der Sn<rt, ob das Korn schon geblüht habe, und meinte, die Früchte ständen gut, soviel er beobachtet habe. Tann fragte der Kaiser, woher es wohl käme, daß es hier noch so kühl sei, und daß in den lebten Tagen so schlechtes Welter gewesen sei. Einer der Arbeiter antwortete, sie hätten so viel zu arbeiten, daß sie darüber gar nicht zum Nachdenken kämen, das müßten aber die Gelehrten wissen. Heute mittag reisten das Kaiserpaar und der Kronprinz mit Snoderzug nach Aachen ab. Am Bahnhofe waren zur Lerabschiedung erschienen Oberbürgermeister Spiritus, Generaloberst von Loe, Prinz und Prinzessin von Schaumburg- Lippe, das ganze Korps Borupsia und eine große Anzahl Offiziere.
Aachen, 19. Juni.
Zu Ehren des Kaiserpaares hat die alte Kaiserstadt ein festliches Gewand angelegt. Tie Ausschmückung der Straßen und altertümlichen Häuser ist überaus prächtig. Bald nach 2 Uhr trafen der Kaiser, die Kaiserin und der Kronprinz auf dem Marschiertborbahnhof/ein, wo sogen, kleiner Empfang stattfand. Zu demselben waren erschienen der Grbgroßherzog von Baden, Reichskanzler Graf Bülow in der Uniform der Bonner Königshufaren, Feldmarschall Graf Waldersee, Oberpräsident Nasse und Regierungspräsident Hartmann. Nach der Begrüßung stiegen der Kaiser, der Garde-du-Corps-Uniform mit schwarzem Küraß trug, und der Kronprinz zu Pferde, während die Kaiserin in offenem vierspännigen Wagen a la Taumont Platz nahm. Feierliches Glockengeläute ertönte von allen Türmen der Stadt, die Kanonen donnerten vom Marschierthor, durch das der Einzug in die Stadt erfolgte. Zu beiden Seiten des Thores waren Tribünen errichtet, aus denen 200 weißgekleidete, blumenbekränzte Mädchen aufgestellt waren, die Dem KaiserV und der Kaiserin den ersten Willkommsgruß entboten und Blumensträuße überreichten. Den Zug eröffneten Oberpräsident Nasse, Regierungspräsident Hartmann und der Polizeipräsident. Hierauf folgte ein Zug Deutzer Kürassiere,' dann kam der Wagen der Kaiserin, dem zwei Spitzenreiter vorauf und Graf Wedel zur <5et£p ritten. Tann folgten der Kaiser und der Kronprinz. Dem Kaiser und Kronprinz folgten der Grbgroßherzog von Baden, der Reichskanzler, Generalfeldmarschall Gras Waldersee, sowie das Gefolgt. Der Zug bewegte' sich am Theaterplatz vorbei, wo die Herrschaften kurze Zeit am Standbild Kaiser Wil- " Helms I. verweilten, nach dem Münster. Hier wurden die Majestäten vom Stiststapitel empfangen, Prälat Belles- heim hielt ;eftne Ansprache an den Kaiser, in der er m Karl den Großen erinnerte, der das Münster als Heiligtum der Religion und Ausgangspunkt der Wissenschaft und Kunst ins Leben rief. Seit 1870 sei der musivische Schmuck im Achteck der Münsterkirche allmählich zu neuem gerstanden. Tie Vollendung dieses Kunstwerkes sei cdeve mit der thatkräftigen Förderung' und dem Kunstsinn des Kaisers zu danken. Unauslöschlich Tank, welchen das Kollegialstiftskapitel Sr. Majestät Zum Schluß flehte Redner den Segen Gottes auf die Majestäten herab und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die von Hxrzen kommenden Wünsche durch die Vorsehung des Himmels ihre Erfüllung gewinnen.
Der Kaiser dankte für die ergreifende Ansprache und meinte, wenn alle Geistliche so sprechen, sei es gut um unö bestellt. Er ging dann auf die bezüglich des Münsters noch zu lösenden Ausgaben ein und hob hervor, daß er das Werk vollenden werde.
Hiernach besichtigten die Majestäten unter Führung des Prälaten Bellesheim die Reparaturarbeiten amMünster, die Professor Schaper erläuterte. Weiter besichtigten die Majestäten den Tomschatz. Nach Besichtigung des Münsters begahen sich die Majestäten zu Fuß über den Hausplatz und Marktplatz zum Ratlhause. Hier empfing Oberbürgermeister V e l t ma n n die Majestäten, die dann unter seiner Führung das Ratyqus besichtigten.
