Ausgabe 
15.7.1902 Erstes Blatt
 
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ÄTHmerin Der Kraft, vor der crmerikonffchen Gefahr tm- Gebührlich vergrößert wird. Wenn es wahr ist, was Stead und andere behaupten, daß ungleich mehr Amerikanerinnen ^Europäer, als Europäerinnen Amerikaner heiraten, dann dürste dies eigentlich ein Trost für uns sein. Offenbar fehlt «0, drüben in besserem Sinne an körperlich wie geistig Lmponier enden Männern, und dieser Fehler der ameri- ranischen Demokratie kann noch mancherlei andere Fehler nach sich ziehen. Andererseits hat man die Vermutung ausgesprochen, daß die Vergoldung europäischer Wappen­schilder mit amerikanischer Münze dem Adel einen neuen Halt geben möchte. Das ist möglich; möglich aber ist auch eine demokratische Zersetzung der starren Adelsbegriffe eben durch die weibliche Amerikanisierung des europäischen Adels.

Politische Tagesschau.

Preußens Hegemonie im deutschen Reich.

Die Verschiedenheit der Entwickelung der einzelnen Lander hat da^i geführt, daß der Anteil der deutschen ^Bundesstaaten an der Gesamtbevölkerung des Reichs sich in den letzten Jahrzehnten nicht unmerklich verschoben hat. Das Königreich Preußen umfaßt zwei Drittel des ReichA- igMets und stellt daher das größte Kontingent zur deut­schen Gesamtbevölkerung. Das versteht sich von selbst, aber die Zunahme der Bevölkerung innerhalb des heutigen Gebietes der preußischen Monarchie hat einen so rapiden ALaut genommen, daßdas tlebergewicht der Preußen !rmoeutschen Volkehe utenoch wesentlich höher Lst als früher. Auf dem ganzen jetzigen Flachenraum des preußischen Staates wohnten vor IjunDert Jahren nur >55 Proz. der Bevölkerung des heutigen Reichsgebiets, gegem wärtig stellt aber Preußen 61 Proz. zur Reichsbevölkerung lluter allen größeren Bundesstaaten hat nur noch Sachsen einen ähnlichen Gewinn auszuweisen, indem da in dem­selben Zeitraum der Anteil an der Reichsbevölkerung von 4 aus 7 Proz. gestiegen ist ;die anderen Länder sind in dieser Hinsicht mitunter sogar ziemlich beträchtlich gesunken. So hat Bayern vor hundert Jahren zur Bevölkerung des heutigen Reichs 14 Proz gestellt. Jetzt beträgt sein Anteil nm 11 Proz, Baden ist von 4 auf 3, unser Großherzogtum Hessen von 3 aus 2 und Württemberg gar von 5 auf 3 Proz gesunken. Ja, die württembergrsche Bevölkerung ist in diesem Zeitraum so langsam gewachsen, daß es heute nm ungefähr die Hälfte der sächsischen Bevölkerung erreicht, tvahrend es vor hundert Jahren eine viel größere Ein­wohnerzahl hatte als Sachsen. Natürlich ist auch infolge dieser Entwicklung das Verhältnis der Volkszahl zur Fläche wesentlich anders geworden. Die ganze Reichsfläche mißt gegenwärtig 540 000 Quadratkilometer. In demselben Gebiet kamen vor hundert Jahren auf ein Quadratkilometer nm 46, heute aber schon 104 Einwohner. Auch in dieser B^iehung haben sich die verschiedenen Teile des Reiches mangelhaft entwickelt. Am auffallendsten ist die Wandlung in Elsaß-Lothringen, das im Anfang des vor. Jahrhunderts Ä8 Einwohner aus das Quadratkilometer aufzuweisen hatte und damit bevölkerter war als jeder andere Teil des heutigen Deutschen Reichs, wogegen es heute nur ungefähr die durchschnittliche Dichtigkeit des Reichsgebiets hat.

Gegen die Gnmdstückspeknlatiou.

