Vertreter des Vorsitzenden, der nationalliberale Abg. Dr. Paasche zum Präsidenten gewählt werden dürste. Der Kompromisantrag ist aus der Mitte des Centrums und zwar aus der Initiative deS Abg. Herold hervorgegangen.
In einem ^Morgenröte" überschriebenen, beachtenswerten Artikel bespricht die „Köln. Ztg." die „lange gesuchte und endlich gefundene Mittellinie" in Sachen des Zolltarifs, das Blatt sagt: „Hat man (regierungsseitig) die kleine Eitelkeit der großen Parlamentarier weise berücksichtigt, so hat man etwas weniger angeboten, als man geben wollte. Jedenfalls verringert sich die Spannung zwischen Angebot und Forderung derart, daß es verfehlt wäre, an solchen Lapalien das große Werk scheitern zu lassen.
Bemerkenswert ist der beginnende Konflikt im konservativen Lager. In Elbing-Marienburg stehen sich zwei konservative Kandidaten gegenüber, Graf Dohna und Herr v. Oldenburg-Januschau. Der Elbinger konservative Verein, der den Grafen Dohna unterstützt, veröffentlicht in der konservativen „Elb. Ztg." eine Begründung seiner Stellungnahme gegen Herrn v. Oldenburg, in der sich u. a. folgende Sätze sinden:
Der Vorstand weiß, daß Herr ». Oldenburg sich von je als extrem agrarisch gezeigt hat, und daß er allgemein als einer der radikalsten Führer der agrarischen Bewegung angesehen wird. Für die Reichstagswahl hält der Vorstand die Kandidatur Oldenburg für eine Gefahr für den Wahlkreis, wie er die un- gemäßigte Agitation der Führer der agrarischen Beweguna für eine Gefahr für konservative und monarchischeGe- sinnung im Volke und nicht zum mindesten auch f ü r di e berechtigten Ansprüche der Landwirtschaft hält. Er hat die Genugthuung, diese Auffassung durch die jüngsten Vorgänge in Berlin bestätigt zu sehen. Mit der Parteileitung dort würde auch er es gerade für die Landwirtschaft für ein Unglück halten, wenn der Reichskanzler, Graf Bülow, der für diese daS weitgehendste Interesse bethätigt hat, durch die verhöhnende Agitation der Führer des Bundes genötigt würde, fein Amt niederzulegen. Wir sind überzeugt, daß bei einer Kandidatur v. Oldenburg viele unserer Gesinnungsgenossen, die es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, einem der lautesten Schreier im Streit der agrarischen Opposition ihre Stimmen zu geben, im Wahlkamps versagen werden.
Die Kekse des Artuzeu Kemrich.
Prinz Heinrich von Preußen traf am Sonntag nach- -wittag gegen 1 Uhr, von Kiel kommend, in Bremen ein und nahm mit seinem Gefolge im Fürstenzimmer des Bahnhofs das Frühstück ein. Um 1 Uhr 40 Min. kam das weitere Gefolge des Prinzen Heinrich, von Berlin kommend, dort an, worauf um 1 Uhr 55 Win. die Abfahrt nach Bremerhaven erfolgte. Dort wurde der Prinz von den Spitzen der Militärbehörden empfangen. Beim Empfange waren außerdem anwesend der amerikanische Marine attache Bechler aus Berlin und der amerikanische Konsul in Bremen, Diedrich. Prinz Heinrich, der Marineuuiform trug, begab sich sodann an Bord des Schnelldampfers „Kronprinz Wilhelm", wo er vom Kapitän empfangen wurde. Der Obersteward begleitete alsdann den Prinzen und die Herren des Gefolges in die für sie bestimmten Kabinen. Das Publikum, das äußerst zahlreich erschienen war, brach beim Erscheinen des Prinzen in stürmische Hochrufe auA. Die Musik spielte die Preußen-Hymne. Nach kurzer Zeit erschien der Prinz wieder an Deck, vom Publikum abermals jubelnd begrüßt. Um 10 Minuten vor 4 Uhr ließ der Dampfer die Leine los. Die Musik spielte „Muh i denn, muh i
denn zum Städtle hinaus" und die Menge rief dem Prinzen herzliche Abschiedsgrüße zu. Um 4 Uhr hatte der Dampfer den Hafen verlassen und dampfte seewärts.
