Ausgabe 
20.2.1902 Erstes Blatt
 
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durch Verbot der Kinderarbeit, der schädlichen Frauenarbeit imd der Verkürzung der Arbeitszeit überhaupt. Durch diese Regulierung der Arbeitszeit würden steigende Löhne und bessere Lebenshaltung erzielt und die Landstraßen ent­völkert zum Besten der Allgemeinheit. Er erkenne die Be- rnühungen Regierung an, hoffe aber, daß sie auch im Bundesrat dahin wirken möge, daß die von ihm gewünschte Organisation eintrete, da nur dadurch die Möglichkeit weiterer schwerer Nachteile zu verhindern sei.

Ministerialrat Braun: Abgeordneter Ulrich sei wohl mit ihm darin einig, daß eine gründliche Abhilfe nur von Reichswegen eintreten könne. Die Angelegenheit gehöre zum überwiegendsten Teil in den Reichstag. Abgeordneter Ulrich habe ferner gesagt, daß nicht alle Arbeiter für die staatlichen Arbeiten tauglich seien. Der Staat könne indes doch nur solche Arbeit zur Verfügung stellen, die in den Geschäfts kreis der Staatsverwaltung fallen. Gerade in Offenbach sei ein nennenswerter Zuzug zu diesen Arbeiten nach den Berichten der Oberförsterei Offenbach nicht zu bemerken gewesen, da dort die Bautätigkeit keine Ein­schränkung erlitten habe. Was die Nichtheranziehung der Arbeiter bei den Feststellungen anlange, so gebe er die Frage zurück: Was hindere denn die gewerkschaftliche Or­ganisation, der Regierung, bei der sie stets ein offenes- Ohr fände, zur Verfügung zu stellen? Die Einschränkung der Kinderarbeit re. halte er für eine dankbare Aufgabe der Thätigkeit der internationalen Vereinigung für gesetz­lichen Arbeiterschutz. In Deutschland müsse anerkannt wer­den, daß stets !in dieser Beziehung darauf hingcarbeitet werde.

Abg. Reinhardt (natl.): lieber den Rahmen der hessischen Verhältnisse hinaus wolle er sich nicht äußern. Abg. Ulrich habe nach den Ursachen der Krisen gesucht und wie ihnen zu begegnen sei, und habe behauptet, daß man in den 90er Jahren an Krisen nicht mehr geglaubt und darauf losgewirtschaftet habe. Er sei anderer Meinung ge­wesen; die Krise habe kommen müssen aus natürlichen Folgen. Gesetzliche Maßregeln dagegen zu treffen halte er für ein Ding der Unmögnchkeit. Aber sie einzuschränken, dieser Weg könne gegangen werden. Aus den Mitteilungen der Regierung habe er entnommen, daß die Zahl der Arbeitslosen in den Städten keine unnormale sei. Auch bei dem Aufschwung der Industrie seien bei vorhandenem Arbeitermangel solche Elemente dagewesen, die nicht Hütten arbeiten wollen. Wenn die Arbeitgeber in den letzten Jabr- Zehnten in reichlichem Maße eine Verpflichtung über die Lohnzahlung hinaus den Arbeitern gegenüber gefühlt hätten, so seien dadurch dvch wohl auch den Arbeitern hieraus Pflichten erwachsen. Abg. Frenay habe gesagt, daß eine Besserung der Verhältnisse nicht eingetreten sei. Hier­gegen müsse er entschieden Widerspruch einlegen. Die Eisenindustrie sei wesentlich in die Höhe gegangen, ebenso die Textilindustrie, bei der man sogar noch über Mangel an Arbeiterinnen klage. Auch die Börse sei ein Institut, das einen Fingerzeig für die Besserung der Lage gebe, speziell in Hessen hätten Staat und Gemeinde ihre Pflicht in jeder Beziehung erfüllt. Er habe die Resolution auf- tzefaßt in dem Sinne, daß sie eine Unterstützung der Maß­nahmen der Regierung und keine Kritik derselben be­zwecke.

