Ausgabe 
21.8.1902 Zweites Blatt
 
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Er fal) in eurem SchMfeiffLr in den Straßen Turbans einige Photographien von der Zerstörung seines eigenen Hauses! Wahrscheinlich hatte ein britischer Offizier, der sich bei den Truppen befand, die das Haus zerstörten, sie auf- ommen. Botha erkannte den Platz an dem ersten Bild Serie, das die Soldaten um das Haus mit Wagen zeigte,

auf denen die Möbel ausgeladen wurden; auf einem war ein kleiner Affe angebunden, der einem Familienmitglied gehörte; das Tier war deutlich sichtbar. Das zweite Bild zeigte das Haus in dem Augenblick, in dem es in die Luft gesprengt wurde, das dritte zeigte die Ueberbleibsel. Der Gouverneur von Natal, der Botha jede Höflichkeit erweisen wollte, bemerkte bei der Unterredung, daß der General selbst wenigstens im Kriege wenig Unglück erlitten habe. Da faßte Botha in die Tasche und zeigte die soeben erstatt - shandeneu Photographien! Es war eine schlagferttge Ertt- nung. Die Photographien befinden sich noch im Besitz

Familie. Allerlei Interessantes wird auch von der

Seefahrt der Burengeneräle erzählt. Tewet hielt sich während der Reise sehr viel für fich erschien nur selten aus Deck und zeigte eine entschiedene Abneigung gegen jede Gesellschaft. Die Meisten nahmen sein Benehmen übel auf. Aber als sich darin nichts änderte, enthüllte eine Nachfrage bei dem holländischen Geistlichen das Geheimnis: Dewet schrieb ein Buch! Er scheint während des Krieges tägliche Aufzeichnungen gemacht zu haben. Dieses Tage­buch arbeitet er mir Hilfe des Reverend Mr. Kastell zu einer Geschichte des Krieges aus. Jeden Morgen war Dewel um fünf Uhr aus und nach einem kurzen, einsamen Gang auf Deck sperrte er sich für den Rest des Tages ein und ^schien nur zu den Mahlzeiten. Er überraschte den Offizier auf der Brücke eines Tages dadurch, daß er eine ungewöhn­liche Wißbegier auf den Kompaß verriet. Er wurde ihm wissenschaftlich erfiärt, und es wurde ihm versichert, daß die Nadel immer nordwärts zeigt. Dewet sah nach der Sonne und sagte:Sie zeigt jetzt aber nicht nachdem Norden, Norden liegt mehr nach dem Steuerbord!" Er hatte recht, denn dermagnetische Norden" stimmt bekanntlich nicht ganz mit demrichtigen Norden" überein; aber die meisten Menschen können diesen Irrtum nur mit dem Sextanten entdecken. Ein Tommy, der den Vorfall beobachtete, sagte: ,^Seht, jetzt lehrt er sie, wie sie das Schiff steuern sollen."' Dewet erblickte zuerst mit bloßem Auge Finisterre; erst aus feinen Ausruf setzten sich alle Gläser in Bewegung. Während der ganzen Reise wurden, die drei Generäle um Auto­graphen gebeten und von Photographen belauert. Einmal schwur Dewet, er würde sich in fein Stammbuch mehr ein schreib en, und wenn jemand wieder einen Kodak aus ihn richtete, so würde er. . . Einige Minuten später erwartete ihn ein kleines flachshaariges Diädchen mit bittenden blauen Augen auf der Treppe zum Salon, ein offenes Buch in der einen, einen Füllfederhalter in der anderen Hand.Sitte, Mr. Dewet", begann sie, stockte dann aber. Da unterlag der General, dessen erster Gedanke die Flucht gewesen war, ohne Murren.Komm her", sagte er, nahm Buch und Feder und schrieb auf der Treppe sitzend seinen Namen. Botha dagegen schwelgte im Gegensatz da^u in jedem Zeit­vertreib, den das Schiff bot. Er war die Liebenswürdigkeit selbst, und sein herzliches, offenes Lachen machten chn sehr beliebt. Er besuchte den Rauchfalon, wo er rauchte und Karten spielle, und er ist auch ein guter Bridgespieler. Delarey spielte gelegentlich mit einem Mitglied der deutschen Burenambulanz Dame und zwar sehr gut. Eines Morgens hatte er durch einen schlecht überlegten Zug das Spiel für sich verdorben. Da durchblitzte ihn ein Gedanke. Plötzlich sprang er auf und rief:Da ist ein Walfisch,", fein Gegner wandte sich gleichzeitig schnell um, und sie warfen dadurch das Brett um. Inzwischen war aber der Walfisch wieder verschwunden, ehe die Figuren ausge­nommen waren. Delarey entschuldigte sich wegen seiner Ungeschicklichkeit und versuchte vergebens die Figuren aus- zustellen . . . Oft war Delarey auch der Mittelpuntt einer Gruppe britischer Offiziere, denen er erklärte, warum sie ihn bei diesem oder jenemfontein" nicht gefangen hatten, und mehrmals hielt er auch kurze Vorlesungen über Strategie.

