Ausgabe 
19.11.1902 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

n boit Gl

bieNtt tlnt am äN

her!"

bo' toie'nl'A .^°lle se Mit! ?i ich ÄS Alarbrücke'" 9<?na ^k. bajur » N nb faate L £tlUt* m en l0 ' Äffen*

Schick Hai, ej °"ch 9 jum ideat« JL1* beutjdjen ihP!,°n iSSÄÄ N«r Äay 2« « 6-»Ä 5°lst«i, «btt .Mer seine lütt, °uslas Rzeivuski ir. Uu geben. Tolstoi, ?iusgabe bei Liede- m unsere Leser nm Wichts des bevor, mochten, besinbet sus >usnaja Poljana, de- 1 Jalta aussuchte. & :m Gute verbringe in Gesunbheüszustaü mem Alter. Er mai1 ju Fuß. Nichts ho : der Aerzte noch bi gar llnvorsichtigleite- ine geistige ThatiM üblich und erregt rßerorbentlichev 9trj re Geistesklarhiii n, deren klarer M merlen findet Wvi : aufrichtiger AltM en Werke ifo seine len geschlichen > platz ber Mlasns ist. n Tagen erst in Fas- i der Letzte slotigr, -r mebijiiiiifyn Le- tat, [je jinbtn schon unb Tolstoi versrest et die rnoderne Rt>

Was die soge- n, die das nun l zerstört haben soll, einer Thatiache, ckr It. Am 23. Leptemdu \3) brach ein Samir/ x erstickte das jnw

(tyn 3,5 p(St. i. V.)

Die nächste Ziehung der Köln-Mindener 8*/t pC t. 8mä m i e n - An l e i h e n von 1871 unb der Meininger I pC- t. P r ä m i e n -P f a n d b r i e s e von 1867 findet am 1. Te° Zucker er. slatl.

Der AufsichtSrat der Brauerei Kuntersteiu, Aktien- 6 e f c 11 i d) a i t, hat beschlossen, in der am 13. Dezember er. eiuuberufcnöen Generalversammlung eine Dividende von 3 pEi. (. 3. 2,5 pCt.) vorzusd)lagen

Prag, 18. 9loo. Tie Revision der St. W enz els- Lor­sch u ß l a I i e hat vorläufig die Ausstellung einer Bilanz beendet, liefe weist folgende Ziffern auf: Aktiva: 8 288 756 Rr., darunter

IjridjtftL

>ucuc. Mn wird g >alisiLltionsgeben^' c aüflenieinen * che Umverlllolsehru- der i-ifloleiibucke j hlubailliag ange>'°^ 61« e* S uOenten, mckrA^.

,!Ct) bei Mslragr

dien- M«' Vas " e£. wtgtn und das 662 ,U W-Ä un ^raaC Halle achld

nn hat ewKon die iait ohne 2ie sw .eil

tlnn

^roies'vr *<Dlun|l 1 toai&Qtrf)11 j ver W*

I tu- >*&*** l

' Mngen.

Hohenlohesche Nährmittelfabrik, Akt.-Ges., Gerabronn. I $ berichtet wird, soll im Jahre 1903 der ganze Betrieb der Ge- -Schaft nad) Rassel verlegt werden. (Die Mitteilung erscheint ini so glaubwürdiger, als die Gesellsd)aft als Aktionärin bei der Wider Haier-Rakao-Fabrit Hausen u. Go., Akt.-Ges. ;i iiassel mit 391000 Alk. beteiligt ist und bamit eine Zusammen- -Ging beider Gesellschaften ferne wesentlichen Schwierigkeiten bieten n tite. Auch die größere Rentabilität der Kasseler Gesellschaft )ü:iste zu dem genaniiten Cd;ritte Anlaß geworden seilt. Gera- :taiui verteilt 4,5 pLt. Dividende (wie L V.) und Rassel 6 pCt.

idi<eiunfl£llu)

