Ausgabe 
18.8.1902 Zweites Blatt
 
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Politische Tagesschau.

Die chanviuistffche Tonart des französischen Krirgsministers.

Die beiden, von uns bereits am Samstag mitgeteilten Reden, die der französische Kriegsmtnister Andre in Villefranche ge­halten hat, haben^vegen ihresHinweises auf dieRevanchc, die nach dresen Ausführungen die Armee Frankreich in der Zukunft bringen soll, doch ein gewisses Aufseheu im Ausland erregt. Es ist so häufig in jüngster Zeit von den Ministern und auch von dein Präsidenten der Republik betont worden, Frankreich wünsche, erstrebe und brauche den Frieden, daß der Rückfall in drohende Phrasen als ein seltsames Symptom erscheint. Der Kriegsminifter mag nut diesem ganz außerhalb seiner Befugnisse liegenden Vorstoß einesteils seinem Ministerkollegen Lombes einen Freundschaftsdienst haben erweffen wollen; zum anderen Teil weisen seine Worte auf den unüberbrückbaren Gegensatz hin, in dem er sich zur Armee befindet. In dem stark royalistisch gesinnten OffizierkorpS wächst die Erbitterung gegen den KriegSminister von Tag zu Tag. Die Maßregelung des OberslleutnantS v. St. Remy hat die Begeisterung für ihn nicht vermehrt; aber auch sonst wirft man ihm vor, daß er mit unglaublicher Willkür gegen die Offiziere und deren religiöse Ueberzeuguug vorgeht. Französische Blätter berichten dabei auch von einer Art französischen Falles Löhning:

Im vorigen Jahre hat Kriegsminifter Andrs das gesanrte Offizierkorps des in Fontainebleau stehenden Dragoner-Regiments versetzt, die Stabsoffiziere und Rittmeister bestraft, weil die verheirateten Offiziere sich weigerten,

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gering, vielfach mußte eine ganze Kompagnie Infanterie, einmal auch mir einem Geschütz, gegen die bewachten Schulen Vorrücken. Dabei ereignete es sich denn, daß ein Oberst fich weigerte, dem Befehl zu gewaltsamem Vorgehen nach- zuLnrrmen. Weiter hatte der Präfett von Finiftöres zu­gesagt, der Regierung den Wunsch des Admirals Cuverville zu übermitteln, das Dekret über tue Schließung der Schulen vor den Staatsrat zu bringen, in welchem Falle die Nonnen fich der Entscheidung des Staatsrats fugen würden. Die Regierung hat diesen Vorschlag zurnckgewiesen.

England hat nun nach all den Aufregungen, die es nach dem Kriege durch die Kröuungsfeierlichkeit durch- zumacheu hatte, seine Ruye wieder. Eduard VII. ist in der LLestminsterabtei zu London feierlich gekrönt worden und hat alle Sttapazeu der mehrtägigen Festlichkeiten gut über­standen. Gegenwärtig erfreut man sich in London des Besuches des Schahs von Persien. Der Prinz von Wales hat chn am gestrigen Sonntag in London empfangen. Der Schah wird, da infolge der Abwesenhett des Königs von London wenig für chn geschehen kann, die Jndusttie- Zerttren Englands bereisen. Auch die großen Burengenerale Botha, Dewet und Delarey sind in London einge­troffen. Wie der Sekretär Bothas mitteilt, reisten die Ge­nerale nach London, ohne au der Flottenparade von Spit- head, über die wir heute an anderer Stelle berichten, teil­zunehmen, weil sie seit dem Friedensschluß noch nicht zur Ruhe gekommett seien und jetzt auszuruhen wünschten. Sie würden sich, wie derselbe Herr versichert, freuen, den Jtörrig zu sehen, falls der König dies wünsche.

