Ausgabe 
19.11.1902 Zweites Blatt
 
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LhätigkeitS baz arS vom 15. bis 16. ds. MtS. können 1000 Mk. an den Kirchenbaufonds hier abgeführt werden. Am 24. und 25. November findet in Butzbach der sog. Katharinenmarkt statt, welcher vor zwei Jahrzehnten noch einer der größten Wetterauer Herbstmärtte war. Der hiesige OrpheuS-Turnoerein wird am 30. L M. seine «rste diesjährige Abendunterhaltung veranstalten.

Hungen, 18. Nov. Am Sonntag nachmittag fand imSolmser Hvf" hier die Versammlung des katho­lischen Männervereins der Diaspora Nidda, Bü­dingen, Hungen, Laubach statt. Pfarrer Jhm-Büdingen sprach über Aweck und Ziel des Vereins. Nach ihm ergriff Dr. Müller das W-ort und sprach über den Verlauf her 49. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands au Mannheim. Kaplan Lampert (Gießen) behandelte das Thema:Unsterblichkeit der Seele und Menschen furcht". Musikoorträge und Gesang trugen zur Hebung der Stim- nrung bei.

j. Laubach, 18. Nov. Eine nützliche Einrichtung, ausgehend von der Gymnasialdirektion, tritt eben hier ins Leben. Es ist dies die Begründung einer Schülerwerk­stätte. Unter der Leitung der Herren Gymnasiallehrer Oswald, Becker und des Kammerrates Bröckelmann werden in dem von letzteren Herren erworbenen, ehemals Gvld- mannschen Hause Schuler, die Lust dazu haben, an freien Abenden mit allerlei praktischen Arbeiten beschäftigt, als Laubsägearbeiten, Papparbeiten rc. Das dankenswerte Unter­nehmen hat hier günstige Aufnahme gefunden, und viele Freunde der Sache haben Gaben gezeichnet.

-i- Schlitz, 17. Nov. Die gereizte Stimmung, welche im Schlitzerland durch die von Lauterbacher Seite aus er­folgte Aufstellung und Wahl des Bürgermeisters Stöpler- Lauterbach zum Landtagsabgeordneten und die damit ver» bundene Niederlage des bisherigen Abgeordneten Bürger­meisters Zin ßer - Schlitz gegen Lauterbach hervorgerufen worden ist, zeitigt bereits ihre für Lauterbach unangenehmen Früchte. Am Saiiistag fand in Schlitz eine von etwa 60 Personen besuchte Versammlung statt, in welcher man darin einig war, von Lauterbacher Geschäfts- reisenden nichts zu kaufen, und eine dahin gehende Aufforderung durch denSchlitzer Boten* an das ganze Schlitzerland zu richten. Es mußten bereits mehrere Lauter­bacher Geschäftsreisende unverrichteter Sache wieder Heini- ziehen. Die geschäftlichen Interessen Lauterbachs im Schlitzer­land waren bisher nicht unbedeutend und dürfte sich für Lauterbach empfindlich genug der Ausfall bemerkbar machen.

ad. Darmstadt, 19. Nov. (Eigener Draht bericht.) Die Konstituierung des neuen Landtages findet am 24. d Nils- mittags 12 Uhr im Ständehause statt. Es werden nur die Präsiüialw ahlen vorgenommen. Als Emweisungskom- mifiare fungieren für die Erste Kammer Geh. Staatsrat Krug v Nidda, für die Zweite Kammer die Ministerialräte Braun und Weber. Das Grohfürstenpaar Sergius wird seine aus 5 Wochen berechnete Ztalieureise am Aiantag obbrechen, zum Geburtstagsfeste Sr. K. H. des Großherzogs am 25. d. Mts. in Darmstadt eintreffen und an dem Hofballe au diesem Abend teiluchmen. Alsdann soll die Nückkchr nach Nust- land erfolgen.