MM

Ni«#»#

TtaatSanwalt Reufe. Der Gemeinderechner Christian Leidich auS Ärüningen verfolgt Berufung gegen ein Urteil des Schöffengerichts * Autzbach, welches gegen ihn eine Geldstrafe von 80 Alk. wegen 'llLeleidigung verhängt hat. Der Angeklagte bat in zwei zeitlich ge- ttrennten, inhaltlich nahem übereinstimmenden Eingaben an das Kreisamt in Gießen den Bürgermeister von Grüningen der Unter* | | hlagtma von Gemeindegeldern in zwei Fällen beschuldigt. Tie I heutige Beweisausnahme ergab gleich derjenigen vor dem Schöffen- i Gericht die völlige Grundlosigkeit der Verdäditigungen. Tie Straf* ! nimmer stellte ausdrücklich fest, daß der Bürgermeister in dem einen Fall vollständig korrekt und instruktionsgemäß verfahren sei unb daß auch der aiidere Fall insbesondere angesichts der Per- simlichkeit und der günstigen Vermögenslage des Verdächtigten iricht den geringsten Anlaß zu dem Vorwurie einer Unterschlagung ttide. Nad) Ansicht des Gerichts handelt es sich nicht nur um eine Neleidigung, vielmehr um eine wissentlich falsche Anschuldigung in Jdealkonkurrenz mit Verläumdung. Die Behauptung des Ange- rt.agten. er habe durch seine Eingaben lediglich eine Inkorrektheit Ües Bürgermeisters zur Untersuchung bringen wollen, hielt das öeridit für widerlegt burd) bie Fassung ber Anzeige, in deren Qiubrik und Inhalt mehrmals ausdrücklich von einer Unterschlagung be Rede ist und in der zudem Strafantrag zwecks Einleitung des mefehlid)en Verfahrens gestellt ist. Ta, wie das Gericht annahm, Eer Angeklagte aus seiner 54jährigen Thätigkeil alsRed)ner sicher- 1 ch wisse, daß das von dem Bürgermeister emgeschlagene Ver- s,ihren forreh gewesen sei, da er andrerseits seit Anfang seiner Lienstführung durch allerlei Ehikanen sich als Femd des Bürger- riieisters zu erkennen gegeben habe, so könne kein Zweisel bestehen, tafj er lebiglid) eine wider besseres Wissen erhobene Verdäd)ligung Kes Bürgermeisters bei seiner vorgesetzten Behörde bezivedt habe letzten Endes in der Absicht, die Wiederivahl des Verdächtigten cnl8 Bürgermeister unmöglich zu mache,r. Aus diesen Gründen ge­bangte das Berufungsgericht gleichfalls zur Verurteilung des Ange- f tagten zu einer Geldstrafe von 80 Akk. und zu den Rosten beiber p Nnstanzew Der Taglöhner Rarl Jung von Butzbach ist des

Liebslahls von 17 Bohnenstangen beschuldigt. DaS Schöffengericht ßJutjbod) halte ihn zu einer Gefängnisstrafe von 3 Tagen verurteilt, 8 die Strafkammer erkannte entspred)e,ld dem Anträge der Staats- - aiiwaltschait auf Freisprechung, da ein zureichender Beweis der

Dhälerschast nicht gesührt fei. Der jugendliche Hausbursd;e Rem v on Gießen hat in einer Rechnung einen Posten um 10 Psg. er- C höht und auf Grund der gefälschten Rechiiung den Forderungs- b (trag einkassiert. Er hat weiter sich eines Diebstahls sowie dreier Mlle der Unterschlagung sd;uldig gemod)t. Unter Zubilligung mil- 1' d tmber Umstände erhält er eine Gefängnisstrafe von 5 Wochen unb 3 Tagen. Der Steinbrucharbeiter Wilhelm Friedrich Albach a us Taubringen ist der Rörperoerletzung mittels eines Aiessers an* n itlagt. Der Beschuldigte fing mit einem anderen Bursdaeil in einer Nirtschasl Streit an, wobei er benjelben eine mehrstufige Treppe h nabstleß. Obivohl der Bursche sich dies ruhig gefallen liefe, pro- v ozierte ber Angeklagte, als beibe bie Wirtschaft verlassen und sich c u| bie Strafee begeben fjatten. dort erneut einen Streit, in dessen Verlauf er mit einem geschlossenen Messer aus den Andern ein- scchlua. Als diese Thätlichkeile» beendet roaren und der Verletzte in t tr Meinung, ber Zwischenfall sei erlebigl, sich abroanbte, öffnete V d rr Angeklagte plötzlich sein Aicsser und versetzte dem Anderen einen Ä n_ud)tigen Stich in den Rücken. Ta der Angeklagte sogleich am Eg n äd)ften Tage dem Verletzten unter Beteuerung seiner 9teue Schad­loshaltung angeboten hat, da er weiter noch unbestraft, von An­fang an geständig und soeben erst voll slrasmündig geioorben ist, \a ernannte das Gerid)t nur auf eine fünfmonatige Gefängnisstrafe. Der Taglöhner Heinrich Balser aus Giefeen wird von der An- / Hege des Diebstahls entsprechend dem Anträge der Staalsanwalt- , scchast sreigesprod)en, da nicht sestgestellt werden konnte, dafe er u, rechtswidriger Absicht gehandelt hat.