Wenn wir recht sehen, brüht sich in immer weiteren Kreisen das Verständnis für die Notwendigkeit einer ver­nünftigen Bodenpolitik Bahn. Mit großer Mehr­heit hat z. B. die württemb ergische Kammer bei der Beratung der Gemeindesteuerreform den Gemeinden die Berechtigung erteilt, eine Bauplatzsteuer zu erheben. Ueber- steigt die Dreiprozentige Rente des Verkaufswerts eines Grundstücks den anderthalbfachen Betrag seines Grund- steuerkapitals, so darf eine Steuer im Höchstbetrage dieser Differenz erhoben werden. Der Minister des Innern Dr. v. Pischek führte dazu etwa folgendes aus:

Die Bauplätze haben meist keinen oder einen ge­ringen Ertrag, und wenn sie einen solchen haben, so ist dies nicht ihre Zweckbestimmung. Eine innerlich rich­tige Besteuerung hat sich also nicht im Nahmen der Ertrag­steuern, sondern einer Wertsteuer zu halten. Der Wert- zuwachs der Grundstücke entsteht nicht bloß drnch Ver- lechung der Eigenschaft als Bauplatz drnch den Ortsbau-. vlan, sondern namentlich auch, durchs die Aufwendung Der Gemeinden für Straßen usw., die sie nach den Bau- quartieren ziehen. Der Bauplatz-Eigentümer beziehe also einen besonderen Gewinn auf Kosten der Steuerzahler. Auch lasse sich drnch die Bauplatzsteuer vielleicht eine Beschränkung der Bauplatz^Spekulation erreichen. Ergehe davon aus, daß einfach Zonen bestimmt und daß inner­halb dieser Zonen die Wertsätze festgesetzt werden. Auch in Preußen sei die Bauplatzsteuer in einem Artikel ab­gemacht worden. Gegen die Steuer werde geltend ge­macht, dieselbe werde nicht viel einbringen. Er wolle nur darauf Hinweisen, daß für die Stadt Stuttgart sich ein Betrag von 160000 Mk. berechne, trotz der niedrigen Sätze. Letztere könne man ja übrigens erhöhen. Daß sich keine Uebcrlastung herausstelle, das habe die Eingabe des Güterbesitzervereins gezeigt. Wenn keine Wertsteigerung eintrete, werde auch keine Bauplatzsteuer erhoben. Er könne sich nicht überzeugen, daß innere oder praktische Gründe gegen die Annahme des Entwurfes vorliegen, zudem die Steuer ja nur fakultativ sei."

In einer Stadt Norddeutschlands ist kürzlich die Bau­polizei in einem Einzelfalle gegen spekulative Absichten eingeschritteu, indem sie einer Gesellschaft bei Entziehung der Baukouzefsion die Vollendung der von ihr geplanten Fabrik­anlagen innerhalb eines Jahres aufgab. Die Verfügung wurde angefochten, von der Berufsinstanz aber aufrecht erhalten. Das sind natürlich kleine Anfänge, die aber Mr die Stimmung immerhin bezeichnend sind.

