Ausgabe 
16.9.1902 Erstes Blatt
 
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wünscht Werkstättenorgantsation. Hofmann-Hamburg ist der Ansicht, daß man zuerst mehr in der gewerkschaftlichen Richtung arbeiten muß. Man muß die Arbeiterinnen zu­erst für ihre beruflichen Interessen, dann erst für die politischen interessieren.

Bet Punkt 3,Gesetzlicher Schutz der Frauen-, Kinder - und Heimarbeit liegt eine Resolution vor, in der gefordert wird: weitere Ausgestaltung des gesetz­lichen Arbeiterinnenschutzes, Verkürzung der Arbeitszeit, Achtstundentag, Herabsetzung der Arbeitszeit der jugend­lichen Arbeiter auf 4 oder 6 Stunden, Erhöhung der Altersgrenze auf 18 Jahre, Einführung eines obligatori­schen Fortbildungsunterrichts. Weiter wird gefordert: Ver­bot der Beschäftigung von Frauen acht Wochen nach der Niederkunft, wenn das Kind lebt, sechs Wochen nach der Niederkunft bei Tot- oder Fehlgeburten oder im Falle des Ablebens des Kindes. Recht der Schwangeren auf kündigungslose Einstellung der Arbeit vier Wochen vor der Niederkunft, Verlängerung der Schutzfrist für Wöchne­rinnen auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses. Ausgestal­tung der Schwangeren- und Wöchnerinnenfürsorge seitens der Krankenkasse durch Zubilligung eines Pflegegeldes an Schwangere und Wöchnerinnen für die Dauer der Schutz­frist und in der vollen Höhe des durchschnittlichen Tages­verdienstes, obligatorische Ausdehnung der betreffenden Bestimmungen auf die Frauen der Kassenmitglieder. Ver­einheitlichung der Krankenversicherung, Zusammenschluß der Kassen zu kapitalkräftigen Verbänden, weitgehendes Selbst­verwaltungsrecht der Versicherten und Zuschüsse vom Staat sollen die Erfüllung dieser Forderungen ermöglichen. Auch die Errichtung von Entbindungsanstalten, Schwangeren- und Wöchnerinnenheimen, Beschäftigungsanstalten für stil­lende Mütter, die Organisation der Wöchnerinnenhaus- ,pflege durch die Gemeinden wird verlangt. In der an­schließenden Diskussion verlangt Genossin Braun auch Ab­schaffung der Ueberstunden, der Nachtarbeit und Freigabe der Samstag Nachmittage. Eine allgemeine Mutter­schaftsversicherung sei anzustreden und zwar ohne Anschluß an die Krankenversicherung. Das ganze Volt habe die Kosten hierfür zu tragen.

Line Resolution betreffend Beschwerdekommis- ionen will, daß die Arbeiterinnen die gesetzlichen Be­timmungen kennen lernen, daß sie Kräfte für die Gewerbe- nspektion schaffen. In allen Industriezentren sollen Be- chwerdekommissionen, die nach einheitlichen Grundsätzen arbeiten, errichtet werden. In der Resolution über K'i n- d er sch utz wird gefordert: Verbot jeglicher Erwerbs- thätigteit schulpflichtiger Kinder, Erhöhung des schul­pflichtigen Alters auf 14 Jahre, Herabsetzung der täglichen Maximalarbeitszeit auf 4 uni>- 6 Stunden, Einführung -eines obligatorischen Fortbildungsunterrichts. Zu Punkt Heim­arbeit wird aus die Resolution des 4. Genossenschafts­kongresses in Stuttgart hingewiesen. Tie Konferenz ist der Ansicht, daß trotz aller Schwierigkeiten Versuche zur Organisierung der Heimarbeiterinnen gemacht werden müssen durch Zusammenschluß der einzelnen Berufe in Sektionen. In der Debatte erklärte sich Genossin Braun insbesondere auch noch für Witwen- und Waisenversiche­rung in ausreichender Form. Die einzelnen Resolutionen sanden schließlich Annahme.

