Ausgabe 
21.5.1902 Erstes Blatt
 
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Insel Martinique sind noch nicht geschwunden. .Der Hauptkrater des Mont Pelöe und neu gebildete Krater befinden sich weiterhin in Thätigkeit. Auf dem fünften Teil der Insel ist alles durch Feuer vernichtet; der Rest ist von Äsche bedeckt. Die Bewohner der nörd­lichen Hälfte, welche nach der südlichen gebracht worden waren, kehren wieder nach den Gegenden, in welchen sie früher gewohnt haben, trotz der drohenden Gefahr, zurück.

Daß die Gefahr sich wieder vergrößert hat, beweisen die neuen Hiobspost en, die der Draht meldet. Nach einem in Paris eingetroffenen Telegramm steht die 25 Kilometer in der Luftlinie vom Pelseberge entfernte, an der Nordostküste von Martinique gelegene Zuckerfabrikstadt Bourg-Sainte-Marie in Flammen. Die Stzädt hat 10000 Einwohner.

Darüber, ob auch dieser Brand mit dem er n e u t e n Ausbruch des Mont Pelöe in Zusammenhang steht, liegen noch keine Nachrichten vor. Wohl aber wird be­stätigt, daß der Berg seine eruptive Thätigkeit in ver­stärk tj e m M a ß e wieder ausgenommen hat. Aus Sankt Dhomas wird dem Reuterschen Bureau gemeldet, daß am 20. früh von Südosten aus der Richtung, in welcher Martinique liegt, heftige Detonationen gehört wurden, welche stärker als die am 7. Mai vernommenen waren.

und ein Kabeltelegramm aus New York berichtet, daß die Mannschaften des amerikanischen KriegsschiffesPoto- mac" und des britischen KreuzersJndesatigable" in große Gefahr gerieten, als sie in Pierre landeten, um Leichen zu bergen. Der Mont Pelse wurde plötzlich wieder thätig und warf gewaltige Lavamassen aus, auch Gas und Asche. Die Lava erreichte die See und erzeugte große Dampfwolken. Am Mont Pelse öffneten sich neue Krater und nur mit größter Mühe gelang es den Mannschaften, die Schiffe zu erreichen. Auch in der Nähe von Fort de France erfolgte am 20. früh eine gewaltige vulka-i uische Eruption. Die Bewohner versuchten, auf die Schiffe im Hafen zu entkommen. Und in Basse Pointe, das im Norden von Martinique liegt, wurden am Tage vorher infolge plötzlichen Steigens der Flüsje Häuser fortgerissen, in andere drang Schlamm ein. Menschen sind glücklicherweise nicht verunglückt.

Am Pfingstsonntag sind die letzten Postsendungen in Paris eingetrofsen, die in Saint-Pierre vor der Katastrophe aufgegeben wurden. Bon den Schilderungen, die in den Privatbriefen über die Ereignisse und Phäno­mene der ersten Maitage entworfen werden, sind manche tief erschütternd, da sie beweisen, daß ihre Verfasser auf die furchtbarsten Folgen bereits gefaßt waren. Tief be­wegend ist der Schluß eines Schreibens, das ein Dr. Pechevin von seiner 16jährigen Nichte erhielt.Man ver­sucht, uns zu beruhigen, zu täuschen .Umsonst! Wir sind dem Tode geweihte Menschen, wir ersticken oder ver­brennen! Gottes Wille geschehe!"

Aus Stadl und Zand.

Gießen, 21. Mai 1902.

