Ausgabe 
18.9.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. SIS Erstes Blatt.

ISS. Jahrgang

Donnerstag 18. September 1SVS

Grschelnt tSglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem «elfischen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt

NotattonSdruck u. Ver­lag der Brü h l 'scheu Unwerf.-Buch- u.Stein- druckeret (Pietsch Lrben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schnlstratze T.

Adresse für Depescheur Anzeiger Gießen.

yernsprechanschluß Nr. 51.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

jährlich M. LL0; durch Avhstt- u. firodgfteHen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.L.viertel jährt ausscht Beslellg. Annahme von Anzeige« für bte TageSnumm« bis vormittag- 10 Uhr, ZeUenpreiS: lokal 1, Pt, auSwärtS SO Pfg.

verantwortlich» für den volit u. aUgem» teil: P. Witiko: für .Stadt und fiantr und .GerichtSfaak^r 6 art Plato: für den An» zeigenteil: Han-Beck.

Gießen, den 17. September 1902.

Betr.: Die Jahresberichte der Großh. Gewerbe-Inspektoren für 1902.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an Grotzh. Polizeiamt Gießen

<md die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Die für die diesjährigen Jahresberichte der Gewerbe Inspektionen zu veranstaltenden Erhebungen sollen auch im laufenden Jahre für die Gewerbeinspektionsbezirke in gleicher Weise wie in den Vorjahren vorgenommen und derart bewirkt werden, daß für jeden Gewerbebetrieb von dem Gewerbeunternehmer selbst ein besonderer Fragebogen ausgefüllt wird.

Zu diesem Zwecke werden Ihnen von unS Verzeichnisse der in Ihrem V^irke befindllchen, der Aufsicht der Groß- herzoglichen Gewerbeinfpektionen unterliegenden Fabriken und der diesen gleichgestellten Anlagen mit der erforder­lichen Anzahl Fragebogen übersandt werden.

Wir empfchlen Ihnen, die Fragebogen (III) allen denjenigen Personen Kur Beantwortung zugehen zu lassen, die nach den unten (Ziffer I) aufgeführten Gesichtspunkten hierbei in Betracht kommen, uno nach Wiedereinlangung ber Fragebogen das Ihnen zugehende Verzeichnis (For­mular II) mj ergänzen und richtig zu stellen.

Diejenigen von Ihnen, in deren Gemarkungen bisher keine Fabriken oder fonfl in daS Verzeichnis aufzunehmende Gewerbebetriebe bestanden haben, werden gleichfalls ein Verzeichnis (II) nebst einigen Fragebogen (HI) zum even­tuellen Eintrag oder zur Fehlanzeige erhalten. Im Falle deS Mehrbedarfs bleibt eS Ihnen überlassen, eine weitere Anzahl Forrnularien von der Großherzoglichen Gewerbe- inspektion Gießen direkt zu beziehen.

Wir bemerken ferner behufs richtiger Ausfüllung der Verzeichnisse und zu Ihrer Instruktion das Folgende:

L Tmszunehmen in die Verzeichnisse sind:

1. Fabriken, Hüttenwerke, Zimmerplätze und andere Bauhöfe, Werften und solche Ziegeleien,, über Tage betrieben« Bruche und Gruben, die nicht bloß vor­übergehend oder in geringem Umfange betrieben werden, soweit diese Anlagen nicht der Aussicht der Bergbehörde unterliegen;

. Berg werke, Salinen, AufbereitungKanstalten, unterirdisch betriebene Brüche oder Gruben und die Anlagen der unter Pos. 1 verzeichneten Art, soweit sie der Aufsicht der Bergbehörde unter­liegen:

8. Werkstätten, in denen durch elementare Kraft (Dampf, Wind, Wasser, GaH, Luft, Elektrizität re.) bewegte Triebwerke nicht bloß vorübergehend zur Verwendung kommen;

4. Werkstätten, aus die gemäß § 154 Abs. 4 der G.---O. durch kaiserliche Verordnung die Bestimmungen der KL 135139 der G.-O. ausgedehnt sind (Werk- stätteu der Kleider- und Waichekonfektion);

6. Anlagen, für die der Bundesrat gemäß § 120e oder § 139 a G.-O. besondere Vorschriften erlassen hat (88 197201 der Aussührungsanweisung zur Gewerbeordnung, Regierungsblatt 9tr. 1 von 1901).

