Ausgabe 
17.7.1902 Zweites Blatt
 
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Ätoerto", strwre iner russffche Danzerschiffe nnb 20 Tor­pedoboote in Flagg eng ala und die italienische Flagge am Großtopp salutierten die Kaiser standarte mit 31 und die Wrngsstandarte mit 24 Schuß. Der König von Italien begab ftch mit Gefolge von derAlexandria" auf einer Schaluppe rwch demCarlo Alberta'". Der Kaiser Eam etwas spater an Bord einer Dampfschaluppe zumCarlo Alberto"". Der S5nig begrüßte am Fallreep den Kaiser, der von den Groß­fürsten und der Suite begleitet war, worauf das Schiff 31 Salutschüsse abgab. Der Kaiser begrüßte hierauf den ita­lienischen Botschafter, den italienischen Militärattachee und den Erfinder Marconi. Kaiser und König begaben sich nach Besichtigung des Schiffes zum Besuch bei dem Admiral Mirobello auf das Achterdeck. Hier war ein Marconi- Apparat ausgestellt und ein ebensolcher befand sich auf dem Vorderdeck. Die DepescheVive l'empereur de Russie!" undBive le roi d'Jttllie!" wurde vor den Augen der Mo­narchen vom Vorderdeck her ausgenommen. Der Kaiser sprach Marconi, der seine Apparate erklärte, seine Be­friedigung aus. Dieser legte sodann dem Kaiser die vor­gestern vom Kap Lizard erngegangenen Funkentelegramme vor, welche die Buchstaben s, v, e und andere Zeichen enthielten. Hieraus begaben sich die Monarchen und die .Großfürsten nach dem Salon des Admirals, wo Cham- paaner gereicht wurde. Der Kaiser toastete auf den Admiral, auf das herrliche Panzerschiff, sowie auf die ganze ita­lienische Marine. Nach einem Aufenthalt von etwa einer Stunde verließen der Zar und der König mit Begleitung denCarlo AÄerto" und fuhren auf einer russischen Dampf- fchaluppe zur kaiserlichen YachtPolarstern"", die der König von Italien besichtigte, ,odann auf derAlexandria" nach Peterhos zurück. Durch Flaggensignal gaben der Kaiser dem iEenischen Panzer und der König der russischen Flotte ihren Dank kund.

An dem Festmahl, das Gras Lamsdorf heute abend zu Ehren des italienischen Ministers des Aeußeren Prinetti in der kaiserlichen Villa auf Jelagin giebt, nahmen teil der Fmanzminister Witte mit Gemahlin und Tochter, Generaladjutant Dolgoruki, die Departements-Di­rektoren im Ministerium des Aeußeren, der italienische Bot­schafter mit Gemahlin, sämtliche Mitglieder der italienischen Botjchast, die russischen Botschafter in Rom und Konstantt- nopel und andere hohe Würdenträger.

Aus Stadt und Kand.

Gießen, den 17. Juli 1902.

* Zum Rektor der Landesuniversität ist vom I. Oktober an D. theol. Dr. phil. Prof. Gustav Krug er ernannt worden.

* * Professor Dr. Sommer, der Dekan der hiesigen rnedizinischen Fakultät, überbrachte dem bekannten Gynäko­logen Geh. Rat H e g a r in Freiburg i. B., der sein fünfzig­jähriges Doctorjubiläum beging, ein neues Diplom der Um- versität Gießen.

* * Personalien. Der Regierungsassessor Paul Emmerling zu Gießen wurde mit Versetzung der Stelle eines Polizeikommissärs für den Landbezirk des Kreises Offenbach vom 16. Juli ab beauftragt. Herr Emmerling ist ein Neffe des verstorbenen Provinzialdirektors o. Bechtold. Der Fußgendarm Steeg in Ruppertenrod wurde in gleicher Diensteigenschaft nach Gießen versetzt. An seine Stelle ist der Fußgendarm Lampe getreten. Der Regie­rungsassessor Martin Emmerling in Offenbach wurde mit AushilfÄeistung bei dem Ministerium des Innern beauf­tragt.