** Prälat D. Habicht, Oberkonsistorialrat und Super­intendent für Oberhessen, wurde, wie wir gestern bereits mitteilten, am 2. Pfingsttage um Mittag nach längerem Krankheitslager yrt 81. Lebensjahre aus diesem Leben ab- berufen. Die Beerdigung ftndet am Donnerstag vormittags 11 Uhr vom Sterbehause, Bismarckstraße 39, aus statt und zwar, wie dieD. Ztg." schreibt, nachdem um 1/211 Uhr die Einsegnungsfeier im Hause vorausgegangen ist. Vom Sterbehause aus wird sich der Leichenzug nach dem Friedhöfe bewegen. Die Geistlichen, welche dem Verewig­ten die letzte Ehre erzeigen wollen, werden ersucht, sich, da wohl der Raum in dem Sterbehause nicht für alle Erschienenen ausreichen wird, im Amtsrocke (nicht Chor­rocke) dort dem Zuge anzuschließen. Die weitesten Kreise unseres Hessenlandes, insonderheit aber unsere Pro­vinz Oberhessen, die in ihm ihren Superintendenten ver­liert, nehmen an dem Hinscheiden des so beliebten, ehr­würdigen Geistlichen den lebhaftesten Anteil. So ist es ihm nicht vergönnt gewesen, seinen 80. Geburtstag lange zu überleben, den er am 5. Februar unter zahlreichen, wohlverdienten Ehrungen beging. Bald darauf verbreitete sich wohl im Zusammenhang mit seinem wenig befriedi­genden Gesundheitszustände, die Nachricht, daß der hohe Geistliche nicht mehr seine amtliche Thätigkeit aufnehmen würde; die Nachricht bestätigte sich denn auch. Das otium cum dignitate, das ihm jedermann in reichem Maße für noch recht lange gönnte und wünschte, war aber nur von kurzer Dauer. Auch eine Kur in Baden-Baden, die er in den letzten Wochen durchmachte, konnte ihm nicht Heil­ung bringen. Der Verblichene, ein Kind Oberhessens, hat eine an Erfolgen reiche Laufbahn durchschritten. Seine segensreiche Wirksamkeit lag aber nicht nur auf dem Ge­biet, das ihm sein geistlicher Beruf zuwies, auch im öffentlichen Leben hat er sich des öfteren hervorragend bethätigt. So war e;r u. a. eines der ältesten Mitglieder der ersten Kammer der Stände. Sein Gedächtnis wird bei uns und über die Grenzen unseres engeren Vater­landes hinaus stets in treuer und dankbarer Erinnerung sortleben!

* * Das Regierungsblatt Nr. 28 enthält eine Bekanntmachung, die Veränderung von Gemarkungs­grenzen, welche zugleich Kreisgrenzen sind, betreffend.

* * Ernennung. Der Großherzog hat den seit­herigen Gehilfen ftir mechanische Arbeiten und Diener der geologischen Landesanstalt Karl Rückert in Darmstadt zum technischen Gehilfen und Bohrmeister der geologi­schen Landesanstalt ernannt.

* * Der Verband der Erwerbs- und Wirt­schafts-Genossenschaften der Provinzen Starkenburg und Oberhessen hält seinen dies­jährigen (34.) Verbandstag am 5. und 6. Juli in Dieburg mit folgender Tagesordnung: Samstag, 5. Juli abends 71/2 Uhr: im GasthauseZum grünen Baum" in Dieburg Vorversammlung/ 1) Festsetzung der definitiven Tages­ordnung. 2) Rechtiungsablagc pro 1901/02 und Wahl der Prüfungskommission. 3) Bericht über den allgemeinen deutschen Genossenschaftstag in Baden-Baden. 4) Finan­zielle Beteiligung der Kredit-Genossenschaften an Hand­werkergenossenschaften. 5) Valutierung der Checks. 6) All­gemeine Besprechungen genossenschaftlicher und geschäft­licher Angelegenheiten. Sonntag, 6. Juli, vormittags 9 Uhr, daselbst: Hauptversammlung. 1) Wahl des Ver- bandsdirektorL'und dessen Stellvertreters. 2) Bericht der Verbandsleitung über das Verbandsjahr 1-901/02. 3) Be­richt der Rechnungsprüfungskommission und Antrag au' Entlastung des Vcrbandsdirektors wegen Kasse- und Rech- nungsfiihrung. 4) Bericht des VerbandSrevifors über die die r!ü Jahre 1901 bis 1902 borgenommenen Revisionen. 5) Mitteilungen der Abgeordneten der Derbandsv^refne, -nsbesontErc BefMechung der Revisionsderichbe und An­