Gumbtnuen, 18. Noo. Das Rriegsgericht verurteilte zwei «noniere vom zweiten Jahrgang der 6. Batterie des Feldartillerie- ÄtgimeutS Prinz August von Preußen wegen Rekruteiimißhandlung ju 6, bezw. 8 Monaten Gefängnis.

London, 18.Roo. Das Unterhausmitglied Dufsy, ivelches am 17. August in Ealkra (Irland, eine Verschwörung an- -Ujetteln versuchte, wurde wegen Aufreizung zur Versd)wörung jir brei Akonaten Gefängnis pemrteilt._____________________

Kandel und Verkehr. Uolkswirtschast.

R. Gießen, 17. Roo. Die ordentliche Geiverken- o trsammlung ber Gewerkschaft Gießener Braun- sl einberg loerfe, oonnalS Fertile, fanb heute Vormittag im ; putel Victoria Hierselbst statt. Es roareu von 599 im Laufe be- löblichen Rufen 528 vertreten. Direktor Tr. E s ck erstattete den 'Hdjaftsbevidjt, Rechtsanwalt Grünewald als Vorsitzetiber bes ^'lubenvorstandes referierte über die Verwaltungslhätigkeit im F»chre 1901 und in den drei ersten Quartalen des laufenden Jahres. £-ie Verhältnisse des Werkes sind geordnete; die 9keingewinne von 199)1 unb 1902 finb inbessen noch erforberlid), um bie Schuld bei bem Bankhause Oppenheim in Röln, roeldje zu Unrecht ber Ge­ir -rkschaft belastet worben sei, aber von bieser, um Prozesse und Äirrnisse zu vermeiden, übernommen werden mußte, völlig zu Hilgen. An Ausbeuteverteilung ist deshalb erst von 1903 an zu brufen. Ter Absatz ist von der üblen Lage der Eisenindustrie nid)t uinbcemlluBt geblieben, wenn dieselbe auch nicht in dem Maße tiuuoirfte, wie bei anderen Werken. Ten bebeulfarnften Gegenstand || be:r Diskussion bildete eine Offerte des bekannten Großindustriellen H Anigust Tyßen, Akühlheim a. d. Ruhr, der die ruhenden Ruxe ]!| be:r Geiverkschaft, 401 Stück kaufen, ber Gewerkschaft bei BetriebS- ;i( oenbefieruiigen, Sd)ienenbahn, elefiri)d)e Centrale rc. 600 000 Akark g, juit Verfügung stellen unb fünf Jahre lang je 50 000 Tonnen Erze in.8,5 Akk. pro Tonne abnehmen will. 9kach langer Beratung unb zum Teil lebhafter AuSspradie lehnte bie Gewerkschaft bie Offerte Diigen bes zu niedrigen Preises für das Erz ab, sie verlangt nicht 3,3 Akk. netto per Tonne, sondern denselben Preis nad) Skala, das reifet mit Mehrvergütling für den Akehrgehalt der Erze über 20 ßnozent Mangan. Die von dem Grubenvorstande vorgelegte Bi­lanz wurde genehmigt und der Verwaltung Entlastung erteilt.

