Ausgabe 
18.9.1902 Erstes Blatt
 
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tote mir mitgeteilt wird, selbst einmal bemüht war, in der polnischen Bewegung eine Rolle zu spielen. (Lebhafter Beifall und Heiterkeit.)

Genossin Luxemburg: Ich kannte den Ursprung des Ausdrucks nicht. Ich hörte den Namen von Delegier­ten, die zum Kreise des Genofsen Ledebour gehören, unb ich glaubte, daß der Name eine ganz andere Bedeutung habe. Wenn Genosse Ledebour (Ruf: Ledebourski! Heiter­keit^) über polnische Tinge spricht und sich als Kenner pol­nischer Verhältnisse aufspielt, so sollte er die Verhältnisse auch kennen. (Beifall und Unruhe.)

Dr. Ledebour: Ich lehne die Ehre ab, Vertreter der Dolen zu sein, ich habe nur meine Pflicht als Partei­genosse erfüllt. (Gelächter.)

Au er: Man müsse den Polen die Hand reichen und dürfe nicht einen Vorwurf erheben, wenn einmal ein pol­nischer Genosse, der irgendwo irgendeinmal ausgeschlossen sei,' bei uns wieder ausgestellt werde; die Genossin Rosa Luxemburg sei ja auch irgendwo ausgeschlossen worden, es wäre doch noch schöner, wenn man deshalb sagen wollte: Unsere Rosa ist nicht ganz koscher.

Rosa Luxemburg bittet nochmals um5 Wort. (Un­ruhe und Zurufe: Geh, hör' doch endlich auf! So eine Schwätzerin! Schon wieder Rosabella! Schluß! Singer ersucht, die Zwischenrufe zu unterlassen.) Rosa Luxemburg: Ich habe nur noch Gen. Auer zu sagen, daß er ja auch heute wieder auf faeine Abstammung und Vergangenheit angespielt hat. Ich bin hier zugleich als, Bertteterln der Stadt Rawitsch in Posen delegiert. (Hört! Hört! Heiterkeit.) Und da möchte ich dem Genossen Auer mitteilen, daß dort bereits der Gedanke erwogen worden ist, ihn zum Ehren­bürger von Rawitsch zu ernennen. (Auer verneigt sich dankend. Stürmische Heiterkeit.)

Zum Schlüsse wurde die übliche Resolution über die Maifeier angenommen und ein Düsseldorfer Antrag, daß man energischer als bisher für Arbeitsruhe ein­treten solle, abgelehnt, well ein solcher Antrag zu bla­mabel sei.

Auf der Tagesordnung am Mittwoch stand der Bericht Über die parlamentarische Thätigkeit, den Ro- f e n o w - Berlin erstattete. Dieser betonte, daß er den Zolltarif für eine Mißachtung des deutschen Volkes halte. An der Verschleppung der Verhandlungen Über den Zolltarif seien nicht die sozialdem. Abgeordneten schuld sondern, die Regierung und die Mehrheitsparteien. Tie Fraktion sei bemüht, mit aller Macht gegen den Zoll­tarif zu arbeiten. Müller- Hamburg meinte, die Fraktion habe recht daran gethan, daß sie gegen die Seemannsord­nung gestimmt habe, da diese nicht den Schutz gewähre, der verlangt werden könne und müsse. Hoffmann- Ham­burg befürwortete einen Antrag, daß die Fraktion dafür eintreten solle, daß alle Personen, welche gegen Gehatt oder Lohn beschäftigt sind, der Versicherungspflicht unterliegen, wenn ihr Verdienst 2000 Mark nicht Übersteigt. Welf-Berlin sprach sich gegen die Einbringung eines Anttages im Reichstage auf Einführung des Achtstunden­tages aus. Weinschild-Osfenbiach trat dafür ein, daß alle in der Heim-Industrie beschäftigten Porteseuille- arbeiter dem Jnvaliditäts- und Unfall-Gesetz unterworfen fein sollen und daß alle Heimarbeiter, die nur gegen Lohn beschäftigt sind, dieselben Vorteile der Gewerbe-Novelle wie die §06riEarbeiter genießen. Fischer- Priesnid meinte, ein Initiativantrag könne in diesem Jab re im Reichstage nicht mehr eingebracht werden. Man solle es der Fraktion Überlassen, im günstigen Augenblick einen Antrag auf Ein­führung des Achtstundentages einzubringen. Nachdem sich noch einige Redner für die Einbringung deS Anttages auf Einführung des Achtstundentages ausgesprochen hatten, wurde die Sitzung vertagt.