Heer und Flotte.

Zum Fall Hildebrandt erhall dieKönigsb. Hart. Ztg." noch folgende Mllteilung: Im Publikum herrscht über die Ehrung nur eine Stimme, und das ist die der allgemeinen Entrüstung. Denn einmal ging Die ganze Kavalkade nur wenige Schritt am Kirchhof vorüber, wo der Kamerad der Herren, der erschossene Leutnant Blaskowitz, begraben liegt, und andererseits wohnt der Vater des Erschossenen, Pfarrer Blaskowitz, dessen Herz wohl immer noch blutet, tu ewige Kilometer von dem Bahnhose, auf dem vor einigen sDionaten Die Leiche seines Sohnes eintraf unb auf dem jetzt Hildebrandt mit fürst­lichen Ehren und mehrfachen ,Hurras" abgebracht wird. Gleichzeitig wird die Frage besprochen:Woher bekommen die Herren meint es bll)ß eine augenblickliche, unter dem Einfluß des ab gehaltenen Abschiedsfestes entstandene Ein­gebung war die erste Garnitur mit Helmbusch und allem, was dazu gehört, gleich her? Diese Sachen liegen auf der Regimentskammer, und ihre Ausgabe kann, wie die ganze Eskorte, nur durch Parolebefehl ungeordnet worden sein." Prinz Albrecht von Braunschweig wurde bei feiner letzten Anwesenheit nur mit zwei Spitzenreitern zur Bahn gebracht; Hildebrandt mit zwei Eskorten, die je eine Schflva- dron (?) stellte, Demi es waren in einer Eskorte nur braune, in der anderen nur schwarze Pferde. Bezeichnend für die Stimmung der Stadt ist es, daß hier vor einigen 'Tagen mehrere Bürger (als Protest gegen die Hildebrandtsche Afsaire!) ostentativ vierspännig durch die Straßen fuhren.

Aus Kladl und Land.

Gießen, 21. August 1902.

- Personalien. Dem Pfarrer Adolf Heussel zu Alsheim ist die evangellsche Pfarrstelle zu Dienheim, Dekanat Oppenheim übertragen, der evangelische Dekan des Dekanats Zwingenberg, Friedrich Anthes zu Bensheim, ist auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner ersprießlichen Geschäfts­führung von diesem Amte entbunden worden.

Versammlung israelitischer Lehrer. Am Sonntag Vormittag tagte in Frankfurt die Generalver­sammlung des israelitifchen Lehrervereins im Großherzogtum Hessen. Den Vorsitz fühtte Lehrer Wettheimer-Heldenbergen, der u. A. ausführte, daß die soziale und wittschaftliche Lage der israelitischen Lehrer uubedmgt einer Aenderung bedürfe. Bisher wurden die Lehrer von den Gemeinden angestellt und bezahlt, dies soll nunmehr vom Staat erfolgen. Obmann Backes vom hessischen Landes­lehrerverein richtete als Landtagsabgeordneter einen ent­sprechenden Wunsch an die Regierung. Der Antrag Backes

wurde von der ersten unb zweiten Kammer genehmigt und man versprach, noch dem Wunsch de§ Antragstellers ein Ge­setz auszuarbeiten. Wie es ausfallen wird, bleibt abzuwarten. Lehrer Marx trat für die Gründung einer Pensions- und Witwenkasse für die israelitischen Lehrer em. Die Vorstände der Großgemeinden sollten für die Sache der Lehrer mehr interessiett und gewonnen werden, lieber ,Die Psalmen im Religionsunterricht referierte Volksschullehrer Rothschild- Worms. Im Anschluß an feine Ausführungen befaßte man ich auf Anregung des Rabbiners Tr. Goldschmidt-Offenbach mit der Einführung einer noch festzulegenden und auszu­arbeitenden Methode, die beim hebräischen Gebetsunterricht angewandt werden soll.

