Ausgabe 
17.5.1902 Zweites Blatt
 
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Vermischtes.

* Thorn, 16. Mai. In der russischen Grenzstation Alexandrowa wurden in einem mit Vorsatzbrettern plom­bierten Güterwagen, dessen Inhalt als Dienstgut deklariert war, bei einer Revision unter Brettern versteckt mehrere große Ballen Seidenzeug im Werte von 40000 Mk. ent­deckt und von der russischen Zollbehörde beschlagnahmt. Die Untersuchung ist eingeleitet.

* Dresden, 16. Mai. Nach einer Mitteilung der kgl. Polizeidirektion haben in den letzten Tagen 6 5 Ver­haftungen von Personen aus Dresden und Umgebung wegen Verbrechens gegen das keimende Leben statt­gefunden. Heute wurden noch acht Frauen wegen desselben Verbrechens verhaftet. Eine große Anzahl Frauen ist zeit­lebens gesundheitlich geschädigt. Drei Frauen sind an den Folgen der Behandlung gestorben.

* Aschaffenburg, 16. Mai. In Hofheim (Unter­franken) segelte gestern ein 82jährigerGreis wohlgemut in den Hafen der Ehe. Die ihm angetraute Eheliebste zählt 41 Lenze.

* Mannheim, 16. Mai. Auf der Rheinau ver­unglückte heute mittag der Mitinhaber der Mannheimer Eisfabrik Louis Pfefferkorn, ein sehr angesehener Kauf­mann. Er stand am Rheinufer im Bereich eines Dampf- krahnens, als dieser sich in Bewegung setzte und mit seinem Gegengewicht den Unglücklichen an das eiserne Ufergelände preßte. Kurze Zeit darauf erlag der im Alter von 41 Jahren tehende kräftige und blühende Mann seinen Verletzungen.

* Kaiserslautern, 16. Mai. Das bereits gemeldete Unglück ereignete sich dadurch, daß die Pferde des Jagd­wagens die geschlossene Barriöre durchbrachen. Der Jagd­wagen wurde vom Zuge erfaßt und vollständig zertrümmert. Der Unfall fand zwischen 1 und 2 Uhr nachts statt. Tot sind fünf Personen, vier Ackerer aus Seyerdorf und Lachen und ein Unbekannter. Dem Bräutigam mußte ein Bein ab­genommen werden. Das Gefährt gehörte dem Kutscherei­besitzer Fischer-Neustadt. Der Kutscher hat sich sofort der Polizei gestellt.

* Prag, 16. Mai. Nach einer hier aus Tep litz ein* gegangenen Meldung nahm in den letzten Tagen das Wasser in den dortigen Reservoirs eine o k er gelbe Farbe an. Die Reservoirs wurden abgelassen. Man bringt die Erscheinung mit den letzten vulkanischen Eruptionen in Zusammenhang. Gegenwärtig ist das Wasser wieder klar.

* Görz, 16. Mai. Der Obmann des hiesigen sozialistischen Arbeitervereins Josef Kandutti und dessen Geliebte haben sich, nachdem sie sich vorher die Häirde mit einem Taschentuch zusammen gebunden hatten, in den Jnsonza gestürzt und sind ertrunken. Kandutti erklärt in einem hinterlassenen Briefe, daß er den Selbstmord auL Kränkung darüber verübt habe, weil er wegen Ehrbeleidigung zu 2V, Monaten Kerker verurteilt worden sei.

Paris, 16. Mai. Ein schreckliches Drama hat sich in Calais abgespielt. Am Mittwoch Morgen gab der 20- jährige Butez, der mit seiner Mutter zusammen wohnte, 3 Revolverschüsse auf eine Nachbarin, die 59jährige Wittwe Grodez ab, die schwer am Nacken verwundet wurde. Dann richtete der Elende die Waffe gegen seine ei­gene Mutter und schoß ihr in die Schläfe, sodaß sie auf der Stelle tot zusammenbrach. Der Mörder wurde verhaftet Wie eS scheint, hat er das Verbrechen in einem Anfalle vov Geistesstörung verübt.__________