Zum Schluß wieder ein Zitat aus denMünch. N. Nachr.":Die besitz- und vermögenslosen Bürger, die nach München entsandt waren, die Delegierten, machten einen nicht ganz proletarischen Eindruck. Gut genährt, gut gekleidet, die stattliche Uhrkette über dem runden Bauch, da und dort eine noch verräterischere Busennadel oder ein Fingerring (nicht etwa der Ehering), boten die durchweg intelligent aussehenden Delegierten einen sehr befriedigten und friedlichen Anblick, der noch erhöht wurde, als der Typus des Proletariers, der gänzlich ver­mögens- und besitzlose Jude Singer, mit Herrn von Boll- mar den Vorsitz einnahm. Wie sich doch die Zetten ändern! Keine blutroten Draperien mehr. Keine Kriegs­ahne hängt in den Saal herab. Festlicher Guirlanden- chmuck, Fahnen in den Landes-, Provinzial- und Stadt- ärben der Orte, wo die Parteiversammlung schon zuvor getagt, das Rednerpult gut bürgerlich mit den bayrischen und Münchener Farben weiß-blau und schwarz-gelb ge­ziert, machte sich ganz respektabel, gut bürgerlich, und die in der übrigen Farbensymphonie unvordringlichen roten Mittelfahnen in den Fahnenbündeln über den Stadt­wappen und bie abseits stehende weibliche Büste mit der phrygischen Mütze waren der einzige sozialdemokratische Firlefanz."

Aus Stadt und Land.

Gießen, 19. September 1902.

" Die Bäcker und Brotfabriken in Frankfurt haben beschlossen, den Brotpreis pro Pfund um einen Pfennig herabzusetzen. Hoffentlich finbet dieser lobenswette Vorgang auch in anderen Otten Nachahmung.

c. Burkhardsfelden, 15. Sept. Aus der heutigen Kirchweih kam es zwischen Arbeitern G. und H. von hier sowie einem Arbeiter M. von Reiskirchen zu einer Schlägerei. G. und H. bearbeiteten M. und dessen Frau, die bewußtlos zusammenbrach und weggetragen wurde. Jedoch bald er­holte sie sich wieder. 2)1, der sich in ärztliche Behandlung begeben mußte, hat die Sache zur Anzeige gebracht.

6. Bad-Nauheim, 17. Sept. Nachdem S. Königl. Hoheit der Großherzog schon gestern unserer Stadt im strengsten Inkognito per Rad vom nahen Schlöffe Fneoberg aus einen Besuch abgestattet und die Sprudelanlagen besich- Hgt hatte, kam er heute nachmittag um 6 Uhr per Wagen hier an, um den höheren Offizieren im KurhauL ein großes Essen zu geben. Der Großherzoa fuhr durch die reich geschmückte Stabt Frankfutterstraße, LubwigSstraße, Park- slraße, Terrassenstraße und erteilte den folgenben Herren Audienz: den staatlichen Behörben, bem Kurbirektor Kammer- Herrn v. ©reiman, dem Vorstand der Babebirektion Bau- rat Dr. Es er, dem Bergrat Hentschel, bem Bürgermeister Wörner, bem Postdirektor Münch, den Pfarrern Wlssig, Erker und Rev. Heywood, und den Aerzten: Geh. Mebizinalrat Dr. Abes, Mebizmalrat Professor Dr. Groebel, Professor Dr. Schott und Tr. Wachenselb. Danach begann das Essen im großen Speisesaal des Kur­

Vermischtes.

