der Saalburgfreunde beteiligte fick die vegetabilische Abteilung des 1902 Selbstmord beging. Museums der genannten Hochschule an der auf der Saalburg bei strafcheit war die Ange
Gerichtssaal.
14. Sept, bis 15. Sept.
vom
15.
14.
Kunst und Wissenschaft.
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euauj der Landwirtschaftlichen Hochfchulc
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
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.. utiurt n. 9)1. erleben. Wie die Jn-
Lrndanz mitten, spiel „Dornro. .. .
— Die Au»,------- -------......, . - , - ... -
H« Berlin auf der Saalburg. Auf Ersuchen der Vereinigung
Zandwirtschast.
— In dem Bieberthal steht für diesen Herbst eine Aepfel- ernte bevor, wie kaum in einem früheren Jahre. Am vollsten hängen die Bäume an der Straße zwischen Heuchelheim, Rob- heim und Bieber. Am einträglichsten sind die Goldparmänen. .Die Aepfel auf hessischem Gebiete werden vom Kreis Gießen gepflückt, in Gießen ausgestellt und verkauft.
quäle" in der neuen Bearbeitung von _ _ .
W. Kleefels sand nach allen Aktschlüssen lebhaftenBetsall. bei dem äußerst zahlreich erschienenen Publikum. Der Hauptanteu gebührt Frau Schacko. Den Schluß des Abends bildete das einaktige Ballet .Zwischen zivet Feuern", von Eugen Brück, Musik von Joh. Bayer. Die Tänze ivurden in dezenter Weise mit Chic und «Grazie von den warnen Earnesi, Reisinger und Sedlmayr aus-
Veber trockene Flechten schreibt Herr Oberstabsarzt u prakt. Arzt F. N. in 9)1.: Ihre „Herba- Seise" hat in zwei Fällen von trockenem, abschilferndem Ausschlag, beidesmal an den Beinen, geradezu brillant gewirkt und zwar in dem einen Falle nach dreijähriger erfolgloser Anwendung aller niöglicher Salben. Z. h. in Apotheken, Drogerien u. Fabrikant I. Gioth, Hanau 4. Best.: 90% Seife, 3% Ärmca, 2% Salbei, 1,5% Wasserbecherkrt., 3,5% Harnkrt. 5712
7 Dr.W. Knechts Magenbitter SÄNTISIsi der beste der Welt.
Das Heim wie ein Schmuckkästchen zu halten ist der Hausfrau größte Zierde. In erster Linie spielen dabei die Putzmittel eine große Rolle. Sollen Gegenstände aus Gold, Silber, Nickel,Alienid, Messing, Kupferte, so schön wie neu erhalten werden, müssen sie unbedingt mit dem bekannten:,,GlobuS- Putzcxtratt" geputzt werden, denn nur mit Globus-Putzextrakt erzielt man schnell und mühelos einen herrlichen prachtvollen Hochglanz von langer Dauer.
Ter Herstellung des Globus-Putzertrakt wird von der Firma Fritz Schulz jun. Aktiengesellschaft in Leipzig, eine außerordentlich peinliche Sorgsalt zugewandt. Laut Gutachten von drei gerichtlich vereidigten Chemikern ist Globus-Putzextrakt frei von allen schädlichen Bestandteilen, er kratzt nicht die zu putzenden Flächen, er schmiert nicht und greift die Metalle nicht im geringsten an.
Da aber alles Gute und Aechte Nachahmer findet, so ist Vorsicht beim Einkauf geboten, zumal mehr oder minder schlechte Nachahmungen selbst mit der Bezeichnung „Putzextrakt" angeboten werden. Man verlange in allen -£ rogen-, Kolonial-, Eisen- und Kurzwarenhandliingen nur „Globus-Putzextrakt" in Tosen ä 10 und 25 Pfennig, kenntlich an der Schutzmarke Globus iv rotheu Ouerstreifeu.
