Ausgabe 
15.9.1902 Erstes Blatt
 
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ist.

Es

der Denk-

Mo ine*

l egen morgen aus.

Darmstadt, 13. Sept- Ein Telegra/inm der Kaiserin von Rußland anläßlich mals-Enthüllung. Oberbürgermeister weg sendet folgende Bekanntmachung: mir eine angenehme Pflicht, nachstehendes Telegramm,

amtlichen Entwürfe zum Schutze der Bauforderungen das Signal zum Abschlüsse dieses Themas beoeuten!

Zur Erholung nach des Tages Arbeit folgten die Teil­nehmer (ohne Tarnen; am Mittwoch einer Einladung der Stadt Berlin in die prächtigen Räume des Rathauses, am Tonnerstag fand Festvorstellung im Neuen königlichen Lperntheater (gegen Zahlung der üblichen Kassenpreise statt, wo nach einem Prolog Carmen glanzvoll aufgeführt wurde. Heute abend ist Festessen im Zoologischen Garten, Samstag nachmittag Ausflug nach Wannsee, wo ein Tänzchen die Feierlichsten abschließt.

Aus Ztüdt und Sani).

Gießen, 15. September 1902.

" Auszeichnungen. Der Groß Herzog hat der Freifrau Sophie Heyl zu Herrnsheim in Worms die Erinnerungsmedaille mit dem Bildnis der verstorbenen Groß­herzogin Alice mit dem Bande des Ludewigs-Ordens, den, Verwaltungsdirektor Julius Menges in Worms das Ritter­kreuz 2. Klasse des Ludewigs-Ordens verliehen; und dem Bildhauer Ludwig Habich in Darmstadt den Charakter als Professor erteilt.

** Absperrung der Wasserleitung. Wir ver­weisen auch an dieser Stelle auf die heutige Bekanntmachung des städtischen Gas- und Wasserwerks, nach welcher morgen vormittag in der Nordanlage und in der Wallthorstraße vorübergehend die Wasserleitungen abgesperrt werden.

** Der Theaterverein beginnt seine Borstel - langen am Fre itag, den 24. Oktober, mit einem Gast­spiel von Mine. Charlotte Wiehe, die mit einem Ensemble erster Pariser Künstler auf einer Gastspielreise durch Deutschland und Oesterreich-Ungarn begriffen ist. Mme. Wiehe, welche als Darstellerin mimo-dramatischer Rollen einen Weltruf genießt, wird hier als Tänzerin Vivette in dem MimodramaDie Hand" welche Rolle sie bei der letzten Pariser Weltausstellung creierte und in dem MimodramaSeine Puppe" sowie in Schnitzlers LustspielDas Abschiedssouper" auftreten, welchen drei Stücken als Einleitung des Abends der französische Ein­akterNoend de Cravate" vorhergehen wird. Mme. Wiehe hat auf ihrer Reise bis jetzt die Hoftheater von Wiesbaden und Baden-Baden und das Residenztheater in Köln be­sucht, gastiert diese Woche im Lessingtheater in Berlin und berührt weiterhin eine Anzahl der größten deutschen Bühnen. Bilder der Künstlerin sind bereits im Laden des Herrn Ernst Challier ausgestellt. Als zweite Abonne­ments-Vorstellung am Samstag den 15. November folgt sodann ein Gastspiel von Agnes Sorma, der ersten unter den lebenden deutschen Künstlerinnen, deren Spiel­abende schon ein Jahr zuvor sämtlich vergriffen sind. Nur durch einen Zufall wurde es möglich, uns in Gießen einen Kunstgenuß zu sichern, den große Städte z. B. Darmstadt noch nicht gehabt haben. Auf ihren besonderen Wunsch wird Agnes Sorma uns ihreNora" Vorspielen, die sie selbst für ihre beste Rolle hält. Einesbeträchtliche Erhöhung der Kassenpreise für Nichtmitglieder des Vereins ist zur Deckung der enormen Kosten des Sorma- wie des Wiehe- Gastspiels unumgänglich nötig. Ein Gastspiel von Irene Triesch ist für Januar mit der Künstlerin verabredet. Die Festsetzung des Tages erfolgt Anfang Oktober.

