Ausgabe 
17.4.1902 Zweites Blatt
 
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finden, so will man von einem Kommers überhaupt ab- sehen!

Oberlahnstein, 16. April- Als ZentrumBlan* bi bat für den 3. Nassanischen Reichstags-Wahlkreis, den bisher der verstorbene Dr. Lieber vertrat, soll Bürger­meister Reuß aufgestellt werden.

München, 16. April. Ter Ausschuß der Abgeordneten­kammer beschloß, die bayerische Bahnverwaltung, möge bei den anderen Bahnverwaltungen die höhere Tarifierung von Mehl erwirken, keinesfalls aber eine niedrigere Tarifierung von Getreide zulassen.

Ausland.

Christiania, 16. April. Im heutigen Ministerrat überreichte der Ministerpräsident Steen dem Kronprinz- Regenten sein Abschiedsgesuch. Auch die übrigen Mi­nister stellten ihpe Portefeuilles zur Verfügung. Stach dem Ministerrate berief der Kronprinz-Regent den Präsidenten des Storthings, Berner, und übertrug ihm die Bildung des neuen Kabinetts.

London, 16. April. Nack' einer Meldung desMan­chester Guardian" aus Newyork will Präsident Roosevell selbst alle Einzelheiten der kriegsgerichtlichen Verhandlungen über die der Grausamkeiten angeklagten Offiziere auf den Philippinen kennen lernen und er besteht auf einer sehr drastischen Bestrafung der schuldigen Ofsizierie.

Rom, 16. April. Wie derEapitale" meldet, glitt der König gestern auf der Jagd aus und zog sich eine leichte Verletzung am Fuße zu. Der König ver­ließ deshalb heute die Gemäcyer nicht.

Bern, 16. April. Der Nationalrat hat den Einfuhr­zoll auf Ochsen, gemäß dem Vorschlag der Mehrheit der nationalrätlichen Kommission, mit 112 Stimmen auf 50 Fr. pro Stück festgesetzt. Der Bundesrat und die Kom­missionsminderheit hatte 35 Fr. beantragt.

Wien, 16. April. Die Jubiläums an frage der all­deutschen Vereinigung für Wilhelm Busch wurde heute ohne Zwischenfall im Abgeordnetenhause eingebracht und verlesen. Zwischen dem Alldeutschen Dr. Schalk und dem unabhängigen Alldeutschen Wolf kam es bei der Beratung der deutschböhmischen Abgeordneten über die Verteilung der Telegationsmandate zu einem heftigen Zusammen­stoß. Wolf verlangte ein Mandat für seine Fraktion, da sie den grüßten Teil der deutschböhmischen Wähler vertrete. Schalk erwiderte, das sei eine kindische Farce. Wolf: Tas ist Frechheit, ich werde Sie zur Rechenschaft ziehen. Schalk: Ich reagiere nicht darauf, weil Wolf Persönlich ehrlos ist. Wolf: Werde Ihnen den Katzen ko Pf ein­schlagen. Tie Beratung schloß unter großer Erriegung. Tie Fraktion Wolf erhielt kein Mandat. Die Alldeutschen nominierten Stein. Wg. Wolf ließ den Dr. Schalk for­dern. Schalk wird die Angelegenheit dem Ehrenrate vor- legen.

Belgrad, 16. April. Die Studenten der Hoch­schule, die gegen den Senat demonstrierten, erhielten von dem akademischen Gerichte harte Strafen. 24 wurden auf ein Jahr relegiert und 170 verlieren ein Semester. 50 wurden milder bestraft. Die Studenten empfingen die Urteilsverkündigung mit Zischen und den Rufen: Nieder mit dem Rektor! Abzug Senat!

Ans den Bericht der zur Prüfung des Dispositions­fonds eingesetzten Kommission beschloß die Skupschtina ein­stimmig, über die Mißbräuche des Ka binetts Wla - dan Georgewitsch im Interesse der Würde Serbiens mit Rücksicht auf den vertraulichen Charakter der betreffen­den Fonds, der ein Gerichtsverfahren unzulässig erscheinen lasse, mit Verachtung und unter strengster mora­lischer Verurteilung des Schuldigen zur Tages­ordnung überzugehen.

Der Ausstand in ZZelgien.