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Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Clettrizitätsgesellschast vorm. Schuckert u. Cie in Nürrr- berg. Wir haben bereits mitgeteilt, daß sür das abgelaufene Jahr eventuell eine Dividende von 4 Proz. verteilt werden kann. Doch soll der Gewinn zu einer Stärkung der Gejellschafl verwendet werden. Neu ist, daß angeregt wurde, bei dem fortgesetzten Nuck- gang des Kurses der Aktien des Unternehmens und bei der sur die Aktionäre unerfreulichen Aussicht, eine Vereinigung von Aktionären zu bilden, die eine gründliche Prüfung der isage des Unternehmens einträte und vornehmlich auch die Verwaltung des Unternehmens veranlassen würde, über die mit der Allge- meinenElektrizitätsgesellschaft seinersetts gepflogenen Unterhandlungen Auskunft zu geben. ~ x

Akt.-Ges. für Hoch- und Ticsbauterr ^rauffurt a. M. Während im vorletzten Geschäftsjahr eine Dividende von 7 Proz. zur Verteilung gelangte, kann für das abgelautene Jahr den Aktionären ferne gezahlt werden. Vom Gewinn werden die voraus­sichtlichen Ballverluste abgeschrieben, dann der ganze Buchwert der Aktien der Süddeutschen Waggonfabrik m Kelsterbach, einschließlich des 30496 Mack betragenden Vortrags bleibt em Ueberschuß vov rund 50000 Mack, der dem allgemeinen Ruckstellungskonto zu- gestihrt werden soll. Dasselbe wächst dadurch auf 130 000 Mk.

3proz. Sächsische Reute von 1900. Das sächsische Finanz« minislerium hat tue resllichen 50 Millionen Mack 3proz. Anlechen

noch. Wat aber buch stäb lich vom Kops bis zu den Füßen geröstet. Sre wurde ins Hospital geschafft und konnte dort ungefähr fünf Minuten lang zusammenhängend sprechen. Dr. Verne, der jetzt in Fort de France ärztliche Hilfe leistet, hat beim Ausbruch des Mont Pelee 42 Verwandte verloren. Aus der Verwandtschaft eines Herrn Claracs, des reichsten Kaufmanns in Fort de France, sind 110 Persouen ums Leben gekommen.

Der ganze Norden ist verwüstet und die Hälfte der Inselbewohner ohne Obdach, ohne Arbeit, ohne Nahrung und Kleidung. Horden von schwanen Arbeitern durch­ziehen die Insel, um in Fort de France Unterstützung zu finden, oder in S4. Pierre und den übrigen verwüsteten Ortschaften zu plündern. Die Gendarmerie, die ein Drittel ihres Personals in St. Pierre verloren hat, arbeitet mit lieber an strengung, um diese Plündereien zu verhindern. 50 in St. Pierre verhaftete Leichendiebe und Einbrecher wurden bereits zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Der Gerichtsbezirk von St. Pierre ist aufgelöst und demjenigen von Fort de France zugeteilt worden. Auch die Bank von Martinique Äst wieder eingerichtet unter der Verwaltung eines provisorischen Direktors.

Die Offiziere des dänischen KriegsschiffesValkyrien" berichten über erschütternde Szenen. So sah man z. B. Mütter, die mit dem eigenen Körper ibre Kinder zu schützen versucht hatten. Unwett der Kathedrale befanden sich Wagen, gefüllt mit Menschen, die augenscheinlich flüchteten, als der Tod sie erreichte. Man sand auch eine Prokla­mation des Gouverneurs Mouttes, die besagte, daß keinerlei Gefahr vorhanden sei, da eine gelehrte Kom­mission positive Kenntnis über die Sachlage habe. Am nächsten Morgen war jedes Mitglied dieser Kommission umgekommen. Bemerkenswert ist, daß lange vor dem Ausbruch des Pelse alle wilden Tiere aus der Nach­barschaft verschw anden, während die Haustiere Zeichen großer Angst gaben. v . ...