** Stadttheater. Wie man uns mitteilt, be­ginnt die diesjährige Spielzeit im hiesigen Stadttheater am Sonntag, den 28. d. M., mit Gustav von Nioser's [unfähigem LustspieleDer Hypochonder"; Mittwoch, den 1. Oktober a. c. soll als zweite Vorstellung Schillers Maria Stuart folgen. Von Novitäten gelangen voraussichtlich zunächst Felix Philippis SchauspielDas große Licht" und Oscar Blumenthals LustspielDie Fee Caprice" zur Aufführung.

** Eine Ausschußsitzung des landwirtschaft­lichen Proviuzialvereins findet am nächsten Donnerstag nachmittags im HotelZum Prinzen Carl" hier statt. Gegenstände der Verhandlung werden u. a. fein: Ueberficht über Einnahmen und Ausgaben des Vereins für 1901/02 1. und 2. Teil; Aeuderuug des Voranschlags pro 1903/04 infolge einer Zuschrift des Großh. Ministeriums >es Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Ge­werbe; die Werbesferung der Hutweiden im Vogelsberg und zwar 1. die Errichtung von Jungviehweiden in den Gemeinden Volkartshain, Ober- und Nieder-Seemen, 2. Rück­zahlung des Meliorationskapitals von der Gemeinde Rad­mühl; Verwilligung von 500 Mark an den Hessischen Land­wirtschaftsrat für Belehrung in Rechtsfragen in der Vereins­christ; Anerkennung des Kreisziegenzuchtvereins Alsfeld und des Rindviehzuchwereins Kirtorf.

** Rückgang der Schweineschlachtungen. DieAllg. Fleisch.-Ztg." stellt aus verschiedenen Teilen des Reiches die Zahl der Schweineschlachtungen in den ersten 6 Monaten des Jahres 1901 und 1902 an 51 Schlacht­höfen großer und kleinerer Städte gegenüber. An diesen Schlachthöfen ist die Zahl der Schweineschlachtungen um 197 214 Stück zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 1902 ind an Schweinen 411142 pCt. weniger geschlachtet worden trotz Zunahme der Bevölkerung, trotz des Einfuhrverbotes irr Würste und Büchsenfleisch. Im zweiten Halbjahr wird ich das Verhältnis noch viel ungünstiger stellen. Und da leugnen Regierung und Agrarier noch den Notstand!

** Schloßfreiheitslotterie.. Wer seine Absicht, an der Darmstädter Schloßsreiheitslatterie sich zu beteiligen, noch nicht ausgeführt haben sollte, möchte dies nun schleu­nigst thun, denn die Hauptziehung dieser Lotterie, in welcher außer dem Hauptgewinn von günstigsten Falls einer Viertel Million Mark der bei weitem größte Teil des Spielkapitals zur Verlosung gelangt, findet von Tonners­tag, den 18. bis am 22. d. M. statt. Diejenigen, die nicht schon die ausgespielte kleine erste Klasse bezahlt haben, dürften sich durch Nachfrage bei den bekannten Losver- kaufsstellen Lose das Zehntel für 6 Mk., das Fünftel für 12 Mark noch verschaffen können.

** T ic Gericht sferien endigen mit dem heutigen Tage. Die Gerichte nehmen chre Arbeiten nun wieder im ganzen Umfange auf.

** Em Fahnenflüchtiger des Jnf.-Regts. Nr. 87, der es verstanden hat, sich mittelst falscher Papiere 4 Monate lang ungehindert in und bet Gießen herumzutrelden, ist jetzt ;ier erwischt und durch ein Kommando des 116. Jnf.-Regts. in das Mainzer Militär-Arresthaus eingeliefert worden.

fr. Tie Manöver beginnen heute wieder bei Ech- jidl, und ziehen sich südwärts nach Assen heim und Altenstadt. Tie. Brigade nimmt ungefähr die Rich­tung der Bahn Gießen-Gelnhausen nach Gelnhausen zu. Donnerstag beginnt in der mittleren Wetterau >corps- m a n ö v e r, welches sich südwärts zieht und in der Gegend Hanau - Offenbach endet. Donnerstag, den 18. dieses

