Ausgabe 
18.7.1902 Zweites Blatt
 
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Vermischtes.

Frankenberg (Sachsen , 17. Juli. Ter 40 Jahre alte Feuermann Scl>neider, der -y tern abend in der Wie­

der Provinz Oberheffen anvertraut rvorden ist, richte ich, dem Her­kommen rote eigenem Bedürfnis folgend, an Sie ein Wort der Be­grüßung.

Hat daS Vertrauen, welches mich berufen hat, von mir nur mit herzlichem Tanke und dem Entschluß, mich der mir anbefohlenen Arbeit nicht zu entziehen, beantwortet werden können, so bin ich doch mit einem, Ihnen allen wohlverständlichen, Zagen tn mein Amt eingetreten. Einem mir noch unbekannten Arbeitsbereich stehe ich gegenüber ohne den unschätzbaren Vorteil, von einem noch lebenden Vorgänger in dasselbe eingewiesen zu werden. Eine ge­naue Kenntnis der Personen, Sachen und Verhältnisse, ivie sie nur ein treuer Dienst von reichlich 27 Jahren bringen kann, lebte in dem Manne, an dessen Grab unsere evangelische Landeskirche und in ihr vor allen die Geistlichkeit der Provinz, in der seine hirten- amtliche Treue so lange im Segen gewaltet hat, vor wenigen Wochen trauernd gestanden hat. Ihm war es vergönnt, die jüngeren Amtsbrüder tn ihre Arbeit hmeinwachsen zu sehen und mit den älteren selbst alt zu werden, ohne daß sein Herz ausgehört hätte, jung zu bleiben in den Empfindungen urrd Beziehungen, die ihn mit ihnen verbanden. Es kann mich nur mit Bangen erfüllen, eines o hochverdienten, treuen, in Alles hmeingelebten und von der Ver- chrung aller getragenen Mannes Nachfolger zu jein, der Erbe zwar einer Arbeit, nicht aber des lebendigen Erfahrungsguts, das durch Gottes Gliade in langem Amtsleben ihm eigen wurde. In diesem Gefühle bitte ich herzlich: Helfen Sie mir erwerben, was ich noch mcht besitzen kann! Versagen Sie mir nicht das entgegenkommende Vertrauen und die brüderliche Fürbitte!

Als die Unbekallnten und doch bekannt!" das Wort des Apostels möchte ich für mich in Anspruch nehmen im Gedanken an den gemeinsamen Dienst, der, auch wo wir uns gegenseitig un­bekannt waren, bisher uns verbunden hat und in Zukunst uns ver­binden wird. Es ist der Dienst unserer teuren evangelischen Kirche, der Dienst am Evangelium, der Dienst des Herrn.

Der Dienst unserer Kirche ist unsere Ehre. Was sie in der Wett zu vertreten und zu wahren bat, ist etwas so Großes, Heiliges, für das ganze Leben in Welt, Staat, Volk, Gesellschaft, Familie so Bedeutsames, daß dadurch das Leben ihres Dieners eine höhere Weihe empfängt. Möchten wir eins sein allezeit in dem Gefühl von dem, was wir unserer Kirche schuldig sind, in der Treue in der Erfüllung unserer Pflichten gegen die uns anvertrauten Gemeinden! Nicht ein stolzer Amtsoegriff, der zu dem äußerlich bescheidenen Wesen unserer evangelischen Kirche nicht paßt, noch das Ansehen einer eindriicksoollen Organisation trägt uns in unserer Arbeit. Ideale Werte und Güter sollen wir erhalten und schaffen nach bestem Gewissen. Ideen und Ideale sollen in uns ihre willigen, überzeugten, hingebenden Träger finden, und die Kirche des Evangeliums verlangt von uns, daß wir als Einzelne wie als Gesamtheit in brüderlichem Zusammenwirken unsere Pflicht thun.

