Heer rmd Flotte.
In dem beistehenden Bilde führen wir unseren Lesern den neuen Generalinspekteur der Fußartillerie, Generalien tuant v. Perbandt vor, dessen Ernennung vielfach Verwunderung erregt hat, da dieser Offizier aus der Infanteriewaffe hervorgegangen ist. Jedenfalls aber läßt feine Kommandierung darauf schließen, daß er ganz hervorragende Fähigkeiten und einen klaren, weitausschauen-' den Blick für alle militärischen Verhältnisse besitzt. General- leutnont v. Perbandt ist am L September 1845 geboren. Er trat mit 20 Jahren bei dem 4. Garderegiment zu Fuß ein und wurde am 9. Februar 1867 Offizier. Schon im folgenden Jahre wurde er Bataillonsaojutant, und den deutsch-französischen Krieg machte er als Regimentsadjutant mit Schon 1872 wurde er unter Beförderung zum Oberleutnant «und Versetzung zum 3. Garderegiment Brigadeadjutant der 4. Gardeiufanteriebrigade. Drei Jahre später wurde er zum Geueralstab aggregiert und am 18. Mai 1876 als Hauptmann in den Großen Generalstab versetzt, 1877 kam er zum Generalstab des 11. Armeekorps und 1880 zu dem der 5. Division. Bald daraus wurde er Kom- vagniechef im 75. Infanterieregiment, aber schon 1883 in den Großen Generalstäb zurückversetzt, wo er am 16. April 1884 zum Aiajor befördert wurde. Dann war er vier Jahre beim 14. Armeekorps thätig und wurde darauf zum Stab der 3. Armeeinspektion kommandiert. 1890 wurde v. Perbandt Oberstleutimnt und Ches der 4. Abteilung im Großen Generalstab, in welcher Eigenschaft er auch an der Kriegs- akcü>emie unterrichtete. Anfang 1899 avancierte er zum Oberst und wurde zum Kommandeur des 110. Regiments in Mannheim ernannt Am 18. Juli 1899 kam er als Generalmajor und Kommandeur der 67. Jnsanteriebrigade nach Hagenau. Seine Beförderung zum Generalleutnant und (Ernennung zum Kommandeur der hessischen Division erfolgte im Januar 1900. In dieser Stellung verblieb er .-bis zu seiner neuen Kommandierung.
Der Leipziger Bankprozetz.
XXL
Leipzig, 16. Juki.
Bei Eintritt in die Tagesordnung kommt der letzte Iunkt des Eröffnungsbeschlusses zur Verhand- Lung, nämlich die Anklage gegen Dodel, Exner nnoGentzsch wegen Untreue, begangen in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Auftichjtsrates der Leipziger Hypothekenbank, die infolge des Verhaltens der Beschuldigten am Tage der Konkurseröffnung ein Guthaben von 2 161415 Mark bei der Leipziger Bant hatte. Exner schildert eingehend die Geschäfte uni) den Entwicklungsgang der Leipziger Hypothekenbank und deren Beziehungen zur Leipziger Bank, p-elch letztere, wie er darlegt, die Hypothekenbank unter ihre Kontrolle nahm und gleichsam mit ihr identisch wurde, denn die Leipziger Bant habe jederzeit die Macht in der Hand gehabt, über die Gewährung von Hypotheken mitzuent- fcheiden. Exner sagt, er habe sich zuletzt vorwiegend mit der Organisation des Verkaufs von Pfandbriefen der Hypothekenbank beschäftigt, und als dies beendet war, seine Hauptaufgabe als beendet betrachtet In den letzten Jahren habe er sich weniger um die Hypothekenbank bekümmert Was die Emission von Pfandbriefen betreffe, fo seien U/s Million gezeichnet Wenn man behaupte, daß diese Subskription geschehen fei, um für die Leipziger Bank Geld zu machen, so sei dies entschieden unrichtig. Dr. Gentzsch schließt fidji den Ausführungen Exners an und bestreitet ebenfalls, die Absicht gehabt zu haben, zum ÄLachteil der Hypothekenbank irgend eine unrechte Handlung zu begehen. Dem Direktor Rothe von der Hypothekenbank, der direkt mit ihm «ch) über die Gerüchte wegen der Trebergesellschaft habe er nur allgemeine Andeutungen gemacht, aber niemals solche über die Höhe des Obligos, das Konto- korrentkonbo der Trebergesellschaft habe er in Höhe von 10 bis 15 Millionen genannt. Dodel