Ausgabe 
16.6.1902 Erstes Blatt
 
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Parteien auch ohne solchen Zwang aus und wer seine Pflicht bei den Wahlen versäume, höre damit eben aus, staatserhaltend zu sein. Er sei der Meinung, die direkte Wahl an sich würde das Interesse an den Wahlen schon so erhöhen, daß das künstliche Mittel des Wahlzwanges nicht nötig sein dürfe/'

Tie Generaldebatte ist am letzten Freitag beendet worden; die Zahl der Redner war erschöpft. Das bisherige Ergebnis ist, daß von den 21 Rednern zur Generaldebatte sich 18 mit der Grundidee, dem direkten Wahlrecht, ein­verstanden erklärt haben, während nur drei der Abge­ordneten chren rundweg ablehnenden Standpunkt moti­vierten. Trotzdem ist der Ausgang noch nicht abzusehen. Zudem hat der Staatsminister gleich in seiner einleitenden Rede zur Begründung des Entwurfs verraten, daß die Regierung die Erste Kammer zur Gegnerin hat. Nach den Bestimmungen der hessischen Verfassung hat nun, wenn die eine Kammer die Beschlüsse der anderen ablehnt, die sog. Durchzählung einzutreten. Das geschieht in der Weise, daß beide Kammern gemeinsam und durch Stimmenmehr­heit entscheiden. Wenn also ein von der Regierung ein­gebrachter Gesetzentwurf in zwei aufeinander folgenden Landtagen von einer Kammer angenommen, von der an­deren aber abgelehnt wird, und die Regierung den Ent­wurf nicht zurückzieht, so werden die bei der letzten Ab- stimmung in beiden Kammern abgegebenen Stimmen zu- fammengezählt und die so gewonnene Stimmenmehrheit ist entscheidend. Stellen wir nun der vielleicht einige 30 Stimmen starken Mehrheit der Zweiten Kammer den Rest von etwa 16 bis 18 Stimmen und die 36 Stimmen der Ersten Kammer gegenüber, so ergiebt sich die glatte Ablehnung der Vorlage. Ein vorzeitiges Frohlocken aller Freunde eines liberalen Wahlrechts nach den Ergebnissen der Beratung könnte also zu arger Enttäuschung führen.

Auch für uns Hessen von Interesse ist der bevorstehende Rücktritt des Leiters des preuß.-hesssichen Eisenbahngemein­schaftswesens, des preuß. Verkehrsministers v. Thielen. Als echt preußischem Bureaukraten weinen wir ihm keine Thräne nach und erhoffen von seinem Nachfolger weniger Fiskalismus. Im übrigen hätten wir es nicht gedacht, daß Herr v. Thielen gehen würde, ohne vom Glanze der unter seiner Aegide durchgebrachten großen preußischen wasserwirtschaftlichen Vorlage umstrahlt zu sein. 'Nun ist es anders gekommen. Krankheit und Ruhebedürfnis wer­den als Grund zum Scheiden angegeben. Wenn man er­wägt, daß der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten stets mit Eifer und Energie für das große Projekt ein­getreten ist, er, der Präger des WortesGebaut wird er doch", so tonnte man die Aussichten der Vorlage beim Weg­gehen Thielen's für verloren halten, andererseits aber werden mit Bezug darauf große Ueberraschungen mystisch prophezeit.