Bonn a. Rh., 17 Sept. Aussehen erregt hier bie Verhaftung beS Theaterbirektors Robert Over­weg, ber im verflossenen Winter unter ber Bezeichnung Neues Theater" ein zweites Theater-Unternehmen in Bonn inS Leben gerufen hat. Overweg soll sich bes vollenbeten Betruges unb beS BettugSversuchs schulbig gemacht haben. Außerbem liegt ber Verbacht ber wibernatürlichen Unzucht gegen ihn vor.

* Dover, 17. Sept. Der Italiener Marinelli ist gestern hier eingetroffen mit der Absicht, den Kanal zu durch­schwimmen. Marinelli hat bereits bie Meerenge von Messina burchschwommen.

Innsbruck, 17. Sept. Die Leiche des im vottgen Jahre an der Praxmarkarwand im Karwendelgebirge ver­unglückten Innsbrucker Alpini st en OttoMelzer wurde durch hiesige Monteure und den Bergführer (Sentner heute zu Thal gebracht. Die Leiche war sichtbar, aber ttotz monate­lang er lebensgefährlicher Versuche bisher nicht zu erreichen.

'Hall (Tirol), 16. Sept. Der 26jährige Theologe W. Badroff aus dem Elsaß ist seit dem 80. August ver­schwunden.

' Agram, 17. Sept. In Semovce roütet ein furcht­barer Brand. 150 Gebäude, darunter Schulen und Kirchen, sind eingeäschett, drei Personen verbrannt.

* Konstantinopel, 17. Sept. Ter SanitätSrat be­schloß, den DampferJsmailia", auf welchem einEholera- f all vorkam, nach Alexandrien zurückzusenden.

' Diebstahl. Wie ein Telegramm auS Hamburg meldet, stahl in der dortigen Filiale der Dresdener Bank ein unbekannter junger Mann 60 Hundertmarkscheine, während der Schalterbeamte eine zum Verkauf angebotene gestohlene Aktie prüfte. Von dem Dieb fehlt bis jetzt jede Spur.

' Meuterei. Im Lemberger Gefängnis brach unter den Sträflingen eine Meuterei au§, angeblich wegen schlechter Kost. Die Einrichtungen der Zellen und Werkstätten wurden zettrümmett. Mllitär wurde geholt, um bie Deh­nung roieber herzustellen.

' DaS häusliche Leben beS Zarenpaares schilbett ein Artikel im CoSmopolitan, auS bem wir einiges roiebergeben. Das häusliche Leben beS Zarenpaares verläuft sehr einfach unb fast ohne (Zeremonien. Der Zar trägt im Schloß ein einfaches russisches Kostüm. Er ist sehr ruhig unb sanft, aber babei bestimmt. TaS Diner besteht nur auS wenigen Gängen. Der Zar verabscheut Bankette und bei großen Staatsdiners kann man sehen, wie sehr ihn das lange Menu langweilt. Den Rest des Abends bis 10 Uhr ver­bringt er gewöhnlich mit den Mitgliedern seiner Familie. Nach 10 Uhr zieht er sich m sein Arbeitszimmer zurück und um 12 Uhr pünktlich geht er zu Bett. Hofbankette unb Festlichkeiten unterbrechen bisweilen ben regelmäßigen LebenSgang, aber bie Minister suchen so viel als möglich seine Arbeitsstunden nicht zu unterbrechen. Die Etikette ist seit der Thronbesteigung SlifolauS ll. weniger streng ge­worden; ferne Untertanen haben leichten Zutritt zu chm.

