Ausgabe 
15.9.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 5816 Erstes Blatt.

1558. Jahrgang Montag 15. September 1SV2

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Antvers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis, monatlich75Ps.,viertelH ährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2. viertel jährl. ausschl. Bestellg« Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpretS: lokal 12 Pf^ auSwärtS 20 Pfg.

Verantwortlich: für den poliL u. allgem. Steil: P. Witiko: für .Stadt und fimür und .Gerichtssaal': Carl Plato; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

weise gehen die Schützen vor, jede Deckung benutzend. Da­mit ist man wohl von einem Prinzip der preußischen Fechtweise abgegangen, wonach bisher als oberster Gesichts­punkt die Ausnützung jeder Gelegenheit zur möglichst vor­teilhaften Schußabgabe im Feuergefecht maßgebend war, die Rücksicht auf Deckung aber erst in zweiter Linie kam. Desgleichen hat man von der Bildung endloser Artillerie­linien Abstand genommen, die Batterien gehen vielmehr einzeln in Stellung. Die Frage, inwieweit diese neuen taktischen Momente des Burenangriffs sich für große Ver­bände bewähren, wird zum Teil immerhin schon durch die. Manöver beantwortet werden können. Ein Haupt­bedenken gegen diese Gesechtsart, daß nämlich die Nachteile, die daraus entstehen könnten, wenn die einzelnen Mann­schaften aus den Händen der Führer gegeben sind, durch den Vorteil der zerstreuten Schützenlinie nicht ausgewogen werden, dieses oft geäußerte Bedenken kann im Frieden auf seine Stichhaltigkeit freilich nicht erprobt werden. Erst der Krieg kann zeigen, ob die dazu notwendige, sehr hohe Stufe der F e u e r d i s zip l in in unserer Armee schon erreicht ist. Ein weiterer anziehender Punkt im Kaisermanöver war die Anwesenheit der vielen fremdlän­dischen Offiziere, unter dem die neuen Erscheinungen der Engländer und Amerikaner die allgemeine Aufmerksamkeit aus sich lenkten.

Hatte unser Landheer in seinen großen herbstlichen Friedensübungen somit wieder ausreichende Gelegenheit, das im Jahre auf den Exerzier- und llebungsplätzen Er­lernte im fremden Gelände und in gemischten Verbänden zu vervollkommnen, und zeigte unsere Heeresleitung, daß sie an keiner neuen Erscheinung auf taktischem Gebiete achtlos vorüberaeht, so hat die deutsche Marine be­wiesen, daß auch sie jederzeit bereit ist, für Deutschlands Sache einzutreten. Die dreiste Handlungsweise des haitia­nischen KanonenbootesErste ä Pierrot" an dem Ham­burger DampferMarcomania" hat schnelle Sühne ge­funden. DerPanther" hat das Schiff der Aufständischen in den Grund gebohrt. Die deutsche Regierung hält damit den Zwischenfall für erledigt und versteift sich nicht etwa auf weitläufige Schadenersatzforderungen. So sehr die Promptheit, mit der die Angelegenheit für Deutschland aus der Welt geschafft wurde, zu begrüßen ist, so sehr wäre .es zu mißbilligen, wenn das Vorgehen unseres Kreuzers als eine große Hcldenthat der deutschen Marine hingestellt werden würde. Der Anfang damit ist leider schon gemacht, indem die Leitung der Düsseldorfer Aus­stellung sich gemüßigt sah, ein Glückwunschtelegramm an den Kommandanten desPanthers" zu senden. Möge dieses Beispiel keine Nachahmung finden; der günstige Ein­druck, den das entschlossene Haitdeln Deutschlands auf das Ausland gemacht hat, und der sich in dessen gesamter Presse mit geringen,' wenig beachtenswerten Ausnahmen wider­spiegelt, könnten durch renommistische Freudenkundgeb­ungen über eine angebliche Heldenthat leicht wieder ver­wischt und abgeschwächt werden.

