Ausgabe 
20.5.1902 Erstes Blatt
 
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Hill, Tour am a, Mount Bentimk, Lang und Bypark zum Teil zerstört sind. Ein kleines Zimmer in Georgetown, das als Hospital dient, enthält 36 Kranke. Sie liegen lauf dem Fußboden, weil keine Betten vorhanden sind. Das Zimmer ist nur von zwei Lampen erleuchtet; zwei andere Zimmer sind in ähnlicher Verfassung. Neben dem Hospital ist eine Schreinerwerkstatt, in welcher Särge gemacht werden. Die Kranken können durch das Fenster hindurch sehen und auch hören, wie für sie Särge gemacht werden. 5000 kaum bekleidete heimatlose Flüchtlinge füllen die Straßen von Kingstown und Georgetown. Die anderen Inseln schicken Lebensmittel. Das KriegsschiffJn- defatigable" brachte 25 Tonnen Lebensmittel aus Trinidad. Nahrung ist setzt reichlich, aber die Unterkunft ist mangel­haft. Schulen und Regierungsgebäude dienen zur Beher­bergung der Flüchtlinge. In Sandy Bay fanden ver­schiedene Erdstöße statt und der Gouverneur befahl den 400 Einwohnern, den Ort zu verlassen. Sie flüchten fetzt nach Kingstown und Georgetown. In den nächsten Monaten wird die finanzielle Lage in St. Vincent noch schlimmer werden, da das Land verwüstet ist und die Produkte zerstört sind. Die Regierung muß dann die Bevölkerung ernähren, bis das Land wieder bepflanzt ist.

Von den erschütternden Szenen, die sich in dem fried­lichen Waxtezimmer des Florapavillons in Paris seit mehreren Tagen abspielen, entwirft derFigaro" ein Stimmungsbild. Hierher strömen vom Morgen bis aum Abend die Unglücklichen, die von der Angst um das Leben geliebter Wesen aus Martinique gefoltert werden. Trotz der schrecklichen Gewißheit einer Katastrophe, bei der fast kein Leben geschont wurde, hoffen die meisten noch, daß ein Wunder die Lieben, deren Namen sie nur weinend sagen, gerettet hat. . . . Die Beamten, die sie empfangen, sind vor Ermüdung und seelischer Aufregung völlig abgespannt.Seit Freitag schlafen wir nicht drei Stunden in der Nacht", sagte einer von ihnen. Und der düstere Vorbeimarsch der Besucher fahrt fort. Wilde Szenen der'Verzweiflung spielen sich in den Bureaus ab, und am ersten Tage nach dem Unglück, als die Namen der wenigen Ueberlebenden, deren Liste telegraphiert war, be­kannt wurden, sah man unter den Verzweifelten andere, die die Freude förmlich unzurechnungsfähig machte. Ein Unglücklicher, der erfahren hatte, daß sein Bruder gerettet war, sprang und heulte wie ein Verrückter:Es giebt einen Gott! Es giebt einen Gott!" Man bat ihn, an die Weinenden im Nebenzimmer zu denken, deren Schmerz durch den Rus vergrößert werden mußte.

Senator Knight, einer der wenigen Geretteten von St. Pierre, welcher den interimistischen Gouverneur von Martinique Lhuerre bei dessen Besuch im Norden der Insel begleitet hat, richtete an den Kolonialminister ein Tele­gramm, in welchem er die Ruhe und Würde hervorhebt, mit der die Bevölkerung das traurige Ereignis erträgt. Die Zuckerrohrplantagen in Macouba, Basse Pointe und Le Lorrain sind in gutem Zustande. Die Besitzungen in Basse Pointe sind von dem Unglück völlig unberührt ge­blieben, sie haben weder unter der Eruption des Mont Peläe, noch unter Plünderungen zu leiden gehabt. Im Süden hatten die bestellten Länhereien überhaupt nichts durchzumachen. Die Bevölkerung der Insel ist durchweg geneigt, die Arbeit wieder auszunehmen Wann das ge­schieht, hängt größtenteils von den Eigentümern der Be­sitzungen und deren Stellvertretern ab. Die Bank von Martinique hat den Betrieb wieder ausgenommen. Sie gewährt allen denen Kredit, welche genügende Sicherheiten bieten können.

