Ausgabe 
20.10.1902 Drittes Blatt
 
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polnische Lmdtvirth sich VCT SpaUälnleit. heute W CT sich vor Allem davor, daß sein Vaterland in die Hande der An,rede - lrmgskommission hineingejeut wird. Die Lcmdwirlhschaft kann ohne Getreidezoll nicht cmskommen. Werden die Zolle herabge,etzr, ,o geht der ©etrewebau zu Grunde unb Weidewirihschafl tritt an dessen Stelle. Die Sozialdemokraten sollten aber bedeuten, was !die Folge davon sein wird. Dann würden die länbhd-en polnischen Arbeiter entlassen werden, sie würden die Industrie überschwemmen und die Löhne so drücken, daß ein allgemeiner Nothsland eintritt. Die Zölle sind nun einmal ein nothwendigcs liebel. Wir können nicht, umgeben von den Zollschranken des 'Auslandes, unsere eigenen Grenzen weit öffnen. Der Bauernverstand ist em gesunder Ver­stand, der Bauer weiß schon ganz gut, was ihm frommt. Und wenn er Zölle verlangt, so weiß er eben, daß er sehr gut dabei fort: kommt In der Thal verkauft der polnische Bauer von lemem Ge­treideertrag mehr als ein Drittel. Die Srobtbeuenmg ist nicht allein von den Gctreidcprcisen abhängig. Wir haben biese Brod- tbeuerung trotz des stornüberflusses. Die Sache wird hier wohl cm dem Zwischenhandel, an dem Bäcker liegen. Wtr mimen uns daran gewöhnen, die wirthschaftlichen Erscheinungen nicht vom Standpunkt des Konsumenten, sondern von dem des Produzenten zu betrachten. Ucbrigc. wurde schon die gesetzliche Festlegung der Verwendung der Leben, .uttelzollerträge für eine Wtttwcn- und Waisenversicherung allein uns veranlassen, für die .üommissions- beschlüsse zu stimmen. Kommt die Regierung den Wünschen des Reichstags nicht nach, so mag es ruhig auf eine Machtprobe an­kommen. Und wenn diese Regierung dem Reichstag nicht nach­geben will, dann vielleicht eine kommende. (Beifall bei den Polen.)

Abg. Gaebel (Antis.) meint, der Antrag Wangenheim wäre ja sehr werth, verwirklicht zu werden; man müsse sich aber mit dem Erreichten begnügen. Er erklärt sich deshalb für die Kommissions­beschlüsse.

Abg. Bachmeier (bair. Bauernb.) spricht sich für den 7,50 Mk.- Zoll aus. (Bravo! rechts.) r ± rf .

Abg. Stadthagen (Soz.) (erhalt hierauf unter allgemeiner Heiterkeit bas Wort und geht mit ganz langsamen Schritten, gebeugt unter der Last eines kolossalen Aktenbündels, zur Redner­tribüne): Der Abg. Paasche hat viel von dem Verhaltmh zwischen Regierung unb Reichstag gesprochen, aber kein Wort von bem Gegenstanb, ber uns hier beschäftigt, von ben Zöllen. Wenn der Lbg. Paasche, der in den achtziger Jahren ein prinzipieller Gegner iller Schutzzölle war, nunmehr kein Wort zur Vertherdigung bet Halmng seiner Fraktion sagt, so muß man annehmen, daß er ferne Gründe hat. Er tanzt auf einer imaginären mittleren Lime, von der kein Mensch weiß, wie sic konslruirt ist. (Der Saal nimmt während der Rede allmählich ein ähnliches Aussehen an, wie bei der gestrigen Rede des Abg. Antrick. Kaum ein halbes Dutzend Ab­geordnete ist, abgesehen von den Sozialdemokraten, noch anwesend. Letztere stehen um die Rednertribüne herum und hören anscheinend wirklich zu. Die Minister vertiefen sich in die Lektüre von Zeitungen und sonstigen Drucksachen. Nur die Tribünen sind dicht besetzt unb bilden dadurch einen eigenartigen Gegensatz zur Leere beS Saales.) Redner verbreitet sich ausführlich über die gegen­wärtige Lage ber Landwirthschaft. Er tounbert sich darüber, daß Frhr. von Wangenheim nur 7,50 Mart verlangt. Weshalb nicht mehr, was komme es darauf an? Bon seinem Standpunkt aus hätte er schließlich Recht. Das beweise eben, wie nothwendig bie