hauseS, an dem u. a. auch Prinz Karl von Hessen teil nahm. Der Pächter deS Kurhauses, Herr Moder, hatte mit großem Geschick das Essen arrangiert und unter feiner umsichtigen Leitung klappte alles ganz vorzüglich, was um so mehr anettannt werden muß, als zugleich etwa 200 Offiziere in anderen Sälen speisten und auch bas Souper ber vielen Kurgäste zur gleichen Zett stattfanb. Tas Menu ber Großherzoglichen Tafel lautete:

Potage Cf6me de Vollaille

Petetee caisses de ris de veau Truites de Taunus au bleu Selle dagneaa

Cotelettes de foie gras

Faisans flanques de perdreaux Cöleris äla mobile Parfait dAnanas Dessert.

Gegen 8*/, Uhr wurde ber Kaffee im oberen Saale bes Kurhaufes eingenommen unb bann begann bas prächtige Feuerwerk mit ber Beleuchtung bes Parkes unb ber Sprudelquellen. Das Wetter hatte sich vollständig auf« geheitert unb so konnte ber Großherzog unb sein Gefolge, darunter auch bie Prinzessin von Battenberg, auf bas Beste ben imposanten Anblick genießen, ben Sprubel XII in voller Stärke, 16 Meter hoch, springen zu sehen. Stuf ber Terrasse vor bem Kurhaus wogte bie Menge ber Kurgäste bei ben Klängen ber Musik, unb im Park unb an ben Sprubeln weilten die Soldaten derblauen" Armee, die morgen in aller Frühe gegen ben Feinb, bietote" Armee marschieren müssen. Manchem Soldatenherzen wirb ber Ab­schieb schwer, benn in unserem Babeotte finb gegenwärtig immer noch etwa 2000 weibliche Angestellte, bie bem zweierlei Tuch eine große Begeisterung entgegen gebracht haben.

Mainz, 16. Sept. Abermals ein Festungs- thor gefallen. Ganz in aller Stille hat sich in unserer Stabt abermals eine Veränderung in dem seit­herigen engen Festungsgürtel vollzogen, indem eines jener Bollwerke beseitigt wurde, welches die innere Stadt von der äußeren Befestigung trennte. Durch das Machtwort des Kaisers wuroe bekanntlich vor einigen wenigen Jahren die Nordwestseite des Festungsgürtels als Befestigung auf­gehoben und alsbald wurde der an das Mombacherthor angrenzende Festungswall auf eine bedeutende Strecke durchbrochen und an dessen Stelle erhebt sich heute das neue Gebäude einer Ka v alle r ie kas e r n e mit seinen weit ausgedehnten Stallungen und Hofräumen, welches in einigen Tagen von den bislang in Bockenheim liegen­den Husaren bezogen werden wird.

" Kleine Mitteilungen aus Hessen unb den Nachbarstaaten. In Gelnhausen starb infolge eines Schlaganfalles ber in weiten Kreisen bekannte Kaufmann Moses Silberschmibt. Der Verstorbene war eine lange Reihe von Jahren Mitglieb ber stäbtischen Körperschaften unb ge­noß burch sein schlichtes, charakterfestes Wesen unb seine auf bas Wohl seiner Vaterstadt gettchteten Bestrebungen bie Ach­tung seiner Mitbürger. An ber Eschersheimer Landstraße Nr. 27 in Frankfurt erhebt sich ein stattlicher Neubau, ben bie im Jahre 1888 gegrünbeteFrankfurt-Loge XX 392 N. 0. B. B." geschaffen hat.