Nach einer Meldung von Fort de France vom 17. ist bei Nordwestwind auf Martinique reichlicher Regen eingetreten; es fällt weißliche Asche. In Earbet herrsche in der Bevölkerung immer noch Panik, und die Stadt wird geräumt. Man hat von neuem unterirdisch esRollen verspürt. Das letztere bestätigt auch der PariserMatin", dem aus Fort de France telegraphiert wird: In den letzten Nächten wurden hier etwa 15 heftige Detonationen, welche von Blitzen begleitet waren, verspürt, gleichzeitig wurde der Ausbruch des Berges stärker. In der Umgegend von Precheur haben sich neue Krater gebildet. Auf dem fünften Teil der Insel ist alles durch Feuer vernichtet; der Rest ist von Asche bedeckt. Tie Bewohner der nörd­lichen Hälfte, welche nach der südlichen gebracht worden waren, kehren wieder nach den Gegenden, in welchen sie früher gewohnt haben, trotz der drohenden Gefahr, zurück. Die Sammlungen für die Geretteten nehmen guten Fort­gang. Auch der Groß-Rabbiner von Frankreich hat an alle Rabbiner Frankreichs einen Aufruf zu Gunsten der Opfer von Martinique erlassen. Ebenso haben die Erz­bischöfe von Paris und Dijon an alle Kirchen ihrer Sprengel die Aufforderung gerichtet, Ausrufe zu Gunsten der Opfer der Katastrophe von Martinique zu erlassen. Der PariserGemeinderat hat eine Unterstützung von 50 000 Frs. für die Opfer aus der Insel Martinique aus­geworfen. Der türkische Sultan übergab dem fran­zösischen Botschafter Constans 20000 Frs. für die Not­leidenden.

DieNorddeutsche Allg. Ztg." bemerkt zu dem auf An­regung der Kaiserin vom Centrälkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz verbreiteten Aufruf zu Sammlungen für die Hilfsbedürftigen auf Martinique, sie glaube aus die Zustimmung weiter Kreise rechnen zu dürfen, wenn sie aus das Unterstützungswerk mit dem Wunsche Hinweise, daß seine Durchführung in einem der Größe des Unglücks und der hochherzigen Initiative der Kaiserin entsprechenden Umfange gelingen möge. Durch das organi­sierte Vorgehen der Vereine vom Roten Kreuz erhalte die deutsche Hrlfsthätigkeit für die Ueberlebenden der furcht­baren Katastrophe eine wirkungsvolle Zusammenfassung und werde dadurch nach außen als Gesamtrundgebung der deut­schen Nation gekennzeichnet. Das Blatt schließt:Im Namen der schwer betroffenen Angehöriger: des ftanzösi- schen Volkes, dem wir unsere menschliche Teilnahme durch die That beweisen wollen, hoffen wir, daß die von der ersten deutschen Frau gegebene Anregung auf fruchtbaren Boden fallen wird."

Aus Stadt und $aui.

Gießen, den 20. Mai 1902.

LU. Von der Universität. Auf die neuerrichtete außer­ordentliche Professur der Mathematik ist Herr Dr. Josef Well st ein, Privatdozent in Straßburg, berufen worden. W., der dem Rufe Folge leistet, wird seine Vorlesungen un­mittelbar nach Pfingsten beginnen. Wie dieDarmst. Ztg." meldet, ist er bereits vom Großherzog am 17. Mai zum außerordentlichen Professor bei der philosophischen Fakultät der Landesuniversität, insbesondere für das Fach der Mathematik, mit Wirkung vom 1. Juni, ernannt worden.

** Octroi Einkommen der Stadt Gießen. Nach dem Jahres­berichte des Octroi-Jnspektors Mäser pro 1901/02 beträgt: A. Das Octroi-Einkommen der Stadt Gießen: 1900/01 1900^02

Mk. Mk.

