Ausgabe 
17.2.1902 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Vertreter des Vorsitzenden, der nationalliberale Abg. Dr. Paasche zum Präsidenten gewählt werden dürste. Der Kompromisantrag ist aus der Mitte des Centrums und zwar aus der Initiative deS Abg. Herold hervorgegangen.

In einem ^Morgenröte" überschriebenen, beachtenswerten Artikel bespricht dieKöln. Ztg." dielange gesuchte und endlich gefundene Mittellinie" in Sachen des Zolltarifs, das Blatt sagt:Hat man (regierungsseitig) die kleine Eitelkeit der großen Parlamentarier weise berücksichtigt, so hat man etwas weniger angeboten, als man geben wollte. Jedenfalls verringert sich die Spannung zwischen Angebot und Forde­rung derart, daß es verfehlt wäre, an solchen Lapalien das große Werk scheitern zu lassen.

Bemerkenswert ist der beginnende Konflikt im kon­servativen Lager. In Elbing-Marienburg stehen sich zwei konservative Kandidaten gegenüber, Graf Dohna und Herr v. Oldenburg-Januschau. Der Elbinger konservative Verein, der den Grafen Dohna unterstützt, veröffentlicht in der kon­servativenElb. Ztg." eine Begründung seiner Stellung­nahme gegen Herrn v. Oldenburg, in der sich u. a. folgende Sätze sinden:

Der Vorstand weiß, daß Herr ». Oldenburg sich von je als extrem agrarisch gezeigt hat, und daß er allgemein als einer der radikalsten Führer der agrarischen Bewegung angesehen wird. Für die Reichstagswahl hält der Vorstand die Kandidatur Oldenburg für eine Gefahr für den Wahlkreis, wie er die un- gemäßigte Agitation der Führer der agrarischen Beweguna für eine Gefahr für konservative und monarchischeGe- sinnung im Volke und nicht zum mindesten auch f ü r di e berechtigten Ansprüche der Landwirtschaft hält. Er hat die Genugthuung, diese Auffassung durch die jüngsten Vor­gänge in Berlin bestätigt zu sehen. Mit der Parteileitung dort würde auch er es gerade für die Landwirtschaft für ein Unglück halten, wenn der Reichskanzler, Graf Bülow, der für diese daS weitgehendste Interesse bethätigt hat, durch die ver­höhnende Agitation der Führer des Bundes genötigt würde, fein Amt niederzulegen. Wir sind überzeugt, daß bei einer Kandidatur v. Oldenburg viele unserer Gesinnungsgenossen, die es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, einem der lautesten Schreier im Streit der agrarischen Opposition ihre Stimmen zu geben, im Wahlkamps versagen werden.

Die Kekse des Artuzeu Kemrich.

Prinz Heinrich von Preußen traf am Sonntag nach- -wittag gegen 1 Uhr, von Kiel kommend, in Bremen ein und nahm mit seinem Gefolge im Fürstenzimmer des Bahn­hofs das Frühstück ein. Um 1 Uhr 40 Min. kam das weitere Gefolge des Prinzen Heinrich, von Berlin kommend, dort an, worauf um 1 Uhr 55 Win. die Abfahrt nach Bremerhaven erfolgte. Dort wurde der Prinz von den Spitzen der Militärbehörden empfangen. Beim Empfange waren außer­dem anwesend der amerikanische Marine attache Bechler aus Berlin und der amerikanische Konsul in Bremen, Died­rich. Prinz Heinrich, der Marineuuiform trug, begab sich sodann an Bord des SchnelldampfersKronprinz Wilhelm", wo er vom Kapitän empfangen wurde. Der Obersteward begleitete alsdann den Prinzen und die Herren des Gefolges in die für sie bestimmten Kabinen. Das Publikum, das äußerst zahlreich erschienen war, brach beim Erscheinen des Prinzen in stürmische Hochrufe auA. Die Musik spielte die Preußen-Hymne. Nach kurzer Zeit erschien der Prinz wieder an Deck, vom Publikum abermals jubelnd begrüßt. Um 10 Minuten vor 4 Uhr ließ der Dampfer die Leine los. Die Musik spielteMuh i denn, muh i

denn zum Städtle hinaus" und die Menge rief dem Prinzen herzliche Abschiedsgrüße zu. Um 4 Uhr hatte der Dampfer den Hafen verlassen und dampfte seewärts.