regungen wegen Beseitigung bestehender Mängel. 6) Re- üuate der Steuerstatistik. 7) Die Festsetzung der Höhe des Reservefonds im Verhältnis zum Betriebskapital. 8) Er- ährungen mit der Gewährung von Kautionskredit an Gewerbetreibende (nach Maßgabe des Beschlusses des All­gemeinen Genossenschaftstages in Baden-Baden.) 9) Die Verpflichtung der Genossenschaften, den Verbandsrevisoren die Bonität der zur Sicherstellung für Kredite hinterlegten Hypotheken und Grundschuldforderungen und die Liquidität )er Betriebsmittel nachzuweisen. 10) Wahl der Abgeord­neten zum Allgemeinen deutschen Genossenschaftstag in Kreuznach. 11) Wahl des Verbandsrevisors und dessen Stell­vertreters. 12) Wahl des Orts für den nächsten Ver­bandstag.

**DerVerbandstag des Deutschen Färber- Verbandes wurde am ersten Feiertag im Saalbau in Frankfurt a. M. abgehalten. In der Hauptversamm­lung berichtete Redakteur Max Dumont-Leipzig über die vorangegangene Delegiertensitzung. Ein Antrag Kottbus, d.en Verbandstag wegen der hohen Kosten nur alle zwei Jahre einzuberufen, hat Annahme gefunden. Die weiteren Beratungen des Delegiertentages drehten sich um den Bezug der Verbandszeitung und um die Verein­barungen mit dem Deutschen Privatbeamtenverein wegen Versicherung der Verbandsmitglieder. Die Mitgliederzahl beträgt rund 1200. Der nächste Verbandstag soll in Gera abgehalten werden. An die geschäftliche Sitzung schlossen ich Vorträge der Chemiker Max Becke-Höchst über Die Fortschritte in der Färber-Industrie im 19. Jahr­hundert" und von Dr. Low en th al-Frankfurt über Grundregeln für die Anwendung der wichtigeren Farb- toffgruppen in der Färberei". Nachmittags war Festessen im Frankfurter Hof, an dem etwa vierhundert Personen teilnahmen. Dr. Weinberg, einer der Teilhaber der Firma Casella u. Cie. begrüßte in launiger Ansprache die Versammelten und schloß ryit einem Hoch auf den Kaiser. Der Vorstand des Färberverbandes V- Brüll-Som­merfeld dankte der Firma Casella, der Arrangeur des Festes, Direktor Schmidt-Lux, toastete auf den Verband. Am Montag wurde ein Ausflug nach Biebrich unternommen, am Dienstag wurden die Höchster Farbwerke besichtigt.

m. Londorf, 20. Mai. Bei dem Gesangswett- t reite in Darmstadt errang, wie auch an anderer Stelle, heute erwähnt wird, der hiesige GesangvereinFroh- inn" mit 18 Sängern den zweiten Preis in der V. Klasse. Man sieht wiederum, daß der Verein unter der bewährten Leitung seines kunstbegabten Dirigenten, Lehrers Bau- daß, den hohen Anforderungen der Gesangskunst ge­wachsen ist. Sämtliche preisgekrönten Vereine hatten so­gar die hohe Ehre, vor Sr. Königl. Hoheit den Großherzog im städtischen Saalbau in Parmstadt zu singen. Möge der Verein mit seiner tapferen Sängerschar unter der unermüdlichen Leitung seines kunstsinnigen Herrn Diri­genten noch öfters preisgekrönt heimkehren.

S. Darmstadt, 20. Mai. Der Groß Herzog fuhr gestern nachmittag in Begleitung seiner Schwester, der Prinzessin Ludwig von Battenberg von Heiligen­berg hierher und folgte aus Anlaß des Geburtstags des russischen Kaisers einer Einladung des russischen Gesandten am hiesigen Hofe, Fürsten Kondascheft zur Mittagstafel. Um 3 Uhr fuhren die Herrschaften zum Ehrenklassen­wettsingen des VtännergesangvereinsDoppelquartett" in den städt. Saalbau und kehrten gegen 5 Uhr wieder nach Schloß Heiligenberg zurück.

