Gesinnung fehlt, ist die Ausbildung sehr schwierig. Jetzt sind 14 Prozent aller eingestellten Rekruten gerichtlich oder polizeilich vorbestraft. Wir haben 22 616 gerichtlich und 6688 polizeilich vorbestrafte Rekruten. Im Jahre 1879_ betrug der Prozentsatz statt 14 nur 12,08. im Jahre 189/ 13,86. . Die Vorbestraften üben einen durchaus ictilecbren Einfluß nuy die Kompagnie aus; auch dadurch crtlären sich einzelne Mißhandlungen. Wenn man übrigens anderswo ebenw wie in der Urmee jeden Schlag gerichtlich bestrafen wollte, citoc in der Schule: ich glaube, dann wurden die Schulen bald frei von Lehrern sein. Die Zahlen über die Sittlichkeitsvergehen habe ich nicht hier. Das Krwgshecr kennt in solchen Fällen keine Schonung; c5 tritt erbarmungslos Entfernung aus dem Heer ein. Jedenfalls ist aber die Zahl der Sittlichkeitsvergehen nicht größer, sondern kleiner geworden, wie überhaupt die schweren Verbrechen seltener geworden sind. Auf die Ausführungen des Abg. Bebel über die Ausbildung der Armee brauche ich wohl nicht näher einzugehen. Wir streben überall nach Vereinfachung, suchen auch die Vorschriften möglichst zu vereinfachen. Die Ausbildung des einzelnen Mannes durch den sogenannten Gamaschendienst ist für uns die Hauptsache, und dann, wenn wir den Mann in seiner ganzen Kraft harmonisch ausgebildet haben, kann man mit ihm in den Felddienst eintreten. Man hat in einem Regiment den Versuch gemacht, auf den Parademarsch und diese Dinge keinen Werth mehr zu legen sondern nur auf den Felddienst, Mau hätte erwarten sollen, daß dies Regiment nun z. B. beim Schießen bei Weitem das bessere sein würde. Statt dessen haben ivir erlebt, daß es im Schießen das schlimmste in der ganzen Armee war. Wir haben hier wieder die alte Erfahrung gemacht: das Haupt- gervicht mutz auf die Erziehung des Einzelnen gelegt werden, daß er die volle Gewalt über feinen Körper bekommt. Und darauf beruht der Parademarsch.
Die Broschüre des Offiziers aus Jena habe ich natürlich gelesen. Sie hat auf mich keinen tiefen Eindruck gemacht und ich bezweifle, daß sie wirklich von einem Offizier geschrieben worden ist. Es spricht aus der Broschüre eine außerordentliche Unerfahrenheit in militärischen Dingen und ich glaube, daß die Armee von der Broschüre nur sehr geringen Nutzen haben wird. Es ist aber in der Armee diejenige Geistesfreiheit vorhanden, daß sie solche Freiheit vertragen kann. Man kann nur solchen Broschüren nicht gleich glauben und folgen. Herr Bebel beschuldigt die Armee einer gewissen Ueberhebung. Ich glaube, es ist das größte Verdienst der Armee, daß sie bescheiden ist. Wir wissen wohl, daß wir tn Zukunft wahrscheinlich schweren Verhältnissen entgegengehen werden, wir sind aber entschlossen, unsere Pflicht zu thun. (Beifall.)
Abg. Schrader (freif. Vgg.): Wir haben Gerichtserkenntnisse, üus denen hervorgeht, daß in der Armee doch Manches vorkommt, was nicht geschehen sollte. Ich habe, statt graue Theorie zu bieten, einen praktischen Antrag gestellt, der dem Kaiser wirksame Mittel gegen das Duell an die Hand giebt. Bedauerlich ist es, daß der Kriegsminister auf die Resolution Lenzmann gar nicht eingegangen ist.
