(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten; Widerspruch und Unruhe rechts.)
Präsident Graf Ballestrem: Ich glaube, daß darüber, ob baS möglich ist oder nicht, der Abg. Himburg selbst fern Richter ist (Lebhafte Zustimmung), und daß hier Niemand angestellt rst, die Geschäfte deS Hauses zu kontrolrren, als t ch. (ErneMe lebhafte Zustumnung.) Ich wahre da§ Recht gegen alle Parieren.
Dbg. Bebel (Soz^): ES lag mir fern, Beleidigungen aussprechen zu wollen. Wir haben uns auch nicht anmatzen wollen, in die Geschäfte der Präsidenten hineinzureden.
Damit ist der Zwischenfall erledigt.
ES folgt die Berathung über § 10. Er bestimmt nach der Re- aierungSvorlage: Die Zölle können auf Antrag gegen Sicherheitsleistung für eine Frist bis zu drei Monaten nach näherer Anordnung deS Bundesraths gestundet werden Von der Stundung ausgenommen sind die Zölle für Getreide, Hülsen fruchte, Raps und Rübsen sowie für dre daraus hergeftellten Müllerei- und Mälzereierzeugnisse.
Die Kommission hat hinter dem Worte „Rübsen" noch die Worte „Sämereien und Saaten" eingefügt.
Dbg. Brömel (fteis. Vgg.) bezw. die Abgg. Albrecht u. Gen. (Soz.) beantragen, die Ausnahmen von der Stundung (Getreide rc.j zu streichen.
Außerdem beantragen die Sozialdemokraten, nn ersten Satz statt der dreimonatlichen eine sechSmouat- l r ch e Frist zu gewähren.
Dbg. Fischbeck (fteis. Vp.)' spricht sich im Sinne deS Antrag? Brömel aus. Wenn man keine Zollkredite gewähre, so werde das zu einer gaiiz unerhörren Belästigung des deutschen Handels führen.
Vicepräsident Büsing theilt mit, daß die Abstimmung über den mit dem Antrag Brömel übereinstimmenden Antrag Albrecht und Genossen eine namentliche sein werde. (Unruhe rechts.)
Aba. Haase (Soz.) begründet die sozialdemokratischen Anträge. Wer sich nicht durcb agrarische Redensarten bethören lasse, muffe diesen Anträgen zustimmen. m .
Dbg. Brömel (fteis. Vgg.) begründet ausführlich dre Noth- wendigkeit der Zollkredite für Getreide.
Abg. Graf Schwerin-Löwitz (kons.) hält gerade die Beseitigung der Zollkredite für Getreide, Hülsenfrüchtc u. s. w. für eine wesentliche Verbesserung des bisherigen Zustandes. Der Getreide- handel werde schon genügend durch die Emfuhrscheine begünstigt, indem auf diese der Zoll, der bei der Einfuhr gezahlt werde, bet der Ausfuhr zurückerstattet werde. Da könne doch nicht noch die Stundung der Zölle verlangt werden. Redner geht sodann auf die Schlußbestimmung des § 10 ein. Danach sind im Falle der Aufnahme der von der Stundung ausgenommenen Produtte in ein Zolllager (öffentliche Niederlage oder Privatlager mit oder ohne amtlichen Mitverschluß) bei der Ueberführung dieser Maaren m den freien Verkehr die zu entrichtenden Zollgefalle für die Dauer der Lagerung mit 4 Prozent nach den vom Bundesrathe zu erlassenden Vorschriften zu verzinsen. Redner kündigt für die dritte Lesung für den Fall der Ablehnung seine? Antrages auf Aufhebung der gemischten Transitlager einen Antrag auf Erhöhung des Zinssatzes von 4 auf 5 Prozent an.
Abg. Herold (Centr.) befürwortet einen von Mitgliedern des Centrums und der Rechten eingcbrachten Anttag, die von der Kommission eingefügten Morte „Samen und Sämereien" wieder zu streichen, also für diese Maaren die Zollkredtte entsprechend der Regierungsvorlage forrbestehen zu lassen.
Damir schließt die Erörterung.
Der sozialdemokratische Antrag auf Verlängerung der Frist von 3 auf 6 Monate wird in einfacher Abstimmung abgclehnt.
Der Antrag Herold wird angenommen.
Ter Antrag Älbrecht-Drömel wird in namentlicher Absttmmung mit 183 gegen 61 Stimmen abgelehnt.
Schriftführer Abg. Himburg, der diesmal persönlich die Zettel einsammelt, ist zuerst damit fertig, lieber das lebhafte Bravo, da? ihm dafür zu Theil wird, quittirt er unter der Heuer« kett deS Hauses mit einer dankenden Verbeugung.