In der Kammer stand am Mittwoch auf der Tages­ordnung dieRevisionderVerfassung. Beernaert (Rechte) erinnert daran, darß schon vor neun Jahren die Verfassung von den Kammern abgeändert sei. Damals glaubte man den Frieden für lange Zeit gesichert. Jetzt werde die Regierung mit Gewaltthätigkeiten bedroht und versucht die Beratungen des Parlaments zu hindern. Er sei der Ansicht, das gegenwärtige Wahlsystem sei durchaus befriedigend. Seit 15 Jahren habe die Kammer zahlreiche soziale Gesetze geschaffen. Man antworte ihr darauf mit dem allgemeinen Ausstand. Es müsse zugegeben werden, daß die liberale Linke keinerlei Verantwortung für die Ruhestörungen treffe. Redner wird häufig von dem sozia­listischen Abgeordneten Vandervelde unterbrochen, der ausruft: Das allgemeine Stimmrecht ist der alleinige Gebieter! Beernaert fährt fort: Es handelt sich um ine Existenz Belgiens. Die Regierung, die vor dem Aufruhr weichen würde, wäre der Stellung, die sie einnimmt, unwürdig. Redner fragt, wie man daran denken könne, die Revision der Verfassung zu verwirklichen, wofür eine Majorität von zwei Dritteln notwendig sei, die man nicht zu finden hoffen könne. Feron (Progressist) meint, das Parlament könne dem König nahelegen, daß die Auflösung der Kammer am Platze sei. Dazu genüge, daß der Antrag auf Revision angenommen werde. Um 5 Uhr abends wurde die Sitzung geschlossen.

Brüssel ist eine tote Stadt, die Geschäfte sind verrammelt, der Verkehr auf die Hälfte herabgesunken, die Restaurants verödet, die Theater geschlossen und die Fa­briken im Streik. Im Industriegebiet steht die Arbeit still, die Bergwerke sind geschlossen, die Hoch­öfen ausgelöscht, Glashütten, Walzwerke und Bauplätze ver­ödet. Das nennt sich Elends das nennt sich Unter­gang.

Ein hervorragendes Mitglied der Linken meinte, der Ministerpräsident Smet de Naeyer sei entweder gänz­lich unfähig, da er dem König in so unerhörter Weise die verantwortliche Entscheidung zugeschoben habe, oder es sei ein abgekartetes Spiel zwischen beiden. Der Monarch wolle vorerst den Klerikalen die Genngthnnng lassen, der Bewegung Herr zu werden und dann seinerseits als Wort des ^Friedens die Auslösung der Kammer aus­sprechen.Soir" undPeuple" kündigen an, daß die libe­rale Linke des Senats und der Kammer die Interven­tion des Königs nachgesucht und ihn aufgefordert haben, oon_ dem Rechte Gebrauch zu machen, das Artikel 71 der Verfassung ihm gewährt, dem Recht zur Kammerauflösung. Zahlreiche Gesuche von Arbeitgebern an den König und die Kammer um Gewährung der Arbeiterfordernng werden bekannt.

Arn Mittwoch früh fand in Brüssel bei strömendem Regen die Beerdigung der zwei Toten vom Sams­tag statt. Ter Bürgermeister hatte die Beisetzung nur unter der Bedingung gestattet, ba& der Zug in aller Stille ohne Fahnen und Inschriften vorgenommen würde. 20 Mi­

nuten lang defilierten die Arbeiter vor der Bahre, die von einer großen Zahl Polizisten mit Revolvern und blanken Säbeln in den Händen bewacht waren. Ein Verwandter eines der Toten sprach einige Worte. Es wird berichtet, daß Prinz Albert als Major des 1. Bataillons der Grenadiere sich der Konsignallon der übrigen Offiziere nicht entziehen wollte. Wäre das Regiment ausmarschiert, so hätte man den Thronfolger auf der Straße Tiemst thun sehen. König Leopold drückte seinem Neffen seine große Freude über diese Pflichttreue aus.

In der Brüsseler Vorstadt Etterbeek warfen die Bürger- Gardisten die Patronen fort und erklärten, weiter nicht Dienst thun zu wollen. Aut der Wacht-Kompagnie an den Gaswerken wurde ein Soldat wegen Gehorsamsverweigerung abgeführt. In den Maschinenfabriken von Cokerill in Seraing legten 6000 Mann die Arbeit nieder. Die An­sammlungen der Ausständigen, die sich dort bildeten, wur­den von der Polizei auseinandergetrieben, wobei eine Person verwundet wurde. Sowohl in Brüssel, wie in der Provinz nimmt «di er Ausstand an Ausdehnung zu. In La Louviere streiken 30 000 Personen. In der Borinage sind von 25 000 Arbeitern 23 000 im »ckusstande. In Lütllch be­trägt die Zahl der Ausständischen 8000. In Huy ist ein bei den Unruhen schwer verwundeter Gendarm seinen Ver­letzungen erlegen.