Unser Dienst ist Dienst am Evangelium. Eine göttliche Bot­schaft bringen wir als solche, die sich dessen stets bewußt sein sollen: So sind ivir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ver­mahnet durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott!" Mit Ihnen möchte ich mich allezeit getragen und getrieben wissen von der heiligen Ueberzeugung, daß unser Geschlecht nicht nur trotz seiner hohen geistigen und kulturellen Entwicklung, sondern gerade um dieser willen, nichts so sehr be­darf als das Evangelium von Christo, in dem die ewige Gnade Gottes uns heimgejucht hat und jucht und außer dem kein Heil ist, keine Rettung aus all den schweren inneren Gefahren, die unser Geschlecht bedrohen, keine Rettung aus Sünde und sozialer Not, keine wirkliche Erlösiing und wahre Versöhnung.. Haben wir auch nur das Wort zu bringen, hinter diesem Worte steht der lebendige Gott mit seinem heiligen Geiste und seiner ewigen Liebe, hinter diesem Worte möge Gott uns helfen selbst zu stehen mit einer in und für Gott lebenden Persönlichkeit. Lassen Sie uns gemeinsam danach streben, so in und von dem Evangelium zu leben, daß das Evangelium in uns lebe unb durch unfern schwachen Dienst sich als Lebens- und Segenskraft erweise!

Unser Dienst sei ein Dienst des Herrn! Der Glaube an unfern Herrn und Heiland und die Liebe zu ihm ist, was uns am ttefsten und heiligsten verbindet. Wenn nur nichts von ihm uns scheidet, bleiben wir ungeschieden, auch wenn die Wege, auf denen Jeder von uns zu Christo gekommen ist und kommt, und die theologische Formulierung des einen Glaubens an Jesum Christum, des ein­zigen, der selig macht, verschieden sind. Der Glaube an den Herrn, fern Dienst und seine Nachfolge, unser pflichtmäßiges, überzeugtes, freudiges Bemühen, zu solchem Glauben und zu solcher Nachfolge die uns anvertrauten Gememden zu führen, sei das Sachliche, dem alles Persönliche und Individuelle bet uns dient, so werden wir in Frieden und gegenseitigem Verständnis im Dienst des Friede- fürften zu einander stehen können.

Den Dienern der Kirche, des Evangeliums, des Herrn zu dienen, bin ich berufen und das foll fortan mein Bemühen fein. Jedes persönliche Charisma, das zur Erbauung der Gemeinde dient, zu pflegen, möge der Herr mir helfen. Tie Gemeinden weiß ich wie Ihnen so mir auf Herz und Gewissen gebunden. Unser Amt ist Seelsorge, Sorge um die Seele der Einzelnen, um die Seele der Gemeinden. Wolle der Herr der Kirche uns helfen, daß wir unser Herz in unser Amt hineinlegen, ein warmes Herz haben für Alle, zu denen unser Beruf uns führt! Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hande bei uns, ja, das Werk unserer Hände wolle Er fördern! Amen.

Diese Ansprache ist an die Gemeinden gerichtet und von den Kanzeln verlesen, auch den Kirchenvorstehern mitgeteilt worden.

tt Grunina en, 17. Juli. Bei der heute stattge- habten Beigeordneten wahl wurde der seitherige Bei­geordnete Christian Ernst Fay einstimmig gewählt.

|| Ober-Mockstadt, 16. Juli. Die Ernte hat hier bereits begonnen. Die ersten Kornhaufen schmücken die Felder. Quantität und Qualität des Roggens ist hier eine vorzügliche.

Mainz, 17. Juli. Wie wir schon mitteilten, wird der Kaiser am 16. August in Mainz eintrefsen, um Truppenübungen beizuwohn'en. Unsere Nachricht wird durch folgende Meldung aus Köln bestätigt. Wie in der gestri­gen Sitzung des Arbeitsausschusses der Düsseldorfer Aus­stellung bekannt gegeben wurde, wird das Kais e rpaar bereits am 15. August, morgens 9 Uhr, daselbst zur Besichtigung eintreffen und bis 2 Uhr verweilen. Ihr folgt auf einem Dampfschiff eine Fahrt den Rhein hin­aus. Da der Kaiser bereits am 16. August einer Truppen­übung in Mainz beiwohnen will, mußte von einem Besuch der Städte am Rhein bis Mainz hinauf für dies­mal abgesehen werden.

Bingen, 16. Juli. Dem ersten Schützennteister der Schützengesellschiast Bingen, Karl Gräff, wurde auf seine Anfrage hin, ob der Großherzog geneigt sei, das Pro­tektorat über das 1904 in Bingen stattfindende Ver­bandsschießen zu übernehmen, seitens Großh. Hof­marschallamts eine bejahende Antwort zu teil.