Gießen, 13. Sept. Ferien st rafkammer vom 12. September. Schluß der Verhandlung. Gustav Braun von Gettenau war durch Urteil des Schöffengerichts Nidda am 27. Juni 1902 wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 10 Mk. verurteilt worden. Dieses Urteil hatte er mit dem Rechtsmittel der Berufung angefochten. Es wurde in der heutigen Hauptoerhandlung, im Wesentlichen übereinstimmend mit dem Vordergericht, festgestellt: Am 8. 9)lai l. Js. trank mit anderen ein gewisser Rühl ein Quantum Bier, das jedoch nicht geschenkt sein soll, rote in erster Instanz angenommen rouroe. Wie darauf der an einem anderen Tische sitzende Angeklagte ausgefordert wurde, mitzutrinken, sagte er: „Ich bin nicht so ein Schmarotzer, es geht mir nicht so, wie anderen Leuten." Rühl frug den Angeklagten, ob er gemeint sei. Alsdann gerieten beide in einen Wortwechsel, bei dem der Angeklagte zu Rühl sagte: „Du bist der größte Schwindler in Gettenau; du hast mir 2 Malter Kartoffeln abgekaust, hast aber mir nur für 5 Mk. geholt, roenn es billiger gewesen wäre, hättest du auch noch das andere geholt." Es wurde auch in der heutigen Verhandlung festgestellt, daß Rühl das Wort „Nichtsnutzer" gebrauchte. Jedoch tonnte nicht sicher ermittelt werden, ob nicht Angeklagter vorher schon beleidigende Aeußerungen gethan und ob mit diesem Ausdruck Rühls der Angeklagte gemeint gewesen war. Das Gericht üeß es nach diesen Feststellungen unter Verwerfung der Berufung und Verurteilung zu den Kosten der zweiten Instanz bei der erkannten Strafe. — Karl de Groote von Ortenberg war beschuldigt, am 11. März 1902 Nachmittags beim Fußwegübergang in km 5817 der Nebenbahn Stockheim-Gedern Baumstämme über die Bahn geschasst und hierbei die Cberbaubettung und den Seitengraben beschädigt und oerunreimgt zu haben. Durch Schöfsengenchtsurtheil vom 7. Juli 1902 war der Angeklagte freigesprochen worden. Dagegen hatte die Gr. Staatsanwalt Berufung verfolgt. Es wurde jedoch, festge- stellt, daß der Angeklagte gar nicht bei dem Transporte des tlem- gemachten Holzes zugegen gewesen war, sondern nur seinen 2 Arbeitern Auftrag zum Wegbringen des Holzes gegeben hatte. Diese waren allerdings unangemessen zu Werke gegangen, da sie das Holz nicht über den Bahnkörper trugen, sondern schleiften und so die erwähnten Beschädigungen anrichteten. Da also der Angeklagte feine Uebertretung begangen und strafrechtlich für andere nicht emstehen kann, so wurde er freigesprochen. - In der Prroatklagesache des Heinrich Gillmann IV in Steinfurth gegen die Heinrich Alban V Ehefrau in Steinfurth wird die Berufung der Angeklagten gea das Urteil Gr. Schöffengerichts Bad-Nauheim vom 10. Juli ltii als unbegründet verworfen. Durch genanntes Urteil war die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 40 Alk. verurteilt worden, weil sie die Ehefrau des Privatklägers - mit der sie in Streit lebte - mit Beleidigungen verfolgte, welche auf em Verhältnis anspielten, das die Ehefrau Gillmann angeblich mit einem Schweitzer unterhalten sollte. Dafür wurde aber keinerlei Beweis erbracht. _ Die Beleidigte äußerte einer Zeugin gegenüber, die Angeklagte lasse sie Nicht gehen, sie habe keine Ruhe mehr. Sie war gemütskrank und früher |a)on einmal in einer Heilanstalt gewesen, diese Beleidigungen uerbuiieucii ihr Gemüt noch mehr, sodaß sie schließlich am 3. Mai
Universstäts-Nachrichten.
— Ter bisherige außerordentliche Professor in der philosophischen Fakultät der Universität zu Kiel Dr. Adelbert Matth aei ist zum ordentlichen Professor iu derselben Fakultät ernannt worden. — Der bisherige Privatdozent in der philosophischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg Dr. Paul Holdesleiß ist zum außerordentlichen Professor in derselben Fakultät ernannt worden. — Dem Schriftsteller uni) Astronomen Dr. Hermann Klein in Köln a. Rh. ist das Prädikat „Professor" beigelegt worden.
