gehörte, wollte srllyer Sänger werden und hatte den Namen Lindeck als Künstlernamen angenommen. Als Hermann Levi die Festspiele in Bayreuth leitete, war auch, so erzählen die „Münch. N. Nachr." sein Bruder „Lindeck" dort. Levi stellte ihn mit der üblichen Handbewegung und mit den Worten „mein Bruder" vor, und bald darauf nef jemand mit erhobenem Glase: „Herr Levl, ich gestatte mir . . .* Der Angeredete erwiderte: .Ich heiße Lindeck!" Erstaunt und fragend schaute der Herr den Dirigenten an, der den Vorgang verfolgt hatte. „Ja wissens," rief Hermann Levi über den Tisch herüber, „i hab ja früher aa Lindeck g'heiß'n, t hab' mi aber umtauf'n lass'n." (Bekanntlich war der Vater dieser beiden Brüder der vor einigen Jahren im höchsten Oreisenalter verstorbene Rabbiner Dr. Levi in Gießen.
•* Städtebundtheater. Am Samstag fand hier die erste Sitzung der vereinigten Marburg-Gießener Kommission zur Begründung eines Städtebundtheaters statt. Von Marburg waren anwesend die Herren Vizebürgermeister Siebert, Stadtv. Stroinsty, Stadtv. Häring, Stadto. Dr. Schellenberg, Prof. Dr. Leonhard und Geh. Rat Prof. Dr. Lehmann. Von Friedberg war das Ersuchen eingelaufen, sich an dem Städtebundtheater beteiligen zu dürfen. Es wurde beschlossen, das Städtebundtheater zivischen Gießen, Marburg und Friedberg für den Winter zu begründen; im Sommer könnte die Truppe dann in Bad Nauheim spielen. In Gießen soll, nach dem vorläufigen Plan, die Truppe viermal, in Marburg zweimal und in Friedberg einmal wöchentlich spielen. Es fand hierüber eine lange Diskussion statt. Zur Begründung wurde u. a. angeführt, daß z. B. in Marburg bei häufigeren Spielabenden, wenn also die ganze Spielzeit ohne Pause durchgeführt würde, das Publikum zu leicht theatermüde werden würde. Die Kosten sollen durch städtische Suboentionirung aufgebracht und in Prozenten auf die einzelnen Städte verteilt werden.
** Aus dem Bureau des Stadtheaters. Der morgige Abend bringt als zweite Klassiker-Vorstellung eine Wiederholung von Schillers „Kabale und Liebe" bei kleinen Eintrittspreisen. (Loge 1,20 Mk., Saal 50 Pfg., Gallerie 30 Pfg.) — Billcts zu dem am Donnerstag diese Woche stattfindenden Alwine Wiecke-Ga st spiel sind bereits von Dienstag ab bei Herrn Ernst Challier zu haben. Für dieses Gastspiel gelten hohe Preise. Abonnements- billcts sind mit Zuzahlung von 75 Pfg. für Loge, Sperrsitz, 1.* Parquet und 40 Pfg. für 2. Parc^uet gültig.
** Der Sängerkranz beging am Sonntag seinen diesjährigen ersten musikal. Abend durch eine Ausführung des Chorwerkes „Die Kreuzfahrer" von Niels W. Gäbe. —Ter Sängerkranz ist bekanntlich eine Männerchor- Vereinigung, die über keinen vorbereiteten Tamenchor oer- ügt; um so verdienstvoller ist es, sich eine solche Aufgabe zu teilen. Zweifel am Gelingen sind ja bei der Tüchtigkeit eines Dirigenten Franz Bauer ausgeschlossen. Das mindert aber niemals das Verdienst, sich ein Hohes Ziel zu stecken und unentwegt darauf los zu steuern. Franz Bauer hat denn auch seine Aufgabe glänzend gelöst. Chor und Orchester folgten willig seiner energischen und verständnisvollen Leitung. Sehr anerkennend muß auch der Vertreter der Soli gedacht werden, die in Fräulein Sophie Schulz (Sopran), Herrn Heinrich Hormann (Tenor) und Herrn Theo do r Haubach (Bariton) bewährte und würdige Interpreten fanden. Frl. Schulz und Herr Hormann boten außerdem noch durch Liedervorträge dankenswerte Leistungen, ebenso zeigte sich die Kapelle, auch in ihren Solonummern unter Musikdirektor Krautzes sicherer Führung, als höchst schätzenswerte Körperschaft. Herr Hahn, der die Begleitung am Klavier übernommen, führte seinen Part diskret aus. Ter Sängerkranz kann mit berechtigtem Stolz auf diesen Konzert-Abend zurückblicken. Zu bedauern ist es nur, daß auch diesmal wieder der Abend als Vereinssache behandelt wurde und damit der großen Oeffentlichkeit nicht zugänglich «war. G Ch.