S. D a r m st a d t, 20. Mai. Der 29 jährige Landwirt Grünewald von Roßdorf, der Sohn des verstorbenen Beigeordneten, der am nächsten Sonntag heiraten wollte, ist am Freitag mittag auf gräßliche Weise verunglückt. Schon am Vormittag desselben Tages wurden ihm auf dem Felde die jungen feurigen Pferde scheu, sodaß er vm Wageon in einen Graben siel, ohne indessen Schaden zu nehmen. Obwohl er von seiner Mutter dringend ge­warnt, fuhr er mittags 1 Uhr nach der Stadt, um Futter­malz zu holen. Unterwegs am sog. roten Kreuz wurden die Pferde wieder aufgeregt, gingen durch und G. fiel wieder vom Wagen, direkt unter die Pferdehufe, sodaß der Wagen über ihn weg ging. Er erhielt einen schweren Husschlag auf den Hinterkopf, sodaß die Schädeldecke ge­spalten wurde, und erlitt ferner einen doppelten Arm­bruch. Von einem Milchfuhrmann wurde er in bewußt­losem Zustand nach Hause gebracht, wo er abends 10 Uhr ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb.

S. D a r m st a d t, 20. Mai. Unserem gestrigen Bericht über den von dem Darmstädter MännerchorDoppel­quartett" während der Psingstfeiertage veranstalteten Ge­sangswettstreit tragen wir noch folgendes nach: Das Wettsingen fand in fünf verschiedenen Lokalen statt. Es beteiligten sich daran 66 Vereine. In der ersten Klasse der sechs Klassen, in denen gesungen wurde, erhielten Preise: MännerquartettLiederzweig" Offenbach Mk. 500 in bar und 1 silberverg. Medaille; Greb'scher Männer­gesangverein Oberstein ein silberverg. Pokal. II. Klasse: Concordia" Schwanheim Mk. 300 in bar und 1 Medaille; Erholung" Mannheim;Eintracht" Heidelberg-Neuen­heim ;Frohsinn" Bad-Nauheim;Kath. Kirchengesang- Verein" Lampertheim. L. E. III. Klasse:Sängerrunde" Mainz Mk. 200 bar und 1 gold. Medaille;Sängerkranz" Dietzenbach;Teutonia" Feudenheim;Eintracht" Mann- heim-Käfcrthal;Liederkranz" Wvrms;Sängerbund" Heidelberg-Neuenheim;Liedertafel" Sprendlingen. L. E. IV a. Klasse:Männerquactett" Mainz Mk. 150 bar und Medaille;Concordia" Lörzweiler;Freundschaft" Hand­schuhsheim;Liederfreund" Biebrich;Teutonia" Frank­furt a. M.;Liederhalle" Heidelberg;Männergesang- Verein" Laubenheim Rh.-H.;Männer-Gesangverein" Seckenheim. L- E. IV b. Klasse:Männer-Gesangverein" Heidelberg Mk. 150 bar und Medaille;Eintracht" Ginn­heim;Sängerlust" Roßdorf;Concordia" Kirtorf;Ba­varia" Mannheim;Germania" Preungesheim;Männer­quartett" Neu-Ysenburg. V. Klasse:Selberdorf'sches Männerquartett" Mainz Mk. 100 bar und Medaille;Froh­sinn" Londorf;Edelweiß" Urberach;Männer-Gesang- Berein" Biebrich;Sängerfreund" Mainz;Eintracht" Oestrich,

ko. Darmstadt, 20. Mai. Die Großherzogin Viktoria Melita von Hessen weilt mit ihrer Mutter, der Herzogin Marie von Sachsen-Koburg-Gotha, und ihrer jüngsten Schwester, Prinzessin Beatrice, seit Samstag zu Besuch bei den erbprinzlichen Herrschaften in Langenburg. Als Nachfolger des verstorbenen Prälaten D. Habicht wird der Oberkonsistorialrat und Superintendent der Provinz Rhein­hessen Walz (geboren in Lich) genannt.