§ Die Funktionen eines Amtsanwalts bei den Gcoßh. Amtsgerichten Bad-Nauheim, Butzbach, Fried­berg und Vilbel werden in den Gerichtsferien von Ge- richtsaffeffor L u tz - Friedberg wahrgenommen; der seitherige Amtsanwalt des Bezirks, Gerichtsassessor Schuhmann, ist für genannten Zeitraum mit Versetzung der Dienstverrichtungen eines Staatsanwalts bei Großh. Landgericht Gießen beauf­tragt worden.

* * Das Großherzogliche Regierungs b latt Nr. 39, ausgegeben am 15. Juli d. I., enthält den Land­tagsabschied vom 11. Juli 1902.

* Sta dtverordneter Flett -f. Im Alter von 67 Jahren ist heute Morgen der Stadtverordnete Louis Flett nach kurzer, schwerer Krankheit verschieden. Der Verstorbene gehörte dem Stadtvorstand etwa 10 Jahre an. Wenn er sich auch m dem ihm durch das Vertrauen seiner Mitbürger übertragenen Ehrenamte nicht als Redner im Plenum des Collegiums hervorthat, so war seine auf Sachkenntnis beruhende, und von dem Bestreben, nur der Gesamtheit zu dienen, geleitete Thätigkeit in den Kommissionen wertvoll. Sein gerader Sinn führte ihn öfter in die Opposition, immer von dem Bestreben beseelt, das Beste für seine Vaterstadt zu thun. Politisch stand Flett auf Seiten des entschiedenen Freisinn, was ihn aber nicht hinderte, auch das Handeln Andersgesinnter vom Standpunkte des gerecht denkenden Menschen zu beurteilen. Von Beruf Landwirt, verstand er es, die Interessen seines Standes so zu wahren, daß sie mit den allgemeinen Interessen nicht collidirten. Dies und manches andere sicherten ihm die Zuneigung der Ein­wohnerschaft Gießens, die sie dadurch bethätigte, daß sie ihn im November v. I. zum zweiten Male, und zwar mit der stattlichen Zahl von 1535 Stimmen, in den Stadtvorstand wählte. Eine vor etwa anderthalb Jahren ihm zugestoßene Augenkrankheit, die die Entfernung eines Auges nötig machte, hielt ihn nicht ab, sich von neuem in den nicht immer an­genehmen Dienst eines Stadtverordneten zu stellen. Ehre seinem Andenken!

* lieber einen Einbruch in die hiesige Ge­werbeschule wird uns gemeldet: Als heute morgen die Reinmacherleute das Haus betraten, fanden sie die Haupt- thüre erbrochen und einzelne Räume durchwühlt vor. Bei genauerer Nachforschung entdeckte man, daß ein Einbrecher ein Fenster eingedrückt und geöffnet hatte und so in das Innere des Hauses eingedrungen war. Offenbar hat der Dieb nach Geld und Geldeswerl gesucht und zwar mit der größten Bequemlichkeit. So hatte er die Rouleaux im Bi­bliothekzimmer herimtergelaffen und dann sein Suchen tn aller Ruhe begonnen. Dabei hat er jedoch kein Glück gehabt, denn Geldeswert ist ihm nicht m die Hände gefallen, dagegen wird das für die Schulen sehr wichtige Hauptbuch ver­mißt. In demselben besinden sich wertvolle Adressen, Un­terschriften 2C., die der Einbrecher event. zu weiteren Schwin­deleien benützen wird. Von dem Thäter hat man z. Z. noch keine sichere Spur.

S. K. H. der Groß Herzog empfing am 16. d. M. Herrn Provinzialdirektor Dr. Breidert.

* Vom Kreisamt. Gleichzeitig mit Herrn Provinzial­direktor Dr. Breidert ist gestern auch Herr Kreisamtmann Dr. Kranzbühler hier eingetroffen und hat alsbald seinen Dienst angetreten.

** Herr Provinzialdirektor Dr. Breidert ist, wie uns mitgeteilt wird, im Hotel ,zurn Rappen" hier ab­gestiegen.

- Zirkus Walles. Die gestrige Eröffnungsvorstellung )e§ Zirkus Walles war recht gut besucht. Dem Zirkus steht im allgemeinen ein vortreffliches Pferdematerial zur Ver­fügung, wovon besonders die drei dressierten Hengste, vor- gefützrt von Frau Direktor Wilke, hervorzuheben sind. Diese gute Besetzung des Stalles ist um so höher einzuschätzen, als ja bekanntlich gerade bei kleineren Etablissements für ge­wöhnlich kein so großer Wert auf das Pferdematerial gelegt wird. Aus dem mannigfaltig gehaltenen Programm er­wähnen wir noch die Voltige ä la Richard von Frl. Clara und die Prodilktionen des Jokeys Mr. William. Tie ganze Vorstellung fand großen Beifall beim Publikum. Der Zirkus wird noch einige Tage hier bleiben.

** Der Jahresbericht der Großh. Handels­kammer für die Kreise Friedberg, Büdingen und Schotten ist erschienen. Wir werden ihn in den nächsten Tagen eingehender besprechen.

-k . Staufenberg, 16. Juli. Seit acht Wochen be- retts weilen hier mehrere Amerikaner zur Sommerftische, darunter der ordentl. Professor der deutschen Lltteratnr an der Universität Chicago, Hatfield. Unter den amerikani­schen Damen, die zum Teil auch akademische Bildung haben, befindet sich eine Dame aus New-York, die dort die Stelle einer Bibliothekarin bekleidet. Man sieht, unser Städtchen genießt als Luftkurort einen Weltruf.

Darmstadt, 16. Juli. Heute nacht gegen 2 Uhr war in der Scheuer und Stallung des Landwirts Heldmann, Schießhausstraße 53, Feuer entstanden, wahrscheinlich durch Blitz, welcher den Dachstuhl in Flammen setzte. Das Feuer fand Nahrung an den daselbst gelagerten Heu- und Stroh­vorräten; em Wagen, eine Häckselmaschine und verschiedene andere Geräte wurden durch das Feuer stark beschädigt. Eine Kuh wurde getötet, es wird angenommen durch Blitzstrahl. Das andere Vieh konnte in Sicherheit gebracht werden. Der entstandene Schaden ist immerhin bedeutend.

H e u s e n st a m m, 16. Juli. DemM. I."" wird ge­schrieben: Die leider stark beschädigten herrlichen Ge­mälde, welche in den Kunstdenkmälern des Kreises Offenbachs durch Hofrat Schäfer ausführlich beschrieben werden, und von denen unseres Wissens keine Aufnahmen existieren, sind keine Freskomalereien, aber auch keine bloßen Del» gemälde. Sie wurden nicht durch Eduard v. Steinle reno­viert, wie überhaupt von einer eigenUioxn Renovation der­selben nicht die Rede sein kann. Karl Beckers zu Köln nahm in den Jahren 1870 und 1871 die Dekoration der Kirche vor und ließ die Bilder, welche im Verlaufe von 130 Jahren durch Staub, Feuchtigkeit infolge der Ausdünstung der Menschen und des Witterungswechsels und durch Rauch verdunkelt und in einzelnen Teilen schwer erkenntlich waren, mit Schwämmen und Wasser abwaschen, was genügte, die Farben nahezu in ihrer ursprünglichen Schönheit wieder zum Vorschein zu bringen, sodaß sie fast wie neu erschienen. Nur an einem einzigen blauen Gewände, welche Farbe sonst in der ganzen Kirche nicht mehr vorkommt, war eine Nachhilfe notwendig. Die Kirche war eben eingerüstet, als der deutsch-französische Krieg ausbrach. Beckers, auch durch andere Herstellungen, so namentlich durch die Dekoration der Kapelle des Fürsten v. Löwenstein in Klein-Heubach, woselbst v. Steinle mit anderen Malern die Gemälde aus­führte, beschäftigt, geriet durch die Einziehung mehrerer seiner Arbeiter zu den Truppen in nicht geringe Verlegen­heit, und so kam es, daß die Kirche anstatt im Nachsommer 1870, erst an Mariä Lichtmeß 1871 fertiggestellt werden konnte. Dem Stile entsprechend war die Kirche ehemals in weißem Marmortone gehalten. Allein da die kostbaren Gemälde, deren Herstellung nach der Schätzung des Dom- baumeisters Wessike und Beckers jetzt einen Kostenaufwand von 150 000 Mk. erheischen würde, den hervorragendsten Schmuck der Kirche bildeten und dieser ihren eigentüm­lichen Charakter verliehen, zog es Beckers vor, die Deko­ration mit den Farben der Bilder, in welchen ein rötliches Violett vorherrscht, und mit der Stimmung, die sie mit der 3eit angenommen hatten, in Einklang zu bringen. Es wäre Prinzipienreiterei gewesen, wenn er einen weißen Ton ge­wählt hätte aus dem einzigen Grunde, weil dieser, da die Kirche neu war, angeroenbct wurde und angewendet werden mußte. Nachdem die Bilder 130 Jahre alt waren, mußte er sich denselben in seinen Farben akkommodieren, und er hat auf diesem Wege eine überaus wohlthuende Har­monie erzielt. Bei dem Betreten der Kirche hatte man durch,- aus nicht den Eindruck, als seien einige Teile, die Bilder, alt, und andere, die Dekoration, neu, sondern es erschien alles wie ans einem Gusse.

Hanau, 16. Juli. In 23 Ufte in wurde, wie wir meldeten, dieser Tage Zigeunern ein allem Anscheine nach gestohlenes Kind, ein Mädchen im Alter von 6 bis 7 Jahren, abgenommen und die Zigeuner unter dem Ver­dacht des Kindesraubes verhaftet. Haut und Haare des Kindes, das bei der fürstlich Menburg-Birsteinschen Familie Aufnahme fand, sind bedeutend heller, als dies bei den Kindern der Zigeuner der Fall ist, auch kennt das Kind manches, was den Zigeunern gänzlich unbekannt ist. So wußte es beispielsweise die Verwendung der Zahnbürste ganz richtig zu bezeichnen, während die Zigeunermutter sagte, es wäre eine Bürste zum Einfetten der yaarc; ferner spricht es gut hochdeutsch, benimmt sich wie ein gut gezogenes Kind, kennt die Einrichtung eines Schlafzimmers ganz genau und der gl. mehr, lieber feine Herkunft weiß es jedoch nichts, und die Zigeuner verweigern jede Auskunft darüber. Die über die Herkunft des Kindes angeftetlten Ermittelungen haben nun dahin geführt, daß eine Frau aus Hannover, der seiner Zeit ein kleines Vrädchen von Ziaeunern gestohlen wurde, auf Donnerstag, den 17. Juli vor das hiesige Land­gericht zur Agnoszierung des Kindes geladen worden ist.

Balduinstein, 16. Juli. Königin Wilhelmine der Niederlande reift mit dem Prinzgemahl am Samstag früh von Schaumburg ab.

Kassel, 16. Juli. Die Anti-Tuell-Liga, welche hier unter dem Vorsitz des Fürsten Löwenstein-Wertheim- Rofenberg tagte, hat befchloffen, die Liga einheitlicher zu organifiren und weiter auszubauen, auch den Versuch zu machen, für die Bestrebungen die Monarchen, insbesondere den Deutschen Kaiser, zu intcrefsteren.

Neustadt, 16. Juli. Der Verbandstag der drei am Feste (Verbandsschießen) beteiligten Verbände, des mittelrheinischen, badischen und pfälzischen Verbandes, wurde gestern früh 11 Uhr in der Aula der königlichen Realschule hier adgehatten. Als Delegierte waren vom mittelrheinischen Bund folgende Herren anwesend: Meister- Frankfurt, Grünig-Wiesbaden, Jakobs-Mainz, Müller-Os- fenbach und Brück-Gießen. Im därmen des pfälzischen Bundes hat Gebhard-Ludwigshafen den folgenden An­trag eingebracht:Paragraph 4 der Verbandssatzungen ist dahin abzuändern, daß die Zulassungskarten für Mitglieder des deutschen Schützenbundes, welche außerhalb des 23er* bandes wohnen, auf 20 Mk. erhöht werden. (Tie Zulassungs- gebühr hat bekanntlich bisher nur 5 Mk. betragen.) 23on dem Betrag fließt die Hälfte in die Verbandskasse, die andere erhält die das Fest ausrüstende Stadt."" Nach kurzer Debatte wird der modifizierte Antrag Gebhard auf Erhöhung der Zulassungsgebühr auf 10 Mt. mit 11 gegen 3 Stimmen angenommen. Dagegen stimmen Goebel* Landau, Jakobs-'Mainz und Meister-Frankfurt. Des wei­teren liegt ein Antrag vom Mittelrheinischen' Schützenbund vor (eingebracht von Brück-Gießen), der lautet:Paragr. 27 der Schießordnung zum 19. Ver­bandschießen dahin abzuändern, daß der Passus gestrichen wird, welcher lautet: Um Anspruch auf einen Preis zu haben, muß der Schütze mindestens die Einlage von fünf Serien bezahlen."" Jakobs-Mainz begründet den An­trag. Meister-Frankfurt und Müller-Offenbach ersuchen wiederholt, diesen Zwang, der erst seit dem Gießener Fest bestehe, fallen zu lassen. Der Ausfall, der dadurch zu er­warten sei, werde leicht gedeckt werden, da nachher vielleicht viermal so viel geschossen würde. Bei der Abstimmung wird der Antrag auf Aufhebung des Zwanges, 5 Serien zahlen zu müssen, um einen Preis beanspruchen zu können, ange­nommen. Roeßler-Heidelberg hält es für dringend not* wendig, daß zu jedem .Verbandstage eine fertige Tages­ordnung vorliege, die mindestens acht Tage vor der Sitzung in den'Händen der Delegierten fein müsse. Dies sei bis­lang unmöglich gewesen, da der mittelrheinische Bund seinen Verbandstag erst an demselben Tage abhalte, an dem auch der allgemeine Verbandstag sei. Er fragt an, ob sich das> nicht ändern lasse. Darauf teilt Brück-Gießen mit, der mittelrheinische Bund habe in seiner eben stattgehabten Sitzung beschlossen, den Wünschen Badens und der Pfalz nachzutommen. Die Sitzung der Bundesdelegierten werde von jetzt ab mindestens 8 Tage vor dem allgemeinen Ver­bandstag stattsinden. Für das Nächste Fest wird ohne Debatte Bingen als Festort bestimmt.. In die Schieß-, ordnungskommission werden folgende Herren gewählt: Vom Mittelrheinischen Bund: Brück-Gießen, als, dessen Ersatzmann Meister-Frankfurt; aus Baden: Kallen- berger-Mannheim, Roeßler-Heidelberg und als deren Ersatz­leute Estelmann-Karlsruhe, Joerger-Baden-Baden; aus der Pfalz endlich: Tropf-Frankenthal, Gebhard-Ludwigshafen, und als deren Ersatzleute Cron-Neustadt und Goebel-Landau.^ Nach, einem Hoch auf die drei Verbände schließt sodann der Vorsitzende den Verbandstag.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Das attrenommirte Gundlach'sche Wein­restaurant in Mainz, Emmeransstraße 30, ging durch Kauf für 115 000 Mk. in den Besitz eines bortigen Privatmannes über. Am 10.Juli feierte in Klein-Gerau der Lehrer­veteran Klein in bester Rüstigkeit seinen 88. Geburts­tag. Am Rheinufer wurden, wie aus Biebrich ge­meldet wird, am 14. ds. Mts auf einer Bank liegend, Kleidungsstücke, Rock, Hut, Manschetten und Stock, auf­gefunden. In der Tasche des Rockes befanden sich Visiten­karten auf den Namen Adolph Presser lautend. Da ein junger Mann dieses Namens, Buchhalter in einem Wies­badener Geschäft, seit gestern abend vermißt wird, nimmt man an, daß der Betreffende einen Selbstmord verübt hat oder ihm ein Unglück zugestoßen ist. Zu unserer Notiz Vorn großen Feldberg" wird mitgeteilt, daß es sich bei dem Adler, der die Spitze des Feldbergturmes krönt, keines­wegs um den römischen Adler handell; vielmehr ist es der Frankfutter Adler, wie dies ja durch die Thatsache, daß der Turm vom Frankfurter Taunusklub erbaut wird, leicht erklär­lich erscheint.