*’ Das Winterfest des Turnvereins Gießen verlief in schönster Weise, die geräumige Turnhalle war bis auf den letzten Platz besetzt. Betrachten wir die Einzelheiten des Programms, so wißen wir wirklich nicht, wem der Vorzug gebührt; Dem, der in der Aufstellung eines solchen Programms so großen Geschmack entwickelte oder allen denen, die sich an der Ausführung desselben verdient machten. So sei denn, um jedem gerecht zu werden, erwähnt, daß alles sehr glücklich entworfen war und vortrefflich ausgeführt wurde. Während man den prächtigen musikalischen Vorträgen nuferer Regimentsmusik und namentlich den Solos zuhörte, ergötzte man sich gleichzeitig an den turnerischen Aufführungen. Nicht zum Mindesten hat auch der Sängerchor Anteil am Gelingen des Festes. Der von der hiesigen Theatergesellschaft vorgeführte Schwank „Die goldene Eva" bildete die Glanznummer des Programms und fand ungeteilten Beifall. Vor Beginn des Tanzes wurde noch das lebende Bild, „Das Fest im Elfenwald", vorgeführt, das mit seinen rasch aufeinanderfolgenden Verwandlungen und den wirkungsvollen elektrischen Beleuchtungseffekten einen recht schönen Abschluß des reichhaltigen Programms bildete. Der Ausflug am Sonntag Nachmittag nach dem Jagdschlößchen bei Dutenhofen erfreute sich eines recht starken Besuches.
" Der Männerturnverein feierte letzten SamStag fein Stiftungsfest durch einen Festkommers, der sich eines überaus starken Besuches erfreute. Bei dem Gesang gemeinsamer Lieder und den zahlreichen musikalischen und humoristischen Vorträgen mehrerer Vereinsmitglieder floffen die Stunden nur allzu rasch dahin. Am gestrigen Sonntage fand unter sehr zahlreicher Beteiligung der Vereinsangehörigen ein Ausflug nach Textors Hardt statt.
^Ga st wirte und Brotpreisfrage. Die Gastwirte oeschäftigten sich in ihrer letzten Vereinsversammlung auch mit der Brotpreisfrage. Man war in der Mehrheit der Ansicht, daß eß jedem der Mitglieder überlaßen bleiben müße, mit seinem Bäcker wegen einer Ermäßigung des Preises auf Brot- und Backwaren zu unterhandeln. Der Bäcker würde ja anerkennen, daß der Wirt, der Brod und andere Backwaren zum Wiederverkauf beziehe, einen entsprechend billigeren Preis verlangen könne als der Konsument. Ferner wurde beschloßen, bei der städtischen Verwaltung den Antrag zu stellen, daß das Wirtsgewerbe durch eines seiner Mitglieder in der städtischem Kommission zur Prüfung der Bedürfnisfrage für Wirtschaft und Branntweinverkauf vertreten werde. Begründet wurde der Antrag damit, daß in der Schlachthauskommission sogar zwei Mitglieder des Metzgergewerbes Sitz und Stimme
haben, und was den Metzgern recht sei, auch die Wirte verlangen können.
• * Steinkohlenbezugsgesellschaft. In der am 15. d. Mts. im „Schiptapaß" abgehaltenen 6. ordentlichen Generalversammlung der „Steinkohlenbezugs- gesellschast Gießen", deren Mttgliederzahl von 811 auf 837 stieg, berichtete Vorsitzender Dickors über die Thäligkeit des Vorstandes im abgelaufenen Geschäftsjahr: die geführte Verwaltung, Beschaffung der Kohlen rc., und ersuchte die Mit- glieder, zur Vermeidung unliebsamer Verzögerungen bei der Kohlenlieferung, ihm jede Wohnungsveränderung mitzutcilen, ebenso liege es im Interesse rechtzeitiger Anfuhr, den Kohlen- auffeher von einem etwaigen Straßenaufbruch bei den z. Z. auszuführenden Kanalisationsarbeiten zu benachrichtigen. Ein Prozeß, der den Vorstand in 7 Sitzungen beschäftigte, wurde teilweise zu Ungunsten der Gesellschaft entschieden. Von einer Rechnungslegung nahm man mit Rücksicht auf den bereits im Besitz der Mitglieder befindlichen Verivaltungsbericht Abstand und entlastete den Rechner nach dem Bericht der Rechnungsprüfungskommission. In letztere wurden neu- bezw. wiedergewähtt die Mitglieder Erle, Fourier und Keßler. Die satzungsgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder Bräutigam, Richter und Tz sch ich verblieben in ihren Aem lern. Einer Anregung, künftig auf den Wiegscheinen auch die Nummer des betr. Wagens anzugebeN, soll entsprochen werden.