Die Abstimmung hat 10 Minuten gedauert.
Hieraus wird der ganze Paragraph mit der durch den Anttag Herold bewirkten Veränderung gegen die Stimmen der Linken angenommen.
DaS Hau? vertagt sich.
Nächste Sitzung: Sonnabend 1 Uhr. (Petitionen.) Schluß 5X Uhr.
Parlamentarische-.
Berlin, 14. Nov. Im Reichstage wurde heute mit aller Bestimmtheit verbreitet, die V e r st ä n d i g u n g ü b e r den Zolltarif sei eine Thatsache und zwar sei sie auf Grund der Erhöhung des Minimalzolles für Gerste um 50 Pfg. über den Tarifentwurf hinaus erzielt worden. Im Zusammenhang damit tauchte wieder das Projekt auf, nach dem Abschluß der zweiten Beratung des Tarifgesetzes sofort die dritte vorzunehmen und baldigst durch endgiltige Feststellung des § 1 desselben die Verständigung zu konstatieren. Temgegew- über bemerkt die „Nat.-Ztg.", die Erhöhung des Gerstenzolles wie überhaupt jede Erhöhung und jede Vermehrung der Mindestzölle gilt nach unseren Informationen nach wie vor für ausgeschlossen.
— Reichskanzler Graf v. Bülow verweilte heute im Reichstag und hatte eine längere Besprechung mit dem Präsidenten Graf v. Balle st rem.
— In der heute begonnenen Besprechung der Sachverständigen über Einleitung einer Enquete betreffend das Karteltwesen hob Graf Posadowskh hervor, daß die Reichsverwaltung in vollkommen objektiver, sachlicher Weise für eine Reihe der wichtigsten Kartelle konttabiktv- rische Verhandlung übe. Tie von verschiedenen Seiten Vvr- aebrachten Thatsachen veranlaßten den Wunsch^ daß sie einen Beirat von verschredenen Sachverständigen über die zweck- mäßigsten Formen einer solchen Untersuchung erbitte, um auf Grund der Ergebnisse dieser Erörterung zunächst mit den übrigen beteiligten Reichsftellen und Bundesregierungen ins Benehmen zu treten zwecks Herbeiführung von eigentlichen einzelnen Beratungen. Als die hauptsächlichsten Gegenstände der heutigen Vorbesprechung bezeichnete der Staats) errelär die Fragen, welche Kartelle in die Untersuchung einzubeziehen, welche Fragen bei den kontradikdo- rischen Verhandlungen zu erörtern und welche Formen für letztere festzulegen seien. Tie Versammlung trat alsbald in die Beratung dieser Fragen ein. lieber den Verkauf und das Ergebnis der Verhandlungen würde demnächst eine ausführliche öffentliche Berichterstattung erfolgen.
— Tie „Dtsche. Tagesztg." dementiert die Nachricht eines süddeutschen Blattes, wonach das Ergebnis der ,Verhandlungen zwischen der Negierung unb den Konservativen nebst Agrariern dahin gehe, daß die Konservativen bis auf 10 Abgeordnete bereit )eien, den Zolltarif.schließlich anzu- nehmen.
— Für morgen ist ein S ch w e r i n s t a g in Aussicht genommen, da die Beschlußfähigkeit des Reichstages für den letzten Tag der Woche kaum aufrecht zu erhalten sein würde.
Aus Zrlaöt und Land.
*• Personalnachrichten. S. K. H. der Großherzog hat Allergnädigst geruht, zum 14. November dem evangelischen Pfarrer Friedrich Hellwig zu Büdesheim, Dekanat Rodheim, den Charakter als Kirchen rat zu er» 'teilen.
I. I. K. K. H. H. der Großherzog und Prinz Heinrich von Preußen waren gestern zur Jagd bei Frhrn. Heyl zu Herrnsheim; heute findet im Riedhäuser Wald, morgen in der Dornberger Fasanerie Jagd statt, woran Ihre Kömgl. Hoheiten teilnehmen.
