
"Das Tirektorium der Firma Krupp in Essen an der Muhr brachte inzwischen, wie wir bereits kurz erwähnten, jjitr Kenntnis der Werkangehörigen, daß die Berliner Staatsanwaltschaft auf Antrag von Excellenz Krupp wegen der gegen ihn erhobenen Verdächtiaungen und Beschimpfungen gegen den verantwortlichen Redakteur des „Vorwärts" das Sffentliche Strafverfahren eingeleitet habe. Ter „Vorwärts" hatte unter Hinweisen auf § 175 des Strafgesetzbuches behauptet, daß die italienische Regierung Excel- lmz Krupp aufgefordert habe, seine Villeagiatur auf Capri unb weiterhin das italienische Staatsgebiet zu verlassen.
Hetzereien gegen Deutschland.
Wie auf Kommando melden drei englische Blätter, daß Fit Marine-Departement zu Washington Besorgnis hervor- gzrufen worden sei durch einen Beschluß der beut- scheu Regierung, an der Westküste von Südamerika ein ständiges deutsches Geschwader e-inzurichten. Man halte es jn amerikanischen Marine- rreifen für sehr bedenklich — so behaupten bie genannten englischen Blätter —, daß Teutschland außer dem ständigen Geschwader an der Ostküste von Südamerika nun auch ein s olches an der Westküste halten wolle. Es wird zugleich auf einen Artikel des „Army and Navy Journal" hingewiesen, das ausführt, Teutschland werde nun auch den versuch machen, eine Flo tt en st ativn an der Westküste Südamerikas zu erwerben; es warte nur auf einen günstigen Augenblick, in dem die Vereinigten Staa- t<n unvorbereitet erscheinen oder ihre weitgehenden Anbrüche mit Bezug auf die Anwendung der Monroe- Toktrin aufgeben.
Gleichzeitig wird ein Bündnis zwischen Amerika unb England empfohlen. Man sieht, die Jingo- presse wendet wieder einmal ein reichliches Maß von tendenziösen Verdächtigungen, die keinerd Untergrund haben,
auf, um in Amerika Mißstimmung gegen Deutschland zu erzeugen. Nicht einmal der derzeitige Aufenthalt des deutschen Kaisers in England halt sie von diesem deutschfeindlichen Gewerbe ab.
Vor einigen Tagen brachte auch der „Daily Telegraph" aus Peking die Meldung, die Vereinigten Staaten hätten die Mächte eingeladen, die Frage, ob die chinesische Kriegsentschädigung nach dem Gold- oder dem Silber-Fuße zu zahlen sei, an das .Haager internationale Schiedsgericht zu verweisen. Deutschland habe diesem Vorschlag mit der Maßgabe zugestimmt, daß in dem schiedsgerichtlichen Verfahren ausschließlich über bie Auslegung der bezüglichen Bestimmungen des Pekinger Protokolls befunden werden dürfe. Wie bie „Post", so erfährt nun auch die „Nat.-Ztg." an zuständiger Stelle von einer solchen amerikanischen Einladung sei nichts bekannt und mithin würde die deutsche Regierung nicht in bie Lage gekommen, sein, sich dabei auszusprechen.
Unsere lieben Vettern mit dem dicken Blut haben, so meint daraufhin der „Reich'sbote", also auch da geflunkert. Wir wollten einmal ihre Leitartikel lesen, wenn die deutsche Presse sich jemals derart in die Interna der auswärtigen Politik Englands einmischte, wie das die Jingovresse mit der deutschen fortwährend thut — aber dafür ist sie auch für hoffähig erachtet.
Deutsches Reich.
Berlin, 20. Nov. Der Kaiser wird bei feiner Rückkehr aus England durch den Prinzen Heinrich von Preußen empfangen werden, welcher sich zu diesem Be- hufe von Kiel nach Brunsbüttel einschiffen wird, wo das Kaisergeschwader voraussichtlich morgen abend vor Anker geht. Tie Ankunft auf der Station Wildpark dürfte am Samstag morgen zu erwarten sein. "Den Sonntag wird der Kaiser im Neuen Palais verbringen und am Montag zur Teilnahme an der von dem Fürsten Georg zu Schaumburg- Lippe veranstalteten Hofjagd nach Bückeburg abreisen. Don dort gedenkt der Kaiser nach Görlitz weiterzureisen, wo am 28. d. M. in Gegenwart des Monarchen die Einweihung her Oberlaufitzer Ruhmeshalle vor sich gehen wird. Hieran schließen sich Jagdbesuche in Oberschlesien an. Den bcfit.u- tiven Abschluß der diesjährigen Jagdausflüge des Monarchen bildet voraussichtlich die für Mitte Dezember angesetzte Hofjagd in her Letzlinger Heide.