1. Von Schlachtvieh . , .

2. Von Fleisch, Fleischwaaren

36 884,63

6 475,88

37 439,12

7 272,10

und Wildpret ....

3. Von Brennmaterialien . .

38 601,93

36 025,17

4. Von Mühlenfabrikaten und

Hafer. . . .

5223,13

5 644,83

5. Von Getränken ....

32 073,09

33 316,11

Im Ganzen

119258,66

119,697,33

Daher in 1901/02 mehr Mk. 438,67

B. Die Rückvergütungen betragen

1. Für gefallenes Vieh und

ausgeführtes Fleisch . .

856,00

822,25

2. Für ausgeführtes Brenn-

material ......

608,93

600,33

3. Für ausgeführte Mühlenfa-

brikate und Hafer . . .

2 568,24

3 246,93

4. Für ausgeführte Getränke .

5 944,82

2 611,82

6 761,68

5. An das Militär ....

2 686,62

Im Ganzen

12 589,81

14 117,81

Daher in 1901/02 mehr Mk. 1528,00 C. Abschluß.

Von dem Einkommen . . . 119 258,66 119 697,33

Die Rückvergütungen ab . . 12 589,81 14117,81

Bleibt Einkommen 106 668,85 105 579,5F~

Daher in 1901/02 weniger Mk. 1089,33

** Bezüglich der zusammenstellbaren Fahrscheinhefte macht die preußisch-hessische Staatsbahnverwaltung noch besonders darauf aufmerksam, daß innerhalb des Staatsbahngebiets, wenngleich nur für bestimmte, aus dem Verzeichnis zu er­sehende Strecken Fahrscheine aufliegen, die Reise dennoch von einer beliebigen an der Fahrscheinstrecke Gelegenen Zwischen st ation aus angetreten und auf dieser beendet werden kann, ohne daß deshalb die ganze Strecke be­zahlt zu werden braucht. In solchen Fällen werden für die Zwischenstrecke Blanko-(Ergänzungs-)Fa hrscheine dem Hest eingefügt, deren Preis nach der kilometrischen Ent­fernung besonders berechnet wird.

** Vo:: d er Eis enb ahn. Der Eisenbahnminister hat verfügt, daß die Ermäßsigung der Fahrpreise auf Eisen- bahnsahrten für Schülerfahrten (Lehrlinge, Schülers) dahin geändert werde, daß von jetzt an die Hälfte des Fahr­preises für die dritte Wagenklasse in Anrechnung kommt; Schüler unter zehn Jahren zahlen von diesem Satz wieder die Hälfte. Diese 50prozentige Ermäßigung soll auch auf den Tarif der Rückfahrkarten dritter Klasse gewährt werden, sodaß für Schüler- resp. Turnfahrkarten das Kilometer hin und zurück nur 3 Pfennig kostet. Es wird natürlich voraus­gesetzt, daß Hin- und Rückfahrt auf der Strecke erfolgt, und daß die Zeitdauer der bezüglichen Rückfahrkarten nicht über­schritten werde .

** Darmstädter Schloßfreiheitslotterie. Die Direktion der Hess. Landeslotterie schreibt uns: Zu einer Stadtverschönerung, also zu einem gemeinnützigen Zwecke, erfolgt demnächst die Ausspielung einer ebenso eigenartigen wie gewimrreichen Geldlotterie. Es ist dies die Darmstädter sog. Schloßfreiheitslotterie, deren Ueberl- schuß zur Befreiung des die Staatsbibliothek enthaltenden Teils des Darmstädter Schlosses von einer dasselbe allzu nahe beengenden Nachbarschaft helfen und zugleich int Mittelpunkte unserer Landeshauptstadt einem dicht zu­sammengedrängten alten Stadtteile mehr Licht und Luft schaffen soll. Eigenartig ist diese Lotterie, weil sie eine Klassenlotterie mit nur 2 Klassen ist, die den Teilnehmern nicht so lange, wie dies sonst der Fall ist, Geduld auf­nötigt, besonders gewinnreich, weil die Lotterie ohne In­anspruchnahme eines Unternehmergewinnes von der Di­rektion der Landeslotterie ausgeführt wird. Die Gewinne werden vollkommen abzugsfrei ausgezahlt, und man kann im günstigsten Falle auf das ganze Loos 250000 Mk. bar gewinnen. Da man schon für 3 Mk. in jeder Klasse ein Zehntellos, für 6 Mk. ein Fünftellos usw. erwerben kann, dürfte die Beteiligung rege werden. Der Verkauf der Lose findet durch die Kollekteure der Landeslotterie statt.