In der Fleischüotfrage stehen sich natürlich nach wie vor zwei Anschauungen feindlich gegenüber. In zahl­reichen städtischen Kollegien und neuerdings auch in großen Volksversammlungen wird über allzu hohe Fleischpreise und über Mangel an Schlachtvieh Beschwerde geführt und in teilweise leidenschaftlichen Ausdrucken die Oeffnung der Grenzen gefordert. In München ist am letzten Samstag die sozialdemokratische Frauenkonferenz nach Annahme einer Resolution, die sich gegen die Steigerung des Fleischpreises und gegen die Grenzsperre richtet, ge­schlossen worden, und in Berlin lassen die Hausfrauen eine Petition verbreiten, worin die Kaiserin um die Geltend­machung ihres Einflusses zur Milderung der Sperrpolitik

Bekanntmachung.

Vetr: Gesuch des Wilhelm Rinn VIII zu Heuchelheim um Genehmigung zur Erbauung eines neuen Ringofens.

Wilhelm Rinn VIII zu Heuchelheim beabsichtigt auf dem Grundstück Flur III Nr. 4266/10 der Gemarkung Heuchel­heim einen Ringofen zu errichten.

Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang oom Erscheinen dieses in der Darmstädter Zeitung bezw. im Kreisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet, auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Heuchelheim zur Einsicht der Jn- teresienten offen.

Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Meidung des Ausschlusses bei Großh. Bürgermeisterei Heuchel­heim vorzubringen.

Gießen, den 11. September 1902.

Großherzogliches Kveisamt Gießen- I. 23.: Dr. Wagner.

Bekanntmachung.

In der Zeit vom 6. bis 13. September 1902 wurde in hiesiger Stadt

gefunden: 1 Uhr;

entlaufen: 1 brauner Jagdhund und 1 Truthuhn.

Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen.

Gießen, den 13. September 1902.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. __________________I. V.: Roth.___________________

Politische Wochenschau.

An die Kaisertage in Posen schlossen sich in dieser Woche die großen Manöver des 3. brandenbur­gischen und 5. posenschen Korps, denen Teile der Garde und des 17. Armeekorps beigegeben sind. Das diesjährige Käisermanöver ist aus verschiedenen Gründen überaus in­teressant. Schon das Gelände bietet besondere Schwierig­keiten für die Truppenführung, da ein großer Teil des­selben bewaldet ist, und von Seen und Sümpfen durch­zogen wird. Im Süden und Osten bildet die Oder die natürliche Grenze, im Norden und Westen die Warthe, während ihr Nebenfluß, die.Obra, mitten durch das Manövergeviet geht. Die gewaltigen Truppenmassen der Ostarmee (rot) unter dem Kommando des Generals von Stülpnagel setzten sich x von Osten aus gegen Frankfurt a. Oder in Bewegung, >während die Divisionen des 3. (blauen) Armeetzrps unUw Führung des Generals von Lignitz bei dieser Stadt über die Oder gingen und auf Posen marschierten. Vor den Jnsanteriekörpern bewegten sich auftlärend die aus verschiedenen Brigaden zusammen­gesetzten Kavalleriedivisionen, denen reitende Abtellungen Artillerie beigegeben sind. Waren schon durch die Zu­sammenziehung so bedeutender Kavalleriemassen die der Wirklichkeit möglichst getreu entsprechenden Bedingungen gegeben, so sollte in diesen Mauövern auch der Train feine Tüchtigkeit und Brauchbarkeit für den Ernstfall be­währen. Auch hier wurden Verbände hergeftellt, wie sie in ähnlichem Umfange unseres Wissens im Manöver noch nicht verwendet wurden. Auch die Taktik des sog. Buren- angrisfs wurde im diesjährigen Kaisermanöver auf ihre Brauchbarkeit für größere Truppenkörper erprobt. Das Ausschwärmen in langen, Richtung haltenden Schützenlinien ist dabei aufgegeben, sektions- und rotten­

gebeten wird. Der Bund der Landwirte dagegen leugnet mit Beharrlichkeit eine Fleischnot, und der preußische Land­wirtschaftsminister v. Podbielski hielt in Düsseldorf eine Frühstücksrede, worin er den gleichen Standpunkt vertrat. Die bayerische Regierung erkennt eine Notlage auf dem Fleischmarkt an, wie aus einer von ihr veranstalteten Enquete über die Schlachtungen hervorgeht. Vielleicht übt die Bewegung einen Einfluß auf die näher und näher rückende Zolltarif frage aus.