* * Die Gießener Vereine, soweit sie neben ernsten Aufgaben die Geselligkeit pflegen, stehen vor und in den Winterfestlichkeiten. Am Samstag feierten die Turnvereine ihre Feste, und zwar der Turnverein 1846 das Winterfest, der Männerturnoerein fein Stiftungsfest. Das Winterfest des Turnvereins in der Turnhalle an der Nord- anlage, das den Teilnehmern in Konzert, turnerischen Aufführungen, Gesangsoorträgen, Theater, lebenden Bildern und Tanz reiche Abwechslung bot, war wie immer so stark besucht, daß es den später Kommenden schwer wurde, ein Plätzchen zu finden. Die ebenso stark besuchte Nachfeier fand im Jagdschlößchen Dutenhofen statt. — Das Stiftungsfest des Männerturnoereins stieg im Hotel Schütz und bestand in einem stark besuchten Herrenkommers. — Der Gießener Sängerkranz eröffnete fein Winterfest-Programm mit einem Konzert unter Mitwirkung auswärtiger und hiesiger Solisten; es fand seinen Abschluß in Niels W. Gade's ,5)ie Kreuzfahrer", deren Vortrag alle Mitwirkenden auf der Höhe der Leistungen fand, die man an dem Sängerkranz gewohnt ist. — Theater, Konzert und Ball veranstaltete der Wohl- thätigkeitsverein Gießener Zitherklub am Sonntag Abend in der Turnhalle an der Nordanlage. Wie immer kamen auch hierbei die zahlreich erschienenen Besucher durch die gediegene Unterhaltung auf ihre Rechnung. — Das Prcisschießen des Gießener Zimmerstutzen-Clubs im Aquarium, das am SamStag Abend begann und acht Tage dauern soll, verzeichnete schon am ersten Tage manchen Treffer. — Die Vereinigung der Maschinenbauer und der Harmonie bot am Sonntag auf der Liebighöhe in Form eines Familienansfluges Konzert, Theater und Tanz. Die Feier war, der großen Mitgliederzahl beider Vereine entsprechend, stark besucht. — Dasselbe Bild reger Teilnahme zeigten die Familienzusammenkünfte der„Gcmüthlichkeit" in Steins ©arten, der »Concordia" im Poslkeller und der „Victoria" in Stadt München. —Reger Sonntagsverkehr herrschte ferner auf dem Windhof, wo im oberen Saale die Unteroffiziere des hiesigen Regiments sich mit ihren Angehörigen zu gemütlicher Unterhaltung emgefunden hatten und die unteren Räume mit Ausflüglern gefüllt waren. — Auch der Weg nach dem Philosophenwald und die Grünberger Straße waren am Sonntag Nachmittag so stark belebt, daß auf zahlreichen Besuch der Wirtschaften im Philosophenwald, Liebigshöhe, Schützenhaus rc. geschloßen werden konnte. — In dem zum Wintergarten umgewandelten Felsenkeller gab es am Nachmittag Freikonzert. — Dicht umlagert war besonders am Abend die Kasse von Pott- harsl's mechanischem Theater auf Oswald's Garten. — Trotz der Fülle von Sonntagsoergnügungen häuften sich die Gäste noch in den Cafes und Restaurants so, daß in manchen buchstäblich „fein Stuhl mehr da" war.
* * Wahlkuriosa. Von der Rabenau wird uns noch nachträglich von der letzten Wahl zur Zweiten Kammer folgendes Vorkommnis berichtet: Ein Landwirt, der für die Wahl des Kaufmanns Moll eintrat, fragte am Vormittag des Wahltages feinen verheirateten Tagelöhner, welche Wahlmänner er wählen wolle. Dieser zeigte seinem Herrn den Zettel mit den Namen der Wahlmännern, die für Hirschel eintreten. Mit den Worten: „Aber Schorsch, das ist ja ein falscher Zettel!" händigte der Herr seinem Arbeiter einen Zettel der Gegenpartei ein und schärfte ihm ein, ja nur diesen im Wahllokal abzugeben. Andern Tags erkundigte sich der Landwirt bei dem Taglöhner, ob er denn auch den richttgen Zettel abgegeben habe und erhielt eine bejahende Antwort, der aber mit listigem Augenzwinkern wörtlich folgender Nachsatz zugesügt wurde: „Aeich hunn noch zwaa u'rächte Zettel gehat. Aeich hunn dem Schmid Hannes un dem Schuster Michel däi ufgeärbert Dei hunn se abgegäbbe".