Mas Titel 2, Wein- und Obstbauschule zu Oppenheim angeht, so erfahren wir, daß für dieselbe sich die Ein­nahmen von 24 000 auf 25 000 Mark erhöhen läßt. Tie Ausgaben sind auch hier wieder höher geworden und Mar soll ein neuer Spaliergarten, und ein Sortimentswein­berg angelegt werden. Damit es der Anstalt an neuesten Instrumenten nicht fehle, werden Beiträge gefordert und bewilligt für einen Polarisationsappart zum Zwecke der Zuckerbestimmung, für eine neue Luftpumpeneinrich­tung u. bergt Das Personal hat durch endgiltige Be- willlgung durch die Kammer Der Landstände ebenfalls um einen Weinbaugehilfen vermehrt werden können.

Unter Titel 3 wird die Anstalt in unserer Nachbarschaft Friedberg abgehandelt. Hier sind die Ein­nahmen die gleichen geblieben, dank eines reichlichen Zu­schusses der weitsichtigen Stadtverwaltung. Auch an dieser Schule macht sich ein reger Fortschritt bemerkbar, indem neue Treibhäuser angelegt werden müssen, da die vorhan­denen nicht mehr ausreichen. Ferner soll die Kesselanlage zur besseren Ausnutzung umgebaut werden. Das Treib­haus dient zurzeit zugleich zum Unterricht für Gärtner.

Das öeiamtrefultat der Einnahmen und Ausgaben an sämtlichen Drei Anstalten stellt sich folgendermaßen: Es kommen ein Sa. 63 000. Es werden ausgegeben Sa. 153 470. An Staatszuschuß ist also zu leisten 91470 Mk. Gegen das Vorjahr ist der Zuschuß insgesamt erhöht worden um ein Beträchtliches, ein Beweis dafür, daß die Staatsregierung unablässig bemül)t ist, durch Förderung dieser für unser zu großem Teil Landwirtschaft und Weinbau betreibendes Hessen wichtige Schulen Ackerbau und Weinbau auf der Höhe der Zeit zu erhalten. Des Dankes der Bevölkerung für ein solches Interesse kann sie auf der anderen Seite dafür sicher sein.

Monats ist in der Gegend von Heldenbergen bei Hanau-Offenbach-Gelnhausen; Sonntag Rückkehr in die Garnisonen. Tie Reserve der 49. Brigade wird am 23. Sep­tember, die der 50. am 24. September entlassen. Bei Friedberg ist eine Feldbäckerei und ein Proviantamt für Heu, Haser, Stroh errichtet.

m. Garbenteich, 13. Sept. Unsere Gemeinde, die in den letzten Jahren vielfach Neuerungen erfahren hat, wie Fcldbcreinignng, Gründung einer Spar- und Darlehns- kafse, Fernsprechau.chluß und bergt, i)t jetzt wieder um einen Schritt weiter gebracht. Durch den Gemeinsinn eines edeldenkenden, ungenannt bleibenden Mitbürgers ist die Stationierung einer Krankenschwester in unserer Gemeinde in Anregung gebracht, und der Unbekannte hat zu diesem Zwecke bereits 100 Mark zur Verfügung gestellt. Wir wollen auf baldige Ausführung dieses dem Allgemeinwohl dienen­den Vorschlages hoffen.

l Echzell, 13. Sept. Zwei strapaziöse Gefechts­tage hatten heute und gestern unsere Soldaten, nicht sowohl wegen ihrer bedeutenden Marschleistungen, als auch besonders wegen des sehr schlechten Detters. Freitag und Samstag waren, einige Pausen abgerechnet, ausge­sprochene Regentage. Die zwei rheinischen Regimenter kamen von den Dörfern bei Nidda herum das Gefechtsfeld bei Berstadt-Wohnbach zu erreichen, wahrend die beiden anderen hessischen Jnsanterie-Regimenler von Butzbach ihnen entgegen tarnen. Trotzdem die Ostabteilung zurück- geschlagen wurde, hat sie doch ihre Ausgabe, Aufhalten des Gegners bis eine hinter ihr stehende Armee den Auf­marsch vollendet, erfüllt.