Preußischer Kriegsminister v. Goffler: Ich bin nicht ermächtigt, auf Äk Resolution zu antworten; ich muß mich in dieser Hin
sicht so lange bescheiden, bis der Bundesrath einen Beschluß gefaßt hat. Meine persönliche Stellung zu der Resolution ist sehr einfach. Ich bin der Ansicht, daß der Grund der Resoluiwn hinfällig ist, denn die Zahl der Duelle hat sich nicht vermehrt, sondern vermindert; es knnnen jctzi nur noch 4—5 Duelle jährlich vor, an denen alsibe Offiziere betheiligt sind.. Die C;f:rere fiaber. ein Reckt, ebenso behandelt zu werden, wie jeder Andere: ich bestreite daher, daß eine besondere Verschärfung der Dstellstrafen für Offiziere am Platze ist. . ...
Abg. v. Etirzlinowsli (Pole) klagt darüber, dag polmiche Rekruten von den deutschen Offizieren schlecht vehandelc würden. Auch in der Armee wollte man das Heiligste, was die Polen hätten, die Muttersprache, unterdrücken. Die polnischen Rekruten würden „Polacken" und „polnische Schweine" tzeschimvit. Ein Relrut. der ein Muttergottesbild mit polnischer Unterschritt in feinen Mil-.tär- paß gelegt hatte, wurde zu drei Tagen Arrest bestraft.^Auch werde es den Soldaten verboten, bei Polen zu laufen. ~ic weiteren Ausführungen des Redners bleiben unverständlich.
Kriegsminister von Gosster: In Wreschen werden nicht zwei Bataillone, sondern nur eins stationirr. Die ganze^ Stadtverwaltung, bestehend aus 6 Deutschen, 6 Polen und 6 ^uden (Heiterkeit) haben dafür gestimmt, daß die Stadt das Bataillon bekomme. Die Beschwerden des Vorredners waren sehr wbMw. In einem Punkte habe ich ihn nickst verstanden. Er schien davon zu sprechen, daß eS den Polen schwer würde, für ein fremdes Vaterland zu dienen. Ich weiß nickst, welche? Vaterland er meint ich kenne nur ein deutsches Vaterland. Daß Offiziere die polnischen Relruten beschimpft haben sollen, glaube ich nickst. Denn, sagte oer Vorredner, die preußische Schneidigkeit solle jetzt auch wohl gegen Die katholische Religion mobil gemacht werden. Das verstehe ich nicht. Was hat es denn mit der katholischen Religion zu thun, wenn ein Soldat die Frechheit hat, dem Bezirksfeldwebel seinen Mili- tärpaß vorzulegen, in dem ein Muttsrgottesbild mit dem polnischen Adler sich befand. Dem fiert ist ganz Recht geschehen, drei ^age ist das Mindeste, was er bekommen mußte. Wenn der Vorredner aber gar davon sprach, daß in Posen die preußische Pest herrschte, so muß ich solche Bemerkungen auf das Allerentschiedenste zurückweisen. Ich bedauere, daß hier ein so unpassender Ausdruck fallen konnte. _
Präsident Graf Ballestrem: Erst aus der Rede des Herrn Kriegsministers habe ich Kenntniß davon erhalten, daß der Abg. von Ehrzanowski das Wort „preußische Pest" gebraucht hat. Dieser Ausdruck verstößt gegen die Ordnung dieses Hauses und ich rufe den Abg. von Ehrzanowski deshalb zur Ordnung.
Abg. Eickhoff (freif. Vp.) führt aus, er glaube gerne, daß der Kriegsminister den ernsten Willen habe, die Mißhandlung zu beseitigen. Aber wenn trotzdem Mißhandlungen vorkamen, fei es die Pflicht der Abgeordneten, den Finger auf die offene Wunde zu legen. Redner erwähnt, ebenso wie im Vorjahre, einen Fall aus Barmen, in dem ein Kaufmann, der ein Duell verweigerte, förmlich in Verruf erklärt worden sei. Und dabei sei noch der Kaufmann in der schwersten Weise von seinem Gegner, einem Rittmeister d. R. provozirt worden. Hier also wäre der Versuch gemacht, den Duell- zwang auch auf andere Kreise auszudehnen.
Kriegsminister von Goßler bedauert, daß dieser Fall nochmals zur Sprache gebracht fei. Eine Verrufserklärung fei nidjt erfolgt, es Je: ’ dem Tat: eines Jeden überlassen, ob er noch in Zukunft mit dem betr. Kaufmann verkehren wolle. Der Rittmeister habe den Abschied bekommen.