Kurz nach 6 Uhr war der Rote Sand-Leuchtturm und eine halbe Stunde später das Wcserfeuerschiff passiert. Der Prinz verbrachte den größten Teil des Abends auf dem Verdeck. Das Diner nahm der Drinz mit seinem Gefolge an einem besonderen Tische in oem gemeinsamen Speise­saale ein. Die Kapelle der zweiten Matrosen-Division aus Wilhelmshaven gab die Tafelmusik. Zuerst wurde ein Pot­pourri, dann amerikanische und vaterländische Weisen ge­spielt. Nach dem Tiner verweilte der Prinz längere Zeit mit seinem Gefolge in dem gemeinsamen Rauchsalon und zog sich etwa um 10 Uhr zurück. Der Dampfer hatte während der Nacht die prachtvollste, ruhigste Fahrt bei sorrdauerndem Frost und klarstes windstillem Wetter.

Am Sonntag früh um 8 Uhr ertönte als Morgenmusik Das tst der Tag des Herrn!" undEin feste Burg ist unser Gott!" Im herrlichsten Sonnenschein ging die Fahrt an der Küste Südenglands entlang. Bald nach 10 Uhr kamen die Insel Wight und die Forts von Portsmouth in Sicht. Der Solent-Lootse stieg an Bord. Der Prinz hatte nach dem gemeinsamen Frühstück gearbeitet und war später auf der Kommandobrücke, und sprach es wiederholt aus, wie sehr er sich auf den Besuch Amerikas freue. Kurz nach 12 Uhr erfolgte die Einfahrt in die Bucht von Siout- ha m p t o n. Zum Empfang erschienen an Bord der deutsche Marine-Attache in London Kapitän z. S. Cörper und der deutsche Konsul in Southampton Keller. Dieselben wurden zum Frühstück am Prinzentisch eingeladen.

Tie Meiterfahrt erfolgte um 4 Uhr nachmittags. Eine neue - ©pifobe vor der Landung in Southampton verdient noch erwähnt zu werden. Als derKronprinz Wilhelm" 70 Meilen vom Cap North Foreland passierte, erhielt er eine Mareoni-Tepeschein englischer Sprache:Ein großer Dampfer lies in der vergangenen Nacht auf Goodwin Sands auf. Rettungsboote und Schlepper sind von Rams­gate zur Hilfeleistung und Befreiung abgegangen."

An Bord dosKronprinz Wilhelm" befinden sich 300 Kajüten- und etwa 700 Zwischendeckspassagiere. Prinz Heinrich bewohnt nicht die Prunkgemächer des Dampfers, sondern die Kapitänswohnung. Die Passagiere bewegen sich int Speisesaal und im Rauchzimmer in taktvoller Weise um den Prinzen, dessen liebenswürdiges und herzgewinnendes Wesen alle entzückt.

Prinz Heinrich wird in Newyork vom Admiral Evans an der Quarantäne-Insel auf einem Bugsierdampfer der Marine erwartet werden, auf dem der Prinz und fein Ge­folge dann nach der nahen Evans' Flotte bei Tompkins- ville ankerndenHohenzollern" fahren werden. Dort kommen zur Begrüßung des Prinzen der stellvertretende Sekretär des Staatsdepartements Hill und der zum Ehren­dienst bestimmte General Corbin an Bord derHohen­zollern". Nach dem Austausch der Besuche wird die Flotte DieHohenzollern" an die 34. Straße geleiten, wo die kaiserliche Yacht vor Anker geh-t. Der Besuch des Prinzen Heinrich in der City Hall wird am 25. & M. 4 Uhr nachm. statt finden.

2Äe weiter aus Newyork telegraphiert wird, ist die Hohenzollern" fortgesetzt Gegenstand von Ovationen. Graf Bauoissin wohnte am Samstag in Zivil der Vorstel­lung im Brodway-Theater bei. Er wurde erkannt. Im Zwischenakt spielte das Orchester dieWacht am Rhein". Tas Publikum stand auf und schwenkte die Taschentücher,

und als der Admiral sich verneigend erhob, ertönte orige* meines Hurra Graf Baudissin tauschte mit Evans Be­suche aus.