Tie Teilnahme der Gelehrtenkreise aus allen Gauen Deutschlands und des Auslandes am Begräbnisse des ver­storbenen Rudolf Virchow ist nahezu allgemein. Was die leidende Menschheit an Virchow verlöre:: hat, braucht hier nicht nod) einmal betont zu werden. Sein Name wird unvergessen fortleben.

Tie letzte Konferenz der Burengeneräle mit Chamberlain in London zeigte deutlich, daß die 23uren beim Friedensabschlusse von den Engländern gründlich, übers Ohr gehauen worden sind. Die Bitten der Generäle um Einhaltung der zugesagten Friedensbedingungen stoßen jetzt auf fortwährenden Widerstand bei Chamberlain, sodaß Botha, Tewel und Delarey die englische Hauptstadt nicht mit freundschaftlichen Gefühlen verlassen haben. Die pessi- mistische Auffassung Dewets, die ihm das besondere Miß­trauen der Jingo-Presse eingetragen hat, wird nun die künftige Richtschnur in dem Verhalten der Generäle liefern. Rücksichtslos wollen sie der Welt die Wahrheit über den Krieg und s eine Einzelheiten enthüllen und den ungeheuren betrug, dem sie zum Opfer fielen, aufdecken. Gleichzeitig werden auch die in drei Sprachen verfaßten Memoiren Krügers erscheinen, und so steht Europa gewissermaßen von neuem vor der südafrikanischen Frage, die schon viele verderbliche Leidenschaften entfacht hat und zweifellos wieder Stürme der Entrüstung entfesseln wird. Ein Teil der englischen Presse selbst verurteilt die jüngste Haltung Chamberlains und bezeichnet sie offen als einen schweren Fehler.

In Ungarn weilt der deutsche Kronprinz als Gast Kaiser Franz Josefs bet den Mauövern und ist dort herzlich empfangen worden, ein neuer Beweis für da? Zusammenhalten der beiden verbündeten Mächte.

In Frankreich bereitet die Affaire des abberufener Botschafters Montebello vom russischen Hofe dem Mini/ sterium Combes nicht unerhebliche Schwierigkeiten.

Politische Tagesschau.

Was thut der Hessische Staat für das landwirtschaftliche Unter' richts- und Versuchswesen im Jahre 1902/31

Kapitel 72 des Voranschlags des Staatshaushaltes he* handelt in drei Titeln die landwirtschaftliche Versuchs­station, die Weilt- und Obstbauschule zu Oppenheim und schließlich die Obstbauschule und landwirtschaftliche Winter­schule zu Friedberg. Infolge der genauen Registrierung! erhalten wir ein getreues Bild von den Kosten dieser gerade heute so wichtigen Anstalten, über die inf folgenben kurz berichtet werden soll.

Während für die ersten Teile bisher an Einnahmen 37 200 Mark zu verzeichnen waren, sind nach dem Vor­anschlag dieselben im laufenden Jahre geringer anzu­schlagen. Die Ausgaben sind dagegen gestiegen, so daß ein Zuschußbedarf von 37 220 Mark erforderlich ist gegen 30 500 im vorjährigen Etat. Der Grund für Erhöhung der Ausgaben liegt in einer erheblichen Betriebserweiter­ung und einer Erhöhung der Bezüge der Lehrer, beides durchaus erfreuliche Thatsachen, die von dem Blühen der Anstalt Zeugnis ablegen.

Feuilleton.