Abg. Wolf (fr. w. V.): Er habe bezüglich der Arbeits­losigkeit in Hessen den Eindruck, daß hier viel zu sehr 'schwarz in schwarz gemalt werde. An der ganzen Kalamität sei der Zug vom Lande nach der Stadt schuld. Die Stell­ung der Regierung betrachte er als eine richtige. Eine Notstandsvorlage sei zur Zeit nicht angebracht. Er werde mit seinen Freunden gegen den Ausschußantrag stimmen.

Abg. Cramer (Soz.) glaubt, daß besonders die kom­munalen Arbeitsnachweise ausgestaltet werden müßten. Es genüge nicht, hierfür eine Summe im Budget einzustetterr, die Verwaltung müsse in unparteiischer Weise geleitet wer­den. Abg. Reinhardt wolle nur die Folgen der Krise und nicht deren Möglichkeit des Entstehens beseitigen; das wäre genau so, wenn der Arzt nicht nach der Ursache der Krank­heit forsche und nur diese selbst heilen wolle. Er em­pfiehlt den Ausschußantrag.

Abg. Euler (natl.) hält eine baldige Gesundung der Verhältnisse für wahrscheinlich; von auswärts gingen mit Ausnahme Englands die Aufträge wieder zahlreich ein. Die Arbeitslosenversicherung sei außerordentlich schwierig; er möchte nicht als Schiedsrichter in einer derartigen Kom­mission sitzen.

Abg. Heidenreich (natl.): Die Erklärung der Re­gierung habe ihm die Beruhigung gegeben, daß diese Frage allmählich einer Lösung zugeführt werde. Bei der Ver­sicherung gegen Arbeitslosigkeit will er von einer Mobil-* machung von Staatsmitteln abgesehen wissen.

Abg. Frenay (Zentr.): Er habe den Eindruck ge­wonnen, daß sämtliche Redner die Gedanken, die im Bericht ausgesprochen seien, acceptiert hätten. Auch was Abg. Wolf ausgeführt habe, richte sich nicht prinzipiell dagegen. Die Vorschläge seien geeignet, in weitem Umfange Verbesser­ungen einzuführen. Er billige und freue sich über die Maßnahmen der Regierung, die sie unterstützen und nicht mit der Resolution kritisieren wollten. Er empfehle dem Hause die Annahme der Ausschußanträge.

Hierauf wird abgestimmt und sämtliche Ausschußanträge <s. o.) angenommen.

Nächste Sitzung Donnerstag 9 Uhr.

Parlamentarisches aus Hesse«.

Dem Antrag der Abgg. Häusel und Genossen betreffend die Unterstützung armer Gemeinden aus Staatsmitteln zu Schulhausbauten steht der Erste Ausschuß sympathisch gegenüber und giebt sich der Hoffnung hin, daß die Finanzlage des Landes recht bald sich so gestalten möge, um ihm ohne besondere Banken näher treten zu können. Zur Zeit jedoch glaubt der Ausschuß in seiner Majorität, in seiner Stellung, welche er in der Be­handlung der Budgetfrage eingenommen hat, auch diesem Antrag gegenüber verharren zu müssen, umsomehr, als die Regierung sich gleichfalls, namentlich aus finanziellen Gründen, dagegen ausgesprochen hat. Er beantragt gegen eine Stimme, den Antrag zur Zeit für erledigt zu er­klären.

