Ausgabe 
15.7.1902 Erstes Blatt
 
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stücke und geschmolzene

zog den Weiheakt. Fräulein Weitz überreichte die Fahne. Der Kriegerverein Reichelsheim hat einen goldenen Fahnen- uagel gesüftet und befestigte ihn an der neuen Fahne. Hierauf begann, durch das herrliche Wetter begünstigt, ein rechtes Festtreiben, das durch keinen Mißton gestört wurde.

für Volksbelustigung.

Offenbach, 14. Juli. Bei der heute vormittag er- rolaten Versteigerung der Schlosser'schen Liegen­schaft wurde der Stadt Offenbach, die mit 193 500 Mk. das höchste Gebot abgegeben hatte, der Zuschlag erteilt. Außerdem war nur noch ein Gebot von 150 000 Mark

erfolgt.

Heusenstamm, 14. Juli. Heber den Kirchenbrand tirtrb noch gemeldet: Statt des allgemein bewunderten Gotteshauses bietet sich nun eine traurige, rauchgeschwärzte Ruine dem Auge dar. Schon von weitem zeigt sich dem Wanderer der kahle Turmstumpf, dem noch kleine Rauch? wölken entsteigen. Die ganze Kuppel ist ein gestürzt, die Uhr vernichtet, nur die drei Glocken hängen noch in dem verbogenen eisernen Stuhle, alle gesprungen und bis zur Unbrauchbarkeit beschädigt. Das Dach ist völlig eingesturzt, die Kirche außen ringsum ein Schutthaufen, innen b^ zur Unkenntlichkeit fast alles geschwärzt von Ruß und Staub. Die Partie der Kirche in der Nähe des Turmes ist am schlimmsten mitgenommen. Dort ist von der herrlichen Orgel nichts mehr zu sehen als einige verkohlte Holz­stücke und geschmolzene Metallreste. Die icher der. P*1

an der Decke angebrachten berühmten Freskomalereien aus '>em vorigen Jahrhundert (die Kirche wurde 1764 von der Gräfin Maria v. Schönborn erbaut und wird noch heute von genannter Familie, die hier stark begütert ist, unter- tützt) sind völlig herabgebrochen. Die übrigen Malereien >er Kirche sind von Ruß vollständig geschwärzt, und ist es raglich ob dieselben wieder renoviert werden können. Das Mcmerwerk der Decke selbst ist weniger beschädigt. Eine gestern nachmittag hier vorgenommene Untersuchung durch das Kretsbauamt Offenbach ergab, daß die Decke tragfähig sei. Ein Notdach wird erbaut und im Innern eifrig gereinigt, um womöglich noch am nächsten Sonntag den Gottesdienst wieder ab halten zu könnem Der in G-e- ähr schwebende Glockenstuhl wird da, wo die eichten Trag- chwellen verkohlt sind, sofort untermauert. Der Schaden läßt sich bis jetzt noch nicht annähernd bestimmen, doch dürfte er mit 100 000 Mark nicht zu hoch taxiert sein. Die Kirche ist bei der Landesbranükasse und bei der München- Aachener Feuerversicherungsgesellschaft mit insgesamt 159 000 Mark versichert. Der Blitz schlug in den Kirchturm, der keinen Blitzableiter hatte. Augenzeugen be­richten, wie ein greller Blitzstrahl auf das Kreuz hernieder­zuckte, die Kuppel in zahllosen Strahlen umblitzte und dann in getellter Richtung seinen Weg in die Kirche nahm, der eine den Turm abwärts, der andere nach der Mitte des Daches. Doch wurde Feuer nicht alsbald bemerkt und in der Aufregung wegen des lichterlohen Brandes in der eben­falls vom Blitz getroffenen Winterschen Hofraite auch gänz­lich übersehen. Als man des Kirchenbrandes gewahr wurde, war es leider schon zu spät. Im einzelnen wird noch gemeldet: Das große GemäldeDie Auferweckung des Lazarus", das etwa die Hälfte der Decke im Schiff der Kirche aussüllt, ist zerstört. Die anderen Gemälde sind be­deutend beschädigt und werden nur unter großen Kosten hergestellt werden können. Graf von Schönborn, dem die Kirche sehr viel verdankt, telegraphisch benachrichtigt, hat sich sofort über Umstände und Ursache des Brandes erkun­digt und seine tiefste Teilnahme ausgesprochen. Die Gemälde selbst wurden kurz nach der Erbauung der Kirche hergestelll von Peter Scheffer aus Augsburg, seinerzeit eine Größe aus dem Gebiete der Kirchenmalerei. Von ihm rührt i B. auch die Malerei in der Paulinuskirche zu Trier her; das Interesse und Bedauern aller Kunstfreunde ist groß, ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Zentralvorstand des evangelischen Vereins der Gustav-Adolf-Stistung macht bekannt, daß die 55. Hauptversammlung des Gesamtvereins vom 22. bis 25. September in Kassel stattfinden wird. Vorträge sind bis spätestens L September beim Zentralvorstand in Leipzig anzumeldem Im Laufe des nächsten Jahres findet in Mvinz der 15. deutsche Feuerwehrlag statt. Es wurde beschlossen, daß die Stadt Mainz diesen Feuerwehrtag nach jeder Richtung hin unterstützen wird, doch wurde ganz besonders von Seiten der Feuerwehrkommandos hervorge­hoben, daß dieser Feuerwehrtag nur einzig allein den ernsten ' Beratungen und den Feuerwehrübungen gewidmet sein soll. DerVorstand der Frauengruppe Hanau des Allge- ÖrLel meinen deutschen Schulvereins zur Erhaltung des Deutsch-