Die Redaktionen der vier Darmstädter Ta­geszeitungen haben sich gegenüber zu weitgehender Beanspruchung des redaktionellen Teiles der Zeitungen für Bereinsreklame zu folgender gegebenenfalls an die betreffenden Vereine zu sendenden Kundgebung geeinigt:

Es Hal sich aus feiten einiger hiesiger Vereine allmählich Sie Sille herausgebildet, die Zeitungen um Ausnahme von Hin­weisen aus Festlichkeiten, Verjaninilungen und deral. zu ersiichen, ohne ihnen für die dadurch entstehenden Satz- und 2rucffoflen ein angemessenes Aequivalent in Gestalt von Anzeigen ztt bieten. Diese Gesuche treten fo häufig, säst täglich an uns heran, daß die Opfer, die uns dadurch diiierlcgt wurden, un Lauie emes Jahres eine unsere Geschäftsinteressen empfindlich schädigende Höhe erreichen. Diese Ansprüche tonnen uns gerechtertvetfe uinfoiveniger zugemutet werden, als erjahrungsgemäß die Mehrzahl unserer Leser an jenen Hinweisen gar fern Interesse haben, sondern dadurch lediglich die Interessen der betreffenden Vereine gefordert werden. Es erscheint daher nur gerecht und billig und wird auch ihnen nach näherer Würdigung der Sachlage einleuchten, daß die Opfer, ivelche die Wahrnehmung der Veremsintereiien mit sich bringt, von den Ver­einen fclbfl getragen werden. Die Redaktionen der hiesigen Blätter sind infolgedessen überemgefonunen, sich m Zukunft aus den allent­halben un Zeitungswesen der größeren Städte streng durchgciuhr- ten Standpunkt zu stellen und einen einmaligen kurzen redaktionellen Hinweis auf Festlichkeiten und bergt, nur bann auizunehrnen, wenn gleichzeitig ein ent- sprech enber Im jertion sau {trag vorliegt. In ber Hoff­nung, daß auch Sie unterer. Standpunkt als durchaus berechtigt anerkennen werden, zeichnen hochachtungsvoll zc.**

Mainz, 17. sJlou. Morgen sind es 45 Jahre, daß die Stadt Mainz von der furchtbarsten Pulverexplosion hcimgesucht wurde. Ter auf dem alten Köstlich nahe am Gaitthor befindliche Pulvcrtnrm flog, durch frevelnde Hand veranlaßt, in die Luft und verloren dabei 153 Men,chen ihr Leben; außerdem war der alte Köstrich ein Trümmer­haufen, wie auch sonst der ganze obere Stadtteil arg heim- gesucht wurde. Ter Luftdruck war so stark, daß in der Stadt kaum eine F-ensterschcibe ganz blieb, in Kastel und selbst in Biebrich gingen solche in Stücke. Unter den ge­töteten Personen befanden sich 37 Civilisten, die übrigen waren preußische und österreichische Soldaten. An dem {schweren Schicksal, das Mainz betroffen, nahm ganz Europa teil; der deutsche Bund bewilligte 160 000 Gulden und durch Sammlungen auS der ganzen Welt gingen 806 000 Gulden ein. Heute noch werden aus den Zinsen des damals an­gelegten Unteislützungöfonds eine Anzahl Familien unter­stützt, die damals Tote zu beklagen hatten. Infolge Nicht­einhaltung ihrer Verpflichtungen gegenüber ihren Mit­gliedern hat das Großh. KreiSamt bei der Verwaltungs­behörde die Auflösung der feit einigen Jahren dahier be­stehenden HilfslrankenkasseH u m a n i t ö t" beantragt. Die hiesigen Kohlenhändler haben gegen den von feiten der sozialpolitischen Deputation gefaßten Beschluß, an Minderbemittelte Steinkohlen in Mengen von drei Zentnern zum Preise von 94 Pfennigen zu verkaufen, bei ber städtischen Verwaltung Protest eingelegt Tie Kohlen^ Händler suhlen sich dadurch in ihrer Existenz geschädigt, beim nach demselben Beispiel, f,o sagen sie, konnte die Stadt Mainz Fleisch und Brot rc. verkaufen, wodurch Handel Und Gewerbe unmöglich gemacht würden.