Me ferner aus Fort de France berichtet wird, ist das Meer an manchen Stellen 30 Meter zurückgetreten. Die Oberfläche ist mit toten Fischen bedeckt. Am Abend des 15. hat man in Fort de France zwischen 10 und 11 Uhr von neuem starke, aus dem Vulkan M o n t P e l e e aussteigende Feuergarben gesehen. Am Morgen darauf riesen aus dem Vulkan aussteigende dichte rot­leuchtende Rauchwolken in den Ortschaften Lorram, Ma- rigot, St. Marie und Trinits großen Schrecken hervor. Die etwa 20 Minuten dauernde Erscheinung war von Aschenregen begleitet.

Im französischen Ministerium der Kolonien hat sich jetzt ein zielbewußtes Zusammenarbeiten orga­nisiert. Von Paris aus sind Anweisungen ergangen, alle aus den benachbarten Inseln, sowie in Nord-Amerika auf­zutreibenden Lebensmittel, besonders Mehl, nach Mar­tinique zu schaffen. Aus Newyork sind Konservenladungen, aus Neu-Fundlaiid beträchtliche Mengen von Stockfischen unterwegs. Diese ersten Transporte sollen genügen, um 150000 Personen drei Wochen lang zu erhalten. Unter­dessen kann aus dem Mutterlande weitere Hilfe eintreffen. Aus Brest sollen zwei Kriegsschiffe, mit Lebensmitteln be­laden, Anfang der nächsten Woche abgehen. Daß bei der Ausdehnung des Elends auf der halb zerstörten Insel kein Pfennig der aus der ganzen Welt einlaufenden Sum­men überflüssig ist, braucht nicht betont zu werden. Die von dem genannten Ministerium eröffnete Sammlung hat bis gestern nachmittag Frcs. 450000 ergeben.

Der PariserPresse" zufolge hat Präsident Kruger aus Utrecht 13. Mai an den Präsidenten Loubet folgen­des Schreiben gerichtet:

Da ich höre, daß es noch eine Anzahl unglücklicher Ueberlebenden der Katastrophe von Martinique giebt, so wünsche ich, obgleich zu meinem großen Bedauern meine Hand durch meine eigenen Umstände und die­jenigen'meines Volkes gekürzt ist, ein kleines Zeichen meiner Sympathie zu geben, indem ich die Summe von 800 Fr. zu Gunsten der Opfer Ew. Exz. zur Ver­fügung stelle.

Aus Fort de France wird gemeldet: Ern eng­lischer Offizier, weicher beschuldigt wird, aus den Ruinen der Kirche von St. Pierre heilige Gefäße gestohlen zu haben, wird steckbrieflich verfolgt. Derselbe ist nach St. Lucia unterwegs, wo er bei seiner Ankunft verhaftet wer­den wird. Da bereits ähnliche Fälle vorgekommen sind, haben die Truppen den Befehl erhalten, die Diebe auf frischer That sofort niederzuschießen.

Aus Stadt und Hand.

Gießen, den 17. Mai 1902.

* Der 1000. Student. Es dürfte unsere Leser inter­essieren, zu erfahren, daß der tausendste Student und sein Kommen bereits im vorigen Jahre auf einem Fest eines Teils unserer Musensöhne besungen wurde. Es geschah dies auf dem 50jähr. Stiftungsfest der BurschenschaftGermania". Wir geben das Liedchen, das sich zwar nicht gerade durch große Schönheit der Verse, wohl aber durch kernigen Humor aus­zeichnet, in Folgendem wieder:

1. Von allen den.Städtchen im hessischen Land gefällt mir doch Gießen am besten, das burgenumrahmte, am Wiesecker Strand, durchzogen von sanslen Morästen. Sind krumm auch die Gassen, die Häuser auch schief, mag trüb auch der Schurgraben fließen, uns rettet das Ludooiciana-Mötiv: Der Wissenschaft Stätte ist Gießen!

2. Schon wird uns die Aula zu enge, an der jetzt neunhundert studieren; und kriegen wir erst mal den Tausendsten her, den lassen wir photographieren. Sein Bild bringtDie Woche"; der Glück­liche darf semesterlang Freibier genießen; in jedem Examen besteht er mit Glanz und wird Ehrenbürger von Gießen.