fr. Ranstadt, 14. Sept. Gestern mittag gegen y24 Uhr brannte die Scheuer und die daran stoßenden StäUe des Schreinermeisters Karl Bernhardt hier total nieder. Am selben Datum, vor 13 Jahren, waren die Gebäude schon einmal abgebrannt.

pH. Friedberg, 14. Sept. Ter Großherzog, seine Tochter, Prinzessin Elisabeth, und seine Schwester, Prinzessin von Battenberg, trafen soeben 4.40 Uhr mittels Ertrazuges hier ein. Zum Empfang waren an der Bahn anwesend: Kreisrat Fey, Oberstleut­nant Mooz und Bürgermeister Sandmann. Nach einer kurzen Begrüßung, bei der Die Tochter des Kreisrats Fey der Prinzessin Elisabeth zwei prächtige Bouquets mit roten und weißen Rosen überreichte, bestiegen die Herrschaften die bereitstehenden Wagen. Im ersten nahmen die letzt­genannten Herren Platz, im zweiten saßen der Großherzog, neben ihm die Prinzessin von Battenberg, gegenüber Prin­zessin Elisabeth mit ihrer Erzieherin, Hofdame v. GraiuH. In dem dritten Wagen hatten Generaladjutant Oberst von Wachter und Flügeladjutant Freiherr von Röder» Diersberg Plan genommen. Die folgenden Wagen waren für das Gefolge bestimmt. Der Großherzog trug die Uni­form des Leibgarderegiments Nr. 115, Prinzessin Elisabeth und Prinzessin von Battenberg waren hell gekleidet. Eine tausendköpfige Menschenmenge aus Stadt und Land bildete am Bahnhose und in der Haag- und Kaiserstraße Spalier, während in der Burg die gesamte hiesige Schuljugend, gegen 1000 Kinder, zur Begrüßung aufgestellt waren. Alle empfingen die Gäste mit begeisterten Hoch- und Hurrarufen. Ter Großherzog war durch den überaus herzlichen Empfang sichtlich erfreut und gerührt und grüßte freundlich nach allen Seiten. Er hatte ein überaus frisches, gutes Aus­sehen. Prinzeßchen Elisabeth schien sich über die jubelnde Kinderschar, die ihr auf dem ganzen Wege unaufhörlich Blumen zuwarfen, sehr zu freuen. Tie Stadt Friedberg und in erster Linie die zu passierenden Straßen waren prächtig mit Fahnen, Fähnchen und Guirlanden geschmückt, besonders hübsch nahm sich das städtische Rathaus aus. Ten Empfang ourch hiesige Vereine- hatte sich der Groß- jerzog verbeten. Auch die Schloßwache zog nicht auf, ba der Eroßherzog feinen hiesigen Aufenthalt ungestört und zurückgezogen verbringen will. Tie hiesigen Polizeibeamten trugen heute zum ersten Male, Schutzmannsuniform. Friedberg hat gestern zirka 1500 Mann Einquartie­rung erhalten; es liegen hier: das ganze Regiment 168er, eine Schwadron 23er Tragoner, ein Bataillon 115er, je eine Abteilung 25er Artillerie und Train. Im Hotel Trapp ist Oberst v. Schmidt, Kommandeur der 25. Kavallerie- Brigade, abgestiegen. Montag werden noch etwa 3000 Mann eintreffen. Zu Ehren des Großherzogs oeranftaUeteni die Bürger und Vereine heute abend 8l/j Uhr einen Facke l- ;;ug, an den sich eine Serenade im Schloßhof schloß. Am Mathilbenstift wurde der Zug um 8 Uhr aufgestellt; es beteiligten sich daran: der Kriegerverein, Turnverein, Feuerwehr, die Zöglinge des hiesigen Lehrerseminars, der Kriegerverein Fauerbach, die zehn hiesigen Gesangvereine und der Stadtvorstand. Tie Kapelle der 168er voran, mar* chierte der Zug, im ganzen über 300 Leute, nach der Burg- >er Schloßhof war dicht gefüllt, vor dem Thore mußte noch eine tausendlöpfige Menge zurückbleiben. Bürgermeister Sandmann hielt eine Ansprache an den Großberzog, hieß ihn namens der Stadt herzlich willkommen, versicherte ihn der vollsten Ergebenheit der Bürger Friedbergs, die nun fast 100 Jahre treue Unterthanen des Hess. Fürsten­hauses seien. Er bat den Großherzog!, die Stadt allezeit in gutem Andenken behalten zu wollen. Begeistert stimmte die Menge in das Hoch auf das Hess .Fürstenhaus. Der Großherzog unterhielt sich hierauf sehr angelegentlich mit dem Bürgermeister. Die Serenade wurde von 250 Sängern aufgeführt.