Friedberg, 20. Aug. An der hies. Gewerbe- Akademie hat sich eine katholische Verbindung ^Arminia" gebildet. Sie führte sich dieser Tage durch einen Kommers em, dem der Direktor der Akademie und viele angesehene Mitglieder der katholischen Gemeinde bei­wohnten.

st. Vom Vogelsberg, 20. Aug. Heute nachmittag gingen trotz der ziemlich kühlen Witterung mehrere Ge­witter über unsere Gegend, verbunden mit starkem ©türm und heftigen Regenschauern. Kaum war das eine vorüber, o brach das andere nach kurzem Aufleuchten der Sonne los. Dabei war in Herchenhain eine interessante Lufterscheinung zu beobachten, die aber leider Schaden nach sich zog. Eine Art Windhose, als grauer Nebel sichtbar, kam aus west- icher Richtung und sttich über das Dorf weg, dabei die Be- lachung der Häuser, als Ziegel oder Stroh, mit sich nehmend. Sie begann ihre erste Verwüstung an der Reuning'schen Wirtschaft, von deren neugedecktem Dache sie zirka 50 First - ziegel zur Erde warf, und zog dann in östlicher Richtung übers Dors, in dem sie den ganzen Strich mehr oder weniger beschädigte.

Mainz, 20. Aug. Infolge einer Vereinbarung mit Oberbürgermeister Dr. Gaßner hatten, wie wir schon mit­teilten, am gestrigen Tage die Mitglieder des Hessischen Viehhändler-Vereins unseren gestrigen Hauptvieh­markt wieder beschickt. Es waren von feiten des Vieh­händlervereins auf dem Viehmarkte aber Plakate ange- chlagen, nach welchen der Verein die Erklärung ab gab, daß der heutige Viehmartt infolge einer Uebereinfunft mit dem Oberbürgermeister wieder beschickt worden sei, doch nur unter der Bedingung, daß sich der Oberbürger­meister mit den maßgebenden Persönlichkellen in Darm- tadt in Verbindung setze, damit die auf dem hiesigen Vieb- marlle unb Schlachthofe allein bestehende strenge Hand­habung der Fleischbeschau gemildert werde. Sollten nach dieser Richtung bestimmte Zusicherungen in Darmstadt er- olgen, bann würben bie Mitglieder des Hess. Viehhändler- vereins auch für die Folge wieder den Mainzer Viehmartt beschicken. Im anderen Falle dagegen würde wieder der Wiesbadener Martt beschickt. Erwähnen wollen wir noch, daß am gestrigen Martttage bie Viehpreise eine unge­meine Höhe erreicht hatten, beispielsweise würben für Schweine pro Zentner lebend Gewicht 70 Mark bezahlt. Unter solchen Umständen dürfte, wie'in anderen Städten, ein Fleischaufschlag nicht ausbleiben. DerM. A." mel­det dazu, daß sich Oberbürgermeister Dr. Gaßner nad) Darmstadt begeben hat, wo nun eine Entscheidung fallen muß. Der gestrige Martt war mit etwa 250 Stück Vieh befahren.