t? Nteber-Gemünden, 14. Juli. Wir berichteten unter dem 10. Juli den tragischen Tod des Bierverlegers <s Lang. Die Untersuchung hat ergeben, daß L. am 9. Juli fischen IO1/211 Uhr, von der Geschäftstour zurückkehrend, sich bereits vor Burggemünden befand, als sein Pferd durch bas herrschende Gewitter plötzlich scheute und dabei ver­mutlich zur Seite gesprungen sein wird. Hierbei hat wohl der Verunglückte feine Kopfbedeckung verloren, wollte vom Wagen herunter, kam dabei, durchs die Unruhe des Pferdes veranlaßt, in die Schere des Wagens und stürzte, während das Pferd das Fuhrwerk immer mehr zur Seite drückte, lodaß schließliche Pferd und Wagen eine hier befindliche V zwei Meter hohe Böschung hinabglitt. Der Führer des Bierwagens wurde hierbei mitgerissen und schlug mit dem Kopfe an einen Stein, wodurch er wahrscheinliche sofort 'feinen Tod fanb. Das Pferd blieb die Nacht über bei dem Wagen und der Leiche stehen, bis morgens um 5 Uhr zwei Maurer von Burggemünden die Unglücksstelle passierten «ad sofort das Erforderliche veranlaßt haben.

)( Büßfeld, 14. Juli. Das Bezirkskriegerfest des Kriegervereinsbezirkes Homberg a. d. O. wurde heute und gestern hier in Verbindung mit der Fahnen­weihe des hiesigen Kriegervereins begangen. Das überaus mächtige Wetter führte viele Vereine unb zahlreiche Fest- aafte herzu und ermöglichte einen schönen Verlauf des Festes. In dem Festzuge schritten 17 Vereine. Der Ort hatte ein Jecht hübsches Festkleid angelegt. Auf dem geräumigen Fest- Mlatze begrüßte Präsident H e ß des hiesigen Kriegervereins Kameraden und Festgäste. Weih- und Festrede hielt Pfarrer Mi schlich von Deckenbach. Zwei Tanzböden und ein Platz mit Karussell, Schießbude, Weltpanorama und bergt sorgten

tmus im AuÄande^ hat jüngst zum Besten der Deutschen Schicke in Johannesburg (Transvaal) ein Gartenfest arran­giert. DerHan. Anz." (Nr. 149) sagt davon sehr hübsch: Liebevoll hatte die Mildthätigkeit ihren Arm um den Nacken des Vergnügens gelegt."

* Eine neue Künstler-Postkarte mit demBckde des Großherzogs Ernst Ludwig ist soeben im Verlage der Hofbuch- und Kunsthandlung von Johs. Waitz in Darmstadt et» ckienen. Die Karte wurde von Otto F e l s 1 n g nach der Gra­vüre eines Gemäldes von Professor Hans Fechner hergestellt, und zwar in vollkommener künstlerischer Durchführung.

Vermischtes.

* Aachen, 14.Juli Als heute früh der Expreßzug WienOst ende, der Aachen um 5.15 Uhr verließ, in die Station Herdesthal einfuhr, stand auf demselben Geleise eine Lokomotive, deren Führer, die Gefahr bemerkend, Volldampf gab, um zu entrinnen. Als der nachfahrende Expreßzug die Maschine bereits streifte, sprang der Lokomotivführer ab und die Maschine fuhr mit offenen Hebeln in rasender Geschwindig- keck auf die Station Bley berg. Hier wurde sie auf tele­

graphische Anrveisung künstlich zum Entgleisen gebracht, wodurch aber beide Geleise so zerstört wurden, daß der kehr den ganzen Tag unterbrochen war und nachmittags 5 Uhr wieder ausgenommen werden konnte. Der EMreßzug konnte unbeschädigt seine Fahrt fortsetzen.

* Paris, 14. Juli. Der Kolonialminister erhiell em Telegramm des Gouverneurs von Martinique, in welchem dieser meldet, daß in der Nacht vom 12. zum 13. ds. Mts. ein neuer heftiger Ausbruch des Mont Pelve mit Flammen-, Stein- und Aschenregen, sowie außerordentlich starken Detonationen stattgefunden hat. Menschenverluste find nicht zu beklagen.

* Agram, 13. Juli. Der Rektor der adligen Studenten­schaft, Domherr Miljan, wurde von einem Zuge der Somborer Vizinal-Bahn überfahren und getötet.

» Dampferunglück. Wie aus Petersburg tde* graphiert wird, sank in der Nähe einer Station der Warschauer Bahn ein Passagierdampfer auf dem Luga-Fluffe, roobec: Über 20 Kajütenpassagiere ums Leben kamen.

* Ueber einen Betriebsunfall auf der von Berlin nach Jüterbog führenden Militäreisenbahn teilt das Kommando des Eisenbahuregiments Nr. 3 mit, daß am Samstag auf dem Uebungsplatz Elausdorf ein Sergeant und fünf Mann der 2. Kompagnie des genannten Regiments durch Entgleisung eines Zuges verletzt worden sind, darunter der Sergeant und zwei Mann ernster,

Todessturz. Wie aus Paris gemeldet roirb,. stürzte der Leutnant Michel Stern, einziger Sohn des, Bankiers Stern aus dessen Ehe mit der Schauspielert» Croizette, beim Rennen in Elboeuf und wurde lebens­gefährlich verletzt.

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