Tie Konferenz forderte bei der Beratung über das Wal)lrecht der Frauen volles freies Vereins- und Ver­sammlungsrecht. Man nahm die entsprechende Resolution an. Der Schluß der Konferenz brachte noch die Annahme einer Resolution, die sich gegen die Steigerung des Fleisch­preises und gegen die Grenzsperre richtet.

Aus Stadt uiü> Saud.

Gießen, den 16. Sept. 1902.

Mitteilungen aus dem Publikum werden gern entgegengenommen und angemessen honoriert.

** Zur Fleischtheuerung. Aus Worms schreibt der dortigeGeneralanz.":Bei der gestrigen Vergebung der Fleischlieferung für das städtische Krankenhaus wurde, wie uns von gut unterrichteter Seite versichert wird, die Lieferung des nötigen Schweinefleisches incl. Koteletts zu 6 6 Pfg. pr. Pfund übernommen. Wie bekannt, lassen sich die Metzger vom Publikum für die gleiche Ware 90 Pfg., für Koteletts sogar 1 Mk. pr. Pfund bezahlen. Hierbei ist noch zu berücksichtigen, daß das Hospital die allerbeste Qualität verlangt und bekommt."

? Lich, 15. Sept. Der Fürst zu Solms-Hohen- solms-Lich ist gestern, einer Einladung Sr. K. H. des Großherzogs folgend, auf einige Tage nach Friedberg abgereist, um den dortigen Manövern der hessischen Division bejzuwohnen.

Butzbach, 15. Sept. Ein Ehepaar, das kürzlich aus Australien hier eingetroffen ist und in einem hiesigen Gasthof logiert, erlebte gestern, wie dieB. Z." schreibt, an einer an Kindesstatt angenommenen, jetzt 19jährigen Pflegetochter bittere Enttäuschung. Während das Ehepaar in der Kirche war, wurde cs von der Pflegetochter bestohlen, und diese suchte nun mit einer Barschaft von über 3000 Mk., den Rückfahrkarten nach Australien und vielen wertvollen Schmuck­sachen das Weite; angeblich lüste sie am hiesigen Billelschalter eine Fahrkarte nach Kassel. Da die Bestohlenen mit der polizeilichen Anzeige gezögert hatten, ist es bis jetzt noch nicht gelungen, die Diebin zu erwischen.

Bad-Nauheim, 15. Sept. Unterhaltungen oom 17. 21. September. Frühkonzert der Kurkapellc täglich von 77a8*/a Uhr am Kurbrunnen. Mittwoch nach­mittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Bei gutem Wetter Lampionsbeleuchtung der Terrasse. Bei einbrechcnder Dunkelheit Feuerwerk vor der Terrasse. Ein­tritt wie Sonntag. Donnerstag, nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Rezitationen des Großh. Hofschauspielers Hcrin. Knispel auS Darmstadt. Freitag, nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Wagner-Konzert. Samstag, nachnnttags und abends auf der Terrasse Konzen der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung des Wies­badener Operetten-Ensemble. Sonntag, Konzert der Kapelle deL Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) 3K. 116 aus Gießen.

m. Friedberg, 15. Sept. Man muß es den Fried­bergern nachrühmen, sie hatten sich aufs äußerste bemüht, ihrem hohen Gaste, dem Groß Herzog, den herzlichsten Em­pfang zu bereiten. Leider war das Wetter trübe, wolkig und cmpsindlich kühl, dennoch war der Zudrang, besonders auch von den umliegenden Orten sehr stark. Emen öffent '»ichen Empfang ieit- der Vereine rc. hatte der Großherzog