Bingen, 14. Noo. Zu dem bedauernswerten Unglücksfall in Biebelsheim, wo vier Menschenleben den tückischen GährungSgasen zum Opfer fielen, wird des Näheren gemeldet: Der Landwirt Philipp Greß sah, wie in seinem Weinkeller, wo der neue Wein lag, ein Faß übergährte. Er wollte mtt dem Heber etwas abziehen, hatte aber kaum den Keller betreten, als er, von den giftigen Gasen betäubt, zusammenstürzte. Seiner Frau dauerte eS zu lange, bis ihr Mann zurückkam und sie eilte ihm nach m den Keller, um ebenfalls betäubt liegen zu bleiben. Der 29jähr. Tochter ging eS kurz darauf ebenso, auch schließlich noch einem kleinen Enkelkind, das auf Besuch von Essen, wo feine Eltern wohnen, bei den Großeltern weilte. ES kam an die KellerthÜr, sah die drei Toten liegen und lief hinunter um ebenfalls besinnungslos hinzufallen. Etwa zwei Stunden später kamen die beiden Sühne vom Felde nach Hause und wunderten sich, daß Niemand da war. Sie kamen beim Suchen an den Keller, holten sofort die Nachbarn zu Hilfe und schafften die vier Derunglückten, welche sämtlich tot waren, heraus. Der Mann hatte noch den Heber in der Hand, seine Frau hiett chn fest umschlungen, die Tochter hatte daö Enkelkind auf dem Arm. — Gestern nachmittag fand die Bestattung der vier Personen statt. Etwa 800 Personen hatten sich — zum Teile auS meilenweiter Entfernung — zur Trauerftier eingefunden. Einen erschütternden Anblick boten die im Hoft deS Trauer- hauseS stehenden Särge. Beim Begräbnisse wurde der Mann, der den Krieg von 1870 mttgemacht hat, vom Kriegerverein, ftme Frau vom Gesangverem, die Tochter vom Turnverein und daS Kind von Schulkindern getragen. Hinter den Särgen folgten hunderte von leidttagenden Frauen und Männern. Auf dem Friedhöfe wurden sämüiche Särge in
ein einziges großes Grab versenkt, worauf die Schulkinder ein Lied vortrugen. Darauf folgte die Einsegnung, woran sich ein Trauerchoral des Gesangvereins anschloß. Während der ganzen Feier standen die Fähnriche der Vereine mtt gesenkten Fahnen um das Grab. Zuletzt krachte eine dreimalige Salve des Kriegervereins über das Grab, worauf der Trauergottesdiensl in der Kirche stattfand. Das Ehepaar waren je 53, die Tochter 28 und das Enkelkind 31/, Jahre alt.
WieSba den, 14. Noo. Polizeirat Rumpf, ein Sohn des m Frankfurt a. M. ermordeten Polizeirats Rumpf, der zwei Jahre hier als Polizeiassessor thätig war, und im Juni d. I. als Polizeirat nach Stettin versetzt wurde, wurde vor einigen Wochen irrsinnig und ist in einer Heilanstalt in Stettin untergebracht worden.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Eberstadt starb im Alter von 86 Jahren der frühere Bürgermeister Philipp Görlach. — In Bad Nauheim feiert der älteste Mannergesangverein „Frohsinn" anfangs Juli 1903 sein 60jähriges Jubelfest und verbindet damit einen nationalen Gesangwettstrelt. Der Großherzog stiftet einen Ehrenpreis, und eine Kunstanstalt in Wiesbaden liefert die neue Fahne. — Der in Wiesbaden verstorbene Prinz Heinrich zu Waldeck und Pyrmont war seit 1881 mit Gräfin Auguste zu Psenburg und Büdingen vermählt, welcher Ehe mdeß ferne Kinder entsprossen sind. — In einer Mainzer Volksschulklasse steckte ein Schüler einem anderen einen Brief zu, welcher folgenden Wortlaut hatte: „Kraft einer Beleidigung, die Du mir zugefügt hast, ordere ich Dich hiermit zum Duell. N. N." Der Lehrer hielt dem Schüler einen besonderen Vortrag über den „Duellunfug". — Ein in Darmstadt erscheinendes Blatt brachte unlängst eine Illustration aus Charlottenburg mit der Unter» chrift „Die neue Charlottenburger Kunst koch schule". Es ist das wohl ein Komplex palastähnlicher Gebäude, der beweist, wie hoch die Kochkunst bei uns in Ansehen steht. Oder ollten es die neuen Kunst hoch schulen sein? — In der letzten Sitzung des Provinzialausschusses für Rheinhessen wurde durch eine Anzahl Zeugen festgestellt, daß der Bürgermeister in Ober-Saulheim gelegentlich der im August vorgenommenen Neuwahl eines Bürgermeisters sich cme doppelte falsche Beurkundung hatte zu Schulden kommen lassen. Der Bürgermeister hatte einen Einwohner Ober-Saulheims in die Wahlliste eingetragen und später wieder ausgestrichen, ohne ihm davon Kenntnis zu geben. Der Bürgermeister hat die Thatsache in Abrede gestellt.
