Ausgabe 
15.11.1902 Zweites Blatt
 
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Eisenbahn Zeitung.

Eisenbahuprojekt Alsfeld-versfclv. Am Alittwoch Nach­mittag sand aus Veranlassung des Finanzministers Tr. Gnauth eine Besprechung über obiges Projekt statt, an welcher außer dem Minister u. A. teilnahmen: Ministerialrat Eivald, Lderdaurat Eoulmann, Landrat von Schleimy-Hersfeld, die Landtagsabgg. v. Baumbach-Ziegenhain, Reff-Alsfeld, Morell-Leusel, serner der Vorsitzende des Eifenbahn-Baukomitees Atsseld, E. Grünewald 11., und fünf Herren dieses Komitees. Tie Anwesenden nahmen den Eindruck aus der Sitzung mit, daß die Angelegenheit in den Hän­den des Finanzminiflers Tr. Gnauth wohl geborgen und sonnt einen lebhafteren Fortgang nehmen werde.

Aus Stadt uiü» Sand.

Gießen, 15. November 1902.

Das Promenaden-Konzert morgen Sonntag, den 16. Noo., fällt aus.

** In der Gemälde-Aus st ellung am Brand "sind einige Gemälde von Paul Weim an-Schrenau und Ottilie Kowarzik-Gießen neu ausgestellt. Kommende Woche findet wieder ein Wechsel der Gemälde statt und ein großer Teil der seither ausgestellten Silber gelangt zur Weitersendung. Die Ausstellung wirb wegen dieses Wechsels von Mittwoch an drei Tage geschlossen.

** Stadt-Theater. Am Sonntag den 16. No­vember gelangt der dreiaktigc Georges FeydeauscheSchwank Die Damc von Maxim" zur Aufführung. DieCre- vette" wird diesmal Frau von Stahl-Bünau,Dr. Peth- pon" Herr Zoder spielen.

** A1 wtne Wiecke beendigt am Samstag ihr von großem (Erfolge begleitetes Berliner Gastspiel und tritt dann sofort ihre Tournee an, welche sie in kommender Woche auch nach Gießen führt. Die Künstlerin tritt hier am Stadt-Theater bekanntlich am 20. November als Frau v o m M e e r e" auf.

Darmstadt, 14. Noo. Am 13. d. Mts. waren Ihre Aönigl. Hoheiten der Großherzog und Prinz Heinrich von Preußen nebst Gefolge morgens bis Stockstadt gefahren, um der Jagd desFrhrn. v.Hepl zu Herrnsheim in Gunters- hausen beizuwohnen. Am Bahnhof hallen die Lehrer von Stocksladt mit ihren Schulkindern Aufstellung genommen und brachten bei Ankunft der Höchsten Herrschaften ein Hoch aus. ES waren noch als Jagdgäste anwesend: Fürst zu Solms- Lich, Major v. Heyl und aus Frankfurt Exz. v. Lindequisl, Baron von Holzhausen und Baron Metzler. Das Resultat der Jagd waren 2 Rehböcke, 46 Hasen, 217 LapinS, 70 Stück wilde Welschen und 182 Fasanenhahnen. Nach Schluß der Jagd wurde ein Diner eingenommen und fuhren die Höchsten Herrschaften um 8.15 Uhr von Stocksladt nach Darmstadt zurück. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog und Prinz Heinrich besuchten noch von 9 Uhr ab die Vorstellung im Hoftheater. Heute und morgen werden noch zwei Groß- herzogliche Hofjagden stattftnden. Prinz und Prinzessin Heinrich werden ihren gegenwärtigen Aufenthalt nicht, wie ursprünglich geplant, bis zum 25. d. Nits., dem Geburts­

DemSortiere della Sera" zufolge verhandelte dieser Tage Staatsrat Scheremetew mit dem Vatikan über ben Besuch des Zaren beim Papst.

Dem Großfürsten Paul wurde nunmehr auch formell der Zaren hos verwiesen und ihm gleich­zeitig vom Zaren eine jährliche Rente von einer Million Francs aus den Einkünften der kaiserlichen Lrondomänen angewiesen. Großfürst Paul hat die Villa Purtulie" in Florenz gemietet, wo er bleibenden Auf- uithalt nehmen wird. ______________________

Aie Arotfrage

irr der Stadtverordneteu-Derfammlung.

Gießen, 15. Nov.

