einem
in
Regelung finden.
5) amburg, 15. Febr. Nach einer Meldung aus Havetoft bei Dondern sind acht Schulkinder im Eise ein-, gebrochen und ertrunken.
portal das geräumige Foyer. Es steht mit »cm ersten Rang in direkter Verbindung und ist vom Parkett und dem zweiten Rang durch breite Treppen zu erreichen. Eine Gallerte ist für die Besucher des dritten^Ranges und der Gallerie bestimmt, die von dort aus das Treiben im Foyer beobachten können. Auch für die Besucher dieser Plätze ist übrigens ein „Erfrischungsraum" geschaffen, dessen Maße und Ausstattung alle Bedürfnisse befriedigen werden. Es dient zugleich als Probelokal. Veranschlagt waren 1 500 000 Mark Gesamtkosten, wozu 500 000 Mk. Grundwert kamen; für das'alte Haus am Theaterplatz sind 1 250000 Mk. erlöst worden.
Politische Cagesschau.
Dec Verein der Berliner Buttcrkaufleute hat dem Reichstage eine Petition unterbreitet, in welcher um die Ablehnung der im Zolltarifentwnrfe vorgesehenen Erhöhung des Butterzolles gebeten wird- In der Eingabe heißt es:
Tie deutsche Landbutter verschwindet immer mehr vom Markte, denn auch die Bauern gründen jetzt Genossenschafts- oder Sammelpachtmoltereien und stellen somit mehr und mehr feine Butter her. Es f e.h l t deshalb an billiger Koch- und Backbutter, so daß an deren Stelle seitdem der Verbrauch von Margarine bedeutend gestiegen ist. Indessen giebt es noch große Kreise von Verbrauchern, welche den Vorzug der billigeren Naturbutter zu Koch-, Brat- und Backzwecken zu schätzen wissen. Die besseren Speisewirte, Bäcker und Konditoren, die Erziehungs-, Besserungs-, Heil- und Genesungs-Anstalten, sowie die größere Anzahl der mittleren und kleinen Haushaltungen können und ivollen die billige Na- turbutter nicht entbehren. Ta aber das Inland nicht annähernd mehr die gebrauchte Menge solcher Butter fabriziert, muß das fehlende Quantum notwendigerweise aus dem Auslandebezogen iv e r - den. Wenn nun der Import durch erhöhten Zoll eingeschränkt oder ganz unterbunden wird, so wird dies nur der Margarine zu gute kommen und sich deren Verbrauch ins Maßlose steigern. Ter deutschen Milchwirtschaft droht alsdann die Gefahr, daß sie für den gerade im Sommer häufigen Fall zeitweiliger Ueberprodutrion für den lieber- schuß an seiner Butter selbst zu billigen Preisen keinen Absatz findet, denn wo sich einmal die Margarine eingebürgert hat, ist sie nicht mehr und jedenfalls nicht so plötzlich zu verdrängen.
Neueste Meldungen.
Originaldrahtmetduugen des Gießener Anzeigers.
Berlin, 15. F br. Die „Voss. Ztg." schreibt: Zn parla- mentarischen Kreisen verlautet, unter den schutzzöllnerischen Gruppen des Reichstags sei der in der Getreide frage solange angestrebte Kompromiß endlich gesichert. Danach schlagen die Konservativen, Rationallibcralen und das Zentrum einen Minimalsatz von 6 Mark für Weizen und von je 5,50 Mark für Roggen, Gerste und Hafer vor. Abg. v. Wangenheim habe nicht zugestimmt. — Die „Kreuzztg." weist in einem Artikel über den Zolltarifentwnrf hin, daß z. Z. alles auf eine Verständigung der schutzzöllner.schen Parteien ankomme, wenn nicht die Sozialdemokratie siegen solle. Rur eine geschlossene Schlachtordnung auf dem Boden der Tarifvorlage könne die Gefahr abwenden, daß durch unan- nehmbare Forderungen die notwendige Einigung vereitelt werde und der jetzige haltlose Zustand erhalten bleibe. Das Blatt appelliert schließlich au die Zolltariskommission, in der bevor- stehenden Getreidezvllberatung ein festes Fundament des neuen
im Bette aufgefunden. Die Kinder hatten in Abwesenheit der Eltern mit Feuer gespielt, und das Bett in Brand gesteckt.
* Ter weibliche Rekrut. Wir lesen im „Kl. Journal": Infolge einer falschen amtlichen Eintragung ist eine Familie in Moabit beunruhigt worden- Der Fabrikant B. in der Thurmstraße ist der Vater zweier Töchter, von denen die älteste, ein 21 jähriges Mädchen, den Vornamen Henny führt. Infolge eines amtlichen Versehens, dessen Ursache jedoch noch nicht aufgeklärt ist, wurde in dem polizeilichen Personenregister der Name Henny in Harry umgewandelt. Auf Grund dieses Vornamens wurde Frl. H. schon im vorigen Jahre aufgesordert, sich zur Eintragung in die militärische Stammrolle auf dem Polizeibureau zu melden. Von einer zwangsweisen Vorführung der Dame wurde jedoch abgesehen, nachdem sich ein Schutzmann bei wiederholten Besuchen in der Wohnung des Herrn B- überzeugt hatte, daß hier ein amlliches Vrr- ehen vorliegen müsse. Tie Militärbehörde scheint jedoch aus Yen aktiven Dienst deö Fräuleins Henny B- nicht verzichten zu wollen, denn dieser Tage erschien wiederein Schutzmann des 75. Polizeireviers aus der Birtenstraße in der Wohnung des Fabrikanten, um den weiblichen Rekruten zu requirieren. Herr B. weigert sich jedoch ganz entschieden, seine Tochter dienen zu lassen, und es wird der Militärbehörde schließlich nichts tveiter übrig bleiben, als ans die Einstellung des weiblichen Rekruten zu verzichten-
* Mit der falschen Frau verheiratet- Erne merkwürdige Ehegeschichte wird aus Athen berichtet: Ein junger Thessalier aus dem Dorfe Martopoulo hatte vor längerer Zeit seine Heimat verlassen, um sein Glück in der Fremde zu suchen; er ließ eine Braut zurück, die ihm versprach, auf seine Rückkehr zu warten- Sie blieb ihm auch treu, aber das Schicksal belohnte sie schlecht für eine so seltene Treue; denn sie starb, bevor ihr Geliebter zurückgekehrt war. Tiefer kam erst vor ,kurzem, nachdem er zehn Jahre ferngeblieben war, in sein Torf zurück; aber das Glück war auch ihm nicht hold gewesen, und er war ebenso arm geblieben, wie er abgereist war. Die Eltern seiner verstorbenen Braut erfuhren dies jedoch nicht, sondern gaben sich über seinen Reichtum einer großen Täuschung hin. Damit dieser nun wenigstens in ihrer Familie bleibe, stellten sie ihn: eine Cousine seiner verstorbenen Braul vor, und er ließ sich tharsächlich täuschen — die Hochzeit ivurde gefeiert. Nach einiger Zeit erkannten die Jungvermählten jedoch, daß sie sich beide getäuscht hatten, die Frau über den Reichtum des Mannes, und dieser über die Persönlichkeit seiner Zukünftigen. Sie beschloßen daher, einer Situation, die auf einer so falschen Grundlage beruhte, ein Ende zu machen, und richteten ein Gesuch um Nichtig-Erklärung ihrer Ehe ein- Die Entscheidung darüber steht der ^eiligen Synode zu- Die Gründe der jungen Fran sind jedenfalls nicht annehmbar, die des Mannes erscheinen dagegen triftiger, aber die Synode zögert noch, eine günstige Entscheidung zu fällen-
Aus der AolltarisLommisston.
Berlin, 14. Febr.
Im Lause der heutigen Verhandlung über Paragraph 12 des Tarifgesetzes betonte P o s a d o w s k y nochmals, daß die Regierung bei der Aufstellung des Tarifes nicht ein- seitigc Großgrundbesitzer-Interessen, wie die Gegner des Tarifes behaupten, berücksichtigt habe, sondern die gesamten wirtschaftlichen Interessen des Reiches. Kardorff knüpfte an die Aeußerung Posadowskhs, daß die wirtschaftlichen Interessen im Leben der Völker eine größere Rolle spielen als im politischen, die Mitteilung, er habe einst eine längere Unterredung mit Bismarck gehabt, in deren Verlaufe Bismarck ausdrücklich nachwies, daß es verhängnisvoll sei, durch Gewährung von wirtschaftlichen Vorteilen politische Bundesgenossen zu erkaufen. Graf P o s a d o w s k y hält seine Ansicht aufrecht. Trotz der dem Andenken Bismarcks schuldigen Pietät müsse der heutige Staatsmann vielfach den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung tragen. Alle Parlamentarier der Welt beschäftigen sich heute in erster Linien mit wirtschaftlichen Fragen, was deren hohe Bedeutung beweise. Nachdem der Antrag Spahn ange- no m men, entwickelte sich eine stürmische Szene im Anschluß an den Vorschlag Müller-Fulda, die Anträge Goth ein betr. die Enqueten von der Besprechung abzusetzen; als der Vorsitzende v. Kardorff die Abstimmung vornehmen wollte, während Gothein dagegen protestierte, s ch r eit Stadthagen dazwischen und Singer ruft: Diktatur! Terrorismus! Kardorff ruft den Sozialdemokraten zu, sie möchten ihn beim Plenum verklagen. Inzwischen wurde der Antrag Müller -Fulda ab gelehnt. Unter allgemeiner Unruhe, lauten Rusen und Geschrei der Sozialdemokraten erklärt Kardorff, er lege den Vorsitz der Kommission nieder. Die Kommission ging unter allgemeiner Unruhe auseinander. —
Die Zolltariskommission nahm Paragraph 12 desTaxif- gesetzes Absatz 1 nach dem Kompromißantrag Spahn und Genossen mit allen gegen acht Stimmen an, dahin lautend, daß, das Tarifgesetz an einem durch kaiserl. Verordnung mit Zustimmung des ' Bundesrates festzusetzenden Tage, spätestens aber-am 1. Januar 1905 in Kraft treten soll. Für den Antrag stimmten die Konservativen, Zentrum, National- liberale, der Pole und Antisemit, dagegen die Freisinnigen und Sozialdemokraten.
Mteratur.
Haben sich manchs vielleicht über Tr. Otto Helmut Hopfens Artikel für hie Berechtigung des Zwei- Kampfes in so ernster Zeit einigermaßen gewundert — vgl. die Zeitschrift „G e s e l l s ch a s r" vom vorigen Jahrgänge, so tritt nunmehr wieder der Charakter Vieser Münchener Halbmonatsschrift als eines „Diskussions-Organes des deutschen Südens" erst recht llar zu iage durch den in Heft 3 erschienenen Artikel von Tr .meb. >?ans Fischer an derselben Stelle: „Das Duell vom ethischen Standpunkteausbetrachte t". Angelegentlich interessieren mag es Kunstfreunde ferner, „eine deutsche Frau" und Mutter zu dem Thema: „Kunst int Leben des Kindes" reden zu hören.
Gerichtssaal.
Dresden, 13. Febr. Vor dem Kriegsgericht der ersten Division Nr. 23 hatte sich wegen s ch w er en Hausfriedensbruches, Mißbrauchs der Dien st gern alt und Körperverletzung der am 17. Dezember 1877 in Chemnitz geborene Leutnant Walther Rose vom 3. Jnf.-Reg. Nr. 102 in Zittau zu verantworten. Er wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Am 18. Januar besuchte der Angeklagte, der sich in Zivil befand^ nachdem er das Theater verlassen hatte, das Restaurant und Cafe „Reichspost", um daselbst eine stellenlose Kellnerin anzutrefsen, was auch geschah. Während der Angeklagte mit der Kellnerin und einem Herrn am Tische saß, wurde er von dem Agenten Hädler derartig fixiert, daß er sich belästigt fühlte. Bald trat Hädler näher an den Tisch, legte die Billardkreide auf denselbett und mischte sich unbefugt in das Gespräch des Leutnants, was sich dieser ernstlich verbat. Es gab ein Wort das anvexe, weshalb ein heftiger Streit entstand, der damit endete, daß Hädler dem Leutnant Rose eine Ohrfeige versetzte. Der Angeklagte ist, als er das Lokal verlassen hat, von dem Zeugen beschimpft und belästigt worden. Um jede neuere Schlägerei zu vermeiden, ging Rose aus dem Lokal, ohne sich bei Hädler abzufinden. Andern Tags erfuhr Rose, daß die Affaire bekannt geworden war und der Ehren-, rat des Regiments auch Kenntnis davon erlangt hatte, weshalb Rose den Plan faßte, seinen Gegner in der Wohnung aufzusuchen, ihn zur Rede zu stellen und sich mit ihm abzufinden. Er begab sich in Uniform in die Wohnung des Agenten Häbler, der ihn in Hemdsärmeln empfing. Rose stellte .Hädler wegen der Ohrfeige zur Rede und ver-, langte Genugthuung, welche Hädler aber kurzweg ablehnte. Daraufhin zog Rose mit großer Schnelligkeit seinen Säbel und versetzte Hädler einige Schläge auf den Kopf. Auf die Hilferufe des Hädler sind eine Anzahl Zivilpersonen und zwei Schutzleute in die Wohnung ge* kommen und haben den Streit geschlichtet. Ein Schutze mann hatte dem Leutnant in der Wohnung den Säbel ab genommen, ihm aber später auf der Straße die Waffe wieder zurückgegeben. Das gegen Leutnant Rose gefällte Urteil lautete auf schuldig des schweren Hausfriedensbruches und der Körperverletzung. Die ausgeworsene Strafe lautete auf drei Monate Gefängnis.
Vermischtes.
* Bochum, 14- Febr. In der Zeche „Königsborn" wurden durch Kohlenstaub-Explosion vier Bergleute schwer verletzt. Einer ist bereits gestorben.
* D o r t m u n v, 14. Febr. In der Zeche „Kaiserstuhl" stürzten zwei Bergleute in den Schacht. Der eine wurde getötet, der andere schwer verletzt-
* Kaiserslautern, 14. Febr. Heute vormittag wurden die drei Kinder des Steinhauers Mohler erstickt
an das Konsortium der Aufsichtsräte, 1250 000 Tochter- aktien an die Caisse Commereiale sowie die Begebung von Tochteraktien an die Berliner Finanz- und Handelszeitung als fest abgeschlossene Geschäfte die Bilanz einzustellen, eine Verschleierung herbeiführten, da diese Aktien nur als Garantie für erhaltene Vorschüsse unter der Bedingung übergeben waren, sie wieder zurückzu- nehmen. Dadurch sei der Glaube erweckt worden, daß die Tochterallien fest verkauft seien. Eine ebensolche Der- chleierung sah der Gerichtshof in den Wechselreiterei e n. Dadurch, daß die Wechsel in die Bilanz eingestellt wurden, in der Absicht, die Bilanz günstig ^erscheinen zu lassen, und Wechsel, nachdem der Zweck erfüllt, den Aeeeptanten wieder zuruckzngeben, fand der Gerichtshof ebenfalls eine Verschleierung. Bei der Strafzumessung hat einmal die Höhe der Verschleierungen, andererseits die Größe des Schadens sowohl der Aktionäre, als auch desjenigen, den der deutsche Kredit im allgemeinen erlitt, zu berücksichtigen. Deshalb seien den Angeklagten mildernde Umstände versagt.
Direktor S ch m i o t soll in Paris erkrankt sein, weshalb seine rechtzeitige Vernehmung als Zeuge unmöglich wurde. Die Auslieferung soll erfolgen, sobald Schmidt ge- und ist, was wahrscheinlich in der nächsten Woche der Fall ein wird.
Zolltarifs zu schaffen.
Berlin, 15. Febr. Die „Nat.-Ztg." legt längeren Artikel den Zweck der deutschen amtlichen Veröffentlichung im „Reichsanzeiger" über den Fall Holleben- Paunee fote dar, der ausschließlich die Feststellung der von englischer Seite verstümmelten historischen Wahrheck war. Tas Blatt bespricht ausführlich die englischen Blätteräußerungen und stellt fest, daß die Veröffentlichung selbstverständlich auf Befehl des Kaisers erfolgte. — Die „Berl. Pol. NachrAj melden, über die Einführung des Befähigungsnachweises für Bau Handwerker würden demnächst die Handwerkerkammern befragt werden. Verhandlungen innerhalb der Regierung seien bereits im Gange.
Berlin, 14. Febr. Als Vorsitzender der Zolltarif-Kommission ist zunächst der ton). Abg. Rettich in Aussicht genommen. _
Berlin, 14. Febr. Der Bur enhilfsb und beschloß, sofort 300 000 Mark für die Buren zu bewilligen. Für die eine Hälfte sotten Waren gekauft, Die andere »älftc durch Vertrauensmänner und Komitees in barem Gelde ihrer Bestimmung zngesührt werden.
Berlin, 15. Febr. Auf Grund des borge|trigen Bundesratsbeschlusses steht der Erlaß einer k a i s e r l. V e r o r d- nung über Inkraftsetzung der weiteren Bestimmungen des Fleischbescbaugesetzes bevor. Dabei soll msbe, andere die Verwendung der Konservierungs- und Färbemittel ihre
Kunst und Wissenschaft.
Frankfurt a. M., 14. Febr. Aus dem Rechenschaftsberichte der neuen Theaier-Aktien-Gesellschaft sind die Resultate des ersten Betriebsjahres der Zweiteilung der städtischen Theater ersichtlich. Besonders für das Schauspiel gereichte die Spezialisierung der beiden Betriebe zum Vorteil, denn es erzielte gegen das Vorjahr einen Bruttoüberschuß von 61019.45 Mk.; das Opernhaus erzielte trotz bedeutender Steigerung seiner Einnahmen etwa 10 000 Mk. mehr gegen das Vorjahr. Die Gesamteinnahmen betrugen 1218 884.36 Mk., insgesamt gegen das Vorjahr mehr 71880.06 Mk. Dagegen sind die Gesamtausgaben gegen das Vorjahr um 130 931.28 Mk. gestiegen. — Das neue Schauspielhaus schreitet seiner Vollendung entgegen. Man glaubt, daß der festgesetzte Eröffnungstermin am 1. Septembe r eingehalten wird. Der Rohbau ist fertiggestellt und präsentiert sich in seinem künstlerischen Schmucke würdig und vornehm. Das Ganze krönt eine kupferne Kuppel, auf welcher die „Franko- furtia" angebracht ist, die allerdings von unten in ihrer Stellung und Gewandung etwas an eine Serpentintänzerm erinnert. Den mittleren Vorbau schmückt eine Quadriga, die von Bildhauer Krüger kommt. Der Zuschauerraum, welcher für 1166 Plätze eingerichtet ist, besteht aus Parkett mit 449 Plätzen, 1. Rang mit 142, 2. Rang mit 172, 3. Rang mit 206, Gallerte mit 197. Im ganzen ist also nicht mehr Platz für Zuschauer, als im alten Hause. Ein durchaus zu billigender und glücklicher Gedanke, der hervorgegangen ist aus dem Bestreben, die Reize einer gewissen Intimität, die dem alten Hause innewohnte, zu erhalten. Dazu gehört freilich auch eine entsprechende Ausstattung des Innern, von welcher sich jetzt noch nichts jagen läßt. Nach dem Gallusthor zu liegt im ersten Rang über dem Haupt-
Der Kasseler Hreöerprozeß. XII.
Kassel, 14. Febr.
Bei der heute mittag um 1 Uhr fortgesetzten Verhandlung erhalten die Angellagten noch Gelegenheit, sich über die Antragstettung der Staatsanwaltschaft zu äußern. Hermann Sumpf führte in längerer Rede an, daß er stets für das Wohl der Gesellschaft bedacht gewesen sei und immer nur bas beste wollte- Jedenfalls fei er überall von gutem Glauben über die Güte der Geschäfte und die Wahrheit der Schmidt'fchen Darstellungen geleitet gewesen. Er schloß: Der Verlust meines Vermögens vermochte nicht, mir die Kraft und den Mut zu rauben, ein neues Leben zu beginnen. Mein Mut würde aber tief gebeugt werden, wenn ich eine Bestrafung erlitte. Ich kann nur wiederholen, was ich vom - ersten Tage meiner Untersuchungshaft an aussagte: Ich bin unschuldig und bitte daher eindringlich und herzlich um Freisprechung. In gleicher Weise beteuerten die anderen Angeklagten oie Unschuld. Darauf zog sich der Gerichtshof um iy2 Uhr zu einer dreiviertelstündigen Beratung zurück.
"Tas Urteil lautet: Die Angetlagten sind schuldig des Vergehens gegen § 314 Absatz 1 des Handelsgesetzbuches und werden verurteilt: Hermann Sumpf zu 7 Monaten Gefängnis und 10 000 Mark Geldbuße, Schlegel zu 5 Monaten und 5000 Mark Geldbuße, Otto zu 6 Monaten und 5000 Mark Geldbuße. Schulze-Dellwig und Arnold Sumpf jeder zu3 Monaten G e fän g- nis und 5000 Mark Geldbuße. Hermann Sunipf, Schlegel und Otto werden 4 Monate Untersuchungshaft angerechnet. Schulze-Dellwig und Arnold Sumpf werden, da ihnen die Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet wird, sofort aus der Haft entlassen. (Bereits durch Extrablatt bekannt gegeben. D. Red.)
Der Vorsitzende begründete das Urteil wie folgt: Tie Angeklagten tonnten eine Fälschung der Bilanz nicht erkennen; sie hielten daher eine Dividende für berechtigt. Teshalb konnte weder wegen Untreue noch betrügerischer Einwirkung auf den Kurs derAktien eine Verurteilung erfolgen. Dagegen ist der Gerichtshof der Ueberzeugung, daß die Angetlagten dadurch, daß sie zuließen, die Begebung von Mk. 4 800 000 Tochteraktien an Oie belgische Gesellschaft in Hemixem, von rund Mk. 2200 000


