Ausgabe 
15.7.1902 Zweites Blatt
 
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f ft'ber Nlchm der englischen Politik, daß wir unsere Partei- Whrer nicht anders betrachten, denn als Vertreter des Landes. Wenn ich bedenke, daß Lord Salisburh viermal Staatssekretär des Auswärtigen und dreimal Mrnisterprä- siderrt gewesen und daß es wohl keinen Mann unserer Gene­ration giebt, dessen Namen ein größeres Gewicht im Aus­land hatte, !und der dem englischen Staate größere Dienste geleistet hat, so kann ich die Gelegenheit nicht vorübergeheu lassen, ohne meinen tiefen Schmerz über den Verlust, welchen das Land durch den Rütckritt Salisburys erleidet, Ausdruck Kl geben. Campbell Bannermann erklärte, das Gefühl des Bedauerns über den Rücktritt Lord Salisburys sei nicht ans die konservative Partei beschränkt Bei der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten habe Lord Salisbury wieder und wieder den Beifall, die Billigung und das Ver­trauen seiner Landsleute geerntet In Beantwortung einer Anfrage erklärte Balfour, er könne den Tag, wann die Vor­lage betreffend Ratifikation der Zuckerkonvention eingebracht werde, nicht bestimmen.

Die gestrige .Versammlung der Unionistenpartei koar sehr stark besucht. Lord Salisbury und Chamberlain waren nicht anwesend. Balfour wurde mit großer Be­geisterung empfangen. Alle seine Anhänger begrüßten ihn Ahend mit lauten Zurufen. Balfour hielt eine Ansprache, der er über den Verlust des Führers sprach, der nahezu fünfzig Jahre lang im politischen Leben gestanden, und dem die Ruhe, die er so wohl verdient, niemand mißgönne. Der Verlust sei unersetzlich Cr Balfour habe die große Aufgabe, die der König ihm anvertraut habe, nicht in allzu übermächtigem Vertrauen auf seine Fähigkeiten, son­dern darum übernommen, weil er Grund zu der Annahme habe, daß er aus die Achtung und das Vertrauen derjenigen rechnen dürfe, mit fcMmen er seither gearbeitet habe. Er bedauere, daß er den Beistand eines seiner hervorragendsten Ministerkollegen, des Schatzkanzlers Hicks- Beach verlieren werde. Obgleich er nutzt weiter mit einiger Sicherheit auf dessen Beistand rechnen könne, habe er die sichere Ueberzeugung, daß er auf dessen vollkommenes Vertrauen und seine guten Wünsche für ihn bauen könne. Sodann erklärte Balfour, er habe keine Geheimnisse und Ankündigungen persönlicher Art zu machen. Es könnten Veränderungen eintreten, die Politik der unionistischen Partei aber werde unverändert bleiben. Nach! Balfour sprach Hicks-Beach, der erklärte, er werde noch kurze Zeit im Amte blechen, um Balfour seine Hochachtung zu be­zeugen. Infolge der Erklärung Balfours gelten noch eine Anzahl von Veränderungen im Kabinet als sicher bevorstehend.

Salisbury, der den Wunsch baldiger Abdankung bereits vor acht Tagen zu erkennen gegeben hatte, war am Freitagnachmittag zur Audienz beim Könige. Er bat mit Rücksicht auf sein zunehmendes Alter und seine nicht nrehr hinreichend widerstandsfähige Gesundheit um Ent­lassung aus seinem Amte. Der König gewährte ihm dies in den gnädigsten Ausdrücken und sprach den Wunsch aus, seiner Anerkennung der hohen Verdienste Salisburys durch Verleihung der Herzogswürde Ausdruck zu geben, was der Minister jedoch mit Dank ablehnte. Salisbury empfahl dem Könige Balfour als seinen Nachfolger, der sich mit Chamberlain in Verbindung setzte, bevor er das Portefeuille des Ministerpräsidenten annahm. Chamber­lain soll Balfour als den gegebenen Nachfolger Salisburys bezeichnet und chm seine volle Unterstützung zugesichlert haben. _______

Kornhans-Geuosseuschastru.