Im aXten Krönungssaale erwarteten die Gäste unter dem 'hohen Kreuzgewölbe die gesamte Stadtvertretung und die geladenen Gäste, darunter eine außerordentliche Gesandrschaft des Königs der Belgier, die der Kaiser bei der Vorstellung begrüßte. Tie Majestäten nahmen vor zwei altertümlichen Thronsesseln Aufstellung. Sodann hielt der Oberbürgermeister Veltmanu eine Ansprache, in der er den Dank der Stadt für den Besuch des kaiserlichen Paares aussprach Er bot ua«ch der Ansprache dem Kaiser den Willkommensgruß dar und brachte dann ein Hoch aus den Kaiser aus.
Mit dem lKaiserhoch, das jetzt durch den Kaisersaal hallte, war dieser denkwürdige Raum e i n g e w e i h t. Die eigentliche Weihe sollte ihm Hie folgende Rede des Kaisers geben. Der Kaiser dankte im Namen der Kaiserin und in feinem Namen für den unbeschreiblich herzlichen und patriotischen Empfang, den alle Teile der Bevölkerung Aachens bereitet hätten. Es sei ihm ein wahres Bedürfnis gewesen, Aachen zu besuchen. Der Kaisersprachdannüberdie historische Bedeutung und die Entwickelung des deutschen Kaisertums und ging dann auf die Religion als Grundla-ge des ganzen menschlichen Lebens über. Hier sagte der Kaiser:
Hier steht General v. Loe, ein treuer Diener seines Herrn und der preußischen Könige. Er war von mir gesandt nach Rom zum Jubiläum des h l. Vat ers. Als er meine Glückwünsche und meine Jubiläumsgabe überbrachte und im intimen Gespräch mit dem hl. Vater sich äußerte, wie es bei uns in Deutschland steht, da hat der hl. Vater geantwortet: „Er freue sich, ihm sägen zu können, daß er stets hochgehalten habe den Sinn der Frömmigkeit der Deutschen, zumal des deutschen Heeres. Er könne ihm aber noch mehr sagen, und das solle er seinem Kaiser bestellen, das Land in Europa, wo noch Zucht. Ordnuug uud Disziplin herrsche, wo Respekt vor der Obrigkeit, lvo Achtung vor der Kirche herrsche, und wo jeder K a t h o l i k u n g e st ö r t und frei seinem Glauben dienen und seinen Gl au b ien s Vorschriften Nachkommen könne, das sei allein im Deutschen Reich" (Lebhafter Beifall.) Sehen Sie, meine Herren, das berechtigt mich zu dem Ausspruch daß beide Konfessionen nebeneinander ein großes Ziel im Auge haben müssen: Gottesfurcht und Ehrfurcht vor der Religion, sie zu erhalten und zu stärken. Denn wenn wir auch moderne Menschen sind und leben und streben und bent Erwerb nachgehen au/f diesem und jenem Wege, jeder ist verloren, wenn er nicht sein Leben auf die Basis der Religion stellt. Darum fasse ich am heutigen Tage — an solchem Orte ziemt es sich nicht nur zu reden, sondern auch zu glauben — mein Gelöbnis w das Versprechen, daß ich das ganze Reich und das ganze Volk, mein Heer, mich selbst und mein Haus unter den Schutz dessen stelle, von dem gesagt ist: Es ist kein ./M» außer ur Gvtt, und dec da sagte: Himmel und Erde
werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.
Ter Kaiser nahm nunmehr den Kaiserpokal der Stadt Aachen entgegen mit den Worten: „So trinke ich auf das Wohl der Stadt Aachen in der festen Ucberzeugung, daß die Worte, die ich gesprochen habe, auch guten Boden finden. Was ich heute in der Bürgerschaft von alt und jung gesehen habe, das macht mich sicher, daß auch in Zukunft die Krone und mein Haus gut aufgehoben sind in der Stadt Aachen. Aachen lebe hoch!" Gegen 4i/2 Uhr verließen die Majestäten den Kaisersaal. Unter Jubel ging der Zug des Kaiscrpaares zum Bahnhof zur Fahrt nach Essen.
Volitischr Tagesschau.
Die Kriseugerüchte.
Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 19. Juni: In den letzten Jahren ist es zur Gepflogenheit geworden, daß mit Beginn der parlamentslosen Zeit die Möglichkeit von Ministerkriscn erörtert wird. Als feststehend gilt allerdings die Demission des preußischen Eisenbahnministers; weitere angebliche Veränderungen innerhalb der Regierung entbehren nach verläßlichen Informationen der Begründung. Das gilt,beispielsweise von der Vermutung, der preußische Finanzminister, Frhr. Ov Rheinbaben, werde alsbald an Herrn v. Thiclman n's Stelle die Leitung des Reichsschatzamts übernehmen. Daß Frhr. v. Thielmann nicht an seinem Amt „klebt", ist gewiß; ejn Stellenwechsel dürfte aber mindestens so lange ausgeschlossen sein, als die Entscheidung über den Zolltarif schwebt. Der Hinweis, Frhr. v. Rheinbaben sei letzthin im Reichstag ungleich ausführlicher und lebhafter für die Branntwein- und die Zuckersteuer-Vorlage eingetreten als der Staatssekretär, hat ja auf den ersten Blick etwas für sich, besonders, wenn man sich erinnert, ein wie seltener Gast und noch seltenerer Redner Frhr. v. Rheinbaben's Vorgänger, Dr. v. Miquel, im Reichstag war. Der „Reorganisator der preußischen Finanzen" hat sich im Reichstag eben nie „zu Hause" gefühlt; „sein" Parlament war der preußische Landtag. Frhr. v. Rheinbaben hingegen hat kein Vorurteil gegen den Reichstag, er spricht als kampflustiger und gewandter Debatter dort ebenso gern, also bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Daß seine flüssige Beredtsamkeit gegen die Wortknappheit des Freiherrn v. Thielmann absticht, kann nicht wunder nehmen. Aber das ist ein äußerliches, sozusagen persönliches Moment. Cs in dem Sinn zu deuten, daß Frhr. v. Rheinbaben etwa seine „Kandidatur" für den Schatzsekretärposten aufstellen wolle, wäre verfehlt.___________________________________________________
Deutsches Mich.
Berlin, 19. Juni. Das Kaiserpaar traf heute abend von Aachen auf der Station Hügel bei Essen ein und begab sich nach der Billa Hügel.
— Bei dem diesjährigen Königs schießen der Schützengilden und Kriegervereine ist nicht weniger als 21mal der beste Schuß für den Kaiser abgegeben worden. Der Monarch nimmt durchweg die Schützenkönigswürde an und verleiht den Gilden re. zur Erinnerung einen silbernen Schützenadler, der von dem jeweiligen Schützenkönige um den Hals zu tragen ist.
— Obschon nach dem jetzt in Berichtigung vorliegenden Endergebnis für das Rechnungsjahr 1901 die Reichs- Post- und Telegraphenverwaltung bei einer Einnahme von 413,6 Millionen Mark erzielt hat, stellt sich fahre ein Mehr von 19,1 Millionen erzielt hat, stellt sich der Ginnahmeabschluß gegenüber dem Etatsanschlage ungünstig. Im Etat für 1901 war die Einnahme der Post- und Telegraphenverwaltung auf 420,2 Millionen Mark veranschlagt. Die Wirklichkeit ist somit hinter dem Anschläge um 6,6 Mill. Mk. zurückgeblieben. Bei der R e i ch s e is e n b ah n v e r w a l- tung haben sich die Einnahmcverhältnisse für 1901 noch schlechter als bei der Postvertvaltung gestaltet. Bei ihr ist die Wirklichkeit hinter dem Etatsanschlage um 9,6 Mill. Mark zurückgeblieben.
— Der „Reichsanz." veröffentlicht das Gesetz betreffend Abänderung des Paragraphen 7 der Strafprozcß- ordnung (Fliegender Gerichtsstand).
Stuttgart, 19. Juni. Der deutsche Gewerkschaftskongreß sprach sich heute nach dreistündiger Debatte mit 120 gegen 31 Stimmen für die Errichtung eines Zentral-Arbeitersekretariats aus, das vorläufig mit der von Hamburg nach Berlin zu verlegenden Generalkommission der deutschen Gewerkschaften verbunden werden soll. Ferner befürwortete der Kongreß eine Reform des Submissionswesens und forderte insbesondere die Beseitigung b'er Streikklausel aus den Submissionsbedingungen, andererseits sprach er sich aber für die Aufnahme der sog. L o h n k l a u s e l in die Submissionsbedingungen aus.
