des 1. Seebataillons in Kiel einzusenden, damit ihm näheres über den beabsichtigten Verlauf der dreitägigen Feier mit- geteilt werden kann. Für Quartier in Kiel ist gesorgt und ermäßigter Fahrpreis ist in Aussicht gestellt.
Neueste Meldungen.
Origirtaldrahtrneldrurgen des Gießener Anzeigers.
Darmstadt, 2y. Febr. Der Großherz ogvonSachfen- Weimar ist heute Nachmittag hier eingetroffen. Er würde am Bahnhofe vom Großherzog begrüßt, wo auch militärischer Empfang stattfand. Die Abreffe des weimarischen Fürsten erfolgt Freitag.
Berlin, 20. Febr. Die Budget-Kommission des Reichstags beschäftigte sich heute mit dem Etat des Reichs- Jnvaliden-Fonds im Betrage von 6 200000 Mk. Graf Oriola bezeichnete diese Summe als nicht genügend und beantragte eine Erhöhung auf 7 % Mill. Mk. Dieser Antrag wurde nach längerer Diskussion einstimmig angenommen.
Rom, 21. Febr. In Piemont (Sardinien) fanden gewaltige Schneefälle statt. Der Verkehr ist unterbrochen. Manche Ortschaften sind ganz abgesperrt. Viele Viehherden sind umgekommen.
Belgrad, 21. Febr. Anläßlich der Ueberreichung der gestern von der Skupschtina ^gefaßten Resolutton, in der dem König die Treue und Sympathie der Skupschtina versichert wird, erklärte der König, er sehe hierin einen neuen Beweis der Loyalität und die Uebereinstimmung der Volksvertretung mit seinen Ansichten. Er habe schon bei der Entgegennahme der Adresse die in Umlauf gesetzten böswilligen Gerüchte widerlegt und freue sich, daß die Skupschtina jetzt das Gleiche thue. Durch die Resolution werde der Gefähr- lichkett der demagogischen Bestrebungen gewisser Elemente die Spitze abgebrochen.
Peking, 21. Febr. (Reuter.) Das diplomatische Korps wurde gestern in einer Audienz empfangen. Die Kaiserin-Witwe saß auf dem Thron, der Kaiser auf einem Sessel ihr zur Linken. Der österreichisch-ungarische Gesandte ttchtete eine Glückwunschansprache an den Kaiser. Prinz Tsching verlas eine Antwort darauf. Die Kaiserin-Witwe unterhiell sich durch einen Dolmetscher mit dem österreichischungarischen Gesandten.
Pretoria, 20. Febr. (Reuter.) Alle Buren, die sich bisher in den Konzentrattonslagern bei Pietersburg befanden, wurden nach Natal geschafft.
Vermischtes.
* Dreimal entwischt. Im Universitäts- gebäude zu Berlin wurde ein Ausländer, Paul Neu- mann aus Wien, sestgenommen, der Schwindeleien begangen haben soll. Leider gelang es ihm, den Kriminalbeamten wieder zu entwischen. Der Fall erregt in der Studentenschaft Aufsehen, da der Verfolgte sich als angeblicher „D o t t o r" Neumann in der akademischen Lesehalle eingesührt und hier wie auch in angesehenen Familien mancherlei Verkehr angeknüpft hatte. Er liebte es jedoch, derart zu renommieren, daß man ihm zuletzt keinen Glauben mehr schenkte. So erzählte er, daß er auf Kuba und den Philippinen für Amerika als Husarenofsizier gekämpft habe, und als solcher jetzt eine Pension beziehe. In Wirklichkeit war er weder Offizier, noch Doktor, sondern Zahnarzt; er entstammt jedoch einer angesehenen Wiener Familie und ist der ungeratene Sohn eines dortigen Universlläts-Pro- fessors, des Dermatologen Hofrats Neumann. Obwohl er nicht immatrikulierter Student ist, führte ihn ein Mann, der sich über ihn beschweren wollte, beim Universitäts- richter Geh. Rat Daude vor. Ehe es zur Vernehmung kam, war Neumann auf und davon. Allein er wurde draußen von Kriminalbeamten überrascht, die schon auf Grund einer Anzeige seit Tagen auf ihn fahndeten. rannte im Universitätsgebäude nach dem zweiten Stockwerk und hielt sich dort mehrere Stunden lang an einer verschwiegenen Stelle auf. Die Beamten warteten an der Thür; aber als ihnen die Geschichte zu lange dauerte, drangen sie ein und nahmen den Pseudodoktor fest. Der Verhaftete ging anfangs gutwillig mit, allein auf der Straße stteß er plötzlich die Beamten zurück und machte sich aus dem Staube. Nun wird ihm wohl der Boden ig Berlin zu heiß geworden sein.