erklärt, er habe nie geglaubt, daß, selbst im unglücküchsten Falle, die Leipziger Hypothekenbank bei der Leipziger Bank Geld einbüßen würde. Es sei ihm niemals der Gedanke gekommen, darauf zu dringen, daß das Guthaben der Hypochekenbank bei der Leipziger Bank abgehoben werde. Zeuge Rote, Direktor der Leipziger Hypothekenbank, erklärt, er könne sich bezüg- llch der A(ärz-Juni-Emissioneu im Jahre 1901 nicht erinnern, wer oer arrregende Teil gewesen sei. Er habe mit Gentzsch darüber Verhandlungen gepflogen, von denen Exner wußte. Ein besonders dringendes Bedürfnis zu Emissionen lag nicht vor, wohl aber hatte natürlich die Hypothekenbank das Bestreben, durch Ausgabe von Hypothekenbriefen vorwärts zu kommen. Gentzsch habe ihm die Treber- gesellschast als gut lohnende KontoLorrentverbindung und iÄrgagements von 10—15 Millionen als gedeckt bezeichnet Gentzsch bestreitet, daß er jemals Summen genannt habe. Er habe nur hie Engagements angedeutet. Zeuge Rothe sagt, es sei ihm nicht bekannt gewesen, daß die Leipziger Bank früher Hypotheken-Pfandbriefe lombardiert habe, wohl aber im Jahre 1901, wo sie bei der Lotterie-Darlehnskasse und bei der Reichsbank im ganzen 800 000 Mk. lombardiert hatte. Dieses Lombard-Konw löste die Hypothekenbank ein, um die Pfandbriefe nicht entwerten zu lässen. Der Zeuge fügt hinzu, daß niemals an die Hypothekenbank, weder von Exner noch Gentzsch herangetreten sei, um Beleihungen von Anlagen der Trebergesellschaft vorzunehmen.
Alsdann werden auf Antrag der Verteidigung die Sachverständigen Büng, Direktor Hermann, Plauth, Schlieper, Lambert und Daltrop eingeh^rd darüber vernommen, ob die Bücher der Bank übersichtlich geführt feien und ob es bei Ausbruch des Konkurses möglich gewesen sei, eine Uebersicht über den Vermögensstand der Bank zu gewinnen. Die Gutachten gehen zumeist dahin, daß nach den angegebenen Zahlen der Vermögensstand festgestellt werden konnte, daß aber die Geschäfte nicht zu erkennen waren und daß bei der Bant eine klare Uebers ichrüber
den Gesamt-Geschäftsverkehr gefehlt habe. Nach Vereidigung der Zeugen Wuthe und Premsler wird die Beweisaufnahme geschlossen. Morgen beginnen Plai- doyers.
Aus Stadt und Aand.
Gießen, den 17. Juli 1902.
** Gerichtsfe r i en. Aus juristischen Kreisen wird zu dem am 15. d. M. eingetretenen Beginn der Gerichtsferien auf folgendes aufmerksam gemacht: Vielfach adressiert das rechtsuchende Publikum seine Briefe und Eingaben an die betreffenden Beamten des Gerichts persönlich- wie z. B.: ,Herrn -Oberamtsrichter", oder „An Grjoßh. Amtsgericht, z. H. des Herrn Amtsrichters . . . ." Ist diese Art des Adressierens an sich schon unangebracht, jo können gerade während der Ferien den Absendern nicht allein unliebsame Verzögerungen, ja sogar große pekuniäre und rechtliche Nachtelle entstehen, wie z. B. durch Ablauf gesetzlicher Fristen und dergleichen. Während der Ferien ist ein Teil der Beamten immer beurlaubt und abwesend. Treffen nun Briefe unter der persönlichen Adresse eines der abwesenden Herren ein, so bleiben dieselben vielfach bis zu dessen Rückkehr uneröffnet liegen, und der Absender hat sich dann alle etwaigen Nachteile selbst zuzuschreiben. Es empfiehlt sich daher dringend, alle an die Gerichte abzusendenden Schriftstücke mit der richtigen Adresse, und zwar kurzweg: „Großh. Amts- oder Landgericht in . . . ." zu versehen. — Zugleich wollen wir nochplals darauf hiirweisen, daß während der Gerichtsferien nur in „Feriensachen" Termine abgehalten und Entscheidungen erlassen werden. Feriensachen sind: Strafsachen, Arreste und einstweilige Verfügungen, Meß- und Marktsachen, Mietstreitigkeiten, Streitigkeiten zwischen Dienstherrschaft und Gesinde, Arbeitgebern und Arbeitern, Wechselfachen und Bausachen.