Stadtv. Krumm nahm in der letzten Stadlverord- netenfifcung das Wort zu folgender Ausführung: In einer Däckerversammlung haben die versammelten Jnnungsmeister einen Brotabschlag beraten. TerGieß. Anz." habe be­richtet, daß einige Meister bereit gewesen seien, den Laib Brot um 4 Pfg. billiger zu verkaufen, als seither, und daß die Mehrheit eine Verbilligung des Brotes abgelehnt habe. Er wolle die Frage ganz unerörtert lassen, vb unsere Backer zuviel verdienen, auch ob der jetzt verlangte Preis zu hoch sei, er meine aber, h ie städtische Verwaltung solle mit einigen der Bäcker sich ins Benehmen setzen, damit die Bevölkerung in der jetzt teuren Zeit billigeres Brot bekomme. Wenn einige Meister selber der Ansicht sind, daß bei dem heutigen billigen Mehlpreis der Preis des Brotes in Gießen um einige Pfennige zu hoch sei, so fei es ein Unrecht, wenn deren Kollegen darauf dringen, daß der hohe Preis beibehalten werde. Er sei kein Freund davon, daß man die Konsumenten einer Ware zu veranlassen sucht, diese von außerhalb zu beziehen von Lieferanten, die zu den Lasten der Gemeinde nichts beitragen, aber er sei auch kein Freund von Kartellen, von Ringen, die daraus aus seien, die Preise in der Höhe zu halten, jede gesunde Konkurrenz zu unterbinden. Es scheine chm, als ob es sich in Gießen bei den Bäckern auch um ein Ringelchen, wenn auch nur um ein kleines, handelt. Es werde naäy, (feiner Ansicht genügen, wenn der Bürgermeister mit den Leuten verhandelt, um diese zu veranlassen, den Brotpreis zu ermäßigen.

Bürgermeister Mecum bemerkt, daß er der Brot- preisfrage schon seit einiger Zeit nähergetreten sei. Er habe vor, in der nächsten Woche diese der Sozialpolitischen Kom­mission zu unterbreiten und dieser den Erschlag zu machen, Brot, wie in anderen Städten, als Wochenmarkts-Artikel zuzulassen, wenn die Bäcker mit dem Preise für den Laib Brot nicht 4 Pfg. abschlagen. Er sei der Meinung, daß dies der einzige Weg sei, wenn am Platze unter den Bäckern selbst bu Konkurrenz unterbunden sei, eine notwendige Kon­kurrenz damit äu schaffen.

Stadtv. Löber erklärt, daß chm die Ausführungen des Kollegen Krumm gefallen, daß er aber an Denen des letzten Redners keinen Gefallen ftndc. Es sei in der Bäcker­versammlung nur ein Brotabscblag von 2 Pfg. pro Laib in Antrag gekommen, und Darüber ließe sich ja vielleicht noch reden.

Ter Stadtv. Jughardt war schwer verständlich. Er bemerkte, man könne der Bäckerinnung nicht vorschreiben, welche Preise sie nehmen soll. Bürgermstr. Mecum be­merkt, baß er der Ansicht sei, wenn das Brot erst auf den Wochenmärkten seilgehallcn werde, und dort billiger zu haben sei, als bei unseren Bäckern, diese schon mit dem Preisabschlag folgen werden. Vielleicht komme es aber gar nicht dazu, vielleicht genüge schon diese Aus s prache, die Brot preise zu vermindern.

Stadtv. Pirr konstatiert aus einem Zeitungsblatt oom Mai, daß damals Gießen unter den aufgeführten Städten mit dem Brotpreise an drittletzter Stelle stehe. Redner verlieft diese Preise und geht dann zu den Rind­fleischpreisen über, wird aber durch allgemeine Schluß­rufe aus der Mille der Versammlung unterbrochen.

Bürgermeister Mecum bemertt, daß aus dieser Ta­belle ein Vergleich überhaupt nicht zu ziehen sei, well in den Städten mit höheren Preisen das Octroi noch be­stehe auf Brod und Mehl, welches wir aber abgeschafft haben.

Damit war die Debatte über diesen interessanten Gegen­stand beendet.

Gerichtssaal.