§ Butzbach, 16. Nov. Aehnlich wie im März wurde gestern auf Anregung der unermüdlichen Frau Direktor Inger ein Wohlthatigkeitsbazar im neuen Saal- bau des hessischen Host' eröffnet. Tas Programm für den Abend leitete ein von Fräulein Waid mann Dorgetragener Prolog ein. Alsdann kamen die verschiedenen gesanglichen Solos durch die Fräuleins Waidmann und Wendel, sowie Musikpiecen in meisterhafter Weise zum Vortrag. Hieran reihte sich das humorvolle Lustspiel „Tie Ebestifterin" und eine Vorstellung des Hofzauberkünstlers Bellachini. — Inzwischen hatte sich ein flotter Wirtschaftsbetrieb und Lvse- verkauf entwickelt; von zarter Tamenhand wurden im Kaffeezimmer, iam Weinstand, in der Champagnerbude, Eisgrotte und Bierhalle sowohl seine Leckerbisfen und köstlick)c Getränke wie auch duftende Würstel nebst euuertraut feil- geboten. Unterdessen begann die Verlosung der zahlreich gespendeten Gewinne, woran sich endlich der Tanz schloß. Tie Ueberschüsse der Veranstaltung werden dem Äitzdacher Kirchenbaufonds zugewendet.
-h- Burkhards, 15. Nov. Der Unfall der Maurer am hiesigen SchulhauS-Neubau scheint ein gerichtliches Nach, spiel zu haben. Gestern weilten ein Untersuchungsrichter, so- wie Bauunternehmer Winn au3 Gießen hier. Ersterer vernahm mehrere Zeugen.
fg. Grünberg, 15. Nov. Gegen die Giltigkeit
der Wahl HirschelS für die Zwecke Kammer ist Protest eingelegt. Bekanntlich erhielt Hirschel eine Stimme mehr als sein Gegner Moll.
1.- Marburg, 16. Nov. In den nächsten Tagen be- giebt sich ein Offizier des hiesigen Jägerbataillons nach Italien, um dort der Königin Margherita, welche bekanntlich Chef des Bataillons ist, zu ihrem Geburtstag eine prächtige Ahnentafel zu überreichen. Die Königin flammt in direkter Linie von der heckigen Elisabeth. — Die hiesigen Burschenschaften haben zwecks Stellungnahme gegendaSPistolen- duell auf Dienstag eine allgemeine Studentenoersammlung einberufen.
Frankfurt a. M., 15. Nov. Der populärmedizinische Schriftsteller Medizinalrat Dr. Friedrich Dornblüth, früher in Rostock, ist hier, 78 Jahre alt, gestorben. — Der Ge- sandle Mumm o o n Schwarzen stei n schenkte dem hiesigen Messing-Gymnasium, als ftüherer Schüler, die Radierung des Bildes der Schlußsitzung des Pekinger Kongreßes vom Berliner Künstler Ernst Heilemann. Das Bild ist nur m 100 Exemplaren für die beteiligten Diplomaten vervielfältigt worden.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Main-Neckarbahn ist bekanntlich der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft angegliedert worden. Die Eisenbahndirektion in Mainz erhielt von dem Minister Budds Tank und Anerkennung für die prompt und mit bestem Erfolg bewirkte Uebcdeiiung der Verwaltung der Bahn m die neuen Verhältnisse. — Am nächsten Donnerstag findet ein Vortrag des Geh. Hofrats Prof. Dr. Wilhelm Oncken, über „Kaiser Wilhelm 11. und Deutschlands Eintritt in die Weltpollllk 1897—1900" im Kurhause zu Wiesbaden statt.
Vermischtes.
* Stettin, 15. Nov. Au« einem Kartoffelfelde bet Herrschaft Nassenhaide wurde gestern abend der Schnitter Martin Koch, ein Russe, erstochen aufgefunden. Er war seiner Barschaft von 110 Mk. und feiner Uhr beraubt Ter mutmaßliche Thäter ist der 19jährige Schnttter Albert Katz- marck.
* Danzig, 15. Nov. Gegen den seit einigen Tagen flüchtigen Rechtsanwalt Thun hat der Staatsanwalt Haftbefehl wegen Untreue erlassen. Ter fehlende Betrag beziffert sich auf 18 000 Mk., über den Thun durch verfehlte Spekulationen zu Ungunsten seiner Klienten verfügt haben soll. Ter Betrag ist beretts durch ihm nahestehende Personen gedeckt
* Paris, 15. Nov. In der Zentral-Postverwaltung wurde gestern ein Beamter verhaftet, welcher beschuldigt ist, za hl re iche Wertbriefeunterschlagen zu haben. Bei seinem Verhör stellte der Verhaftete jebc Schuld in Abrede.