veberführrmg bet Produktion in Mgsneinbefih sei. So lange der I Großgrundbesch in ben Hänben ber Junker sei, sei es ganz natür­lich, baß sie nach immer höheren Renten ftrebren. Nur sollten sie | sich nicht einbilben, baß ihnen irgend Jemand glaubte, daß. ste wirklich bie Interessen bet Allgemeinheit vertreten. 12er eaal macht einen ungemein frieblichen Eindruck; es herrscht eine absolute Stille unter ben wenigen Zuhörern, bie mit melancholischen Blicken ben Rebner ansehen.) Ter Ausfall des Abg. Herold gegen die Professoren giebt bem Rebner Anlaß zu einem längeren Jortragc über Professoren und die Bedeutung der Willenschaft im All­gemeinen. Er spricht über den Drang nach Erkenntnitz, der m der Brust des Menschen wohne, dem sich aber der Abg. Herold ent­ziehen wolle, um sich seine landwirthschaftliche Unschuld zu er­halten. (Tas Idyll wird um 4Yt Uhr durch das Aufflammen der elektrischen Bogenlampen unterbrochen; bei dem damit oerbunbenen zischenden Geräusch fahren einigeZuhörer" wie aus dem >Lchlafe empor.) Redner verbreitet sich sodann über die zum Zolltarif ge­stellten Anträge Wangenheim und nennt bie Einbringung ber agrarischen Anträge wieberholt eine Räubcrtaktik. . . .

Vieepräsibent Büsing: Herr Abgeordneter, Sic haben wieder­holt eine Parallele gezogen zwischen den von Mitgliedern dieses Hauses gestellten Anträgen und der Handlungsweise eines Räubers. Diese Parallele ist nicht zulässig. Ich rufe Sie deshalb zur Ord­nung. (Beifall.) , , . .,

Abg. Stadtliagen (fortfahrend): Ich habe ja mäst den Mhrn. von Wangenheim als Räuber bezeichnet, aber es kommt nickt jo genau darauf an. (Große Heiterkeit.) Ter Kollege Herold jagt, die Arbeiter, die billiges Brod essen wollen, seien bie Wucherer. Künftig wird sich ein wegen Wuchers Angeklagter auf Herrn Herold berufen und sagen können: Nicht ich, sondern der, dem ich das Geld gegeben habe, ist der Wucherer. (Heiterkeit.) Nein, wer die Gesetz­gebung in Bewegung setzt, um den Armen bas Geld zu nehmen, ber ist ein Wucherer. Diesen Standpunkt hat auch Luther eingenom­men; er hat geraden, alle Wucherer zu köpfen unb zu hängen. Das Buch von Schippe! scheint Herr Paasche nicht gelesen zu haben. Leider darf ich nicht das ganze Buch hier citiren (Heiterkeit), aber das eine betone ich, daß Schivpel am Schluß ausdrücklich die Ge­treidezölle als gewissenlosesten Brodwucher bezeichnet. (Hört! hört! links.) Wenn Herr Paasche Herrn Schippel so lobt, so sollte er mit ihm dengewissenlosesten" Brodwucher" bekämpfen. Hoffent­lich kommt Herr Paasche über die Sätze der Regierungsvorlage nun auch zu unseren Sätzen auf Zollfreiheit. Seine Philippika gegen die Obstruktion war übrigens ganz unangebracht. Ich habe bis­her gar nicht3 von Obstruktion gemerkt. (Heiterkeit.) Ich weiß gar nicht, was Obstruktion ist. (Heiterkeit.) Allerdings kann man das, was die Mehrheitsparteien hier treiben, mit Recht Obstruktion nennen. Obstruktion waren bie Schlußanträge in ber Kommission, Obstruktion waren die Ermahnungen des Aba. Paasche, ber boch nicht Präsibent ist. Ich will nicht auf die Geschichte ber Obstruktion eingehen! (Heiterkeit.) Redner verbreitet sich hierauf trotzdem über bie Geschichte deselben. Zum ersten Male sei dieses Mittel im englischen Parlament 1771 angewendet worden, unb zwar zur Erringung der Preßfreiheit. Man verdanke ihm die Preßfreiheit in England in Deutschland hätte man sie ja bekanntlich über* Haupt nicht. Nachdem Redner noch näher auf diese Materie eingegangen ist und insgesammt bereits 1% Stunde gesprochen hat, bfimeett er; Diese einleitenden Ausführungen glaubte ' voraus-