IL Bei denjenigen Betrieben, welche im Jahre 1902 auf» gehört haben, ist eine diesbezügliche Bemerkung zu dem Verzeichnis zu machen.

Indem wir noch auf die Vorschriften unterß 163 ff. der Ausführungsanweisung zur G.-O). vom 10. Dezember 1900 (Regierungsblatt Nr. 1 vom 2. Januar 1901) ver­weisen geben wir hiermit ,der Erwartung Ausdruck daß Sie bei der Erhebung der Arbeiterzahlen Veranlassung nehmen werden, gleichzeitig eine Revision bezüglich der Arbeitsbücher, Anmeldung der jugendlichen Arbeiter, Ar­beitszeit, Plakate und Listen der jugendlichen Arbeiter rc. vorzunehmen.

Die Verzeichnisse nebst Fragebogen find uns spätestens bis zum 1. Oktober ds. IS. wieder vor­zulegen. Eine Verlängerung dieses Termins ist ausgeschlossen.

Dr. B r e r d e r t.

' Bekanntmachung.

Im Gehöft des Mühlenbesitzers Malthaei zur Stein­mühle bei Cappel ist Rotlaufs suche (Fleckrotlauf) fest­gestellt worden.

ES ist Gehöftsperre angeordnet.

Marburg, den 15. September 1902.

Der Königliche Landrat.

" Bekanntmachung.

In den Gehöften des Taglöhners Jakob Fr re ber ts- häuser zu Wehrshausen und des Johannes Klingelhöfer zu Caldern ist die Schweine-Rotlaufseuche aus­gebrochen.

ES ist Gehöftsperre angeordnet und der gememschaftliche Weidegang verboten worden.

Marburg, den 13. September 1902.

Der Königliche Landrat.

Volitische Tagesschau.

Kaiser und Erzbischof.

DerSüdd. Reichslorr." wird zur W^derleaung ge­wisser Gerüchte (wahrscheinlich aus geutluyen Posener Kreisen) geschrieben:Daß der Errbuchvf von Gnesen- Posen dem Empfang auf dem Bahnhofe fernblleb, geschah mit Wissen und Witten des Kaisers. Der Monarch hat ihn

dort nicht erwartet, auch nicht mit den Augen nach ihm gesucht, geschweige nach ihm gefragt. Aber weder wollte Herr von Stablewski während der Festtage dem Kaiser ausweicben, noch dachte der Kaiser daran, bei seiner An­wesenheit in Posen den Kirchenfürsten $u ignorieren. Für ihre Begegnung wurde nach beiderseitigem Wunsche die Form einer Privataudienz deS Erzbischofs gewählt. Die näheren Umstände des Empfanges hatte man schon vor dem Eintreffen des Kaisers in Posen festgesetzt. Es ging über diese Verabredung hinaus, war also eine spontane Auf­merksamkeit des Dr. v. Stablewski, daß er zur Begrüßung des Monarchen im Generallommando erschien. Der Kaiser ist denn auch natürlich nur angenehm überrascht ge­wesen, dem Erzbischof dort wider Vermuten zu begegnen."

