Ausgabe 
21.5.1902 Erstes Blatt
 
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«ünöer tmb Direktor d«S chemischen StaatSlaboratoriumS in Hamburg, ist, 62 Jahre alt, m Fierburg im Breisgau geswrben.

Kunst und Wissenschaft

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eile angenommen, daß die Verstaatlichung »rftände. DieS

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+ 10,8° C.

4- 5,1° C.

19./20. Mai

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Höchste Temperatur am

Niedrigste * w

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

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LchiffStrust. Wie verlautet, soll sich Viorgan nut der Ab­sicht tragen, seine Macht aui den Meeren noch weiter auszudehnen. Aus London wiro gemeldet, daß die Direktion der Ehina Vtumal Sleamship ISo. em Cirlular an chre Aktionäre versandt bat, worin denselben eine Offene bezüglich des Vcrkauss des Unternehmens unterbreitet wird. Die Wc|cllfchaft besitzt 14 Dampfer^ imd es wird vermutet, daß die Cfierte von dem amerifanifdicn Syndikat Ijer- rütjrt. (Sine Liverpooler Meldtmg will ferner iviffeu, daß Alorga,, zu einem Ucbercinl'ommen mit der Manchester Ship Eanal Co< gelangt ist, dessen genaue Details jedoch iloch nicht bekannt sind.

Bew. Hinunch Bed.

Bew. ,

Familien Nachrichten.

Gestorben: Fritz Hoch statt er, Tapetenfabrikant, Darmstadt.

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Handel und Verkehr. DoUiswlttschaft

68 Lich 20. Mai. Der Psingstmarkt, der sonst an Austrieb und Geschäftsgang hinter dem Dfterinarkt zurückblieb, war diesmal gut befahren, der Geschäftsgang war sehr flou. ^lufgetrieben waren 664 Schweine. Für Schweine von 67 Wochen imirben durch- schnütlich 50 Mk., von 9 Wochen 80 Mk., von 16 Wochen 130 Mk.

pr. Paar bezahlt. ___ , .. m ,

Zur öslerrcichifchcu Etfeubahnvcrstaatlichuug. Nach der letzten Nede de-.- EisenbahnminisierS im '?lbgeorbnetenbau5 >vurde von mancher Seile angenommen, daß die Verstaatlichung der österreichischen Staatsbahn nun unmittelbar bcuorftanbe. DieS ift keineswegs der Fall. Vielmehr ist die Aufnahme der Verhand­lungen zwischen der Regierung und der Slaatsbahiwerivaltuna ru- solge der restlichen parlamentarischen Saison, sowie behufs Voll­endung der Vorarbeiten, welche als Grundlage für die Berechnung der Regierung zu dienen haben, kaum vor Monat Juli zu ge-

Gerichtssaal.

k Butzbach, 20. Mai. Mit einer selten vorkommenden Jn- /urienUage, die ein Bürger aus Hoch-Weisel erhob, hatte sich das hiesige Schöffengericht zu befassen. Bei der Redaktion der Butz­bacher Zeitung traf tm März em mit Datum versehener und nut Der Vorstand des Gesangvereins Concordia" unterfertigter Bericht liber das Stiftungsfest dieses Gesangvereins ein, welcher dann in dem Blatte ausgenommen wurde. Diese Lokalnotiz nun erwähnte auch die Aufführung von Theaterstücken coupletartigen Charakters, die jedoch nicht gegeben wurden, aber auf einen Mitbürger gemünzt waren. Letzterer verstand keinen Spaß und ließ durch einen Rechts­anwalt gegen den verantwortlichen Zeitungsverleger Beleidigungs­klage auf Grund des Preßgesetzes erheben; dieser erfuhr inzwischen, daß nicht der Vorstand des Vereins, sonderii em der Persönlich­keit nach später ermittelter Anonymus von Hoch-Wetsel die No­tiz geschrieben habe. Der Verteidiger des Angeklagten ließ den Anonynrus als Entlastungszeugen zur Hauptverhandlung vorladen und m dem Termin räumte dieser ein, daß er nach Anleitung eines Anderen die Notiz geschrieben habe; er nahm auch reuevoll

die in der Notiz gefundene Beleidigung zurück, verpflichtete sich zur Zahlung aller Kosten des Privatklageoerfahrens, mel. Anwalts, reisekosien, sowie zur Entrichtung von 10 Mk. siir bedürftige-eule in Hoch-Weisel und war damit cinperitaiiöen, daß mit feiner Jlu- mensunterschrift eui Widerruf m der Butzbacher Zeitung veroffen - licht werde. Tiit Rücksicht hieraus zog der Beleidigte die Mage gegen den Redakteur zurück, nachdem der ÄMpirator der Schttz elbschuldnerische Bürgschaft für die Zahlungsverbindlichkeit seine- Kumpans aeleiftet hatte. . . .