Kurz nach 6 Uhr war der Rote Sand-Leuchtturm und eine halbe Stunde später das Wcserfeuerschiff passiert. Der Prinz verbrachte den größten Teil des Abends auf dem Verdeck. Das Diner nahm der Drinz mit seinem Gefolge an einem besonderen Tische in oem gemeinsamen Speisesaale ein. Die Kapelle der zweiten Matrosen-Division aus Wilhelmshaven gab die Tafelmusik. Zuerst wurde ein Potpourri, dann amerikanische und vaterländische Weisen gespielt. Nach dem Tiner verweilte der Prinz längere Zeit mit seinem Gefolge in dem gemeinsamen Rauchsalon und zog sich etwa um 10 Uhr zurück. Der Dampfer hatte während der Nacht die prachtvollste, ruhigste Fahrt bei sorrdauerndem Frost und klarstes windstillem Wetter.
Am Sonntag früh um 8 Uhr ertönte als Morgenmusik „Das tst der Tag des Herrn!" und „Ein feste Burg ist unser Gott!" Im herrlichsten Sonnenschein ging die Fahrt an der Küste Südenglands entlang. Bald nach 10 Uhr kamen die Insel Wight und die Forts von Portsmouth in Sicht. Der Solent-Lootse stieg an Bord. Der Prinz hatte nach dem gemeinsamen Frühstück gearbeitet und war später auf der Kommandobrücke, und sprach es wiederholt aus, wie sehr er sich auf den Besuch Amerikas freue. Kurz nach 12 Uhr erfolgte die Einfahrt in die Bucht von Siout- ha m p t o n. Zum Empfang erschienen an Bord der deutsche Marine-Attache in London Kapitän z. S. Cörper und der deutsche Konsul in Southampton Keller. Dieselben wurden zum Frühstück am Prinzentisch eingeladen.
Tie Meiterfahrt erfolgte um 4 Uhr nachmittags. Eine neue - ©pifobe vor der Landung in Southampton verdient noch erwähnt zu werden. Als der „Kronprinz Wilhelm" 70 Meilen vom Cap North Foreland passierte, erhielt er eine Mareoni-Tepeschein englischer Sprache: „Ein großer Dampfer lies in der vergangenen Nacht auf Goodwin Sands auf. Rettungsboote und Schlepper sind von Ramsgate zur Hilfeleistung und Befreiung abgegangen."
An Bord dos „Kronprinz Wilhelm" befinden sich 300 Kajüten- und etwa 700 Zwischendeckspassagiere. Prinz Heinrich bewohnt nicht die Prunkgemächer des Dampfers, sondern die Kapitänswohnung. Die Passagiere bewegen sich int Speisesaal und im Rauchzimmer in taktvoller Weise um den Prinzen, dessen liebenswürdiges und herzgewinnendes Wesen alle entzückt.
Prinz Heinrich wird in Newyork vom Admiral Evans an der Quarantäne-Insel auf einem Bugsierdampfer der Marine erwartet werden, auf dem der Prinz und fein Gefolge dann nach der nahen Evans' Flotte bei Tompkins- ville ankernden „Hohenzollern" fahren werden. Dort kommen zur Begrüßung des Prinzen der stellvertretende Sekretär des Staatsdepartements Hill und der zum Ehrendienst bestimmte General Corbin an Bord der „Hohenzollern". Nach dem Austausch der Besuche wird die Flotte Die „Hohenzollern" an die 34. Straße geleiten, wo die kaiserliche Yacht vor Anker geh-t. Der Besuch des Prinzen Heinrich in der City Hall wird am 25. & M. 4 Uhr nachm. statt finden.
2Äe weiter aus Newyork telegraphiert wird, ist die „Hohenzollern" fortgesetzt Gegenstand von Ovationen. Graf Bauoissin wohnte am Samstag in Zivil der Vorstellung im Brodway-Theater bei. Er wurde erkannt. Im Zwischenakt spielte das Orchester die „Wacht am Rhein". Tas Publikum stand auf und schwenkte die Taschentücher,
und als der Admiral sich verneigend erhob, ertönte orige* meines Hurra Graf Baudissin tauschte mit Evans Besuche aus.
Aus Stadt und Sand.
Nachrichten von allgemeinem Jnieressc finö uns stets willkommen und werden angcmcsjen honoriert.
Gießen, 17. Februar 1902.