0. Gießen, 14. Nov. Schöffengericht. Der Pferde­händler Dr. von Watzenborn ist wegen D i e b st a h 1 s ange­klagt. Er Hal an einen Pferdefchlächler ein Pferd für 60 Mark verkauft und den Preis bar erhalten. Der Käufer nahm das Pferd in feine Koppel. Inzwischen fand sich jemand, der dem Angeklagten ur das Pferd 80 Mark bot. Dieser verkaufte das Pferd zum zweiten Riale, holte es aus der Koppel des ersten Käufers eigen­mächtig heraus und übergab es dem neuen Liebhaber. Den ©aeff- oerhalt erzählte er kurz darauf feinem ersten Käufer, der damit keineswegs einverstanden war. In diesem Thatbestaud findet dsö Gericht die Merkmale des Diebstahls und verurteilt den Ange­klagten zu zehn Tagen Gefängnis. cand. med. vet. K. aus Gießen ist wegen Quälerei feines Hundes angezeigt. Mangels belastenden Beweismaterials wird der Angeklagte freigesprochen.

M. Gießen, 14. Nov. Straffammer. Ten Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, die Staatsanwaltschaft ver­trat Gerichtsassessor Dr. Hetzel. Der Schneidermeister Friedrich Emil Schille aus Leipzig hat sich in diesem Sonnner in Bad Nauheim zur Kur ausgehalten und eines Tages von dort aus einen Spaziergang nach Steinfurth gemacht. In Steinfurth wurde ge­rade zu dieser Zeit ein Einbruchsdiebstahl verübt. Trotz seines Leugnens wurde der Angeklagte, der noch in unmittelbarer Stahe von Steinfurth ergriffen werden konnte, der Thäterschaft überführt, da mehrere spielende Kinder aus dem Fenster des sraglicheu Hauses einen Mann hatten springen sehen und an verschiedenen Kennzeichen sofort in dem Verhafteten den Einbrecher wiedererkannten; weitere belastende Jndieien ließen keinen Zweifel, daß der Angeklagte den Diebstahl begangen hatte. In der Folge stellte sich zudem heraus, daß in dem Angeklagten ein wiederholl rückfälliger, bereits mit langjährigen Zuchthausstrafen vorbestrafter Dieb ergriffen worden war. Mit Rücksicht auf die vielen Vorstrafen und die (Semem- gefährlichkeit des Angeklagten erkannte das Gericht auf eine zwer- lähriae Zuchthausstrafe, fünfjährigen Ehrverlust und Zulässigkeit von Polizeiaufsicht. Ter gegen Kaution auf freiem Fuß befindliche Angeklagte wurde wieder in Haft genommen. Ter Johannes Moll von Alsfeld hatte auf der dortigen Ortsslraße einen Gendarmeriewachtmeister während der Amtsausübung durch aller­hand Schimpfworte beleidigt und war deshalb vom Schöffengericht Alsfeld mit einer vierwöchigen Gefängnisstrafe belegt worden. Tie von ihm gegen das Urteil eingelegte Berufung wird als un­begründet foftenfdllig verworfen. Ter Landwirt Wilhelm Elos aus Neustadt war durch Strafbefehl, der von dem Schöffengericht Alsfeld bestätigt worden war, in eine Geldstrafe von 25 Alk. ge­nommen worden, weil er als Jagdpächter der Bernsburger Ge­meindejagd feinen Tachshund während der gesetzlichen Hegezeit von seinem Jagdgebiet über die Grenzen hinaus m fremdem Jagdgebiet jagen ließ Uebertretung des Art. 83 des hessischen Jagdstraf­gesetzes. Der Angeklagte bestreitet die Beschuldigung und behauptet, er sei eines Tage» nach seinem Jagdgebiet spazieren gegangen mit seinem Jungen, der alsbald den mitgenommenen Tachshund an­gebunden habe; auf dem Wege habe sich dieser losgemacht und sei weggelaufen, ohne daß ihn, den Angeklagten, ein Ver-schulden treffe. TaS Gericht hielt für nicht erroiefen, daß der Angeklagte mittels des Hundes die Jagd ausgeübt habe in welchem Falle übrigens nicht eine Ueberrretung^ des Art. 33 des Jagdstrafgesetzes, sondern em Jagdvergehen im cmne des Reichsstrasgejetzbuchs oorlicge sondern nahm lediglich eine Uebeitrctung des Art. 25 des Jagd- ftraigefeges als gegeben an, nach welcher Bestimmung bas freie Herrmlaufenlasfen emes Hundes in fremdem Jagdgebiet in cuier

größeren Entfernung als IOC Schritte von den erlaubten ver» bmbungsroegen strafbar ist. Tie Fahrlässigkeit des Angeklagten erblickte das Gericht darin, daß er es nicht verhütete, dag sein Junge den Hund laufen ließ, bezw. nicht Dafür sorgte, daß derselbe ordentlich angebunden war. Mit Rücksicht auf die Geringfügigkeit des Tellkts setzte das Gericht die Geldstrafe auf 5 Alk. herab. Tie Pnoatklagesache Hoeres gegen Block wurde zwecks Verkün­digung der Entscheidung auf den 21. d. 9JL vertagt. Gine zweite Sache wurde zwecks weiterer Beweiserhebung ausgesetzt.