** Ein vermißtes Kind! Verschwunden ist seit dem 18. August v. I. nachmittags 2 Uhr 30 Min. aus Hannover die sechsjährige Else Kassel, Tochter des zu Hannover Roscherstraße Nr. 6 wohnhaften Kutschers Kassel. Das Kind war zur bezeichneten Zeit auf die Straße gegangen, um zu spielen, und ist nicht wieder zurückgekehrt. Den Umständen nach muß angenommen werden, daß das Kind verschleppt, von Zigeunern entführt oder sonst von anderen Personen festgehalten worden ist; dasselbe ist sehr aufgeweckt und vermag Namen, wie Wohnung deutlich anzugeben. Ein Kind, das mit der nachstehend näher be­zeichneten Else Kassel aus Hannover Aehnlichkeit hat, ist am 3. d. M., abends bei einer Zigeunerbande von drei Ndännern und drei Frauen angetroffen worden, als diese in Station Kronweiler (Fürstentum Birkenfeld) den nach Bingerbrück fahrenden Eisenbahnzug benutzten. In Münster a. Sd verließen die Zigeuner mit dem Kinde dön Zug und verschwanden, nachdem sie ihre Habseligkeiten auf einen Karren geladen hatten. Der Führer legitimierte sich durch eine Bescheinigung des Magistrats in Hannover als. Künstler Reichrat (oder Reichard). Er gab an, nach Schwalb ach zu dem Meister der Bande ziehen zu wollen. Wa^en besaß die Bande nicht. Jedermann, der die be­zeichnete Bande antreffen sollte, wird gebeten, sofort die nächste Polizeibehörde bezw. den am schnellsten anzutreffen- den Polizeibeamten, Gendarmen rc. hiervon zu benach­richtigen. Gegebenenfalls wäre auch das Polizei-Präsi­dium zu Hannover telegraphisch in Kenntnis zu setzen. Die verschwundene Else Kassel ist etwa 1 Meter groß, schlank, hat hellblondes, lockiges Haar, volle, runde, rote Backen und als besonderes Kennzeichen in der linken Hand eine Warza. Bei seinem Weggänge war das Kind mit einem blau und weiß hellkarierten Wischkleid, blau und weiß gestreifter Schürze, hellbraunem Unterrock, schwarzen Strümpfen und schwarzen Knopfstiefeln bekleidet. Die Eltern, des Kindes bitten bei ikn Recherchen nach dem­selben insbesondere um die Mitwirkung des Publikums.

** Frühauf! Das Frühaufstehen hat mit Recht bei allen Naturvölkern stets in großem Ansehen gestanden. Erstens verlängert es wirklich den Tag und somit die Ar­beitszeit. \ Wer einmal ins lange Schlafen kommt, der wird nie fertig. Die Langschläfer sind den ganzen Tag miß­mutig, träumerisch, und so geht die Arbeit nicht vom Fleck. Der Vomcktternachtsschlaf ist der b^ste. Das ist darum

