OTfcne oes -rrvsenvers anAugeven, varnrr für alle Fälle die Rückgabe erfolgen kann. Angaben wie „Deine Anna", ,-Dein Vater" rc. genügen nicht, die kann die Post bei aller Findigkeit nur in den seltensten Fällen verwerten.
** Postverkehr. Entgegen der früheren Bestimmung ist es nunmehr den Offtzieren des Beurlaubtenstandes gestattet, den Portosreiheitsvermerk der von ihnen ausgehenden Militärdienstsendungen durch den Abdruck irgend eines amtlichen Siegels oder Stempels, z. B. des Gemeindevorstehers, zu beglaubigen. Es ist somit die Beidrückung des amtlichen Siegels oder Stempels einer Militärbehörde nicht mehr erforderlich.
D. FL-V. Das Präsidium des Deutschen Flotten-Vereins in Berlin beabsichtigt, im kommenden Winterhalbjahr in allen größeren Städten des Reichs biographische Vorführungen zu veranstalten, nachdem die bisherigen Versuche damit in 19 deutschen Städten bei einer Besucherzahl von 225 000 Personen außerordentlich Beifall gefunden haben. Im Großherzogtum Hessen sind für diese Vorführung lebender Photographien aus dem Gebiete des Seewesens zunächst bie Städte Darmstadt, Mainz und Gießen in Aussicht genommen. Außerdem sollen Rundreisen eines Kinematographen derartig veranstaltet werden, daß für bestimmte Bezirke Touren mit ein-, zwei- oder dreitägigen Vorführungen in einer Ort- 'chast festgesetzt werden.
** Guteuberg-Gesellfchaft. Die erste Generalversammlung der Gutenberg-Gesellschaft in Mainz, die bereits an 600 Mitglieder in allen Ländern gewonnen hat, findet am Johannistage, 24. Juni, vormittags 11 Uhr, im Stadthause dort mit folgender Tagesordnung statt: 1. Erstattung des Jahresberichtes, 2. Vortrag des Prof. Dr. Velke: „Die Gutenberg-Gesellschaft, ihre Aufgaben und Ziele", 3. Ablegung der Jahresrechnung und Feststellung des Voranschlages, 4. Wahl des Vorstandes, 5. Bericht über Gutenberg-Museum und Gutenberg-Bibliothek, 6. Sonstige Gesellschafts-Angelegenheiten. — Die erste Veröffentlichung der Gutenberg-Gesellschaft (der neu aufgefundene Kalender für 1448, mit 18 Tafeln) kann in der Versammlung von den Mitgliedern in Empfang genommen werden; die Versendung der Schrift beginnt alsbald darnach. Die nur für die Mitglieder hergestellten Veröffentlichungen erhalten diese unentgeltlich (Jahresbeitrag 10 Mk.).
•* Die Motten, jene kleinen Schmetterlinge, die im Haushalte ost so großen Schaden anrichten, fliegen jetzt am häufigsten umher. Die Weibchen legen ungefähr 200 Eier in Wollentuch, Pelze, Polster, Federn usw., aus denen Räupchen hervorkriechen, die sich ein Gespinnst machen und mit ihrem scheerenförmigen Gebisse fast unausgesetzt das Tuch benagen. Sie bleiben in diesem Zustand fast ein Jahr, ruhen im Winter, verpuppen sich im Frühjahre und kommen nach ettichen Wochen als Schmetterlinge zum Vorschein. Ein sicheres Mittel, sie zu töten, ist das Erhitzen der Pelze über 30« R., entweder durch künstliche Wärme oder heißen Sonnenschein. Bei 34° eicht eine Stunde zur Tötung der Motten und ihrer Eier hin. 28° halten sie nach eingehenden Beobachtungen mehrere Stunden aus. 36° Hitze tötet sie in einigen Minuten. Gute Mottenvertilger sind auch die Spinnen, die man des- )alb nicht töten, sondern schonen sollte. Das Einstreuen der Kleider mit Kampfer, Naphthalin, Zigarrenasche und wie die Mittel alle heißen, hat sich auch als vorteilhaft erwiesen. Doch müssen derartige Einstreuungen immer in trockenem Zustand erfolgen, damit keine Flecken entstehen.