Weisenau, 18. Wie wir gestern schon telegraphisch meldeten, trug sich am 17. d. M. nachmittags ein schreck­licher Unglückssall int Hose der BierbrauereiZum schioai zen Bären" zu. Ter Zösahrige verheiratete Braumeister Johann Nepomuk Grau sowie der 2. lübiige oci ira:.i Brauer Karl Leidl und bir Brauer Michael üorner waren mit dem Pichen eines 38 Hekto großen Fass.- be­

schäftigt, plötzlich durch die starke Ansammlung von Gasen das Riesenfaß mit einem donnerähnlichen Krachen explodierte. Eine riesige Feuersäule stieg in die Höhe, Teile des Fasses flogen weit hinaus in kleinen Stücken und alle in der Umgegend befindlichen Fensterscheiben der Häuser zersprangen. Als Leute hinzu eilten und das Feuer löschten, bot sich ihnen ein wahrhaft schrecklicher Anblick. Der Brau­meister Grau und der Brauer Leidl lagen schrecklich ver­stümmelt tot am Boden, der 21)ährige Brauer Johann Schwäger!, der unweit der Unscllisteile auf einer Leiter stand und mit Kvhlenabtragen beschäftigt war, wurde im Momente der Explosion auf die Erde herab geschleudert und äußerst schwer verletzt. Er trug einige Rippen- und Armbrüche, sowie sonstige Verlegungen davon und mußte sofort in das Rochus Hospital nach Mainz verbracht werden. 2em Görner, der mit am Faß gearbeitet hatte, wurde auf der linken Seite das Gesicht start verbrannt, auch er wurde zur Ecoe geschleudert. 2er Käser Karl Work, der in unmittelbarer 9iahe des Unfalls in gebückter Stellung gearbeitet, kam mit einer kleinen Handoerletzung davon, zie Wirkung der Explosion war eine derartig gewaltige, daß die Tauben des Fasses in kleine Splitter zersprangen, ein Teil derselben flog über das Gebiet der Brauerei hinaus in einen Weinberg. Bald war auch das Gericht an der Unfallstelle erschienen. Durch den Gerichtsphoto- graphen wurde eine photographische Aufnahme von der Unfallstelle vorgenommen. Einen geradezu fürchterlichen Anblick gewährten d'e beiden Toten. Beiden waren Teile des Kopfes förmlich abgerissen, die Körper waren fa.jrectlid) verbrannt. Braumeister Grau war erst einige Jahre ver­heiratet und hinterlaßt außer der Frau zwei Keine Kinder. Leidl ist seit eineinhalb Jahren verheiratet und hinterläßt eine Frau mit einem Kinde.

Beerfelden, 17. Novv. Tas unleidliche Hoch­zeitschießen hat am Samstag wieder ein Opfer ge­fordert. Ein erst vor einigen Wochen vom Militär abge­gangener junger Mann hatte mit einer alten Flinte einen Schuß abgegeben, dieselbe jedenfalls zu voll geladen, sodaß beim Abfeuern der Lauf platzte und dem Unglücklichen die linke Hand derart zurichtete, daß ihm vorerst die halbe Hand abgenommen werden mußte. Ta derartiges Schießen verboten ist, wird der Bedauernswerte auch noch mit einer Strafe bedacht werden. Arn gestrigen Tage verunglückte ein löjäfjriger Knabe dadurch, daß er Pulver in eine Flasche that, dass lbe zu entzünden ver­suchte; als die Prozedur zu langsam ging, blies er in die Flasche u nd in die,em Momente explodierte die Ge­schichte, wobei dem Jungen Glasscherben ins Auge flogen, ,odaß er jedenfalls großen Schaden davontragen wird. Ter 60 Jahre alte Johann Michael Ihrig, der schon längere Zeit Spuren geistiger Gestörtheit zeigte, hat sich ILSt. Pr." erhängt.

yrmi|d)tr5.

* Berlin, 19. Nov. DemLokalanzeiger" zufolge wurden in der Siege sallee fünf Denkmalsanlagen beschädigt, indem von den Kronen, mit denen die die Denkmäler umgebenden Bänke geschmückt find, die Kreuze abgeschlagen wurden.

Straßburg, 18. Nov. TieBürgerztg." veröffent­licht heute eine Ehrengerichts-Affaire, die großes Aussehen erregt. Dem Ehes der reichsläiidischen Medizinal­verwaltung, Geh. Medizinalrat Dr. Krieger, wird in dem Artikel der Dorwurf gemacht, daß er sich Unregel­mäßigkeiten, sowie Beeinflussungen und direk­ten Beleidigungen von Ehrenrichtern hat zu Schulden kommen lassen. Aus ein Schreiben der Beleidigten ant> mortete Tr. Krieger unlängst mit einer Forderung auf Pistolen. Der Artikel schließt mit den Worten: Tie Amts­tage des Geh. Medizinalrats Dr. Krieger sind nach diesen empörenden Vorgängen gezählt.