** Das Iahresfest des Zweigvereins der, Gustav-Adolfstiftung im Dekanate Gießen wird am nächsten Sonntag in A l l e n d o r f a. d. Lumda gefeiert werden. Der Vormittagsgottesdienst, in dem Dekan Wagner von Grünberg predigen wird, wird um 10i/2 Uhr beginnen, sodaß er mit dem 8.oö Uhr hier ab geh enden Zug über Lollar bequem zu erreichen ist. Wer erst an der Nach?- mlltagsfeier teilnehmen will, die um 2 Uhr ihren Anfang nehmen wird, muß über Grünberg-Londorf fahren. Der Zug geht hier um 12.08 Uhr ab, in Grstnberg um 12.55 Uhr, und kommt in Allendorf um 1.45 Uhr an. Im Nach^- mittagsgottesdienst wird Pfarrer Glück von Heuchelheim predigen und Professor D. Stamm von hier den Jahresbericht erstatten. Daran wird sich, eine kurze Mitgliederversammlung anfchließen, in der Wahlen zum Vorstand vorzunehmen sind. Ueblicherweise entsendet dazu jede Gemeinde ihren Geistlichen und ein oder mehrere Mitglieder des Kirchenoorstcurdes. Für eine spätere Nachversammlung, die bei gutem Wetter im Freren stattfinden wrrd, sind noch allerlei Ansprachen vorgesehen.
** Der Mangel an T el e g r ap hen^-Se kre - tären macht sich bei der Reichspostverwaltung in fühlbarer Weise bemerkbar. Um demselben abzuhelsen urrd um gleichzeitig tüchtige Anwärter für Telegraphen-Sekretär- stellen in größerer Zahl als bisher zu erlangen, sind jetzt vom Staatssekretär des Reichspostamts wesentliche Erleichterungen für die Sekretärprüfung geschaffen worden. Zunächst können sich sür das laufende Etatsjahr zur Telegraph ensekretärs-Prufung auch schon die aus Zivilanwärtern hervorgegangenen Assistenten und Postverwalter melden, welche die Assistentenprüfung in der Zeit vom 1. April 1893 bis Ende Dezember 1894 bestanden habdn oder im gleichen Dienstaller wie diese stehen. Bei der Anmeldung zur Prüfung sollen alle unnötigen Erschwerungen fortfallen und die Prüfung selber soll wesentlich erleichtert werden. Zunächst soll die Vorprüfung gänzlich in Fortfall kommen. Das vom Amtsvorsteher abzugebende Urteil, daß der Beamte nach seinen Kenntnissen, seiner Befähigung und seiner Gefamthaltung zur Prüfung zugelassen werden könne, soll in der Regel als ausreichende Gründlage für die Entscheidung der Oberpostdirellion über die Zulassung angesehen werden.
** Roheiten. In neuester Zeit haben die Roheiten gegen die Radler wieder einmal zugenommen. Zwar hört man nicht oder doch nur äußerst selten beschimpfende Zurufe; auch körperliche Angriffe wegen des Radfahrens kommen nicht sehr häufig vor, wenn auch dumme Jungen öfters Holzstücke oder Steine Radlern in die Speichen werfen. Aerger aber werden Radler durch andere Bubenstreiche gefährdet. Oft werden die Radfahrerwege hinterlistig an Stellen, die besonders schwierig sind, mit Steinen verlegt, oder es werden Bierflaschen zerschlagen und die Flaschenhälse und die noch gefährlicheren Flaschenböden dort so hingelegt, daß der schnell fahrende ahnungslose Radfahrer hineinfahren und entweder stürzen oder sich die Luftreifen zerschneiden und zu Falle kommen soll. Was ist das doch in beiden Fällen für ein niederträchtiges Verhalten, um so unbegreiflicher, als doch jetzt so viele Handarbeller Rad fahren, für die eine Beschädigung der Maschine und Zerstörung der Pneumatik, und wenn nichts weiter passiert, einen schwerwiegenden Verlust bedeutet! Und wenn der stürzende Radfahrer sich schwer verletzt, was bann? Mit dieser Möglichkeit müssen solche Uebelthäter doch rechnen! Jeder, der über irgend welchen Einfluß verfügt, sollte diesen benutzen, um Kreise, zu denen man sich solcher Ruchlosigkeit versehen kann, zu ermahnen und auf die gefährlichen Folgen, die sehr leicht die eigenen Kameraden treffen können, hin- zuweisen. Geistlichkeit, Schule, Arbeitgeber, Polizei sollten die Presse nachdrücklichst unterstützen, Roheiten gegen die Radfahrer aus der Well zu schaffen.