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rourf, daß er höhere Offiziere, die an den Gebraten der k a t h o - lischen Kirche tellnehmen, von der Beförderung ausschließt und er hat im Oktober o. I. thatsächlich auch die­jenigen Leute, welche sich um Freiplätze in den Schulen von St. Cyr bewarben, ohne weiteres zu rückgewi es en, wenn sie aus von Geistlichen geleiteten Schulen kamen. Für das Heiraten der Offiziere hat er alle beschränkenden Bestimmungen, wie z. B. Nachweis von Vermögen, aufgehoben und es kann nun jeder Offizier jedes beliebige Mädchen heiraten, wenn sie nur das vom Genbarmen desWohnortes aus­gestellte Leumundszeugnis beümngen kann. Im vorigen Jahr wurde der General Bourgogne einer von ihm ver­öffentlichen Broschüre wegen ohne weiteres verabschiedet und im Januar d. I. wieder angestellt, weil der Minister die Beschwerde des Generals im Senat zu gewärtigen hatte. Im Juli d. I. be­klagte sich imGaulois" der Oberst Heiligmeyer vom 1. Kolonial- regiment über die Rücksichtslosigkeit, daß man ihn, obgleich er in -eyn Monaten die Altersgrenze erreicht, nun nochmals nach Tonking sendet. Bei Verabschiedung von feinem Regiment wünscht er int Tagesbefehl seinen Kameraden, daß sie am Ende ihrer Laufbahn besser behandelt werden und er protestiert gegen diese Behandlung, die ihm nach 22 Feldzügen zu teil geworden ist.

Solche und ähnliche Fälle werden in den großen poli­tischen Blättern fortgesetzt besprochen; eS geht daraus hervor, daß sich seit Andres Ministerschast jeder Offizier, der mit seinen Vorgesetzten unzufrieden ist, unter ausführlicher Dar­legung seines Falles an die breite Oeffentlichkeft wendet, ein für das soldatische Auge gewiß eigenartiges Bild. Der Ton, in dem die nationalistische Preffe den Kriegsminister behandelt, entspricht denn auch der Stimmung im OffizierkorpS. Der GauloiS" nannte ihn einenDon Ouichote" mit der be­rühmten Rosinante, die seit 48 Stunden keinen Hafer gesehen, undL'Jntransigeant" erzählt, daß in einer Kürassierkaserne in Fontainebleau eine Anzahl von TySenterie-Fällen vorge­kommen seien, daran wäre der Genuß von schlechtem Wasser schuld.

Der Trunkenbold Andrö", fährtL'Jntransigecmt" fort,kollert unterdessen von Bankett zu Bankett. Alle Tage wurde dieser elende Trunkenbold in den Rinnsteinen auf- ; ekesen. Er hat einen so unwiderstehlichen Abscheu vor dem Wasser, daß ihm die Versorgung der Armee mit dieser Flüssigkeit ganz untunlich erscheint. Natürlich, ein Kriegsminister, der schon eit langer Zeit keinen Tropfen Wasser in seinen Abfvnt gemischt hat, kann dieser Frage keinen Geschmack abgewinnen. Gegenwärtig begiebt sich der ministerielle Trunkenbold nach Bonville, angeblich um dort den Divisions-Manöoem beizuwohnen."

Diese kleinen Stichproben genügen, um neben an­derem zu zeigen, bis zu welchem Grade von Verhetzung daS Hineintragen von Politik in andere Dinge Ahrt. Und wenn man auch den Umstand in Rechnung zieht, raß der republikanische StaatSgedanke die Verhältniffe im ranzösischen OffizierkorpS ohnehin schwierig macht, der redselige Kriegsminister trägt wenig dazu bei, die fich daraus ergebenden verhängnisvollen Gegensätze auszugleichen.

Bei unS zu Lande wirkt natürlich alles Revanchegebrüll nur lächerlich. Zudem hat, wie wir ja wissen, unser ftaifer in R eval den politffch nicht hoch genug zu veranschlagenden Erfolg gehabt, die Zurückhaltung zu überwinden, die der Zar selbst dem Kaffer gegenüber bei allem sonstigen gegen­seitigen Einvernehmen bisher noch immer beobachtet hatte. Die beiden Monarchen sind, wie wiederhott sehr bestimmt auf beiden Seiten versichertwurde, mit der rückhaltlosesten

Allszaz ans iikll Kirchelllmcheril irr Stadt Sießtn.