Aus Stadt und Sand.

Nachrichten von allgemeinem Jnieressc finö uns stets willkommen und werden angcmcsjen honoriert.

Gießen, 17. Februar 1902.

** Dekorierung. Der Kaiser hat dem vortragenden Generaladjutanten, Generalleutnant Grafen v. Hülsen- Haescler, Chef des Militärkabinets, unddeem Oberleutnant ä la suite der Armee Alexander Erbgrafen zu Erbach- Schönberg die Erlaubnis zur Anlegung des ihnen ver­liehenen Großkreuzes des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen erteilt.

E. Ch. Konzert-Verein (am Sonntag den 23. Fe­bruar). Professor Joachim hat, fast in fester Minute, seine sämtlichen auswärtigen Verpflichtungen für den Februar gelöst und damit überall, wo er konzertieren sollte, Enttäuschungen und Verwirrung angerichtet. Es ist durch­aus nicht leicht, für eine erste Kraft vollgiltigen Ersatz zu finden, und der Vorstand des Konzert-Vereins kann hiervon ein Liedchen sinden, was beinahe einen Konzert- Abend füllen könnte. Aber schließlich, nach Entgegennahme von gewuchtigen Körben, ist es ihm denn doch gelungen, in Frau Emma Rückbeil-Hiller, der vortrefflichen Sängerin, eine Künstlerin zu gewinnen, die manchem viel­leicht willkommener ist, als der zuerst in Aussicht genommene. Unterstützt wird die Dame durch ihren Gatten, einen sehr achtungswerten Geiger, und durch Herrn ChristianGer- Hard Eckel, einen jungen Pianisten aus Frankfurt, der in engeren musikalischen Kreisen bereits Beweise seines- Könnens geliefert hat.

** Jagdverpachtungen. Die Jagd im Lützellindener Markmald hat der seitherige Pächter Rechtsanwalt Grüne­wald für 250 Mk. jährlich gegen 360 Mk. früher wieder­gepachtet. Die Langsdorfer Gemeindejagd wurde in 4 Teilen verpachtet. Jagdbezirk IIII erhielt für 1490 Mk. Jahrespacht der Langsdorfer Wildschaden-Abwehr-Verein zu­geschlagen, während Jagdbezirk IV für 1005 Mk. jährlich an den Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich verpachtet wurde. Der Gesamt-Erlös beträgt für die Gemeinde Langs­dorf somtt jährlich 2495 Mk. gegen seither 2790 Mk.

** Die Gewerkschaft Gießener Braunstein-Bergwerke norm. Ferme läßt für ihren Direktor am Oberhof, also in nächster Nähe der Betriebsstätten, ein Wohngebäude im Stile eines Landhauses errichten. Wie verlautet, soll die Gewerkschaft damit umgehen, den seither betriebenen Ackerbau aufzugeben und die für die Landwirtschaft benutzten Flächen zu verpachten.

i. Röthges, 15. Febr. Bei der Bürgermeisterwahl ging Georg Henkel als Sieger aus dem Wahlkampf hervor. Nach der Wahl versammetten sich die Wähler, um sich durch einen kräftigen Trunk von den ausgestandenen Strapazen zu erholen.

.. . - ».!'.!!!-JU, .

Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 18. Februar, abends 7 Uhr:Margarethe."

Schauspielhaus.

Dienstag den 18. Februar, abends 7 Uhr:Alt-Heidelberg.*

Detaillisten- und Kaufmännischer Verein Vorträge des Herrn Rechtsanwalt Dr. Spohr, Giessen mit nachfolgender Diskussion.

Erster Abend

Dienstag den 18. Februar: Das erste Buch des neuen Handelsgesetzbuches.

Zweiter Abend

Dienstag den 4. März: Das Gesellschaftsrecht.

Dritter Abend

Dienstag den 18. März: Drittes Buch, I. und II. Abschnitt des H.-G.-B.

Vierter Abend

Zmlkgesetzte lmscrm vorzüglicher Qualität soweit Vorrat:

1391 2 Pfd.-Dosen

Schnitt-Bohnen

29

Pfg.