— Aus Marburg wird uns geschrieben: Der Privatdozent in der theoligoschen Fakultät der hiesigen Hochschule, Professor Lic. theol. Bauer wurde zum a. o. Professor ernannt. — Die Meldung, Professor Dr. Wien in Würzburg habe den Ruf nach Leipzig als Nachfolger des Physikers Boltzmann angenommen, bestätigt sich nicht. — Der o. Professor der Archäologie an der Universität Greifswald Dr. August P r e u n e r feierte feinen 70. Geburtstag. Prof. Preuner ist in Oehringen In Württemberg geboren. In Greifswald wirkt er seit 1866. — Der a. o. Professor für Dogmatik an der Universität Basel Dr. Paul M e $ g e r ist zum o. Professor ernannt worden. Der Privatdozent für neutestamentliche Exegese lic. theol. Vischer wurde zum a. o. Professor ernannt. — Der von der Schweizerischen Natursorschenden Gesellschaft zu vergebende Schläfli-Preis ist dem Professor für Botanik an der Universität Bern Dr. Eduard Fischer zuerkannt worden.
Berlin, 16. Sept. Der geschäftsführende Ausschuß für die Virchow-Stiftung touftituirte sich gestern zu einem Komitee, welches dem Professor Virchow an öffentlicher Stelle in Berlin ein Denkmal errichten will. Zum Vorsitzenden wurde Professor Wal- deyer gewählt.
ausgesetzt.
Güstrow, 13. Sept. Tie Strafkammer des hiesigen 2anb- gerichts verurteilte heute den Lokomotivführer Neubert II. au8 Neu-Brandenburg, welcher angeklagt war, den Eisenbahnunfall auf Bahnhof Bützow am 5. Juli verschuldet zu haben, bei welchem 12 Personen schwer verletzt wurden und ein Materialschaden von 15 000 Mk. entstand, zu zwei Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten auf die Untersuchungshaft.
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Frankfurt a. M., 15. Sept. Tie Deutsche Essekten- u n d W e ch s e l b a n k beantragte die Zulassung weiterer bereits in Umlauf befindlicher 9 300 000 Pesos 5 proc. amortifabeler innerer Mexikanischer Anleihe vierte Serie zur Frankfurter Börse.
Hamburg, 15. Sept. In Betreff der heutigen Melbuna des Londoner „Standard", vom 16.—20. September werde in Ostende eine Konferenz der Leiter der den Verkehr zwischen Europa und Südamerika unterhaltenden Tampferlinien stattfinden, aus der dte Bildung eines neuen atlantischen Schifffahrtstr u st es emgeleitet werden solle, und Generaldirektor Ball in von der Hamburg-Amerika-Linie sowie Vertreter mehrerer führender englischer Dampfergefellschasten hätten die Einladung zur Teilnahme an der Konferenz angenommen, wird der „Hamb. Börsen- halle" von der Tirektion der Hamburg-Amenka-Lmie folgendes mitgeteilt: Tie Nachricht von der Bildung eines neuen atlantischen Dampfertrusts ist n n b e g r ü n b e t. Tie Konferenz in Ostende solle lediglich bei Besprechung ber Frachtverhältnisse unter ben an ber südameiikanischeii Fahrt beteilgten Linien bienen. Nach den neuesten Nachrichten roirb übrigens bie Konferenz wahrscheinlich überhaupt nicht ftattfinben.
. Leipzig, 15. Sept. In der heutigen Aufsichtsratssitzung der Leipziger Bank in Konkurs wurde auf Antrag des Rechtsanwalts Bliimenfeld-Hamburg, welcher 2 400 000 Mk. Aktien deponierte, beschlossen, behufs Geltendmachung von Ansprüchen gegen den früheren Aussichtsrat und die Konkursmasse eine Generalversammlung der Aktionäre auf den 10. November einzuberufen.
Märkte.
Gießen, 16. Sept. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr.Pfd. 1,20—1,30 Alk., Hühnereier pr. St. 6—8 Psg^ 2Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 00-00 Psg., Enteneier 0—OPfg^ Käse. vr.Stck. 5—9 Pf., Käsematte 2 Stck. 0—0 Psg., Erbsen pr. Liter 19 Psg^ Linsen pr. Liter 32 Psg., Taubenpr. Paar 0,6o—0,80 Mk., Hühner pr. öt 1,00—1,40 Alk., Hahnen pr. Stück 0,60—0,90 Alk., Enten pr. Stück 2,00—2,30 Alk., Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Psund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Psg., Schweins-, fleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 68—70 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Psg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,00—7,00 3)lf., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 4,50—5,00 Alk., Milch per« Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg.