* Siebenhundert^ Injurien sind nach dem „Wiener Extrablatt" in der Freitagsitzung des österreichischen Reichstages gefallen. An alttäglichen Redensunarten schwirrten durch die Lust: „Halunke, Gauner, Schuft, ehrloser Schuft, lügnerischer Schuft, Lump, elender Lump, besoffener Lump, Haderlump, Denunziant, Trottel, Strohkopf, Hausknecht, Lügner, unverschämter Lügner, Wahl- schwindler, Verleumder, Naderer, Diebsgesindel, nichtsnutziges Gesindel, Schandkerl, schuftiger Kerl, Volksbetrüger, Bube, Lausbube, ehrloser Mensch, charakterloser Mensch, Spitzbube, Beuschelreister rc. rc." Die Ausbeute an besonders spezialisierten, originellen Schimpfwendungen war nur gering.
* Von Kannibalen getötet. Die Mission, welche, wie man sich erinnern wird, vor einiger Zeit vom Pariser Journal „Patrie" ausgerüstet worden ist, wurde im Lande der Papuas von Kannibalen überfallen. 25 Mttglieder, darunter 4 Weiße, wurden getötet und 33 verwundet. Die Toten wurden von den Kannibalen verzehrt. Dieses Schicksal traf folgende Mitglieder der Mission: Graf Saint-Remy, Baron Villars, Hagenbeck und Vries.
Landwirtschaft.
Die Deutsche Landwirtschafts gesellsch aft plant auf ihrer Wanderausstellung zu Mannheim vom 5. bis 10. Juni auch eine Svnder-Ausstell ung für Bauwesen. Alle Erzeugnisse und Gegenstände des Bauwesens, insbesondere des landwirtschaftlichen, werden zu dieser Sonder-Ausstellung zugelassen. Hierher gehören: Baustoffe, neuere Dachdeckungsarten und Materialien, Gegenstände der inneren Einrichtung, feste und bewegliche Krippen, Vieh- und Pferdestände, Schweinebuchten, neuere Deckenkonstruktionen, Tränkanlagen, Ventilationseinrich- tungen und dergleichen. Es wiro durch diese Ausstellung Gelegenhett geboten, den vorgenannten Gegenständen sowohl im Interesse der Fabrikanten, als auch im Kreise der Landwirte weitgehendste Verbreitung zu schaffen. Schluß ver Anmeldungen: 28. Februar 1902. Die Schauordnung, Anmeldepapiere rc. sind kostenlos zu beziehen durch das Direktorium der Deutschen Laudwirtschastsgesellschatt Berlin SW. 12, Kochstr. 73.
Heer und Flotte.
Tas 1. Seebataillon in Kiel feiert in der Zeit vom 12.—14. Mai sein 50jähriges Bestehen. Das Bataillon würde es gern sehen, wenn zu dieser Feier möglichst viele alte Seesoldaten nach Kiel kämen. Wer daran teilnehmen will, hat seine Adresse unter Angabe der Jahre, in welchen er dem Batalllon angehört hat, an das Geschäftszimmer
wolle. Eine dritte Frage sei ferner noch die, ob eine obligatorische Versicherung überhaupt nötig sei. Wir hätten jetzt schon eine Seuchengesetzgebung und er glaube, daß der Verwaltungsapparat, der?man hier in Bewegung setzen wolle, viel zu kostspielig sei und zu den auszubringenden Umlagen in keinem Verhältnis stehe. Eine allgemeine obligatorische Viehversicherung halte er für nicht angebracht: es genüge vollständig, die bestehende Seuchengesetzgebung; weiter auszubauen. Dagegen sei eine obligatorische Schlachtviehversicherung wohl am Platze. Er hoffe, daß die Resolution nicht zur Annahme gelange und ersuche die Regierung, einen loeiteren Ausbau der <-euchengesetzgebung zu erwägen, sowie einen Gesetzentwurf hinsichtlich einer obligatorischen Schlachiviehverjicherung der Kammer vorzulegen.