In Kassel fand kürzlich die Konferenz der deut­sche n Kornh aus-Gen o ssens chaften statt. Den Vorsitz führte Geh. Regierungsrat Haas-Darmstadt; als Vertreter des preuß. Landwirffchaftsministers wohnte Geh. RegDerurrgsrat Haas-Darmstadt; als .Vertreter des preuß. Landwirt, chaftsministers wohnte Geh. Regierungsrat Kapp- Berlin den Verhandlungen bei. Um die erforderlichen Mittel für die Geschäftsführung zu erhalten, wurde be­schlossen, eine Gebühr von 50 Psg. für jede verkaufte 1000 Zentner Getreide zu erheben. Auf eine Anfrage, ob die Regierung den Genossenschaften die Kornhäuser belassen werde, antwortete Geheimrat Kapp, für die preuß. Re­gierung bestehe keine Veranlassung, die Kornhäuser in eigene Regie zu nehmen. In den weiteren .Verhandlungen wurde auch über den Bau von neuen Koruhäusern und die Auf­bringung der Mittel dazu gesprochen. Während der Re­ferent, v. Brockhausen-Stettin, die Auffassung darlegte und begründete, daß die Beschaffung der Baugelder aus den Erträgnissen der alten Kornhäuser anzustreben sei, führte Rittergutsbesitzer v. Köppcn-Soest dagegen aus, daß der Staat die Verpflichtung habe, das Anlagekapital herzugeben, um neue Kornhäuser zu bauen, es bleibe dann den Genossen­schaften iu)d)i genug, wenn sie das Betriebskapital auf- Drächten. Geheimrat Kapp erklärte dem gegenüber, daß Pie preuß. Staatsregierung jede Verpflichtung hierzu in iAbrck>e stellen müsse. Die Genossenschaften müssen sich jetzt ffelbst weiter helfen.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Juli. Aus Bergen wird gemeldet: Die KaiseryachtH o h en z o llern ist heute nachmittag nach Molde in See gegangen.

Frau Anna v. Bennigsen, die Gattin des früheren Oberpräsidenten Rudolf v. Bennigsen, ist im 69. Lebensjahre g e ft o r b e n.

Wiesbaden, 14. Juli. Bei der heutigen Land- tagsersatzwahl für Dr. Lieber im 3. irassauischen Wah.l- ikreü erhielt der Zentrumskandidat Dr. Dahlem 181 Stimmen, der Landrat Schmidt-Montabaur 26;" un- 'giltig waren 3 Stimmen. Nicht erschienen waren zu der Wahlhandlung 41 Wahlmänner. Dr. Dahlem ist somit ge- iwählt.

Ausland.

Mons, 14. Juli. Der sozialistische landwirt­schaftliche Kongreß ist gestern hier eröffnet worden. Anwesend sind zahlreiche sozialistische Führer und Abge­ordnete.

Paris, 14. Juli. Das Ratio Halfest wurde heute bei prachtvollem Wetter gefeiert. Die Truppenschau in Longchamps fand unter ungeheurem Andrange des Publi­kums statt. Präsident Loubet wohnte derselben in seiner Loge bei, umgeben von mehreren Ministern und Botschaf­tern. Die Revue verlief aufs Glänzendste. Bei der Trup­penparade litten die Soldaten schwer unter der Hitze. M kamen über hundert Krankheitsfälle vor. General F-aure-Biguer, Gouverneur von Paris, erlitt einen Sormensttch und ftel vom Pferde. Sein Zustand erscheint wicht bedenklich. Auch General Perein, >labinettschef des Iriegsminifters, erlitt einen Sonnenstich und ist schwer Drei Personen find durch Sonneustich ge­

tötet worden. Die Mitglieder der Patriotenliga zogen zu dem Denkmal der Stadt Straßburg und der Statue der Jungfrau von Orleans und legten dort Kränze nieder. Die Kundgebung verlief ruhig und ohne Zwischenfall. Loubet hatte an den Kriegsrninister Andre einen Brief gerichtet, in dem er konstatiert, daß Ausbildung und Haltung der Armee nichts zu wünschen übrig ließen. Trotz der erschlaffenden Temperatur seien die Truppen in ausgezeichneter Ord­nung und Haltung vorbeimarschiert. Die Pariser Bevöl­kerung habe die Tricolore begrüßt und die Armee, die sie schirme. Der Brief hebt mit lebhafter Freude hervor,, daß das Land für die Armee die gleiche Zuneigung hege. Seine Anhänglichkeit an die Einrichtungen Frankreichs sei die beste Bürgschaft für die Sicherheit des Vaterlandes und die Größe der Republik.

Die Verhaftung eines der Spio nage ver­dächtigen Oesterreichers in Lyon wird damit moti­viert, daß derselbe angeblich photographische Aufnahmen längs der Alpengrenze gemacht hatte.