Evangelische Gemeinde.

Getraute. Matthäusgemeinde. Ten 9. August Peter Schomber, Taglöhner zu Gießen, und Franziska Kaczmarek, Tochter des oerftorbenen Arbeiters Stanislaus Kaczmarek zu Bary (Kreis Wrefchen). Ten 10. August. Otto Willy Müller, exhloffer zu Gießen, und Karoline Eharlotte Marie Meinhardt, Tochter des Obst- und Gemüsehändlers Christian Meinhardt zu Gießen. Markusgemeinde. Den 14. August. August Albert Georg Nikolaus Schönwetter, Lehrer zu Mensfelden, und Mathilde Stock­baufen, Tochter des Bäckers und Mirts Julius Stockhausen zu Allendors a. d. Eder. Lukasgemeinde. Ten 10. August. Johann Jakob^Laun, Schuhmacher ju Gießen, und Elise Kreiling, Tochter des Taglohners Johannes Kreiling zu Gießen. August Haberkorn, Forstasseffor zu Treieichenhain, und Johanna Mathilde Elisabeths Hermann, Tochter des Kaufmanns Heinrich Karl Hor- mann zu Gießen. Johannes gemeinde. Den 10. August. Geora Ludwig Heinrich Beck, Großh. Steueraufseher zu GietzQ: und Anna Luise Spies, Tochter des Fuhrunternehmers Christoph Spies zu Gießen. Den 12. August. Kaspar Otto Urftabt, Ober­lehrer am Gymnasium zu Gießen, und Marie Wilhelmine Henriette Karoline Luise Tiehm, Tochter des Kaufmanns Franz Tiehm zu Lauterbach.

Getaufte. Matthäusgemeiude. Den 10.August. Dem Dachdecker Wilhelm Fischer eine Tochter, Marie, geboren bet 24. Juli. Dem Lokomotivheizer Heinrich Etzelmüller eine Tochter, Marie Lina, geboren den 1. Juli. Dem Bureauvorsteher Heinrich Rothe ein Sohn, Johann Georg Heinrich, geboren den 25. 9)Iol Den 12. August. Dem Barbier Adolf Langsdorf ein Sohn, Albett Hermann, geboren den 16. Juli. Markusgemeinde Den 10. August. Dem Lokomotivheizer Konrad Alt em Sohn, Heinrich Johann, geboren den 12. Juli. Dem Lokomotivheizer Ludwig Äff eine Tochter, Ottilie Amalie Helene, geboren den 22. Juli. Den 14. August. Dem Gastwirt Michael Kreiling eme Tochter, Philippine Marie Anna Hedwig, geboren den 11. 5silli. Lukasgemeinde. Ten 10. August. Dem Bahnarbeiter Philipp Bohrmann eme Tochter, Ella Maria Getrude Friederike Kathanne, aeboren den 17. Juli. Dem Schlosser Johannes Roth eine Tochter, Marie, geboren den 15. Juli. Dem Schuhmacher und Witt Louis Luter em Sohn, Erich, geboren den 11. Juli. Jo Hannes- gemeinde Den 10. August. Dem Straßenkehrer Daniel Müller eine Tochter, Johanna Sidonie Margarethe, geboren den 11. Juni. Dem Schuhmacher Robert Mader ein ^ohn, Georg Johannes Rodert, geboren den 12. Juli.

Beerdigte. Johannes gemein de Den 13. August Ehristine Rühl, geb. Wagner, Witwe des Werksührers Theodor Rühl, 64 Jahre alt, starb den 11. August.

W.McnieurLW^ allen Fächern des Baufaches^ Off. erb, unter Nr. 03491 an die (^p. süchtige Leute suchen eine gut» ~ gehende Wirtschaft. Kaution kann m jeder Höhe gestellt wer­den. Offert, mit. A 03499 an die Gxped. d. Bl. abzugeben.______

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Fetten Nachhilfestunden. Off. unter Nr. 03530 an die Exped.

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