Ministerialrat Braun: Er sei mit den Ausführungen des Abg. Korell vollständig einverstanden. Eine Entschädigung für an Milz- und Rauschbrand und Rotlauf eingegangene Tiere werde bereits gewährt und der Eritwurf eines Gesetzes betreffs Verluste durch Maul- und Klauenseuche liege zur Zeit schon vor. Als weiteres Objekt für einen gesetzgeberischen Akt bleibe noch übrig die Tuberkulose des Schlachtviehes. Ein diesbezüglicher Entwurf sei bereits ausgearüeitet und werde demnächst dem neuen Landtage zugehen. Alsdann sei nur noch eine Gruppe von Schäden vorhanden, die resultierten aus llnfällen und schlechter Viehhaltung. Hier sei man an einen Punkt angelangt, wo die hessischen Landwirte einer obligatorischen Versicherung ablehnend gegenüber ständen, denn eine derartige Versicherung käme nur auf eine Prämiierung der leichtsinnigen und schlechten Viehhaller heraus. Die Frage der Pferdeversicherung sei hier besonders schwierig im Hinblick auf die großen Wertunterschiede, uiid es sei nahezu undurchführbar, Luxuspferde und Arbeitspferde in eine Versicherung aufzunehmen. Was die Schweineversicherung anlange, so roei)c er darauf hin, daß hier bereits für Verluste durch Rotlauf eine Entschädigung gewährt werde. Eine obligatorische staatliche Viehversicherung fei nicht angebracht; der Entwurf einer staatlichen Schlachtviehversicherung werde dem neuen Landtag zugehen; angesichts seiner Erklärungen hoffe er, die Kammer werde den Antrag Ulrich damit für erledigt erklären.
Abg. Schönberger (natl.) will die bestehenden Ortsviehversicherungen nicht umgeworfen sehen. Wenn das Maul- und Klauenseuchegesetz geregelt und eine obligatorische staatliche Schlachtviehversicherung eingeführt sei, dann sei vorerst das Allernötigste geschehen; er hoffe, daß alsdann weitere schritte erfolgen.
Abg. Heiden re ich (natl.): Der Ausschußbericht sei auf Grund der bei seiner Abfassung vorhandenen Situation festgestellt worden, als die Regierung über eine Schlachtviehversicherung eine Erklärung noch nicht abgegeben habe. Nachdem diese Erklärung erfolgt sei, sei er der Meinung, daß der Ausschuß seine Beschlüsse in' dieser Form nicht aufrecht erhallen könne und gebe dem Hause anheim, ob nicht eine Rückverweisung an den Ausschuß zur nochmaligen Beratung elfforderlich scheine.
Vttnisterialrat Braun: Er gebe dem Abg. Heidenreich zu, daß heute eine völlig veränderte Situation vorliege. Der Grund hierfür läge lediglich in der Verzögerung der Thättgkeit des Ausschusses, der anderthalb Jahre dazu gebraucht habe, ohne jedoch demselben einen Vorwurf daraus machen zu wollen. Heute sei in dieser Angelegenhell, wie man so zu sagen pflege, das Licht besser geworden. Statt der Rückverweisung sei es indes besser, wenn der Ausschuß den Vorschlag machen wolle, in Anbetracht der Erklärungen der Regierung die Angelegenheit für erledigt zu erklären.
Abg. Ulrich (Soz.) ist erstaunt über die Haltung der Landwirte in dieser Versicherungssache. Diese Stellungnahme könne er sich nur verursacht denken durch spezielle Rücksichten und besondere Eigentümlichkeiten. Aber es bedürfe nur einer eingehenden Prüfung dieser Bedenken, um zu finden, daß diese Gründe sich nicht als durchschlagend erweisen. Prinzipiell sei sein Standpunkt, daß eine gemein» chaftliche obligatorische Versicherung die richtige sei. Der angeführte Grund hinsichtlich der allzu hohen Kosten sei näht derart, daß diese Schwierigkeit nccht gehoben werden könnte. Er sei dem Ausschüsse dankbar, daß er in seinem Berichte unzweifelhaft einer Anzahl Gedanken Ausdruck gegeben habe, die zur weiteren Prüfung der Angelegenheit anregen. Verlorene Arbell des Ausschusses sei dies nicht, und man erwarte, daß die Regierung das, was sie davon brauchen könne, in der Vorlage verarbeiten werde. Bezüglich der Versicherung gegen Schäden und Unfälle sei es gut, wenn auch diese Fälle in eine Versicherung einbegriffen würden. Man könnte hier ja bestimmte Grundsätze festlegen für diejenigen, welche sich gegen diese Fälle^ versichern wollten, uno eine Verordnung für die Zustände der Ställe und für die Fütterung erlassen. Die Verwaltung solle man nicht allzu bureaukratffch einrichten.
Abg. Heidenreich (natl.) stellt als Referent des Ausschusses den Antrag im Hinblick auf die Erklärung von feiten der Regierung, daß ein Maul- und Klauenseuche- gesetzentwurf bereits vorliege und ein Gesetzentwurf, die obligatorische staalliche Schlachtviehversicherung betreffend, demnächst dem Landtag zugehen werde, den Anttag Ulrich für erledigt zu erklären.