Abg. fiunert (Soz.) fuhrt einige angebliche Fälle von Soldaten« Mißhandlungen und Bruialitäten in Misthaufen, Neiße und Brom- berg an. Selbst bei den schwersten Mißhandlungen würden die Unteroffiziere ui.b Offiziere nur sehr milde bestrast, wenn aber em renr Restrvisten in der Trunkenheit sich an einem Gendarm ber* griffen, setze es gleich so und so viele Jahre Zuchthaus. Es finden im Jahre mindestens 2000 Soldatenmißhandlungen statt. Redner, der aist der Tribüne fast unverständlich ist, bespricht auch die Ex- vcdition nach Elstno und erzählt, Graf Waldersee habe ein Tele- gramm erhalten mit dem Befehl, die Elstnesen an die große Mauer zurückzudrängen. Dies Telegramm erinnert an den Hofkriegsrath in Wien und an das Telegramm des Sultans an den Vertheidiger von Plewna, das Osman Pascha zu einer Dummheit zwang. Sie sehen also, der blutige Dilettantismus erstreckt sich nickst nur auf das Gebiet der Kunst, der Wissenschaft und der Rederei, sondern auch auf das Gebiet der Strategie. Der Absender des Telegramms war nicht — damit kein Falscher in Verdacht komme 5er Kriegsminister oder einer seiner Räthe, sondern Wilhelm II. Imperator Rex.
Präsident Graf Ballestrem: Nachdem Sie den Sah zu Ende gesprochen haben, muß ich Ihre früheren Worte als Majestätsbeleidigung auffassen und rufe Sie deswegen zur Ordnung. (Beifall.)
Preußischer Generalmajor von Tippelskirch: Die, Angaben des Vorredners über die Zahl der Mißhandlungen sind falsch; wir haben keine 2000, sondern nur 505 Mißhandlungen in einem Jahre gehabt.
Bairischer Generalmajor v. Endres: In Bamberg haben die Offiziere zusammengesessen. Die. älteren waren nachher gegangen. Dadurch war die Heiterkeit, wie gewöhnlich, gestiegen. (Heiterkeit.) Sie holten sich ihre Pferde und ritten mit Musik durch die Stadt, übersahen dabei vollständig die polizeilichen Vorschriften über die Benützung des Trottoirs (Heiterkeit), und verkannten den Zweck der Rolljalousien an den Häusern (Heiterkeit). Von Brutalität kann da keine Rede sein; ich glaube, Niemand sitzt hier, der nicht einmal einen solchen Ulk mitgemacht hätte (Heiterkeit). Ich gehe sogar weiter und sage: Niemand wird hier sein, der sich nicht freut, einen solchen Ulk mitgemacht zu haben. (Große Heiterkeit.) Es handelt sich also nicht um einen, wenn man so sagen darf „Klassenulk". (Heiterkeit und Beifall.)
Das Haus vertagt die weitere Berakhung des Wili - t ä r c t a t s auf Dienstag 1 U h r.
Schluß 6% Uhr.
Das Duell von Springe vor Kericht.
H an n o v er, 17. Febr.