Die Marktzeit dauert von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn ber Marktzeit überhaupt nicht unb währenb ber ersten brei Stunben ber Marktzeit nur auf ben basür bestimmten unb angewiesenen Verkaufsplätzen, also auch nicht im Umherziehen, feilgeboten werben»
Mit Rücksicht auf ihre bisherige llnbe- geflagte mit einer Freiheitsstrafe verschont worben. — In der Pnvatkiagesache Wien gegen Faulstrob wurde die Verkündung der Entscheidung mif den 19. Septemoer 1903
Meratur.
— Bunte Bühn-, Fröhliche Tonkunst, gesammelt von Richard Baika, herausgegeben vom Kunstwart. 3. Folge, 1 Mk. (Alünchen, Kunstwart-Veilag Georg D. W. Callwey.) Äer Verlag schreibt uns darüber: Erne wie gute Ausnahme schon den ersten 2 Folgen der „Bunten Bühne" von Seiten der Presse zu teil wurde, beweist das Urteil der Leipziger „Signale für bie Musikalische Welt", welche schreiben: Hier ist eine sicher führende Hand und jeder Dlusiksreund, ber sich an echtem Humor zu erquicken wünscht unb bessen Magen noch nicht für bie Ausnahme wirklich gefunber musikalischer Kost verborben ist, sollte nach biesen Heften greifen, er roirb sich nicht enttäuscht finden. Wenn bie Folge hält, was ber Anfang Gutes, ja Vortreffliches verspricht — unb bas steht bei dem Ernst und der ehrlichen Begeisterung der Kunstroart- leute wohl fast außer Zweifel —, so verdient die „Bunte Bühne" die weitgehendste Unterstützung aller wahren Kunstsreunde." Tie 3. Folge enthält nebst den Begleitworten zu jedem einzelnen Notenwerke folgende 17 Stücke: 1. Mozart Mädchen ich komm mit der Zither. 2. Beethoven, Mormotte (Goethe). 3. Wei v, Quodlibet. 4. Loewe, Ter Zahn (Al. Claudius). 5. Haydn, Tas böse Weib (Lessing). 6. Schumann, Tie Kartenlegerin iChamisso). 7. Mendelssohn, Abschied vom Wald (Eichendorff). 8. Blech, Tie Waldprinzessin. 9. Schumann, Abendlied. 10. Weber, Handwerks- burschen-Abjchied. 11. Schubert, Tie Advokaten. 12. Mozart, Die Alte. 13. Mozart, Der Zauberer (Chr. F. Weisse). 14. Der Krähwinkler Landsturm. 15. Altfranzösisches Jagdstück. 16. Schubert, Marsch. 17. Schubert, der Goldschmiedgesell (Goethe). Ter Preis ist wiederum nur 1 Alk. und der Band ist durch alle Buch- und Musikalienhandlungen zu beziehen.
den. Bartholin war ein Müßiggänger, der all sein Geld ans die Rennplätze trug. Seine Mutter woUte ihm nichts mehr geben, und im Aerger darüber wird er sie ermordet haben. Man nimmt an, daß seine Braut Verdacht hegte, dem sie auf jenem Spaziergange Ausdruck gab, worauf er das Mädchen erschoß. Die Polizei glaubt auch, daß Bartholin ein Fräulein Walther, eine Freundin seiner Mutter ermordet hat.