Abg. Köhler-Langsdorf (fr. w. V.) erklärt, er wolle sich nur kurz zu der Sache äußern. In seinen Kreisen herrsche Aufregung gegen eine obligatorische Viehversicherung. In Oberhessen hätten sie sehr bewährte Ortsvereine in dieser Beziehung mit vorzüglicher Leitung. Er sei vor allem vor vornherein gegen jeden Zwang. In Hessen habe man schon sowieso zuviel Beamte, dann kämen auch noch eine große Zahl Viehversicherungsbeamte hinzu. Gut sei es, wenn die Regierung für solche Ortsvereine ein Normalstatut herausgeben wollte. Er stelle den Antrag, den Antrag Ulrich abzulehnen und die Regierung um Vorlage eines Gesetzentwurfs hinsichtlich einer obligatorischen staatlichen , Schlachtviehversicherung zu ersuchen.
Hierauf wird über den Ausschußanttag, den Anttag Ulrich angesichts der Erklärung der Regierung für erledigt zu erklären, abgestimmt. Der Anttag wird einstimmig an- genmmeon.
Schluß 12 Uhr.
Nächste Sitzung Freitag 9 Uhr. Tagesordnung: Beratung des Hauptvoranschlags der Staats-Einnahmen und -Ausgaben für das Etatsjahr 1902/03.
Hessischer Landtag.
Zweite hessische StändeLammer.
Darmstadt, 20. Febr.
Präsident Haas eröffnet die Sitzung um 9.40 Uhr.
Am Regierungstisch: Staatsminister Rothe Exc., die .Ministerialräte Braun und Breidert, Geheiinrat Emmerling.
Als erster Punkt steht auf der Tagesordnung der Antrag Ulrich und Genossen, die obligatorische staatliche Modi- iraÄersicherung betreffend und in Verbindung damit der Anttag Köhler (Langsdorf), die Einrichtung einer staatlichen Mobiliar-Feuerverfficherungsaii statt ' für das Groß- 'herzogtnm Hessen betreffend.
Ter Ausschuß beantragt: In Anbetracht der Regierungsvorlage, betreffend die Abänderung des Gesetzes vom 25. November 1871, die Versicherung, von Mobilien in Feuerversicherungsanstalten, die Anträge Ulrich und Gen. und Köhler (Langsdorf) zunächst für erledigt zu erklären.
Ministerialrat Breidert erklärt, bezüglich desStaud- pnnktes der Regierung könne er auf die früheren Erklärungen im Landtage kurz Bezug nehmen.
Abg. Reinhart (nat.-lib.) beantragt Zurückverweisung an den Ausschuß.
Abg. Ulrich (Soz.) stimmt für den Antrag Reinhart, wenn durch diese Beratung eine neue Beschlußfassung zustande komme.
Abg. Köhler-Langsdorf (fr. w. Vgg.) möchte vor der Abstimmung eine diesbezügliche Statistik haben und stimmt für Rückverweisung an den Ausschuß.
Abg. Ulrich (Soz.) bittet, dem Ausschußantrag nicht zuzustimmen. Es sei ein großer Fehler, sich durch einen ffolchen Beschluß die Flügel beschneiden zu lassen. Die Regierung habe im Augenblick keine Sicherheit, daß die konzessionierten Feuerversicherungen auch den Bedingungen nach kommen. Eines der Hauptbedenken sei, daß thatsächlich diese Gesellschaften die Möglichkeit hätten, sich nur diejenigen Risiken auszusuchen, die chnen paßten, oder die Leute chllanierten. Es würden da Prämien von 12 pro Mille verlangt. Es fei also in der Thal fast ausgeschlossen, daß sich jemand versichere. Deshalb müsse er darauf bestehen, daß der Antrag Annahme finde, nm dadurch die Regierung zu veranlassen, dem nächsten Landtag eine entsprechende Borlage zu machen oder die Regierung im Hinblick auf das Votum des Hauses in die Lage zu versetzen, einen Druck auf die Privatunternehmen ausüben zu können hinsichtlich auch der Uebernahme besonders feuergefährlicher Unternehmen. Auch die Resolution der ersten Kammer könne ihn davon nicht abbringen. Diese wolle nur die Versicherung der landwirtschaftlichen Mobilien. Tas Großherzogtum sei dafür zu llein, und eine derartige Versicherung werde seiner Ansicht nach die Landwirtschaft zu sehr belasten. Es sei ein großer Fehler, die Industrie auszuschließen. Die Versicherung fei ganz gut anzufchließen an die bestehende Landesbrandversicherungskasse als Zweig derselben. Eine allgemeine Mobiliarversicherung müßte eingeführt werden, um etwas Ganzes zu schassen. Es sei durchaus verfehlt, nur einen Teil der Bevölkerung heranzuziehen. Die Kammer möge einen entsprechenden Beschluß fassen, damit die Regierung in der Lage sei, bei den Gesellschaften Gegenwünsche machen zu können. Dadurch könne man die Uebernahme auch gefährlicher Risiken und auch eine angemessene Entschädigung erlangen.