* London, 18. Nov. Em vom 23. Oktober datiertes, an Chamberlain gerichtetes Telegramm des Gouverneurs der Inseln Ueberm Winde, welches setzt vom Kolonialamt veröffentlicht wird, berichtet: Da durch die Vulkan­ausbrüche vom 15. und 16. Oktober die Verheerungen ein noch größeres Landgebiet in Mitleidenschaft gezogen haben, ist die gänzliche Räumung der Stadt Georgetown, die gegenwärtig von den Einwohnern verlassen ist, ernstlich in Betracht zu ziehen. Es ist ziveiselhast, ob überhaupt ein Teil der Insel St. Vincent außerhalb des Bereiches der durch den Vulkan drohenden Gefahr liegt.

* Glasgow, 18. Noobr. Im hiesigen Hafen brach heute nachmittag in einem der Anchor Line gehörenden Schuppen Feuer aus, welches mit großer Schnelligkeit die dort lagernden Vorräte von Stroh und Heu ergriff. Das Dach des Schuppens stürzte in einer Länge von 250 Pards ein. Bei dem Brande wurde cm Mann getötet, acht Personen wurden verletzt.

* 3 u dem Verbrechen an Bord derLoreley" liegen heute Nachrichten vor, nach denen es nicht aus­geschlossen ist, daß der bisher trotz aller Nachforschungen weder als Leiche noch lebend gefundene Matrose Kohler um das Verbrechen gewußt hat. Ter Traht meldet aus Athen: An der Stelle, wo die von Bord derLoreley" geraubte Kiste gesunden wurde, entdeckte man ztvei blu­tige Pantoffel von der Art, die Arbeiter zu tragen pflegen. Dor Justizminister stattete am Montag an Bord derLoreley" einen Besuch ab, um sich über alle Einzel­heiten zu unterrichten. Die Auffassung, daß der Matroje Kohler um das beabsichtigte Verbrechen gewußt habe, läßt sich nicht mehr unbedingt abweisen. Der deutsche Gesandte Graf v. Plessen besuchte den Ministerprä,identen Zaimis, der sein tiefes Bedauern über den Vorfall aussprach. Die Behörden haben bereits mehrere Verhaftungen vorge­nommen. Tie Athener Blätter geben ihrem Abscheu über das Verbrechen und der Hoffnung Ausdruck, daß die Thäter keine Griechen feien. König Georg hat, wie das Lafsan- Bureau aus Athen meldet, die Polizeibehörden besonders angewiesen, alles auszubieten, um die Verbrecher aus­findig zu machen.

*Feuersbrünste. In Brüssel wurde die Ehokv- ladefabrik von Schrevens durch eine Feuersbrunst zerstört. Das Feuer, welches in kurzer Zeit eine große Ausdehnung annahm, sprang auf mehrere anstoßende Ge­bäude über. Die in den oberen Stockwerken des Fabrik­gebäudes wohnenden Personen mußten durch die Fenster gerettet werden. In der Ortschaft Matsch im oberen Etschthale brannten 24 Häuser nieder. Das Feuer war bös­willig von der Frau eines Besitzers im eigenen Hause angelegt worden und hatte sich mu rasender Geschwindigkeit weiter verbreitet Die Bewohner des armen Bergdorfes befinden sich im größten Elend, da ihr Bich und die Winter- vorräte größtenteils ein Raub der Flammen wurden.

6 i n e drollige Geschichte ereignete sich an der

Fahrkartenausgabe der Eisenbahnstation von Ct. Wendel. Eine junge Frau aus dem Torfe Urweiler, die ^in ihre zukünftige Heimat übersiedeln will, erscheint am Schalter und es üntsprnnt sich zwischen ihr und dem Beamten fol­gendes Zwiegespräch: ,Hch hätt' gäre e Billjet for hin un her!"Für wohin?"Ei for hin un her!" ,La, Sie müssen mir doch sagen, wohin."Gell do, wie gescheit! Wammer uf de Hochzeitsreis' geht, do wolle se all wisse, wo mer hinfährt Das sahn ich Ihne nit; ich will e Bildet for hin un her." Der Beamte glaubt, die Frau wolle ihn foppen, und wird grob. Daraufyin sagte sie:Tann genn Se mir e Biljet for hin un her noh Saarbrücke!" TaS erhält sie denn auch und bezahlt 2,20 Mk. dafür. Trium­phierend verläßt fie das Schalter und sagte verschmitzt lächelnd $u den Umstehenden:Ech Hann en jo doch geubzt, ech fahre jo nore nach Neunkerche!" Nach Neunkirchen kostet, wie dieStr. P." bemerkt, die Rückfahrkarte von St. Wendel nur 1,50 Mk.