Hanau, 17. Juli. Das kleine Mädchen, das, wie wir meldeten, vor einigen Tagen in Bir stein einer Zi­geuner g e s e l l s ch a f t. ab genommen wurde, wurde heute am Landgericht der Frau Cassel aus Hannover, der vor einem Jahre ein kleines Mädchen von Zigeunern gestohlen wor­den ist, gegenübergestellt. Frau Cassel vermochte das Attid- chen n i ch t als ihr Kind anzuerkennen. Tas Kind sagt, seine frühere Mutter habe es Else genannt, die böse Mutter nenne es Maria. Zu der bösen Mutter mag es nicht wieder zurück; die schlage es sehr viel. Seine Mutter fei in Frankreich. Die Fürstlich Jserrburg'sche Familie in Birstein gedenkt sich des Kindes auch ferner anzunehmen.

Aus Stadt und Kauö.

Gießen, den 16. Juli 1902.

** Personalnachrichten. S. K. H. der Groß­herzog hat, wie uns aus Darmstadt ein eigener Draht­bericht meldet, dem ordentl. Profesior Dr. Gundermann die nachgesuchte Entlassung aus dem Großh. Hess. Staats­dienste zum 1. Oktober erteilt und den Ministerialrat Geheim­rat Ferd. Emmerling zum Großh. Kommissar des ritter- schaAichen Anteils des Kaufunger Stiftsfonds ernannt. (Diese Stelle hatte bisher der verstorbene Geheimrat v. Bechtold imre. D. Red. d. Gieß. Anz.)

* Als Nachfolger des Provinzialdirektors Dr. Breidert in seiner bisherigen Stellung als Ministerial­rat wird, wie man uns von gewöhnlich sehr gut unter­richteter Seite aus Darmstadt mttteilt, der Kretsrat Fey in Friedberg genannt.

** Personalien. Der Gerichtsassessor Eli en- b-er g er in Darmstadt wurde mit Wahrnehmung der Dienst- verrichchungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Rein­heim, der Gerichtsassessor Kir stei n in Worms mtt Wahr- nehnrung solcher bei dem Amtsgericht Oppenheim, der Gerichtsassessor Schuhmann in Friedberg mit Wahr­nehmung der Dienswerrichtungen eines Staaäanwalts am Landgericht der Provinz Oberhessen, der Gerichtsassessor Lutz in Friedberg mit Wahrnehmung der Dienstverricht- nngeu eines AmVanwalts in Friedberg beauftragt.

** Zur Ferienordnung. Heute bei uns eingegangene Zuschriften erklären ihr Einverständnis mit dem einen oder dem anderen der beiden bisher von uns veröffenttichten Attikel pir Ferienordnung, und allseitig wird vor allem der Wunsch unterstützt, eine öffentliche Versammlung zur er­schöpfenden Diskussion über diese Angelegenheit zu veran­stalten. Wir möchten hiermit, einer Anregung aus unserem Leserkreise folgend, die Aufforderung an unsere Bürgerschaft richten, uns durch eine Stadtpostkarte etwaige Bereitschaft zur Teilnahme an einer solchen Versammlung mitzuteilen.

** Zur Begrüßung des neuen Provinzial- öirektors Dr. Breidert veranstalteten gestern abend Bürgermeister und Stadtverordnete einen Bierabend im Hotel Viktoria. Im Verlauf desselben ergriff der Ge­feierte das Wort zu einer kleinen Ansprache, in der er aus- führte, daß er gerne die Gelegenheit wahrgenommen, die Herren von der Stadtverwaltung persönlich kennen zu lernen, weil auf diesem Wege des persönlichen Bekanntseins und Verständigens ein viel besseres amtliches Zusammen­wirken sich ergebe. Er hoffe, so schloß er launisch, der gemüt­liche Bierabend, dessen bescheidene Veranlassung er heute gewesen, werde eine dauernde Einrichtung der Veiffamm- lung, er werde dann gern und oft bei ihr zu Gast sein. In seiner Antwort sprach Bürgermeister Mecum den Dank der Stadtvertretung für oas liebenswürdige Ent­gegenkommen des Herrn Provinzialdirektors aus und ttank auf dessen Wohl.

