Ausgabe 
17.3.1902 Zweites Blatt
 
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Bochum . , , Harpcner . . .

lustlos.

Vermischtes.

Troyes, 15. März. In einem nahen Wald wurde gestern die Leiche eines 50jährigen Mannes gefunden, der der Kopf vom Rumpf getrennt war. Man nimmt an, daß der Mord bereits vor 8 Monaten begangen worden ist.

* Wien, 15. März. Der Journalist und Millionärs- sohn Pollak hat sich krankheitshalber erschossen. Derselbe war unter dem Schriftstellernamen Pahlen bekannt.

* Agram, 16. März. In dem kroatischen Gewerbe­verein sind große Unterschlagungen entdeckt worden. Der Präsident und der Sekretär des Vereins wurden verhaftet.

* Bukarest, 15. Marz. Bei einem Brand in der Zuckerfabrik in Roman wurde gestern ein Teil des Fabrik­gebäudes, die Maschinen und eine große Menge Zucker ver­nichtet. Der Schaden wird auf 2*/2 Millionen Francs ge­schätzt.

* Suez, 16. März. Im Suezkanal geriet ein Petro­leumschiff in Brand, ein anderes ist aufgelaufen und verlassen worden. Es wird eine Explosion befürchtet. Der Verkehr durch den Kanal ist voraussichtlich auf drei Tage behindert.

* Valparaiso, 16. März. Ein Teil des Marine­iarsenals der Regierung wurde in der vergangenen Nacht durch Feuer zerstört. Der Schaden ist sehr bedeutend.

* New-Pork, 16. März. DemNew-Pork Herald" wird aus Lima telegraphiert: Bei der Eröffnung einer neuen Brücke über den Maranon (Oberlauf des Amazonenstroms) sei die Brücke plötzlich eingeftürzt und über hundert Menschen seien ertrunken.

* Seuchen. In der letzten zwei Tagen sind in Mekka HZ Erkrankungen und 16 Todesfälle, in Medina 10 Todes­fälle an Cholera vorgekommen. Unter den Mann­schaften des in Triest stationierten RegimentesKönig der Belgier" ist Scharlach ausgebrochen.

"Eine interessante Reminiscenz frischt angesichts der neuesten deutsch-amerikanischen Freundschaftsbezeugungen dieTägl. öiundschau" auf, indem sie daran erinnert, daß schon einmal ein Prinz Heinrich von Preußen nahe daran war, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Es war der Bruder Friedrichs d. Gr., der einzige General, der im siebenjährigen Krieg keinen Fehler gemacht. Als einmal vor Annahme der amerikanischen Ver­fassung in einem Kreise von Freunden die Frage der Re­gierungsform verhandelt wurde, und es noch nicht entschieden war, ob her Präsident blos mit den Befugniffen des höchsten bürgerlichen Beamten oder nach dem Muster der Niederlande mit den mehr fürstlichen Privilegien eines Statthalters be­kleidet werden sollte, wandte sich einer der Anwesenden an den ftüheren preußischen Offizier v. Steuben mit der Frage,

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Dann wirkte er in Nieder-Ohmen, Gedern, Nieder-Seemen und Ober-Seemen. Von dort wurde ihm die hiesige erste Schulstelle übertragen. .

Darmstadt, 16. Marz. Prinz Heinrich von Preußen wird mit seiner Gemahlin die Osterfeiertage am hiesigen Hofe verbringen.

Darmstadt. Prinzessin Elisabeth ist am 13. abends wohlbehalten in Nizza angekommen.

Fc Mainz, 16. März. Der Gauner, der alsTelephon­arbeiter" Diebstähle ausführte, wurde in Mannheim in der Person des 18jährigen Mechanikers Tidgenfe st genommen. Er wohnt in Frankfurt a. M. Von dort aus machte er seine Raubzüge nach den benachbarten Städten.

b. Mainz, 16. März. Die Schwierigkeiten, mit denen die hessische Regierung zu kämpfen hat, um das Gleichgewicht des hessischen Staatsbudgets herzustellen, haben mehrere müßige Finanzgenies auf wunderliche Einfälle gebracht, wie sich der leere Staatssäckel am leichtesten wieder füllen ließe. Den merkwürdigsten dieser Vorschläge machte ein hiesiger Großkaufmann und unterbreitete ihn sowohl dem hessischen, wie dem preußischen Finanzministerium. Er schlägt vor, daß von allen Personen, welche sich nach zwölf Uhr nachts noch in einem Wirts-, Gast- oder Cafshaus be­finden, eine Steuer von 50 Pfennigen erhoben werden soll, für deren richtigen Eingang der betreffende Wirt ver­antwortlich zu machen sei. Das allermerkwürdigste bei der Sache ist, daß sie auch bei dem Finanzminister Dr. Gnauth Beachtung fand. Dem findigen Großkaufmann wurde näm­lich aus Darmstadt mitgeteilt, daß das Projekt zwar recht schön, aber wegen der Unmöglichkeit einer Kontrolle nicht durchführbar sei.