Mainz, 20. Aug. In verschiedenen hiesigen Geschäften wurden in der letzten Zeit größere Diebstähle von Sei­de n z e u g e n ausgeführt. Die Nachforschung nach den Dieben führte zu dem Resultate, daß eine m Finthen wohnende Frau schwer belastet wurde. Die Frau ist aber während der Un­tersuchung irrsinnig geworden und befindet sich dieselbe nun­mehr in einer Heilanstalt. Ein schändliches Ver­brechen wurde gestern nachmittag auf offenem Felde in der Nähe von Bretzenheim verübt. Sechs junge Burschen über­fielen ein geistig nicht ganz normales Mädchen im Alter von 18 Jahren, roarfen sie zu Boden und vergewaltigten sie. Der Gendarmerie gelang es, bereits drei dieser Burschen zu ermitteln, dieselben zu verhaften und heute Vormittag bereits in das hiesige Gefängnis einzuliefern.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ein entsetzlicher Unglücksfall hat sich am 18. August in Gau-Odernheim ereignet. Der Streckenarbeiter Georg Balz spielte mit einem Revolver kleinsten Kalibers, derselbe entlud sich und das Geschoß traf die Frau ins Herz. Dieselbe sank zu Boden und war sofort eine Leiche. Die Leute waren fett etwa einem Vierteljahr verheiratet. Wie derHan. Ztg." gemeldet wird, wurde bei einem über die Maingegend ziehenden Gewitter in der Nähe von Mülheim ein junger Arbeiter vom Blitz er­schlagen. Der Mann hatte unter einem Baume Schutz ge­sucht. In Homburg v. d. H. ist der Kulttisminister Studt eingetroffen.

Vermischtes.

Breslau, 20. Aug. Zn den rätselhaftesten und zu­gleich zu den erschütterndsten Kaptteln der Kriminalgeschichte dürste unzweifelhaft der Fall Leichfeld zählen. Wie wir mitteillen, starben drei Mitglieder der Familie an Arsenikvergiftung. Leichfeld und seine 19jährige Tochter wurden in Untersuchungshaft genommen; Leichfeld erhängte fich, feine Tochter wurde wieder aus der Haft entlasten. Leich­feld, ein im 50. Lebensjahre stehender Mann, lebte mit seiner Frau in der glücklichsten Ehe, aus der drei Kinder entsprosten waren, ein hoffnungsvoller, bei feinem Tode 23 Jahre aller Sohn und zwei wohlerzogene Töchter von 19 und 11 Jahren. Alle Familienglieder waren einander innig zugethan. Tie Kinder gehötten zu den besten ihrer Schulen. Tie Führung des Kanzleidieners Leichfeld als Beamter war tadellos, sodaß die gerichtlich vernommenen Beamten ihm das beite Zeugnis ausstellen konnten, und wo die Familie gesellschaftlich ver­kehrte, rief sie den vorteilhaftesten Eindruck hervor. Ein halbes Jahr ungefähr ist es her, seit das Verhängnis in ferner schrecklichsten Gestalt sich dieser iw stillen Frieden ihres Heims glücklichen Familie genähert hat. Der 23jährige ^ohn er­tränkte unter rätselhaften Erscheinungen und starb, 5 Wochen Darauf folgte ihm die Mutter und wieder 4 Monate später das lljähnge Schwesterchen in das Grab. Jetzt schöpfte der Arzt, der das jüngst verstorbene Kind behandell hatte, Ver­pacht, die Leiche wurde beschlagnahmt und die beiden anderen 1 exhumiert. In allen Leichen wurde Arsenik gefunden. Da­

rauf erfolgte vor etwa 3 Wochen die Verhaftung der über­lebenden Familienglieder, des Kanzleidieners Leichfeld und feiner Tochter Elfe, die sich bei Verwandten in der Provinz aufhielt. In der Untersuchungshaft waren Vater und Tochter von einander getrennt. Alle Verhöre, alle Ermittlungen, alle Untersuchungen vermochten bie dunkle Angelegenheit nicht aufzuhellen. Dem Pastor, der Leichfeld im Gefängnis geist­lichen Trost zusprach, beteuerte er, daß er vor Goll rein da­stehe und die schreckliche That, deren man chn bezichtige, nicht begangen habe.

