Ausgabe 
17.3.1902 Zweites Blatt
 
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der Industrie nicht zum kleinsten Teil hervor gerufen durch die wirtschaftliche Unsicherheit d-er gesamten ^Exportiudustrie. Alle Zölle werden dem Bauern nichts nützen, wenn nicht kaufkräftige Konsumenten vorhanden sind. Die ganze Schutzzollpolitik, wie sie durch den Bund der Landwirte und seine Freunde getrieben wird, laust in letzter Linie auf eine schwere Schädigung der Konsumenten und eine Bereicherung des Großgrundbesitzes hinaus. Die Zucker- und Spiri­tus-Protektionswirtschaft sind warnende Bei­spiele, wohin uns mitsamt den Produzenten die Hochschutzzöllnerei hinführt. Trusts und Syn­dikate, die sicheren Folgen jeder wirtschaftlichen Ab­sperrung würden schon dafür sorgen, daß der eventuelle Gewinn durch Zölle nicht den Bauern, sondern den iGr o ß- kapitalisten zu gute käme. Auch diese Seite der Zollpolitik dürfte manchem die Freude an Zöllen gründlich verbittern. E. Krumm.

Aus Stadt und Sand.

--achrichterr von allgemeinem Interesse sind uns stets willlommen und werden angemessen honoriert.

Gießen, 17. März 1902.

' Ähre Königliche Hoheit die Großherzogin hat in einem .an den Vorsitzenden des Vereins zur Erhaltung ober- jhessischer weiblicher Volkstrachten gerichteten Schreiben .mitgeteiti, daß sie sich bewogen gefunden habe, das Protektorat über den Verein niederzulegen, mit der Bitte, dem Vor- -siand und den Mitgliedern des Vereins hiervon in geeigneter Weise Kenntnis geben zu wollen, und mit dem Wunsche, daß tote vereinten Bestrebungen zur Wahrung hessischer Eigenart und Sitte immer weiteres Verständnis finden und auch ferner­hin von den besten Erfolgen begleitet sein möchten.

* * Audienzen. Der Großherzog empfing am 15. März ti. a. den Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich von Gießen.

* * Ernennungen. Der Großh erzog hat den Bau- aufseher-Apiranten Haller aus Offenthal zum Hochbau- auffeher bei dem Hochbauamt Dieburg und den Gefangen- auffeher Lang zu Gießen mit Wirkung vom 17. März zum Steueraufseher bei dem Salzsteueramt Wimpfen ernannt.

* * Das Regierungsblatt Nr. 11, ausgegeben am 14. März 1902, enthüll eine Anweisung, die Sterbcquartale der Staats­beamten und Volksschullehrer betreffend.

* * Die hessische Landeslotterie scheint mit der thüringrsch- anhaltischen Staatslotterie vereinigt werden zu sollen. Wenigstens kommt aus Weimar die Nachricht, daß der dortige Landtag den Beitritt des Großherzogtums Hessen ßur Gemeinschaft der thüringisch -anhaltischen Staatslotterie beraten und der weimarischen Regierung die Ermächtigung erteill haben soll, einen solchen Vertrag abzuschließen. Wir meinen, daß uns eine solche Vereinigung nur erwünscht sein kann; denn dadurch wird auch die Möglichkeit geschaffen, die Chancen der Lotteriespieler wesentlich zu erhöhen.