! Marburg, 14. Nov. Am 81. Dezember v. ö- erschoß der kgl. Förster Klinger im Walde bei Hatzfeld im Kampfe mit Wilderern in der Notwehr einen bekannten Wilddieb namens Stenger aus Langenzanna. Am 9. Februar hatten an derselben Stelle vier Förster, darunter auch Klinger, abermals^ einen Zu­sammenstoß mit zwei Leuten namens Schnorr und sorge, von denen der erstere em Gewehr, der letztere einen Rucksack trug. Heute verhandelte die Strafkammer wegen Wilddieberei gegen diese bei­den Männer. Es wurden nicht weniger als 17 Zeugen und vier Sachverständige vernommen. Schnorr wurde schließlich zu einem Monat Gefängnis und sein Genosse zu 40 Mark Geldfirase ver- nrte.lt- ,

ynü.i£i|iIat5-ilfldjnri)ÜH.

fc. Darmstadt, 14. Nov. Gegenüber der Mitteilung des .Vorwärts" über die 91 i ch t z u l a j s u n g von 2 r u s s i s ch e n Studenten an der Technischen Hochschule erklärt das Rek­torat: Es ist unrichtig, daß der eine Der beiDen Studenten an Der hiesigen Hochschule bereits immatrikuliert gewesen sei. Der­selbe hatte leDiglid) seine Papiere im Sekretariat zur Prüfung ab­gegeben und der besonderen Bestimmung für Ausländer gemäß, das Minimum an Unterrichtszeit) im Voraus entrichtet. Aiis den Papieren ergab sich, daß der beireffcnbe oluDent nicht einmal, sondern innerhalb Jahresfrist xroeunal von einer ruh sichen Universität ausgeschlossen ivar. Auf Grund dessen wurde die Aufnahme an unserer Hochschule verweigert und dies Dem Herrn im Sekretariat (nicht vom Rektor) eröffnet. Ter Zweite konnte kein Abgangszeugnis von Der vorher besuchten russischen Hochschule vor­legen und so erhielt er, ebenfalls Durch Das Sekretariat, Den Be­scheid, Daß über seine Aufnahme erst oerhandell werden könne, wenn die nötigen Papiere vollständig seien. Stach einigen Tagen erklärte Dieser Herr, ohne Das fefflenDe Zeugnis erbracht zu haben, daß er sich an eine andere Hochschule wenden^ werde, und erhob ebenfalls den eingezahlten Betrag von Der Kasse zurück. Mit der Vorauszahlung des 'Minimums an Unterrichtsgeld erwirbt der sich Anmeldende keinerlei Aufnahmerechte.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt ulu uiucc otefer Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Schon seit Jahren ist es dem Einsender diese- aufgefallen, daß an der Main-Weferbahn sowohl, wie an der Kölu-Gießener- Bahn immer und immer wieder neue Stationen entstehen, Die doch zweifellos von der Eiseuhahnbehorde als rentabel aner­kannt und Dementsprechend auch von dieser auSgefüffrt und mit ihren Kosten bedienstet werben. Es entsteht deshalb Die Frage: -Warum muß bei Errichtung einer S t ation »Gießen-Nord* )ie Stadt Alles und Alles und auch noch Die Bedienung auf Ja-re hinaus tragen, während bei den oben erwähnten Stationen die Gemeinden höchstens die Zufuhrslraßen herzustellen haben?' «. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Zellstofffabrik Waldhof, Mannheim. Bei der Gesellschaft, welche ein ähnliches Unternehmen, Zellstofffabrik Waldhof in Pemau in Rußland, besitzt, dessen 3 Mill. Mk. Aktien vollständig im Besitze Der Mannheimer Gesellschaft sind, soll, wie uns mitgeteilt wird, Der Absatz sich Derart gehoben haben, daß die bestehenden Anlagen vollständig im Betrieb sind. Der für später vorgesehene weitere Ausbau Des Werkes soll schon jetzt vorgenommen iverden.