Kunst und Mscuschast.

Kaiser Wilhelm und da» Theater. Kaiser Wilhelm hat gegenüber dem engllschen Schauspieler Bourchier, der, wie berichtet wurde, am Freilag abend im Schloß zu Saudringham vor dem deulschen und dem englischen Monarchen gespiell Hal, einige m- keressanke Aeußerungen über seine Stellung zum Thealer gelhan. Ter Kaiser jagte zu Bourchier, er lege m den deulschen Theatern immer Wert daraus, die Schauspieler persönlich kennen zu lernen, da seiner Meinung nach die Buhne einen großen Fakror tn der Erziehung bilde. Ter Kaiser bevorzugk fernen Aeußerungen zufolge die klassischen Meisterwerke gegenüber trivialen Lustspielen. Er erwähnt Ernst v. WildenbruchS Drama .Harold', die aus ihn liefen Eindruck gemacht habe und ihm zur Bearbeitung für die englische Bühne sehr geeignet eilcheme. Bezüglich deS Stückes ,Tr. Johnson und Boswell', in dem Bourchier vor dem Kaiser spielte, war er mit allen Einzelheiten vertraut

Die Wahrheit über Tolstoi, übet feine gegenwärtige Lebensweise wie über seine litte* rarische Betätigung behauptet Stanislas Rzewuski in einem in Paris veröffentlichten Aufsatz zu geben. Tolstoi, auf dessen in musterhafter deutscher Ausgabe bei Tiede- richs in Leipzig erscheinende Werke wir unsere Leser nur immer auss neue und namentlich angesichts des bevor­stehenden Weihnachtssestes Hinweisen möchten, befindet sich zur Zeit auf seinem Besitztum in Jasnaja Poljana, das er sogleich nach seiner langen Kur in Jalta aussuchte. Er wird den ganzen Winter auf seinem Gute verbringen, dessen Klima günstig für ihn ist. Sein Gesundheitszustand ist befriedigend für einen Mann in feinem Alter. Er macht noch lange Ausflüge zu Pferde und zu Fuß. Nichts hall ihn davon ab, weder die Ratschlage der Aerzte noch die Vorstellungen feiner Umgebung. Sogar Unvorsichtigkeiten scheinen bei ihm gut auszugehen. Seme geistige Thätigkeit ist immer gleich intensiv und unermüdlich und erregt bte Bewunderung derer, die bei diesem außerordentlichen Greis denselben schöpferischen Eiser, dieselbe Geistesllarheit, die Flamme der Begeisterung wiedersinden, deren klarer Wider­schein sich schon in seinen ersten Meisterwerken findet. Tolstoi arbeitet Diel. Zur großen Freude der aufrichtigen Freunde seines Genies, die feine litterarischen Werke über feine sozialen stellen, volleiidet er jetzt einen geschichtlichen Ro­man:Hadji Mourat", dessen Schauplatz der KaulafuS ist. Im September und auch vor einigen Tagen erst in Jas- naja Poljana hat eine Konsultation der Aerzie ftauge* fanden; aber diese Beratungen der medizinifchcn Be- cuhmtheitcn sind eine reine Formalität, sie linden schon regelmäßig seit einigen Jahren statt, und Tolstoi vecsirht sich dazu, trotz seiner Meuiungcn über die moderne Me­dizin, nur um die Seinigen zu beruhigen. Was die foge- naimte schreckliche Feuersbrunst betrifft, die das nun histo­rische Schloß von JaSnaza Poftana zerstört Ijabcn soll, so beruht die Nachricht zwar auf einer That,ache, aber man hat fie übertrieben und entstellt. Arn 23. September d. h. 11. September ruf fischen Stils brach ein Kamin- brand im Schlöffe aus. Aber man erstickte das Feuer ohne Schwicrigl.iten, es herrschte nicht die geringste Panik.