— Bei der Beratung der Anträge der Tarif kom- mission erklärte im Landtage der Verkehrsminister im Auftrage der Staatsregierung, daß, was die Selbständigkeit der württembergischenEisen- bahnver waltung betreffe, die Staatsregierung den von dem Landtage seinerzeit dargelegten Standpunkt durchweg teile; ebenso sei die Negierung bereit, aus Durchführung des Artikels 42 der Reichsverfassung^ (Verwaltung der deutschen Eisenbahnen) hinzuwirken; die Regierung sei dagegen nicht in der Lage, auf das weiter gestellte Gesuch, darauf hinzuwirken, daß dementsprechend auszubauenden Reichsersenbahnamt ein erhöhter Einfluß auf die einzelnen Verwaltungen behufs Beseitigung der schwebenden Mißstände eingeraumt werde, weitere Folge zu geben, da hierzu eine Aenderung der Reichsverfassung notwendig sei.
München, 19. Juni. Mit Schärfe bat aus dem eben beendeten Parteitag der bayerischen Sozialdemokratie v. Vollmar die Politik der Verantwortlichkeit gegenüber dem Erfurter Programm vertreten; er sagte in dem Schußwort der Verhandlungen über die Wahlrechtsreform: „Ich werbe mich nicht aufregen und kalt sein, wie eine Hundeschnauze. (Heiterkeit.) Ich werde auch nicht persönlich werden. Soviel, wie irgend ein Anwesender, sind auch wir für das Erfurter Programm. TaS Prinzip hochhalten kann jeder, der nichts gelernt hat; dazu gehört gar nichts; von unserer Politik, die Rücksicht nimmt aus die Verantwortlichkeit, die wir haben, gehen wir nicht ab."
Ausland.
London, 19. Juni. Tas Unterhaus setzte einen Ausschuß zur Untersuchung des Falles des Nationalisten
Mhugh ein, der zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde wegen Beleidigung des irischen Gerichtshofes, vor dem er unter der Anklage stand, daß er sich mit zwei anderen Irländern verschworen hätte, gennsse auf irischem Boden ansässige Pächter ständig in Angst und Schrecken zu erhalten.
— Tie Zollbehörden in Sunderland sind angewiesen worden, den Zoll auf ausländische verarbeitete Spirituosen um einen Penny per Gallone uormalhaltigen Alkohols zu erhöhen, so daß dieser Zoll jetzt 11 Schill. 5 Pence beträgt.
— Lord Brassey, der für eine Autorität in Schissahrts- angelegenheiten gelt, legte vor einer gewählten Kommission des Unterhauses die Notwendigkeit dar, die Dampfschifffahrtsgesellschaften zu subventionieren.
— Im Unterhause erklärte am Donnerstag Chamberlain, die E n t s ch ä d i g u n g für die während des Einsalles der Buren in Natal und in der Kapkolonie entstandenen Verluste werde von den für Transvaal bestimmten Geldern aus der ersten Anleihe gedeckt tverden. Tie Höhe der für Natal und die Kapkolonic zu gewährenden Entschädigung werde auf überz w ei MillionenPfund Sterling geschätzt.
Paris, 19. Juni. Der Senat beginnt die Beratung des Antrages Rolland über die zweijährige Militär- d i e n st z e i t. Deutschland habe die zweijährige Dienstzeit für die Infanterie, weil es über eine sehr große Anzahl Leute verfüge.
Wien, 19. Juni. Eine Verfügung des obersten Kriegsherrn zur Einschränkung der Zweikämpfe ist ergangen, worin ausgeführt ist, daß die Offiziere Vornehmheit des Denkens mit Ernst und Würde verbinoen und nie außer acht lassen müßten, daß es ihre wichtigste Aufgabe bleibt, „Z w e i k ä m p f e n aus geringfügigen Anlässen" vorzubeugen, und daß es in allen Fällen übertrieoener oder unbegründeter Empfindlichkeit, in welchen ein Ausgleich ohne Schädigung der Staudesehre möglich erscheint, eben ritterlich ist, zu einem solchen die Hand zu bieten. Besonders bemerkenswert ist, daß Offizieren, die sich Beschimpfungen, Schmähungen, Thätlichkeiten zu schulden kommen lassen, die Satisfattionsfähigkeit abgesprochen werden soll. Vor der Hand stehen allerdings diese Bestimmungen nur auf dem Papier, und ein Verbot des Duells enthalten sie nicht.
Ter Leipziger Bantprozetz.
IV.
Leipzig, 19. Juni.