Vermischtes.
* Paris, 14. Tcuo. Iujoi^ Der von_der Presse gemachten Enthüllungen hat der Gerichtshof den französischen Konsul in Pern angewiesen, Nachforschungen anzustellen, ob die Humberts sich in Peru aufhalten. — Die Verhaftungen in der.Boulaine-Affaire dauern fort Es bestätigt sich, daß der Appellgerichtsrat Andri eux sich unter den Angeklagten befindet. Eine Haussuchung ist bereits bei ihm vorgenommen worden. — Von den Delegierten der republikanischen und sozialistischen Klubs ist gegen den Abgeordneten und Bürgermeister von Avignon, Pourquery de Boisse- rin, ein gerichtliches Verfahren beantragt worden. Derselbe wird beschuldigt, städtischeGelderzuWahl- zwecken verwendet zu haben.
* Budapest, 14. Nov. In St A. Uhjeli steckte ein Fleischcraehilfe das Haus seiner Eltern in Brand, weil diese chm eine "Geld-Unterstützung verweigert hatten. Tie Eltern sowie drei andere Per|vnen kamen in den Flammen um. Der Brandstifter wurde verhaftet
*EinEreigniSaufdemGebietederStädte- kanalisation bildet die ministerielle Genehmigung des Kläranlageprojekts der Berliner Dillenkolonie Grünewald. Ter Genehmigung waren lange Prüfungen und Verhandlungen vorangegangen; nicht weniger als sieben hohe und höchste Staatsbehörden hatten sich daran beteiligt Tie Kur- fürstendammgesellschaft, welche das Projekt betreibt, hatte eine Probeanlage gemacht, welche die Abwasser der Werkstätten des Grunewalder Güter- und Rangierbahnhofs auf» nahm und behandelte. Bei dieser sich über mehr als Jahresfrist erstreckenden Probe hat sich die Klärung der Abwasser nach Maßgabe des sogenannten biologischen Systems vollständig bewährt Tas System besteht einfach in der Leitung der Abwässer durch einige mit Kohlenstücken besetzte Filter, welche alle Fäkalteile Lurückbehaltcn und das Wasser absolut gereinigt, geruch- und geschmacklos abgeben. Man hat als letzte Probe ber Reinheit in ein aus der Filter gespeistes kleines Bassin in der Versuchsstation Goldfische gesetzt, welche sich darin chreS TaseinS erfreuen. Tre Lahnverwaltung Grünewald hat sich bereit erklärt, die filtrierten Wässer für chre Dampfkessel aus den gereinigten Abwässern $u beziehen, da diese keinen Kesselstein absetzen. Der Rest kann ohne ieben Schaden der opret zugeführl werden. Tie Kosten der definitiven Anlage ber Fillerstation für die VillenLolonie Grünewald, ein i GÄiet von über zweihundert Hektaren, werden 200 000 Mk.
'n Frau im Irrenhaus
mtcr eine schwer.
) (Australien) kommt die
nicht überschreiten. Tie Konzession dieser Anlage ist von außerordentlich großer prinzipieller Bedeutung. Ta der Erwerb von Nieselgütern nicht mehr nötig sein wird, so ist auch kleineren und wenig leistungsfähigen Gemeinden der Weg geöffnet, mit Hilfe der nach biologischem System eingerichteten Kläranlagen die hygienisch so wichtige Kana,
Weise cntlcbigt. k
* Eise nbahnun fälle Infolge starken Nebels kollidierte ein gemischter g auf der Station Schwatz (Böhmen) mit einem Güterzug' wobei dr ci Personen Verletzungen erlitten. — In der Nähe von Namur (Belgien) fuhr ein Güterzug /nem Personenzug in die ecite. Bei dem Zusammenstoß warben zwölf Reisende durch Quetschungen leicht öe. .eßt Eine Dame erlitt durch aussttömenden Dampf t »ere Verletzungen. — Bei Peng am, in der Nähe vonen rbiff (England) entgleiste ein Eisenbahnzug der Great ern-Eisenvahn. 17 Per- onen wurden verletzt, mtcr eine schwer.
♦ Erdbeben. Aus Auck^ > (Australien) kommt die Melbnng vom Ausbruch ei^ s Vulkans auf Sa-
lasation vorzunehmen.