Zum Fall Hildebrandt

erhielt dieser Tage von dem Landesrat Gräser ein Königs­berger Blatt folgende Zuschrift:

Als es bekannt wurde, daß der Oberleutnant Hildebrandt nach siebenmonatiger Festungshaft begnadigt und demnächst von seinen Kameraden in Gumbinnen in besonders herzlicher uno sogar feierlicher Weiseroeggctrunten" worden war, erhob sich beinahe in der gesamten Preße ein Lärm, welchen man nur mit dem Geschrei einer Herde von Schafen oder Gänsen" ver­gleichen kann. Man hatte die Frechheit, von Ehrenbezeugungen zu sprechen, welcheeinem Mörder zu teil würden", und ich wundere mich nur, daß Herr Hildebrandt nicht jede dieser Zeitungen wegen Beleidigung verklagt. Denn die Tötung im Zweikampfe unterscheidet sich vom Morde ungefähr so, wie die An­nahme eines Geschenkes vom Diebstahl, indem in den beiden Fällen des Zweikampfes und der Schenkung ans das in Betracht kommende Gut das Leben oder die geschenkte Sache verzichtet worden ist, und daher für einen widerrechtlichen Ein­griff in diese Rechtsjphäre kein Raum mehr ist: volenti non flt injuria. Aber diese frechen Schmähungen genügten noch nicht, um .Religion uno Vernunft, Recht und Sitte" zu retten, sondern es mußten alle die Personen, welche an der Ehrung des Herrn Hildebrandt, sei es wissentlich oder unwissentlich, beteiligt waren, beseitigt werden. So wollte es die »siebente Großmacht", die heilige Presse, und leider ist ihrem widerwärtigen Geschrei daS ge­wünschte Zugeständnis gemacht worden."

Wir geben diese Zuschrift ohne Kommentar wieder in der Voraussetzung, daß sich an sie eine Preßerörterung knüpfen wird.

Der Parteitag der freifinnigen Volkspartei

wird vom 25. bis 27. September in Hamburg stattfinden. Vom Abg. Dr. Wiemer ist ein längerer Antrag auf das Steuerwesen im Reiche eingegangen. Der Antrag bekämpft u. a. jede höhere Belastung des Massenverbrauchs durch indirekte Steuern, insbesondere jedwede Form einer Erhöhung der Brau st euer sowie einer höheren Belastung des Tabaks. Er bekämpft eineReichsfinanzreform", die auf Beseitigung oder Fixierung der Matrikulaä-etträge hin- ziell. Durch äußerste Sparsamkeit bei den vorhandenen Einrichtungen und strengste Prüfung neuer hervor tretender Bedürfnisse sei einer weiteren Steigerung der Ausgaben entgegenzuwirken. Für die Förderung des Klein­gewerbes tritt ein Antrag des Abg. Demmig-Hannover ein. Bon besonderer Bedeutung ist die Forderung der Er­leichterung zum einjährig-freüvilligen Dienst für die Hand­werker mit fachmännischer Schulbildung, auch wenn die­selben fremde Sprachen nicht verstehen.

Landtagsabg. Wenzel hat mit dem Abg. Kovsch den Antrag gestellt, daß das auf dem Nürnberger Parteitag aufgestellte landwirtschaftliche Programm auch weiterhin als die Grundlage im Zusammenwirken der Ge­setzgebung und Verwaltung und aller übrigen sitäfte des Volkslebens zur energischen Förderung der Landwirtschaft gelte. Insbesondere möge die Partei, wo irgend angängig, auf eine Entlastung der Gebrauchsgegenstände der Landwirtschaft und der Landwirte hin- wirken. Ferner beantragen dieselben beiden Abgeordneten zur Kräftigung des Bauernstandes und zur Beseitigung der Seutenot" die Vermehrung des mittleren und Heineren bäuerlichen Besitzes und die Ansiedelung von Arbeitern. Solche neue Besitzungen sollen in freien Besitz übergehen. Freie Bauern auf freier Scholle sei das Ziel neuer Ansiede­lungen. Im Interesse des Bauernstandes soll der Partei­tag protestieren gegen die Schaffung neuer Domänen und Fideikommisse. Ein Antrag des Justizrats Cassel-Berlin behandelt die Wohnungsfrage. In Bezug auf die zur Zett schwebenden Beratungen des Zolltarifent­wurfes hat der Abg. Stadtrat Fischbea den Aittrag ein­gebracht, daß der Partettag den zur Verhandlung stehenden Zolltarif für durchaus unannehmbar erachtet.