** Blumenzwiebeln. Die Frühjahrsauspflanzungen in anseren Gärten haben abgeblüht. Die Zwiebelgewächse, Tulpen, Hyazinthen und wie sie heißen, sind ausgehoben worden und an ihrer Stelle bilden jetzt Sommerblumen unsere Schmuckbeete. Sollen die abgeblühten Blumenzwiebeln uns un nächsten Jahre wieder durch ihre Blüthen erfreuen, so bedürfen sie jetzt .einer sorgfältigen Behandlung. Die Zwiebeln werden schattig in trockenen Raum gelegt, wo sie langsam abtrocknen. Danach werden sie geputzt und am besten in Sand eingeschlagen. Man nimmt hierzu eme Kiste, füllt diese zur Hälfte mit Sand an, legt auf diesen die Zwiebeln, füllt dann die Kiste noch vollends mit Sand und stellt sie dann an einen kühlen, trockenen Ort. Zwiebeln, welche vor ihrer völligen Reife, d. h. kurz nach dem Verblühen, aus der Erde genommen wurden, erfordern eine größere Sorgfalt als ausgereifte. Ausgereift sind die Zwiebeln, wenn chr Kraut abgestorben ist.
** Die Ueberreichung der Gesellenbriefe an die Gesellen, welche in diesem Jahre hier die Gesellenprüfung bestanden haben, verbunden mit einer Ausstellung von Lehrlings arbeiten fand gestern Vormittag in der Turnhalle der höheren Mädchenschule statt. Ein groß?. Publikum .itte sich eingefunden, um der Freisprechung der 65 Lehrtmge, die diesmal zum ersten Male unter Oberaufsicht der Handwerkskammer erfolgte, beizuwohnen. Hauptlehrer Traber, der Vorsitzende des Gesellen-Prüfungsausschusses, hielt eine Ansprache, aus der heroorgmg, daß sich die 65 Prüflinge aus 14 verschiedenen Gewerben rekrutierten. Vertreten waren hierbei: 3 Maurer, 2 Zimmerer, 1 Weißbinder, 6 Bildhauer, 30 Schlosser, 5 Eisendre 5 Maschinenschlosser, 2 Schmiede, 1 Wagner, 2 Glaser, > Schreiner, 2 Mechaniker, 2 Sattler und 1 Uhrmacher. Unter den besten Wünschen für die Zukunft sprach Redner dann die Lehrlinge namens des Prüfungsausschusses zu geprüften Gesellen. Nachdem er geendet, richteten noch einige andere Herren Worte der Ermahnung an die jetzt selbstständig werdenden 'jungen Leute und dann erfolgte die Ueberreichung eines interimistischen Prüfungszeugnisses, dem in einigen Wochen der definitive, künstlerisch ausgeführte Gesellenbrief folgen soll.
* * Darmstadt, 15. Juni. Das 15 jährige Bestehen der Darmstädter freiwilligen Sanitätseolonne vom Rothen Kreuz gab Veranlassung zu einer großen Uebung, welche gestern Nachmittag auf dem südwestlichen Telle des Exerzierplatzes stattfand. Der Groß Herzog nebst Gefolge, Generalkonsul Map pes aus Frankfurt a. M., Delegierte des 18. Armeeeorps, Oberconsistorialpräsident Buchner, Stadtkommandant Generalmajor v. Ly n cker, Genera,.- Arzt Dr. Kühlewein, sowie zahlreiche Gäste wohnten der Uebung bei. — Das hiesige Corps „Rhenania" feierte in diesen Tagen sein 30jähriges Stiftungsfest in überaus glänzender Weise. Am Freitag den 14. fand großer Empfangsabend und Samstag den 15. Frühschoppen im Schützenhof, nachmittags O. A. H.-C. auf dem Corpshause statt. Die Hauptfeier blldete ein abends y29 Uhr im Kaisersaale stattgehabter solener Jesteommers, zu welchem sich zahlreiche alte Herren, der Reetor magnifiens der Techn. Hochschule, zahlreiche Professoren und Ehrengäste, sowie last not least auf der Gallerte ein herrlicher Damenflor eingefunden hatte. — Eine zahnärztliche Poliklinik insbesondere im Interesse der Darmstädter Volksschulen soll demnächst in dem städtischen Gebäude Luisensttaße 20 dahier errichtet werden. Die Stadt unterstützt die Idee in überaus bereitwilliger Weise.
* * Darmstadt, 15. Juni. Der Großherzog empfing u. A. den Künstler Huber und zum Vortrag den Kabinettsbibliothekar Holzamer.
Sport.