* Ueber die judenfeindltchen Tumulte in der russisch-polnischen Stadt Czenstochau geben wir im Anschluß an unsere gestrigen Mitteilungen folgende Schilderung der konserv. „Schles. Ztg." wieder: Am Donnerstag um 10 Uhr morgens verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, eine christliche Frau wäre von einem jüdischen Obsthändler mißhandelt worden, da die Frau gekauftes Obst als verfault und ungenießbar zurückgewicsen habe. Das Gerücht erwies sich als zutreffend. Es hatte in der That auf dem Obstmarkt ein Streit stattgefunden, bei welchem die christliche Frau von dem jüdischen Händler arg mißhandelt wurde, sodaß sie sofort ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Der Gatte dieser Frau (ein Arbeiter) erregte nun durch sein Jammern und Klagen die Volksmenge derart, daß sofort in der ganzen Stadt eine vollkommene Judenhetze entbrannte. J'.t die Fenster und Thüren der jüdischen Wohnungen und Läden wurde mit schweren Ziegel- und Pflastersteinen geworfen. Wo sich ein Jude auf der Straße sehen ließ, wurde er sofort mit Messern und Knütteln bearbeitet. Die beiden Synagogen, sowie die jüdischen Schulen enthielten binnen kurzem keine ganze Fensterscheibe mehr. Als nach mehreren Stunden endlich Militär heranrückte, wurde es ein wenig ruhiger. Am Abend jedoch wurde der Tumult noch viel ärger. Auf dem „Neuen Ringe" versammelten sich mehr als 2000 Menschen. Mit Mühe gelang es den Soldaten, das Volk auseinanderzutreiben. Auf dem „alten Ringe" und in den sich daran schließenden Gassen, welche zum größten Teil von Juden bewohnt sind, schritt das Militär nur zeitweise ein und zog wieder ab, sobald in seiner Gegenwart keine Exzesse vorkamen. So konnten dann die Auf- rührer hier ungehindert ihre Wut auslassen. Tie Ver- kaufsläden wurden ausgebrochen, die Waren auf die Straßen geworfen oder fortgeschleppt. Militärische Patrouillen kamen nur vereinzelt an, wurden aber oft von der schreienden und mit Steinen werfenden Menge zurückgeschlagen. Mehrmals sah sich das Militär zum Gebrauch der Feuerwaffe genötigt, wobei fünf Menschen erschossen wurden. Auch unter den Revoltierenden sah man einzelne Mchsen und Karabiner blinken. Um * *9 Uhr abends verbreiteten sich Feuerrufe durch die Stadt. Die Panik war furchtbar. Niemand glaubte sich mehr seines Lebens sicher- Es brannte indessen nur an einer Stelle in der Nähe des „Alten Ringes", und die Feuerwehr brachte den Brand bald zum Verlöschen. Bis tief in die Nacht hinein tönten Schüsse und wilde Rufe durch die Stadt. Die christlichen Familien stellten brennende Kerzen und Heiligenbilder in die Fenster und hielten aus diese Weise die Tobenden von sich fern. Der Gouverneur von Petrikau, welcher noch am Donnerstag abend eingetroffen war, saß bis 4 Uhr morgens wach im Hotel Angielski, empfing Meldungen und erteilte Befehle. Erst als am Freitag morgen von allen Richtungen her die telegraphisch herbeigerufenen starken Kojakeuabteilungen aus Petrikau, Bendzin und Noworadomök eintrafen, zerstreute sich die Menge. Mehr als 100 Verhaftungen wurden vorgenommen.