besonders wahr, weil diese Redensart aus der reinen Ev^ fahrung heraus entstanden ist. Der Schlafmangel einet Vormitternachtstunde verlangt mindestens zwei Stunden Nachholung am Morgen, wenn dieselbe Stärkung erfolgen soll. Noch nachteiliger wirkt der Schlafmangel der Nach mitternachtsstunden. Denn der Sonnenstand hat unbedingt Einfluß auf den Organismus des Körpers, das sieht man an den Tieren, namentlich an den Vögeln, die mit Sönnern Untergang schlafen gehen. Die Wirllmg der aufgehenden Sonne ist eine andere, wie die der niedergehenden. Die Morgenfrische hat besonderen, gesundheitlichen Wert. Bei allen Frühjahrskuren und in den Bädern spielt das Frich aufstehen eine anerkannte Rolle. Im Frühjahr, zur Zell des Sprossens und Blühens, ist das Frühaufstehen unend­lich empfehlenswert. Zu keiner Zeit duftet der Garten, Wiese und Wald so angenehm, frisch und erquickend, wie des Morgens. Jeden Morgen feiert die Natur ihr Auf­erstehungsfest aufs neue. Während des Tages mattet sich die Vegetation immer mehr ab. Der Naturfteund begreift nicht, wie während der schönsten Herrlichkeit in der Natur so viele Menschen schlafen können. Sie lernen die wahre Schönheit der Natur nicht kennen. So bringt das Frühauf­stehen nicht nur Wohlstand, Gesundheit und Weisheit ins Haus, sondern es verschafft auch einen wahren, reinen Lebensgenuß. Also: Frühaus!

** Landes-Konferenz des Vereins der Freundinnen junger Mädchen. Hofkaplan Pal­mer-Schönberg eröffnete die Tagung, die am 16. in Mainz stattfand, mit einem Gebet, dem er eine Schilder­ung über die Zwecke des Vereins auf religiöser Grundlage anschloß. Hierauf hieß Gräfin Viarie zu Erbach-Schön­berg, geb. Prinzessin von Battenberg, die Anwesenden mit einer herzlichen Ansprache willkommen. Sodann er­stattete Frau Oberkonsistorialrat Walz den Rechenschafts­bericht, welchem wir, nach demM. Tgbl.", folgendes ent­nehmen: Im allgemeinen hat der Verein feit etwa 10 Jayren einen erfreulichen Aufschwung genommen und sein Mitgsliederstand ist auf 353 angewachsen, hat sich also feit 8 Jahren fast verdoppelt. Dieser rasche Zuwachs ist haupt­sächlich dem Wirken und Werben zahlreicher Pfarrsrauen zu danken. Im Großherzogtum ist der Verein an 136 Orten vertreten. Mainz hat 17 Mitglieder. In Darmstadt ist die langjährige und verdienstvolle Lokalvorsteherin Frl." Wider aus Gesundheitsrücksichten zurückgetreten; an ihre Stelle wurde Frau Hauptmann Kühne berufen. Das in Darmstadt errichteteMarthahaus" wurde stets stark in Anspruch genommen, dabei wurde jedoch die Beobachtung gemacht, daß die Ladnerinnen leider das Haus wenig, da­gegen Kindergärtnerinnen und Näherinnen desto mehr in Anspruch nehmen. Eine besondere Berücksichtigung sand in dem Bericht die schon seit einer Reihe von Jahren mit gutem Erfolge in Bad-Nauheim getriebene sogenannte Bäder-Mission. Aus den Lokalberichten, die erstattet wur­den, ging in erfreulicher Weise hervor, daß das segens­reiche Wirken des Vereins gute Früchte getragen und auch überall Anerkennung und Entgegenkommen gefunden hat. Vielfach wurden neue Anregungen gegeben, die sicherlich Berücksichtigung finden werden, wie zum Beispiel das be­antragte ausgedehntere Plakatwesen und der Wunsch, daß, mehr wie seither, alle Konfessionen die Wohlthaten des Vereins genießen möchten. Die stellvertretende Vor-, sitzende des deutschen Nationalvorstandes, Fräulein A. Vollm ar-Berlin, hielt alsdann einen Vortrag über die Ziele und Grenzen der Freundinnen arbeit", die sie in anregendster Weise zu schildern verstand. Wov 25 Jahren auf einem in Genf ab gehalten en Kongreß gegen die Sittenlosigkeit wurde der Verein derFreundinnen junger Mädchen" ins Leben gerufen, und feine Fürsorge: jungen Mädchen in der Fremde helfend und beratend zur Seite zu stehen, erstreckt sich heute auf alle Länder und auf alle Konfessionen. Die Aufgaben des Vereins zer­fallen in drei große Abteilungen, in eine internationale, eine nationale und in eine lokale. Etwa 6 Millionen Frauen und Mädchen stehen heute im öffentlichen Erwerbs­leben. Will ein Mädchen nun z. B. eine Stelle im Aus­lande annehmen, so kann es durch den Verein die näheren Anhaltspunkte über die angebotene Stelle erfahren und sich später am neuen Platz bei den Bereinsmitgliedem Rat und Unterstützung holen. Sehr thätig arbeitet ferner der Verein mit Hilfe der Polizei gegen den Mädchenhandel, und es ist ihr gelungen, oft noch kurz vor Abgang eines Schiffes den Mädchenhändlern ihre Opfer zu entreißen. Bekannt ist ferner die Thätigkeit des Vereins für durchreisende Mäd­chen, und auf den Bahnhöfen natürlich kann der Verein um so wirksamer schaffen, je größer die Zahl seiner Mit­glieder ist, die sich thatkräftig an der Erreichung seiner hehren Ziele beteiligen. Zum Schlüsse regte die Vortragende an, darauf hinzuwirken, daß auch in Mainz recht bald ein Heimatsbaus" erstehen möchte. Ueber denWochen­tag uno Sonntag in Heimaten der Freun« binnen" sprach Frl. H. Voll mar - Berlin, die Sch<rift- sührerin des deutschen Nationalvorstandes. Die Rednerin entwarf ein anschauliches Bild von dem anheimelnden Treiben und dem schönen Familienleben, sowie von der regen Geschäftsthätigkeit in den Heimatshäuser::. Aus ihren Ausführungen erfuhr man aber auch von der Großartig­keit des Betriebes im Heimathaus in Berlin und von dem guten Einvernehmen, das dort unter den Bewohner:: herrscht. An den Sonntagen sorgen oft Vorträge und Vorlesungen für die Unterhaltung und Belehrung der Schützlinge. Er­wähnt fei hier noch, daß die beiden Damen Vollmar, welche die ZeitschriftHeimatglocken" redigieren, einen guten Rus auch als Schriftstellerinnen genießen. 9Lach dem gemein­samen Mittagessen hielt in der Nachmittagssitzung Pastor M a h l i n g - Hamburg einen sehr anregenden Vortrag über dieBahnhofsmission". An den Vortrag schloß sich ein reger Meinungsaustausch,