* * Gaufahrt des Gaues IX des D. R. B. und Große Radrennen aus dem Sportplatz an der Hardt. Trotz des drohenden unfreundlichen Wetters eilten gestern schon in aller Frühe Radler von nah und fern unserer Stadt zu. Gleich nach 11 Uhr trafen u. a. die Mannschaften des Gaues IX, welche sich in Frankfurt a. M. gesammelt hatten, ca. 80 Fahrer, von dort kommend hier ein. Nach einem gemeinsam eingenommenen Mittagsbrod sannnelte sich gegen 3 Uhr eine große Zahl von Radfahrern am Seltersthor, um von hier aus mit Atusik nach der Rennbahn an der Hardt zu ziehen, wo sie den Großen Radreimsahrten beiwohnen wollten. Wohl tausend Zuschauer hatten sich hier ebenfalls eingefunden. Von den Ehren-Dorsitzenden der Vera istallung bemerkten wir Provinzialdirektor Geh. v. Bechtold, Bürgermeister Mecum unb Oberst v. Dewitz. Die einzelnen Rennen nahmen bei denkbar bestem Sportwetter folgenden Verlauf:
E r st f a h r e n, 2000 Attr. — 5 Runden, bei nur schlecht be- etztem Feld. 1. Hugo Kirsch- Siegen 3.13*/., 2. F. Pieroth- Klein-Steinheim 3,1376/ 3. Friedr. Roth- Niederrod 3.14. Zwischen Kirsch unb Pieroth, welch letzterer beim Eubsport die Führung hatte, sanb ein heftiger Endkampf statt. Kurz vor dem Band erst gelang der Sieg mit J/z Radlänge. — Gauverb ands- Wanderpreis-Fahren, 2000 Mr. — 5 Runden. Vorläufe (2 Runden). L Vorlauf. 1. Georg Drescher- Mainz 1,5, 2. Ernst Schweinsberg- Frankfurta.M. 1,5*/,. 2. Vorlauf. 1. H.Struth- Mainz 1,13, 2. Wilhelm Kellner- Frankfurt a. M. l,13*/6. Ent° fcheidungslauf. 1. H. Struth- Mainz 4,8. 2. Georg Drescher- Mainz 4,8'75. Ernst Sch iveinsberg -Frankfurt a. Ai. 4,8‘/5. Der Entscheidungslauf wurde unverantwortlich langsam gefahren. Erst bei etwa 150 Mtr. vor dem Band kam Leben in die Fahrt. Das Resullat konnte nicht überraschen. Hauptfahren, 8000 Mtr. — 20 Runden, mit einspurigen Schrittmachermaschinen jeder Art. 1. Georg Drescher - Mainz 10,40. 2. Michael Schmidt-
Ludwitzshafen 11,467«. 3. Eduard Sier- Köln 12,35. Das Feld war diesmal sehr gut besetzt. Drescher machte die 8 Kilometer hinter seinem 2sitzigen Schrittmachermotor mit großer Sicherheit
und Ruhe und hatte nach 8 Runden feine Koiikurrente» rmt Ausnahme Schmidt's-Ludwigshafen überrundet. Dieser hielt sich als Zweiter wacker, bis auch er nach unb nach gegen Drescher adsie! und bei der 17. Runde ebenfalls überholt wurde. Tie Zuschau« beobachteten das Rennen mit wachsendem Interesse und empfingen den Sieger und den Zweiten, der nur durch einen einsitzigen Motor als Schrittmacher bedient wurde, mit lebhaftem Bravo. — Vorgabefahren, 2000 Mtr. — 5 Runden. 1. Carl Lurz - Frankfurt a. Main (50) 3,3676. 2. H. Stru t h-
Mainz (0) 3,367s. —3. Ernst S ch w e i n s b e r g-Frankfurt a. At. (30) 3,37. Das Feld war gut besetzt und setzte sich von Anfang an gut in Bewegung. Nach der dritten Runde fchon waren die Vor- gaben geholt. — Motor-Rennen nur offen für die Schrrtt- niacher des Hauptsahrens 8000 Meter — 20 Runden. Es starteten der 2sitzige Motor Dreschers mit den Fahrern H a tz m a n n unb Schulte gegen Motor Lier (Einsitzer) Fahrer De ls ort, Lek- lerer erhielt eine Vorgabe von 450 Meter, deren es jedoch nicht bedurft hätte, denn Delfort siegte über seine Gegner in 10,137g rmt 800 Meter Vorsprung. Er Hal also aus der Fahrt, wenn man die Vorgabe außer Ansatz läßt, Hatzmann und Schulte um 250 Meter geschlagen.