DiAkontogesellschaft. Die Kosten der Treberunternehmungen waren höher, als vorauszusehen war. Dadurch wurde der Kredit der Leipziger Bank in sehr hohem Grade nach und nach in Anspruchs genommen. Die Bank war und blieb die einzige Geldquelle, da der Trebergesellschaft durch die fortgesetzten Angriffe in den Zeitungen der Kredit nach und nach entzogen wurde. Mit Exner habe er nie eine Ver­einbarung getroffen, von der der Aufsichtsrat in Kassel nichts wußte. Die Transaktion mit dem Aufsichtsrat sei so erfolgt, daß man größere Beträge von Dochteraktien an die Aufsichtsräte gab, von denen Dafür Akzepte ausge­geben wurden. Es habe nicht die Absicht Vorgelegen, diese Wechsel zu prolongieren. Es sei ihm nicht bekannt, daß bei dem Verkauf von Effekten im Jahre 1890 eine Neben- vereinbarung mit der Bank stattgefunden habe. 1900 habe wieder ein Verkauf von Aktien an die Bank stattgefunden. Er giebt zu, daß im Frühjahr 1900 aus die galizische Gesell­schaft ein Wechsel in Höhe von 1600 000 Mark für eine Forderung lies und daß diese Forderung nicht gebucht war. Die Angriffe der Presse bezweckten lediglich die Ver­nichtung der Trebergesellschaft. Er bestreite nicht, daß alle Transaktionen mit der Bank den Zweck hatten, das Obligo in der Kasseler Bilanz nicht zum Ausdruck kommen zu lassen. Er hätte unrichtig gehandelt, wenn er anders gehandelt hätte. Schmidt giebt auch Zurückdatierungen auf verschie­denen Konten zu. Er habe eben alles aufbieten müssen, um seine Gesellschaft gegen Angriffe zu retten. Zum lpeparat- vorschußkonw bemerkt Schmidt, es seien darauf die an die Herren der Trebergesellschaft verkauften Forderungen an die Tochtergesellschaften gebucht worden. Bei der Buchung habe er im allgemeinen sehr vorsichtig gehandelt, er habe sich aber das ganze Jahr um die Bücher nicht kümmern können. Ein Fehler sei es gewesen, daß er statt der Tochter­gesellschaften ein Konsortium habe belasten lassen. Schmidt fährt fort, fein Vermögen habe er durch günstigen Verkauf von Treberaktien bei Hereinnahme neuer Emissionen ver­dient. Seine Tantieme von 350 400000 Mark und die Dividende, sowie das nicht abgehobene Jahres- gehalt von 2 4000 Mark sei der Gesellschaft belastet worden. Beim Zusammenbruch seien Aktienkapital und Re­servefonds vollkommen intakt gewesen. Bis heute sei die Herstellung eines ordnungsmäßigen Status nicht möglich gewesen. Alles Gegenteilige beruhe auf Trugschlüssen Sachf- verständiger. Die Trebergesellschaft habe wirklich, ver­dient. Daß er das Unternehmen für gut gehalten habe,, beweise, daß er Verwandten noch wenige Wochen vor dem Zusammenbruch geraten habe, ihre Treberwerte zu be­halten. Gegen eine laufende Kontrolle durch Sekretär Wuthe habe er sich verwahren müssen, gegen eine zeitweilige Kon­trolle habe er nichts einzuwenden gehabt. Daß eine Fusion Illusion gewesen sei, bestreite er. Er habe den Eindruck gehabt, daß Dr. Gentzsch wie die übrigen Herren der Bank Kenntnis von den Trebergesellschaften hatten. Daß er das Geheimbuch mit dem Konto der Bank dem allgemeinen Einblick entzogen habe, habe seinen Grund darin, daß er die jungen Leute das Konto nicht einsehen lassen wollte. Exner vor allem sei über alle Vorgänge bei der Treber- gesellschaft orientiert gewesen. Schmidt äußert sich bann über das Bergmannsche Patent und das neue Retorten- System. Schmück fährt fort, durch die Fusion habe er ge­glaubt, die Hauptschwierigkeiten der Gesellschaft beseitigen zu können Er selbst habe, um der Gesellschaft vorher neue Mittel zuzuMhren, bei einer privaten englischen Seite bis 11/2 Millionen lombardiert. Die Kasseler Herren seien nicht leicht zrn Uebernahme ihres Ooligos zu bewegen ge­wesen, aber die Kasseler Verwaltung habe sich doch mora­lisch verpflichtet gesiihll, für den aus dem Bergmannschen Verfahren erwachsenen Schaden einzutreten. Er habe aus der Trebergesellschaft eine Einnahme von 12 Millionen herausgerechnet. Wenn er mm die Engagements bei der Leipziger Bank mit 90 Millionen annehme und die Privatengagements der Aufsichtsratsmit­glieder gleich 43 Millionen, der eigenen Hemixenaktien der Bank in Höhe von 4 Millionen, sowie drittens einen Teil der Wechsel auf Privatleute im Betrage von etwa 3 Mill, davon kürze, so blieben nm noch 40 Millionen. Voraus­gesetzt ferner, daß man diese 40 Millionen mit 10 Proz. amortisierte 4 Millionen und das Treber-BetriebA- kapital von 20 Millionen ä 12 ProK. mit 2,4 Millionen ver­zinse und amortisier, so blieben immer no-dji 5,6 Millionen übrig, was einer Dividende von 25 Proz. des TrebeEktien- kapitals entsprochen haben würde. Schmidt giebt zu seiner früheren Aussage zu, daß der Leipziger Bank deshalb hohe Provisionen von Kassel bewilligt seien, um ihr ein Entgelt für die moralische Unterstützung zu bieten