Die Bauern reifen meilenwett, um ihm eine Bittschrift Hu bringen, ba sie wissen, baß ber Zar sie persönlich in Empfang nimmt unb selbst lieft, was sie geschrieben haben. Er ist in ber Ocffentlichkeit em fr, aber im Privatleben scherzt et gern unb neckt bie Mttglieber seines intimen Kreises. Die Zarin ist fast immer mit dem Zar zu­sammen; sogar wenn er arbeitet unb wenn Staatsmänner zum Vortrag kommen, bittet ber Zar seine Gemahlin oft, zu bleiben. Tie Bälle unb Bankette im Winterpalast sind wegen ihrer Pracht berühmt, desonbers baö Neujahrsfest. Bei ben Soupers für 300 ober 400 Gäste wirb oft eine in ihrer Art einzige Dekoration eingeführt. Große Orangenbäume in Kübeln stehen auf der Erbe zwischen den langen Tischen, in benen ein Raum für ben Stamm aus­geschnitten ist, sobaß bas reiche Laubwerk unb bie Früchte bie Tische beschatten. Alle Kochgeräte sind aus massivem Silber. Die Gewürzkasten in ber Küche finb aus massivem Golb mit bem kaiserlichen Wappen unb bie Feuerrvste unb öefen finb mit Silber eingefaßt. Der Zar besitzt bie größte Porzellan­sammlung ber Welt. Er hat bas Porzellan, bad allen russischen Herrschern bis zurück zu Katharina ber Großen ge­hörte, unb bie)e8 Porzellan ist in riesigen Wandschränken un Winterpalast untergebracht.

* Buren-Over st Schiel, der todesmutige Kämpfer auf dem Schlachtfelde von Elandslaagte, hat während der Gefangenschaft in St. Helena feine abenteuerreichen Er­innerungen niedergefchneven unter dem Titel:23 Jahre Sturm und Sonnenschein in Südafrika", das er der Verlagsfirma F. H. Brockhaus in Leipzig zur Ver­öffentlichung anvertraut hat. Jede Seite des Manuskrip­tes, soweit es Schiels Abenteuer unter den Zulukassern und die Zeit vor dem Burenkriege enthält, ist, wie uns die Verlagsbuchhandlung schreibt, mit dem roten Stempel des englischen Zensors der Kriegsgefangenen versehen. Diejenigen Teile des Werkes aber, welche über die Vor­bereitung der Buren zum Kriege, über die englische Po­litik in Südafrika und den Krieg handeln, sind auS be­greiflichen Gründen den Späheraugen des Zensors ent­zogen worden. Nach dem reichen Inhalt zu urteilen wird das Werk bei jedem, ob Alt ober Jpng, Mann ober Frau, größtes Interesse erregen. Wie bie Verlagshandlung weiter mitteilt, begreift man auf Grunb seines Werkes, wie der südafrikanische Krieg möglich war, wie er kommen mußte und wie er so verlaufen mußte, wie er geendigt bat, mit der Unterjochung eines kraftvollen Eingeborenen Vol­kes und mit der Vernichtung der Selbständigkeit der freiheitdürstenden Buren. Soldatischer Freimut gegen Freund und Feind führt dem Autor die Feder; feine knappen Schilderungen von Gefahren und Abenteuern, seine köstliche Erzählung derber Scherze reißen den Leser mit fort. Wir werden in der Lage sein, im Laufe des Er­scheinens einen oder den anderen interessanten Abschnitt aus Oberst Schiels Buch zu veröffentlichen. Das Werk er­scheint zunächst in 18 Lieferungen zu 50 Pf.