Das Motor-Rennen war unstreitig das mtereffantefn des Tages. Es war eine wilde, verwegene Jagd von Anfang bis zu Ende. Der Franzose brachte feine Alafchine auf die äußerste Schnelligkeit, holte so 350 Meter auf, unb kam damit dicht hinter seinen Gegner, den er bann gleichsam als Schritmacher benutzte. Der fortgesetzte Versuch Delsorts, den Zweisitzer zu überholen, glückte indessen nicht. Brausender Jubel empfing aber den Sieger, der es fertig gebracht Halle, durch sein wahrhaft verwegenes Fahren die Zuschauer in die größte Aufregung zu versetzen. — Mehrsitzer-Fahren 2000 Meter = 5 Runden, 2 Verläufe, 1. Vorlaus: 1. Struth-Mainz und Schmidt-Ludwigshafen 1,377g. — 2. Kellner und Berg Haus- Frankfurt a. M. 1,377-. — 2. Vorlauf: 1. Schweinsberg unb L u r z-Frankfurt a. M. 1,59, 2. Schnütter unb Eb. Li er-Köln 1,59 */6. Entscheidungs-» lauf: 1. Struth unb Schmibt 3,457g. — 2. Kellner und B e r g h a u s 3,457s. — 3. Schweinsberg unb Lurz 3.46. Es wurde besonders in dem Entscheidungslaus sehr flott gefahren. Damit war der sportliche Teil der Veranstaltung am Fuße der Hardtterraffe beendet. Die Veranstalter derselben können mit Befriedigung aue deren Verlauf zurückblicken.
Die Lektsteuer
ist nunmehr in dritter Lesnug mit 50 Pfennig per Flasche angenommen und wird am 1. Juli 1902 in Kraft treten. — Schaumwein im Besitze von Hanshattuugsvorstäudeu, die weder Ausschank noch Handel mtt Getränken betreiben, bleibt, sofern die Gesamtmenge nicht mehr als 30 Flaschen beträgt, von der Stachsteuer befreit!
Wir empfehlen den Gönnern unseres „Heukett Trocken" hiervon Gebrauch zu machen und sich zum Bezug au deu Weinhaudel zu wenden.
Henkell & Co«, Mainz.
Vertreter für Gießen: Carl Petri, Hier. 3696
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Heimatkunst l Das Wort hat jetzt einen guten Klang. In allen deutschen Gauen, wo immer litterarische und künstlerische Anlagen gepflegt werden, da ist auch die Losung von der Heimatkunst ausgegeben. Sie entspricht im Wesentlichen den modernen Kunstbestrebungen. Diese zielen ja auf das Heroorkehren der Individualität, auf das bewußte Ausleben der Persönlichkeit ab. Die Persönlichkeit aber wurzett im Heimatboden und kann sich künstlerisch am behaglichsten ausleben, wenn sie die Bilder der künstlerischen Darstellung einer teuren und vertrauten Umgebung, dem heimischen „Milieu" entnimmt. Jeder Mensch kennt und liebt die Oerttichkeit, an der er aufgewachsen oder wo er thätig ist, er ist ein Produkt der Dinge um ihn, von ihnen abhängig; sie erregen seine Gefühle und beschäftigen seine Gedanken, manchmal auch, wie wir es z. B. bei den großen nordischen Poeten, bei Ibsen und Björnson, wie bei Tolstoi sehen, mehr Kummer und Groll als Stolz und Freude. Vor allen anderen ist heute der Dichter nichts weniger als ein von der Welt getrenntes Einzelwesen. Sein Naturgefühl verklärt die Landschaft seiner Heimat, in seine persönlichen Erfahrungen spielt die Gesinnung und Gesittung seiner Landsleute fortwährend hinein.