** Dekorierung. Der Kaiser hat dem vortragenden Generaladjutanten, Generalleutnant Grafen v. Hülsen- Haescler, Chef des Militärkabinets, unddeem Oberleutnant ä la suite der Armee Alexander Erbgrafen zu Erbach- Schönberg die Erlaubnis zur Anlegung des ihnen verliehenen Großkreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteilt.
E. Ch. Konzert-Verein (am Sonntag den 23. Februar). Professor Joachim hat, fast in fester Minute, seine sämtlichen auswärtigen Verpflichtungen für den Februar gelöst und damit überall, wo er konzertieren sollte, Enttäuschungen und Verwirrung angerichtet. Es ist durchaus nicht leicht, für eine erste Kraft vollgiltigen Ersatz zu finden, und der Vorstand des Konzert-Vereins kann hiervon ein Liedchen sinden, was beinahe einen Konzert- Abend füllen könnte. Aber schließlich, nach Entgegennahme von gewuchtigen Körben, ist es ihm denn doch gelungen, in Frau Emma Rückbeil-Hiller, der vortrefflichen Sängerin, eine Künstlerin zu gewinnen, die manchem vielleicht willkommener ist, als der zuerst in Aussicht genommene. Unterstützt wird die Dame durch ihren Gatten, einen sehr achtungswerten Geiger, und durch Herrn ChristianGer- Hard Eckel, einen jungen Pianisten aus Frankfurt, der in engeren musikalischen Kreisen bereits Beweise seines- Könnens geliefert hat.
** Jagdverpachtungen. Die Jagd im Lützellindener Markmald hat der seitherige Pächter Rechtsanwalt Grünewald für 250 Mk. jährlich gegen 360 Mk. früher wiedergepachtet. — Die Langsdorfer Gemeindejagd wurde in 4 Teilen verpachtet. Jagdbezirk I—III erhielt für 1490 Mk. Jahrespacht der Langsdorfer Wildschaden-Abwehr-Verein zugeschlagen, während Jagdbezirk IV für 1005 Mk. jährlich an den Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich verpachtet wurde. Der Gesamt-Erlös beträgt für die Gemeinde Langsdorf somtt jährlich 2495 Mk. gegen seither 2790 Mk.
** Die Gewerkschaft Gießener Braunstein-Bergwerke norm. Ferme läßt für ihren Direktor am Oberhof, also in nächster Nähe der Betriebsstätten, ein Wohngebäude im Stile eines Landhauses errichten. Wie verlautet, soll die Gewerkschaft damit umgehen, den seither betriebenen Ackerbau aufzugeben und die für die Landwirtschaft benutzten Flächen zu verpachten.
i. Röthges, 15. Febr. Bei der Bürgermeisterwahl ging Georg Henkel als Sieger aus dem Wahlkampf hervor. Nach der Wahl versammetten sich die Wähler, um sich durch einen kräftigen Trunk von den ausgestandenen Strapazen zu erholen.
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Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater.
Opernhaus.
Dienstag den 18. Februar, abends 7 Uhr: „Margarethe."
Schauspielhaus.
Dienstag den 18. Februar, abends 7 Uhr: „Alt-Heidelberg.*
Detaillisten- und Kaufmännischer Verein Vorträge des Herrn Rechtsanwalt Dr. Spohr, Giessen mit nachfolgender Diskussion.
Erster Abend
Dienstag den 18. Februar: Das erste Buch des neuen Handelsgesetzbuches.
Zweiter Abend
Dienstag den 4. März: Das Gesellschaftsrecht.
Dritter Abend
Dienstag den 18. März: Drittes Buch, I. und II. Abschnitt des H.-G.-B.
Vierter Abend
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Mittwoch den 9. April: Drittes Buch, III. bis VII. Abschnitt des H.-G.-B. Kopf-UNdKaarwasser
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Die Vorträge finden im Hanse des Kaufmännischen Vereins 8V« Uhr pünktlich. — Teilnehmerkarten für Nichtmitglieder ä Mk. 3. sind bei Herrn Hausverwalter Rinn zu haben.
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Gast: Otto Fricke, Frankfurt a. M.
Anfang 8 Uhr pünktlich. Ende 10V2 Uhr.
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Der Vorstand.
Giessener Eeselulle-Verein.
Donnerstag den 20. Februar 1902, abends 8% Uhr:
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Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht über das abgelaufene
Vereinsjahr. — 2. Neuwahl des Vorstandes.
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