Russische Hochschul-Erlafse.

Selten hat das russ. Ministerium der Vollscrufklärung eine solche Fülle von Erlassen veröffentlicht, wie es im Laufe der letzten Atonate geschehen ist, Soeben sind wieder zwei erschienen, die die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich ziehen und wichtige Bestimmungen in Bezug auf die Universitäten enthalten. Der erste Erlaß gewährt den Studenten die Erfüllung eines lange gehegten, stürmisch geforderten Wunsches: es wird ein Universitäts-Ge­richt eingesetzt,' dessen Mttglieder gewähtte Professoren sind und das über alle geringfügigen Vergehen der Stu­denten disziplinäre Strafen verhängen darf. Die Strafen bestehen in Bemerkungen, Verweisen, in zeitweiliger und dauernder Enfernung von der Universität. Es wird be­stimmt, daß der Rektor, der die Anklage beim Universttäts- gericht erhebt, ebensowenig wie die Dekane zu den Mit­gliedern des Universttätsgerichts gehören dürfen. Nach den Urtetten der Blätter scheint man mit dem ersten Erlasse zufrieden zu sein. Weniger Befriedigung dürfte indes der zwette Ukas des Herrn von Sänger Hervorrufen. Derselbe verordnet zunächst für die Kurse in den einzelnen

Fakultäten gewisse Aufsichtsbeamte. Es werden ihnen Kuratoren vorgesetzt,' die vom Kurator des Lehr- bezirkS ernannt werden und denen eine Kommission aus Hochschullehrern *ur Seite stehen soll. Die Studenten ver­handeln mit diesen Kuratoren durch die Kursusvorsteber, die sie in besonders zu diesem Zweck einberufenen Ver­sammlungen erwählen. Diese Versammlungen ber Ange­hörigen eines Kursus derselben Famltät sind die einzigen, welche überhaupt gestattet sind. Alle allgemeinen Studentenversammlungen, ebenso die Entsendung von Deputationen, die Ueberreichung von Adressen, öffent­liches Redenhalten, sowie die Veranstaltung von Samm­lungen sind verboten. Dagegen können die Studenten Verbände gründen, die wissenschaftlichen und itterarischen Zwecken dienen, vorausgesetzt, daß ie unter der Leitung des Rettors bleiben. Dre Entschei- iung über die Gründung von Lesehallen, Bibliotheken, tudentischen Speisehäusern und Kassen bleibt allein der Universitätsobrigkeit Vorbehalten. Wir zweifeln daran, daß dieser Erlaß sehr viel Befriedigung unter der russischen Studentenschaft erwecken wird. Schließlich sei erwähnt, daß der Minister ausdrücklich erwähnt, die Studentenkorpo­rationen, welche an manchen Hochschulen existieren, sollen erhalten bleiben. Darunter können nur die deutschen Verbindungen in Dorpat und am Rigaer Polytechni­kum gemeint sein. Die Gewißheit, daß Herr von Sänger dem deutschen Studententum nicht abhold ist, wttd in den Ostseeprovinzen mit Genugthuung entgegen genommen werden.