Diese Beobachtung machen wir in ganz besonderem Maße bet der Betrachtung ber Werke unserer besten hessischen Erzähler, Alfreb Bock unb Wilhelm Holzamer. Von Holz- am liegt seit kurzem roieber ein neues Buch vor, „Peter No ckler. Die Geschichte eines Schneibers" (Herrn. Seemann Nachf. in Leipzig). Wir sehen, daß der Dichter mit seinem neuesten Werke' über seine bisherigen gewachsen ist. Außer den „Spielen", den feinen kleinen lyrischen Prosa-Gedichten in dramatischer Form, die in Darmstadt so arg mißverstanden wurden, allerdings auch als Nachempfindungen Maeterlmck- scher und Jaeobsen'scher Dichtungen nur einem ganz kleinen, zartesten Momentstimmungen zugänglichen Publikum, Schu
mann'scher Kammermusik vergleichbar, etwas bieten, waren Holz- amers frühere Schöpfungen zumeist Novellen. „Peter Nockler" aber ist der Ansatz zu einem Roman, einem Roman auf allerbescheidenster Basis, mit den schlichtesten Mitteln schlicht erzählt. Wir lernen nur zwei bis drei Personen kennen, ein Dorfschneiderlein nebst seiner Geliebten, daneben noch allenfalls den alten Lehrmeister Peters. Unb bet giebt es keine großen Leibenschaften, keine Kompliziertheiten in ber Hanblung unb im Fluß ber Erzählung, keine „romanhaften" Vorgänge, aber um so mehr Gefühlsinnigkeit, Treuherzigkeit und klare kluge Lebensphilosophie. Wir lieben diesen braven Peter und wir lieben den Dichter, ber ihn uns schuf. Unb wir würben uns noch mehr über bas Buch gefreut haben, wenn es nicht gar so sehr an Wieberholungen litte unb seine Hanblung gar so langsam in bie Breite flösse. Der Dichter scheint im Begriff zu stehen, burch die Protektion unseres kunstfreudigen Landesherrn, der seine Leute sicher zu wählen weiß, aus seinem halb ländlichen Milieu von der Bergstraße nach der Residenz verpflanzt, in materiell in jeder Weise vorteilhaftere Verhältnisse berufen zu werden. Das eröffnet uns die Aussicht, daß uns sein nächstes Buch, wohl ein echter Roman, vielleicht in andere, städtische Kreise führt. Wir wollen aber hoffen, daß trotzdem ber Dichter ber alte bleibt, baß er sich feine zugleich zarte unb frische, starke unb reine länbliche Lebensauffassung bewahrt. Dann werben wir von ihm noch manches vortreffliche, herzerquickende Buch erhalten.
Im Anschluß hieran sei kurz berichtet, baß bie Wiener Zeitschrift „Neue Bahnen", herausg. von Ottokar Stauf o. b. March (Wien VIII, Wickenburggasse 5, pro Heft 60 Pfg.), ihr 8. Heft bes taufenben Jahrganges Holzamer geroibmet hat, von dem sie ein paar anziehenbe Gedichte, Porträt sowie einen betrachtenden Aufsatz von F. W. v. Oefteren bringt.
Gleichzeitig haben wir von dem jüngsten hessischen Poeten, Reinhard Strecker, zu berichten. Der jugendliche Autor.
der auf wissenschaftlichem Gebiete bereits durch eine Abhandlung über den „ästhetischen Genuß" hervorgetreten ist, fteltt sich mit einem Bändchen, „Maifrost" (I. Rickers Verlagsbuchhandlung in Gießen) betitelt, wohl zum ersten Male als Poet vor. Sechs längere Gedichte, die man wohl lyrische Novelletten nennen könnte, vereinigte der Verfasser unter dem genannten Titel. Das erste Gedicht nennt er „Versehen". Es endet mit dem schmählichen Niedergange des jugendlichen „Helden", der seiner ganzen mühsam errungenen und immer wieder hervorgehobenen Gelehrsamkeit zum Trotz beim ersten Liebes-Konflikt, den ihm das Leben bringt, die Flinte ins Korn wirft unb sich in halb kinblicher Spitzsinbigkeit, die ihm selber eine Art freubiger Genugthuung zu bereiten scheint, zum gewaltsamen Tobe überrebet, um „ihr" ein paar Momente neroenkitzelnber Aufregung zu gewähren. Eine geistige Bankerotterklärung von bemitleidenswerter Jämmerlichkeit! Der Rückzug aus ber besten aller Welten wird von biefem in Jugendthorheit befangenen Gelehrten angetreten, noch ehe ber eigentliche Lebenskampf begonnen hat. Psychologisch freilich, vermeint wohl ber Autor, triumphiere sein Held gerade in dem Augenblick, wo er sich tief gebemütigt fühlt. Das wäre aber ein schwerer Irrtum, denn wer so oberflächlich unb kindlich über den Wert des Lebens urteilt wie dieser gelehrte Jüngling, wer aus so nichtigem Grunde seinen Kadaver über Bord wirft, der ist fein Triumphator, sondern ein kleinmütiger Hasenfuß. Was an dem Büchlein erfreulich ist, das ist die im ganzen leichte und anmutige Form, unb ein lauterer Kunstgeschmack. Noch aber fehlt es dem jungen Poeten an umfassender Lebenserfahrung unb eindringlicher Menschenkenntnis. Wenn er diese errungen haben wirb, beschert auch er uns vielleicht noch manches gute Buch. 'Das läßt uns bieser erste Streckersche Schritt zum Parnaß erhoffen.
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