Zu der Bilanz von Kassel weisen Sachverständiger Dal- trop-Kassel unb Schließer- Fritzlar nach daß in der Bilanz 189596 Warenverkäufe noch Ende des Jahres ge­bucht, aber sofort im neuen Jahre wieder storniert seien. Dies habe eine vollständige Verschiebung des Gewinns ergeben. Statt einer Dividende von 10 Proz. würde Unterbilanz erziell worden sein Sachverständiger Plauth sagt über die persönlichen Eigenschaften Schmidts aus, derselbe habe ein so liebenswürdiges Wesen an den Tag gelegt, daß er fast alle täuschte. Man hielt ihn für einen Phantasten und Optimisten, aber nicht für einen schlechten Menschen. Ehemiker Dr. Schmidt, früher An­gestellter der Kasseler Gesellschaft, bekundet, er sei aus­getreten, weil er d i e Gewissenlosigkeit v 0 n! Direktion und Aufsichtsrat nicht mitmach,en wollte. Er habe, als Schmidt mit dem neuen Retorten­system manipulierte, erklärt, daß die Gesellschaft auf diese Weise zu Grunde gehen müsse. Zeuge Adolf Schmidt erklärt, daß er seine Hand zu Buchungen nur geboten habe, um das Obligo der Leipziger Bank zu vermindern. Der Zeuge wird wieder nach Kassel entlassen und Die Ver­handlung auf morgen vertagt.

Aus Stadt und Sand.

Der Leipziger Bankprozetz.

XIX.

Zeuge Adolf Schmidt wird vorgeführt. Er ist bereits in der Voruntersuchung vernommen. Schmidt schickt einige generelle Bemerkungen, voraus und bezeichnet Die Gutachten Der Kasseler Lochv er ständigen als absolut unrichtig. Man sei voreingenommen gewesen nnD habe hinter jeDer seiner Haud- togen eine Spitzbüberei erblickt. Die Kasseler Herren seien nicht befähigt gewesen zrn Beurteilung eines so großen Unternehmens. Des Weiteren habe man auch von Wechsel­reitereien in großem Umfange gesprochen. Dagegen müsse er protestieren. Die Trebergesellschaft sei seit Ende 1895 mit der Leipziger Bank in Verbindung getreten, lieber Den Trust, Der die Tochterattien nach und nach zu plazieren suchte, macht Schmidt uiitlarc Angaben. Er erklärt auf 'Betragen, Daß er sich außer bei Der Leipziger Bant noch anderweitig nach Kredit umgesetzeu habe, so auch, bei der

Gießen, den 15. Juli 1902.

** Ein vor hergesehen er Widerruf. Wir lesen heilte in derDffenb. Ztg.":

Nicht S t a a t s m i n i st e r Rothe, wie wir infolge eines telephonischen Mißverständnisses meldeten, sondern der Unterstaats­sekretär im Reichsamt des Innern, Rothe, soll seine Pensionierung nachgejucht haben."

So hat sich unsere gestern ausgesprochene Vermutung bestätigt und Hessen steht nicht vor e i n e r Di i n i st e rk r i s e. Man wird diese Meldung im ganzen Lande mit großer Freude aufnehmen. Staatsminister Dr. Rothe hat heute, wie uns heute Drahtlich aus Darmstadt gemeldet wird, einen mehrwöchentlichen Er h olun gsurlaub angetreten, der aber keineswegs etwa dem des bayrischen Kultusministers Dr. v. Landmann gleichkommt.