Worms, 15. März. Hier wurde auf dem Wochenmarkt Butter angehalten, die durch ihr verdächtiges Aussehen auf­fiel, worauf eine Probe dem chemischen Untersuchungsamt zur Untersuchung und Begutachtung überliefert wurde. Das von diesem erstattete Gutachten enthielt u. A. folgende sehr zutreffende Bemerkung:Die Butter stellt eine übel­riechende, käsige Schmiere dar, die den Namen Butter nicht verdient; dieselbe besteht zu fast der Hälfte aus Käse und Wasser. Ware von derart erbärmlicher Zusammensetzung ist noch selten beobachtet worden. Es ist fast unglaublich, wie etwas Derartiges zum Kauf ausgeboten werden kann." Auf Grund dieses Gutachtens ist gegen die Verkäuferin der sog. Butter Strafverfahren eingeleitet worden.

** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Herr Dr. Baur verkaufte seine an der oberen Parkallee in Bad-Nauheim gelegene Villa zum Preise von 150 000 Mark an Dr. Friedlaender. In Auerbach verübte die Eheftau des pensionierten Bahnwärters Seipp Selbstmord, indem sie sich von einem Zuge der Main-Neckar-Bahn über­fahren ließ. Der Kopf wurde vom Rumpfe getrennt und erst am andern Morgen auf der Strecke gefunden. Das Töchterchen einer im Hauptweg in Mainz wohnenden Familie wollte einem Spielzeug, das zum Fenster hinaus auf eine daselbst befindliche Altane gefallen war, nachlaufen. Auf der Altane, die ziemlich defekt war, verlor das Kind das Gleichgewicht und stürzte vom 3. Stockwerk hinab in den Hof. Furchtbar verletzt wurde es seinen Eltern gebracht, doch starb es unter furchtbaren Schmerzen alsbald infolge der er* haltenen Verletzungen. - Die Abiturientenprüfung bestand am Gymnasium in Bernburg die Tochter des KreisphysikuS Dr,Esleben. Dieselbe will in Marburg Medizin studieren. Der 24 Jahre alte Telegraphenarbeiter Stetenfeld erhängte sich in seiner Wohnung in Frankfurt a. M.

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Kandwirtschast.

Zur Wanderausstellung der Deutschen Landwirt­schafts-Gesellschaft, welche vom 5. bis 10. Juni in Mannheim abgehalten wird, hat der Grobherzog von Baden sein Erscheinen zugesagt; er wird die Ausstellung mit einer Ansprache eröffnen. Die Ausstellung selbst wird ein Bild von der Leistungsfähigkeit der süddeutschen Landwirtschaft geben. In der Tierabteilung kommen 373 Pferde, 720 Rinder, 210 Schafe, 363 Schweine und 200 Ziegen zur Vorführung. Pferde und Schweine werden also in so großer Anzahl wie auf früheren Ausstellungen vertreten sein, während die Rinder, die zum größten Telle Höhenrinder sind, und ebenso auch die Schafe in geringerer Anzahl als früher ausgestellt werden. Die Anmeldung der Ziegen übertrifft bei weitem die früheren Zahlen. Besonderes Interesse wird die Erzeugnisabteilung bei dein aus­gedehnten Handelsgewächsbau in Süddeutschland Hervorrufen. Hier wird vor allen Dingen Tabak, Hanf und Flachs ausgestellt werden. Ferner wird in Mannheim, mitten im Weinland gelegen, eine Traubenweinkosthalle mit 120130 Proben deutscher Gewächse beschickt werden. Die Molkereiausstellung wird sich durch reiche Beschickung von Butterprobcn und Käsesorten auszeichnen. Um die in Mannheim zur Ausstellung kommenden Geräte aufzunehmen, ist ein Platz von 31400 Quadratmeter im Freien und 3560 Quadrat­metern in Schuppen erforderlich.

Submisstorrskaleirder.

18. März. Butzbach, Direktion der Zellenstrafanstalt, Lief»-' rung von Verzehrungs- und Verbrauchsgegenständen. Bedingungerr gegen^Sc^reirgebühi'eMen, ^^ßh. Staatsanwaltschaft, Lieferung von Verzehrungs-- und Verbrauchsgegenständen, sowie von Brenn­materialien für das Großh. Proomzial-Arresthaus. Bedingungen daselbst. _k

Spiehrlan der^rrinigteu Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 18. März, abends 7 Uhr:Carmen." Schauspielhaus.