b. Mainz, 20. Mai. Nachdem erst jüngst ein Landwirt in der Gegend von Miltenberg einen reichen Münz- fund gemacht hat, ist einem Bauersmann in dem Dörfchen Eiersheim bei Gamburg neuerdings wieder ein Münzftmd

zugefallen, der noch viel reicher als der erste ist. Der Bauers­mann fand bei dem Niederlegen eines baufälligen Hauses in der Erde einen mit Thalern gefüllten Topf, der nicht weniger als 56 Pfund dieser Silbermünzeu enthielt. Der Wert des Fundes berechnet sich auf zirka 4000 Mk. Die Thaler stammen aus dem 15. Jahrhundert.

Worms, 20. Mai. Wie dieWorms. Ztg." meldet, hat der Inhaber der Kolonialwarenhandlung und Leiter­fabrik Adolf Sinsheimer hier sich der Wechsel- fälschung im Gesamtbeträge von über 200 00 0 Mark schuldig gemacht und sich seinen Gläubigern durch die Flucht entzogen.

m. Frankfurt a. M., 20. Mai. Der Besitzer des HauseS, Schäfergasse 24 dahier, wollte sein Haus niederlegen. Mit allen Mietern war er einig, und sie zogen aus. Nur eine Witwe behauptete mit Beharrlichkeit das Schlachtfeld. Trotz­dem der Hausherr ansing, ihr das Dach über dem Kopfe zusammenzureißen, zog sie nicht von dannen. Ihre Ent­schädigungsansprüche waren so hoch, daß sie der Hausherr nicht glaubte befriedigen zu können. Gleichwohl verhinderte die Behörde den Weiterabbruch des Hauses. Da brach in der letzten Nacht in demselben Großfeuer aus, und durch die Löscharbeiten wurde alles so demoliert, daß die Witwe von selbst ausziehen dürfte, lieber die Entstehung des Feuers ist nichts bekannt, heißt es. Der Prozeß aber wird zu Ende sein.

Wiesbaden, 20. Mai- Während des hiesigen Auf- .enthalts des Kaisers waren die Sicherheits-Vor­kehrungen besonders verschärft worden, weil aus einer Irrenanstalt das Entweichen eines geisteskranken Gerichts- assessors gemeldet war, der erklärt haben soll, er wolle sich nach Wiesbaden begeben, um eine That zu begehen, Die alle Welt in Erstaunen setzen würde.

Vermischtes.

Ein Kaisertrunk mit Hindernissen. Gelegent­lich des Kaiserbesuchs auf der Hohkönigsburg wurde des Trunkes Erwähnung gethan, der auch in diesem Jahre dem Monarchen vom baulcitenden Architekten Bodo Ebhardt überreicht wurde. Wie jetzt ein Augenzeuge des Vorgangs erzählt, hat die Sache, die eines scherzhaften Beigeschmacks nicht entbehrt, sich folgendermaßen abgespielt: Der köstliche Wein des Elsaß war von Herrn Brauer aus Rappoldsweiler gespendet worden, einige junge Damen waren erschienen zur Ueberreichung und ein silberner Becher aus dem Besitze des Architekten Bodo Ebhardt stand wie siüher auch jetzt bereit. Aber schon naht der Kaiser mit seinem glänzenden Gefolge, da wird entdeckt, daß der Korkenzieher fehlt! Um alles in der Welt, schnell einen Korkenzieher her! Aber 0 ausgezeichnet auch Förster, Gendarmen, Bauleute mit Ge- vaffen und Instrumenten ausgestattet waren, ein Korkzieher and sich nicht darunter! Endlich bringt einer ein Taschen­messer zum Vorschein, an dem ein Pftopfenzieher prangt. Aber er ist zu kurz und der Stöpsel bricht in der Mitte ab; der köstliche Wein rinnt nicht heraus. Schon steht der Kaiser vor den Damen, und . . . der Kork sitzt noch immer fest. Da wird im letzten Augenblick eine andere Flasche genommen, allerdings auch ein köstlicher Tropfen, ein 1895er Riesling, von dem der Kaiser dem Architekten Bodo Ebhardt Bescheid : Hut. Eine kleine Pause entsteht, in der auch die Herren des Gefolges einen Trunk thun und der Kaiser verschiedene Vor- tellungen entgegennimmt. Der Spender des köstlichen Weins hofft die kleine Verwechselung wieder ausgleichen zu können, .indem er beim Aufbruche dem Kaiser den richtigen 1865er nochmals allerdings diesmal programmwidrig durch eine der Damen anbieten läßt. Mit einem Scherzworte über diesen Ueberfluß trinkt der Kaiser abermals, aber er kommt auch jetzt nicht zu seinem 1865er, denn in der Aufregung hat die Dame abermals den verkehrten Wein eingegossen. Aber der guten Dinge sollen drei sein! Nach längerem Rundgang sieht sich der Kaiser im Hofe der Burg plötzlich wieder den, freundlichen Becher gegenüber. Der tapfere Elsässer sucht daS Schicksal immer noch zu besiegen, dieses Mal aber schritt de, Kaiser vorüber und der Kaiserwein blieb diesmal ungetrunkey wenigstens vom Kaiser!