** Oberh essisches Städtebund-Theater. Man schreibt uns heute aus Marburg vom 14. d. M.:

Die heute Abend abgehaltene Stadtverordnetenversannnlung beschloß, einen Antrag an den Magistrat jjn richten, zur Einleitung der Verhandlungen zur Gründung eines Städtebund- Theaters eine Kommission zu wählen. In Betracht kommen die Städte Marburg Gießen Nauheim Wetzlar FuldaSalzschlirf und W i l d u n g e n.

Der.Gieß. Anz." ist bekanntlich berecks feit zwei Jahren auf das lebhafteste für die Begründung eines Städtebund- Theaters eingetreten. Er hat wiederholt die unwiderleglich großen Vorzüge, die ein solches für das Theaterwesen unserer Stadt wie aller anderen beteiligten Orte bieten würde, dar­gelegt. Nun endlich werden, nachdem unsere Anregungen auswärts auf fruchtreicheren Boden gefallen sind, wohl auch die hiesigen städtischen Behörden sich entschließen, dieser Frage näher zu treten, und wir hoffen auf einen erfreulichen Ausgang der Angelegenheit.

!? Pferdemarkt. Unter dem Vorsitz des Stadtv. Kirch fand dieser Tage eine Sitzung der Pferdemarkt-Korw- mission statt, in der Brauereibesitzer Georg Dichter zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde. Die Kom­mission beschloß, den nächsten diesjährigen Pferdemarkt am Mittwoch, den 10. Septem der, abzuhalten, dem sich am nächsten Tage die Verlosung anschließen wird. Auf dem Marktplätze sind verschiedene Verbesserungen in Aus­sicht genommen. An Prämien sind 1565 Mark vorgesehen. Zur Prämiierung für zur Vorführung kommender Reit-, Wagen- und Arbeitspferde, die einzeln oder paarweise vor- gefuhrt werden können (bei Reitpferden ist die Vorführung durch Reiter gestattet) wurde für jede Abteilung ein (Syrern- vreis vorgesehen. Die Lotterie ist auf 20 000 Lose bemessen. Deren Vertrieb das Stück zu eine Mark wieder an Richard. Buchacker, Neuen-Bäue, übertragen wurde. Als 1. Haupt­gewinn wird angetauft ein viersitziges Halbverdeck mit Pferd und Bespannung (silberplattiertes Geschirr); weitere Ge­winne werden bestehen aus 9 Pferden und Fohlen, land­wirtschaftlichen Maschinen und sonstigen nützlichen Ge­brauchsgegenständen. Um Unglücksfälle zu ver­hüten, hat die Pferdernarkt-Kommission sich mit einer Ein­gabe an Die Verwaltung.der Bieberthalbahn ge­wandt, mit dem Ersuchen, am 10. September d. I., also am Tage des Pferdemarktes, während der Dauer deA Marktes ihren Zügen während der Fahrt über Die Lahn­brücke bis hinter Das Schlachthaus und umgekehrt einen Mann mit einer roten Fahne in der Hand voranzusendem Man will damit erreichen, daß Der Lokomotivführer hier­durch gezwungen wird, Schritt zu fahren. Die hier' ge­wünschte Maßregel wäre übrigens an jedem Viehmärkttage sehr am Platze.

** Personal-Nachrichten. Der provisorische Assistent bei der Gewerbeinspektion Darmstadt Dr. Heinrich Müller ist znm Assistenten bei dieser Behörde, der Lehrer Johann Lorenz Wagner in Alzey zmn Hauptlehrer an der Gewerbeschule zu Alzey, ernannt worden. Der Kanzlei­diener bei der Zentralstelle für die Gewerbe, Balthasar Henkel in Darmstadt, ist unter Anerkennung seiner mit Eifer und Pflichttreue geleisteten Dienste, auf fein Nach­suchen in den Ruhestand versetzt worden. Der StationK- gehilfe bei der Main-^reckar-Eisenbahn Philipp Haun au$ Darmstadt ist zum Stationsassistenten bei dieser Bahn er­nannt worden.