In der Helltigen Verhandlung wurde zunächst der Angeklagte Dr. Gentzsch verantwortlich vernommen. Er sagt aus, daß Geschäfte hinter seinem Rücken abgeschlossen wurden, von denen er nichts erfahren habe. Auch in den Aufsichtsratssitzungen sei nicht in allen Fällen die gesamte Korrespondenz vorgclegt worden. Angeklagter Exner zeiht seinen Kollegen Gentzsch der Gedächtnisschwäche, was ihm der Verteidiger des letzteren zurückgiebt. Sachverständiger Sieskind- Leipzig sagt aus, daß die Art und Weise, wie das Sekretariat der Leipziger Bank eingerichtet rourbe, eine verhängnisvolle gewesen sei; man hätte nicht so viele Geschäfte in das Sekretariat hineinlegen sollen. Sachverständiger Plauth- Kassel stimmt dem zu. Dr. Gentzsch sagt dann aus, daß er bei keiner Gründung der Trebertochterunternehmen mitgewirkt habe; er habe nicht geglaubt, daß Exner sich so weit damit einlassen werde. Auch der Angeklagte Fiebiger hat sich über die Höhe des der Trebergesellschaft geivährten Kredits gewundert und dies auch Gentzsch mitgeteilt. Staatsanwalt Dr. Weber beantragt die Verlesung mehrerer Briefe, aus denen hervorgehen soll, daß die Leipziger Bank und speziell Exner sich um die Gunst der Trebergesellschaft beworben habe. Die Verteidigung beantragt nunmehr die Verlesung des ganzen Briefwechsels im Zusammenhänge. Das Gericht lehnt die Gesamtverlesung ab und befragt die Sachverständigen über die hohe Provision der Bank bei der Trebergesellschaft. Kommerzienrat Sieskind findet die Bedingungen außergewöhnlich, wie man sie vertrauenslvürdigen Schuldnern nicht gewähre. Direktor Hermann von der Deutschen Bank erklärt, daß die Provision keine übermäßig hohe gewesen sei, weil schon 1897 die Trebergesellschaft in Finanzkreisen einer geteilten Beurteilung unterzogen sei. P laut h-Kassel sagt an£, daß drei Viertel des ganzen Kapitals der Trebergesellschaft in den Händen von sechs Leuten war. Bei ihrem ersten Geschäft habe die Bank von der Trebergesellschaft keinen großen Nutzen gehabt, später sei es ein Trustgeschäst geworden. Hierfür sei die Provision zu hoch gewesen, denn es handelte sich um eine Verzinsung von 20 Prozent.
Aus Stadt und Kaud.
Gießen, den 20. Juni 1902.
* * Personalien. Den: Notar Justizrat Dr. Karl Braden in Mainz ist der Charakter als Geheimer Justizrat erteilt worden.
* * Ernannt wurden: der kath. Pfarrverwalter Helbig von Horchheim zum Kaplan in Gießen; Kaplan Lambert von Biblis zum Kaplan in Gießen; Kaplan Grein von Nieder-Mörlen zum Kaplan in Bensheim; und Kaplan Zöller in Darmstadt zum Kaplan in Nieder-Mörlen.
- o- Theologische Prüfung. In der theologischen Fakultät der Landesuniversität haben gestern die Klausurarbeiten für die Prüfung in diesem Semester ihren Anfang genommen. Beteiligt sind diesmal 11 Herren.
* * Der Hess. Lande sle hrerverei n umfaßt gegenwärtig 2773 Mitglieder. Der Hauptverein gliedert sich in 107 Bezirksoereine, welche zu den Generalversammlungen im ganzen 157 Delegierte entsenden. — Der Verein hat, wie aus Darmstadt gemeldet wird, beschlossen, durch einen Münchener Künstler ein Bild des Vereinsobmannes, des Land- tagsabg. Oberlehrer Backes-Darmstadt, Herstellen und vervielfältigen zu lassen.
* * M änne rturnverein. Wir machen auf den morgen (Samstag) im Hotel Schütz stattsindenden Fam i lien abend nochmals aufmerksam.
* * Die Vorbereitungen zum Schwimmfest am nächsten Sonntag sind bereits vollendet. Vom Ersten Frankfurter Schwimm-Klub werden sich die besten Schwimmerund Springer beteiligen. Die Vorführungen bestehen aus folgenden Nummern: 1. Reigenschwimmen, ausgeführt von 16 Herren, 2. Brustschwimmen, (Wettkampf), 3. Seitenschwimmen (Schau-