abgelehnt, ebenso ursprünglich auch daS Aufstellen der Schul­kinder und der Schloßwache. Erst gestern Vormittag kam ein Telegramm, der Großherzog wünsche, daß die Schulkinder in der Burg Spalier bildeten. Diese Nachricht wurde sofort auf ortsübliche Weise bekannt gegeben und von der Bürger­schaft mit Freuden begrüßt. Um 4 Uhr sammelten sich m- solgedeffen die Lehrer mit den Schülern, letztere mit zahl­reichen Blumensträußchen bewaffnet, in der Burg und der Empfang verlief, wie wir schon gestern meldeten, in wür­digster Weise. Der Aufenthalt des Großherzogs in Friedberg dehnt sich auf die Dauer der Manöver aus, voraussichtlich bis zum nächsten Sonntag.

§§ Gedern, 15. Sept. Während des gestrigen Nach­mittagsgottesdienstes ertönte das Feuersignal. Eine Scheune mit Stallung stand in Hellen Flammen. Auch wurde das angrenzende Wohnhaus bis zum untersten Stock ein Raub derselben. Die beiden hiesigen Wehren hatten voll­auf zil thun, das verheerende Element auf seinen Heerd zu beschränken. Der Abgebrannte war nicht versichert. Einige kleine Leute, die Heu und Frucht in der Scheune mietsweise untergebracht hatten, sind dadurch ebenfalls hart mitgenom­men worden. Die Entstehungsursache des Feuers ist un­bekannt.

§ Schotten, 15. Sept. Einen großartigen Anblick ge­währt unser neurestauriertcs Rathaus. Tie innere Ein- richtung entspricht allen Erwartungen. Der Stadtdiener hat in dem Gebäude bereits Wohnung genonunen. Die Maurer­arbeit führte der Maurermeister Böhm, die Zimmerarbeit ein Meister aus Mücke aus.

-h- Wenings, 15. Sept. Ein Scharfschießen der hessischen Artillerie findet in der Nacht vom 22. auf 23. Sept, in unserer Gemarkung statt. Schon seit voriger Woche treffen 2 Compagnien Pioniere vom 21. Pionier-Ba­taillon, die gegenwärtig in Gedern einquartiert sind, und jeden Tag dorthin marschieren, die nötigen Vorkehrungen. Ta auch ein Festungsgeschütz aus Mainz dorthin gebracht wird, so wird das Schauspiel recht interessant werden und viele Zuschauer herbeiziehen. Bei Erdarbeiten wurde einem Pionier mit einem Pickel die eine Hand durchhauen.

fr. Herbstein, 15. Sept. Hier brach heute morgen gegen 10 Uhr bei einem Landwirt inmitten unserer Stadt plötzlich Feuer aus. Trotzdem die schnell erschienene Pflichtfeuerivehr die grüßten Anstrengungen machte, war an Rettung nicht mehr zu denken; es brannte die ganze Hofraite nieder. Der Besitzer ist nicht versichert. Das Feuer soll in der reichlich gefüllten Scheuer entstanden sein. Die Ursache konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden.