Dienstag den 18. Marz, abends halb 3 Uhr: Zweites und letztes Gastspiel des Herrrn Coquelin mll dem Ensemble deS Theaters de la Porte 8t. Martin 'Cyr

Gerichtssaal.

L. Gießen, 15. März. Schöffengericht. In der gestrigen Sitzung des Schöffengerichts wurde u. a. gegen einen hiesigen Dienstknecht verhandelt, der sich im vorigen Sommer mit einer Anzahl bereits abgeurteilter Genossen an einer Schlägerei beteiligt hatte, bei der Latten von den Zäunen abgerissen und als Wurf- aeschosse benutzt wurden. Wegen Ruhestörung, groben Unfugs und Sachbeschädigung wird der Angeklagte zu Geldstrafen von 10 Mk., 20 Mk. und 15 Mk. verurteilt. Die Strafe wegen groben Unfugs wird als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet. Wegen Holzdiebstahls erhält die Witwe eines Taglöhners aus Gießen eine Gefängnisstrafe von 1 Woche. Die in der Marburger Straße wohnende Ehefrau eines Fabrikarbeiters hatte einer, Strafbefehl erhalten, weil sie während Frostwetters Wasser auf die Straße ge­schüttet haben sollte. Tie Verdächtigte erhob Einspruch und wurde wegen Mangels an einem ausreichenden Beweise freigesprochen.

8. Darmstadt, 15.März. Kriegsgeriebt Der Musketier Karl Christ von der 5. Kompagnie des Jns.-Regiments Nr. 116 in Gießen heute sich heute wegen unerlaubter Entfernung, wissent­lich unrichtiger Erstattung einer Dienstmeldung und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu verantworten. Er war in seine Heimat (Darmstadt) beurlaubt und schrieb kurz bevor sein Urlaub zu Ende ging, an seinen Hauptmann, er möge ihm wegen Erkrankung seiner Mutter einen Nachurlaub von 2 Tagen bewilligen. Tas geschah auch, er erhielt 2 Tage, worauf er das Manöver wiederholte, dies­mal aber ohne Erfolg, da der Hauptmann den Angaben Christs keinen Glauben mehr schenkte, wie sich herausstellte, mll Recht. Christ wurde von einem Unteroffizier abgeholt. Bald darauf be­gab er sich wieder nach Darmstadt. Als er abermals abgeholt werden sollte, widersetzte er sich, wurde aber mit Hilfe von Schutz­leuten verhaftet. Er ist geständig, aiebt aber an, daß er mit seiner wiederholten Entfernung nur den Zweck erreichen wollte, in ein anderes Regiment versetzt zu werden. Er erhielt 3 Wochen strengen Arrest.

fc. Mainz, 17. März. (Original-Telegr. desGieß. An z.") In dem Aufsehen erregenden Sttafprozeß des Dr. Fie dl er- Monsheim gegen den Bürgermeister von Monsheim wegen Belei­digung des letzteren in einer Broschüre wurde Dr. Fiedler heute zu 600 Wik. Geldstrafe und sämtlichen Kosten verurteilt. Von der Anklage wegen falscher Anschuldigung wurde er fteigesprochen. Die Vernichtung der Broschüre wurde angeordnet.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Tabak. Im Laufe der Berichtswoche wurde in Mannheim wenig gebanbelt, es beroeat sich das Geschäft immer noch in sehr ruhigen Bahnen. Von der Spekulation wurden von einigen Händlern verschiedene Posten Schneid- sowie Cigarrentabake gekauft, und zwar in der Preislage von 3237 Alk., je nach Qualität und Empfangszeit. Ferner wurden zirka 1000 Zentner Abfälle in der Preislage von 1822 Mk. per sofort genommen, in ungereinigtem Zustande abgesetzt. In losen Pfälzer Rippen geschäftslos, lose feine 8.509 Mk., gebündelte 1111.50 Mk.