— Ter Burengeneral Delarey traf heute hier ein. Zum Empfange hatten sich der Schwiegersohn Deloreys, der frühere Staatssekretär Ferrara, Pastor Schowalter u. a eingefunden. Ter General teilte mit, daß General Louis Botha an einem Nierenleiden schwer erkrankt fei; auch der Gesundheitszustand der Gattin Bothas sei infolge der Sorgen und Leiden der vergangenen Zeit wenig befriedigend. Telarey wird voraussichtlich zwei Tage in Berlin verweilen, doch will er strengstes Inkognito bewahren; er ist aus diesem Grunde auch nicht in einem Hotel, sondern in einer Privatwohnung im Westen abgestiegen.
— Ter deutsche Burenoberst Schiel, welcher sich bekanntlich zur Zeit in Deutschland aufhält und vor einigen Tagen auch in Berlin weilte, hat vorläufig feine weiteren Vortrage einstellen müssen, da er plötzlich er fr an ft ist.
— Behufs Abschlusses eines Staatsvertrages zwischen dem deutschen Reich und der österreichisch-ungarischen Regierung zur Herstellung der Eisenbahnverbindung Friedberg a. Qu.-Heinersdorf finden gegenwärtig hier fommissarische Verhandlungen statt, zu welchen mehrere österreichische Ministerialbeamte eingetroffen sind. Sämtliche Teilnehmer waren zu Dienstag abend vom Staats- fefretar des Auswärtigen Amtes Freiherrn v. Richthofen zu einem Tiner eingeladen, an welchem auch der öfter- reichisch-ungarische Botschafter v.Szögy.ny Marich teilnahm.
— Tem „Rhein. Kurier" wird aus München gemeldet: Bayern erhob im Bundesrat energische Vorstellungen gegen bie fortwährende Erhöhung der Ma- trifutarbeiträge, welche bald über die Leistungsfähigkeit der Einzelstaaten hinausgingen. Württemberg, Sachsen, Baden und Hamburg, Lübeck und Bremen haben sich diesem Protest angeschlossen.
— An der hier stattgehabten Sitzung des Hauptvor- standes unb ber Abteilungsvorstände des deutschen Tabakvereins nahmen als Vertreter der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes teil der Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika Oberst Leutwein unb Legationsrat Tr. Golinelli. Die Regierungsvertreter machten dem Vorstand des Tabakvereins eingehende und sehr interessante Mitteilungen über bie Sage bes Tabakbaues in bem genannten Schutzgebiete und erbaten sich für dessen weitere Ausgestaltung und Nutzbarmachung den Rat unb die künftige Mitwirkung des Tabakvereins, welche bereitwilligst zugesagt wurde. Man gelangte über die zur Verhandlung gebrachten Punkte zu einem vorläufigen Einverständnis unb verabredete weitere Maßnahmen, die hoffentlich für die wirtschaftliche Entwickelung der in Rede stehenden deutschen Kolonie sich als förberfam erweisen werben. Es soll sich zur Zeit nicht um die Schaffung eines Exportes, sondern lediglich um die Begründung einer Tabak- inbuftrie für bie Bebürfnisse bes Laubes handeln.
— Tie „Dtsch. Tagesztg." sieht sich in der Affaire des Majors a. D. Endell auf Grunb authentischer Quellen veranlaßt, festzustellen, baß ber Kaiser laut Kabinetts- orbre vom 5. November in bem Verhalten des Majors Endell gegenüber ber Kasse ber Landwirtschaftskarnmer bezw. bereu Beamten eine bie Stanbesehre bes Offiziers verletzeube Handlung nicht erblickt habe.
— Zwischen bem Deutschen Reiche unb Oesterreich-Ungarn schweben gegenwärtig Verhaublungeu, bie bie Regelung ber Unfallversicherung für Betriebe betreffen, bereu
Betriebssitz zwar in einem ber beiden Staaten gelegen ist, die jedoch ihre Thätigkeit auf beide Reiche erstrecken.
— Nach einem Telegramm aus Rheydt erklärte sich dort eine öffentliche Versammlung von Zentrumswählern entschieden gegen bie Stellung ber Partei bei ber Zollvorlage. Tie Versammlung beschuldigt bie Parteileitung der Verleugnung der Interessen ber geringen Leute unb nahm eine Resolution gegen die Wiederwahl zollfreundlicher 9lbgec>rdneter an.
— Der „Reichsauz." veröffentlicht eine Bekanntmachung, betreffend Bestimmungen für den Kleinhandel mit Garn vom 17. d. M.
— Einen der schwierigsten Punkte bei der Neuregelung des Krankenversicherungsgesetzes bildet die Aerztesrage. Es kann gar nicht, wie das „Leipz. Tgbl." schreibt, bestritten werden und wird auch in den Kreisen, die mit ber Entwickelung bes Krankenkassenwesens vertraut sind, gleichviel, auf welchem politischen Parteistanbpunkt sie stehen, nicht zu bestreiten versucht, baß namentlich die jungen Aerztc, so lange die Verhältnisse in ben Kassen so liegen wie augenblicklich, in immer größere Abhängigkeit geraten. Dem muß unter allen Umständen gesteuert werden.
