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17.4.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 89

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

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Zweites Blatt. ISS. Jahrgang Donnerstag 17. April LS«S

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AmMf V /V . jährlich Mk. 2L0; durch

KlchtnerAnzclger

General-Anzeiger w ää

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

ALe heutige 'Dummer umfaßt 10 Seiten«

KrKanntmachung.

Nachdem die unter dem Schweinebcstand des Heinrich Elges dahier ausgebrochene Rotlaufseuche erloschen ist, wird die angeordnete Gehöftsperre hiermit aufgehoben.

Gießen, am 15. April 1902.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Hechler.

HngLauds Koruzö'Le.

Es wird die Spur von seinen Erdentagen nicht in Aeonen untergehen: Noch lange, wenn der Burenkrieg be­endet ist, wenn die Gebeine all der Tapferen dort unten vermoderten, wenn vielleicht der letzte englische Aktionär der Chartered oder de Beers Company seinen letzten Fluch ausgestoßen hat gegen Chamberlain und Cecil Rhodes, dann werden die Wirtungen dieses unheilvollen Krieges sichtbar bleiben in dem wirtschaftlichen Leben der Welt, vor allem jedoch in der Volkswirtschaft Englands. Schon in der vorigen Tagung des Unterhauses hat die Regierung die Bewilligung eines Kohlenzolles gefordert, um die Kosten eines Krieges zu decken, der unternommen wurde, um den Banlerott der Chartered Company unb ihrer Pflege- schweftern zu verdecken; jetzt ist Hicks Beach, der Hüter der britischen Finanzen, vor das Land getreten mit der For­derung, einen Zoll von drei Pence für den Zentner Korn und fünf Pence für den Zentner Mehl zu erheben, und gleichzeitig hat er eine Erhöhung der Einkommensteuer um einen Penny sowie die Erhöhung der Stempelabgaben auf Checks, Kupons und Sichtwechsel verlangt, und da auch hiermit leine Deckung für das Defizit dieses Jahres, das auf etwa 9 00 Millionen Mark geschätzt wird, erreicht werden dürfte, so soll nichc nur die Schuldentilgung sus­pendiert, sondern noch eine neue A nl eihe von 6 4 Mill, ausgeschrieben werden.

Tas sind an sich merkwürdige Erscheinungen, aber in diesem bunten Getriebe die überraschendste Erscheinung ist, daß England unter dem Tru l der Zeit, um die Löcher des Geldbeutels zu stopfen, die Lehre Cobdens, die Lehre vom Freihandel, scheinbar preisgiebt. Aber wohlgemerkt, nur scheinbar. Ter englische Schatzkanzler hat, was gegen­über Bemerkungen in der deutschen Zolltarifkommisftvn hervorgehoben lverden muß, selber folgendes wörtlich aus- reführt:

Tie Korn- und Mehlzölle dürften 2 600 000. Pfund ergeben. Ter Kornzoll ist kein Schutzzoll; hat doch ein ähnlicher Zoll lange nach der Aushebung der Korngesetze bestanden.

Also der Korn- und Mehlzoll, den das englische Unter­haus beschlossen hat, ist lein Schutzzoll, sondern ein Finanz­zoll; er hat nicht die 'Aufgabe, die Lage der englischen Land­wirtschaft, sondern die der Finanzverwaltung zu verbessern; er ist einstweilen eine vorübergehende Kriegs st euer, die dem Volke auferlegt wird wie die Erhöhung der Einkommen­steuer. Hätte lEngland feinen Krieg geführt, der bereits mehr als drei Milliarden Marr kostet, müßte es nicht mit der Möglichkeit rechnen, daß dieser Krieg noch lange an dauert und große Opfer fordert, dann dächte man offenbar in England nicht an 'derartige Zölle. Aber Not kennt kein Gebot, meint der englische Schatzkanzler, und er versichert, daß der Korn - und Mehlzoll auf gegeben wird, sobald diese Not beseitigt ist.

Es ist fast siebzig Jahre her, seit Richard Cobden die Gründung der Antikornzollliga und nach einem durch fün Sessionen geführten Kampi dem Gedanken des Freihan­dels den Sieg erfocht. Tiefer Sieg war eines der mar­kantesten Ereignisse in der Geschichte des europäischen Wirt­schaftslebens, er bedeutete den unvermittelten Uebergang des britischen Reiches aus einem Ackerstaat in einen In­dustriestaat. Noch im Jahre 1815 hatte die englische Land­wirtschaft, als die so lange abgesperrten Länder des Kon­tinents wieder mit großen Zufuhren auf dem Markte er­schienen, es durchgesetzt, ba&. diese Zufuhr überhaupt ver­boten wurde, sobald der Weizenpreis unter 80 Schilling pro Quarter stand, sie hatte also in gewissem Sinne den Antrag Kanitz vorausgenommen. 1846 führte Robert Peel die Idee des Freihandels zum endgiltigen Siege, und während jede andere Quelle des Nationalvermögens im Verlauf des letzten halben Jahrhunderts im Werte stieg, hat sich die Landwirt­schaft um nicht weniger als sechzig Prozent vermindert, sodaß sie kaum noch ein Fünftel des staatlichen Einkommens repräsentiert. Zugleich nahm der Umfang der mit Getreide bebauten Fläche derart ab, daß das Vereinigte Königreich, das im Jahre 1830 noch 67 Bushels Weizen auf den Kopf der Bevölkerung hervorgebracht hatte, sechzig Jahre später nur noch 8 Bushels produzierte.

Tregleitende Skala" wurde 1846 abgeschafft. Vom 1. Februar 1849 ab wurde ein unbedeutender Zoll erhoben. Tie Antikornzollliga löste sich in einer feierlichen Sitzung mit der Erklärung auf, daß sie ihr Ziel erreicht habe und darum die Waffen niederlege. Und doch war nicht jeder Kornzoll gefallen. Tenn eS blieb ein fester Zoll von einem Shilling auf den Quarter, gleich rund 4.75 Scheffel, be­stehen. Tiefer Zoll wurde 1864 auf drei Pence, gleich 25 Pfennig auf den Zentner herabgesetzt. Diese Zölle Mehl trug 41/2 Pence auf den Zentner galten, wie H. B. Oppenheim in seiner Geschichte der englischen Komzölle be­richtet,nur für eine Art von Kontrolgebichyen". Unb diese Gebühr kam erst am 1. Juni 1869 infolge des Handels­vertrages mit Oesterreich in Fortfall. Was Sir Michael Hicks Beach im englischen Unterhause durchgesetzt hat, ist

also die Rückkehr zu dem Zustande, der bis 1869 geherrscht hatte. Ter Kornzoll soll 25 Pfennig auf den Zentner, oder 50 Pfennig auf den Doppelzentner betragen. Andererseits beginnt in England die Eink0 mmensteuerpflicht erst bei Einkommen von 3200 Mark und beträgt gegenwärtig 1 Shilling 3 Pence vom Pfund Sterling, also rund 6 v. H.

Jedenfalls wird der Kornzoll die britische Kriegsfreu­digkeit schwerlich verstärken. Schon der Kohlenzoll, der vor acht Monaten eingeführt wurde, hat ein übriges gethan. Und der Penny, der jetzt für jedes Pfund Sterling als Steuer neu gefordert wird, kann auch nicht gerade als Hebel der Begeisterung dienen. Alles berträgt der Eng- länber, nur nicht den Appell an fein Portemonnaie. Und 0 sehen wir mit stärkerer Hoffnung auf die Wirkungen, )ie Zoll unb Steuer ausüben werben auf England, als auf die Verhandlungen, die jetzt in Pretoria betrieben wer­den, zwischen den Vorkämpfern des Kapitalismus unb ben wetterharten Helben eines wetterharten Bauerntums.

Die Ariedensvervandlungen und anderes vom Uurenkriege.

In ben Verhandlungen mit den B u re n zeigen sich die Engländer wenig entgegenkommend. Uebereinstimmend vird berichtet, baß bie Buren den Anspruch auf volle lnabhängigkeit fallen lassen wollen. Für die Beseitigung Keses hauptsächlichen Hindernisses, für das größte Opfer, ras die Buren bringen, könnte die englische Regierung wahrlich die Amnestie der Kaprebellen und die Zurück­ziehung der Verbannungsproklamation bewilligen. Es ist eine Ehrenpflicht für die Buren, die Kaprebellen nicht im Stich zu lassen und Treue mit Treue zu vergelten. Cham­berlain freilich mag dafür wenig Verständnis haben. . . . Scheitern auch diese Verhandlungen, so wird die Verant- wortung ausschließlich England zuzuweisen sein. In London and am Mittwoch mittag ein weiterer Kabinettsrat über >ie Friedensvorschlage statt. In gut informierten Kreisen verlautet, die Regierung sei geneigt, die Verbannungs-Pro­klamation zu Gunsten derjenigen, die den Treueid leisten wollen, zu modifizieren. Bezüglich der Kaprebellen wolle die Regierung jedoch nicht nachgeben. TerZentral News" wird dagegen berichtet: Lord George Hamilton, Staats­ekretär für Indien, sagte vor seinen Wählern in Acton, die Regierung würde den Buren keine hauptsäch­lichen Konzessionen machen, weshalb er den Aus­gang der Verhandlungen nicht Vorhersagen könne.

Nach beendetem Ministerrat begab sich gestern Lord Salisbury zum Könige unb blieb bei ihm bis zur Abreise des Königs nach Sandringham.

Tas Reutersche Bureau meldet aus Graafreinet, daß am 7. April bei den Verhandlungen gegen den Bnren- sührer Krnitzinger der Staatsanwalt, als er als Zeuge auf gerufen wurde, einen Brief vorlegte, der von britischen Truppen aufgefangen und von Krnitzinger an Scyeepers gerichtet war, in dem Krnitzinger das Vorgehen Scheepers über die Niederbrennung von Häusern im Camdebov-Tistrikt bedauerte und sich im allgemeinen als humaner Mann erwies. Ter Gerichtshof sprach alsdann den Gefangenen von allen vier Anschuldigungen wegen Mordes frei. Ter Gefangene ging hierauf hinaus, wurde jedoch sofort zurück- gebracht, und jedes Mitglied des Gerichtshofes Einschließ­lich des Staatsanwalts, schüttelte ihm die Hand.

Diese Ehre für den großen Helden, seine Hand unter den englischen Richtern zum Schütteln herumreichen zu dürfen! Es kommt aber wohl bei diesen Herren nicht allzu häufig vor, einem ehrlichen Manne die Hand drücken zu dürfen.

Zur Ermordung des Miss io nars Heese durch australische Truppen in Transvaal erfährt diePost": Es ist durchaus richtig, wenn hervorgehoben wird, daß die deutsche Regierung nicht in der Lage ist, eine Sühne zu fordern, da Heese britifeber Unterthan war, wohl aber hat die Missionsgesellschaft Berlin I Schritte gethan, um Scha­denersatz zu erlangen. Es liegt ihr nämlich die Verpflich­tung ob, für die Witwe und die Hinterbliebenen vier Kinder des Ermordeten zu sorgen. Und diese Verpflichtung ist bei dem jugendlichen Alter der Fran Heese und im Hinblick aus die noch ganz unmündigen Kinder eine rdtijt beträcht­liche. Tie Missionsgesellschaft hofft mit Bestimmtheit auf die Anerkennung ihrer Ansprüche.

Deutsches Deich.

Berlin, 16. April. Während des gestrigen Frühstücks beim Kaiser paar sprach der Kaiser dem zu der Tafel hinzugezogenen amerikanischen Geschäftsträger Jackson nochmals seinen besonderen Tank für den herzlichen und großartigen Empfang des Prinzen Heinrich in Amerika aus und beauftragte ihn, dem Präsidenten Roose­velt telegraphisch den speziellen Tank des Kaisers zu über­mitteln.

Ter neu gewählte Abt von Maria Laach ist gestern abend hier eingetroffen und ist heute vom Kaiser in Audienz empfangen worden. Wie dieGermania" be­richtet, unterhielt sich der Kaiser längere Zeit mit dem Abt und stellte ihn auch der Kaiserin vor.

Auf das Huldigungstelegramm des Ost asia­tisch en Vereins ist an den Vorsitzenden des Vereins, Jllies, vom Kaiser folgendes Telegramm eingegangen:

Für die durch Ihre Vermittelung zu meiner Kennt­nis gebrachten treuen und wahrhaft vaterländischen Ge­sinnungen bitte ich den beteiligten Herren des Ostasia- tifchen Vereins meinen kaiserlichen Tank zu übermitteln. Ich hoffe und wünsche, daß die Thätigkeit Ihres Vereins auch fernerhin dazu beitragen möge, das Verständnis für

bie Aufgaben, die ich meiner Politik gestellt habe, in weiteren Kreisen des deutschen Volkes zu verbreiten. Wilhelm."

Ter Kaiser hat an die Witwe des verstorbenen öfter» reichischen Gardekapitäns und Generals der Kavallerie Grafen Baelly folgende Depesche gerichtet:

Aus Anlaß des herben Verlustes, den Sie erlitten haben, spreche ich Ihnen meine herzlichste Teilnahme aus. Mit Ihrem Gemahl ist ein treuer unb langbewährter Tiener seines kaiserlichen Herrn dahingeschieden, dessen Wert auch ich seit vielen Jahren hoch zu schätzen wußte. Ich kannte ihn schon von der Zeit an, da ich noch als Knabe mit dem verewigten Kronprinzen spielte. Wilhelm."

Ter Kaiser und der Kronprinz mit Gefolge reiften heute 101/2 Uhr abends nach Bremerhaven ab.

TerReichsanz." veröffentlicht die Verleihung der ersten Klasse der zweiten Abteilung des Luisenordens mit )er Jahreszahl 1865 an die Gemahlin des Staatsministers v. Thielen, geb- Frowein.

Die Zahl der ausländischen Orden unb Ehrenzeichen, zu deren Annahme der Kaiser im Jahre 1901 die Genehmigung erteilt hat, betrug 2601 gegen 2502 im Jahre 1900 und 2125 im Jahre 1899. An der Spitze stehen die badischen Orden mit 184 (1900 158); dann folgen Mecklenburg mit 178 (86), Türkei mit 177 (120), die Herzöge von Sachsen mit 166 (116), der König von Sachsen mit 161 (93), der Großherzog von Sachsen mit 152 (66), Oesterreich-Ungarn mit nur 151 (423), die Niederlande mit 125 (51), Rußland mit 124 (266), Anhalt mit 97 (72), Württemberg mit 96 (122), Bayern mit 92 (61), Hessen mit 70 (57), dtumänien mit 65 (42), Groß­britannien mit 64 (8), Oldenburg mit 60 (40), Hohenzollern mit 54 (37), Schaumburg-Lippe mit 54 (53), Braunschweig mit 50 (38), Schwarzburg mit 49 (57), Schweden und Nor­wegen mit 44 (51), Italien mit 43 (56), Lippe mit 43 (47), Waldeck mit 41 (55), Persien mit 37 (18;, Reuß mit 35 (18), Japan mit 29 (73), Bulgarien mit 20 (33), Däne­mark mit 19 (20), Spanien mit 19 (30), Belgien mit 16 (13), Frankreich mit 16 (9), Serbien mit 14 (13), der Papst mit 10 (13), Portugal mit 10 (12), Griechenland mit 8 (22), Venezuela mit 7 (8), Luxemburg mit 6 (13), Siam mit 3 (18), Buchara mit 1 (1), Sansibar mit 1 (1), Tunis mit 1 (0) und Peru mit 1 (0). Die Genehmigung zur Anlegung des Malteserordens ist 8 (7) mal erteilt worden. Monaco unb China haben im vorigen Jahre keine Orben an preu­ßische Unterthanen verliehen.

Tie Zahl der Eintragungen von Rechts­anwälten betrug bei den deutschen Gerichten im ersten Vierteljahr 1902 insgesamt 191 gegen 189, 200 und 177 im gleichen Zeitraum der Vorjahre bis 1899 zurück. Davon entfallen 94 (1901 81) auf Preußen, 23 (22) auf die Hansa- ftäbte, 21 (23) auf Bayern, 21 (41) auf Sachsen, 7 (7) auf Württemberg, 6 (5) auf Hesse n, 6 (1) auf die thüringi­schen Staaten, 4 (1) auf Baden, 3 (3) auf Mecklenburg, 3 (3) auf Braunschweig, 2 (0) auf die Reichslande unb 1 (0) auf bie übrigen Kleinstaaten. Löschungen fitib im 1- Vierteljahr dieses Jahres erfolgt 116 (1901 130), wovon 42 (61) auf Preußen, 35 (32) auf Bayern, 11 (17) auf Sachsen, 9 (0) auf die Hansastäbte, 4 (4) aus H e s s e n, 3 (9) auf Württem­berg, 3 (1) auf Baden, 3 (0) auf die Reichslande und der Rest auf die kleineren Staaten entfallen.

Königsberg i. Preußen, 16. April. Tem Vorsitzen­den des Ostpreußischen Wohnungsmieterverbandes ging auf ein an den Kaiser gerichtetes Immediatgesuch, in dem um Niederlegung derFestungswälle und Aufhebung der Rayonbeschrankungen gebeten wird, heute Dom Kriegs­ministerium ein Bescheid zu, in dem es heißt, es sei zur Zeit noch nicht angängig, bie Stadtumwallung Königs­bergs als einen verteibigungsfähigen Abschnitt anfzulassen, daher müßten auch die bestehenden Rayonbeschränkungen noch aufrecht erhalten werden. Tas Ministerium hoffe jedoch, daß es möglich sein werde, in absehbarer Zeit eine Aende- rung herbeizuführen.

TieKönigsb. Hart. Ztg." meldet: Die russische Reichsregierung forderte die industriellen Körper schäften sowie eine Anzahl der einzelnen Großindustriellen auf, sich über ihre Zolltarifwünsche zu äußern. In­folgedessen werden jetzt die unmöglichsten Vorschläge, die auf bie Steigerung ber Schutzzölle hinauslaufen, bekannt, ba die Fabrikanten naturgemäß das Bestreben zeigen, sich ber in Rußland noch immer vorherrschenden deutschen Einfuhr zu erwehren und den Schutzzoll als das bequemste Mittel hierzu betrachten. Ter Korrespondent der Hart. Ztg." wird von höchster ministerieller Seite Ruß­lands dahin informiert, daß die Aeußerung solcher Wünsche nicht im mindesten einen Schluß auf die Stellungnahme der Regierung zulasse.

Dresden, 16. April Tie erste Kammer lehnte die Vermögenssteuer ab. Einzelne Redner wünschten die baldige Vorlage eines neuen Entwurfes, der die Grund­steuer beibehält. Bekanntlich nahm die zweite Kammer die Vermögenssteuer unter Beseitigung ber Grundsteuer an.

Coburg, 16. April. Tas bevorstehende Ver­fassungsjubiläum macht dem coburgischen Ländchen viel Koch zerbrechen. Am ärgerlichsten ist den Coburgern der Umstand, daß am Tage der Feier die Spitzen der Be­hörden, die Landtagsabgeordneten u. a. nach Gotha geladen sind, was die Coburger als eine Zurücksetzung Coburgs Gotha gegenüber auffeefjen. Teswegen wurde auch ge­wünscht, bie Feier hier um einige Tage zu verlegen, damit bann nicht nur die Behörden sämtlich, sondern unter Um­ständen auch der Regent daran teilnehmen könne; man hat hiervon aber doch abgesehen, da der 3. Mai der eigent­liche Festtag ist, von dem bie Verfassung datiert. Bis jetzt hat man auch noch feinen Herrn gefunden, der die Festrede beim Kommers halten will. Beder hat dankend abgelehnt. Sollte sich keine geeignete Persönlichkeit hierzu