In der Sitzung der Zweiten Kammer vom 14. Mai 1901 standen die Vorstellungen der seit dem 1. April 1899 pensionierten Volksschullehrer, betreffend Erhöhung ihrer Pension, und der pensionierten Dolksschullehrer zu Gießen, betreffend Pensionsaufbesserung, zur Verhandlung, doch wurden sie auf Antrag des Abg. B a ck e s, der einen Antrag ankündigte, welcher den finanziellen Be­denken der Regierung, die sich entschieden gegen die Vor­stellungen ausgesprochen, mehr Rechnung trage, von der Tagesordnung abgesetzt, in der Absicht, sie demnächst mit dem neuen Antrag zusammen zu verhandeln. Dieser da­

mals angekündigte Antrag liegt bekanntlich bereits vor. Er fordert, daß das Haus beschließen möge: an die Re­gierung das dringliche Ersuchen zu richten, in den Staats­voranschlag für 1902/03 und so lange es nötig erscheint, 120 000 bis 150 000 Mk. mehr, als seither vorgesehen, ein­zusetzen zur Erhöhung der Pensionen der vor dem 1. April 1897 in den Ruhestand getretenen Staatsb eam- ten, der Hinterbliebenen solcher Beamten aus derselben Zeit und der vor dem 1. April 1900 pensionierten Volks­chullehrer. Die Regierung hat diesem Antrag gegenüber erklärt, daß die Verhandlungen über denselbennoch nicht zum Abschluß gelangt sind." Im Ausschuß glaubte die Mehrheit des Ersten Ausschusses durch diese vorläufige Er­klärung den Antrag im Hinblick auf unsere finanzielle Lage zur Zeit als erledigt ansehen zu sollen, während die Minderheit Annahme des Antrags Backes und Genossen empfiehlt.

Einwohner Kastels haben um Unterstützung ihrer auf Stadterweiterung gerichteten Bestrebungen gebeten. Der Vierte Ausschuß beantragt, die Kammer wolle an die Re­gierung das Ersuchen richten, bei dem Abschluß der bezüg­lichen Verhandlungen mit der Militärbehörde für Wahrung der Interessen der Bewohner Kastels energisch einzutreten und die Vorstellung damit für erledigt erklären.

Politische Tagesschau.

Vom Zolltarif.

Tie badische offiziöseSüdd. Reichskorr." betont, ein ächlicher Anlaß, auch nur dem Gedanken an eine Reichs­tag s au f l ö f u n g Raum zu geben, liege für die Regie­rungen nicht vor. Ter Artikel schließt mit folgenden Sätzen:

Die gerade im Hinblick auf die Tarifreform vom Grafen Bülow seit dem Beginn seiner Kanzlerschaft unter­nommene Belebung des föderativen Geistes unter den Bundesstaaten, die Ministerkonferenzen im Juni vorigen Jahres, die langsam gewonnene Einigung der Regierungen auf die Vorlage, die eindrucksvolle Befürwortung des Entwurfes in den Beratungen erster Lesung durch die Reichsbehörden, wie durch die Minister aller größerer Einzel st aaten, das wiederholte persönliche Eintreten des Reichskanzlers für die um der Landwirtschaft willen aufgenommenen vielumstrittenen Zollerhöhungen, dies alles beweist ein fortdauern­des kollegiales und solidarischesZusammen- wirken der Reichsglieder, wie es wohl selten für einen Gesetzentwurf aufgewendet worden ist. Jetzt ist es an der deutschen Volksvertretung, zu zeigen, daß sie zur Turchführung einer gesunden nationalen Wirt­schaftspolitik den Regierungen eine Mehrheit zur Ver­fügung stellen kann, die mit gleicher Entschlossenheit gegen s ozialdemo krati s ch e Obstruktion, wie gegen agrarische Überforderungen zusammenhält."