li. Darmstadt, 15. Sept. Die in diesem Jahre ent­standeneHessische Missions-Konferenz" welche vor­läufig die Missionsfreunde in Starkenburg und Oberhessen umfaßt, und den Ziveck hat, ihre Mitglieder und Freunde auf dem Wege wissenschaftlicher Arbeit tiefer in das Ver­ständnis der Theorie und Praxis der Missionsfragen einzu­führen, gedenkt ihre Jahres-Versamnilung Donnerstag, den 18. d. Mts., vormittags 10 Uhr, im Vereinshaus der Mühl­straße 24 zu Darmstadt zu halten. Zu derselben werden hiermit nicht nur die Geistlichen der Provinz Starkenburg, sondern auch diejenigen Oberhessens herzlich eingeladen, welche gesonnen sind, der Missionskonferenz sich anzuschließen. Der Vorstand wird es mit Freuden begrüßen, wenn auch Geistliche aus Rheinhessen sich entschließen wollten, an dieser wissenschaftlichen Missionskonferenz, welche sich über das ganze Großherzogtum erstrecken soll, teilzunehmen. Nach der Erüffnung mit Gebet und Schriftauslegung durch den Ober- konsistorialrat Petersen, den neugewählten Superinten­denten der Provinz Oberhessen, wird Herr Pfarrer Paul Eppler von Basel ein Referat erstatten überKatholische imd evangelische Missionspraxis". Nicht nur für jeden evangelischen Geistlichen, sondern für jeden evangelischen Christen ist dieses Thema von großem Interesse und ailch der evangelische Bund hat dasselbe als. ein sehr zeitgemäßes auf das Programm seiner diesjährigen Tagung zu Hagen i. W. (6.-9. Oktober) gesetzt. Da Herr Eppler Fachniann auf dem Gebiete der Missionsivissenschaft ist, so dürfte seinem Vor­trag ein allgemeines Interesse von Seiten der evangelischen Bevülkerung entgegengebracht werden. Ta unsere Konferenz es sich zi,r Aufgabe geiiiacht hat, auch rein praktische Fragen aus dem Gebiet des Missionslebens jiini Gegenstand der Be­trachtung zu machen, so sott in diesem Jahredas Missions­fest" einer brüderlichen Besprechung unterzogen werden. Hofkaplan Palmer von Schünberg wird diese Besprechung einleiten.

Mainz, 13. Sept. Nach einem Beschluß des Landes- auSschusses der hessischen Zentrumspartei wird der hessische Katholikentag am 12. Oktober in der Stadthalle ab- gchalten.

Kassel, 15. Sept. In der Lokomotivfabrik Henschel u. Sohn fand heute anläßlich der Ablieferung der 6 0 00. Lokomotive und der 50jährigen Thätigkeit des Direktors August Schäffer in der Firma eine Feier statt. Hierbei teilte der Chef der Firma mit, daß sie verschiedene Wohlfahrts­einrichtungen für die Arbeiter und deren Angehörige be­schloßen, sowie 200 000 Mark zu gleichen Teilen der Bc- amten-PensionS-, der Witlven- und Waisenkasse und der Jnvaliden-Witwenlaffe für die Arbeiterschaft überwiesen habe.

Kleine Mitteilungen auS Hessen und den Nachbarstaaten. Auf der Station Heller Hof wurde am 13. September nachmittags der Eiscnbahnvorarbeiter Jakob Astemer aus Kirdorf (bei Homburg o. d. H.) von einem Materialzuge überfahren, indem er vom Wagen stürzte. Die Räder durchschnitten den Unterleib. Der Tod trat so­fort em. Der AuSsichttturm auf dem Feldberg wird am 12. Oktober eingeweiht. Die Kosten desselben be­laufen sich auf 70 000 Mk. Bis zur endgiltigen Tilgung der Kosten wird von Nichtmitgliedern de§ TaunusklubS bei Be­steigung des Turmes ein Eintrittsgeld erhoben. Im Elisabethhospital in Kassel fiel am 13. d§. Mts. morgens ein Petroleumofen, an dem eine alte Frau Kaffee kochte, um. Tie Kleider der Frau singen dadurch Feuer, und noch ehe Hilfe herbeikam, war die Frau tot. Die Leiche ,var halb verkohlt. In Kassel feierte die Kohlen-Großhandlung Rhederei Adolph Harloff mit ihren Filialen GustavSburg, Ruhrort, Iserlohn, Mannheim und WormS ihr 2üjähriges GeschäftSjtibiläum und fand auS diesem Anlaß eine größere Feier m Kassel statt.

Vermischtes.

Stendal, 15. Sept. In dem Nachbardorfe Arnim wurde die Frau eines Stendaler Arbeiters im Kornfelde schwer verletzt aufgefunden. Tie Frau, an welcher ein Sittlichkeitsverbrechen begangen sein soll, fand im hiesigen Krankenhause Aufnahme. An ihrem Älufkommen wird ge­zweifelt. Der Thäter, ein zwanzigjähriger Kutscher, ist entflohen.