** Das 6. und letzte Abonnements-Konzert sand gestern abend in Steins Garten statt. Gin außer­ordentlich großes Publikum hatte sich eingefunden, sämt­liche Tische waren vollbesetzt. Das Programm wies keine sonderlichen Ueberraschungen auf, doch sanden einzelne Num­mern großen Beifall, was sich zunächst durch Rufe nach Stille und später durch lebhaftes Händeklatschen dokumen­tierte. Musikdirektor Krauße dünkte durch einige Zu­gaben. Während die älteren Herrschaften an den Tischen dauernd vor Anker blieben, promenierte die junge, lebens- lusttge Welt in den Gängen umher, wohl ohne auf die Mustt sonderlich zu achten. Wenn es auch sonst den Meisten nicht an Gelegenheit fehlen mag, sich zu sehen, zu sprechen, so ist doch zweifellos ein Abendkonzert mit seinem ver­schwiegenen Halbdunkel, seiner angenehmen Witterung, der gedämpft herüberklingenden Musik, und last not least der legitimierenden Anwesenheit der Angehörigen ganz be­sonders geeignet, sich etwas mehr zu sagen, als es viel­leicht unter der blendenden Sommersonne des Tages geschehen könnte. Und verständlich erscheint deshalb der von so Vielen geäußerte Wunsch, daß noch ein Abonnementskouzert stattfinden möge. . . . nur noch eins. Sperr Musikdirektor!

** Der Cirkus WalleS war auch gestern abend wiederum recht gut besucht, wenn auch, der Sperrsitz einige Lücken auf wies. Doch ist dies wo-hl auf Rechnung dcsALonne- ments-Konzertes, über das wir an anderer Stelle berichten, au setzen. Aus dem Programm heben wir die Produktionen Mr. Richardis hervor, der mit den Zähnen unglaubliche, Lasten hob, ferner die Leistungen der Trapezkünstler, die lebhaften Beifall fanden. Der Besuch, des Cirkus kann nur empfohlen werden.

** Wegen Sicherung der Bauforderungen hat sich der Ausschuß des hessischen Landesgewerbevereins mit einem eingehenden Bericht an das großherzogliche Ministerium gewandt.

** Gustav Adolfsfest in Allendorf a L. Zu der gestrigen Mitteilung über das Fest ist noch zu §merken, daß der Morgenzug nicht 8,55 Uhr, sondern 9,17 Uhr abgeht.

Der neue SuperiniendentWaldemar Peter­

sen richtet an die eoangcl. Geistlichen der Supermtendentur- Gießen folgende Begrüßung:

Hochgeehrte Herren Amtsbrüder! Nachdem mir durch die ®nabc S.K.H. des Großherzogs das Amt eines Superintendenten

Stand der Dinge, der sÄbst die Gleichglltigen beunruhige, eingreifen. Sollten man denn das, was zum Schutze kleiner Vögel möglich sei, nicht auch in einer Frage thun können, deren sittliche Bedeutung so wesentlich sei.

Petersburg, 17. Juli. Der König von Jta- kien hat heute nachmittag feine Rückreise an getreten. Die Verabschiedung vom Zaren wird alsherzlichst bezeichnet. Er erhielt das 14. lith. Drag^Regt. vom Zaren und über­wies dem hiesigen italienisck)au Wohlthätigkeitsverein 1000 Rubel, den Armen von Petersburg 10 000 Rubel. Ein Aus­tausch von zahlreichen Auszeichnungen hat natürlich, auch stattgefunden. Der italienische Minister' des Auswärttgeu, Prinetti, teilte einem Mitarbeiter derNowoje Wremja" mit, daß er die Frage der Handelsverträge mit dem russischen FincmLminister Witte in einer Unterredung be­rührt habe. Indessen könne an den Abschluß eines Han­delsvertrages mit anderen Ländern schwerlich gedacht wer­den, solange nicht Deutschland das letzte Wort ge- fpvocheu habe.

New York, 17. Juli. Der Buren-General A. P. Eronje, Wessels, Steijn, ein Bruder des früheren Prä­sidenten des.Oranje-Freistaates und 19 andere ehemalige Buren-Offiziere sind auf chrem Heimwege von der Ber- muda)Jnseln, wo sie in Gefangenschaft weilten, hier ein- getroffen. Unter ihnen befindet sich auch der 12jährige W. I. Dewet, ein Vetter des bekannten Burenführers. Im ganzen find es 82 Gefangene. ,

igen Stadtkirche die Feuerungsankage nachzusehen hatte, wurde heute früh in der Kirche tot aufgefunden. Er ist anscheinend an Kohlengas e r sti ckt.

Brüssel, 17. Juli. In der Vorstadt St. Gilles ist eine große Feuersbrunst ausgebrochen, die noch fort­während an Ausdehnung zunimmt. Vier Fabrikgebäude ind bereits total ausgebrannt. Fünf Feuerwehrleute türzten infolge Zusammenbruchs einer hohen Letter in die Tiefe. Drei erlitten schwere Verletzungen.

* Paris, 17. Juli. Als heute vormittag Schüler der M i lit är s ch u l e von Samt-Cyr die Artillcriewerkstatten in Puteaux besichtigten, entlud sich durch Zufall das Geschoß einer Mitrcttlleuse. Zwei Schüler wurden am Schenkel getroffen.

* Petersburg, 17. Juli. Dem ,Fiegierungsboteu^ zufolge ist Zizikar in der Mandschurei für chvlera- verseucht erklärt worden. In Jnkou erkrankten feit dem Ausbruch der Epidemie bis ^um 4. Juli 643 Personen, von denen 477 starben. In der Woche vom 27. Juni bis 4. Juli erkrankten dort 166 und starben 139 Personen. In CHarbin, wo die ersten Erkrankungen am 1. Juli sestgestellt waren, zählte man bis zum 10. Juli 575 Erkrankungen und 322 Todesfälle. Cholerafälle in der Mandschurei sind noch in den Ortschaften Tachokschi, Pelin, Kajuansan, Schanhaik- wan und Sinmintin vorgekommen. In der Mandschurei sind Cholerastationen eingerichtet worden. Die Züge werden von Sanitätsmannschaften besichtigt und von solchen begleitet.

* Ein Unglücksfall, den sich jeder, soweit es chn angeht, zur Nachachtung dienen lassen sollte, berichtet nad>; einem Vortrage vouD-r. Hausy vor der Gesellschaft der Aerzte dieWiener klinische Wochenschrift". In eine Wiener Uni- versitätsllinik kam unlängst ein 30jähriger Mann und machte ate Angabe, er hätte in der letztvergangenen Nacht sein Gebiß verschluckt. Zunächst war seinem ganzen Be- inden so wenig anz-umerken, daß man fast an der Richtigkett >er Angabe hätte zweifeln können, zumal weder das Schlucken ogar von festen Speisen Beschwerden verursachte, noch die Untersuchung mtt einer Sonde und mit Röntgenstrahlen einen sicheren Anhalt für den Sitz des verschluckten Fremd­körpers gab. Es vergingen jedoch, nur wenige Tage, bis zu einer sehr bedenklichen Verschlimmerung im Zustand des Pattenten. Die inzwischen eingetretenen Schluckbeschwerden steigerten sich zu krampfartigem Schsmerz, und da außerdem ein hohes Fieber, verbunden mit Erscheinungen der Luft­röhren entzünduug eintrat, mußte zur Operation geschritten werden. Nun ist es aber ein übles Ding für den Arzt, wenn er operieren foll und nicht recht weiß, an welcher Stelle er den Sitz des Leidens finden wird. Da der ver­schluckte Körperteil tief zu sitzen schien, so entschloß sich Dr. HansY, die Operation vom Magen aus vorzunehmen. Die Behandlung gelang völlig, führte auch zu einer durchaus be- friedigendeii Heilung^ war aber in ihrem operativen Veu» lauf höchst ..mständlich. Das Gebiß sqh ganz tief in der Speiseröhre, aber doch nicht so tief, daß es vom MageU aus leicht zu erreichen gewesen wäre. Er mußte daher so wett geöffnet werden, daß der Fremdkörper mit der Hand gefaßt werden konnte. Eine derartige Operation ift bei dem heutigen glänzenden Stand der Chirurgie vielleicht keine sehr gefährliche, aber doch immerhin eine unange». nehme Sache, und der Besitzer falscher Zähne, der bisher etwa noch, nicht die Gewohnhett angenommen hat, sie zur Nachtzeit herauszunehmen, wird das gewiß thun, wenn a diese Zellen gelesen hat.

* Aus den Alpen. In einer tiefen Schlucht am Säntis wurde die Leiche eines fett dem 6. Juli vermißten jungen Touristen aufgefunden. In den Engadiner Alpen ist ein Kurgast aus Pontreima namens Mattin ©eile? aus Stein a. Rh. beim Aufstieg zur Tschierva, vom Herz­schlag getroffen, plötzlich tot hingesunken.

* Die Wiederverhaftung des Exdirektors L. O. Boeing in Vallendar soll erfolgt sein, weil Fluchtverdacht vorliegt, trotzdem eine Bürgschaft von 150 000 Mark gestellt ist. Die sttafrechtliche Verhandlung gegen Boeing wird Ende September oder Anfang Ottvber stott- finden.

* lieber das Motiv der an dem Or. OrdensterA begangenen Mordthat werden allerhand Gerüchte ver­breitet, die sich jedoch nicht bestätigt haben. Es scheint, daß Ordenstein seinen Mörder niemals vorher gesehen hatte, und daß es sich ausschließlich um einen Raubmord handelte. Dr. Ordenstein war Junggeselle; ein Bruder von ihm lebt in Paris als Börsenkommissionär. Ordenstein war Arzt im deutschen Hilfsoerein und Hausarzt der angesehensten deutschen Familien in Paris. Er war im beruflichen und persön­lichen Verkehr stets liebenswürdig, zuvottommend und hilfs­bereit.

* Der langgesuchte Geheimsekretär der Humberts, dessen Vittuosität die jahrelangen Vertagungen der Verhandlungen über die Crawford-Attentate ermöglichte, ist gefunden. Man bestürmte den Untersuchungsrichter Leydet, seinen Namen zu nennen. Leydet antwortete, sein Name istInterview" und gab hierzu folgende Aufklärung: Fredsric Humbert, der schüchterne Malerpoet, wurde vov seiner Gattin veranlaßt, sich im Bedarfsfälle zu erinnern, daß er juristische Studien getrieben habe. Madame Humbeft schrieb ihm wenigstens einmal monatlich eine Anzahl Frage, auf, welche er bei Jnteroiews mit ehemaligen richterlicher Persönlichkeiten und anderen heroorragenden Kennern bei Prozeßwesens erörtern mußte. Jeder der Befragten gaJ bereitwilligst Auskunft. Jeden interefsiette der Fall. Einig« führten sozusagen akademisch den ganzen Prozeß mit dev Crawfords, erschöpften alle Eoentualitäten, und niemals kehtt« der braoe Frederie zu feiner Auftraggeberin heim ohne reiche- Notizenmaterial. Dann begann die Sichtung und Ver- wettung. Hier leistete ein verbummelter Advokat, Ballot, welcher eine Zeitlang 12 000 Francs Monatsgage be- zog, gute Dienste. Als die Huinbetts für Jahre hinaus mit lurislischen Auskunftsmitteln versehen waren, an deren Kraft zu zweifeln sie nach allen Präzedenzfällen keine Ursache hatten, wurde Ballot auf die Straße gesetzt. Er starb kürzlich elend in einem Hospital.

UniverMs Nachrichten.

Wie dieKöln. Ztg." mittcilt, ist zum Kurator der Uni­versität Halle der frühere Staatssekretär im Reichsschatzamt, Staatssekretär Aschen!) orn, auserseheii. Heber das 50jährige Tokiorjubiläum des Gynäkologen von Freiburg i. B. Geheimrat Alfred Heg ar wird von dort berichtet: Der Dekan der medi­zinischen Fakultät der Universität Gießen, Pros. Dr. Sommer, und Pros. Dr. Psanirenstiel überbrachten das Jubilaums-Dokwr- Diplom. Für die ')<. qc medizinische Fakultät grainlirten Geh, Hosrai Projessor Tr. Ziegler unö Geh. Rat Pros. Dr. Bäumler.