Im Ausland geschah Erwähnenswertes in letzter Woche auch nur im parlamentarischen Leben, nachdem der Friede in Südafrika geschlossen ist. Nach dem ersten Siegesrausch wird nunmehr im englischen Unterhaus die Frage der K r i e g s k o st e n behandelt, die die Engländer recht bald ernüchtern werden. Die Finanzbill ist trotz des Widerstandes der Liberalen gegen die Kornzölle angenom­men worden. Taktlose Hetzereien des Berliner Bericht­erstatters derTimes", der trotz seiner berüchtigten Artikel gegen Deutschland die Dreistigkeit besaß, auf dem letzten Parlamentärs chen Abend des Staatssekretärs von Poja- dowsky zu erscheinen, wurde durch Frhrn. v. Ri ch th of en gebührend gekennzeichnet, und ebenso brauchen uns die Frechheiten des radikal-tschechischen Maulhelden Klofac im ö st e r r e i ch i s ch e n Abgeordnetenhaus gegen den deut­schen Kaiser nicht auszuregen, eie wurden von den Regierungsvertretern Oesterreichs und seiner Presse bereits auf das schärfste verurteilt und zurückgewiesen. Wenn sich jetzt trotzdem im Einlaufe des österr. Abgeordnetenhauses eine neue Interpellation Klofac befindet, die denselben Gegenstand betrifft, so ist dazu zu bemerken, daß selbst ein Lemberger Polenblatt die Polen auffordert, gegenüber der Marienburger Rede kaltes Blut zu bewahren, und sie sehr eindringlich warnt vor Ausbrüchen des nationalen EhauvinismuS, die dem Polentum nur Schaden zufügen könnten. ES habe auch keinen Sinn, dem Abg. Klofac, der im Reichsrate gegen den Marienburger Trinkspruch keines­wegs aus Polenliebe aufgetreten sei, Ovationen zu be- bereiten.

In Frankreich trat das neue Kabinett Combes zum ersten Male vor die Deputiertenkammer unter dem Vorsitze Bourgeois zusammen mrd hat sein Programm ent­wickelt, das bei der Mehrheit Beifall sand. Tas neue Kabinett ist vorwiegend radikal. Loubet's Traum von einem Versühnungsministerium" hat sich also nicht erfüllt. Frankreich sieht sich seit langer Zeit nun von Radikalen regiert. Die Zukunft wird lehren, wie ihr Programm sich in der Praxis bewährt. Aus die Beziehungen zum Aus­land wird das Ministerium eine direkte Aenderung nicht bringen. Kriegsminister Andre und Minister des Aus­wärtigen Telcasse gehören auch diesem Ministerium an.

Politische Tagesschau.

Geistlichkeit und Schulvorstand m Hessen.

Das Gesetz, das heute vor 28 Jahren, am 16. Juni 1874 in Kraft trat, entzog bei uns in Hessen die Schule im wesentlichen dem Machtbereiche der^ Kirche. Die einzelnen Bekenntnisse durften jedoch in den Schulvorstand einen Ver­treter entsenden, sodaß anfangs Evangelische und Katholcken dort über je eine Stimme verfügten. Später durften auch Rabbiner in deren Körperschaft eintreten, und so gehören bei uns in Gießen drei Geistliche, Pfarrer Dr. Naumann, Dekan Bayer und Rabbiner Dr. Sander, dem Schulvor­stande an. Eine Vorlage der Regierung will nun den Kreis d er Geistlichen abermals erweitern. Der zweite Ausschuß der zwecken Kammer aber betrachtet diese Vorlage als unnütz, denn schon die jetzigen Bestimmungen lassen es zu, daß z. B. in Offenbach 6 Geistliche: ein protestantischer, ftanzösisch-reformierter, israelckischer, alttatholischer, deutsch- und römisch-katholischer, dem Schulvorstande angehören. Ein­zelne Mitglieder des Ausschusses vertreten die Ansicht, daß die Geistlichen als solche übe rh a upt nicht Mitglieder des Schulvorstands sein sollten, daß aber die Regierung an Hand des bestehenden Gesetzes schon in der Lage sei, auch die Geistlichen mid Religionslehrer der auf Grund der Großh. Verordnung vom 23. Februar 1850 zugelassenen Religions­gemeinschaften in den Schulvorstand eintreten zu lassen, sodaß es des Erlasses eines neuen Gesetzes gar nicht bedürfe. Des Meckeren wurde der Anschauung Ausdruck gegeben, daß, wenn die geistlichen Mckglieder des Schulvorstandes so, wie im Ge- setzenbvurfe vorgesehen, verniehrt werden sollen, dann ebenso auch die Zahl der weltlichen Mitglieder des Schul­