Luckenwalde, 15. Sept- In einem hiesigen Alt­eisenwarengeschäft explodierte eine Granate, die sich zwischen altem Eisen befand. Der Inhaber des Geschäfts und ein Arbeiter wurden getötet, ein Sohn deS In­habers schwer verletzt.

* Breslau, 15. Sept. Ter Getreidekaufmann Y. Courant verübte heute früh wegen bedeutender ge­schäftlicher Verluste Selbstmord.

* Hamburg, 15. Sept. In der Nacht auf Sonntag wurde in der St. Petrikirche ei'n gebrochen. Tie Einbrecher erbrachen die schwere Eingangsthür und -stiegen nach Zertrümmern einer Fensterscheibe in die Sakristei, wo sie alles durchsuchten, ohne etwas zu finden. Aus Wut darüber warfen sie einen Schrank mit mehreren Flaschen Wein um, zerrissen mehrere neue Bibeln und verunreinigten den Altar und das Taufbecken.

* Bremen, 14. Sept- Betreffs des Standbildes des Kaisers Friedrich III., für dessen Errichtung, wie gemeldet, der Großkaufmann Franz Schütte der Stadt Mittel zur Verfügung gestellt hat, läßt der Senat der Bürgerschaft folgende Mitteilung zugehen:Ter Kauf­mann Franz Ernst Schütte hat der patriotischen Gabe, mit der er sich jüngst um die Ausschmückung der Stadt durch ein edles Kunstwerk verdient gemacht hat, eine neue Gabe gleichen Sinnes hinzugefügt. Unser hochverdienter Mitbürger hat dem Senat angezeigt, er wünsche ein bronzenes Reiterstandbild des Kaisers Friedrich III. auf dem am Kreuzungspunkt der Kaiser Friedrichstraße und Caprivistraße geschaffenen Platz zu errichten, das er der Stadt als Geschenk anbiete. Ter bewährte Künstler Tuaillon in Rom, dem wir den Rosselenker am Theater- berge verdanken, und dessen hervorragendes Meisterwerk, die Amazone, neben dem Museum in Berlin Aufstellung gefunden hat, ist bereits mit der Anfertigung dieses neuen Kunstwerks beschäftigt, das im nächsten Frühjahr vollendet sein wird. Es soll den verehrten Kaiser in idealisierter Auffassung in antifer I m p e r a t o r e n t r a ch t, unter Anlehnung an die berühmten Mediceergestalten Michel Angelos in San Lorenzo zu Florenz, darstellen. Ter Name des Künstlers dürfte die Bereicherung Bremens um ein hervorragendes Kunstwerk verbürgen. Der Senat zlveifelt nicht, daß gleich ihm die Bürgerschaft mit Freu­den und mit warmem Tank dieses neue Geschenk aus der Hand des hochsinnigen Gebers entgegennehmen und die Aufstellung des Standbildes an dem bezeichneten Platze genehmigen wird, wie es der Senat hiermit beantragt."

* München, 15. Sept- Heute nachmittag 5 Uhr entgleise bei der Einfahrt des Weilheimer Lokalbahn­zuges in die Station Geltendorf infolge vorzeitiger Weichenumstellung der erste Personenwagen mit dreißig Personen, von denen mehrere leicht verletzt wurden. Ter Betriebsleiter der Lokalbahn Tischler wurde schwer verletzt, ebenso die Gattin eines Münchener Malers.

* P a r i s, 15. Sept. Aus Martinique eingetroffene Reisende erzählen, daß auf der Insel jeder Verkehr und jede Arbeit stockt. Man befürchtet, daß, wenn im Herbst der Eintritt des Nordwindes erfolgt und falls zu dieser Zeit ein neuer Vulkanausbruch statt findet, die glühende Asche sich über die Südseite der Jnfel verbreiten und dort eine Katastrophe herbeiführen werde.