* Nasenverkleinerungen. 2) Corriger la nature im ästhetischen Sinn gehört auch zu ben Ausgaben eines modernen Arztes. In ber BerlinerKlin. Wochenschrift" berichtet ber orthopäbische Chirurg Dr. Jacques Joseph über einige operative Nasenoerkleinerungen, bie er an Patienten ber verschiebensten Berufsklassen auSgeführt hat. So erfreute sich ein junger Mann eines RiechorganS, baS mtt einem Entenschnabel überraschenbe Aehnlichkett hatte. Nach bet Operation würbe bem ominösen GesichtSvorsprung baS komische seines Ansehens genommen. Die kolbenartig ver- bickte Nase einer jungen Dame erhielt eine natürliche Profil­brette. Die Nase eineß Leutnants erinnerte früher an häß­liche tierische Verhältnisse, mtt einem Wort an eine SchwemS- nafe; jetzt erscheint sie ganz normal. Ein Ingenieur besaß eine sog. Hanswurstnase, sobaß bie Untergebenen sich über ihn luftig machten; burch bie Operation würbe bie Nase kleiner unb geröbe. Eine ähnliche hübsche Form erhielt bie lange, mit einem Höcker verzierte Nase einer jungen Frau. Ein junger Künstler ließ feinen gewaltigen Höcker burch bie Operation entfernen unb erfreut sich jetzt einer tadellosen, vollkommen geraben Nase. Was bie Motive anlangt, die bie erwähnten Personen zur Operation veranlaßt haben, so liegt eS für ben Uneingeweihten sehr nahe, Eitelkeit all bie alleinige ober oorroiegenbe Triebfeber zu bem Entschluß, sich operieren zu lassen, anzunehmen. Das ist jeboch bei ben von Dr. Jaques Joseph Operierten keineswegs ber Fall gewesen. Vielmehr war ber innige Wunsch, unbelästigt beß Wegeß zu gehen unb unbefangen mit ben Menschen zu verkehren. Sehr beutlich trat baß z. B. bei einer 88jährigen Dame in bie Erscheinung. AIS sie am elften Tage nach ber Operation von ihrem ersten Ausgang zurückkehrte, ergriff sie glück- strahlenb beibe Hänbe beß ArzteS unb sagte:Herr Doktor, ich kann Ihnen nur sagen, kein Mensch hat mich angesehen."

Ein Affe alßVogel, alßHunb unb als Hand- gepäet Die Ansichten über bie zoologische Stellung bet Vierhänder finb bei ben oerschiebenen Nationen sehr verschieben. Die »Jagstztg." bringt folgenbeß ergötzliche Geschichtchen: Ein aus Deutsch-Ostaftika zurückkehrender Herr hatte einen kleinen Affen (etwa ein Pfunb Gewicht) mitgebracht. Auf ber Fahrt von Tanga biß Genua war ber Affefrachtfrei". Von Genua bis zur schweizerischen Grenze mußte bie Fracht für einenVogel" mit 1,50 Lire bezahlt werben. Tie schweizerische Gotthardtbahn war erfinberischer unb stellte ihn unter bie Hundetaxe mit 8,40 FrS. Die schweizerische Lst- bahn übernahm ihn zu 20 Kgr.Reisegepäck" mit 80 EtS. Die babischen unb württembergischen Bahnen (biß Stuttgart) ließen ihn zum Hanbgepäck gehörig frei gehen. Von Stutt­gart bis zum Ziel ber Reise war der Affe roieber einHund" geworben unb mußte 1,60 Mk. bezahlen.

* Pflanzen im Sprichwort. Der Flegel ist grob wie Bohnenstroh und der Aufdringliche hängt sich an wie eine Klette. Der Prahlhans hat die g r o ß e n Rosinen in der Tasche und der Schwätzer Bringt seinen Koyl an. Der Verliebte raspelt Süßholz und wenn er unglücklich liebt, so spielt er bie geknickte Lilie. Ein baumlanger, aufgeschossener Jüa-ling wächst wie Hank. Der Taugenichts ist keine Bohne wert; an ihm ist H op f en unb 5R verloren.

Deutschlands Außenhandel im Jahre 1901.

Das Kaiserlich Stattttische Amt hat vom Band 142 der Statistik deS Deutschen ReichsAuswärtiger Handel bei deutschen Zollgebiets im Jahre 1901" soeben die Hefte XVI Asien außer Britisch Indien, China, Japan, XX Boli­vien, Columbien, Ecuador, Mexiko, Venezuela, Zentral- amerikanische Republiken unb XXIV Hauptergebnisse her-