3. Immatrikulieren wir Frauen erst, ja! dann winkt uns die Zukunft in Rosa, dann wird auch vielleicht unser Tausendsassa kein Studio, nein eine Studiosa! Die muß dann der ältste Privatdozent frei'n, so forderts die Alma mater. Die ladet zum Hochzeitsbankette uns ein und trinkt sich im Kaffee 'nen Kater.

4. Dann naht eine liebliche Hochschulreform, verbürget mit Brief und mit Siegel. Ein Hochschulenstandesamt wickel enorm; kein Hörsaal ist mehr ohne Spiegel. Tas Eherecht wird das be­liebtste Eolleg; die Couleur-Verbindungen klagen: Denn keine Studentin läßt sich darauf ein, stets dieselbigen Farven zu tragen.

5. Auch über das Studium der Theologie ergießt sich die weibliche Gnade; so voll' Auditorium sahen noch nie Herr Kacken- busch, Köstlin und Stade. Es lernen die Damen mit Eifer und Fleiß so manche gar dienliche Predigt; dasmutier taceat" früherer Zeit ist desinitiv nun erledigt.

6. Bis dieseeckräuliche" Zukunft sich naht, laßt unsherr­liche" Gegenwart tosten. Des morgens beim Studium, abends beim Skat nicht rasten hier, dorten nicht rosten. Und habt ihr den Kopf mit Gelehrtheit gefüllt, so nehmet die Gläser und leert sie; und denket der Ludoviciana dabei, und mit fröhlichem Jubelruf chrt sie.

** Submissions-Ergebnis. Gestern erfolgte die Oeffnung der Angebote für die Ausführung der Um­zäunung des Pr o vinz ial-Sie ch enh aus es- Das Ergebnis war folgendes: Die Gießener Vereinigung der

fange betrieben haben soll. Dr. Sonntag wurde einstweilen vom Schuldienst suspendiert.

Frankfurt a. M., 16. Mai. Eine Sehenswürdigkeit von ungewöhnlicher Bedeutung, welche in Süd- und Mittel­deutschland die erste ihrer Art ist, wird am Samstag den 17. Mai hier der Oeffentlichkeit übergeben, nämlich Cast ans Panoptikum. In dem Gebäude-Komplex Kai- erstraße 6769, unmittelbar am Bahnhof beftnden sich >ie Ausstellungsräume, die sich durch drei Etagen erstrecken unb glänzend ausgestattet sind. Kunst und Kunstgewerbe befleißigen sich, einen würdigen Rahmen für die Schau- tellung zu schaffen. Das ganze Unternehmen tritt in großartigstem Style ins Leben und überflügelt an Origi­nalität und Reichhaltigkeit seine norddeutschen Vorgänger bei weitem. Der Schöpfer ist der bekannte Berliner Bild- -hauer Louis Castan, Begründer des Berliner Panoptikums, >er in Frankfurt a.M- eine interessante Sammlung sämt­licher lebender Fürstlichkeiten, eine Fülle historischer, künst­lerischer, seriöser und humoristischer Gruppen schuf und außerdem in einer hochinteressanten Schreckens- und Folter­kammer, ein Stück mittelalterilcher ^Kulturgeschichte wieder aufleben liest Natürlich sind die Tagesberühmtheiten der Politik und Kunst, die Verbrecherwelt und sensationelle geschichtliche Ereignisse veranschaulicht. Von großem bil­dendem Wert ist eine umfangreiche Abteilung, und damit der Humor zu seinem Rechte komme, fehlt es auch nicht an komischen Details, sodaß jeder Besucher aus dem Frank- urter Panoptikum eine Fülle von Anregungen mitnehmen vir-b. Der Eintritt kostet nur 50 Pfg., für Kinder 25 Pfg.

** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. In Marburg ist infolge einer Lungenentzündung der Land­gerichtspräsident Geh. Oberjustizrat Dr. Schultheis ge- torben.

fermeifter Wiegandk, der direkt Offerte abgegeben hatte, ;ot die Arbeit für 4900 Mark an, während als billigster Lieferant Schlossermeister Arnold 4800 Mark verlangte.