Prag, 14. Juli. Der Beamte, durch dessen Verschulden das aus Kaiser Wilhelm bezügliche Inserat im Polizeianzeiger abgedruckt würde, ist vorläufig nur auf sechs Wochen des Dienstes enthoben. Gestern erschien der Polizeidirektor Krikäva beim deut­schen Konsul Frhrn. v. Seckendorfs, und informierte ihn aufs Genaueste über den Vorfall, wobei er nachdrücklichst be­tonte, daß dem schuldtragenden Beamten jede böse Ab­sicht fernlag. Entgegen Behauptungen einzelner Blätter, das Inserat sei in polnischer Sprache eingeschickt worden, verlautet von maßgebender Seite, daß der Text in deutscher Sprache abgefaßt gewesen ist. (Wie dasBerl. Tagebl." zu wissen glaubt, ist seitens der deutschen Regierung in Wien keine Beschwerde erhoben worden, da man es der österreichischen Regierung selbst überlassen wollte, hier Remedur zu schaffen.)

Peking, 14. Juli. Heute haben die Vertreter der Mächte an die chinesische Regierung eine identische Note wegen Aufhebung der provisorischen Regie- rung in Tientsin abgesandt.

Aus Stadt und Sand.

Gießen, den 15. Juli 1902.

** Der neu ernannte Pro vinz ial direktor, seitherige Ministerialrat im Ministerium des Innern, Dr. Breidert, wird morgen früh in sein Amt ein­geführt werden. Dr. Breidert hatte seine bisherige Stellung seit dem 1. August 1888 inne. Früher war er während einiger Jahre als Sekretär im Staatsministerium thätig und hat dann nacheinander die Kreisratsstellen in Erbach und Worms bekleidet, wobei er sich, wie heute dasDarmstädter Tagebl." schreibt, nicht nur durch berufliche Tüchtigkeit aus­zeichnete, sondern auch durch fein liebenswürdiges und leut­seliges Wesen überall ungeteilte Sympathien erwarb. Durch Uebertragung der Stelle des ersten Verwaltungsbeamten der Provinz Oberhessen an Herrn Breidert ist für den in Gießen und Oberhessen allgemein betrauerten Herrn von Bechtold zweifellos der geeignetste Ersatz geschaffen.

Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverord­netenversammlung, Donnerstag, den 17. Juli 1902, nach­mittags 4 Uhr. 1. Mitteilungen. 2. Gesuch der Firma Kauffmann u. Co. um Fristverlängerung zur Aufführung eines Vorderhauses am Schiffenbergerweg. 3. Baugesuch des August Scheppelmann dahier für den Großen Steinweg, hier: Vorgartenanlage. 4. Baugesuch der Johann Georg Weber Erben für die Neuenbäue Nr. 20, hier: Dispens. 5. Ver­größerung der Fabrikanlage des Oskar Gutmann, Frankfurter­straße 114, hier, Dispens. 6. Neubau von Kreuder, Neu­stadt, hier: Dispens. 7. Baugesuch von Ernst Blödner, Plock- straße 4, hier: Dispens. 8. Fluchtlinienplan für Ecke Markt­platz und Schulstraße. 9. Herstellung eines Bürgersteigs auf der westlichen Seite der verlängerten Bismarckstraße. 10. Lie­ferung von Pflastecklinkern für die Befestigung der Bürger­steige in der Plockstraße. 11. Vergebung von Arbeiten. 12. Dekretur von Rechnungen. 13. Geländeerwerb für den Aus­bau des Riegelpfad. 14. Verpachtung von Gelände aus der Margarethenhütte. 15. Versorgung der Fabrik von Dern u.Co. mit elektrischer Energie. 16. Ilebersicht über die wicklichen Einnahmen und Ausgaben des Großh. Realgymnasiums und der Realschule zu Gießen für 1901/02. 17. Beschaffung eines Fahrrades für die Beaniten der Baupolizei. 18. Wahl der Zuchtrichtung für Rindvieh. 19. Bildung des Wiesenvorstandes. 20. Gesuch des Vereins Reichsdeutscher in Budapest um Un­terstützung. 21. Gesuch der Wilhelm Kaltwasier Ehefrau zu Gießen um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrleb im Haufe Frankfurterstraße 7.