Heute begann der Prozeß gegen den Domänenpachter Falken Hagen, der am 16. Januar den Landrat von Bennigsen in Springe im Duell erschoß. Der am 23. November 1873 geborene Falkenhagen, Sohn des Abg. Amtsrats Falkenhagen (Nordheim), war seit 1899 Pächter der kgl. Domäne Springe. Das Wohnhaus Falkenhagens war nur durch einen Hof von der Wohnung des Landrats v. Bennigsen getrennt. Ter unverheiratete Falkenhagen war ständiger (Ärst im Hause des Landrats. Bereits seit langer Zeit war es in Springe offenes Geheimnis, daß zwischen Falken- chagen und Frau v. Bennigsen intime Beziehungen bestehen. Diese Gerüchte drangen auch schließlich zu den Ohren des Landrats. 'Dieser wollte zunächst nicht glauben, daß ihn feine Frau, mit der er 12 Jahre in glücklicher Ehe lebte, und ihm fünf Kinder geschenkt hat, hintergehe. Da die Gerüchte aber schließlich zur Gewißheit wurden, so wurde in dem Klub der Honoratioren zu Springe, dem v. Bennigsen als Mitglied angehörte, beschlossen, Letzterem die .Sache zu unterbreiten. Daraufhin brach v. Bennigsen sofort den Verkehr mit Falkenhagen ab. Außerdem soll ein peinlicher Austritt zwischen v. Bennigsen und seiner Gattin stattgesunden haben, der zur Folge hatte, daß Frau v. Bennigsen sofort zu ihrer Schwester nach Leipzig abreiste. Gleich darauf sandte Landrat v. Bennigsen durch den Oberförster Limmer an Falkenhagen eine Herausforderung zum Zweikampf auf Pistolen. Die Bedingungen lauteten: Kugel- wechjel auf 15 Sprungschritt: Distanz ohne Avancieren bis zur Kampfunfähigkeit eines der Kämpfenden. Unter Kamps- unfckhigkeit wurde nicht der Tod oder die tödtliche Verwundung eines der Kämpfenden, sondern bereits eine Verwundung verstanden, welche die Unfähigkeit zum Weiterschießen zur Folge hatte. Die vereinbarten Bedingungen entsprachen dem Willen des Herrn v. Bennigsen. Die Sekundanten waren bemüht, dem Zweikamps eine mildernde Form durch Festsetzung einer Kugelzahl, etwa 10 Stück, zu geben. Herr v. Bennigsen lehnte jedoch diesen Vorschlag ab. Der Zweikampf fand in voller Wahrung der hergebrachten Zweikampfsregeln statt. Der Unparteiische, Frhr. von Langwerth-Simmern zählte mit Zwischenpausen von einigen Sekunden: 1, 2, 3 halt! Zwischen 1 und halt waren die Schüsse abzugeben. Die beiden ersten Gänge, in welchen von beiden Seiten, und zwar immer zuerst von Falkenhagen, geschossen wurde, waren ohne Erfolg. Beim dritten Kuaelwechsel erhielt v. Bennigsen einen Schuß in den Unterleib, der chn sofort zu Boden streckte. Der Zweikampf war damit beendet. Am 17. Januar starb der Landrat v. Bennigsen in Hannover. Falkenhagen soU den Versuch gemacht haben, die Verzeihung seines Gegners zu erlangen. Der Bruder des Getöteten, Gouverneur von Neu-Guinea, Rudolf v. Bennigsen, dessen Vermittelung Falkenhagen nach- suchte, hat jedoch diese Vermittlerrolle abgelehnt. Falken- hagen giebt zu, mit Frau v. Bennigsen schon seit dem Sommer 1900 in sträflichem Verkehr bestanden zu haben. Falkenhagen soll nach dem Zweikampf zunächst zu Frau v. Bennigsen nach Leipzig und von dort nach Berlin gereist sein, um die Verzeihung seines Vaters, der in seiner Eigenschaft als Landtagsabgeordneter in Berlin weilte, nachzusuchen. Daß sich Falkenhagen dort in verrufenen Ball- sälen herumgetrieben und sich seiner That gerühmt habe, soll, wie von bestunterrichteter und durchaus glaubwürdiger Seite versichert wird, vollständig erfunden sein. Falkenhagen will vor Gericht den Beweis führen, daß er in Berlin weder einen Ballsaal betreten, noch mit einer Dirne zusammengewesen ist. Er will die fragliche Zeit bis fast zum Morgengrauen in Gesellschaft des Bürgermeisters a. D. Schmidt zugebracht haben. Am Sonntag, 19. Januar, wurde Falkenhagen bekanntlich in aller Frühe im Zentralhotel in Berlin auf Antrag der Staatsanwaltschaft zu Hannover wegen Fluchtverdachts verhaftet und nach hier transportiert. Dem Vernehmen nach will er, da er der schuldige Teil war, die Absicht gehabt haben nur in den Sand zu schießen,
dies will er auch in den ersten zwei Gängen gethan haben. Erst beim dritten Kugelwechsel jet er Plötzlich zu dem Ent- chluß gekommen, durch einen Schuß in den Fuß seinen Gegner kampfunfähig zu machen. Tie Sekundanten usw. wollen aber eine derartige Absicht beim Zielen nicht wahrgenommen haben.