** Leichenländuug. Wie wir mitteilten, ist am Dienstagabend bei der Badenburg aus der Lahn eine Leiche gelandet worden. Wie nunmehr feststeht, ist der Ertrunkene ein in den 70er Jahren stehender Mann aus Wißmar. Er verließ am Dienstagvormittag die Wohnung seines dort wohnenden Sohnes, angeblich um sich zu seinem anderen Sohne zu begeben. Jener glaubte, der Vater wäre, als er abends nicht Kurückkehrte, bei dem Bruder geblieben. Erst später hörte er, daß er aus der Lahn gezogen worden ei. Da der Verstorbene in guten Verhältnissen lebte und auch sonst kein Grund vorlag, der ihn in den Tod getrieben hätte, so dürfte ein Unfall vorliegen. Er wurde gestern unter großer Beteiligung in seinem Heimatsorte beerdigt. Dem in Wißmar lebenden Sohne kann keine Schuld bei­gemessen werden, da sich der Vater öfters zeitweise bei einem anderen Sohne aufhielt.

* Evangelischer Arbeiterverein. Wie wir vernehmen, findet am 2 7. Juli das Verbandsfest des mittelrheinischen Verbands evaugelischerArbeitervereine hier statt. Dies Fest wird noch seine besondere Bedeutung >adurch erhalten, daß damit die Fahnenweihe des hiesigen Arbettervereins verbunden ist. Iw Hinblick auf die ür ein größeres Fest notwendigen Vorbereitungen fanden bereits mehrere Versammlungen statt; auch haben sich mehrere Ausschüsse gebildet, welche für einen schönen und würdigen Verlauf des Festes Sorge zu tragen sich bemühen. Der Verband umfaßt 22 zum Teil blühende, zum Teil auf- "trebenbe Vereine, welche in solch' großer Zahl an dem Fest teilnehmen werden, daß das Gros der Teilnehmer mit Extrazug von Frankfurt aus hier eintreffen wird. Nach der Ankunft der Gäste findet um 10i/4 ll.hr in hiesiger Stadt- kirche ein Festgottesdienst statt. Daran schließt sich die Delegiertenversammlung im Cass Ebel, Besichtigung der Stadt und Mittagessen an. Um halb 2 Uhr bewegt sich der Festzug von Oswalds Garten nach Steins Garten. Dort- elbst findet die Fahnenweihe sowie die weitere Festfeier tatt. Am Abend wird der hiesige Arbeiterverein, der etwa 350 Mitglieder zählt, mit den noch zurückbleibenden Gästen noch eine besondere Familienfeier gleichfalls in Steins Garten abhalten. Der musikalische Teil wird von der gesamten hiesigen Regimentskapelle ausgeführt, auch wer- >en die gemischten Chöre der Vereine, darunter der hiesige, zur Belebung und Verschönerung des Festes beitragen.

**DeutscheGesellschaftzurRettung Schis f- brüchiger. Zur Beratung der Fortentwicklung des Rettungswesens treten am 28. und 29. d. Mts. die Verwalt­ungen der Bezirksvereine und die Vertreterschaften der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in M ai n z zusammen. Wettgehende Verbesserungen des Rettungsmate­rials, sowie die Unterstützung von Hinterbliebenen der bei dem Rettungswerk auf hoher See Verunglückten werden in erster Linie Gegenstand der Verhandlungen sein. Nicht weniger denn 2932 Menschenleben, die in Gefahr waren, in den Wellen des aufgewühlten Meeres ihr Ende zu finden, wurden seit Bestehen der Gesellschaft durch deren Einrichtungen gerettet, und es ist zu erhoffen, daß bei dem wachsenden Interesse, das man in Deutschland dem humanen und nationalen Unternehmen entgegenbringt, von Jahr zu

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Jahr erfolgreicher vorgegangen werden kann. Nach Er­ledigung der Tagesordnung wird auf Einladung des Kom­merzienrats Kupferberg die Besichtigung der Sekt­kellerei der Firma Ehr. Ad. Kupferberg & Co. stattfinden; auch ist eine Rheinfahrt nach dem Niederwald in Aussicht genommen. Freunde der Gesellschaft können mit ihren Damen an diesen Veranstaltungen teilnehmen und er­fahren hierüber näheres bei der hiesigen Vertreterschaft.