Siemens n. HalSke, -llticn-Gesellfchaft, Berlin. Tie Bilanzsitzung findet in Den nächsten Tagen statt. Ter Abschluß »st noch nicht fertiggestellt, sotveit sich aber überblicken läßt, werden 3 pEt. (L B. 8 pEt.) Dividende zur Verteilung gelangen.

Der Auffichtsrat der Mafchineubau-Attien-Gefellschafl Humboldt in K a l f bei Köln beschloß, 5 pEt. Dividende vorzu- schlagen (L V. 6 pEt.).

Die Union, Aktien-Gesellschäft für Bergbau in Dortmund, wird den ersten Hochofen auf dem Werke in Horst bei Steele am 20. d. M. anblafen.

Die 4proz.steuerpflichtigen und steuerfreien Lemberg« Czernowitzer Cifenbahu-Lbligationen von 1884 sind vom 17. November nur unter Vergütung der bei der Besorgung der neuen Eouponsbogen entstehenden Roften lieferbar.

Tabak. Im Lause Der vergangenen Woche wurde mll dem Einkauf in DenEigarrenorten" Des Neckarthales, im Brurhein und einigen Württemberger Orten durch das Eingreifen des ersten Mannheimer Hauses begonnen, es haben sich die Hoffnungen der Händler, daß Der Tabak Diesmal in abgehängtem Zustande gekauft werden könne, also wieder einmal n:cht erfüllt. Es wurden in den einzelnen Orten Preise von 2125 Mk. angelegt, die in An­betracht der schweren, teilweise unreifen und erfrorenen Jabafe als seyr hohe bezeichnet werden müssen und die nach unserer An­sicht 67 Mk. zti hoch sind. In abgehängtem Ziistande wären von richtig beurteilenden Händlern wohl niemals mehr wie 1618 Mark bezahlt worden. Daß Die Produzenten zu Den sehr hohen Preisen em vergnügtes Gesicht machen, läßt sich wohl denken, da selbst die größten Hoffnungen derselben noch übertroffen wurden. Ob sich der Handel hinreißen läßt, auch im badlscheii Oberlande, wo Die Forderungen noch größere sinD, Den Kauf zu beginnen, wird Die kommende Woche zeigen. Wir erinnern an Den ebenso kräftigen Jahrgang 1895, Der Damals jeDoch Durchschnittlich reif war, an welchem Der Handel trotzdem viel Gefd einbüßte; genau so kann sich in diesem Jahre wiederholen. Wenn in dieser Weise noch einige Jahre fortgewurstelt wird, erachten roir den Moment als feffr bald eiutreffend, daß dem Staate das Rohmonopol offne Ent­schädigung zufällt. In alten Tabaken war es während Der Be- nchlswoche ruhig, Umfätze sinD uns nicht bekannt geworden. Lose pfälzer Rippen geschäftslos, lose feine 910 All., gebündelte 11 diS 12 Mark. Märkte.

Gießen, Ib.Nov. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butterpr.Pfd. 0,851,10 SDiL, Hühnereier pr. St. 79 Pfg-, 2 Stck. 00-00 Pfg., Gänseeier 00-00 Pfg., Enteneie 0OPfg., Ka>e vr. Stck. 59 Pf., Käfematte2Stck. 5OPfg., Erbsen pr.Lite» 20Pfg. Linsen pr. Liter 32 Pig., Toubenpr. Paar 0,700,90'2311., Hühner pr. ct 0,901,40 All., Hahnen pr. Stück 0,751,60 Alk., Enten pr. Stück 2^02,80 Mk., Gänse pr. Pst». 5064 Pfg., Lchsensletsch pr. Pfund 6676 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg., od)roeüi£- sieisch pr. Pfund 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6872 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5O7o Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kar. 4,505,20 Alk., Weißkraut per Stück 0000 Psg., Zwiebeln pr. Zentner 3,303,50 Alk., Alilch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 000 Pfg., in Körben 0000 Pfg. Trauben 0000 Pfg.

Tte Marktzeu Dauert von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr. Gegenstände Des Wochenmarktverkehrs Dürfen vor Begum Der Marktzeit überhaupt nicht und während Der ersten Drei Stunden Der Alarktzeit nur auf Den Dafür bestimmten unö angewiesenen VetckaufSpiatzen, also auch nicht im Umherzlehen, feilgeboten werden.

tage des Großherzogs, ausdehnen, sondern voraussichtlich schon am 18. d. MtS. die Rückreise nach Kiel antreten. Am 20. d. MtS. beabsichtigt Prinz Heinrich dott seinen Dienst anzutreten, auch will er bei der Begrüßung des Kaisers nach desien Rückkehr von der Englandreise m Kiel anwesend sein.