* 23 r e ft, 15. Sept. Ein Soldat vom 118. Infanterie- regiment, der bei einem Pulverturm Posten stand, wurde von einem Unbekannten angegriffen und erhielt einen Schuß in den rechten Arm. Tie Gendarmerie stellte Nach­forschungen nach dem Thäter an, bis jetzt aber ohne Erfolg.

* 23 r i a n <; o n, 15. Sept. Beim Besteigen der Eoste- Vieillespitze stürzte der Alpenjägerleutnant Saint G u i l h e m ab. Tie Leiche wurde in einem Schiefer- bruche nitfgcfunben.

Wien, 15. Sept. Die Wiener Mittagszeitung meldet aus Graz, daß im dortigen Spital der barmherzigen Brüder ein choleraverdächtiger Krankheitsfall vorge­kommen sei.

* Colombo, 15. Sept. Ter englische Dampfet Nithsdale" ist in der Nähe der Insel Garfarm (?) ge­scheitert. Ein Teil der Mannschaft wurde nach Colombo gebracht. Man vermutet, das» der Kapitän und 13 Leute der Mannschaft ertrunken sind.

* R a u b m o r d v c r s u ch. An der am Winterhudenweg in Hamburg wohnenden Frau Kirchner wurde ein Raubmordversuch verübt. Zwei Uhren im Werte von IGO Mark wurden geraubt. Tie Verletzungen der Frau sind nicht lebensgefährlich.

* Selbstmord. Nach einer Meldung aus Wien hat sich dort der in den deutschen und österreichischen Spvrt- kreisen sehr bekannte Generalmajor Ritter von I o e l s o n wegen eines schweren Leidens erschossen.

*Der Mörder seiner Mutter und seiner Braut. Seit Wochen sucht die Chicagoer Polizei von einem Ende des Landes zum anderen nach William Bartho­lin, den Abkömmling einer angesehenen dänischen Fa­milie, auf dem der schwere 23erdacht ruhte, seine Mutter und seine Braut Minnie Mitcheck ermordet zu haben. Jetzt ist seine Leiche mit einer Schußwunde im Kopse in einem HKttreidefelde in der Nähe von Faxsield im Staate Iowa gefunden worden. In einer Tasche steckte ein Brief, in dem Bartholin die Morde eingesteht, ohne aber die Mo­tive anzugeben. Anfang Juli verschwand Frau 23artholin, eine wohlhabende Witwe. Das erregte aber leinen Verdacht, da ihr Sohn das Gerücht aussprcngte, sie bejuche 23elannte aus dem Landsitze in der Mhe von Milwaukee. Einige Wochen später sanden spiclenoe Kinder aus einem mit hohem Unkraut dcwachscnen Grundstücke die Leiche eines erschossenen jungen MadchenS, in der man Winnie Mitchell erkannte. Sie war schon seit längerer Zeit verschwunden und mit ihr Bartholin, der sie zu einem Spaziergänge ab­geholt hatte, von dem beide nicht wicdertchrten. Statt dessen traf damals einige Tage später ein Bries aus San Francisco ein, in welchem Barchockn meldete, er sei mit Minnie durchgebrannt und habe sich mit ihr trauen lassen. Man möge Geld schicken, damit fie zurückkehren könnten. TaS geschah, aber man hörte nichts mehr von Bartholin. ES wurde später festgestellt, daß Frau Bartholin aar nicht bei jenen Bekannten war. Die Polizei entwickelte eine fieberhafte Thätigteit und ermittelte zwei Freunde Bar­tholins, die ihm eines Morgens geholfen hatten, ein verdächtiges Paket fortzuschafsen. Jetzt ist durch das Ge­ständnis des Mörders der Verdacht zur Gewißheit gewor-