— Am 16. November fand zu Berlin bie Generalversammlung des Vereins zur Förderung der Bodenkultur in.nter den Juden Deutschlands und die Hauptversammlung der Bodenkulturgesellschaft m. b. H. statt. Der Verein hat stark an Mitgliedern und Jahresbeiträgen zugenommen. Tas Stammkapital der Gesellschaft wurde von 20 000 Mark auf 40 000 Mark erhöht. Aus bem von ber Gesellschaft erworbenen Gute Neuhof würbe eine befriedigende Ernte erzielt. Tie Bauten für bie Eleven sind errichtet, ju'nb die Ausnahme wird vom 1. Januar 1903 ab erfolgen.
Posen, 20. Nov. Bei den Stadtverordnetenwahlen ht ber dritten Abteilung verloren die Deutschen einen Sitz an bie Polen.
Dresden, 20. Nov. Aus Salzburg wird gemeldete Bei der gerftigen Jagd erlitt Kronprinz Friedrichs August einen leichten Unterschenkelbruch. Nach neueren Meldungen ist Fieber nicht vorhanden. Das Allgemeinbefinden ist gut. Die Rückkehr nack Dresden erfolgt voraussichtlich 'Montag.
Ausland.
Brüssel, 20. Nov. Tie sterblichen Ueberreste des Burenführers Lukas Meyer wurden heute nachmittag nach dem Nordbahnhof gebracht, von wo sie nach Antwerpen abgingen. Die Leiche wird demnächst nach London und von dort nach Kapstadt übergeführt.
Paris, 20. Nov. Kammer. Coutant (Soz.) intec* pelliert bie Regierung über ihre Haltung gegenüber den von den Vororten nach Paris führenden Straßenbahnen, durch deren schlechte Ergebnisse zahlreiche kleine Kapitalisten geschädigt seien, unb verlangt Zurückziehung ber ben Gesellschaften erteilten Konzessionen. Ter Arbeitsminister erwidert, ba bie Gesellschaften alle am Ende ihrer Mittel angelangt seien, sei ein Vorgehen schwierig. Bei Zurückziehung der Konzessionen würde sich, niemand um dieselben bewerben wollen. Abhilfe liege in ber Berge- meinblichung bes Straßenbahnbetriebes, aber der Gemeinde- rat von Paris scheine nicht geneigt zu sein, diese Last auf sch zu nehmen. Tie Gesamtverluste der Gesellschaften betrügen etwa 210 Millionen Francs.
Rom, 20. Nov. Ter Bürgermeister empfing heut« abend eine Abordnung zahlreicher Vereine, welche, begleitet von einer großen Volksmenge, sich in feierlichem Zuge durch bie Straßen der Stadt zum Capitol begaben, um ihre Freude über bie Geburt einer Tochter bes Königspaares Funb zu thun. Ter Bürgermeister richtete an die Abordnung eine Ansprache. Hierauf begab sich ber Zug zur Piazza Colonna, wo bie Königshymne gespielt unb Hochrufe auf ben König unb bie Königin ausgebracht wurden.
— Gegenüber den auswärts verbreiteten ungünstigen Berichten über bas Befinben bes Papstes wird von gut unterrichteter Seite mitgeteilt, ber Papst befinbe sich wohl und empfange morgen in ber Sixtinischen Kapelle piemvn- tesische Pilger.
Petersburg, 20. Nov. Tie „Nowoje $ßremja" berichtet aus Bombay, ber dortigen Behörde sei aus Afghanistan die Mitteilung zugegangen, baß ein ernster Aufftand gegen ben Emir ausgebrochen sei. Die Engländer beeilen sich', Truppen an ber afghanischen Grenze zu konzentrieren.
Pretoria, 20. Nov. Heute würbe für Transvaal das Kriegsrecht aufgehoben, jedoch werden von dem stellvertretenden Gouverneur bedeutende Streitkräfte unter den Waffen behalten, um bie Ordnung aufrechtzuerhalten. Erlaubnisscheine zur Einwanderung werden auch ferner verlangt. Von dieser Zögerung befreit sind nur Personen, welche am 31. Mai 1902 in Transvaal ansässig waren unb nicht seitdem ausgewiesen worden sind. Ebenso werden den kriegsgefangenen Burghers Erlaubnisscheine nur erteilt, wenn sie den Untertbaneneib leisten ober eine gleichbedeutend Erklärung abgeben. Ter stellvertretende Gouverneur ist ermächtigt, Personen, die ben Frieben des Landes gefährden, auszuweisen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 21. November 1902.
Gedenket der hungernden Vögel!
'* Gedenktage. Zu Plön in Holstein wurde am 22. November 1830 der Astronom Karl Christian BruhnS