Märkte.

ko. Frankfurt a. M., 17. März. (Orig.-Telegr. desGießen. Anz.") Amtliche Notterungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen All. 17.2517.50, Kurhessischer Mk. 17.5000.00, La Plata Mk. 17.7518.00, Kansas Mk. 00.0000.00, Roggen (hiesiger) Mik. 14.2514.50, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.7516.50, Kleie Mk. 00.0000.00, Hafer Mk. 16.5017.00, Mais Mk. 12.50 bis Mk. 12.75, Weizenmehl 0 Mk. 25.5026.00, 2. Qualität Mk. 23.50 bis Mk. 24.00, 3. Qualität Mk. 21.5022.00, Roggenmehl 0 Mk. 21.5022.00. L Qualität Mk. 21.2521.50, Weizenkleie Alk. 8.75 bis Mk. 9.00, Roggenkleie Mk. 9.259.50, Maiskeime Mk. 9.50 bis All. 10.00, Frankenpfälzer Rieb Mk. 00.0000.00. Alles per 100 Kg. ab hier.

fc. Frankfurt a. M., 17. März. (Telegr. Oria.-Bericht des Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt­preise. Zum Verkaufe standen 387 Ochsen, darunter 104 aus Oesterreich, 29 Bullen, darunter 1 aus Oesterreich, 744 Kühe, Fersen, Sttere und Rinder, 308 Kälber, 193 Schafe und Hämmel, 1289 Schweine. 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 00 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 6668 Mk., 2. Qual. 6064 Mk., 3. Qual. 5457 Mk.; Bullen 1. Qual. 55 bis 57 All., 2. Qual. 5153 Mk.; Kühe 1. Qual. 5961 Mk., 2. Qual. 5658 Alk., 3. Qual. 4345 Mk, 4. Qual. 3234 Mk., 5. Qual. 3031 Mk. Kälber: L Qualität7880Pfg.,Lebendgewicht 4648 Pf., 2. Qual. 7174 Pfg., Lebendgewicht 4244 Pfg., Schlacht­gewicht 6063 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 6466 Pfg., 2. Qual. 5860 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qual. 66 Pfg., Lebendgewicht 5200 Pfg., 2. Qual. 65 Pfg^ Lebendgewicht 51 Pfg., 3. Qual. 56 bis 58 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gut, bei Kleinvieh gut. Markt: geräumt

ob der Prinz Heinrich von Preußen wohl ein guter Regent sein und inwiewell er einem Rufe Folge leisten würde. O nein", antwortete Steuben,so weit ich den Prinzen kenne, wird er nie daran denken, hierher zu kommen, um sich zu Eurem Herrn machen zu laffen, ich habe chm längst ge­schrieben, was für ein Völkchen Ihr seid, er würde es keine drei Tage unter Euch aushalten. So zerschlug sich die Sache wieder. Die Folgen sind aber kaum auszudenken. Wa§ wäre daraus geworden, wenn ein voltairisierender Prinz Präsident des jungen Freistaates geworden wäre?

* Ein amerikanischesDuell. Eine drollige Anek­dote aus denMemoiren" der schönen Lina Cavalieri, er­zählt derTemps": Zwei Amerikaner, die auf einander eifersüchtig waren, beschloßen, sich zu duellieren. Das Duell sollte mit Pistolen ausgefochten werden, und zwar in einem Hotelzimmer und im Dunkeln; jeder sollte nach Belieben schießen, aber als Leitstern sollte das Feuer der Zigarette dienen, die jeder rauchen sollte. So geschah es; die Waffen wurden geladen, und als der tragische Moment gekommen war, erschütterten zwei furchtbare Knalle das Hotel; der Wirt und das ganze Personal stürzten ins Zimmer schon glaubten sie ein schreckliches Schauspiel zu sehen. Aber es war nichts, man ist nicht umsonst Pankee. Die beiden Rivalen lagen jeder friedlich auf feinem Bett, und nirgends sah man einen Tropfen Blut beide hatten dieselbe lichtvolle Idee gehabt, die Zigarette angezündet auf einen Schrank zu legen und vom Bett aus zu schießen.

Ueuelle £tUlvinujfiL Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers»

Berlin, 17. März. In Potsdam ist man, derWett am Montag" zufolge, auch jetzt noch der lieber^eugung, daß der Kaiser thats'ächlich vor Offizieren eine Rede gegen den Duell-Unfug gehalten habe und daß dabei sehr harte Worte gefallen seien. Es heißt jetzt, er habe die Rede bei den Garde-Ulanen gehalten und die Versetzung eines Assessors wird auf eine Indiskretion zurückgeführt, deren sich derselbe im Hinblick auf diese Rede schuldig gemacht habe. (Die genannte Zeitung ist ein Sensationsblatt vom Range des Lokalanzeigers" und höchst unglaubwürdig. D. Red.)

Cöthen, 17. März. Der Präsident des anhaltischen Land­tags, Geh. Justizrat Lezius, ist gestorben.

Karlsruhe, 17. März. Das Großherzogspaar ist heute früh 8 Uhr 50 Min. nach Frankfurt a. M. ge­fahren, um dort mit der Königin von Schweden und Norwegen zusammenzutreffen und den heuttgen Tag zu ver­bringen. Die Königin reift dann nach Honnef zu längerem Aufenthalt.