Eine wichtige Entscheidung in der Krage des Koalttronc rechtes hat neuerdings das Reichsgericht getrogen. Im Gegensatz zu einem Erkenntnis des Kammergerichtes Hal es am- gesprochen, daß die Strafbefnmmungen des $ 163 der Wcwevbt- ördnung eine allgemeinere Anwendung finden inuyten, als bisher angenommen wurde. Die Koalitionsfreihett jft im § lo2 ber Gewerbeordnung bekanntlich in der Forni begrunbet, dag alle Ver­bote imd Strafbestimmungen wegenV e r a b r e d u n g e n un o Vereinigungen" zur Erlangimg günstiger Lohn- und Ar­beitsbedingungen aufgehoben mürbem >gn § lo3 würbe sodann zum Schutze gegen den Mißbrauäz dieser Koalitionsfreiheit rn-.l Strafe bedroht, wer andere durch gewaltsame Mittel zu olcheii Verabredungen" zu bestimmen verfocht, und es wurde hierbei ausdrücklich auf § 152 verwiesen. Die Rechuprechung hat aueb bisher daran feftgehalten, daß ei» Unterschied bestehe zwischen Verabredungen" undVereinigungen", daß jene einen Einzelnen bestimmten Lohnkampf, diese dagegen die aUgcmcnieit Lrgamsa- tinnen der Arbeiter bezeichnen sollten, und daß mfolgedeßen die Strafe des § 153 nur zur Anwendung gelangen könne, wenn die Beteiligung an einem speziellen Streik, nicht aber der Beitritt zu ber Organisation der betreffciibeit Arbeiter erzwungen werden sollte. Diese Unterscheidung hat jetzt das Reichsgericht beseitigt, weil siebei Erwägung der aus dem Zusammenhänge der ge etz- lichen Bestunmungen selbst sich ergebenden Absichten des Gesetz­gebers sowie der Entstehungsgeschichte jener gesetzlichen Bestim­mungen nicht für richtig gehalten werden" konnte. Dies wird des näheren begründet, dann aber unabhängig davon ausaesuhrt, daß die mit den beiden AusdrückenVerabredung und xsereuugung zu verbindenden Begriffe nichts weniger als bestimmt voneinander zu scheiden seien. Es könne nur als emenicht ganz sorgfältige Redaktion" des vom Gesetzgeber Gewollten angesehen werden, bau die Ausdrücke nicht in beiden Paragraphen gleichlautend gewählt wurden. Dieses Urteil entspricht der von der preußischen Jnstiz- verwalttmg seit dem Scheitern der sogenannten Zuchthausvorlage wiederhott versuchten Auslegung des Gesetzes.

Onkel Brasig fern 2djahriges tDOjauipteierjuDu

Eine eigenartige Himmelserfchciuung 6er großen Bertes-Sternwarle in Amerika, P einer Mitteilung an dieLondoner Nature". Sie bestand in einem Mondhof von fo sonderbarer Form, wie er noch niemals beobachtet worden ist. Der Himmel war mit einem weißlichen SBoLfcnüber* zug leicht verschleiert und der etwa 10 Tage alte Mond zeigte sich msirlgedeffen zunächst von einem Ring von 4550 Grad tm Durch­messer umgeben, eine sehr häufige Erscheinung. Bald aber zeigte sich noch em zweiter Ring von gleicher Größe und Helligkeit, der durch den Mond selbst verlief und demnach den ersteren an zwei Stellen kreuzte. Beide Ringe wiesen auch die nämliche Färbung auf; weißlich mit einer rötlichen oder bräunlichen Einfassimg auf bet scharf umrandeten Innenseite. Das merkwürdigste an der Er­scheinung aber war, daß sich ber äußere Ring um den inneren langsam berumbewegte, jeboch so, daß er stets burch ben Mono selbst verlief. Das Phänomen, das beim Mond, wie gesagt, noch niemals, dagegen in annähernd entsprechender Eigenart bei der Sonne zuweilen gesehen worben ist, blieb eine fjalbe etunbe lang sichtbar, bann verschwanb ber äußere Ring allmählich dem Auge.

Sport.