Kniversitüts-Kachrichten.

eiuiujraulunfl ber Pi,»olcuvucUc. Run ivird auch aus Greifswald berichtet: Tie fatisiaktioilsgebende ctu- dentenfchafl der Uiuoerfität hat in einer allgemeinen Liudenien- veriannnlung, derber Reklor und zahlreiche Unioeriitulslehrer bei* wohnien, sich für Einschränkung der Vllloleilduelle aue^e- sprochen unö fast einstimmig einen Befchlußaiilrag angenoinuien, worm an den Kr»egSlNlNisier das Ersuchen genchiel luuD, bet Lireiligkeiten zwischen Offizieren und Ltiidenten, mehr al» bi-her für eine paritätische Zusammensetzung der EhreiigerichlS-Orgaiuia- tionen Sorge zu tragen und giiuidfätzlich bei Austragung oon Ehrenhändeln, dem Säbel als der riUerlichen Waffe vor der Pistole den Vorrang verschaffen zu Helsen. Tie Siuüenten'cha'i zu Greiisivald ist roeiter der Ansicht, daß das lieben der Lifizicre und Studenten dein Vaterlande gehört und daß es nicht wegen kleinlicher Zwistigkeiten aufs Spiel gesetzt weideii darf. Tie Burschenschail Alemannia a. d. Pstua zu Halle richtet im Auftrage der valleuser Burscheuschafl an die saltssakllonsgebende ^n.denien- schait der Univerfliät Halle-Wlltenberg eine Aufforderung zur Teilnahme an einer Lludendenversammlung, in der ähnliche Be­schlüsse geiaht werden sollen. In Bonn hat eine Veriommlimg der Salisfallion gebeilden Sludendenschaft otjne Liskuinon Oie Tübinger Resolution über das Pistolendiiell genehmigt. Korps waren nur schwach vertreten. Tie Berliner Burschemchauen haben zu Tonnersiag abend eine große Iterfaminhmg aller studentischen Korporationen cm berufen, in der über c.d)iilU be­raten werden soll, behufs Linschraukung der Pistolenduelle.

Ter bisherige außerordeiuUche Professor Tr. Heinrich Sievekrng zu Freiburg L Üb. ist zum außerordentlichen Vrofcffor in der Philosophischen Fakultät der Unloerfual zu Al ar- bürg ernannt worden. -ter bisherige Prwaldozent -tr. Viktor Hin s berg zu Königsberg Pr. ist zum auverordentlichen Profeffor in der Medizinischen Fakultät der Umverfitat zu B r e»- 1 a u ernannt worden. Ter bisherige Privaldozent an der Uni­versität zu Königsberg, Archivar Proiesior Tr. Hermann Ehrenberg, bejchä'ilgi bei dein Staatsarchiv zu M u n st e r t. W., ist zum außerordentlichen Honorarproteffor m der Philo jophljchen Fakultät der Uniocvfität zu Muinier ernannt worden.

Göttingen, 18. 9loo. In diesem Wintersem-itcr werden an der hiesigen Universität technologische Vorlcjiingen tüt Juristen gehalten, um Oie Juristen über die Anigabcn und Alincl der Techiill auszilUärcn. In diesem Winter wird ^Vrosesjor Simon das elektrotcchiiijche Gebiet behandelti; für da- «onnner icmeiter ist von Professor Loren; die Majchmeiikui.de, der Berg- bau und das Transportwesen als BorlesmigSgegen,lande m Aus­sicht genommen. _ ... . . . _

Wie d.e ^löln. Ztg/ aus Berlin erfahrt, durfte die Er­richtung einer ka iho l is chen_ theologischen jjat ultdt on der Kaijer-Wilhelms-Universität m ©irauburg jcijt,, nacrjccrr cm grundsätzliches Einverständnis zwischen der dcutscyeii Rcgieiuiig und der päpftlidien Kurie erjiclt ift, gesichert fein und deiiuiachst oic Beratung der Emzclsragcn m die Wege geleitet iverbeiu zem Vernehmen nach finden zunächst Vorbejpiechungen über die Per

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(i-erichlssanl.

M. Gießen, 18. 3i»d. Strafkammer. Ten Vorsitz führte LandgerichvidireUor Tr. Güngertch. die Anllaaebebörde Derer