Unter den in Brüssel verhafteten Personen befand sich auch der Vater des Abg. Hambonsin, der einen scharf geladenen Revolver bei sich trug. In Jumer wurden mehrere Schüsse gegen die Kirche abgefeuert. In Fleny und Bouissies sind die Telegraphendrähte durchschnitten. In Ecaussiues wurde vor der Wohnung des Gemeinderats­mitgliedes Rogel eine D ynamitpatrone aufgefunden. Aus Groyre wird berichtet, daß dort ein Soldat wegen revolutionärer Aenßerungen und Absingung revolutionärer Lieder zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. In der Weberei von Boertsoen in Gent wurde ein großer Transmissionsriemen von einem Meter Breite an verschie­denen Stellen durchschnitten. Eine Katastrophe wäre un­fehlbar herbeigeführt worden, wenn das Verbrechen nicht rechtzeitig entdeckt worden wäre.

Wie aus offizieller Quelle gemeldet wird, beabsichtigt die Regierung, den Revisionsantraig abzu­lehnen, dagegen zu demissionieren und die Anf- lösnng der Kammern beim König zu beantragen.

Aongretz für innere Medizin.

Wiesbaden, 16. April.

Als Thema der ersten Sitzung war die Lehre vom Magengeschwür bestimmt. Professor Ewald-Berlin und Professor Fleiner-Heidelberg teilten sich so in ihre Ausgaben, daß Ersterer die Diagnose, Letzterer die Thera­pie des Magengeschwüres besprach. Geheimrat Ewald betonte zunächst, daß er nicht die Diagnose der klassischen Fälle von Magengeschwür, sondern nur die der schwer zu beurteilenden Fälle besprechen wolle. Ewald selbst hat im Laufe der letzten zehn Jahre 1080 Fälle von Magen­geschwüren beobachtet. Er trägt kein Bedenken, in allen zweifelhaften Fällen zur Sicherung der Diagnose den Magenschlauch anzuwenden. Ter Referent mißt dem Ver­halten der Salzsäure weniger Bedeutung für die Diagnose des Magengeschwüres bei als dem völligen Fehlen der Milchsäure, ©r hat bei seinen Ulcus-Kranken niemals Milchsäure im Mageninhalt gefunden. Kleinere Mengen Blut in ihm sind viel häufiger, als man angenommen hat, sind jedoch für das Ulcus nicht charakteristisch. Wich­tiger für die Diagnose ist das Blutbrechen; jedoch sind dabei Irrtümer möglich, da Magenblutungen auch bei an­deren Erkrankungen vorkommen, z. B- bei Krebs, bei vikariierenden menstruellen Blutungen und bei schweren septischen Prozessen des Unterleibes. Tie verschiedenen Formen solcher Blutungen wurden eingehend erörtert, und mit treffenden Beispielen aus. der Erfahrung des Vör- tragenden belegt. Eine sichere Diagnose über den Sitz des Geschwürs läßt sich heute in den allermeisten Fällen noch ebensowenig stellen, wie vor 20 Jahren. Der Referent bespricht dann nocfy mit einigen Worten die bei der Tisferentialdiagnose in Betracht kommenden Symptome und würdigt sie in ihrer Bedeutung. Eine drohende Magen­blutung und der bevorstehende Durchbruch des Geschwürs durch die Magenwand kann nicht vorausgesagt werden.