Fraukfurt a. M., 18. Nov. Es liegen hier folgende Divi - )sn d e n s d; ä tz u n g e n vor : Frankfurter Bank 9 Proz. (i. V. 8,5), 2eutfd)e Vereinsbank 6 Proz. (wie i. V.), Effekten- und Wechselbank l tzroz. (!'/»), Akitteldeutsche Rreditbank 5,5 Proz. (wie i. V.), kjeanfjurter Hypothekenbank 9 Proz. (wie i. V.), Hypothekenkredit- :e lein 7,5 Proz. (wie L 93.), Würzburger Volksbank 6 Proz, (roie . 3.). TieFranks. Ztg." sd)ätzt die Dividende der Deutschen tiouf wieder auf 11 Proz., der Tiskonto-Gesellfchaft ivieder auf 8 ii>i_ozent, event. bei günstigen Verhältnissen z. Z. der Deklaration m.i 9 Proz, der Berliner Handelsgefellichaft wieder auf 7 Proz., :en Dresdener Bank auf 6 Proz. gegen 4 Proz. L 93., der Darm- liäöter Bank auf 55,5 Proz. gegen 4 Proz. i. V., der Nation iia.dank für Teiitschland auf rnuidestens 5 Proz. gegen 3 Proz. i.V., i!es Schaaffhaufenschen Bankvereins wieder aus 5 Proz.

Dortmund, 18. Nov. Am 20. d. Ak. iverden die neuen Aktien )tn Tonmunder Union zum ersten Akale zur offiziellen Notiz

Hypothekartorderungen 4 400 000 Str., Realitäten 3 100 000 Rr. Passiva: 16 075 295 Rr darunter Einlagen im Betrage von 14 083 000 Rr. Das buchmäßige Defizit beträgt daher 7 786 539 Rroncn, wovon allerdings bie fiiigierten Einlagen, beren Höhe zur Stunbe noch unbekannt ist unb bie Anteilscheine ber Akitglieber abgehen. Tie Liquidation ist nur bann burchsührbar, wenn die Emleger 1520 pCt. Nachlassen. Im Falle eines Ronkurses sollen den Einlegern nur 1520 pEl. in Aussicht stehen.

Märkte.

Limburg a. d. L., 18. Novbr. Fruchtmarkt. Durch­schnittspreise pr. Malter. Stoter Weizen 13L8 Akk., Weißer Weizen 13.25 Alk., altes Rom 00.00 Alk., neues Rom 10.60 Mark, Gerste 8.57 Akk^ alter Hafer 6.98 SDIL, neuer 0.00 Alk., Erbfen 0.00 Alk., Rartoffcln 0.00 Akk.

Gilenlialin-Zeilung.

Der Bau der neuen strategischen Bahn, der nunmehr kürzesten Verbindung zwischen MainzundMetz, ist in der Pfalz bereits sehr weit fortgeschritten. Tie Ar­beiter waren zum großen Teile ftroaten und Italiener; das Betragen ließ vielfach zu wünschen übrig, es kamen recht bedenkliche ML,serasfairen vor. Bei Waldböckelheim von der Rhein-Nahebahn aüzweigend, trifft die neue Linie bei Obernheim die sogenannte obere Glanthalbahn, deren Trace bis Lauterecken benützt wird und die daher zwei- geleifig ausgebaut wurde. Oberhalb des neuen Bahnhofes Lauterecken windet sich die Strecke nach Westen, erreicht in Altenglan die Linie Kusel-Landstuhl, läuft mit bis Glanmünchweiler, geht von dort wieder rechts abzweigend nach Homburg. Won do ab zieht sich die neue Bahn zwischen den Strecken Homburg-St. Ingbert und tzwmburg- Zweibrücken weiter, trifft in Rohrbach wieder auf die alte Strecke Zweibrücken-St. Ingbert und überschreitet bald nach Station St. Ingbert die Landesgrenze.

Sport.

Paris, 18. Nov. Nach einerHerald*-Meldung soll die Be­stellung einer neuen Renn-Pacht für Raifer Wilhelm bevorsteheu. Angeblich sei bie neue Pacht dazu bestimmt, in eng­lischen ober amerikanischen Gewässern zu fonfurriren.