TieDtsch. Tagesztg." führt gegenüber einem Briefe des bekannten Herrn Bueck über den Bund der Frei­händler und Agrarier aus:

Es ist leider unbestreitbar, daß die Solidarität zwischen der Landwirtschaft und der In­dustrie, die durch die fo genannteSammlung" beab­sichtigt war -und im wirtschaftlichen Ausschüsse im all- aemeinen zur Thatsache wurde, lediglich durch die Schuld führender industrieller Kreise in die Brüche gegangen ist. In der Frage der Mindestzölle ist die Landwirtschaft von der Industrie im Stiche gelassen worden. Tie In­dustrie hat ferner den Grundsatz ausgestellt, daß der Ab­schluß neuer Handelsverträge das erste Erfordernis sei und die Wünsche der Landwirtschaft nur insoweit erfüllt werden könnten, als der Abschluß solcher Verträge nicht gefährdet werde. Damit sind die eigentlichen Interessen der Landwirtschaft preisgegeben worden .... Es würde eine Versündigung gegen die Landwirtschaft fein, wenn man auf der einen Seite in eine sachlich unbegründete Herabsetzung der landwirtschaftlichen Zölle willigen und auf der' anderen Seite die zum Teil übermäßig hohen Jndustriezölle unangefochten lassen wollte. Das geht nicht an, das verstößt gegen den Grundsatz der Parität, der unbedingt festgehalten werden muß. Die Industriellen werden damit rechnen müssen, daß, nachdem die land­wirtschaftlichen Forderungen durchaus ungenügende oder teilweise gar keine Berücksichtigung gefunden haben, auch die i n d u st r i e l l e n Zölle pari passu herabgesetzt werden. Daran wird auch der Artikel nichts ändern, den Herr Bueck veröffentlicht und in dem er den Landwirten gut zuredet, sie möchten doch die industriellen Zölle be­willigen und den industriellen Wünschen willfährig sein. Wir vermuten, daß die Vertreter der Landwirt­schaft diesem Lieoeswerben der Landwirtschaft gegenüber unzugänglich fein werden. Es ist denn doch auch zu viel von ihnen verlangt, wenn sie der Industrie zu einer neuen Blüte, zu beinahe prohibitiven Zöllen verhelfen sollen, während der Landwirtschaft selbst nur eine Schein- Hilfe, nur ein Almosen, ein Brosamen geboten wird."

Die Stras-tzLpedttion des Hberstleutnants Uavel.

Schluß.

II.

Die erste Kompagnie, die noch größere Geländeschwierig­keiten zu überwinden hatte, bekam am 9. November gegen mittag mit dem Gegner Fühlung, und zwar bei dem Dorfe Tanjewo. Der Gegner wurde von der Kompagnie vertrieben, ein Mann schwer dabei verletzt. Beim weiteren Vormarsch am 10. November nach Foto kam die Kompagnie auf den Höhen vor dem Dorfe in die Lage, das Maschinengewehr auf einen sich in der Entfernung von 300 Meter sammelnden Gegner von etwa 50 Mann in Stellung gehen zu lassen. Nach kurzem Feuer verschwand der Gegner. Am 10. Nov. abends wurde Foto erreicht, und am 11. November vor­mittags unter Zurücklassung eines Zuges in Foto der Weiter­marsch auf Fontemdorf angetreten. Durch Unwissenheit der Führer wurde die Kompagnie den falschen Weg geführt und kam erst zwei Tage spater, den 13. November, in Fontem­dorf an. Am 13. mittags war die Expedition in Fontemdorf vereinigt. Der Gegner hatte sich in das östlich Banawa liegende bergige Hinterland zurückgezogen. . . . Nachdem ihm genügend Abbruch gethan war, trat die Expedition den Rückmarsch nach Tinto an, wo sie am 25. wieder eintraf. Die Bestrafung der Bangwas ist derart fühlbar, daß ich es nicht für möglich halte, daß der Stamm sich nochmals gegen die Regierung auslehnen sollte.