vorstands zu erhöhen sei und demnach dann eine Aende­rung der gesetzlichen Bestimmungen über die Bildung der Schulvorstände überhaupt angezeigt erscheine. Zum Dritten aber wurde die Ansicht vertreten, daß die Zahl der die Schulen besuchenden Kinder, welche der evangelischen und katholischen Konfession nicht angehören, gegenüber den Kin­dern der letzteren beider Konfessionen so gering fast verschwin­dend sei, daß eine Vertretung der ersteren Konfessionen im Schulvorstand mit denselben Rechten, wie solche den Geist­lichen der evangelischen und katholischen Konfession zustehen, mit den Forderungen der Toleranz wohl nicht zu ver­einigen und daher nicht zu billigen sei. Im Ausschüsse hatte keine dieser Ansichten eine Majorität für sich. Der Ausschuß kam daher, da es ihm bekannt geworden ist, daß die Auslegung des Artikel 69 des Volksschulgesetzes noch nicht durch höchste Entscheidungen festgelegt wurde, zu dem Be­schlüsse, zu beantragen, die Kainmer wolle den vorliegenden Gesetzentwurf ablehnen.

Preußisches Herrenhaus.

15. Sitzung vom 14. Juni.

Tagesordnung: Bericht der Her-Kommission über die Polcnoorlage.

Die Kommission beantragt unveränderte Annahme. Es liegt hierzu vor ein Antrag v. Stein, das Gesetz auf die Kreise Neidenburg, Osterode, Ortelsburg, Lyck der Provinz Ostpreußen auszudehnen. Ein weiterer Antrag des Grafen v. d. Osten bezweckt die weitere Ausdehnung auf die Kreise Laucnburg und Bütow der Provinz Pommern.

In der Generaldebatte nimmt das Wort Graf Kw ilecki. Er führte aus, die von der Regierung behauptete Gefährdung des Deutschtums beruhe auf Einbildung. Wenn der Ministerpräsident sage, er könne den Kampf nicht eher aufgeben, bis die Polen sich der Regierung gegenüber auf den Boden der Loyalität stellten, so erwiderten ihm die Polen, daß sie auf diesem Boden alle stünden. Aber sie seien nicht geneigt, ihre Nationalität wie einen Ueberzieher zu wechseln. Die poliiischen Geistlichen seien sich ihrer seelsorgerischen Pflicht gegen deutsche Katholiken wohl bewußt; die Vorwürfe gegen sie seien unbegründet. Im Felde seien die polnischen Regi­menter stets zuerst ins Feuer geschickt worden. (Murren.) Alan bekämpfe die Polen durch Gesetze und Administrativ­maßregeln, und in diesem System sei die Vorlage ein neuer Schritt.

Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben legt entschieden Protest ein gegen die Behauptung des Vorredners, daß die polnischen Regimenter stets zuerst ins Feuer geschickt worden seien. (Lebhaftes Bravo.) Die Kulturarbeit, die durch Jahr­hunderte in Posen unter den Hohenzollern geleistet sei, dürfe man nicht verfallen lassen, sondern nach deni Grundsätze des großen Kurfürsten solle gehandelt werden, der der auf ihn eindringenden Verzweiflung den Mut entgegengesetzt habe. (Lebhafter Beifall.)

Dr. v. Dziembowski tritt für die Vorlage ein.

Kultusniinister Studt erklärt, die Regierung beabsich­tige, nanientlich auch an eine energische Förderung des Volks­schulwesens in der Provinz Posen zu gehen, sie sei hierzu im Stande Dank der im Jahr^ 1900 bewilligten Summen für Schulzwecke. Besonders beklagenswert sei, daß die polnische Agitation sich auch auf das Gebiet dec Voksschule geworfen habe und dessen Entwickelung zu stören suche.

Herr v. Stein begründet seinen Antrag, zieht ihn aber alsbald zurück und auch den des Herrn v. d. Osten, weil er überzeugt ist, daß die Regierung in einiger Zeit von selbst- auf diesen Weg gedrängt werde, den die beiden Anträge in Vorschlag brächten.

Gaaf Mirbach bedauert den Wechsel in der Polen­politik. Eine Aufteilung der großen Güter sei bedenklich.

Frhr. v. Durant tritt den Ausführungen des Grafen Kwilecki entgegen.