** Kreisgeometer. Dieser Tage hat das Großh. Katasteramt in höherem Auftrage die Besetzung der neu- geschaffenen Stellen' der Kreisgeometer erhalten und wer­den diese am 1. August ihren neuen Menst antreten. Da die Geometer seither als Privatleute auf Kundschaft angewiesen waren, hat man offenbar eine umfangreiche Veränderung der Wohnsitze eintreten lassen, well fie nunmehr als Be­amte dem Publikum anders gegenüberzutreten haben Mit Verstaatlichung des Geometerwesens ist ein oft geäußerter Wunsch dieses Standes erfüllt worden Die Geometer er­werben Beamteneigenfchaft, d. h. größere Sicher­heit der Stellung (Ruhegehalts-Berechtigung), Witwen- und Waisenversorgung. Sie verlieren daher die seitherige Un­abhängigkeit ihrer Stellung und erleiden zumeist eine Einbuße der Einnahmen, da fie als Beamte selbstredend ihrer Vorbildung nach eingereiht werden. Trotzdem gtauben wir, daß der Stand als solcher durch die Verstaatlichung nur gewonnen hat.

** Der erste Jahresbericht der Handwerks­kammer zu Darmstadt für die Zeit vom 25. Mai 1900 bis 31. Marz 1902 ist soeben erschienen. Der Bericht giebt ein umfassendes Blld von der Thätigkeit der Kammer seit ihrer Konstckuierung bis zum heutigen Tage. Das reich-- haltige Material ift forgfältig gegliedert, übersichtlich zusammen­gestellt und zerfällt in folgende Abschnitte: 1. Errichtung und Konstituierung der Kammer, 2. Personalien der Kammer, 3. Sitzungen, 4. Rechnungs- und Kastenwesen, 5. Sekretariat, 6. Amtliches Organ der Handwerkskammer, 7. Lehrlings­wesen, 8. Organisation im Kammerbezirk, 9. Bestellung von Prüfungsausschüsten zur Abnahme von Gesellenprüfungen, 10. Errichtung von Prüfungskommissionen zur Abnahme der Meisterprüfungen, 11. Beauftragte, 12. Erstattung von Gut­achten, Unterstützung der Staats- und Gemeindebehörden und der Förderung des Handwerks durch thatsächliche Mitteilungen, 13. Zur Lage des Handwerks, 14. Genossenschaftswesen, 15. Mitteilungen über die einzelnen Genossenschaften, 16. Die deutschen Handwerks- und Gewerbekammem, 17. Anhang, betr. Ergebnisse der Gesellenprüfungen

Bad Nauheim, 14. Juli. Unterhaltun gen Mittwoch, 16. Juli, nachmittags von 41/,6^ und abends von 810 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Schubert- und Weber-Konzert. Abends 8 Uhr Theatervor­stellung:Der Hochzeüstag." Donnerstag, 17. Juli, nach­mittags von 4x/261/, und abends von 810 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends von 810 Uhr im Saale Tanz. Freitag, 18. Juli, nachmittags von 41/, bis 6x/2 und abends von 810 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle:Der Bettelstudent. Samstag, 19. Juli, nachmittags von 4l/26l/t und abends von 8 bis 10 auf Der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Vorstellung des Zauberkünstlers W. Rößner aus Berlin. Sonntag, 20. Juli, Konzert der Kapelle des schwe­dischen Kroneberg-Regts. Nr. 11 aus Stockholm. Freitag, 25. Juli, Madame Pvette Guilbert.

** Heuchelheim b. Reichelsheim, 14. Juli. Der hie­sige Kriegerve rein feierte gestern und heute sein Fahnen­weihefest. Es hatten sich dazu 30 auswärtige Vereine mit ihren Fahnen eingefunden Der imposante Festzug bewegte sich durch unser schmuck aufgeputztes Dörflein nach Dem Fest­platz. Hier begrüßte Lehrer Maurer die Festversannnlung und brachte das Hoch auf Kaiser und Großherzog aus. .Pfarrer Fischer von Rerchelsheiw hielt die Festrede und vnll-