London, 17. März. DerStandard" meldet aus Dur­ban vom 14. März: In Ladysmith ist die Nachricht ein­gegangen, daß eine Buren abteilung in der Richtung auf Ermesdal im Vormarsch begriffen und daß Yeomanry zu ihrer Verfolgung aufgebrochen sind.

London, 17. März. DieTimes" veröffentlicht ein Tele­gramm aus Prätoria, wonach Botha nur über 700 Mann verfügt und sich in östlicher Richttmg von Vryheit vor den Truppen Hamiltons zurückzieht. Schalk Burger und die Buren-Regierung halten sich nördlich von der Delagoa-Bai- Bahn auf. Infolge der Niederlage der Kolonne Donop ist der englische Gef e chtsplan gestört worden und ein neuer müsse auSgcarbeitet werden. Vor Ende des Monats würden 10000 Mann Verstärkungen nach Süd­afrika abgehen. Weitere Truppen sollen folgen. Aus Heilbronn wird gemeldet: Der Burenkommandant Gallier ist verwundet in Gefangenschaft geraten. Dewet und Stein befinden sich westlich von der Hauptbahn-Linie, des Oranjestaates und werden von englischen Kolonnen zwischen Heilbronn und Frankfort verfolgt. Man glaubt, Botha versuche, sich Delarey anzuschließen.

London, 17. März. Lord Kttchener meldet aus Pretoria von gestern: Lord Methuen sandte an mich einen Stabsoffizier mit einer von ihm diktierten Depesche, ans der hervorgeht, daß die Nachhut der berittenen Truppen in der Dämmerung überfallen und überwältigt wurde, während sich die Ochsen- und Maultiertransporte einige Aieilen ab Ms befanden. So­fort ließ Methuen alle verfügbaren berittenen Truppen zur Unterstützung der Nachhut abgehen, die mit einem Zuge der 38. Batterie den Feinden eine Stunde lang Widerstand leistete, während der Konvoi ohne jede Un­ordnung aufschloß. Tesgü entsandte Methuen 200 Mann Infanterie zur Abweisung des Angriffs, die von den Buren hart bedrängt wurden. Als die Truppen sich auf die berittene Infanterie zurückzuziehen versuchten, gerieten sie in Unordnung, rissen die Hauptmasse der berittenen Truppen mit in die Verwirrung und ließen zwei Geschütze der 38. Batterie ohne jede Deckung. Diese setzten den Kampf fort, bis die gesamte Bedienungsmann­schaft außer Gefecht gesetzt war mit Ausnahme des Leut­nants Wesham. Da dieser sich weigerte, die Waffen zu strecken, wurde er getötet Methuen wurde mit 200 Nort- humberlandfüsilieren und zwei Geschützen der 4. Batterie ad geschnitten, hielt aber drei Stunden aus. Während dieser Zeit hielt die übrige Infanterie, 100 Mann des Lancashire-, regiments und 40 Berittene, die meist der Koppolizei aw- gehörten, einen Kraal in der Nahe des Wagenkonvois be­setzt und erwehrten sich der wiederhotten Angriffe der Buren. Alsdann wurde Methuen verwundet. Die Verlusts waren ganz außerordentlich schwer. Die Munition wurde zum größten Teil verbraucht Die Uebergabe fand 9.30 Uhr früh statt Die Abteilung, die den Kraal besetzt hielt, verharrte solange in ihrem Widerstand, bis zwei Geschütze vom Feinde in der Nähe des Kraals in Position gebracht wurden. Die meisten Buren trugen englische Khakiuniform, viele sogar mit englischen Rangabzeichen. Es ist unzweifel­haft, baß die Infanterie sich sehr brav geschlagen hat und die Artillerie chre Tradition aufrecht erhiett, während außer den bereits erwähnten 40 Koppoliziften einige kleinere Ab­teilungen des 5. Regiments der Reichsgeomanry nach der Panik, die «oiie Hauptmasse der berittenen Truppen weg­gefegt hatte, noch standhietten.

Budapest, 17. Attirz. Gestern abend wurden aber­mals durch Arbeitslose Kundgebungen veran­staltet. Hierbei kam es zu Zusammenstößen mit der Po­lizei, die die Menge auseinandertrieb. 50 Verhaftungen wurden vorgenommen.

Lemberg, 17. März. Die hiesigen Damen-Konfek- tions-Arbeiterinnen sind roegeu Lohn-Differenzen und Herabsetzung der Arbeitszeit in den Streik eingetreten.

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