Zu der Frage: »War der Kaiser als Prinz in Paris?", die in unserer gestrigen Nummer in bejahen­dem Sinne beantwortet wurde, schreibt C. Köhlis, Direktor des Hotel Kronprinz in Berlin:Gewiß hat unser jetziger Kaiser die Sehenswürdigkeiten der 1878er Weltaus- tellung in Paris während einiger Wochen genossen. Unter einem gräflichen Namen wohnte der damalige 19jäh- rige Prinz Wilhelm in Begleitung zweier Cavaliere, un strengsten Inkognito in dem von der internationalen Aristo­kratie damals bevorzugten Hotel Mirabeau. Das Quartier war von dem damaligen deutschen Botschafter in Paris und nachmaligem Reichskanzler, Fürsten Hohenlohe, bestellt, und der Hoteldttektton war strengste Diskretton anbefohlen. Die Direktion wiederum hatte mir aufgetragen, den Prinzen, der natürlicherweise ein ebenso geläufiges rote elegantes Fran­zösisch sprach, nur in der Landessprache zu bedienen und Monsieur le comte zu titulieren. Und fo geschah es auch. Immerhin, eines schönen Tages ließ ich mich verleiten, mich dem Prinzen als Landsmann zu offenbaren. Und das ging o zu:Monsieur le comte saß im Salon vor dem Schreib­tisch, als mich die elettrische Klingel zu ihm rief. Ich klopfe an die Thür:Entrez ! Apportez-moi donc, sil vous plait, une untre plume! Une plume"Eine Stahlfeder, j,u Befehl, Königliche Hoheit!" (Wir hatten im Hotel nur die damals noch beliebten Gänfekielfedern.) Nanu, woher kennen Sie mich denn?!Ich werde doch unseren Prinzen Wilhelm kennen, Königliche Hoheit!"Nun hort doch alles auf! Vor Euch deutschen Kellnern ist man doch nir­gends sicher!" Hierauf folgten noch die üblichenFragen: Soldat gewesen? Wo zuhause im deutschen Vaterlande nsw." Von dem Tage ab gab sichMonsieur le comteu mir gegenüber stets als leutseliger deutscher Prinz und sprach mich immer in unserer, in der Fremde doppelt liebllch lingenben deutschen Muttersprache an."

Gerichtssaal.

Bonn, 20. August. Der Musketier Felbhausen von der 2. Üompaguie des 58. Infanterieregiments m Koblenz wurde vom Kriegsgericht wegen Straßenraubes zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Felbhausen hatte den Hausmeister des täbtischen Museums in Bonn in der Nacht vom 20. April in den Gartenanlagen übeffallen und chm über 300 Mark bares Geld und die goldene Uhr geraubt

Bom Tolstoiprozeß. Aus Leipzig wird telegraphiert, daß in dem bekannten Gotteslästerungsprozeß wegen Veroffenllichung des Brieses an den heiligen Synoo durch Tolstoi bie Leipziger Staatsanwaltschaft ihre gegen das den Direktor Dr. L ö w en s e l d und Buchhändler Diebe richs freisprechende Urteil beim Reichs­gericht eingelegte Revision zurückgezogen unb sich dem Irteil unterworfen hat. (Sie hat also bie Aussichtslosigkeit ihres unbegreiflichen Vorgehens schließlich boch noch eingesehen.)

Landwirtschaft.

Berlin, 20. Aug. Saaten st and in Preußen um Mitte August. Dle eingeklammerten Zahlen sind die vofführigen um Mitte August Winterweizen M (3,7), Sommerweizen 2,6 (3,0), Winteffpelz 1,9 (2,4), Winterroggen 2,5 (3,1), Sommerroggen 2,8 (3,2), Sommergerste 2,6 (2,8), Hafer 2,6 (3,0), Kartoffeln 2,6 (2,7), Klee 2,5 (3,7), Luzerne 2,7 (3,5), Wiesenheu 2,6 (3,6). Trotz der kalten regnerischen Witterung werben Saatenstand unb Ernteaus- ichten noch immer günstig beurteilt Die Fnrcbtsaaten lassen eine gute Mittelernte erwarten, vorausgesetzt, daß bald trockenes warmes Wetter eintritt. Anbernfalls erklären zahlreiche Berichterstatter aus den verschiebenen Bezirken bie ganze Gxnte für gefährdet. Heftige Gewitterstürme mit schweren Regengüssen verursachten viel Lagern, auch gingen Meldungen über verheerende Hagelschläge aus vielen Regierungsbezirken ein. lieber stärkeres Vorkommen von Mäusen wird nur vereüizelt aus einigen Regierungsbezirken be­richtet

Kandel und Uerliehr. Volkswirtschaft.