Rom, 18. Noo. Der italienische Pacbtklub hat die internationalen Regatten um den französischen Pokal auf .Ende März n. Js. festgesetzt. An denselben werden sich der Herzog der Abriizzen und Rbnig Eduard beteiligen.

^amiliru-yadjridjtrn.

Todesfälle: Ingenieur G. Engelmann in Mainz, Pfarrer Gust. Frbr. Rird) in Eich, Braumeister Hans Grau und Brauer Rarl Leibi in Weisenau.

Srietkoltrn i>er Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

P. Sie haben nid)t bemerkt, daß ein Druckfehler vorliegt. Es muß in der Besprechung über bie Nora ber Frau Agnes Sorina zum-Schluß nad) dem Zitat bes Rorintherwortes Helgen: Sie aber h a t (nicht ,that") der Liebe.* Am besten läßt sich >001)1 ber Unterschieb zwischen der Nora ber Sorma unb der Nora ber Triesch bahm zujaniniensassen, baß bie erstere mehr mit dem Herzen, bie zweite mehr mit bem Verstände die dichterische Figur nad)jchafft.

BorwärtS". Gemeint ist § 175 des Strafgesetzbuchs. Wegen Verstoß gegen 8 186 ist Anklage erhoben worben.

Sd)iffüiiad)rid)leii.

,91 e b Star Linie* Antwerpen.

Der Postdanipier,93aberlanb" ber ,Red Star Linie* in Ant­werpen ist laut Telegramm am 17. November wohlbehalten in 9lew-Pork angekommen.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Höd)ste Temperatur am 17.18. November 3,1 °C.

Qliebrigfte , , 17.18. , 7,9" C.

November

Wetter

Sonnenschein Heller Himmel

754,2

754,5

752,3

2,0

2,1

2,2

18.

18.

19.

4

4

E.

E.

NE.

48

65

68

3,1

7,1

8,5

S

-o

äo

-e £ 5

5«

E

<v

2

9 nn

Ueurlte Metoungeii.

Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeiger.

Darmstadt, 19. Noo. Der Gro ßh erzog empfing gestern den sächsischen Gesandten Freiherrn 0. Friesen, der sein Beglaubigungsschreiben überreichte. Später sand zu Ehren des Gesandten Hoftafel statt.

Berlin, 19. Nov. DieBolksztg." weiß zu melden: Tie Vereinigung der polnischen Sozialdemo­kraten mit den deutschen Parteigenossen ist nunmebr unter gewissen Bedingungen zu stände gekommen. Es ist dies das Resultat einer Besprechung, die zwischen den Führern der sozialistischen Polen und dem deutschen Partei­vorstande hier in Berlin veranstaltet wurde, an der auch polnische Parteiführer aus Oberschlesien und Galizien teil­nahmen. Bon oen besonderen Bestimmungen der Verein­barung ist die wichttgste die, daß die innere Selbständig­keit der polnischen Partei gewahrt bleibt. Tie polnischen Sozialdenwk^pten entsenden Telegierte zum deutschenPartei- tage, der auch für die polnische Partei oberste Instanz in allen Parteifragen sein soll. Außerdem wurde festgesetzt, daß die Beschlüsse der letzten Parteikonferenzen beider Terle in Oberschlesien annuliert sind.

Leipzig, 19. Nov. Bei den Stadtverordneten­wahlen der dritten Abteilung siegten in sämtlichen Wahl­bezirken der Stadt die Sozialdemokraten mit großer Mehrheit.

Stuttgart, 19. Nov. Der schwäbische Dichter Pro­fessor Eduard Miller ist heute nacht in Buoch im Alter von 83 Jahren gestorben.

Brüssel, 18. Noo. Telorey erklärte einem Vertteter desPetit Bleu", die Buren geniale hätten beschlossen, die Rundreise durch Europa abzubrechen und nach Afrika zurückzukehren, um dort mit Chamber­lain zusammenzutresfen und ihm Aufklärungen über die Lage zu geben. Telarey fügte hinzu, daß Botha in London von einem ernstlichen Unwohlsein befallen sei.