Oberbürgermeister Bender-Breslau meint, man solle suchen, den Polen Gefallen an deutscher Kultur beizubringen (Unruhe) und nicht die Kluft zwischen zwei Völkern, die mit­einander zu leben benötigt seien, erweitern.

Die Generaldebatte wird geschlossen.

In der Spezialdebatte wird nach kurzer Diskussion § 1 angenommen, ebenso die §§ 2 und 3; in der Gesamt­abstimmung gelangte die Vorlage ebenfalls zur Annahme.

Aus Stadt und Sand.

Gießen, den 16. Juni 1902.

* * Parlamentarisches. Der 3. Ausschuß der 2. Kammer hat sich mit dem bekannten Anträge auf Errichtung einer hessischen Landwirtschaftskammer sehr eingehend beschäftigt. Er stimmt dem Entwürfe im wesentlichen bei und beantragt dessen Annahme mit einigen Aenderungen. Wir beabsichtigen in besonderem Artikel näher hierauf ein­zugehen. Der 2. Ausschuß beantragt Annahme des Ent­wurfs eines Gesetzes über die Ergänzung und Abände­rung des Gesetzes vom 28. September 1890, die Brandversicherungsan st alt für Gebäude sowie auch des Entwurfs eines Gesetzes, die Aenderung des Ge­setzes vom 8. März 1898 über die Bildung der Stadtver- ordneten-Versammlung der Stadt Worms für die Zeit vom 1. April 1898 bis zum 31. Dezember 1902. Die zweite Kammer hat im Februar die Anträge bett, die Abände­rung des Gesetzes die Versicherung von Mobilien in Feuerversicherungsanstalten, die von den Abgg. Ulrich und Genossen und Köhlec-Langsdocf eingebracht waren, mit allen Stimmen angenommen. Die erste Kammer trat aber diesem Beschlüsse nicht bei. Ihr im März gefaßter Beschluß lautet: Die Regierung zu ersuchen über die Ausführbarkeit einer staatlichen allgemeinen obligatorischen Mobiliar-Feuerversiche­rung in einer den Interessen des Staates sowohl als auch der zu Versichernden entsprechenden Weise nähere Ecmitte- lungen eintteten zu lassen und von dem Ergebnis den Ständen Kenntnis zu geben. Der 2. Ausschuß der zweiten Kammer beantragt jetzt Beittitt zu diesem Beschlüsse der 1. Kammer.

* * Die frei schlagende Verbindung Fran­konia feierte gestern und an den vorhergehenden Tagen ihr 30jähriges Stiftungsfest. Am 13. d. M. waren bereits viele A. H. A. H. von außerhalb eingetroffen, und in:Großherzog von Hessen" hatte sich ein reges Treiben