Arend über Taylor. Bei dem Rabrennen auf der Radrennbahn Kurfürstenbamm in Berlin würbe Arenb Erster vor Major Taylor. 1

Am Dienstag machte ber Rabfahrcr Archibald Mac Cachern, der Sieger des letzten Newyorker Sechstage-Rennens, bas er gemeinsam mit Walthour gewann, auf der kleinen Bahn des Coliseums in Atlantic City in den Vereinigten Staaten einen Rekordversuch über 15 Meilen mit Schrittmachern. Er hatte bereits, so lesen wir in der Radwelt", 14 Meilen in vorzüglichem Tempo zurückgelegt, da riß kurz vor Beendigung der 15. Meile die Kette an dem führenden Zweisitzer. Mac Eachern konnte eine Be­rührung des Hinterrades nicht vermeiden imd wurde gegen bie Barriöre geschleudert, welche die Langseite der Bahn einsaßt. Er war zwar im Moment wieder auf den Beinen, aber aus einer Hefen Wunde am Halse schoß das Blut mit solcher Gewalt beroor, daß er nach etwa 20 Schritten zusammenbrach. Man schaffte ihn unverzüglich ins Hospital; er starb, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben, gleich nach seiner Ankunft. Wie bie Unterfudmng ergab, hatte er sich beim Sturz die große Halsschlagader zemffen. Mac Eachern ist nur 26 Jahre alt geworden.

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Kraulsurt a. M., 20. Mat Am Mittag des ersten Pfingst- fefertaflcS ist, w« wir schon mitteilten, das Mitglied des hieiigen Schauspielhauses Clemens Grün gestorben. Ter Tob nahte [hm mfi Erlöser. Schon seit Jahren litt ber sonst fo rüstige Mairn an ber Zuckerkrankheit, bie ihn vor zwei Jahren schon einmal an öen Rand bes Grabes brachte. Damals erholte er sich verhältnis- mäßig rasch, biesmal aber machte sein Zustand eine Operation nötig. In der vorigen Woche mußten chm bie Aerzte vier Zehen des rechten Fußes abuehmen, bann, als bie Gefahr damit nicht be­seitigt war, das Bein unterhalb und nach weiteren zwei Tagen auch oberhalb des Knies amputieren. Am Samstagniittag nahm der Zustand bed Kranken bann eine Wendung, die jebe Hoffnung auf Erhaltung bes verstümmelten Lebens ausschloß. Clemens Grün, geboren 1846 zu Graz in ber Steiermark, wibmeie sich nach Ablauf ferner Gvmnasialstubien ber Marmelaufbahn, machte als oster«fck)ischer Marineoffizier bie Seeschlacht bei Liff'a am 20. Juli 1866 mit unb ging bann Anfang ber 70er Jahre zur Bühne über. Zuerst trat er auf kleineren Provinzbühnen auf, bei einem ^piel ux Wiener Neustabt wurde Josephine Gallmeyer aus ihn aufmerk- sam und verschaffte ihm ein Engagement bei einem Wiener xljeater. 3uleRt war er in Wien beim Wiener Stadttheater unter Laube tbatig. Im Herbst 1879 kam er zum Viktoriathectter nach ijraiu- furt unb Anfang der 80er Jahre ans Schauspielhaus, wo er am 10. Tiara 1895 unter großen Ehren in ber Rolle des Reuterffchen Onkel Bräsig sein 25jähriges Schauspielerjubiläiun feierte.

Eine eiaeuarttge Himmeloerscheinnug beschreibt ber Letter örofessor Barnard, m

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Bekanntmachung

Die Behandlung der Stadtarmen hat fett 1. Mai d. I. btt Privatdozent für innere Medizin, Herr Dr. Volhard übernommen. Bestellungen für Stadtbesuche werden in der medizinischen Klinik und m der Wohnung des genannten Herrn, Frankfurterstraße 27, entgegengenommen. Nicht bett­lägerige Kranke wollen sich vormittags von 1012 Uhr in Set medizinischen Klinik melden.

Gießen, 12. Mai 1902. 3786

Die Armen-Deputation der Stadt Gießen.

Mecum.

Spar- und Aihkaffe Gießen.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß unsere blasse vom 1. bis 15. Juni l. I. wegen des in dieser Zeit vorzunehmenden Umzuges in das neue Ge­bäude Johannesstraße 5 geschlossen ist. Geschäfte, welche nicht aufgeschoben werden können, müssen daher noch uit Laufe dieses Monats erledigt werden, wobei bemerkt wird, daß Samstag den 31. Mai L I. auch nachmittags die Sasse geöffnet ist.

Gießen, den 10. Mai 1902.

Der Direktor der Spar- und Leihkaffe Gießen.

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