Die Werke Arnold BöckliuS in der Schackgalerie zu München. 12 Photogravüren nach den Originalen, mit erläutern­dem illustriertem Texte von Professor Dr. Paul Seidel, Dirigent der Kunstsammlungen in den kaiserlichen Schlössern. Prachtband. Großfolio-Format. Mk. 50. Photographische Union München. Geben die 16 Bilder in der Schackgallerte auch kein vollkommenes Bild von Böcklins ganzem Lebenswerk, da sie alle aus seinen früheren Jahren (das letzte aus 1874) stammen, so hat doch die Schöpfung des Grafen Schack außerordentlich vrel zur Kenntnis und Popularisierung des so lange verkannten Schweizer Meisters beigetragen. Wird doch München jährlich von sausenden und Abertausenden durchflutet, von welchen nur Wenige unterlassen, bte Schackqallerie, diese Perle unter den deutschen Prwatgallerren zu be­suchen. Von den 16 Bocklms der Gallerte sind hier 12 m hervorragend schönen Photograoüren, die übrigen vier autolyplsch tm Texte von Professor Paul Seidel wiedergegeben. In sehr anregender Weise schildert der Verfasser zunächst das Verhältnis Bocklms zu Schack, um dann auf die Besprechung der einzelnen Bilder uberzugehew Außerordentlich lehrreich ist hierbei der Vergleich, beit der Ver­fasser zwischen einigen Bilbern aus der Schackgallerte und ihren im Text abgebildeten, teilweise bisher noch völlig unverostenllichten Varianten aus anderem Besitz anstellt. -tte sich als Prachtwerk präsentierende Publikation wird gewiß manchem unser^ Leser, der bewundernd vor beit Meisterwerken Bocklms m der ©$adgauerie, wie berVilla am Meere", bemRitt des A-obes , berIdealen Frühlingslandschaft", gestanden hat, eute t)ochwillkomme:te sem.

Hübners Geographisch-statistische Tabellen, Ausgabe 1902. (Herausgegeben von Hofrat Prof. Dr. Fr.v. Jilraschek. Verlag von Heinrich Keller in Frankfurt a. M. ber

gant gebundenen Buch-Ausgabe Mark l.oO, der Wandtafel- Ausgabe 60 Pfg.) Sorveit die, etatiftif, btestillstehende Geschichte", vorgedrungen, hat sie derZ Verfasser unter Be­nutzung d^ zuoerlässigiien Quellen jeder Sprache behandelt und übersichtlich dargestellt. Daß dabei auch vielfach über das rem geographische Gebiet hinausgegangen ist, so wenn die Verhaltmsie der Volksbildung, der Schulen, der Hygiene zahlenmäßig vorge­wiesen werden, kann nur mit Freude begrüßt werden. Die Un­

summe von Klein- und Großarbeit, die in den 97 Seiten nieder- aelegt ist, wird dem Historiker, Geographen, Völkerpsychologen, Volkswirtschastler, Politiker u. a. gute Dienste leisten.

Pole« und Deutsche. Ein Mahnwort an die deutsche Jugend.H a u s l e h r e r s ch r i f t e n" 2. Band, Leipzig 1902, bei K. G. Th. Scheffer. Preis 60 Pfg.

DieBerliner I l l u st r i e r t e Z e i t u n g" beginnt in ihrer heute erschienenen Nummer 37 mit dem Abdruck des neuesten Romans von OmptedaD e r^ E i s k ö n i gk, der den Humor und die feine Charakterzeichnung des Dichters tn glänzendstem Lichte zeigt. Wer dieB. I. Z." noch nicht abonniert hat, hat jetzt gute Gelegenheit, dieselbe für 10 Pfg. wöchentlich bei einer Buchhand­lung oder für 1,30 Mk. vierteljährlich bei der Post frei ins Hau^, zu bestellen.

Der Kurrstwart. Rundschau über Dichtung, Theater, Musik und bildende Künste. Herausgeber Ferdinand Aoe- n ar ius. Verlag von G e o rg D. W. C a llwe y in München. (Vierteljährlich 3 Mark, das einzelne Heft 60 Pfg.) Inhalt des zweiten September Heftes: Der Dürerbund begründet. Vom Herausgeber. Tie Litteratur-Waisen. Von E. Platzhoff. Friedrich Hebbel. Von Adolf Bartels. Schulgesang fürs Leben. Von Friedrichs. Festrede in Nürnberg bet der Jubelfeier des Germanischen Nationalmuseums, gehalten von Professor Dr. Licht- wark. Lose Blätter: Austritte aus Hebbels Dramen. Rund­schau : EgidysIlse Bleiders." Spanisches. Im Prinzregenten- Theater zu München.Bunte Bühne" und Theater. Sommermusik. Die Große Berliner Kunstausstellung. Neue Vervielfältigungen. Baudenkmäler der Stadt Pirna. Das Gesetz zum Schutze der Landschaft. Notenbeilage: August Reuß, Abendregen. Bilder­beilagen: Bildnis Friedrich Hebbels; Albrecht Dürer,Großes Rajenstück"; K. D. Friedrich, zwei Landschaften.