Am 30. November trat die zweite Kompagnie, am 1. Dezember die erste Kompagnie den Abmarsch von Tinto wieder an. Nach Heb er Windung des sehr schwierigen Auf­stieges von Baminji das Gelände steigt von 200 auf 1500 Meter traf die Expedition am 4. und 5. Dezember in Bali ein. Am 9. Dezember trat die Expedition unter

meiner Leitung den Marsch nach Bandeng an. Gegen 4 Uhr nachmittags kamen Boten des Häuptlings von Bandeng und baten in feinem Namen um Frieden. Ich marschierte nach dem Häuptlingsplatz, ließ den Häuplling vorführen und ihm durch Dolmetscher die Friedensbedingungen bezw. Strafbestimmungen für den Zintgrafsschen UeberfaU mit*? teilen. Er versprach, alles zu erfüllen und die Strafelfen-, beinzähne und Strafarbeiter am nächsten Morgen zu stellen; außerdem lieferte er freiwillig Verpflegung für die Expedi­tion, bat nochmals um Frieden und versprach, alles pünkt­lich zu erfüllen. Die Expedition bezog darauf Alarmquartier im Häuptlingsgehöft, und Wachen wurden ausgestellt. Der Häuptling von Bandeng ließ sich aber einen gemeinen Treubruch zu Schulden kommen, indem er die Expedition nachts 3 Uhr überfiel. Ohne große Mühe und ohne diesseitige Verluste wurde der Angriff der Bandengs abgetoiefen, wobei )ie Bandengs einen Verlust von etwa 20 Todten hatten. Am 10. Dezember, 6 Uhr vormittags, mußte ich weiter nach Bafut marschieren, da ich für diesen Tag bereits die dritte Kompagnie unter Hauptmann Glauning an die West* eite von Bafut befohlen hatte, und diese Kompagnie nicht einem Schlage der zahlreichen Bafuts aussetzen konnte. Die Bestrastlng der Bandengs wurde ausgeschoben.

Als am 10. Dezember vormittags die Expedition >en Marsch nach Bafut antrat, wurde sie vom Beginn des Abmarsches bis zur Ankunft vor Bafut gegen 12 Uhr mittags von den den Weg auf beiden Seiten be­gleitenden Bandengs auf 400 bis 500 Meter beschossen. Der Weg führt im Grunde, die Bandengs gingen an beiden Seiten auf d en Höhen. Diesseitiger Verlust dabei ein Todter, ein Verwundeter der ersten Kompagnie; die Bandengs hatten eine Anzahl Todte. Um 12 Uhr mittags vor Bafut ange­kommen und mit der dritten Kompagnie in Verbindung ge­treten, entwickelte ich zum Gefecht, ließ mit dem Berg- geschütz und den Maschinengewehren das Dorf beschießen und stürmte dann mit den beiden ersten beiden Kompagnien von Südwesten, mit der dritten Kompagnie von Westen Bafut. Es wurde ziemlich hartnäckiger Widerstand geleistet. Es bedurfte nun siebentägiger Gefechte, bis Bafut unbestritten in meiner Hand war. Die Macht der Bafuts ist vollständig gebrochen; sie erlitten in der Zeit vom 10. bis 19. Dezember starke Verluste an Gefallenen und Ge­fangenen. Diesseits ist Hauptmann Glau n in g leicht am Auge verwundet, zwei Soldaten sind tobt, elf ver­wundet. Bafut bleibt bis auf weiteres besetzt, und hoffe ich durch die ausgesetzten Belohnungen, durch die ständigen Verfolgungen und dadurch, daß der flüchtige Häuptling von allen Nachbardörfern abgetoiefen wird, bald feiner Person habhaft zu werden.

Für den 20. war die Bestrafung der Bandengs angesetzt, und verwendete ich dazu die drei Kompagnien unter Zurücklassung eines Zuges und des Berggeschützes in dem befestigten Lager von Bafut. Hauptmann Glauning mit der dritten Kompagnie wurde am 19. nachmittags nach Adanga im Bamettalande, drei Stunden westlich Bafut, ent­sendet mit dem Befehl, in der Nacht zum 20. bis an den Westrand von Bandeng zu marschieren und daselbst mit Tagesgrauen den Angriff zu eröffnen. Ich selbst marschierte mit der ersten und zweiten Kompagnie nachts 12 Ubr von Bafut ab und gelangte bei Tagesgrauen an die Nord- und Ostseite von Bandeng. Nach Eröffnung des Feuers liefen die Bandengs in voller Flucht in westlicher Richtung in das hohe Gebirge davon und so dem Hauptmann Glauning in die Hände. Die Bandengs verloren hierbei eine Anzahl Todte und 96 Gefangene, während die Exveditionstruppen keine Verluste hatten. Die Frtedensverhandlungen sind bet Kompagnie in Bafut übertragen worden.

Ans Stadt und Land.

Der Abdruck der unter dieser Rubrik beftndlichenOriginal-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gietz. Auz." gestattet.) Gießen, 20. Februar 1902.

Aus dem Vorlesungs- Verzeichnis unserer Universität für das Sommerhalbjahr 1902 seien folgende Vorlesungen hervorgehoben, die allgemeineres Interesse haben: Prof. Dr. Kattenbusch liest u. a. überGeschichte der Beziehungen zwischen Theologie und Philosophie im Protestantismus", Prof. Dr. Bi er mann überBürgerliches Recht, Sachenrecht und Konkursrecht", Prof. Dr. Schmidt überBürgerliches Recht, Familien- und Erbrecht, Prof. Dr. Jung überWechsel­recht", Prof. Dr. He im bürg er überDeutsches und hessi­sches Verwaltungsrecht", Prof.Dr. Sommer überNerven- krankheiten inkl. Elektrotherapie", Prof. Dr. Gaffky über Schutzpockenimpfung" (nebst Tellnahme an öffentlichen Impf­terminen), Prof. Dr. Groos überPädagogische Theorien seit Pestalozzi", Prof. Dr. Hansen überForstbotanik", Prof. Dr. B i e r m e r über Grundzuge der Agrarpolitik (prakt. National­ökonomie TeilII)", Prof. Dr. Heß hält einen prakt. Kursus über Waldbau, Prof.Dr. Wimmenauer liest überWald­wegbau nach seinem Grundriß" und über Waldertragsregelung", Prof. Dr. Albert über Landwirts chastslehre I. Tell, Be­triebslehre, Ackerbau und Wiesenbau", Prof. Dr. O n cken über Neueste Bismarck - Litteratur" und im historischen Seminar überStreitfragen der neueren und neuesten Geschichte", Prof. Dr. Höhlbaum überDie Verfassung des deutschen Reichs", Prof. Dr. Sauer überKunstdenkmäler des Großh. Hessen und benachbarter Gebiete" mit Exkursionen in die nähere Umgegend, Professor Dr. Collin überGeschichte des deutschen Dramas im 19. Jahrhundert", I. Tell, Prof. Dr. Strack überDas deutsche Volkslied", Prof.Dr. Behrens überGeschichte des französischen Dramas", Lektor Goetschy hält Hebungen im freien schriftlichen und mündlichen Gebrauch der französischen Sprache, Lektor Shaweroß Hebungen im freien schriftlichen und mündlichen Gebrauch der englischen Sprache; Musikdirektor Trautmann kündigt folgendes an: Die Romantiker in der Musik mit Beispielen am Klavier", Elementartheorie und Harmonielehre" undHebungen im Partiturspiel, Klavier, Violine, Gesang".

**Zwei glückliche Tage" wollen uns die Damen Brandau und Feige an einem Abend bereiten, ein Kunststück, das voraussichtlich eine angenehme Heberraschung für zahlreiche Theaterbesucher fein wird. Just zu derselben Zeit, als im Berliner Residenztheater Jung-Deutschland der Jugend" Max Halbes zujauchzte, ging über die Bretter des Deutschen Theaters, es war im Winter 1893, zum 25. Male jener Schwank der Herren Fr. v. Schönthan und Kadelburg Zwei glückliche Tage". Herr Kadelburg selber spielte den Sohn vomrömischen Kaiser" einem Wiener Käffeehause. Das waren damals andere Zeiten, im Deutschen Theater ist längst kein Kadelburg mehr und im Residenztheater keine