* Straßburg i. E., 14. Nov. Tas Gerücht von der
Unterbringung einer gefun
ruft hier große Erregung he or. Nach Mitteilungen der ,-Bürgerztg." soll auf '3erai u jung eines vornehmen Elsässers und früheren 25eigei>u eten der Stadt Straßburg eine Witwe, obwohl sie geistig gesund sei, in eine Irrenanstalt gebracht worden sein. Angeblich hatte der Herr mit der Witwe nähere Beziehungen unterhalten und sich bann ihrer, als sie ihm unbequem roui'te, auf die oben angegebene
v aiu ' 1
Kunst uni» Mstilschaü
Felix Phil,ppi und die Aküstik int Wiener Burg, theater. F. Phüippi's Schauspiel „^'as große Licht^ bat, ivie ehr auch die Meinungen über den künstlertfchen Erfolg gelettt fein mögen, dem Burgtheater au Wien cmenZehr bedeutenden Erfolg ür die — Atusttt des Hauses gebracht, oeit jeher wird darüber geklagt, daß im neuen Burgtheater wegen der Höhe des Hauses der gewöhnliche Konversationston der Schauspieler nicht in allen Rängen gehört wird und daß der innige Kontatt von Buhne uni Parkett ,m neuen Haufe verloren gegangen fei. Seil der Aufführung des „Großen Lichtes' hört man nun allgemein die Ansicht äußern, daß jetzt die Akustik des Hauses bedeuteitd besser sei. Slud) der technischen Leitung des Burgtheatcrs wie den Darstellern war diese Beobachtung nicht entgangen, und man entdeckte, daß die tm Stück vorgeschricbene Domkuppel auf der Höl)e des Schnürbodens diesen ver bell ertöt Zustand bewirkt habe, inbem sie als Schallreflektor wirke. Ter letzte Akt des „Großen Lichtes" spielt bekanntlich in der Kuppelhöhe des Domes, und diese Tomkuppel schwebte während der vorangehenden Akte forme bei späteren, anderen Uu'- iührungen dem Pnblikmn unsichtbar m der Höhe des Schnürbodens. Bor dem letzten Akt des „Großen Lichts" wurde die Kuppel jcöc .- mal herabgelaffen. Es war nun klar, daß die Berbe|serung der Akustik dieser mächtigen Holzkuppel zu danken war, uno man beschäftigt sich im Burgtheater mit der Frage, wie man diese oder eine andere, vielleicht noch besser konslruiene Kuppel als Schallreflektor zu einer ständigen Einrichtung der '^ühne machen köiine. So hat F. Philippi, ohne es beabsichtigt oder geahnt zu haben, mit seinem „Großen Licht" dem Wiener Burqchealer den Weg zu einer guten Akustik gewiesen^
Arbeiterbewegung.
Leus, 14. Nov. Im Kohlenbecken Pas de EalaiS ist die Nacht ruhig verlaufen. Ter Ausstand wird als beendet angeichen. In den meisten Gruben ist die Arbeit in vollem Umfange wieder ausgenommen.
Neueste Alewuiigen. "7
Berlin, 15. Nov. Bei den Gew erbe genchtS- Wahlen von den Arbettgeberbeisitzem wurden 66 bürgerliche unb 4 foztalbemokratttche Arbeitgeber gewählt.
London, 15. Nov. Von den Azoren wird gemeldet, daß bort ber norwegische Dampfer .Telephon" nach Verlust ber Masten zu sinken begann. Ein Teil der Mann- schäft würbe gerettet unb in St. Michaile gelanbet 13 Mann ber Besatzung, barunter alle Offiziere ftnb ertrunfen.
San Franzisko, 15. Nov. Erne hiesige angesehene Firma erhielt aus Guatemala btc Melbung, daß dort ber Vulkan Santa Maria immer noch in Thatigkett fei.
Wellington, 15. Nov. Der englische Dampfer „Riguin" melbete, baß ber Dampfer „EllrngSwate" schrc ckliche Entbehrungen burchgemacht hatte, «tu Mannschaft war fünf Tage ohne Nahrung. Mehrere Mann verfielen dem Wahnsinn, sprangen inS Wasser und ertranken.
Marseille, 15. Noo. Der Grubenarbeiter, AuSstanb im Mittelbaffm ist beendet.
Kapstadt, 15. Nov. 700 Einwanderer liegen hier hilflos da. Man erlaubt ihnen nicht btc Fortsetzung ihrer Reise nach Transvaal. Der Gouverneur tele- oraphiette an Milner, um btc ErlaubmS ber Leute zu de- schaffen — In ber gesetzgebenden Versammlung teilte der Premierminister mit, daß Chamberlain eine Rundreise öurd) btc bebeutenberen Stabte unb Distrikte, * -ländliche unb englische, unternehmen werbe, um sich mit ben veychte- denen Nationalitäten bekannt zu machen.