* Folgendes vielsagende Inserat findet sich ip einer Charkowschen Zeitung: Ein ehemaliger Universitäts­student, der seit längerer Zeit keine passende Anstellung gefunden hat, bittet ergebenst, ihm eine Stelle als Dwor- nik (Hausknecht) oder Kutscher zu geben.

* Welche Wissenschaft ist die älteste? RoseggerS Heimgarten" veröffentlicht folgenden Scherz: Um den Tisch saßen vier akademisch gebildete Herren, ein Jurist, ein Me- diziner, ein Elektrotechniker und ein Theologe. Es entspann sich ein Streit, welche Wissenschaft wohl die älteste sei. Meinte der Jurist:Jedenfalls die Jurisprudenz. Man kannte sie schon im Paradies, denn Adam und Eva wurden delogiert!" O nein," versetzte der Mediziner,die Medizin ist unbedingt älter. Bedenken Sie doch den operativen Eingriff bei Adam behufs Gewinnung der Rippe! Das war doch noch vor dem Paradies!"Nützt alles nichts, meine Herren! Die Palme gehört uns Elektrotechnikern. Denn bevor noch das alles war, hieß es:Es werde Licht!"Ich will nicht unbeschei­den sein, sehr verehrte Herren," sagte da der Theologe, aber ich glaube, die Priorität gehört uns, den Theologen. Denn bevor es Licht war, wars ja finster!"

UnioerMs Nachrichten.

Die Nachricht derGermania" vom Rücktritt des Pro­fessors Dr. Alois Schulte von der Leitung des Historischen Instituts in Rom wird bestätigt. Als Gründe werden an. gegeben: sich häufende und sich verschärfende Konflikte nut bei Generaldirektion der Archive in Berlin, von der das römisch« Institut zurzeit noch abhängt, und die klägliche Dotation des Iw Muts, sowie der 1. Sekretärstelle. - Man schreibt aus Heidel- berg: Wir haben ein Rekord-Semester! Die jetzt erreichte ZM von 1640 Studierenden ist die höchfle, welche die Ruperto Carola je zu verzeichnen hatte. Die nächsthöchstc, ^ommersemester 1900 mit 1552 Studenten, ist überflügelt. Bei der 6. Immatrikulation an der Freiburger Universität haben sich 170 studierende ein­zeichnen lassen. Tie Gesamtzahl der Studierenden betraat jetzt 1842, ein Stand, der früher nie erreicht worden ist. Man schreibt aus Basel: An der Universität Basel hielt der an Stelle des an die Hochschule in Göttingen abaegangenen Proftssors Dr^ Jakob Wackernagel zumOrdinarius für vergleichende Sprachwißerischaft ernannte Dr. Ferdinand Sommer, bisher Prwatdozent an der Universität Leipzig, seineAntrittsvorlesung überdie indogermanische Ursprache und ihre Rekonstruktion." Prof. Dr. Wrebel, Be»