Professor Fleiner legte seinen Ausführungen über die Therapie des Magengeschwürs dessen Geschichte zu Grunde. Schon Hippokrates kannte es unter dem Namen des morbus niger. Noch heutigen Tages sind eine Reihe der Grundregeln der von ihm gegebenen diätetischen Vor- schristen gütig. Tie weitere Geschichte des Magengeschwürs knüpft sich an eine Reihe glänzender Namen der Medizin. Aus dem vergangenen Jahrhundert seien besonders Cru- veiller, Brintvn, Trousseau, Zienissen, von den lebenden Leube und Kußmaul erwähnt; besonders Letzterer hat sich durch die Entdeckung der Magenpumpe glänzende Ver­dienste um die Therapie des Magengeschwürs erworben. Drei Aufgaben sind nach dem Referenten bei der Therapie des Magengeschwürs zu lösen: 1. die Magensäure muß neutralisiert werden; 2. es muß der Säuregärung ent­gegengearbeitet werden; 3. der Mageninhalt muß weiter befördert werden. Tiefe Aufgaben wird man durch diäte­tische Vorschriften, Ruhe, Verabreichung alkalischer Wässer und Medikamente gerecht; unter letzteren spielt der Wis- muth die Hauptrolle, dessen Einführung in die Therapie einen gewaltigen Fortschritt bedeutet hat. Wismuth ist aber kein spezifisches Heilmittel, denn es giebt kein Mittel, das ein Geschwür heilt. Man schafft nur günstige Bedingungen für den Heilungsvorgang. Redner bespricht alsdann öie mechanische, physiologische und antiseptische Wirkung des Wismuths. Daß in den letzten 10 Jahren sich die Heil­resultate so außerordentlich gebessert haben (Ref. hat in dieser Zeit keinen Todesfall an Magengeschwür gesehen) liegt nach der Ansicht des Referenten darin, daß man er­kannt hat, wo die interne Behandlung aufzuhören und die Thätigkeit des Chirurgen einzusetzen hat. Referent be­spricht die verschiedenen Indikationen zur Operation und die Operationsmethoden; für die Operation der Zukunft hält Referent die Gastroenterostomie (Magendarmfistel), die in geeigneten Fällen heilend und prophylaktisch wirke.

Tie Nachmittagssitzung war der Diskussion über dieses Thema und vor allem dem Vortrage von Geheimrat von Leyden über den P a r as itismus des Krebses ge­widmet. An der Diskussion beteiligten sich: Leo (Bonn), Pariser (Homburg), Minkowski (Köln), Sahli (Bern), Strauß (Berlin,, v. Schrötter (Wien), Schultze (Bonn), Rumpel (Hamburg), v. Mering (Halle), Lenhard (Hamburg). Tas Schlußwort hatten die beiden Referenten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 17. April 1902.

* Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 5, enthält u. a.: 1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That.

S. K. H. der Großherzog haben dem Hilssweichensteller Wil­helm Trumpsheller zu Michelstadt, in Anerkennung der von demselben am 25. November v. Js. mit Mut und Entschlossenheit bewirkten Rettung der Katharina Gebhardt von Steinbach vom Tode des Ertrinkens, eine Geldprämie zu verleihen geruht.

2. Bekanntmachung, die Schiedsgerichte für Arbeiter» Versicherung betreffend. Vom 1. April 1902. 3. Bekannt­machung, die Ergebnisse der Verwaltung der Großh. Brand­versicherungskasse vom Jahre 1899 betr. Vom 13. März 1902. 4. Dienstnachrichten: S. K. H. der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 15. Februar den Schul- vermalter an der Präparandenanstalt zu Lich Lorentz zum 2. Lehrer an dieser Anstalt, unter Belastung in der Kategorie der Volksschullehrer, mit Wirkung vom 16. Februar an zu ernennen. 5. Konkurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Die mit einem evcmgel. Lehrer zu besehende Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Atzenhain, Kr. Alsfeld; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Berns bürg, Kr. Alsfeld; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Büßfeld, Kr. Alsfeld; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden, Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschute zu Ermen­rod, Kr. Alsfeld; mit der Stelle ist Organistendienst ver­bunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Breitenbrunn, Kr. Erbach. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Ober-Moos, Kr. Lauterbach; mit der Stelle ist Kantor- und Lektordienst verbunden. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wembach-Hahn, Kr. Dieburg, sämt­lich mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt.

* * Bezirks Lehrerturnverein. Am Mittwoch nachmittag hielt der Bezirks-Lehrerturnverein im Turnsaale der Stadt­knabenschule eine zahlreich besuchte Uebungsstunde ab. Der Uebungsstoff des Hessischen Lehrer-Turnoereins ist dieses Jahr in schönen, handlichen Heftchen erschienen, die an die Mit­glieder verkeilt wurden. Darauf wurden unter Leitung des Vorsitzenden, Lehrers Bach-Großen-Linden, aus dem neuen Uebungsstoff fünf Gruppen Stabübungen durchgeturnt. Ein kürzlich erschienenes Büchlein von gesammelten Stabübungen konnte nicht empfohlen werden. Die nächste Uebungsstunde wird Ende Mai abgehalten werden.