* * Hessische Handwerkskammer. Am Freitag Nachmittag trat in den Räumen der Handwerkskammer Hannover der Ausschuß der Deutschen Handwerks- und Gewcrbekammern zu einer Sitzung zusammen. Anwesend waren die Vertreter von Berlin, Darmstadt, Dortmund, Hannover, Lübeck und München. Zur Beratung standen die Fragen über Ein­führung bes Befähigungsnachweises für das Baugewerbe und Gewinnung von Material zur Feststellung der Grenze zwischen Fabrik- und Handwerksbetrieb. Mit letzterer Aufgabe wurden betraut die Kammern Berlin, Darmstadt, Dortmund und Lübeck. Der Einführung möglichst einheitlicher Meisterbriefe und dem Erlaß eines Preisausschreibens zum Erhall eines Leitfadens über die allgemeinen Kenntnisse, welche bei der Meisterprüfung gefordert werden sollen, sttmmte der Aus­schuß zu. In Ausführung der Verhandlungen des letzten Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages hatte die Kammer Darmstadt einen Entwurf zur Regelung des Sub­missionswesens dem Ausschuffe unterbreitet, der ebenfalls in allen Teilen eingehend durchberaten wurde. Die nächste Aus­schußsitzung wird Anfang Juli in Eisenach stattfinden und als Ort für die Abhaltung des 3. Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages wurde mit Rücksicht auf die günstige Lage Leipzig gewählt.

* * Erlaubniserteiluug. Der Kaiser hat dem Gesandten in Darmstadt, Prinzen zu Hohenlohe Oehringen, die Er­laubnis zur Anlegung des demselben verliehenen Großkreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteill.

* * Eisenbahnpersonalien. Versetzt wurden die Stations- Assistenten Lotz von Curye nach Butzbach, Unverdroß von Vllbel nach Frankfurt, Bibricher von Butzbach als Stattonsverwalter nach Kerkerbach. Ernannt: Pack­meister Ohr von Gießen zum Zugführer.

* * Das Verordnungsblatt für die evange- lische Kirche des Großherzogtnms, Nr. 2 hat folgenden Inhalt: Ausschreiben Nr. 3 vom 14. Febr., betr. Gehalt der Organisten. Verzeichnis der im 4. Vierteljahr 1901 genehmigten Schenkungen und Vermächtnisse für evangelisch? kirchliche Zwecke. Dienstnachrichten. Aufforderung zur Be­werbung. Notiz. Nr. 3 hat folgenden Inhalt: Ausschrleiben Nr. 4 vom 28. Febr., betr. die Feier des allgemeinen Buß^- und Bettags. Ausschreiben Nr. 5 vom 28. Febr., betr. die Palmarums-Kollekte. (Auch in diesem Jahre soll mit Ge­nehmigung des Großherzogs am Sonntag Patmarum in den evangelischen Kirchen vor- und nachmittags eine Kollekte zur Unterstützung von hilfsbedürftigen evangelischen Ge­meinden unseres Landes, die an Orten mit überwiegend katholischer Bevölkerung bestehen, erhoben werden.) Zur Wiederbesetzung wird ausgeschrieben: die evangelische Pfarrstelle zu Dalheim und die evangelische Psarrstelle zu W o l f s k e h l e n; dem Frhrn. v. Gemmingen steht das Präsentattonsrecht zu. Ernannt wurden: Pfarrverwalter Be rnbeck zu Schlitz (erste Pfarrstelle) zum Verwalter der zweiten Pfarrstelle daselbst; Pfarrer Waldeck zu Beer­felden, Verwalter der ersten Pfarrstelle, zum Verwalter der zweiten Pfarrstelle daselbst; Pfarrvikar Becker zu Hopf­garten zum Pfarriverwalter daselbst. Gestorben sind: der evangelische Pfarrer Frey zu Hopfgarten in Naurod i. T. am 10. Febr.; der Verwalter der evangelischen Pfarr­stelle Holzhausen Schuldirektor i. P. Pfarrer Vigelius zu Holzbausen am 18. Febr.; der evangelische Pfarrer Sachs zu Dalheim am 20. Febr.; der evangelische Pfarrer i. P. Dr. Müller von Petterweil in Friedberg am 23. Febr.

* * Der Fahrplan der zur Kgl. Eisenbahndirektion Kassel gehörigen Strecken, der vorn 1. Mai 1902 ab gültia ist, ist soeben erschienen.

* Das Verordnungsblatt für die eyangelische Kirche des Großh. Heffeu Nr. 3, ausgegeben am 7. März, enthält I. Ausschrciben des Großh. Obeckonsistoriums an die evangelischen Pfarrämter (Nr. 4) vom 28. Februar 1902, die Feier des allgemeinen Buß - und Bettags betreffend.

Für dieses Jahr haben der alten frommen Sitte gemäß Seine Kgl. Hoheit der Großherzog für den allgemeinen Buß- und Bettag, der am Sonntag Palmarum (23. März) stattfindet, die in allen evangelischen Kirchen der Predigt zu gründe zu legenden biblischen Texte ausgewählt und bestimmt, und zwar:

1) Für den Vormittag: Lukas 19, 42. Jesus sprach: Wenn doch auch du wüßtest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet I Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen. 2) Für den Nachmittag: Hebräer 13, 9. Es ist em köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.

Sodann folgt der Wortlaut einer am Sonntag vorher zur ernsten, würdigen Begehung ermahnenden Ansprache.

II. Ausschreiben Nr. 5 vom 28. Februar 1902, die Palmarums-Kollekte betreffend. III. Aufforderung zur Be­werbung.

Zur Wiederbesetzung wird ausgeschrieben: die evan­gelische Pfarrstelle zu Dalheim, Dekanat Oppenheim.

** Die neuen Postwertzeichen. In Bezug auf die Ein­führung der neuen Postwertzeichen vom 1. April ab hat das Reichspostamt nähere Bestimmungen erlassen, nach denen in der Zeit vom 20. bis einschließlich den 31. März alle be­teiligten Stellen alte und neue Postwertzeichen neben einander vorrätig zu halten haben. Das Publikum ist in der Zeit vom 20. bis 31. März beim Einkauf aller Postwertzeichen darauf aufmerksam zu machen, daß diese nur bis einschließ­lich den 31. März gelten, und beim Einkauf oder Eintausch neuer Postwertzeichen darauf hinzuweisen, daß diese erst vom 1. April ab Giltigkeit haben.

** Das Regierungsblatt Nr. 10, ausgegeben am 12 März, enthält: Bekanntmachung, die Ausgabe von Schuldver­schreibungen auf den Inhaber durch die Stadt Bad-Nauheim betreffend:

Der Stadt Bad-Nauheim ist in Gemäßheit des § 795 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und des Artikels 67 des Hessischen Aus­führungsgesetzes zu demselben vom 17. Juli 1899 mittels Ent­schließung des unterzeichneten Staatsministeriums vom Heutigen oie Genehmigung zur Ausgabe der nachbezeichneten 3 %= prozentigen Schuldverschreibungen auf den Inhaber erteilt worden:

Lit. E. 600 St. zu je 1000 M. (Nr. 1600) 600000 M.,

F. 720 500 (Nr. 1720) = 360000

G. 200 200 (Nr. 1200) = 40000

** Wissenschaftlicher Fortbildungskursus für Volksschullehrer an der Landesuniverfität. Unserer Notiz vom 3. können wir nach demSchulboten für Hessen" ergänzend hinzufügen, daß für den Kursus gewonnen sind die Professoren Geh. Hofrat Oncken, Dr. Groos und Dr. Sievers. Geh. Hoftat Oncken wird überBismarcks Weltpolitik" sprechen und da­mit seine vorjährigen Vorlesungen fortsetzen und zu Ende führen. Prof. Dr. Groos liest überdas Seelenleben des Kindes", während Professor Dr. Sievers Kapitel aus der physik. Geographie (Entstehung der Erde, klimat. Verhält­nisse u. s. w.) auswählen wird. Die Anzahl der Vorlesungen wird vielleicht um zwei bis drei erhöht werden; beginnen werden sie voraussichtlich am ersten Mittwoch des Monats Mai. Der Beitrag zu den Kosten wird etwa derselbe sein wie im Vorjahre, doch werden sich neu zutretende Teilnehmer einen kleinen Aufschlag (1 bis 2 Mk.) gefallen lassen müssen. Anmeldungen sind an den Vorsitzenden des Gießener Lehrervereins, Lehrer Valentin Müller, Ludwigsttaße 27 zu richten.

** Dee Landesverein akademisch-gebildeter Lehrer für das Großherzogtum Hessen hiell unlängst in Mainz seine erste Vorstandssitzung in diesem Jahre ab, in der der Hauptvor­anschlag für 1902/03, innere Vereinsangelegenheiten besprochen wurden. Auch wurden in jener Sitzung die Vorarbeiten für die am 4. nnd 5. April in Mainz tagende 17. Hauptver­sammlung des Vereins erledigt. Nach dem Beschlüße des Vorstandes sind für diese Versammlung zwei Tage vorgesehen und zwar mit nachstehendem Programm (Aenderungen vor­behalten): Freitag 4. April Besichtigung der Stadt unter Führung der Mainzer Collegen. Zusammenkunft von zehn Uhr ab in der Aktienbierhalle am Hauptbahnhofe. Nachm. 3 Uhr Besichtigung des Domes unter Führung des Prof. Neeb ; halb 5 Uhr Besuch des römffch-germanisch en Museums, Führer Direktor Schuhmacher. Abends ist gesellige Vereini­gung in derLiedertafel". Samstag, 5. April, vormittags Hauptversammlung in derLiedertafel", Begrüßung der Ver­sammlung und der erschienenen Gäste, geschäftliche Mit­teilungen, Rechnungsablage, Wahl des Vorstandes, Be- sttmmung des Ortes für die nächste Hauptversammlung und dann folgen drei Vorträge; nachmittags halb 3 Uhr findet im Bankettsaale derLiedertafel" ein gemeinschaftliches Effen statt. Zu der Hauptversammlung, der ersten, welche auf hessischem Gebiete abgehalten wird, werden nach Be­schluß des Vorstands eingeladen werden: der Staatsminister, der Vorsitzende und die Mitglieder der Schulabteilung, der Provinzialdirektor von Rheinhessen und der Oberbürgermeister von Mainz, ferner die Vorsitzenden und Mitglieder der be­nachbarten Vereine akademisch-gebildeter Lehrer.

** Bezüglich der Lahnkanalisation fand am Dienstag im Kreishaus zu Diez auf Einladung des Landrates eine infor­matorische Besprechung von Interessenten aus dem Unterlahn­kreis statt. Unter den etwa zwanzig Teilnehmern waren die Städte Diez, Nassau und Ems durch ihre Bürgermeister oder sonstige Mitglieder der städtischen Behörden vertreten, die industriellen Werke durch ihre Direktoren. Mehrfach wurde das von der Regierung in Aussicht genommene sogenannte kleine Projekt" (Verbesserung der Schiffahrt auf der Unterlahn von der Mündung bis Ems einschließlich) als Gefährdung des großen Projektes bezeichnet, das be­kanntlich den ganzen Lahnfluß von der Mündung bis nach Wetzlar umfaßt und 31 Millionen kosten würde. Der Regie­rung wird über die von lebhaftem Jntereffe zeugenden gut­achtlichen Aeußerungen Bericht erstattet werden.

** Kinderfest. Am Samstag Abend fand in Stein's Saalbau das von Lehrer Bernhard Klein veranstaltete Kinderfest unter sehr starker Beteiligung statt. Die ganz vorzüglichen Leistungen der Jugend legten Zeugnis davon ab, mit welcher Hingebung und Opferwilligkeit sich Herr Klein seiner Aufgabe unterzogen hat, und gaben gleichzeitig einen glänzenden Beweis für die Anhänglichkeit und Liebe der Kinder zu ihrem Lehrer. Die Darstellungen, bestehend in mehreren Theaterstückchen, lebenden Blldern, Soloszenen re.

fanden stürmischen Beifall. Einen envenwouenoen laus erregte besonders die letzte Programmnummer (Eine Bauernhochzeit, Verkleidungsaufzug). Es war wohl jeder­mann aus dem Herzen gesprochen, als Banner I. Grüne­wald mit beredten Worten die Verdienste des Lehrers Klein feierte und ihm im Namen der zahlreich erschienenen Gäste seinen Dank für das schön verlaufene Fest abstattete. Als äußeres Zeichen der Anerkennung überreichte er ihm mr Namen der Schuljugend einen prachtvollen Tafelauffatz. Er schloß seine Ansprache mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Lehrer Klein. Bewegt dankte dieser für die ihm gewordene Ehrung; sein Hoch galt der lieben Jugend. Ein Tänzchen hielt die Gäste bis zur frühen Morgenstunde in fröhlichster Stimmung beisammen.

** Das 25 000. Kaps-Instrument. In derHofpianoforte- fabrik von Ernst Kaps, deren Flügel und Pianos Weltruf erlangten, ist soeben das 25 000. Instrument die Firma wurde 1858 in Dresden gegründet fertiggestellt roorben, das nach Samarkand (Turkestan) zum Versand kommt. Be­kanntlich ist Herr Wilhelm Rudolph hier Vertteter der Fabrik.

§ Lollar, 15. März. Gelegentlich eines Vortrags des ehemaligen Burenkämpfers Butz aus Pretoria wurde hier eine Sammlung zu Gunsten der notleidenden Buren vei> anstaltet, welche die Summe von 64,50 Mk ergab.

Butzbach, 15. März. Der Sparkassenverein Butz­bach hat sich iin abgelaufenen Geschäftsjahr günsttg entwickelt. Eingelegt wurden 207 252,94 Mk., zurückerhoben 183 934,51 Mark. Somit wurden mehr eingelegt 23 318,43 Mk., wo­nach der Einlagebestand Ende 1901 die Höhe von 651718,37 Mark erreicht hat. An Kapttalien wurden im Rechnungs­jahre 1901 ausgeliehen 74 895 Mk., hingegen zurückbezahlt 50 802 Mk., mithin mehr ausgeliehen 17093 Mk. und be­trägt der Stand der ausgeliehenen Kapitalien Ende 1901 einschließlich des Rechnungsrestes 689 025,12 Mk. Das wirk­liche Vermögen des Vereins beträgt sonach 37 306,75 Mark und hat sich im verflossenen Rechnungsjahre um 537 Mark erhöht. Im Jahre 1901 sind 22 neue Einleger zugetreten^ sodaß ihre Zahl jetzt 776 beträgt. Der Zinsfuß für alle Darlehen beträgt 4% Proz., für Einlagen werden 4 Proz. vergütet.

§ Butzbach, 16. März. Die jüngst hier gegründete Orts­gruppe des Deutschen Schulvereins veranstaltete int Interesse der Erhaltung des Deutschtums im Auslande gestern in dem Saale desHessischen Hofes" einendeutschen Abend". Eröffnet wurde die Feier durch einen Jnstrumen- talvortrag der Kapelle des Infanterie-Regiments 168, welche auch im wetteren Verlaufe der Veranstaltung die Musikpiecen ausführte. Oberlehrer Alten darf-Gießen, der früher in Butzbach war, sprach einen schönen Festprolog. Sodann wurde das lebende BildGermania die deutsche Jugend im Ausland beschützend" dargestellt, deffen Wirkung gewalttg war. Als Germania trat Fräulein Luft-Ostheim auf. Es folgte der Vortrag des GedichtesDas deuffche Gewissen"' durch Lehrer Storch, ferner mehrerer Koschatlieder, die Fräulein Weide mann sang. Auch verschiedene Reigen, sowie ein gut gespieltes Theaterstückchen wurden aufgeführt. An eine Verlosung von über 150 Preisen schloß sich ein ge­mütlicher Ball. Dank der Sympathieen, die unsere Bevölle- rung dem Verein und seinen Bestrebungen entgegenbringt, wurde ein nennenswerter Reinertrag erzielt. Die Tettnehmer trennten sich erst in vorgerückter Stunde.

& Aus der südlichen Wetterau, 16. Mürz. Der Ausbau der Bahnstrecke StockheimVilbel, von dem man vielfach angenommen hatte, daß er der herrschens den Arbeitslosigkeit wegen schon in diesem Frühjahre begonnen werde, soll nun, wie man hört, doch wenigstes besttmmt im Herbste in Angriff genommen und der Ge- ländeettverb in diesem Sommer geregelt werden. Hoffent­lich werden diese Erwartungen nicht noch einmal ge­täuscht. Schon feit über zwanzig Jahren ist dieser Babu- bau Gegenstand der Erörterung. Daß die Bahn von der größten Bedeutung sein würde, bedarf wohl nicht eines immer wieder erneuten Nachweises. Der ganze Verkehr der hiesigen Gegend gravitiert nach Frankfurt, und be­sonders würde den zahlreichen Arbeitern eine große Er­leichterung geschaffen, die aus den in der Nähe der pro- jektterten Bahn gelegenen Orten, wie Hainchen, Oberau, Rommelhausen, Höchst «Ld.Nu.a- als Maurer, Weiß­binder und Handlanger in Frankfurt ihren Verdienst suchet müssen, und die jetzt zum teil zwei Stunden bis zur nächsten Station zu gehen haben, was namentlich auf dem Heimweg von der Arbeit als sehr beschwerlich empfunden wird. Außerdem aber würde der Vogelsberg, namentlich nach dem Ausbau der Strecke GrebenhainGedern durch diese Bahn erst dem Verkehr völlig erschlossen. Die Bahn wird durch ihre Rentabilität gewiß am besten ihre Not-/ Wendigkeit erweiftn.

m Dannenrod, 16. März. 4 Förster des Frhrn. von Schenk zu Schweinsberg hatten ein Rekontr e mit einem Wil derer. Als letzterer das Gewehr nicht niederlegen wollte, gaben die Förster Feuer, ohne jedoch zu treffen. Der Wilderer ergriff die Flucht, wurde aber eingeholt und ding­fest gemacht. Es war der wegen Wilddieberei bereits vor­bestrafte Landwirt Wiesner aus Dannenrod. Er wurde in das Amtsgerichtsgefängnis nach Homberg a. O. gebracht.

W. Nidda, 15. März. Heute wurde unter großer Be­teiligung von hier und auswärts der Brauereibesitzer Louis Uhl, der im Alter von 48 Jahren einer hartnäckigen Krank­heit erlegen war, zur letzten Ruhe bestattet neben seiner vor einem halben Jahr rasch verschiedenen Gattin. Als Kom­mandanten der Feuerwehr gab ihm diese mit der Kapelle an der Spitze das letzte Geleit; der Kriegerverein gab am Grab Ehrensalven. In der Grabrede hob Pfarrer Werner des Toten herrliche Geisteseigenschaften und seine große Geduld im Leiden hervor. Gestern Abend führte die hiesige Kasinogesellschaft zum Besten des Vereins für Krankenpflege einige Theaterstücke in Krafts Saalbau auf, welche großen Beifall fanden. Der Reinerttag beziffert sich über 100 Mark.

lr Gedern, 12. Marz. Der hiesige Vorschuß- und Kreditoer ein feiert am 20. sein 25jähriges Jubiläum. Die Aktieninhaber werden sich an diesem Tage bei Gastwirt Stiebeling zu einem Festessen vereinigen. Der Lehrer und Kantor Roth feiert im Juni sein 50jährige§ Amtsjubiläum. Seit nahezu 12 Jahren in unserer Gemeinde ihätig, hat er sich die Achtung und Liebe sämtlicher Ortseinwohner er­worben. 1852 erhielt er seine erste Schulstelle in Bmckhards.