* Berühmte Bauern. Unter diesem Titel erzählt Heinrich Bergmann im „Rhein. Courier" allerhand Hübsches von Bauern und Bauernsöhnen, die durch ihr Talent in Wissenschast, Kunst, Litteratur usw. Hervorragendes geleistet haben. Ein Bauer aus der Lausitz, Joh. Getan sky, besaß ein so bedeutendes Sprachgenie, daß er 38 Sprachen erlernte, von denen er sieben (die wendische, deutsche, böhmische, italienische, sranzch'ische, lateinische und hebräische) perfekt las und sprach. Zwei Landsleute und Berufslameraden von ihm, Christoph Arnold und Johann Georg P a l i tz s ch, gewannen einen ausgezeichneten Rus als Astronomen, also auf einem Gebiete, das, wie man meinen sollte, der praktischen Natur des Landwirts eigentlich am fernsten liegt. Diese drei gehörten dem 17. oder 18. Jahrhundert an. Aus dem 19. Jahrhundert ist zu gedenken des österreichischen Bauernphilosophen und Freidenkers Konrad Deuhler. Dieser schlichte Dauer stand im Briefwechsel mit berühmten Forschern.und Philosophen, so mit David Friedrich Strauß, dem Verfasser des „Leben Jesu", mit Ludwig Feuerbach usw. Seine Briese haben ihm einen großen Ruf eingetragen. Seine Biographie, seine Tagebücher und Briefe gab Professor Dodel- Port in Zürich in zwei Bänden heraus. Der Bauernsohn Heinrich Bebel wurde 1501 zum Dichter gekrönt. In Tübingen wirkte er an der Universität als Lehrer des Rechts und der Aesthetik. Valentin D u p a l (geboren 1692, gestorben 1772 zu Wien) brachte es vom Hirtenjungen zum angesehenen Professor der Geschichte und Altertumskunde an der Universität zu Luncoille, und Johann Michael Georg (geb. 1740 im Fichtelgebirge) ebenfalls vom Viehhüter bis zum Regierungsdirektor von Bayreuth. Der bekannte Dichter Johann Gottfried Seume war ein Thüringer Bauernsohn, der Maler Franz v. Defregger (geboren 1835) eines Tiroler Bauern Sohn. Auch Rosegger, der gefeierte Schriftsteller, entstammt einem Bauernhause in Steiermark und nahm seinen Weg zum Parnaß durch eine Schneiderwerkstätte.
bräunt, bie Asche in Paraffin eingebettet unb bann burch bie Asche bie mikroskopischen Schnitte geführt, welches bie mikroskopischen Eigenschaften des Holzes auf bas genaueste zeigt.
Arbeiterbewegung.
Paris, 15. Sept. In Lens roirb am Mittwoch ein internationales Bergarbeiter - Komitee aufammentreten, um über bie Frage des allgemeinen Ausstanoes unb bie Verlegung beS internationalen Bureaus von Lonbon nach Brüssel zu beraten.
Museums ber genannten Hochschule an ber auf ber Saalburg 1 Homburg im August veranstalteten ersten deutschen Archäo- logifchen Ausstellung. Hauptsächlich rouroen von bem Leiter ber vegetabilischen Abteilung Geh. Reg. Rat L. Wittmack unb Dr. I. Buchroalb prähistorische verkohlte Pflanzenreste beutfchen unb anberen Ursprungs ausgestellt, so unter anberen von Virchoro in Troja gesammelte Weizenkörner unb Erbsen, Mumiengerste aus Memphis, altegyptisches, 4500 Jahre altes Gerstenbrot, antike aber erst ca. 600 Jahre alte peruanische Maiskolben ic. — Von beutschen ©etreibearten unb ©etreibeunfräutern waren u. a. solche aus ber Hünen- ober Frankenburg an ber langen Wanb beiNinteln a. Weser (um 1000 n. Chr. zerstört) ausgestellt, welche Dr. Konrab Plath bafelbft ausgegraben hatte. Aus ber Hünenburg würben ebenfalls eine Reihe von Holzproben ausgestellt. Durch Photographien mikroskopischer Schnitte unb mikroskopische Präparate würbe ferner eine von Wittmack unb Buchroalb ersonnene neue Methobe veranschaulicht, genannte Hölzer mikroskopisch xu bestimmen, genau so wie es mit frischem mobernem Holz ber Fall ist. Nach bem Verfahren werben bie verkohlten Hölzer ganz zu weißer Asche ver-
Rom, lo. Sept. Heute vormittag fand auf bem Kapitol bie feierliche Eröffnung des 4. internationalen gynäkologischen Kongresses statt. Ter Feier wohliten ber Unterrichtsminister Nasi, bie Spitzen ber Behorben, zahlreiche Mitglieder bes Kongresses aus Italien unb bem Auslände bei, darunter hervorragende Gelehrte, und mehrere Damen. Der Mmilier hielt dt« Eröffnungsansprache, in welcher er des Todes Virchows gedachte, welcher so oiel zu ben modernen Triumphen auf allen Gebieten der Medizin beitrug. Bezüglich der Entbindungsanstalten hob ber Aimiiter hervor. es sei eine große Ehre für Frankreich, Belgien unb Deutschland, sie gegründet zu haben.
— Der neu bearbeitete „Ton Pasquale". Aus tfranf- Tonizettis graziöse Oper „Ton Pas- :unq von Otto I. Bierbaum unb
September
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