Ministerialrat Breidert erklärt, daß die Verhandlungen mit den Mobiliarfeuerversicherungen wieder aus- gegriffen worden seien. Dieselben seien zur Uebernahme der gefährlichen Risiken bereit, eine Ueberetnfunft bezüglich der Höhe der Prämien habe nicht erzielt werden können.
Nachdem noch die Abgg. Molthan und Reinhart kurz ihren Standpunkt präzisiert haben, erfolgt Absttmmung. Der Ausschußanttag wird abgelehnt und die Anträge Köhler- Ulrich einsttmmig angenommen.
Als zweiter Punkt steht auf der Tagesordnung: Anttag der Abgg. Ulrich und Genossen, die obligatorische staatliche Vieh- und Schlachtviehversicherung betreffend.
Seitens des Ausschusses werden als Ergebnis seiner eingehenden Beratung der zwellen Kammer folgende Grundsätze, die für die Errichtung einer Landesviehversicherungs- anstalt maßgebend fein sollen, empfohlen:
1) Tie Viehversicherung müßte obligatorisch für sämtliche Viehbesitzer sein;
2) die Viehbefitzer müßten auf Grund des Prinzips der Gegenseitigkeit zu örtlich organisierten Versicherungs- Vereinen und diese Ortsvereine auf Grund desselben Prinzips zu einem Lcmdes-Versicherungsverbande zusamrnengefaßt und die Teilung des Risikos bezw. der Umlage in angemessener Weise geregelt werden;
3) Ortsvereine und Versicherungsverband müßten auf der Grundlage der Selbstverwaltung aufgebaut und verwaltet werden;
4) Stteitigkeiten zwischen Versicherten und örtlichen Verficherungsvereinen oder zwischen Ortsvereinen und Versicherungsverband sollten durch ein schiedsgerichlliches Verfahren entschieden werden;
5) dem Landesversicherungsverbande sollte aus staatlichen Mitteln ein Reservefonds zugewiesen und demselben ein jährlicher Staatszuschuß geleistet werden;
6) die Versicherungsanstalt müßte unter Staatsaufsicht -gestellt und der Regierung ein ausreichender Einfluß auf die Verwaltung zugestanden werden.
Ferner empfiehlt der Ausschuß, zunächst die Versicherung auf Rindvieh und Ziegen zu beschränken und später erst auf andere Tierarten auszudehnen und die staatliche Schlachtviehversicherung gleichzeitig mit der Versicherung gegen Verluste durch Umstehen oder Notschlachtung von Rindvieh und Ziegen zu verbinden.
Hierzu fuhrt Abg. Rau (Soz.) folgendes ans: Der Anttag, sei eingebracht worden, um hauptsächlich den flehten Landwirten bei Viehverlusten aufzuhelfen. Der Keine Bauersmann könne nicht begreifen, daß er von den 700 000 Mark, die aus Staatsmitteln der Landwirtschaft zur Verfügung ständen, nichts spüren solle. Von den Prämiierungen entfalle auf den Kleinbauern fast gar nichts. Zwar werde für Verluste infolge Milz- und Rauschbrand sowie durch Rotlauf eine Vergütung gewährt, indes erleide der Landwirt sehr empfindliche Einbuße an beanstandetem Schlachtvieh. Auch der Landwirtschastsrat habe sich für eine diesbezügliche Versicherung ausgesprochen, wenn auch bisher nur für Rindvieh und Ziegen. Es sei indessen unbedingt notwendig, auch Schweine und Pferde in eine Vie^- oder Schlachtviehversicherung mit einzubegreifeu. Eine derartige Versicherung, und zwar von Staatswegen, sei eine unbedingte Notwendigkeit; er erwarte von der Regierung, daß sie mit einer entsprechenden Gesetzesvorlage an die Landstände herantreten werde.
Abg. Korell (fr. w. V.) erflärt, es gebe hier zwei prinzipielle Fragen, erstens ob man eine obligatorische und .zweitens ob man eine freiwillige Versicherung einführen


