Gerichtssaal.
— DaS Kriegsgericht in Manila, das gegen den General Srnith wegen des rhm zur Last gelegten grausamen Vorgehens verhandelte, erklärte Smith für schuldig und erkannte, daß er die Verwarnung durch die Oberbehörde verwirkt habe. Präsident Roosevelt erteilte Smith diese Verwarnung und versetzte ihn zu den pensionierten Offizieren.
Kunst und Wissenschaft.
— Städtebuudtheater. Die Errichtung eines Städtebund- Lheaters für die ganze Provinz Posen bezw. für die beiden Regierungsbezirke Bromberg und Posen je eines, werd im „Berliner Tageblatt" angeregt und dabei u. a. folgendes ausgefuhrt, was allgemeiner Beachtung wert erscheint: Der g e r st r g e n V e r ö d u n g unserer Provinzstädte, die nicht zum wenigsten daran schuld ist, daß gerade die besten Elemente diese Städte verlassen, sobald sie nicht mehr durch Amt und Beruf an Ire gebunden sind, konnte so bis zu einem gewissen Grade wirksam abgeholfen werden. Den Bewohnern der Umgegend solcher Städte wird die bisher schmerzlich vermißte Gelegenheit, die Eintönigkeit ihres Daseins oster einmal durch den Besuch einer guten Theatervorstellung unterbrechen zu können, verschafft- den höheren Schulen in unseren Provinzstädtchen würde eine wünscheiiswerte Förderung und Belebung des litterarischen Interesses zu Teil und dem gesamten Volkstum würde ein frischer Impuls gegeben.
— Frank Wedekinds Brettllieder, die wir bereits kürzlich <m dieser Stelle erwähnten, für Gesang und Klavier (event. Guitarre-Begleüung) sind bei der Verlagsgesellschast „Harmonie", Berlin W. 35, in eleganter aparter Ausstattung erschienen. Unter diesen kokett graziösen Singsangsächelchen vermissen wir leider das ganz famose Hamburg-Lied mit dem lustigen Rundreim: „0 du mon dieu, mon dien, sacre du bleu!“, das in den Vorstellungen der Münchener „Elf Scharfrichter" stets die kolossalsten Lachstürme entfesselt.
— Znm Einsturz des Marknstnrmes. Ein Offenbacher Herr, der zufällig Augenzeuge der Katastrophe wurde — er saß im Lass Amadei gegenüber dem Turm —, schildert unter dem frischen Eindruck des gewaltigen Ereignisses, wie erschütternd dieses auf die Bevölkerung von Venedig gewirkt hat. Er bemerkte plötzlich unter dem Publikum, das den Turm in respektvoller Entfernung umstand, eine große Aufregung; im nächsten Augenblick sah er, wie der Koloß langsam, mächtige Staubwolken verbrettend, unter betäubenden Krachen in sich selbst zusammensank, ein furchtbarer Anblick. Ein tausendstimmiger, entsetzter Aufschrei, Alles flüchtet in rasender Elle vom Schauplatz der Katastrophe, Frauen und Mädchen fallen ohnmächtig zu Boden. Der Offenbacher rennt ein paar Straßen wett ohne Unterlaß in dem instinktiven Drange, einen freien, großen Platz zu erreichen, da er das Gefühl hat, ganz Venedig müsse im nächsten Augenblick zusammefistürzen. Die ganze Luft war dicht mtt Kalkstaub angefüllt, sodaß das Atmen erschwert war. Erst nach Sttinden legte sich die furchtbare Erregung der Bevölkerung, uud man wagte sich wieder in die Nähe des Markus- platzes, der jetzt mtt einem enormen Schutthaufen an Stelle des Campaniles, einen ganz befremdenden und unheimlichen Eindruck macht. — Die Schuld am Einsturz wird jetzt von einigen Seiten den Stadtingenieureu von Venedig direkt beigemessen. Die schwere Anklage stützt sich darauf, daß die Ingenieure im Interesse der Loggetta des Sau Sovino einen Eingriff am Turm gemacht und dadurch den ganze,! Eampanlle zum Wanken und Einsturz gebracht hätten. Eme Sonderausgabe des venettanischen Secolo Nuovo führt aus, daß die Ingenieure, um den Loggetta vor dem Regenwasser, das vom Campinale herabrieselte, zu schützen, eine Rinne m den Turm gegraben hätten, die oberhalb des Daches der Loggetta und parallel zu diesem verlief. Die künstliche Querspalte sei zu einer Zett geschaffen worden, als der Mauerspali, der sich von oben nach unten zog, bereits eine Tiefe von 30 Zentimeter aufwies. Den Turm habe man auf diese Art gewaltsam ferner Festigkeit beraubt. Diese Meinung wird von mehreren Künstlern und Privatingenieuren geteilt. Ihr ficht die Memuug der offi-