per sozialdemokratische Farteitag

beschäftigte sich am zweiten Verhandlungstage wie bereits gemeldet, in urwüchsigster Tonart mit derNeuen Zett" und berSoz. MoncttLy." Während der Debatte erwiderte ber bekannte Genosse Kautsky, es sei das Zeichen einer gewissen Greisenhaftigkeit, wenn man großes Gewicht auf den guten Ton lege; aber ttotzbem war manchem Genossen ber Ton boch gar zu jugendlich. Einige machten kein Hehl daraus, daß ihnen diese Erörterungen außerordent­lich unsympatisch waren. Ein Genosse aus Höchst gab den Akademikern den Rat, sie möchten zwei ober drei Tage vor dem allgemeinen Parteitage ihren besonderen Tag abhalten und chre Streitigkeiten dort austragen. Der alte Auer verspottete in feinem Schlußworte die Theore­tiker in ber Partei, die erKirchenVäter" nannte^ in ergötzlicher Weise. Er meinte, er habe sich in den Streit bieser Kirchenväter nicht eingemifcht; er fei ein viel zu alter unb schlauer Fuchs, als baß er unprobuktive Arbeit leiste. Ulrich aus Offenbach meinte, bie ttfiererei oer Theoretiker finde bei der breiten Masse keinen Resonanzboden; wenn bie Autoren, die da glaubten, Ar­tikel von weltgeschichtlicher Bedeutung geschrieben zu haben, hören könnten, wie die Masse barüber beule, so würden sie von ihrer Bebeutung nicht so überzeugt sein. Er machte den Vorschlag, man solle einfach alle Theore­tiker einsperren, bis sie sich gegenseitig auf­gefressen hätten. Nach der Lektüre eines Artikels von Bernstein ober Kautsky frage sich mancher, was sie denn eigentlich)! gemeint hätten, und wenn man sich wegen der Erklärung ber Artikel an bie Herren selbst wende, weiß man trotz langer Vorträge erst recht nicht, was sie eigent­lich gewollt hätten. Laßt doch, so rief er schließlich, eure talmudistische Wortklauberei fein!

Die Theoretiker führten ihre Schhe nicht ungeschickt. Heine warf den Genossen, die eine Art lttterarischen Maulkorbsgesetzes einführen wollten, vor, daß sie den Gegnern wiederum die Möglichkett gegeben hätten, von Zuchthaus st ätte der Sozialdemokratie zu reden. Hin und wieder versicherte man sich gegenseitig der Einigkeit in der Sache. Auer nahm in seinem Schluß­worte selbst Gelegenheit, davor zu warnen, baß man immer mit bem Auseinandergehen drohe. Die Debatte brachte eine Fülle von höhnischen und beleidigenden Zwischenrufen, bei denen and)Lüge" unbUverschämt- beit" nicht fehlten, Lärm und Zischen, viel maliziöse Bosheit und deutliche Anzeichen von respektablen Por­tionen gegenseitigen Hasses. Endlich schlossen nach einem Austausche persönlicher Bemerkungen diese Erörterungen. Der Antrag, der dazu Anlaß gegeben hatte, wurde zurück­gezogen.

In der Nachmittagsitzung wurde die Polenfrage behandelt. Man ging mit den polnischen Genossen ins Gericht, die polnische Sonderkandidaturen aufgestellt hatten. Die von Rosa Luxemburg eingebrachte scharfe Re­solution wurde von Bebel etwas gemildert, damit noch einmal die Möglichkeit einer Verstänmgung geboten werde. In einer persönlichen Bemerkung erklärte Rosa Luxemburg: Zu den Ausführungen des GenossenLedebourski" (Stür­mische Heiterkeit) werden bie Polen sagen können: Gott schütze uns vor unseren Verteidigern. (Große Heiterkeit.) Ich glaube, baß Jugenb ebensowenig eine Entschulbigung für politische Unklugheit ist, als vorgeschrittenes Mer vor Dummheit schützt. (Heiterkeit und Unruhe).

Ledebour (persönlich): Mit der Polonisierung mei­nes Namens hat die Genossin Luxemburg wieder eine An­leihe beimKnuten-Oertel" gemacht. (Heiterkeit.) Knuten- Oertel (der bekannte Redakteur des agrarischenDtsch. Tageszta." Dr. Oertel ist mit diesem Koseworte gemeint. Oertel stellt übrigens in seinem Matte in Abrede, daß er mit Ledebour jenen schlechten Scherz im Reichstage gemacht habe. D, Red. d.Gieß. Anz.") nannte mich so im Reichstage nach meiner Rede, bei der ich mich im vollen Einverständnis mit der gesamten Fraktion befand. Rosa Luxemburg imitiert hier Knuten-Oertel mit derselben Ten­denz. Das macht einen eigentümlichen Eindruck, da die Genossin Luxemburg auch in Polen geboren ist, und da fte,