Junge Erbsen

39

tf

Brech-Spargel mit Köpfen

95

f

do. ohne Köpfe

80

Stangen-Spargel

1.20

Junge Carotteu

60

ft

Kirschen mit Stein

60

tf

Pflaume» ohne Stein 75

Birnen rot und weiß 85

I. M. Schulhof.

OOOOOOOOOOO

Aetos.

Mittwoch den 9. April: Drittes Buch, III. bis VII. Abschnitt des H.-G.-B. Kopf-UNdKaarwasser

- w>mnnmniintt

UM

m-WEfiKZEUGiKöRZWAASENHANOlUNG

Die Vorträge finden im Hanse des Kaufmännischen Vereins 8V« Uhr pünktlich. Teilnehmerkarten für Nichtmitglieder ä Mk. 3. sind bei Herrn Hausverwalter Rinn zu haben.

Wir bitten um zahlreiche Beteiligung.

statt und beginnen jeweilig abends , zu sämtlichen Vorträgen gütig, 1812 Die Vorstände.

Reinen

Milchzucker nach Vorschrift des deutschen Arzneibuches, empsiehlt 1142

Vietorla-Drogerie

Adolf Bieler, Marklstraße 5.

das desto der Welt.

Reinigt die Kopfhaut und er­höht chre Thättgkeit, wirkt stärkend aus den Haarwuchs und verhütet das Ausfallen der Haare. Dieses Haarwasser, nach langjähriger Erfahrung heraestellt, ist als das denkbar beste Kopfwasfer erprobt und anerkannt. 1249

Flasche 1 Mark 50 Pfg. nur allein zu haben 1249

Adler-Drogerie Seltersweg 39

Otto Schaaf.

Wir empfehlen: 394

Garantie-Werkzeuge für Schreiner, Glaser, Zimmerleute.

Bau- und Möbelbeschläge, Sargverzierungen.

Stechbeitel.

Alle Arten Schlösser.

Schippen.

Hobel.

Fischbänder.

Ketten.

Feilen.

Thürbänder.

Dunggabelo. 394

Sägen.

Fensterbeschläge.

Striegel.

Sägeblätter.

Drathstifte.

Verzinkte Eimer.

Bohrer.

Kaminschieber.

Ofenrohr.

/Brüder Schmidt, Seltersweg 83

Ganz vorzüglichen Tafel Bienenhonig empfiehlt billigst 1248

Otto Schaaf.

Haematogen per Flasche 2 Mk. 0231 Gust. Walter, Mäusburg 13.

Wer auf die längere Haltbarkeit seines Wäschevorrates Wert legt

Da bei richtiger Befolgung ihrer einfachen Wasch- Methode der Sodazueatz wegfällt und bei besserer Haushaltungswäsche das Kochen und Brühen un­nötig ist, wird die Wäsche nicht durch

versuche

gimlighl Seife

Zusatz schädlicher Mftmittel wie Soda etc. angegriffen.

Theater - Verein

8. Vorstellung: Montag den 17. Februar:

Haus Rosenhagen.

Schauspiel in 3 Akten von Max Halbe.

Gast: Otto Fricke, Frankfurt a. M.

Anfang 8 Uhr pünktlich. Ende 10V2 Uhr.

Billets im Vorverkauf bei Ernst Challier (Rudolphs Nachfolger)

und abends an der Kasse. 1275

3 Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet

1303

Der Vorstand.

Giessener Eeselulle-Verein.

Donnerstag den 20. Februar 1902, abends 8% Uhr:

Ordentliche Mitglieder - Persminliing

in den Räumen der Lesehalle.

Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht über das abgelaufene

Vereinsjahr. 2. Neuwahl des Vorstandes.

Permanente Ausstellung moderner Schlafzimmer von Mk. 300. bis Mk. 2000..

Fritz Nowack, Scltersweg 66

parterre und erste Etage. 1101

Verlobten besonders empfohlen.

GeSattfch goacKulzL

1232

Zum bevorstehenden Versandt bitten wir unsere geschätzten Abnehmer um gefl. baldige Auftrage.

O'0'

Unserer heutigen Ausgabe liegt ein Prospekt von I. Butzbach in Friedberg, Verkaufsstelle von Losen der Großh. Hessischen Landes-Lotterie, bei. 1398