r Fauerbach-Friedberg, 11. Sept- Ein furcht­bares Gewitter zog vom Winterstein kommend über unsere Gegend und richtete besonders an Obstbäumen, die ehr beloben sind, Schaden an. Schwarz war der Himmel, ölitz und Donner waren von größter Heftigkeit, mehrfach chlug es in Bäume ein. In Fauerbach traf ein kalter Schlag das Gebäude des Oekonomen Meisel, richtete aber nur geringen Schaden an. Im benachbarten Dorheim chlug es ins Wohnhaus des Weißbinders Hofmann. Von )er anwesenden Familie wurde wunderbarerweise niemand verletzt, nur der Verputz an Wänden und Decken wurde teilweise losgerissen.

s. Bruchenbrücken bei Friedberg, 12. Sept. TaS Bahnwärterhaus von der Main-Weserbahn brannte vollständig nieder. Tie Kinder konnten kaum noch aus dem brennenden Hause gerettet werden. Sämtliches Be- itztum, Kleider, Geräte :c. verbrannten. Leider soll der Zahnwärter nicht versichert sein. Man nimmt an, daß ein Blitz bei dem schweren Gewitter wie in anderen Orten so auch hier einschlug, das auf dem Boden liegende dürre Futter entzündete und weiter glimmte. Ter Brand brach

Ker Iuristeutag in Aerlin

(von unserem be-Korrespondenten.)

Berlin, 12. Sept. Schluß.

In der zweiten und letzten Plenarsitzung am 12. Sep­tember verlas der Vorsitzende Geheimrat Professor Dr. Brunner die Danktelegramme des Kaisers Wilhelm und des Kaisers Franz Josef auf die am ersten Tage abgesandten Huldigungsdepeschen. Den Vorsitz über­nahm alsdann der Sektionschef im österr. Justizministe­rium Dr. Klein, welcher die Berichterstatter aufforderte, in Kürze über die in den Abteilungen gefaßte Beschlüsse zu berichten. Diese Beschlüsse sind nebst kurzer Begründung bereits mitgeteilt. Nur ein Punkt war der Plenarversamm­lung nicht zur Kenntnisnahme wie die übrigen, sondern zur Erörterung überwiesen, nämlich die Frage: welche Maßregeln sich für die rechtliche Behandlung der Ringe oder Kartelle empfehlen. Aber auch hier zeigte die Ver­sammlung keine Neigung, den Gegenstand zur Erledigung zu bringen. Zahlreicher als in der gestrigen Versammlung waren die Gegner jeglichen Eingreifens der Gesetzgebung erschienen, nämlich die Herren Dr. Sch a r l a ch - Hamburg, die Justizräte Simon und Kemp n er-Berlin und der Kaufmann Tr. S o l m ß e n - Berlin, denen vor allem wieder österreichische Juristen und Professor Dr. Waentig- Münster i. W. opponierten. Jene hielten die Vorschrift des Bürgerlichen Gesetzbuches, daß, wer in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weife einen anderen vorsätzlich schädigt, diesem zum Schadensersätze verpflichtet ist, für eine genügende Handhabe, um Auswüchsen der Kartelle entgegenzutreten. Diese wiesen an der Hand der Er­fahrungen . darauf hin, daß das nicht der Fall sei. Die Kompetenz des Juristentages, Stellung zu den Kartelle» zu nehmen, wurde anscheinend überall anerkannt, die Frage wurde aber noch nicht als spruchreif erklärt, wie auch die Thatsache, daß Freunde und Gegner gesetzgebe­rischer Maßnahmen sich in zwei ziemlich gleich starke Hälften teilen, beweist. Von den Freunden eines Ein­greifens der Gesetzgebung, die fast sämtlich schon in dem Bericht über die gestrige Abteilungssitzung genannt sind, wurde deshalb selbst die Vertagung beantragt, aber nicht bis zu einem der nächsten Juristentage, wie die Gegner wollten, sondern bis zum nächsten. Der erstere Antrag wurde mit sehr großer Majorität abgelehnt und gefordert, daß das Thema schon auf die Tagesordnung des nächsten Juristentages gesetzt werde.