schicken zu mflffm, ICTet ich zum eigentlichen Tbema kon»ne. (GroW Heiterkeit.) Sodann sucht er nackzuweisen, datz die Aufnahme von Minimalzöllen in den Tarif verfassungswidrig sei Noch der Cer- fasiung habe der Kaiser bas unbeschrankte Recht, Vertrage mit fremden Staaten abzuschließcn. Durch die Mimmalzolle werben bem Kaiser verfassungswibr,ge Sckwanken gesetzt. Rebner ergeht üd> in längeren jun frischen Auseinandersetzungen, um gegen biejc Minderung des Rechtes des Kaisers zu proteftiren. Gegen eme Aenberung des Rechtes des Kaisers auf gesetzlichem Wege habe er ja nichts einzuwenben. ?lber, was hier geplant sei, sei eine unzu­lässige Verfassungsänderung. Denn dadurch werde indirekt mich bas Recht bcs toinmenden Reichstages gemindert. (Inzwischen haben üch auch die Zusckauertribünen start geleert.) In einigen Ion* servatioen Zeitungen bat man uns gefragt, seit wann wir denn die Reckte des Kaisers wahmehmen Ack, darum handelt es sich ja gar nickt. Es handelt sich darum, daß hier evident nackgewicsen wird, daß der Kaiser nur regiert, die Junker aber herrschen. Gegenüber den Arbeitern, die absolut nickts haben aufeer jbrer Arbeitskraft, sind selbst die kleinen Bauern noch in gewissem -sinne ittwitalijten; unb wenn nun nackgewiesen ist, daß auch die Bauern durch den Zolltarif geschädigt werden, wie können Sie da von nationaler .Po­litik reden? Es ist das Großkapital, das internationale Kapital allein, bas Vortheil von diesem Tarif hat. Wer ben Zolltrif unter» schreibt, unterschreibt bamü bas Todesuriheil von Tausenden und Abertausenden seiner Volksgenossen. Hieran knüpft Redner längere Ausführungen über bie Kindersterblichkeit. Bei dem Kampf um höhere Kornzölle handelt es sich um einen Klafsenkampf aller­ärgster Art. Die Herren, die für eine Kornzollerhöhung eintreten, treten damit zugleich gegen das Äoalitionsrecht der Arbeiter auf. Redner ergeht sich in längeren Betrachtungen über das Koalitions­recht, das, wenn das Kavital durch den Schutzzoll gestärkt werde, eine erhebliche Beeinträchtigung erfahre. Er erinnert daran, daß das Sozialistengesetz und die Zuckthausvorlage zusammenfiel mit der Forderung nach höheren Kornzöllen. Von einem Schutz ber nationalen Arbeit durch die Tarifvorlage kann keine Rede fein. Vielleicht ist es praktischer, die Großgrundbesitzer zu expropriiren, und ihnen eine Rente auszusetzen. Redner berechnet,was die ganzen Großgrundbesitzer kosten". Auf jeden Besitzer kommen 10 000 Mark jährliche Rente, im Gan n 251 Millionen, also bet Weitem nickt so viel wie uns die Geoggrundbesitzer heute kosten. Herr von Wangenheim sollte es sich überlegen, ob er nicht lieber die 10 000 Mark nehmen soll. Tas ist doch eine ganz anständige Summe, mit der man zur Noth leben kann. So wie die Dinge liegen, ist es, falls nicht bie Entscheidung so fällt, wie wir wünschen, doch bester, die Regierung löste den Reichstag auf; denn über eine Vorlage, die das Volk verelendet und den Kulturfortschritt hemmt, muß bas Volk entscheiden. Der Kanzler, der angeblich das Ansehen des Parlaments stärken will, sollte das parlamentarische Ansehen lieber dadurch stärken, daß er das Volk befragt. Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung wurden ihm die Antwort in unserem Sinne ertheilen. (Ironischer, leb­hafter Beifall. Die Rede hat drei Stunden gedauert.)

Das Haus vertagt die weitere Berathung auf Montag 1 Uhr.

Schluß 6% Uhr.

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Kaiser Wilhelm in Ichrbeirin.

Fehrbellin, 18. Okt-

Heute mittag erfolgte auf dem Kanonenberge bet Fehrbellin die Enthüllung des Denkmals des Großen Kurfürsten. Anwesend waren die Minister v. Rheinbaben, v- Podbielsti, v. Hammerstein, v. Wedel usw. Kurz vor 12 Uhr traf der Kaiser mit Gefolge ein. Ter Kaiser, welcher Kürassierunisorm trug, stieg mit Gefolge zu Pferde und ritt unter Vorantritt einer Schwadron Kü­rassiere mit der Regimentskapelle zum Festplatze. Nach dem Abreiten der Front der Ehrenkompagnie hielt der Kaiser dem Denkmal gegenüber still. Ter Oberpräsident ergriff das Wort zu einer Ansprache, in welcher er darauf hinwies, daß, wenn auch die That Frobens von der Sage umwoben sei, doch die Treue zum Herrscherhausc noch heute in gleicher Innigkeit und Begeisterung vor­handen sei. Der Oberpräsident erbat die Erlaubnis, die Hülle satten zu lassen. Der Kaiser ließ präsentieren und unter den Klängen der Nationalhymne, Böllerschüssen und Hurrahruseu fiel die Hülle. Hierauf begrüßte Landrat Wilms den Kaiser in Fehrbellin, das mit dem ganzen Osthavellande sich eins fühle im Danke für das herrliche Denkmal, das der Kaiser dem Gedächtnis des Helden von Fehrbellin an der Stätte seines Ruhmes errichtet habe. Schließlich überreichte Redner den Ehrentrunk.

Ter Kaiser erwiderte:

Mit inniger Freude habe ich den Entschluß des Havel­landes und Fehrbellins begrüßt, an diesem Ort dem größten Brandenburger Kurfürsten ein Denkmal zu setzen. Es ist mir eine große Befriedigung, daß ich dazu die Gestalt, wie ste des Künstlers Hand für die Siegesallee entworfen hat, habe zur Verfügung stellen können. Ein Land, das seine Fürsten ehrt, ein Volk, das ihnen Denkmäler setzt, ehrt sich selbst, zumal hier in der Mark, wo gerade des Großen Kurfürsten Per­son wie leine andere in Mühe, Arbeit, Kampf und Streit mit seinem Volke und Lande verbunden war. Mit den Söhnen der Mark mußte er die einzelnen Teile seines Landes zusammenschweißen, und mit dem Degen in der Faust fiel) sein .Hausrecht wahren, denn es war von jeher Sitte, wenn die Völker mit einander rechten wollten, dann suchten sie sich deut s ch e n B o d e n aus, u m a u s K o st e n d e r D e u t s ch e n ihre Fehden auSzutragcn. Zum ersten Mol hat in den deutschen Landen der Große Kurfürst diesem Treiben ein Ende gesetzt und uns durch seine That bei Fehrbellin den Grund gelegt zu der festen Bereinigung der türbran- denburgischen Lande, für die Entwickelung durch die Königs- kronc bis zur Kaiserkrone. Zugleich hat er aber auch, wie schon richtig eru'ähnt worden ist, d^n Grundstein für unsere jetzige Armee gelegt durch den Grundsatz, daß der Ossi- zi er in unmittelbarer Berührung und un­mittelbar abhängigvon seinem Landesherrn die Söhne des Voltes zu führen hat. So gelang es ihm, mit einem geringen Haufen entschlossener Märker und ihrem Kurfürsten ergebener Offiziere Wunder von Tapferteil zu verrichten. Die alte märtische Art von Fehr­bellin ist nicht unterlegen, sie bewährte sich durch Jahr­hunderte. Noch manchesmal hat unser Vaterland schwere Zeiten durchmachen und seinen Boden durch feindliche Armeen zerstampfen lassen müssen. Des großen uönigs Majestät Friedrich II. hat sich wehren müssen bis aufs Blut, um fein Erbe zu bewahren, und es hals nichts. Wir haben durch Jena und durch Tilsit yindurch- gemußt. Tas war der Schmelzofen, den Gottes Vorsehung für notwendig hielt, um das deutsche und märkische Gold im Feuer erst

märttschen Regimentern doch gegeben gewesen, siegreich aller Orten, auch jenseits der Grenon unseres engeren und größeren Vaterlandes ihre Fahnen auszupflan>/ und unter Kaiser Wilhelm

fohne, dessen Geüurtsta'