Bingen, 14. Nov. Die Nachrichten über hier, bei Mainz, Rüdesheim, Köln rc. gefundenen Dy na mit- Patronen lösen sich in allgemeines Wohlgefallen auf. Die mit Gruseln betrachteten Dinger entpuppten sich als harm­lose Feuerwerkskörper.

Marburg, 14. Nov. Seit dem Einzug des T-r. Böckel in den Reichstag als Vertreter des Wahltteises Marburg- Kirchhain-Frankenberg-Vöhl war der Wahlkampf hier immer recht lebhaft. Verschiedene Parteien suchten den Sieg auf ihre Seite zu bringen; dank der großen Zer- plitterung gelang cs, aber Böckel immer wieder, für unseren Wahlkreis als Vertreter in den Reichstag zu ziehen. Auch jetzt hat hier der Wahlkampf bereits einen Anfang genommen. DZährend Konservative, Antisemiten, Zenttum usw. noch immer geheime Besprech­ungen abhalten, zieht der nationalsoziale Kandidat, Redakteur v. Ger lach, bereits von Dorf zu Dorf und hält Wahlversammlungen ab. In aller Kürze trifft, noch ein weiterer nationalsozialer Führer ein, um ihm hilfreich zur Sette zu stehen. Ter frühere nationalsoziale Verleger Bader, hat sich indes als sozialdemokratischer Kandidat aufstellen lassen.

Hanau, 14. Nov. Die Handelskammer hat in ihrem Bezirk Erhebungen über die Lage des Arbeitsmarktes angestellt. Zu diesem Zivecke fand bei etwa 200 Fabrika­tionsfirmen des Bezirks eine Umfrage statt. In der Edel­metallindustrie hat nur bei einzelnen Betrieben eine Ver­minderung der Arbeiterzahl stattgefunden; einige Firmen besetzten die durch freiwilligen Fottgang entstehenden Lücken nicht wieder. Im Allgemeinen hat eine Verminderung der Gesamtarbeiterzahl nicht stattgefunden. In den Zigarren- fabrifen haben keine Arbeiterentlassungen statt- gefunden, doch sind in einzelnen Fällen Die Abgänge nicht wieder besetzt worden. Kürzungen der Arbeitszeit sind nur in geringem Maße notwendig gewesen, höchstens bis zu einer Stunde täglich. Eine Aenderung in den jetzigen Verhältnissen wird nicht für wahrscheinlich gehatten.

Fulda, 14. Nov. In der Stadtvcrordneten- sitzung stand als erster Punkt auf der Tagesordnung die Aufhebung der Fleischsteuer in der Stadt. Die Kommission erklärte, daß Der dadurch entstehende Ausfall von 30 000 Mark durch Erhöhung der Einkommen-, Grund- und Gebäude- und Gewerbesteuer gedeckt werden könnte. Außer­dem könnte auch die jetzt zu zahlende Steuer wenigstens reduziett werden und Dafür eine Wild-, Geflügel- und Deli­katessensteuer zur Einführung kommen. Nach zweistündiger Diskussion wurde auf Antrag des Stadtv. Dr. Kind der Kommissionsantrag an die Etatskommission verwiesen. Ist erst ein Weg gefunden, auf welche Art der Ausfall von 30 000 Mark gedeckt werden kaun, dann ist die Abschaffung der Fleischsteuer gesichert.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Im Kreise Wetzlar wurden nach der hessischen Landtaaswahl 12 Versammlungen der T rutsch sozialen abgehalten. Ueberall redete der Redatteur Reuther aus Offenbach. TieVolkswacbt" behauptet, daß die Aussichten in diesem Kreise bei den bevorstehendem Reichstagswahlen für die deutfchsoziale Reformpartei die besten seien. In Langenselbold haben die Bäcker­meister einen Brotpreis-Abschlag ein treten lasten. Finanzminister Dr. Gnauth stattete der Alsfelder Möbelfabrik einen Besuch ab. In Ober-Breiden- bach wurde der seitherige Bürgermeister Johs. Fischer mit 76 Stimmen einsttmmig wiedergewählt.