* * Laugenoffenschaft des evang. Arbeitervereins. In bet vorgestrigen außerordentlichen Generalversammlung wurde be­schlossen, das Statut in folgender Weise abzuändern: a. Zu­satz zu § 30 nach dem zweitletzten Absatz:Sollten in einer ordnungsmäßig einberufenen Generalversammlung 2/8 der Genossen nicht erscheinen, so kann in einer erneut beru­fenen Versammlung ohne Rücksicht auf die Zahl der alsdann erschienenen Genossen über die unter pos. 6 und 10 genannten Gegenstände mit einfacher Stimmenmehrheit gültiger Beschluß gefaßt werden." b. Zusatz am Schlüsse desselben §: Im Falle der Genossenschaft Darlehen aus Reichsfonds be­willigt sind, bedürfen Abänderungen des § 1 (Genoffenschafts­zweck), des § 51 (Höchstdividende 4%) und des § 54 (Be­schränkung bei der Vermögensverteilung im Falle der Auf­lösung des Unternehmens) der Genehmigung des Reichskanz­lers (Reichsamt des Innern).

* * Ein Lebensmüder. Ein in einer hiesigen Klinik befindlicher Patient, der sich bereits auf dem Wege der Besserung befand, machte heute früh seinem Leben ein Ende.

f Ober-Ohmen, 16. April. Junge Leute, die an einem hiesigen Bauheben teilgenommen hatten, warfen an dem Molkereigebäude der Molkereigenossenschaft Nieder - Ohmen in der Nacht sämtliche Fenster ein. Dem Gendarmen Dörr aus Ruppertenrod gelang es, die Thäter, die sich sicher ge­glaubt, zu ermitteln.

G. Groß-Felda, 16. April. Noch ist der Dieb, der dm Einbruchsdiebstahl in dem Weifenbach'schen Laden beging, nicht ermittelt und schon wieder hat ein Einbruch stattge­funden. Diesmal aber nur mit geringem Erfolge. Während der Nacht wurde der Felsenkeller des Gastwirtes Figge auf dem Lohberge erbrochen. Da der Dieb darin wenig fand, so konnte er auch nicht viel mitnehmen. Weil dieser Einbruch mit dem ersten Ähnlichkeiten hat, so liegt die Vermutung nahe, daß beide von demselben Thäter begangen sind. Die gerichtliche Untersuchung hat bereits stattgefunden.

Mainz, 16. April. Auf das Huldigungstelegramm, das von der zur Feier des 25jährigen Pontifikats des Papstes zusammengekommenen Festversammlung an den Papst abgesandt mürbe, ist folgende Antwort eingetroffen:

Der Heilige Vater hat freudigen Herzens die Gefühle und Wünsche der katholischenBürger derSladt Mainz entgegengenommen; er dankt ihnen für ihre Ergebenheit und spendet ihnen von Herzen feinen Segen. Kardinal Rampolla."

Offenbach, 16. April. Eine Windhose zog, derOffb. Ztg." zufolge, gestern nachmittag, vom Main her sich bildend, in der Gegend der Offenbach-Oberräder Grenze über die Felder nach Südwesten zu, wobei sie Staub, Blätter, Holz­teilchen usw. bis in beträchtliche Höhen mit emporriß. Der Wirbelwind verlor sich schließlich im Walde, nachdem er die Oberräder Obstgärten passiert und dabei Millionen von weißen Blütenblättchen mitgenommen hatte, die sich dann über die erstaunten Spaziergänger in jenem Teile des Waldes wie ein Schneegestöber ergossen.

Wetzlar, 16. April. In der Seminar-Angelegen­heit befand sich gestern die Ministerial-Kommission, bestehend aus Geh. Ministerialrat und Vortragendem Rat im Kultus­ministerium Altmann, Regierungs- und Baurat Stooff aus dem Kultusministerium, Oberpräsident Nasse, Regierungs­präsident Frhr. v. Hövel und anderen Regierungsvertretern, hier, um die in Frage kommenden Bauplätze für das neue Schullehrerseminar zu besichtigen. Die Ministerial-Kommission wählte den Platz an der Frankfurter Chaussee, zwischen dem Raffelberg und der alten Münchholzhäuser Landstraße.

Hanau, 16. April. Auf Anregung aus beteiligten Kreisen beantragte die hiesige Handelskammer bei der Eisenbahn­direktion in Frankfurt a. M., daß für den Verkehr mit dem gemischten Zuge 3962 Helden berg enHanau auch Fahrkarten für 4. Klaffe ausgegeben werden möchten. Diesmi Anträge hat die genannte Behörde entsprochen.

Kassel, 15. April. Die diesjährige 55. General-Ver­sammlung des Deutschen Gesammt-Vereins der Gustav- Adolf-Stiftung wird vom 22. bis 25. September hier