Hammerschläge zu thun, die unser Reich lvieder ans dichteten und die deutsche naiserkrone auf dem Schlachtfelde schmie- deten. Es ist mir gegeben, in Frieden das Erbe meiner Vorfahren zu verwalten. Aber nur dann können wir un­angetastet friedlicher Arbeit und Entwickelung uns hin­geben, wenn unsere Söhpe nach wie vor ihre vor­ne hm st e, h öch st e Pflicht in der Verteidigung des Vaterlandes sehen, die höchste E h re im Rock des Königs uitd die h ö ch st e Arbeit imWaffen- handwerr. Solange ein Märker noch eine Flinte trägt oder die Lanze schwingt, solange noch ein Hohenzoller eines Portepees gedenkt, solange wird es gut bestellt sein um unser Land. In dieser Gesinnung erhebe ich den Pokal, allem Brau!, nbu.- i Geschlecht gehörig, dessen Mit­glieder vmn ersten Augenblick an treu zu den Markgrafen, Kurfürsten, König und Kaiser gestanden haben, und setze ihn auf das Wohl meiner Märker mit dem Wunsche, daß ie auch fernerhin mit gutem Beispiel-vorangehen mögen in Mann cs mut und Mannesthat, vor allen Dingen in Gottergebung und unbedingtem Gehorsam, wie bisher.

Ter Kaiser begrüßte hieraitf zahlreiche Anwesende. Dann nahm er den Parademarsch ab. Um 1 Uhr reifte er nach dem Neuen Palais ab.

Die Kuren-Aenerale in Aerlin.

Berlin, 18. Oktober 1902.

Heute Morgen war es vor dem Hotel der Buren- Generale zunächst stiller. Allmählich wurde es aber wieder lebhafter und gegen Mittag nahmen die Ovationen eine der­artige Gestalt an, daß sich die Generale, die mit den Sekre­tären arbeiteten es soll die Gründung einer Trans­vaalbank erwogen worden sein von Zeit zu Zeit auf dem Balkon zeigen mußten. Die Sammlungen in der Philhar­monie gestern Abend sind noch nicht genau gezahlt worden. Ein schöner Erfolg steht aber fest, denn cs sind über 12 000 Mk. cingegangen. Heute Vorniittag brachten noch verschiedene und Sammel-Ausschüße im Betrage von 20 Mk. bis 3000 Mk. bar. Audienzen wurden zahlreich nachgesucht, konnten aber nur in den wenigsten Fällen gewährt werden. Unter den Besuchern, die heute Vormittag im Hotel der Buren-Generale vorsprachen, befand sich eine ganze Reihe von Vätern, deren Söhne in Südafrika gefallen ober gefangen sind. Sie kamen, um vielleicht von den Generalen, unter denen die Söhne jochten, Näheres zu erfahren. Zu überwältigenden Huldigungen kam es wieder, als die Buren um 1 Uhr das Hotel Prinz Albrecht verließen, um nach dem Kaiserhof zu dem Früb- slück des Alldeutschen Verbandes zu fahren. Wäh­rend dir Menge die Helden ununterbrochen hoch leben ließ, überreichten ihnen Damen Blumensträuße, andere warfen Blumen und Briefe mit Begrüßungen in die Wagen. Im Kaiser Hof erwartete Professor Haase mit den Mitgliedern des Verbandes die Gäste und hieß sie willkommen. Zn seiner Aiisprache prieS er ihre Tapferkeit und ihr sowie deS ganzen Burenoolkes Heldentuni. Dann überreichte er ihnen eine Adresse und geleitete sie in den großen Speisesaal, wo für 210 Gäste gedeckt war.