* Die Direktion des Großh. Gymnasiums hat, wie wir bereits mitteilten, eine Umfrage au die Eltern der die Anstalt besuchenden Schüler gerichtet, worm sie um eine Aeußerung ersucht, welche von zwei in Vorschlag ge­brachten Ferienordnungen die erwünschtere sei. Wir erhalten zu dieser für weiteste Kreise hochwichtigen Frage aus Elternkreisen folgende sehr bemerkenswerte Zuschrift: Schon die Veranstaltung der Umfrage läßt darauf schließen, daß die Rkeinungen in dieser Angelegenheit sehr auseinander gehen. Die Direktion stellt den Eltern anheim, zwischen zwei Ord­nungen zu wählen. Es dürfte dadurch bei den meisten Eltern die Meinung entstehen, daß überhaupt eine dritte Löftmg der Frage nicht möglich, bezw. ausgeschlossen sei. Soweit uns nun die Ansichten aus Interessentenkreisen be­kannt geworden sind, dürfte keiner der beiden zur Wahl ge­stellten Vorschläge den Eltern so ohne weiteres zusagen. Wir möchten mit Rücksicht auf die Mehrzahl der Schüler und be­sonders die noch un Entwickelungsstadium befindlichen Alters­klaffen uns erlauben, die Aufmecksamkeit der Eltern auf folgende Punkte zu lenken, die u. E. bei einer Aenderung der Ferienemterlung besondere Berücksichtigung verdienen. Es scheint uns nämlich vom gesundheitlichen Standpunkte aus betrachtet in erster Linie geboten, die Ferien nach Zwischen­räumen und Dauer rmgefähr gleichmäßig über das ganze Schuljahr zu veckcilen, und nicht alles auf eine lange Er­holungszeit, die zudem noch mitten im Schuljahre gelegen wäre, zu konzentrieren. Aus dieser Erwägung folgert, daß es sich dann empfehlen dürfte, die Herbstferien zu teilen, davon vier Wochen in den heißen Juli und zwei Wochen m den Herbst, vielleicht Ende September, zu verlegen. Etwa die Hälfte der Anstalten des Landes

hat Juliferien, darunter Darmstadt, da§ doch ebenfalls eine bedeutende Hochschule besitzt, woselbst die so­genannten Hundstagsfecken schon zu unserer Jugendzeit ein» geführt waren, welche Einrichtung sich heute noch der Be» liebtheit sämtlicher Eltern und Interessentenkreise erfreut. Wenn man sich bei den jetzt konkurrierenden Vorschlägen vielleicht auf Süddeutschland mit seinen langen Herbstferien beruft, so daff dabei doch nicht übeffehen werden, daß dort das Schul» fahr im Herbst schließt. Bei uns in Gießen folgen die Oster­ferien auf den Schluß des Schluß des Schuljahres und auf das wegen der Versetzung besonders arbeitsreiche TeckiaO Eine Kürzung dieser Ferien würden wir aus hygienische« Gründen für nachteilig erachten, weil die Schüler nach fa langer und angestrengter Geistesthätigung doch sehr der Aus­spannung und Erholung bedürfen. Da nun außer den zwei^ Wochen Wechnachtsferien, die unverändeck erhalten bleibe« sollen, nur noch 9 Wochen im ganzen zu oerteiten und 6 Wochen bereits vergeben sind, so möchten wir im Inter­esse des Wohlergehens unserer Kinder voffchlagen, die Osterferien auf mindestens 2 1/2 W ochen festzusetzen, selbst auf die Gefahr hin, die Pfingstferien um i/2 Woche kürzen oder die fehlende halbe Woche den Gesamt­ferien zufügen zu müssen. Wir tragen kein Bedenken, das letztere Auskunftsmittel zu empfehlen, da nach unserer In­formation beispielsweise in Rheinhessen infolge der katholischen Feiertage den Schülern dock auch einige freie Tage zu gute kommen, was hier nicht der Fall. Wir haben in Hessen an den höheren Lehranstalten bereits zwei von einanderver- schiedene Ferienordnungen, nun soll für Gießen viel­leicht noch eine dritte, besondere Ordnung geschaffen werden. Selbst das große Preußen mit seiner größeren Zahl von Universitäten, wo doch noch vielgestaltigeren Interessen und Wünschen Rechnung zu tragen ist, hat fast in sämtlichen Pro­vinzen Juliferien. Darum wird es unserer Ansicht nach auch möglich und zweckmäßig sein, für Gießen und Darmstadt etwa die gleichen Einckchtungen zu treffen. Nicht vereinzelte Ab- stimmung, sondern Einberufung einer öffentlichen Versammlung, in der Eltern, Aerzte und Lehrer gleichmäßig zu Wocke kommen und das Für und Wider ein­gehend erörtert werden kann, dürfte den infrage kommenden Direktionen unserer höheren Lehranstalten die einzige Mög­lichkeit bieten, das Beste und allen Beteiligten zumeist Zu­sagende hinsichtlich der neuen Feckenordnung ausfindig zu machen."