-ziellen Persönlichketten entgegen, welche bchaupten, daß der Turm in seiner Masse längst verändert und das Gestein durchweg bröcklig war. Amtlich wird noch mitgeteilt, daß man unter den Trümmern der Loggetta die herrliche Bronzechür, zwar in Stücke zerschlagen, doch in einem solchen Zustand fand, daß eine künstlreische Vereinigung der einzelnen Teile möglich erscheint. Die Bruchstücke weroen dem Konservatorium des Dogenpalastes übergeben.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Mainz, 16. Juli. Eine letzter Tage hier stattaehabte Versammlung von Großvichhändlern hat, wie dem ,M. A." gemeldet wird, den Beschluß gefaßt, auf dem Mainzer Viehhof tein Vieh mehr unter Garantie zu verkaufen. Dieser Beschluß soll damit zusammenhängen, daß auf dem Mainzer Viehhof seit neuerer Zeit viel strengere Maßregeln in Bezug auf die Vich- befichtigungen Platz gegriffen hätten als auf allen anderen Viehhöfen der Nachbarstädte. Dadurch würde zu viel Vieh „verschlagen" und auf die Freibank verwiesen, wodurch die Viehhändler großen Schaden erlitten.
Hamburg,' 16. Juli. Das Elbe-Saale-Flußschiff- s a h r t s k a r t e l l, welches noch für einige Monate in Kraft fein sollte, ist in der gestern stattgehabten Verjamnllung a u f g e l ö st worden.
Märkte.
)( Groß-Felda, 16. Juli. Unser heutiger Sommermarkt wurde wegen des früheren Zusammenfallens mit dem Jakobimarkt au Ulrichstein um 8 Tage früher als sonst abgehalten. Aus gleicher Ursache wurde auch der dreitägige Jakobiniarkl um 8 Tage verlegt, so daß er diesmal 14 Tage später abgehalten wird. Der hiesige Schweinemarkt war mit Jungschweinen gut befahren. Die lebhafte Nachfrage zeitigte einen schwungvollen Handel trotz hoher Preise. Das Paar Ferkel wurde mit 50—60 und 60—70 Alk. bezahlt; Läufer kosteten per Paar durchschnitllich 90—100 unt) 101—120 Mk. Der Krämermarkt war gut besucht, sodaß der Markt in Summa einen recht befriedigenden Verlauf nahm.
Limburg a. v. L., 16. Juli. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.70 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 11.84 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 9.09 Alk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.
Krieskasten Ser Redaktion.
(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)
P.P. in Z. Sie fragen an, ob es wahr sei, daß die Statuten des Hassia-Kriegerverbandes verlangen, die Kriegeroereine sollten bei allen öffentlichen Aufzügen, Festzügen usw. an erster Stelle marschieren. — In den Statuten des Hassia-Kriegerverbandes kann ein solches Verlangen selbstverständlich ebensowenig gestellt werden, wie in den Statuten irgend eines anderen Vereins. Wie uns aber von authentischer Seite noch mitgeteilt wird, ist im vorliegenden Falle auch nicht einmal ein Bestreben vorhanden, durchaus an erster Stelle zu marschieren. Der Kriegerverband Hassia sagt sich ganz richrig, daß er in dieser Beziehung keine größeren Rechte hat als jeder andere Verein.
F. in G. „Reisebekanntschaft" ist gewiß auch richtig; der Herr Verfasser des Rebus hat aber wohl die Darstellung des .^Alters" im Auge gehabt. Also ergiebt das Wort „Alter" nach Abstrich des letzten Buchstabens das neue Wort „Alte".
Neueste Mellumgen.
Originaldrahtmetdungen des Gießener Anzeigers.
Berlin, 17. Juli. Wegen Veröffentlichung der sogenannten Hunnenbriefe wurde der Redakteur des „Vorwärts", Schxöder, zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.
London, 17. Juli. „Mvrning Leader" meldet aus Pretoria: Große Aufregung herrscht unter der Bevölkerung des Landes. Dieselbe protestiert gegen den geplanten Dynamitzoll, welcher den Wettbewerb des Handels ausschließt und den ganzen Handel in die Hände der
Debeers-Gesellschast legen würde. Die Grubenbesitzer erklären, das Dynamit-Monopol der Buren habe ihnen geringeren Schaden zugefügt, als das geplante Monopol der! Debeers-Company. Auch die weiße Arbeiter-BevölkQMvN ist mit der englischen Verfügung sehr unzufrieden.
London, 17. Juli. Die DeMission des Schatz- kanzlers Hicks Beach ist nicht rückgängig gemacht wor«, den. Der Minister weigert sich entschieden, einen weniger wichtigen und arbeitsreichen Posten anzunehmen.
London, 17. Juli. Trotz des Dementi der En-- nard-Linie erhält sich das Gerücht, daß die Geselle schäft demnächst in den Morgan-Trust eintreten toirbi Die Verhandlungen fyaben sich so lange hingezogen, da eine andere Gesellschaft mit einer bedeutenden Fwtte ebeufccklH Besprechungen über den Eintritt in den Trust eingeleitet hat.'
Milano, 17. Juli. Eine Seidenspinnerei bdl Bergamo ist vollständig niedergebrann.t. 10Q beiter sind brotlos.
Venedig, 17. Juli. Gestern nacht löste sich vonb Palazzo Reale eine der großen Marmorplattenf zwischen den Fenstern und stürzte nieder, gerade <M eine Frau die Stelle passierte. Die Frau erlitt schiwere innere Verletzungen. Der beschädigte Teil des Palazzos muß nicdergerissen werden. Die Nord-Fassade der Librernö ist durch die Erschütterung derart in Mitleidenschaft gezogen^ daß ihr Gefahr droht. Aus Sicherheitsgründen wurde gestern auch der Dogen-Palast abgesperrt Trotz der Trauer hat sich rasch ein neuer Industriezweig gebildet? der Handel mit Mauerresten des Campanile, die aber alle unecht sind, da die Unglücksstätte streng bewacht wird. Eng-i länder und Amerikaner zahlen die höchsten Preise für solche Bruchstücke. — Der 83jährige Ingenieur Wendrasco, dep seit 10 Jahren den drohenden Einsturz des Campanile vor- ausgesagt hat, erklärte, daß den letzten Anstoß zunv Einsturz die Aufschlitzung einer ganzen Durmseite zur Einsetzung eines Traufsteines gegeben hätte, dessen (än* fügung ins Mauerwerk verhindern sollte, daß das Regen- wasser in die vorhandene Manerspalte dringt Diese Wet- tungsarbeit sei geradezu sinnlos ausgeführt worden.
Graz, 17. Juli. Auf dem Berge Kukl bei Kulm üt\ Mittel-Steiermark wurde gegen 10 Uhr abends ein h e fit-, g er Erdstoß mit unterirdischem Rollen und später noch ein kürzerer Stoß mit entferntem Donner-Rollen verspürte
Peking, 17. Juli. Eine Anzahl Cholera-Fällej ist in der verbotenen Stadt ausgetreten. Mehrere Soldaten sind gestorben. Die Epidemie greift weiter um sich
Telephonischer Kursbericht.
Frankfurt a. 51., 17. Juli 1902.
872% Reichsanleihe . . 102.50 3% do. ... 93.00 37,% Konsols .... 102.40 3% do......99.50
372% Hessen .... 100.44 37,% Oberhessen . . . 99.25 4% Oesterr. Goldretne . . 103.55 4* l/2% Oesterr. Silberrente 101.85 4% Ungar. Goldrente . . 102.30 4% Italien. Rente , . . 103.20 47,56 Portugiesen ... 47.40 3% Portugiesen. .... 29.35 1% C. Türken .... 28.20 Türkenlose ...... 114.60 4°/o Oriech. Monopol.-Anl. 44J.0 4.7,56 äussere Argentiner —.—
3% Mexikaner .... 26.50’ 4%% Chinesen .... 9L2O Electric. Schuckeri ... 100.00 Nordd. Lloyd . . . . 108.00
Kreditaktien ..... 214.40 Diskonto-Kommandit, . . 185J.O Darmstädter Bank . , . 137.20 Dresdener Bank .... 144.40 Berliner Handelsgee. . . 15730 Oesterr. Staatsbahn . . . 149.40 Lombarden . ♦ « . . 1830 Gotthardbahn.....168.00
Laurahütte ...... 205.00 Bochum ....... 193.60 Harpener......16&80
Tendenz: fest.
Verdingung.
Der Abbruch, Transport und der anderweitige Wiederaufbau der Baubude am neuen Friedhof am Rodtberg soll Donnerstag den 24. Juli, vormittags H3/4 Uhr, öffentlich verdungen werden. Zeichnung liegt auf unserem Büreau, Zimmer Nr. 2, zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum genannten Termin bei uns einzureichen.
Zuschlagsfrist 14 Tage.
Gießen, den 16. Juli 1902. Das Stadtbauamt.
S chmandt. 5227
Stadt. Schlachthaus.
Freibank.
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