** Niederschlagsbeobachtungen in Hessen. Wie wir von Zuverlässiger Seite erfahren, wird in den nächsten Tagen der erste Jahrgang der Niederschlagsbeobachtungen im Großherzogtum Hessen, bearbeitet von dem Großherzoglichen Hydrographischen Bureau vollständig im Druck Dornegen. Wir verfehlen nicht, aus diese Publikation hinzuweisen, da dieselbe für mannigfache Zwecke der Land- und Forstwirtschaft und besonders auch des Wasserbaues von wesentlichem Interesse ist. Für letztere dürsten neben den größten täglichen Niederschlagsmengen besonders die auf der letzten Seite jedesmal veröffentlichten zahlenmäßigen Nachweise über die „Großen Niederschläge in kurzer 3eit“ (sogenannte Wolkenbrüche, Platzregen) von Wert sein, die vor allem für Zwecke des Kanalbaues, der Bachregulierungen ic. die unbedingt notwendige Grundlage bilden. Während diese Veröffentlichung in halbjährigen Heften gedruckt wird, erscheint eine kurze Uebersicht über das Wetter vergangenen Monats mit ausführlichen Tabellen über Wärmeverhältnisse, Niederfchlag und die übrigen meteorologischen Faktoren von dem Hydrographischen Bureau bearbeitet jeden Monat in der „Darmstädter Zeitung", außerdem wrrd ein in Zukunft jährlich herausgegebenes meteoro
logisches Jahrbuch die reichhaltigen Materialien und Daten: weiteren Kreisen zugänglich machen, welche sich aus den Beobachtungen in dem durch das Hydrographische Bureau eingerichteten und sell Januar 1901 thatigen meteorologischen Beobachtungsnetz ergeben, wie auch das Hydrographische Bureau durch schon öfter in Anspruch genommene Erteilung von Auskunft über meteorologische und hydrographische Verhältnisse seine Thätigkeit für die Oeffentlichkeit nutzbar macht.
Birkenau, 14. Juli. Unsere Kirchweih, die gewöhn- lich ruhig und friedlich verläuft, wurde dieses Jahr durch eine blutige Affäre recht unliebsam gestört. Drei junge Leute aus Weinheim bezw. Mainz gerieten in einer hiesigen Wirtschaft in Streit, wobei der eine der Raufbolde den beiden anderen eine Menge von Messerstichen versetzte. Beide liegen lebensgefährlich verletzt darnieder. (?)
Vermischtes.
• Kassel, 16. Juli. Das Ergebnis des PreisanS* schreibens für den Kasseler Rathaus-Neubau liegt jetzt vor. 180 Arbeiten aus ganz Deutschland sind einge* laufen. Den ersten Preis 'erhielt Karl Rohd-Darmstadt, zweite Preise F. Berger-Berlin, Felix Wild-Charlotten- burg, ferner Jürgen Kröger, Jürgensen und Bachmann- Wilmsdorf.
* Paris, 16. Juli. Der gestern auf der Eisenbahn«, fahrt nach Versailles überfallene deutsche Arzt Dr. Ordenstein ist heute Vormittag seinen Verletzungen erlegen. Dr. Ordenstein war ein Onkel des Professors Ordenstein am Karlsruher Konservatorium für Musik. Dr. Ordenstein war vor seiner Uebersiedelung nach Paris in Worms als prak- trscher Arzt thätig und erfreute sich der allgemeinen Achtung und Beliebtheit. Seine zahlreichen Freunde werden die Kunde von dem ftechen Uederfall mit auftichtiger Betrübnis vernehmen.
* Paris, 16. Juli. Die Gräfin Peyrone wurde gestern von einem Automobilwagen überfahren, wobei sie einen Beinbruch erlitt.
* Innsbruck, 16. Juli. Vom Olperer in den Zillerthaler Alpen ist der Lehramts-Kandidat Hugo Schramm ab gestürzt. Er war sofort tot.
* Venedig, 16. Juli. Unter den Beitragen für den Wiederaufbau des Glockenturms von San Marco, die dem Bürgermeister unausgesetzt aus allen Teilen Italiens und dem Auslande zugehen, befindet sich ein solcher des Senators Breda aus Padua in Höhe von 100 000 Lire. Die Bevölkerung bespricht mit viel Sympathie den Besuch des hiesigen deutschen Konsuls beim Präfekten. Namens des deutschen Kaisers drückte der Konsul, der hierzu eine eigene telegraphische Ordre aus Bergen erhalten hatte, das Beileid des Kaisers aus. Der Kaiser empfinde tiefste Täl- nahme wegen des Unglücks, das die Kunst, Italien und das von ihm geliebte und verehrte Venedig betroffen habe. Der Präfekt bat den Konsul, dem Kaiser das Gefühl des tiefsten Dankes der Bevölkerung zu übermitteln.