entwickelt. Die Feier, die nahezu der ganzen Stadt einen festlichen Charakter gab, erreichte ihren Höhepuntt in dem Kommers, der am eam»tag abend inSteins Garten" stattfand und einen glänzenden Verlauf nahm. Während des Samstages war noch eine größere Zahl A. H. A. H. einaetroffen; und diese sowie deren Angehörige, ferner mehrere Professoren der hiesigen Universitär, und endlich die aktiven Mitglieder der Verbindung selbst mit ihren Kommilitonen füllten den großen Saal des genannten Eta­blissements vollständig und verliehen dem Feste ein ebenso mannigfaltiges wie feierliches Relief. Stud. Trautmanu eröffnete den Kommers mit einer Begrüßungsrede, in der er namens seiner Verbindung seiner Freude und seinem Danke Ausdruck gab für die so große Beteiligung der A. H. A. H. und anderen Gäste an der Feier. Insbesondere erfülle cs ihn mit großer Genugthuung, seine Kommilitonen, Ver­treter der Gießener Burschenschaft Germania, willkommen heißen zu dürfen, da gerade mit 11)11 en durch Gleichartigkeit der Prinzipien und Interessen eine enge Verbindung bestehe. Leider müsse er die Vertreter der Burschenschaft Attemania missen, da diese durch strenge Trauer um den Tod eines der Ihrigen am Kommen verhindert sei. 'Nachdem der Redner dann mit zündenden Worten die A. H. A. H. auf­gefordert hatte, alte Sorgen für diesen Tag zu vergessen und mit den Jungen jung zu jein, schloß er mit einem ih> kräftigen Salamander auf die Gäste. 'Nach ihm gedachte Stud. Hensell der Schirm- und Schutzherren des Reiches, des Kaisers und des Großherzogs, denen zu Ehren die 'Nationalhymne angestimmt wurde. Nachdem alsdann Stud. Bausch auf die A. tz. A. tz. getoastet hatte, ergriff Professor Weyel das Wort zur Festrede. Ec dankte seinem Vor­redner und gab dann einen kurzen Ueberblick über die Ent­wickelung der Verbindung in den vergangenen 30 Jahren; ec betonte ferner, daß die jetzige Verbindung Frankonia die Hauptprinzipien des früheren naturwisjenjchaftlichen Vereins wahre, nnd daß die A. H. A. H. auch das Zu­trauen haben könnten, daß die Frankonia ihre Füchse zu strammen Burschen und zu zielbewußten und vaterlands­liebenden Männern erziehe. Tas frohe Zusammensein mit den A. tz. A. H., der rege, ungezwungene Bericht zwischen den A. H. A. H. und den Aktiven beweise, daß das neue grüne Reis, das der alte Stamm des naturwissenschaftlichen Vereins getrieben, von echter, alter Art sei. Die A. H. A. H. könnten versichert sein, daß die Frankonia die Prin­zipien aller freien Verbindungen:Ehre, Freiheit, Vater­land" wahren würden. Nachdem 'Jietmer dann noch den Wahlspruch der Verbindung einer eingehenderen Be­sprechung unterzogen hatte, kommandierte er auf das ewige vivat, slorcat, crescat der Frankonia einen Salamander, der mit Begeisterung ausgenommen wurde. An diese Rede schloß sich das Lted:O ale Burtschenherrlichteit . . .", das gewiß oei vielen Teilnehmern freudige oder auch wehmütige Empfindungen auslöste. Der A. Thwinn feierte dann die Tamen, und Stud. Löhr überbrachte Grüße seiner Verbindung Germania. Eine große Zahl von Telegrammen gab endlich Kunde, daß auch in der Ferne von den A. tz. A. tz. des heutigen Jubelfestes gedacht wurde. Erst gegen Morgen nahm dcr Kommers, der in heiterster Stimmung verlief, ein Emde. Am Vormtitag desnächsten" Tages, d. h. nach einer nicht allzu langen Ruhepause, folgte iu der Reihe der Festlichketten imPrinz Karl" ein Frühschoppen, der ebenfalls rege besucht war. Um 2 Uhr begann das Tiner im selben Hotel. Nach Beendigung desselden wurde von sämtlichen Teilnehmern per Wagen ein Ausflug nach dem Gleiberg unternommen, womit die offizielle Feier des Stiftungsfestes ihr Ende erreichte. Es waren frohe Tage, die die ftemden Gäste in der ihnen so vertrauten Stadt verlebt haben, und das Andenken an das schöne Gießen und ihre dortige Studentenzeit werden die A. A. H. erneut mitnehmen bis in die weiteste Ferne.

* * Das Wettturnen bei der gestrigen, um 8 Tage zurück- gesetzten Gauturnfahrt des Gaues Hessen nach dem Hainig bei Lauterbach war zu Beginn vom Regen sehr beeinträchtigt, konnte aber bei späterem Sonnenschein noch befriedigend beendigt werden. Von den 108 angetretenen Turnern erhielten folgende Preise:

1. Preis, 30l/2 Punkte, Hch. Schmidt, T.-V. Gießen; 2. Pr., 30 P., Karl Kreiling, T.-B. Wieseck; 3. Pr., 29 P., Balch. Dort, T.-V. Großen-Bufeck; 4. Pr., 28 P., Jakob Lippert, T.-V. Butzbach; 5. Pr.,. 27h, P., Ludw. Noll, T.-V. Gießen; 6. Pr., 27 P., Karl Möser, T.-V. Grünberg; 7. Pr., 26% P., Lorenz Schnialz, T.--V. Gießen, Ph. Hörr, T.-V. LMMSdach; tt. Pr., 26 P., Ehr. 'Schmidt, T.-G. Gießen; 9. Pr., 25/2 P., Hrch. Geiz, T.-V. Gießen, Erich Jünger, T.-B. Kirchhain; "10. Pr., 25 P., Peter Bangert, T.-V. Anspach; 11. Pr., 24% P., Hch. Prediger, T.-V. Kirchhain; 12. Pr., 24 P., Karl Duchardt, T.-V. Alsfeld, Hch. Bauer, T.-V. Lauterbach, W. Schmidt, T.-V. Launsbach; 13 Pr., 23% P., Karl. Rees, T.-V. Butzbach, Ehr. Savelsberg, T.-V. Gießen, Fritz Hartmann, T.-V. Bad-Nauheim; 14. Pr., 23 P., Georg Dickhaut, T.-V. Alsfeld; 15. Pr., 22% P., Alfr. Held, T.-V. Butzbach, Adolf Feger, T^V. Aiispach, Ernst Wagner, T.-V. Krosdors, Hch. Hofmann, T.-V. Giegen, Hch. Hüttenberger, T.-V. Gießen; 16. Pr., 22 P., Hrch. Müller, T.-V. Großen-Buseck, Georg Freitag, T.-V. Butzbach, Georg Bücking, T.-V. Alsfeld, Th. Ernst, T.-V. Anfpach, Hrch. Henes, T.-V. Bad-Nauheim, Karl Schivarz, M.-T.-V. Gießen, Willy Förtsch, M.-T.-V. Gießen; 17. Pr., 21% P., W. Wiederstein, 'M.-T.-V. Gießen, Hch. Butz, T-V. Kirchhain, Albert Münch, T.-V. Wetzlar; 18. Pr., 21 P., Ferd. Hain, T.-V. Friedberg, Karl Bender, T.-V. Alsfeld, Wilh. Menges, T.-V. Leihgestern, Ad. Totzenrod, T.-V. Gießen, Otto Pfeifer, T.-V. Launsbach; 19. Pr., 20% P., Fritz Herbert, T.-V. Kirchhain, Ehr. Högel, T-Gem. Laubach; 20. Pr., 20 Wilh. Rühl, T.-V. Großen-Bujeck, Adr. Muhl, T.-V. Schlitz, Fr. Sack, T.-V. Heuchelheim, Karl Wagner, T.-V. Krofdorf, Karl Gries, T.-V. Bad-Nauheim, Gg. Gi'unbtein, M.-T.-V. Gießen.

** Unbestellbare Postsendungen. 'Nach der Statistik des Reichspostamts ist die Zahl dec wegen Un- bestellbarkeit alljährlich der Vernichtung anheimfallenden Postsendnngen immer noch sehr groß. So find binnen Jahresfrist allein 50 580 Ansichtskarkeu und und 26 700 andere Postsendungen unanbringlich geblieben und durch Feuer vernichtet worden, die überhaupt keine Auf­schrift trugen, die Zahl der wegen mangelhafter Aufschrift unanbringlichen Gegenstände hat sich in dem­selben Zeitraum sogar auf 250600 Stück darunter 145 370 Ansichtskarten belaufen. Unter den endgültig unbestellbar gebliebenen Sendungen befanden sich 888 400 Stück, daA sind 66,8 Prozent der Gesamtzahl, in denen der Absender sich nicht genannt hatte. Wie viel Unannehmlich­keiten mögen den Adressaten beziv .den Absendern durch die Unanbringlichkeit dieser Sendungen erwachsen sein, und wie viel ungerechte Vorwürfe über Unzuverlässigkeit sind gegen die Postverwaltung und deren Beamte erhoben worden! Jeder Absender sehe daher in seinem eigenen Interesse darauf, daß die Postsendung, bevor er sie dem Brieftasten anvcctraut, eine vollständige Adresse trage, also alle Angaben enthalte, die zur Auffindung des Empsängers notwendig find, und daß die Frankierung ausreicht. Bei den Ansichtskarten gewöhne man sich daran, stets die Adreßseite zuerst zu beschreiben. Besonders aber ver­gesse man nicht, aus .oder in dcr Sendung die v 0 lle;