Hamburg, 20. Aug. In der gestrigen Sitzung des Aufsichts­rats und Vorstandes der Dampfschisssrheberei von 1889 wurde beschloßen, der auf den 30. September einzubemsenden Ge- neralversammlmig bie Verteilung einer Dividenbe von sieben Prozent (L V. 9 pEt.) nach reichlicher Dotierung bes Abschreibungs- Erneuerungsfonds vorzuschlagen.

Königsberg t. Pr., 20. Aua. In der heutigen Aufsichtsrats- sihung der Norddeutschen Kreditanstalt erstattete ber Vorstand unter Vorlage der Semestralbilanz Bericht über bte lau­fenden Geschäfte, welche sich befriedigend gestaltet unb einen lieber- schuß von 479 295 Mt für das erste Halbjahr ergeben haben. (Im ganzen Vorjahr hatte ber Reingewinn nach 400 000 fDlt. Abschreib­ungen aus Konsortialkonto unb Effekten 868 334 Mk. betragen.

Märkte.

Gießen, 21. Aug. Am 10. September finbet auf dem städti­schen Marktanlagen von hier Herbstpserbemarkt ftatt_ Der voffahrige Herbstmarkt war mit etwa 300 Pferben, ber diesjährige Frühjahrsmarkt mit etwa 400 Pferden befahren und von Händlern und Landwirten sehr gut besucht, sodaß recht bedeutende Käufe ab- geschloffen werden konnten. Auch in diesem Jahre erhofft man einen guten Markt. Mil dem Markte ist eine Prämiierung ver­bunden, für welche 1565 Mark zur Verfügung stehen; bie Prä- miierungskommission besteht ausLekonomierat Schlenke-Hardthof bei Gießen (Vorsitzender), Oberstleutnant von N o r m a n n - Gießen (Stellvertreter), Gutspächter Bene- Oberweimar, Oeko- uomierat Hoffmann- Hofgüll, Schlachthofbirektor Liebe- Gießen und Gutspächter Müller- Neuhof. An Preisen sind die folgenden vorgesehen: 1. Abteilung: Reitpferde: L Preis 50 Mk., 2. Preis 30 Mk. 2. Abteilung: Wagenpferde (paarweise zu prä­miierens : 1. Preis 80 Mk., 2. Preis 60 Mk., 3. Preis 40 Mk. 3. Abteilung : Arbeitsschläge (paarweise zu prämiieren): ».schwere: 1. Preis 80 Dik., 2. Preis 60 Mk., 3. Preis 40 Mk.; b. leichte: 1. Preis 60 Mk., 2. Preis 40 Mk 3. Preis 20 Mk. 4. Abteilung: Arbeitsschläqe (einzeln zu prämiieren): a. schwere: L Preis 30 Mk., 2. Preis 20 Mk; b. leichte: L Preis 30 2JIL, 2. Preis 20 Mark. 5. Abteilung: Arbeitsschläge: Diese Pferde müssen nachweisbar 6 Monate im Besitz von Landwirten sein, die Mitglieder des Landespferdezuchtvereins ober ber lanbwirtschastlichen Provinzial- vereme des Großherzogtums sind: a. (paarweise au prämiieren): 1. Preis 50 Mk., 2. Preis 30 Mk., 3. Preis 20 Alk. ; b. (einzelne Pferde): 1. Preis 30 Mk., 2. Preis 20 Mk., 3. Preis 10 M. 6. Ab­teilung : Fohlen (kalten und warmen Schlages): a. Dreijährige: 6 Preise von Mk. 50, 40, 30, 30, 20, 20; b. zweijährige: 6 Preise von Aik. 40, 30, 30, 20, 10, 10. 7. Abteilung: Zuchtsiuten (kalten und warmen Schlages). Prämien für inländische Züchter, welche Mitglieder des Landespferdezuchlvereins sind; a. (Mutterstuten mit Fohlen oder nachweislich gedeckt): 8 Preise von Mk. 75, 50, 50, 40t 30, 30, 20, 20. In den Abteilungen 14 wird für im Privat- besitz besindliche Pferde, die auf diesem Markt nicht um Geldpreise