** Die Landtagswahlen. Ter hessischen Stände­kammer ist auf Grund der Wahlakten in den 3 letzten Wahl­perioden eine hochinteressante Zusammenstellung der Ur­wählerzahl und der Zahl der Abstimmenden (1884 bezw. 1887, 1890 bezw. 1893 und 1896 bezw. 1899) zugegangen, In den acht mit besonderem Wahlrecht begabten Städten war das Resultat folgendes: In der ersten Wahlperiode hatten in Mainz von 7712 Stimmberechtigten 3084 ab­gestimmt 3074 (35,2 pCt.), in der dritten 10 200, abge- geftimmt (40 pCt.), in der zweiten Wahlperiode 8735, ab­gestimmt 4344 (42,9 PCt.). In Darmstadt in der ersten Wahlperiode 6185 Stimmberechtigte, abgestimmt 1718 (27,8) in der zweiten 6628, abgestimmt 1618 (24,4), in der letzten 7555, abgeftimmt 2838 (37,6); in Offenbach in der ersten 4146, abgestimmt 327 (7,9 pCt.), in der zweiten 4707, ab- gestimmt 1993 (42,3), in der letzten 5020, ab gestimmt 2947 (58,7); in Worms in der ersten 3116, ab gestimmt 551 (17,7), in der zweiten 3576, abgestimmt 730 (20,4), in der letzten 4083, abgeftimmt 1008 (24,7); in Bingen in der ersten 1001, abgefHmmt 237 (27,5), in der zweiten 1029, abgestimmt 837 (25), in der letzten 115, abgestimmt 318 (28ch); inj