** Die Eismänner herrschen mit ununterbrochener Gewalt weiter über den in tausenden von Gedichten gepriesenen Wonne­monat. Wir können uns aber noch glücklich preisen, wenn wir z. B. an jene Meteorologen denken, denen hoch oben auf der Zugspitze dasMailüsterl" um die Nase pfeift. Bekannt­lich bewohnt dieser Meteorologe das ganze Jahr die höchste Wetterwarte im deutschen Reiche von fast 3000 Meter. Der Herr telephoniecke nun folgende Temperaturen zu Thale: 1. Mai11°, 2. Mai14,8°, 3. Mai9°, 4. Mai fehlt, 5. Mai11°, 6. Mai13,6°, 7. Mai15,6°, 8. Mai fehlt, 9. Mai11,6°, 10. Mai 11,2°, 11. Mai fehlt, 12. Mai10,20. In dem 993 Meter ü. M. hochgelegenen Zugspitzdorfe Ehrwald hingegen erfroren nur an exponierten Stellen die zartesten Obstbaumblüthen, wohl dank den im Thale liegenden Wolken, welche Tage lang jeden Ausblick verhinderten.

Lich, 14. Mai. Der Geflügelzuchtverein für Lich und Umgegend errang auf der Geflügelausstellung tn Grünberg 22 Preise und zwar erhielten: Auf Gänse: Gutspächter Klein, Hof Albach 2. Preis, auf Truten derselbe 3. Preis. Auf Hühner: a) schwarze Italiener: W Volz, Lich, 1. Preis; b) rebhuhnfarbige Italiener: Rechner Schneider, Mrklar 2. Preis, Gutspächter Klein 3. Preis, Karl Vogt, Lich 3. Preis; c) schwarze Bantam: Oberverwalter Büchsen­schütz, Lich 4. Preis- Aust Tauben: a) deutsche blaue Kröpfer: Wtth. Volz, Lich Ehrenpreis, Stadtrechner Zim­mer, Lich 1. Preis, Oberoertoalter Büchsenschütz 2- Preis; 6) rote und gelbe Kröpfer: Oberverwalter Büchsensckü je einen 4 Preis; c) schwarze Kröpfer: Karl Albach, Lich 1. Preis, Oberverwalter Büchsenschütz 3. Preis, Sußner, Lehrer, Birklar 4. Preis; d) weiße Kröpfer: Karl Albach, Lich 4. Preis; e) blaue Brieftauben: Wilhelm Vvlz, Lich Ehrenpreis, Stadtrechner Zimmer, Lich 2. Preis; gehäm­merte Brieftauben: Lehrer Sußner, Birklar Ehrenpreis; schwarze Brieftauben: Wilh. Vvlz, Lich 4. Preis; weiße Brieftauben: Karl Albach, Lich 4. Preis; f) rote Dragon: Karl Albach, Lich 3. Preis; g) schwarze Türken: Stadt­rechner Zimmer, Lich 4. Preis- Der Verein besteht jetzt aus 73 Mitgliedern.

T Bermuthshain, 15. Mai. Eine Mißgeburt ist gestern hier vorgekommen. Eine Katze des hiesigen Schuhmachermeisters Oechler warf Junge, von denen das eine sieben Beine und zwei Schwänze hatte. Es verendete kurz nach der Geburt. Ein Bein befindet sich auf dem Rücken. Der Besitzer hat das Tierchen in Spiritus gelegt, um es an ein Museum zu verkaufen.

Darmstadt, 16. Mai- Der Großherzog traf gestern abend 11 Uhr 22 Mm. mit dem fahrplanmäßigen Zug über Frankfurt im eigenen Salonwagen hier wieder ein und übernachtete im Residenzschloß. Im Gefolge be­fanden sich Exz. v- Wachter, Freiherr Röder o. Diersburg und Lberstallmeister Freiherr v. Riedesel; die Rückkehr nach Schloß Hettigenberg erfolgte heute per Wagen.

F r a n k f u r t o. M., ,18. Mai. Gegen den Professor Dr. , Sonntag von der Liebig-Realschule in Dockenheim wurde : ein Disziplinarverfahren eingeleitet, weil er aus Gewinn- . sucht Gruudstücksspekula tioneu in großem Um-