Rom, 19. Nov. Die umfassenden Maßnahmen der italienischen Regierung gegen den Briganten Varsa­lon a erklären sich aus dem Umstande, daß der Brigant eine Räuberbande organisiert hat. Wie es heißt, kreuzen zwei Torpedoboote vor der Küste, um die Flucht des Bri­ganten und seiner Genossen über das Meer zu verhindern. Im Hause VarselonaS wurde dessen Privatvermögen

von mehr als 70 000 Lire konfisziert. In real wurden 28 Personen verhaftet, welche zu ben- Verbrechern in Verbindung gestanden haben.

Mailand, 19. Nov. TerCorriere della Sera" bew öffentlich: ein Interview mit dem Bruder des Attentäters Rubino. Derselbe erklärte bestimmt, daß sein Bruder^ sich niemals mit Politik befaßt und keiner Partei angehörti habe. Er sei leider in schlechte Gesellschaft geraten unbp habe seinen Verwandten schwere Sorge bereitet

Wien, 19. Nov. In ganz Oesterreich-Ungarn herrscht: strenges Frostwetter. Die Temperatur ist bis 12 Graof unter Null gesunken.

Fiume, 19. Nov. Tie Bora wütet andauernd mit) solcher Gewalt, daß die Passage in den Sttaßen, trobbem: überall Stricke gezogen sind, lebensgefährlich ist. Tie Arbeit im Hafen und die Schiffahrt ist eingestellt Tie Eisenbahn^ züge bleiben im Schnee stecken.

Athen, 19. Nov. Um 5 Uhr morgens fiel beim städti­schen Schlachtviehhofe ein schmutzig gekleideter Matrose auff der schwankend daherging. Er wurde von einem Jäger angehalten und zur Polizeidirektion geführt, wo sofort das. Verhör durch den Staatsanwalt begann. Der Verhaftete^ der seine Wochentags-Uniform und Mütze trug, an welcher jedoch der Namenszug des Schiffes fehlte, gab an, er heiße Johann Mager, fei Oesterreicher und nach Atben gesandt, um beim Kommandanten einen Brief abzuholen. Tiefer wohne in einem Hotel, das in der Nähe einer großen Bank liege. Er fei dem Schienenstrange folgend von Piräus zu Fnß gekommen, da der Offizier chm kein Geld gegeben habe. Tie Frage nach dem Namen des Kom­mandanten konnte er nicht beantworten. Ter Staatsanwalt fuhr am Nachmittag mit dem ergriffenen Kohler ab. Während der Fahrt gesta nd Kohler ein, den Mord an dem Unteroffizier Biedritzki begangen zu haben. Mithelfer habe er nicht gehabt Eine große Menschenmenge umstand den Bahnhof Piräus und folgte dem Transport des Gefangenen zum Polizei- gebäude. Hier wiederholte Köhler sein Geständnis. Er erzählte bann, daß er die vergangene Nacht in einer Höhlei bei dem Schlachtviehhofe zugebracht habe. Dem gänzlich erschöpften Mann wurde Kaffee und Brot gereicht. Am späten Abend, als er von Beamten nochmals ausgesucht wurde, wollte er nicht mehr sprechen und zeigte sich völlig apathisch.

Athen, 19. Nov. Der von dem deutschen Kriegsschiffe Loreley" verschwundene Matrose Kohler wurde heute ver- hastet.

Petersburg, 19. Nov. Tie ,Mjedomosti" bezeichn nen die Lage in Serbien als höchst kritisch und be­haupten, baß für ben 30.., als dem Jahrestage ber Hebung der Dynastie Obrenowitsch auf den Thron, ernsts Unruhen zu erwarten seien.