Toulon, 16. Nov. Im hiesigen Bahnhofe rannt# heute vormittag eine rangierende Lokomotive auf den letzten Wagen eines nach Nizza abgehenden Zuges auf. Fünf Personen wurden verletzt.
Budapest, 16. Nov. Die Meldung eines auswärtigen Blattes, daß der Defraudant Keszkemethy in New- L)ork festgenommen wurde, jedoch wieder entsprungen fei, bestätigt sich nicht. Tie hiesige Polizeibehörde hat keinerlei diesbezügliche Mitteilungen erhatten.
* Temesvar, 16. Nov. Ter reiche Landwirt Muja überraschte seine Frau mit dem Landwirt Sttoja und schoß beide nieder, worauf er sich dem Gericht stellte.
• Wahlkuriosa. Aus Rothenburg a. T. berichten die „Münchener N. N.": Die jüngst hier vorgenommenen Gemeindewahlen brachten verschiedene Wahlzettel mb dichterischen Ergüßen. Wir teilen den Inhalt eines solchen Wahlzettels hier mck:
„Wähle zum Stadtrat nie einen von den Propheten,
Die vorher halten zu viele Reden,
Denn nachher, wenns gilt, dann sitzen sie
Zumeist wie die „Stumme von Portici."
Kunst und Wstenschufl.
Aus dem Spielplan der deutschen Bühnen. Ter neueste deutsche Bühnenspielplan für die Zeit vom September 1901 bis August 1902 giebt interessante Ausschlüsse darüber, „wie man den Geist des Volkes versöhnt". Mn größten Erfolg wahrend des bezeichneten Zeitabschnittes hat Meyer-Förster mit seinem Schauspiel „Alt-Heidelberg" gehabt, das 1258mal gegeben wurde. Außerdem überschritten die Zahl 1000 nur Sudermann, der 1139mal gegeben wurde, und Schiller, aus den 1015 Ausführungen entfallen. Goethe hat daneben nur 342, Lessing 215 Aufführungen zu verzeichnen, während Shakespeare mtt der Zahl 746 vertreten ist. Grillparzer wurde 213, Anzengruber 227, Hebbel 90, Otto Ludwig 38ma[ gegeben. Von den heute lebenden Dramatikern wurde Lttv Ernst 636mal aufgeführt. Gerhart Hauptmann brachte eS mir auf 369 Aufführungen, Fulda wurde 625mal aufgeführt. Tie Firma Blumenthal-Kadelburg bucht 997 Aufführungen. Tas „Weiße Rößl" wurde noch immer 219mal gegeben. Firma Schönthan-Kadelbura-Koppel- Ellseld kam auf 607 Ausführungen, während es Moser mit seinen Mitarbeitern Schönthan, L'Arronge, Trotha rc. auf 587 Aufführungen brachte. L'Arronge verzeichnete 327 Theater-Abende. Von den Ausländern siegte Bneux mit seiner „Roten Robe". Tas Stück wurde öllmal gegeben. Ibse n wurde 331mal aufgeführt, Björnson sogar 510 mal. „lieber unsere Kraft", erster Teil wurde 19omal, der zweite Teil 206mal aufgeführt.
Von Fritz Mauthners Werk ,Fritik bei Sprache", dessen erste beiden Bände wegen der Kühnheit der darin ausgesprochenen Gedanken ungewöhnliches Aufsehen erregten fist kürzlich der dritte Band im Verlage der Cottaschen Buchhandlung erschienen. Tamtt hat das bedeutende Werk seinen Abschluß gefunden.
Petersburg, 16. Noo. Nach einer Meldung aus Alexandrowsk ist der Dammer der Murman-Erpedition Andrei Perwos- wahny" dorihm zurückgekehrt, nachdem die Polarnacht und der strenge Wmler eine F o r t s e y u n g. der wissenschmrlichen Arbeiten nicht mehr zuließen. Tas Schm errcichle nur den 72. Grad
Atleralur.
Präsident Krugers Lebenserinnerungen, die den ersten Dano des abschließenden Werkes über den Burenkrieg „Im Kampf um Südafrika" bilden, kamen, wie wir bereits meldeten, am SamStag aur Ausgabe. Neben der deutschen Originalausgabe erschien daS Buch auch in autorisierten Ausgaben in holländischer, englischer, französischer, dänischer, schwedischer, norwegischer.