Vertagt wurde die Beratung über die Frage, in­wieweit ein Recht am eigenen Bilde zu schützen sei. Es war dazu schon ein Antrag von Professor Leh m an n - Marburg eingegangen, zu beschließen, es sei ein allge­meines Recht auf unbehelligtes Privatleben anzuerkennen und aus diesem Gesichtspunkte auch ein Recht am eigenen Bilde. Tie Zeit war schon zu weit vorgerückt und wollle man dies wichtige Thema nicht über das Knie brechen.

Professor Brunner, welcher inzwischen den .Vorsitz wieder übernommen hatte, berichtete, daß die Mitglieder­zahl auf 1500 gestiegen sei, und machte die Namen der 20 Herren, welche die ständige Teputation bilden, bekannt. Er brachte einen Antrag zur Abstimmung und Annahme, wodurch die Teputation ersucht wird, durch eine Kommission Vorschläge zur Feststellung einer einheitlichen Zitierweise für die Reichsgesetze, nach Befinden auch Landesgesetze, Ent­scheidungssammlungen zc. zu machen. Der Vorsitzende zollte dem Fleiße des Juristentages in der bewährten Arbeits­atmosphäre Berlins Anerkennung, dankte den Referenten, den staatlichen und städtischen Behörden, auch der königl. Regierung für ihr ständiges Wohlwollen und schloß den 26. deutschen Juristentag.

Ueberblickt man die Leistungen dieser drei Tage, so muß man den höchsten Wert für die Entwickelung unseres Rechts der Erörterung der Frage noch einer Reform unseres Strafrechts zuerkennen. Die eingehenden Gutachten der Professoren Dr. v. Liszt-Berlin und van Calker- Straßburg, sowie das ungemein gründliche Referat des Professors Tr. Kahl- Berlin, bilden vorzügliche Wegweiser für die ^Inangriffnahme der Reform. In der zweiten großen Sitzung hat ditz Erörterung der Frage, ob das Gericht ober die Parteien, insbesondere also die Rechts­anwälte, die wirllichen Herren der Prozeßleitung sein sollen, die bestehenden Meinungsverschiedenheiten nicht ausgeglichen. .Sie bestehen nach wie vor ungeschwächt fort. Ter Anwaltsstand besteht auf der Beibehaltung des bis­herigen Verfahrens, die Richter sind nach wie vor größten­teils entgegenstehender Ansicht, wennschon eine Aenderung Der neuen deutschen Zivilprozeßordnung von einer großen Mehrheit der Versammlung als nicht empfehlenswert be­zeichnet ist. Tie Stellung der Minderheit kam m dem Zusatze zum Anträge, bay der Vereitelung von Terminen vorgebeugt werden |otfe, zu einem matten Ausdruck. In der Kartellsrage ist nichts beschlossen, trotzdem Dürfte der Tag nicht wertlos gewesen sein, sondern das Signal zu gründlichen Vorarbeiten hüben und dem ui gegeben . .ben. kWÜnschen wir, daß die Besprechung der "beiden neuen