* Tunis, 16. Julü Ein Soldat des StrafbataillonS namens Ehiboule überfiel heute Nacht den Wachtposten des Pulverdepots einer Kaserne. Der Posten schoß den Angreifer nieder. Nach dem Ergebnis der Untersuchung glaubt man, daß Ehiboule das Pulverdepot in Brand stecken wollte.
• New-Pork, 16. Juli. In den zwei großen Pul» verbehältern der Daily West-Mine bei Park-City in Utah ereignete sich eine heftige Explosion. Zur Zeit des Unglücks waren 150 Mann in der Grube beschäftigt, 2 7 Leichen und 21 schwer verletzte Grubenarbeiter sind bereits herausgeschafft. Man fürchtet, der Brand werde sich auch auf die Ontariogrube ausdehnen, in der 100 Mann beschäftigt sind.
* Frauen in leitender Stellung. Vor einiger Zeit ging durch die Presse eine Notiz, wonach in Vilpien an der Bozen-Meraner Eisenbahn in Tirol der erste weibliche Bahnhofs-Vorsteher angestellt worden fei. Wie jetzt die v(5t James Gazette" mitteilt, marschiert Oesterreich keineswegs an der Spitze der Kultur, wie man anläßlich der Mitteilung über die erste dortige Stationsvorsteherm annahm^ Das genannte Blatt führt eine ganze Reihe von Berufen anr in denen sich Frauen Posttionen geschaffen haben. In England ist die Stations-Vorsteherin nichts neues, denn eine ganze Anzahl von kleinen Bahnhöfen besindet sich unter der Obhut von Frauen. Im Betriebe der australischen Staatsbahn ist eine ganze Anzahl von Frauen thättg, und im Staate Viktoria giebt es nicht weniger als zweihundert Bahnhofs-Vorsteherinnen. Im Dorfe Bitten in Gloucester- shire versieht eine alte Dame seit 60 Jahren den Dienst als Briefträgerin. Das Grafschaftsgefängnis von Kent in Neuschottland untersteht weiblicher Leitung. Weibliche Direktoren giebt es in England sowie in Amerika, und eine der reichsten Frauen Englands ist Mitglied des Direttoriums eines der ersten Bankhäuser. Das britische Handelsamt verteidigt die See noch gegen die vordringenden Evastöchter und hatLady Ernestine Brudenelle Bruce das Käpitänscertifikat oerroeigert; die verwitwete Lady Clifford dagegen besitzt ein solches und segelt ihre eigne Pacht im Mittelmeer. Die Postbehörde beschäftigt etwa 30 000 Damen in ihrem Dienste und zwischen 5000 und 6000 Postämter Englands werden von Frauen verwaltet.
* Ein akademischer Streit um den „Simpkin c i s s i m u s". Die „Kiel. Zkg-" veröffentlicht folgende Zu^ schrist: „In letzter Zeit ist an der Universität Kiel ein heftiger Streit um die Münchener Wochenschrift „Simpli- cissimus" (Verlag von Albert Langer) gesockten worden. Es wurde von studenttscher Seite beantragt, den „Simpli^ cissimus" in der Lesehalle auszulegen. Dieser Antrag wurde jedoch mit Entschiedenheit zurückgewiesen, indem man vorgab, der „Simplicissimus" sei ein schmutziges, die Sittlichkeit der akademischen Jugend gefährdeickes Blatt. Als! trotz des Ausschlusses des Blattes aus der Lesehalle unb trotz der feinolichen Stellung der Professoren dem „Simplicissimus" gegenüber der Kampf hartnäckig fortgesetzt wurde, verbot der Rettor der Universität aufs sttengfte> irgend einen Schritt zur Förderung der Tendenzen dieser Zeitschrift zu thun. Die „Freie akademische Vereinigung für Kunst und Litteratur" an der Universität, deren Vorstand! lange vor diesem Streite ans „künstlerische n" Beweggründen die Veranstaltung eines „Simplicissimus"-Abends hatte, wollte am 10. Juli Stücke aus dem „Simplicissimus^ zum Vvrttag bringen. Als dem Rektor dies Erhaben mit-