Tas Lee-Gigerl ist der Titel eines humorstrotzenden Gegen­stückes zu Desteggers weltbekanntemSalontiroler". Tas packende Bild, das Maler E. Eltze geschaffen hat, bringt uns das 1. Heft des neuen 17. Jahrganges derModernen Kunst" (Verlag von Rich. Bong, Berlin W. 57 Preis des Heftes 60 Pfg). Wie da der Gegensatz herausgearbeitet ist zwischen waschechten ^eebaren und der geschniegelten Landratte in Seesport-äre»«, die m lauschiger Schifferstube zusammensitzen, das ist köstlich. Man muß es selbit sehen, dieses große, zweiseitige farbige Bild. Aus dem Bilderfchmuck

heben wir ferner hervor die farbige KunstbeilageRosen gefällig?" von P. Hoeltz, sodann ebenfalls farbige Zeichnungen und Biwer von Meister Ferdinand Keller, der auch das stilvolle Titelblatt schuf, von E. Eucuek, dem geistreichen Feuilletonisten des Aguarell- pinsels 20. Eine nicht bloß Sammlern höchst willkommene Spe­zialität der Modernen Kunst sind die Meisterholzschnitte nach Wer­ken zeitgenössischer Künstler, wie dieses Mal Timoleon von Neff, Blair Leighton, Solomon I. Solomon. Sie sind immer von einer Vollkommenheit, wie sie heute sonst kaum noch erreicht wird. Auf der Höhe des Bilderschmuckes steht auch her Text. Vincenz Chia- vacci und Wolfgang Kirchbach bringen pickante Plaudereien. Mit gutem Gewissen läßt sich behaupten, daß in unserer so kunstfreudi­gen Zeit dieModerne Kunst" in keinem Salon, in keinem Bürger­heim fehlen dürfte.

Dem Inhalte des Toppel-Heftes Nr. 15/1/6 der bekannten Halbmonatschrift ,,Dic Gesellschaft" (Herausgeber: Dr. Arthur Seidl in München Verlag von E. Pierson in Dresden) gtebt das Zusammenfließen mehrerer besonderer Zeit-Umstände sein lebendiges Gepräge. So werden z. B. der Ausgang der Bayreuther Festspiele, das Gedächtnis des (im August geborenen) unglücklichen Bayernkönigs, welcher der Wagnerschen Kunst ein Schirmherr ge­wesen, und der Wieder-Beginn der Wagner-Vorstellungen am MünchnerPrinzregenten - Theäter" begrüßt u. a. in einem kritischen Artikel, in dem der Herausgeber zum neuen Parsifal-Bunde" Stellung nimmt, und durch bte äußerst belang­reichetechnische Betrachtung" über denSaal bes Prinzregenten- Theaters" von Abolph Appia, ber bie erheblichen Thorheiten ber mobernen Baumeister sehr einläßlich auszeigt unn haarscharf nach­weist. Außerbem verbreitet sich Dr. Hofmiller über bie zahlreichen wertvollen Neu-Erscheinungen ber Goethe-Litteratur. Geistvolle und ernste Beiträge bilden ferner ber anregenbe Leitaussatz von Pros. Dr. Schneidewin über bie Folgerungen aus bem Unglück von St. Pierre für unseren neuzeitlichen Gottesbegriff, sowie Oskar Friedländers tief eindringende Studie über dieMode", ein Bericht über die sehr besuchenswerteKarlsruher Jubiläums-Kunst­ausstellung", das vielseitige und pikanteMünchener Tagebuch" der Schriftsteller-KumpaneiHöhenmensch" undMünchener Kindl" re. rc.