Vermischtes.

Magdeburg, 16. Juli. Der Lustmörder Lin», bemann aus Diesdorf wurde verhaftet und in das hiesige Gefängnis eingeliefert. Er hatte ein Dienstmädchen bet Helm­stedt vergewaltigt und dann ermordet. Das gleiche Verbrechen hatte er vor einiger Zeit an einem 12jährigen Mädchen in Mecklenburg begangen. Letztere That hat der Mörder ein­gestanden.

Trier, 16. Juli. Wegen des niedrigen Wassern standes der Mosel ist die Dampfschiffahrt ein­gestellt. Es herrscht andauernd große Hitze.

* Saint Etienne, 16. Juli. Ein schreckliches Gewitter veranlaßte heute eine Ueberschwemmung der Straßen. Das Wasser drang in die Keller und unterbrach den Sttaßenbahnverkehr. Der Fluß Furens glich einem Gieß­bach, er schwemmte 4 Personen weg, die ertranken. De> Schaden ist beträchtlich.

* Algier, 16. Juli. Gestern wurde in Akbon ein starkes, 7 Sekunden dauerndes Erdbeben verspütt. Menschen sind dabei nicht zu Schaden gekommen. Mehrere Häuser sind eingestürzt.

* Ein Duell von Zuchthäuslern fand im Bagno von Pozzuoli unter ganz eigenartigen Umständen statt. Zwischen den dott untergebrachten sicilianischen und neapoli- tonischen Gefangenen herrscht ein traditioneller grimmiger Haß, der sich in zahllosen Reibereien kund that und endlich dazu führte, daß von den beiden feindlichen Patteien jede einen der Ihrigen auslooste, welcher in einem Duell die Ehre seinerLandsmannschaft" vetteidigen sollte. Für die Neapo­litaner trat Franzeseo di Girolamo, für die Sicilianer Calo- gero de Carlo ein. Die beiden bewaffneten sich mit hölzernen gespitzten Stilets. Der Kampf zwischen den Sträflingen, der lautlos in einem Winkel des Arbeitshofes geführt wurde, um die Wärter nicht aufmerksam zu machen, war entsetzlich. Schließlich brach de Carlo zu Tode getroffen zusammen. Aufseher eilten jetzt herbei, banden Girolomo und fühtten ihn unter dem frenetischen Beifall der Neapolitaner in seine Zelle. Tie Regierung hat eine strenge Untersuchung dieser merkwür­digen Zustande im Zuchthaus von Pozzuoli angeorbnei.