* * Personalien. Der Landgestütsdiener Hermann Breitwieser in Darmstadt ist wegen geschwächter Gesund­heit und unter Anerkennung seines Wohloerhaltens in den Ruhestand versetzt worden.

* Das Amtsblatt des Großh. Ministeriums der Justiz Nr. 18 vom 30. Juni d. I. enthält ein Aus­schreiben an die Großh. Amtsgerichte, betreffend die staalliche Betriebskrankenkasse, hier den Beitritt der Amtsgeckchtsdiener- Substituten.

Die Enteignung des Klinikgeländes. Unserem Bericht über die Enteignungsverhandlungen des Klinikgeländes haben wir noch nachzutragen, daß der geforderte Preis für die gesamte Gabriel'sche Besitzung in der Klinikstraße, die mit in das Gelände der neu zu erbauenden Kliniken fällt, sich nicht, wie wir angaben, auf 122 Mk. für den Quadrat­meter, sondern auf insgesamt 122 000 Mk. beziffert. Uebngens werden wir, um einerseits unsere bisherigen Be- ckchte über das Enteignungsveffahren zu ergänzen, und um andereffeits die Beweggründe, die das Enteignungsveffahren veranlaßt haben, zu erläutern, in den nächsten Tagen einen ausführlichen Situationsbeckcht über das zu enteignende Ge­lände bringen.

^Stenographisches Wettschreib en. Bei dem gelegentlich des 23. Stenographentages des Verbandes der Gäbelsberger Stenographen des Main-Rh eingaues und von Hessen und Nassau Vjm 1. Juni in Wetzlar abgehaltenen Preisweckschreiben entfielen nach Gießen 4 Preise. In der Abteilung von 80 Silben pro Minute erhielt Oswald Ulbricht (Gesellschaft) den 1. und Alex. Karnbach und Fcktz Kalbfleisch (Verein) je einen 3. Preis, während in der W- teilung 100 Silben Emil Rau (Gesellschaft) den dritten Preis errang.

* * Aus dem Polizeibericht. Gestern Abend gegen 11 Uhr wurde eine mehrfach wegen Trunkenheit verhaftete Frau im Mittelweg von zwei Männern in unverschämter Weise angehalten. Auf ihre Hilferufe effchien ein Schutzmann, worauf die beiden Männer, ohne erkannt zu werden, flüch- teten. Die Frau, die sehr betrunken war, wurde verhaftete Auch ein fremder hier zugereister Handwerker, der gestern' Abend nach 9 Uhr in der Wallthorsiraße durch seine Trun- kenheit einen Menschenauflauf verursachte, mußte in Haft ge­nommen werden.

* * Wegen eines Spazierstockes. Ein kaum 14jähriger junger Mensch von hier, welcher schon seit vier Wochen die elterliche Wohnung meidet, obdach- und arbeits­los sich in der Stadt umheckreibt, wurde gestern abend wegen Diebstahls in Haft genommen. Er hatte am vergangenen Sonntag Nachmittag in einem Laden auf dem Kreuzplatze einen wertvollen Spazierstock entwendet, mit dem er sich auf dem Turnfest im Philosophenwald dadurch verdächtig machte, daß er ihn beständig im Rockärmel versteckt trug.

* * Von der Schloßfreiheitslotterie. Wie uns von der Lotteriedirektion zu Darmstadt nntgeteilt wird, sind die Lose der Darmstädter Schloßfreiheitslottecke an die Kollek­teure vollständig ausverkauft worden. Da aber bei einigen der letzteren noch eine Anzahl Lose unverkauft geblieben ist, so ist die Ziehung erster Klaffe auf den 14. August ver­schoben worden. Bei dem Termin für die Ziehung der 2. Klasse bewendet es.

sd. Die Stelle eines kaufmännischen Di­rektors der H e s sis ch e n L and e s-H Y p 0 th e k e n- b a n t' wird vom Großh. Finanzministerium soeben ausge­schrieben. Bewerber wollen sich unter Vorlage von Lebens­lauf und Zeugnissen und unter Angabe sowohl ihrer der­zeitigen Bezüge an Gehalt, Tantiemen re. als auch ihrer Gehalts ansp räche für die obige Stelle bis 25. Juli d. I. melden.

* * Im hiesigen Schlachthofe entsprang heute mor­gen ein zum Schlachten bestimmter Stier, als er in der Schlachthalle zum Schlachten geführt werden sollte. Das wild gewordene Thier lief auf dem Fußweg der Westanlage ent­lang, doch konnte es bald wieder eingefangen werden.

* * Briefkastenleerung. Um dem entfernt vom: