Aer Ausstand in Aetgieu
K jetzt allgemein in den Kohlengruben, Glasfabriken und Hüttenwerken im Bassin du Centre einschließlich derjenigen -von Mariemont und Bascoup. Im Bassin von Seraing i der Ausstand allgemein in den Kohlengruben Vieille Marie- chaye bei Seraing, Bon Buveur, Concorde bei Jemappes, Gerard Close, Petitc Bachure bei Herstal und den Gießereien von Kettin zu Selessin. In Charleroi legten von 40 000 ^Arbeitern über 15 000 die Arbeit nieder. In den Fabriken !der Metallindustrie in Charleroi dagegen sind die Arbeiter fast vollzählig zur Arbeit erschienen. Am Montag Vormittag veranlaßte eine Schar Ausständiger in Marlinelle die Einstellung der Arbeiten in allen Fabriken der Metallindustrie, ebenso in der Kohlengrube des Boisducazier und in der Brikettfabrik Wattin. Auch in den meisten großen Spinnereien ist der Ausstand allgemein. Die Zahl der Ausständigen in Mons wurde auf 18 000 geschätzt. Eine Anzahl 2hte= -ständiger durchzog die Straßen von Jumet, um die Arbeitenden in den Kohlengruben, Werkstätten und Glasfabriken von der iArbeit abzuhalten. Die Bürgergarde in Jumet wurde unter 'Waffen gerufen. Ferner traten die Arbeiter der Steinbrüche Jim Amblevethale in den Ausstand. In Poulseur wurden -Steine in die Fenster des Pfarrhauses und des Hauses des ,'Vikars, sowie des Klosters der katholischen barmherzigen Schwestern und der Wohnungen der Steinbruchbcsitzer geworfen.
Ein erstes Anzeichen liegt vor, daß der Generalstreik im Lande zu blutigen Szenen führen wird. Wie verlautet, wurden in Regisia bei Huy in der Provinz Lüttich drei Gen dar in en von streikenden Steinbrucharbeitern durch /Revolverschüsie schwer und einer tätlich verwundet.
Auch in Flandern wird die allgemeine Arbeitseinstellung verkündet werden. Vorige Nacht platzte eine Dynamit- bombe in der Wohnung des Pfarrers von Timeon bei Gosielies; sie richtete aber nur Sachschaden an.
Wegen des Ausstandes wird in Brüssel das Kammergebäude, das Rathaus, das Vollshaus und mehrere Staatsgebäude durch starke Abteilungen der Bürgergarde geschützt. Die Truppen sind konsigniert. Die Regierungskreise scheinen Kem Ausgang der Krise ohne Besorgnis entgegenzusehen.
Während der Abgeordnete Band ervelde am Samstag Abend in der Umgebung des Volkshauses von Gruppe zu -Gruppe ging, um die Menge zur Ruhe aufzufordern, wurde er durch einen Steinwurf in den Rücken verletzt. — Das Btatt 9tationale teilt mit, daß die eingeleitete Untersuchung ergeben habe, daß es sich bei einem Attentate gegen die .Wohnung des O b e r st e n A n s p a ch um einen Dummenjungen- iStrcich handelt. Die angebliche Bombe war vollständig unschädlich.
Die Verwaltung der Brüsseler Straßenbahn hat Vorkehrungen getroffen, um zu verhindern, daß die eisernen Kästen, die längs der Untergrundbahn angebracht sind, nicht mehr entfernt werden können, um den Demonstranten zur -Erbauung von Barrikaden zu dienen. Die Stadtverivaltung hat aus dem gleichen Anlaß den Befehl erteilt, sämmtliche Bretterverschläge von den Brücken zu entfernen. Den verschiedenen in Brüssel garnisonirenden Regimentern sind scharfe und Platzpatronen zugeteilt worden, damit alles bereit ist, sobald das Militär zur Unterstützung der Bürgerwehr berufen werden sollte. Die Polizei in dem Brüsseler Vororte Schaerebeeck hat einen der Meuterer ergriffen, der an der Ermordung des Polizeisergeanten Hoffeld beteiligt war.
In Antwerpen wohnten eine nicht unbedeutende Anzahl Soldaten — von der Polizei wird dieselbe auf 30 angegeben — dem sozia listischen Meeting in Uniform bei und sang die Marseillaise. In Arlon durchzog _ die Menge die Straßen zum Vereinslokal. Nach der Versammlung wurden mehrere Revolverschüffe abgegeben. Die Lage in La Louviöre ist ernster geworden. Die Arbeiter sind erbost darüber, daß sie jüngst nicht allgemein unterstützt wurden. Außerdem sind die Unterstützungskassen leer. — In Enghien fand eine Kundgebung zu Gunsten des allgemeinen und gleichen Stimmrechts statt. Der Christlich- Soziale Dhäns sowie mehrere sozialistische Abgeordnete hielten Ansprachen.
Der König, der am Sonntag nach Ostende abgerefft war, ist bereite wieder nach Brüssel zurückgekehrt.
Die Ilriedensveryandlriugeu und Englands Ainanzerr.
Im englischen Unterhause erklärte am Montag Balfour, eine Botschaft von den Burenführern sei der Regierung durch Kitchener am Samstag mitgeteilt worden. Tie Regierung erwarte weitere Mitteilungen. Dem Bernehmen des Reuterschen Bureaus nach enthält die von den Burenführern dem General Kitchener gemachte Mitteilung wenig mehr als die Bitte, man möge ihnen gestatten, den Telegraphen zu benutzen zur Befragung Krügers und der Burendelegierten in Europa in Betreff der Grundlagen eines Abkommens, das man vorzuschlagen beabsichtigt. Bisher sind, wie Reuter zu melden weiß, als Ergebnis der Klerksdorper Konferenz der britischen Regierung keine umfassenden oder abschließenden Vorschläge gemacht worden. Der Schatzkanzler hat aber am Montag im Unterhause klar einer Hoffnung Ausdruck gegeben auf ein g lücr- liches Ergebnis der Konferenzen der Bärenführer. Nichts sei, so führte er weiter aus, mehr geeignet, in der gegenwärtigen Krisis zum Frieden beizutragen, als der Entschluß des Parlaments des Landes, daß, wenn un- glücklicherweise die Hoffnungen sich nicht erfüllen sollten, der Krieg bis zum erfolgreichen Ende geführt wer den müsse, koste es, was es wolle. An Extraausgaben des Jahres sind zu decken vom englischen Parlament vor allem die Kosten eines Teiles der südafrikanischen Polizeitruppe und die Zinsen der neuen Schuld. Diese Erfordernisse sind zu schätzen auf 18i/2 Mill. Pfund. Tie übrigen Erfordernisse der Staatsausgaben sind auf 174,6 Millionen veranschlagt, während die Einnahmen auf Grund der bestehenden Besteuerung auf 147 785 000 Pfund geschätzt werden, sodaß das zu deckende Ges am t d e fizit 4öv2 Millionen beträgt. Man könne ch" fragen, was geschehen solle, wenn binnen einigen Wochen der Friede eintrete. Er möchte dem Hause bemerken, daß wenn es auch eine kostspielige Sache
Äwfl öu führen, es doch gleichfalls kostspielig sei, ihn -jU Ende zu bringen. Wir werden für Belohnungen und
Ehrengeschenke für Soldaten zu sorgen haben, eine beträchtliche Truppenzahl in Südaftüka halten, für Unterstützung unserer dortigen Kolonien, für Wiederaufbau und Wiederaus st attung der Farmen sorgen müssen, nicht nur der unserer Freunde, sondern auch derjenigen, die kühn und ehrenhaft unsere Feinde gewesen sind, und diewirzu unseren Freunden zu machen hoffen. (Beifall.) Wenn der Friede unter befriedigenden, Tauer und Sicherheit verbürgenden Bedingungen zu stände kommt, wird das Haus zweifellos in diesen Dingen generös sein. Die Kr ie gs aus gab en betrugen bisher 160 Mill. Redner unterbreitet dann die Vorschläge zur Deckung des Defizits und bemerkt dazu, die Suspendierung der Schuldentilgung würde ergeben 41/2 Millionen, die Erhöhung der Einkommensteuer zwei Million, die Erhöhung der Korn- und Mehlzölle 2,6 Mill. Tie Form, in der die Anleihe v 0 n 32 M i l l i 0 n e n ausgenommen werden soll, soll später bekannt gegeben werden.
Mährend Schatzkanzler Hicks - Beach sprach, wurde Chamberlain ein Telegramm überbracht, das, wie man Grund hat, anzunehmen, sich auf Friedensverhandlungen bezog.
Ter „Standard" bringt die wichtige Mitteilung, daß Lord Miln er ebenfalls nach Pretoria gegangen ist. Dies bestärkt die Meinung, daß die englische Regierung nunmehr erfolgreiche Verhandlungen über die Zivil-Verwaltung nach Beendigung des Krieges erwartet. Instruktionen darüber, was Lord Kitchener den Burenführern zugestehen, und was er rundweg verweigern soll, sind also bereits abgegangen. Tas Letztere wird einen größeren Raum einnehmen, denn Mr. Chamberlain ist — das beweist nicht nur der in feiner Wohnung abgehaltene Ministerrat, ondern auch die lange Audienz mit anschließendem Mahl beim König — auch jetzt wieder der leitende Staatsmann. Auffällig ist, wie sehr bei diesen Entscheidungen von allergrößter Bedeutung Lord Salisbury im Hintergründe bleibt. Mcm hält ihn in Hatfield durch Seelgramme auf dem Laufenden. Der Umstand, daß Chamberlain die Friedensbedingungen diktiert, ist an und für sich nicht gerade geeignet, die Verhandlungen zu erleichtern. Chamberlain ist nicht der Mann, um des Friedens willen Frieden zu chließen, d. h. mit dem festen Vorsatz in die Aktion emzw- treten, dem blutigen Krieg selbst unter Verzicht auf die eine oder andere Forderung ein Ende zu machen. Chamberlain wie Hicks Beach stehen auf dem Standpunkt, daß England als Sieger den Besiegten großmütig gewisse Erleichterungen gewähren kann, und daß die Buren alle Ursache haben, für die gütige Verzeihung ,chankbar" zu fein. Daß König Eduard den Kolonialminister zu sich entbot und ihn zum Frühstück einlud, braucht nicht ein Akt >er Huldbezeigung zu fein; es läßt sich annehmen, daß König Eduard, der, wie man weiß, auf das sehnlichste wünscht, daß vor der Krönung der Friedensschluß perfekt ist, Herrn Chamberlain zu erweichen versucht hat. Mit welchem Erfolge, das muß eine nahe Zukunft lehren.
Die Friedensvorschläge der Buren sind sicherlich in London bereits vollinhaltlich, bekannt, obgleich dies von >en der englischen Regierung nahestehenden Blättern be- ’tritten wird. Ter Hauptpunkt ist und bleibt die Frage, )b die Buren auf die Unabhängigkeit verzichten und ich mit der Selbstverwaltung unter britischer Oberhoheit legnügen wollen? Alles andere ist verhältnismäßig neben- ächlich. In letzter Zeit schien es, als ob die Buren die Unabhängigkeitsforderung nicht mehr mit derselben Ge- chlosfenbeit und Bestimmtheit vertreten wie früher. Krüge r und Dr. Leyds allerdings versicherten wiedevholl, an das Fallenlafsen dieser Bedingung sei nicht zu denken; aber diesen Aeußerungen standen andere, minder kategorische gegenbüre von militärischen Burenführern. Daß auf Seiten >er letzteren Neigung vorhanden ist, mit sich reden zu lassen, geht aus der Fahrt nach Pretoria hervor. Diese Fahrt würde doch von vornherein völlig zwecklos fein, wenn die zur Verhandlung Bereiten nicht ein Titelchen der Unabhängigkeit zu opfern entschlossen wären. In diesem Punkt giebt England keinesfalls seinen Anspruch auf Anerkennung der Oberhoheit auf. Da jedenfalls zu allererst über diese Frage in Erörterung eingetreten wird, so wäre es als ein günstiges Symptom zu betrachten, wenn die Verhand- ungen mehrere Tage hindurch fortgeführt würden. Dann ist man „über den Berg" gelangt.
Vom Kriegsschauplätze liegen heute folgende Depeschen Lord Kttcheners aus Pretoria vor: Oberst Co- lenbrander griff am 8. April Beyers Lager an. Oberst Murray wurde dabei schwer verwundet, Leutnant Lincoln getötet, ein Leutnant und 5 Mann verwundet. Ter Verlust des Feindes an Toten, Verwundeten und Gefangenen betrug 106 Mann. Die Streitmacht >es Obersten Term an wurde in der Nähe von Bulfon- tein von einer numerisch stärkeren fern blichen Macht angegriffen. Ein Offizier und zwei Mann ind gefallen, 14 Mann wurden verwundet, ein Teil der Patrouille wurde gefangen genommen. — In Westtransvaal in der Nähe von Rooiwal griff der Feind am 11. April den Obersten Kekewich an. Es entspann ich ein heißer Kampf. Der Feind wurde zurück- gemorfen und ließ 44 Tote, darunter den Kommandanten Potgieter, auf dem Schlachtfelde. 34 Verwundete und 20 Unverwundete wurden gefangen genommen. Der Verlust der Engländer war: ein Offizier und 5 Mann tot, 52 Mann verwundet. Bei der Ver- olgung erbeutete Oberst Kekewich 2 Kanonen und 1 Ma- chinengefchütz. — Seit dem 7. April wurden von ver- chiedenen britischen Abteilungen 55 Buren getötet, 43 verwundet^ 167 sind gefangen und 5 ergaben sich. In der Kapkolonie find die Buren iuxl) in zerstreuten Trupps, die zumeist nach dem äußersten Westen gezogen sind. Nach der neuesten Verlustliste fand am 12. April bei Machavie (?) ein Eifenbahnunfall statt, bei dem 13 britische Soldaten u mgefommen und 13 v erwun det find.
Aus Stadt und Sand.
Gießen, den 15. April 1902.
** Auszeichnung. Wie uns ein Privattelegramm ans Darmstadt meldet, hat der Großherzog dem ordentl. Professor an der Landesuniversität Dr. Heim bürge r das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
Justizdienstnachricht. Wegen Erkrankung des General- aatsanwalts Geheimrats Dr. Schlippe, der auf einige Zeit beurlaubt wurde, ist, wie man uns ans Darmstadt telephonisch meldet, Oberstaatsanwalt Dr. Preetorius mit Versetzung von dessen Dienstverrichtungen beauftragt worden. Die Amtsgeschäfte des Oberstaatsanwalts der Provinz Starkenburg besorgt bis auf weiteres Staatsanwalt Schutt,
besten Funktionen dem Gerichtsastestor Dr. Rückert in Darmstadt übertragen wurden.
** Neubau der Universitäts-Bibliothek. Der Zuschlag für die Ausführung der Maurerarbeiten zur Weiterführung des Neubaues der Universitäts-Bibliothek wurde dem Maurermeister Martin Abermann, der bereits das Kellergeschoß auszuführen übernommen hatte, erteilt. Mit den Artretten wird bereits in den nächsten Tagen begonnen werden.
** Eisenbahn - Persoualuachrichten. Versetzt wurden die Stations-Assistenten Besier von Hungen als Stations-Verwalter nach Weilmünster, Kehres von Limburg nach Gießen,. Lokomotivführer Schäfer III. von Fulda nach Grebenhain. Ernannt zum kgl. Güterexpedienten der Stations-Assistent Frank in Gießen, zum kgl. Stations-Assistenten für den Bahnhofs- und Abfertigungsdienst Telegraphist Reissen- racber in Lollar, Lokomotivheizer Orbig in Nidda zum Lokomotivführer.
** Omnibus-Verkehr. Die Einladung des Vorstandes der Gießener Omnibus-Gesellschaft zu einer für den 22. ds. cm- gesetzten außerordentlichen Generalversammlung, .auf deren Tagesordnung u. a. die Auflösung der Genossenschaft steht, hat unter den Geschäftsleuten unserer Stadt, besonders unter den Ladeninhabern, eine gewisse Besorgnis heroorgerufen, es könnte nun doch noch zur Einstellung des Omnibus-Verkehrs in unserer Stadt kommen. Nach von uns an zuständiger Stelle eingezogenen Erkundigungen ist jedoch daran nicht zu denken. Dieser Punkt muß aber nach Lage der Verhältnffse ventiliert werden, um dem Vorstand darüber Klarheit zu schaffen, in welcher Weise die zunächst Beteiligten, nämlich die einzelnen Genossenschafter, über die Weiterführung des Unternehmens denken. Bekanntlich ist die Omnibus- Angelegenheit in der letzten nichtöffentlichen,, Sitzung ber Stadtverordneten-Versammlung erörtert mordest. Wie die städtische Verwaltung über das Weiterbestehen der Omnibus- Verbindung in der Stadt denkt und in welcher Weise sie das! Unternehmen unterstützen will, darüber wird den Genosten- schaftern in der Generalversammlung Mitteilung gemacht werden. Es liegt nicht nur im persönlichen Interesse ber Inhaber von Anteilscheinen der Gesellschaft, sondern ganz besonders auch im Interesse der Allgemeinheit, die das Weiterbestehen des Omnibusoerkehrs für notwendig hält, wenn die Beteiligten die Generalversammlung am 22. April recht zahlreich besuchen.
** Von der Reichspost. Die von der „Franks. Zig." verfrüht gebrachte Nachricht von der Versetzung des Ober-Post- direkiors H olfel d bestätigt sich nunmehr. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, ist Holfeld vom 1. Juli ab die Verwaltung der Ober-Postdirektion Halle a. d. S. übertragen. Zu seinem Amtsnachfolger in Darmstadt ist thatsächlich der seitherige vortragende Rat im Reichs-Postamt in Berlin, Geh. Ober-Postrat (also nicht Direktor des Reichspostamts, wie die „Franks. Zig." irrtümlich gemeldet hatte. D. Red. des „Gieß. Anz.") Kobelt bestimmt. Herr Kobell ist von Geburt Hesse; seine Gattin (geb. v. Siebold) stammt aus Bingen.
** Manöver des 18. Armeekorps. Das diesjährige Manöver des 18. Armeekorps wird in Teilen der Kreise Frankfurt, Hanau, Horüburg v. d. H. und Gelnhausen sowie der Provinz Oberhessen abgehalten. Die 21. Division manövriert in südlichen, die 2 5. Division in nördlichen Bezirken dieser Gebiete. Hauptmanövertage find der 18., 19. und 20. September. Am letzten Tage ist Schluß der Herbstmanöver des 18. Armeekorps.
** Der Verbandstag des Rhein-Main-Gastwirte VerbandeL wird in den Tagen vom 26.—28. Mai in unserer Stadt abgehalten. Die Gießener Gastwirthe wollen es sich nicht netz-- men lassen, den zahlreichen von auswärts kommenden Kollegen nach den Beratungen auch einige vergnügte Stunden zu bereiten. Ein Festausschuß trifft bereite Vorbereitungen dazu.
t Krofdorf, 13. April. Heute wurden die Konfirmanden, von Krofdorf-Gleiberg durch Pfarrer (Seibel aus Dutenhofen in hiesiger Kirche konfirmiert. Die Konsirmation pflegt sonst am ersten Sonntag nach Ostern stattzufinden, mußte aber wegen der Vakanz der Pfarrei diesmal verschoben werden.
st. Butzbach, 13. April. Die Leyerzapf'sche Wohnung ging in den Besitz des Bäckers Renner über. — In der letzten Gemeinderatesitzung wurde die Lieferung einer neuen Rathau suhr Uhrmacher Lotter, die für die Spitalskirche Uhrmacher Haltmeier und die Reparatur der Uhr auf der St. Markuskirche Uhrmacher Löb übertragen.
T Bermutsham, 12. April. Dem Vernehmen nach ist die hiesige Bürgermeisterwahl beanstandet worden;' die Sache wird dem Kreisausschuß bei seinem nächsten Zusammentritt zur Entscheidung vorgelegt werden.
0. Nieder-Moos, 13. April. Die Frhrn. Riede sei zu Lauterbach beabsichtigen die hiesige sogenannte Katzen- mühle samt den dazu gehörigen Grundstücken käuflich zu erwerben, zur Anlage einer Molkerei, eines Sägewerkes usw. Auch soll die hier bestehende Bierniederlage der Riedesel'schen Brauerei nach den genannten Grundstücken verlegt werden. Der Besitzer der Mühle Präscher ist bereit, sie zu verkaufen. Verhandlungen werden bereits gepflogen. Auch die hiesige Gemeinde möchte das Anwesen gern erwerben.
Mainz, 14. April. Die Katholiken begingen gestern die Feier des Tages, an dem Papst Leo XIII. in das 25. Jahr seines Pontifikats eingetreten ist, durch eine größere Feier. Philipp Stein begrüßte die Erschienenen mit einer Ansprache, m der er darauf hinwies, daß die Versammlung, wenn sie in erster Linie auch zu einem großen Freudenfeste zusammengekommen sei, doch auch Gelegenheit zu einem Proteste gegen die maßlosen Angriffe und Beleidigungen gebe, welche ganz besonders gerade in den letzten Tagen durch Zeitungsartikel gegen das Testament des Papstes und dadurch den heiligsten Gefühlen der Katholiken zugefügt worden eien. — Auf Vorschlag des LandtagSabg. Frenay wurde an den Papst ein Telegramm in lateinischer Sprache ab» gesandt, das in deutscher Uebersetzung folgendermaßen lautet:
An Papst Leo XIIL, Rom.
Heiliger Vater!
Die katholischen Bürger der Stadt Mainz, zur Feier deS Jubiläums Deines Pontifikats versainmelt, erflehen von dem Urheber des Heiles alles Glück und Segen für Deine Heiligkeit und ür die heilige Kirche, die sich schon durch fünf Lustren Deiner trefflichen Führung und Senkung erfreut, und, wenn die Gebete der Deinen Erhörung finden, noch lange Zeit erfreuen soll.