Falkenhagen hat sich nun wegen Tödtung im Zweikampf, auf Grund des § 206 des Strafgesetzbuches, zu verantworten. Dieser Paragraph lautet: „Wer seinen Gegner im Zweikampf tödtet, wird mit Festungshaft nicht unter zwei Jahren, und wenn der Zweikampf ein solcher war, welcher den Tod des einen der beiden herbeiführen sollte, mit Festungshaft nicht unter drei Jahren bestraft." Gleichzeitig ist Frau v. Bennigsen als Zeugin geladen. Ten Vorsitz fuhrt Landgerichtsdirektor Dr. Lüttcken. Die Anklagebehörde vertritt Staatsanwalt Dr. Kessel. Der Angeklagte hat seine Verteidigung dem Rechtsanwalt Dr. Stehmann übertragen.
Schon lange vor Beginn der Verhandlung war der Andrang des Publikums ganz kolossal, sodaß zahlreiche Ge^ richtsbeamte und Schutzleute Muhe hatten, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Vor Eintritt in die Verhandlung ermahnte der V o r si tze n de die Vertreter der Presse, über den Prozeß möglichst objektiv zu berichten. Falkenhagen ei durch Gerüchte, die nicht den Thatsachen entsprächen, verunglimpft worden. Während der Vernehmung der Frau v. Bennigsen wurde die Oesfentlichkeit ausgeschlossen und nach 12 Uhr wieder hergestellt. Oberförster Zimmer bekundete den Sachverhalt und gab zu, als Kartellträger thätig gewesen zu sein. Referendar v. Simmern bezeugte, daß das Duell kommentmäßig stattgefunden habe. Nach 3 Uhr erfolgte die Urteilsverkündigung.
Das Urteil gegen Falkenhagen lautet aus sechs Fahre Festung. Der Staatsanwall beantragte acht Jähre. Staatsanwalt und Angeklagter erklären, auf das Rechtsmittel der Berufung zu verzichten. In der Begründung des Urteils führte der Vorsitzende aus, bei der Strafzumessung sei berücksichtigt, daß der Angeklagte das Lebensglück des Landrats v. Bennigsen vernichtet und augenscheinlich die Absicht gehabt habe, seinen Gegner im Zweikampf zu tödten; als strafmildernd komme in Betracht, daß der Angeklagte von der mehrere Iah re älter en Frau v. Bennigsen verführt worden sei.
Aus Stadt und Sand.
Gießen, 18. Februar 1902.
** Eissport. Infolge des eingetretenen Tauwetters mußte die Eisbahn gestern nachmittag 5 Uhr bereits geschlossen werden. Auch das sür heute Abend vorgesehene Eisfest ist deshalb verschoben worden.
k— O st h eim bei Butzbach, 17. Febr. Unser Gesangverein „Germania" hielt gestern beim Gastwirt Fett eine Abendunterhaltung ab. Es gelangten sechs Theaterstücke zur Aufführung, die durchweg gut gespielt wurden. Besonderen Beifall ernteten: „Ländliche Brautwerbung", „Die drei alten Jungfern" und „Eine Kriegervereinssitzung".
-ö-Altenstadt, 17. Febr. Dem Faschingsjubel durfte hier infolge der durch die Gemeindewahlen hervorgerufenen Uneinigkeit der Einwohner ein minder fröhliches Nachspiel folgen. Anscheinend von den „Schwarzen" — der Partei des seitherigen Bürgermeisters — veranstaltet, fand am Fastnachtsabend unter Vorantritt einer Ortenberger Kapelle mit Pauken und Trompeten ein Umzng statt, ohne daß hierzu die polizeiliche Genehmigung eingeholt worden wäre. Die Teilnehmer murden, wie man glaubt, von der Gegenpartei wegen Unfugs zur Anzeige gebracht.
Vermischtes.
* Braunschweig, 17. Febr. In dem Nachbarort Lehndorf wurde eine Falschmünzerwerkstatt entdeckt. Ein Schlosser, der dort falsche Zweimarkstücke anfertigte, und 2 Helfershelfer wurden verhaftet.