Petersburg, 19. Nov. Am letzten Samstag kam es zu bemerkenswerten Demonstrationen gelegentlich eines großen B a l l e s in den Räumen der Adels-Versamm­lung. Tas Fest war von mehreren tausend Personen be­sucht. Im Laufe des Abends kamen eine Anzahl von Stu­denten und Studentinnen von der Gallerte hercch und fang dabei den orthodoxen KirchengesangElviges Ge­denken" zum Andenken an den Mörder des Mi­nisters des Innern. Es entstand ein großer Tu­mult. Tie Polizei zeigte sich sofort und nahm einige Verhaftungen der Hauptanstister vor. Einige Offiziere, die dem Balle beiwohnten, wurden insulttert Man versuchte sogar das elektrische Licht abzudrehen, was aber mißlang. Tie Verhafteten sollen streng bestraft werden. Man be-- fürchtet, daß dieser «Vorfall nur den Anfang zu neue« Unruhen bildet

Gegen Schnupfen: Forman-Aether-Watte (Dose 80 Pfg.).

Arbeitsnachweis der Stadt Gießen

Garlenstratze 2 (BürgermeistereigebLude) Zimmer Nr. 14.

Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und ArbeiMehmern (Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln.

An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr unb von 8 bis 6 Uhr geöffnet

Angebot der Arbeitnehmer: 1 Zimmermann, 2 Wagner, 1 Schlosser, 1 Schmied, 2 Schuhmacher, 2 Bau- und Möbelschreiner, 2 Kellner, 1 Aushilfskellner, 12 Hausburfchen^ 1 Knecht, 5 Fuhr- knechte, 6 Taglöhner, 1 Kutscher, 1 Büreaudiener, 1 Fahrbursche, 1 Schneekehrer, 3 Lauffrauen, 2 Dienstmädchen, 2 Lausmädcher^. 1 Nähterin, 1 Büglerin, 1 Rleidermacherin.

Lehrlinge: 1 Kaufmann, 1 Metzger.

Nachfrage der Arbeitgeber: 1 Bauschpeiner, 1 verheirateter Herrschaitskiuscher, 1 lediger Herrfchaftskutscher, 5 Knechte aus Weih­nachten, 1 Hausbnrsche, 9 Dienstmädchen, 1 Zimmermädchen für 1. Januar 1903, 1 landwirtsch. Magd, 1 Lauffrau.

Lehrlinge: 1 Schneider, 2 Bäcker.

Bekanntmachung.

In das Handelsregister, Abt B, wurde heute eingetragen die Gewerkschaft Luse unb Ilsdorf zu Gießen mit dem Sitz in Gießen. Mitglieder des Vorstandes finb: Rittergutsbesitzer Theodor Schulze-Dellwig auf Haus Sölde bei Aplerbeck, Westfalen; 2. Simon Lessing, Kaufmann zu Bamberg; 3. Landrat Dr. jur. Carl Brügmann zu Saarburg; 4. Berg­werksdirektor August Münker zu Gießen, Repräsentant der Gewerkschaft. Letzterer ist berechtigt, die Gewerkschaft gericht­lich wie außergerichtlich allein zu vettreten. Gegenstand des Unternehmens ist die Ausbeutung folgender Eisensteinberg- werke: Luse und Ilsdorf bei Groß-Eichen und Ilsdorf, Hoffnung bei Stockhausen, Schöne Aussicht bet Freienseen, Eisen bei Merlau, Gehalt bei Solms-Ilsdorf, Dorothea Elisabeth bei SolmS-Ilsdorf, Maximus bei Lardenbach, Pauline und Carl bei Lehnheim, Vulkan, Neptun, Uranus, Mars, Minerva bei Laubach, einschließlich der dazu gehörigen Grundstücke und Waschanlagen, im Bergreoier Gießen ge­legen, sowie weiterer Bergwerke, die von der Gewettschaft erroorben werden. Ferner die Herstellung aller Anlagen und der Betrieb von Unternehmungen, welche die Ausbeutung und Verwertung der Produkte derselben verfolgen. Gewerk­schaft gemäß Bergges. vom 28. 1. 1876 und 17. 7. 1899, errichtet lt. Statut vom 14. 5. 1898, genehmigt von der Oberen Bergbehörde lt. Deeret v. 5. 8. 1898.

Gießen, am 10. Zlooember 1902. 8042

Großherzogliches Amtsgericht

Couvert? mit Firma liS

Vrühl'sche Universitäts-Druckerei.