Botha dankte m herzlichen Worten. Sein Voll habe Alles gethan, um datz Vaterland zu erhclltcn. Während 4000 tapfere Männer den Tod auf dem ^chlachifelde ge­sunden, 16000 verwundet wurden, hätten die Frauen und Kinder das Elend der Konzentrationslager durchkosten müssen. Andere Tausende habe man als Kriegsgefangene über das Meer nach fernen Eilanden gesandt.

Bei dem Festmahl feierte ferner Rechtsanwalt Elaß aus Mainz die Generale als die trotz alledem unbesiegten Kämpfer. Dewet erwiderte: Tief im Morast stecke das

Burenvolk. Aber wie ein guter Gaul, der nur noch die Nase aus dem Sumpfe stecke, noch nicht verloren sei und noch immer sich herausarbeile, so das Burenoolk. Es habe noch eine Zukunft.

Reichstagsabgeordneter Hieber toastete auf die Frauen der Buren. General Botha ergriff noch einmal daS Wort. Er nannte die Frauen den stärksten Rückhalt im Kriege. Der Krieg iväre längst aufgegeben worden, wenn die Frauen nicht immer zu bem Kriege ermuntert hätten. In feinen weiteren Ausführungen sagte er, in Sübasrika fühlten sich Deutsche unb Buren als ein Volk. Botha gebuchte, wie ste allerlei Waren in Südafrika kennen gelernt hätten mit bei Aufschrift ,.Made in Germany; er habe jetzt gelernt, welch herrliche Menschen dieMade in Germany sind, (stür­mische Heiterkeit.) Die besten Waffen im Kriege seien deut­sches Fabrikat. Delorey nannte Südafrika ein reiches Land mit großer Zukunft, doch bem Burenvolke müße zu­nächst geholfen werben. Redner dankte für die Beweise von Zuneigiing unb Liebe.

Tann erhob sich die ganze Versammliing nnb stimmte die bekannte alte nicberlänbische Volksweise au, der Sieb er­mann von Sonnen berg folgenden neuen Text unterlegt hatte:

Wir beten in Nöten

Zu Gott dem Erretter: Oerr, mind're unb lind're Tas grause Geschick. Wir treiben wie Blätter In Stürmen und Wetter, O, sühr' uns ins Land unsrer Väter zurück. Kein Teufel soll Zweifel Im Herzen uns säen, Ten Glauben uns rauben Ans ewige Recht.

Die Welt mag vergehen, Tas Recht bleibt bestehen, So lehren wirs fort von Geschlecht zu Geschlecht.

Herr, höre, ich schwöre: Ter Heimat, den Lieben Lhn' Wanken unb Schwanken Zu hallen die Treu'. Tu weißt cs zu segnen 9)iit Sonnen unb Regnen;

Tu wirfst in den Staub und erhöhest auf$ neu.

Unter Heilrufen der Anwesenden verließen die Generale um 3/<4 Uhr die Versammlung.

Dewet reiste heute abend um 10 Uhr nach dem Haag unb Botha unb Delarey um 11 Uhr 10 Mm. nach Brüssel ab, sämtlich unter stürmischen Abschiedsgrüßen der Volksmenge.

Ans Stadt und Land.

Biebrich, 19. Okt.' Der Personenzug 309 ist auf freier Strecke zwischen Wiesbaden und Biebrich-Norbach bei Kilometer 3,7 mit Maschine unb sechs Wagen entgleist. Der Lokomotivführer ist leicht unb der Heizer schwer ver­wundet. Von ben Reisenden ist niemand verletzt. Die ciugcleifigc Strecke war ca. 5 stunden gesperrt. Tie Züge mürben über Eourve geleitet Die Untersuchung ist ein- gclcitet. Die Lokomotive stürzte mit bem Schuy- ,vagen die Böschung hinunter, der folgende besetzte Personenwagen verblieb auf bem Bahndamm.

,. Rixfeld, 17. Okt. Ter gestern abend fahrplan­mäßig um 9.21 m Grebenhain, fällige Personenzug kam erst gegen 1 Uhr oon an. Tie Ursache der Verspätung war ein Mas chtn en bcfcft. Unter den Passagieren herrschte große Aufregung.

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