Paris, 17. Febr. Zwischen den ehemaligen Ministern Ca v a i g n a c und Renault findet morgen anläßlich einer Wahlrede ein Pistolenducll statt.
* Toulon, 17. Febr. Der Dampfer „Pionier" der Marseiller Schiffahrtsgesellschaft Bousch fuhr gestern nacht auf einen Felsen in der Nähe von Kap Talllat aus. Das Wasser drang in den Kielraum ein, wo sich acht Tonnen Calcium Carbid befanden. Das infolgedessen sich eito wickelnde Acetylen vursachte eine furchtbare Explosion, durch die ein großer Teil des Schiffes zerstört wurde. Der Kapitän und ein bisher unbekannter Passagier wurden getötet, die übrigen Reisenden, sowie die Mannschaft konnten gerettet werden.
* Petersburg, 17. Febr. Nach Meldungen aus Schemacha beträgt die Zahl der bei dem Erdbeben um gekommenen Personen 2000. 4000 Häuser wur-- den zerstört.
Arkeitervewegung.
Chemnitz, 17. Febr. Der Fabrimnten-Verein von Elsterberg hat beschlossen, die Betriebe zu schließen und die Arbeiter auszusperren, wenn sie auch nur teilweise in einen Streik eintreten und den vorgelegten Lohntarif nicht anerkennen sollten.
Barcelona, 17. Febr. Die Aus stan dsb eweg^ ung nahm größeren Umfang an. Die Angestellten der Straßenbahnen, die Bahnarbeiter, Hafenarbeiter, Frachtfuhrleute und Buchdrucker legten die Arbeit nieder. Die Zeitungen erschienen nicht. Es kam mehrfach zu Zusammenstößen, wobei einige Personen verletzt wurden. Der Belagerungszustand ist proklamiert.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Kgssel, 17. Febr. Die Konkursverwaltung der Trebertrocknungs-Gesellschaft teilt mit, daß sie an die Gläubiger Anfangs August eine Abschlags-Divi- d e n d e von i/2 Proz. zur Verteilung bringen werde.
Neueste Meldungen.
Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.
Berlin, 18. Febr. Die Besserung im Befinden Virchows dauert fort. Der Patient erfreut sich besserer Nachtruhe und unternimmt bereits Gehversuche, bei denen er sich eines Stockes bedient.
London, 18. Februar. Lord Ki t ch cner meldet aus Pretoria, daß in der letzten Woche nach den Berichten der einzelnen britischen Abteilungen 17 Buren gefallen, fünf verwundet und 107 gefangen genommen wurden, während sich 138 ergaben. Das mittlere Gebiet der Kapkolonie ist vom Feinde frei. Piet Wessels Kommando ist nach Westen zurückgetrieben worden und überschritt die Hauptbahnlinie bei Pretoria-West in nordöstlicher Richtung. Die in kleine Abteilungen aufgelösten Burentommandos seien schwer zu fassen. Oberst Rawlinson sprengte die ihm gegenüber stehenden Bnrenabteilungen in östlicher Richtung von Zuis- kerbachrand zurück. Am 12. Februar ist mit anderen Baren auch der Feldtornet Werthuigen bei einem Zusammenstoß mit berittener Infanterie gefallen. Spence nahm südlich von Amsterdam 12 Bnren gefangen, 19 ergaben sich.
Kronstadt, 17. Febr. (Reuter.) Tas Gesamter gebnis der vereinigten Operationen der englischen Truppen bei dem letzten großen Kesseltreiben ist folgendes: 300 Buren wurden gefangen genommen, 25 verwundet und 15 getötet. Unter den Gefangenen befand sich Kommandant Besters, der inzwischen in Heilbronnroad seinen Wunden erlegen ist.
New York, 18. Febr. Ein heftiger Sturm, verbunden mit Schneefall, wütet in den am nördlichen Atlantischen Ozean gelegenen Staaten. Der. Schneefall in Newyort ist der stärkste, der seit drei Jahren beobachtet wurde. Der Verkehr ist vielfach gestört.


