Ausgabe 
14.1.1902 Zweites Blatt
 
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umformen könne, muffe zuerst das Milieu, in dem sie lebe, ändern. Wie würde sie dazu im stände sein, wenn sie die Bedürfnisse und Interessen dieses Milieus in Bezug auf alle Fragen der auswärtigen und inneren Politik und auf kolonialem Gebiet nicht beachte? Der Sozialismus sei also, glücklicher­weise, dazu verurteilt, Stellung zu nehmen. Millerand sagte sodann, er hoffe, die sozialistische Partei werde verstehen, sich die nötige Selbstzucht bei Ausführung dieses Zweckes aufzuerlegen.

Wien, 13. Jan. Wegen Unzulänglichkeit der Mittel, die derzeit zur Erhaltung des kaiserl. Hofstaates zur Verfügung stehen, ist eine Erhöhung der kaiserl. Zivilliste in Aussicht genommen worden. Seit dem Jahre 1879 werden zur Erhaltung des kaiserl. Hofstaates m die Budgets Oester­reichs und Ungarns alljährlich je 4 650 000 Gulden ein­gestellt. Da mit diesen Beträgen ein Auskommen nicht mehr gefunden werden konnte, wird nunmehr beabsichtigt, diese Budgetposten um je 2 Millionen Kronen zu erhöhen.

Petersburg, 12. Jan. Es wird erzählt, daß die Kaiserin-Mutter dieser Tage ein Handschreiben Kaiser Wilhelms erhalten' hat, worin der Kaiser die Glückwünsche zum Jahreswechsel ausspricht. Man erblickt darin einen neuen Beweis für die herzlichen Beziehungen, die zwischen den beiden Herrscherhäusern bestehen.

DieFinlandskaja Gaseta" bringt Tagesbefehle des Generalgouverneurs Bobrikow, in denen er bekannt gibt, daß vom 14. Januar an das 3. finische Leibgarde- Schützenbataillon und Truppenteile der 8 finischen Schützen­bataillone, die allmälig aufgelöst werden, ihm als Kom­mandierenden der Truppen des finländischen Militärbezirks unterstellt werden. Am gleichen Tage hören der Stab der finischen Truppen und die Reserveeadres derselben auf zu be­stehen. Ferner solle auch mehr auf die erfolgreiche Er­lernung der russischen Schrift und Sprache bei der Mannschaft gesehen werden, da ohne Kenntnis derselben in Zukunft eine Beförderung zu Unteroffizieren nicht statt­finden könne.

Im Kwan stu-Gebiet ist neuerdings ein Gold - fieber ausgebrochen. Ein in Port Arthur wohnhafter russischer Bergingenieur, den die Regierung beauftragt hat, Goldsuchern Erlaubnisscheine auszustellen, hat bereits 300 Conzessionen ausgefolgt.

Deutscher Reichstag.

(Schluß aus der Parlamentsbellage»)

Abg. Dr. Arendt (fortfahrend): Was aber Herr Bebel über den Krieg von 1870 gesagt hat, ist schlimmer, als das frechste Vorgehen des Auslandes. In Süd-Afrika handelt es sich um einen Existenzkampf Englands, die Buren werden sich noch lange ihrer Haut wehren. Heber die Haltung Deutschlands täuscht man sich in England. Sympathien für die Buren erzeugten den Engländerhaß.

Staasssekretär Dr. Graf v. Posadowsky bestreitet, daß unsere Absatz- und Bankkrifis mit dem Börsengesetz zusammen­hängt. Hoffentlich lernt das Publikum, daß es am besten ist, seine Gelder in sicheren, wenn auch bescheidenen verzinslichen Papieren anzulegen. Die Ausführung des Börsengesetzes liegt den Einzelstaaten ob.

Abg. Dr. Hermes (frs. Vp.): Im Falle Spahn stelle ich mich auf den Standpunkt des Prof. Mommsen. Bedauerlich ist es, daß sich an den Universitäten Einflüsse geltend machen, die nur geeignet sind, tüchtige Kräfte fern zu halten. Nur die wissenschaftliche Qualifikation, nicht die Konfession, muß die Hauptsache fein. Um diesen Fall zu ver­süßen, noch ein paar Worte über das Saccharingesetz. (Heiter­keit) Dr. Oertel wünschte eine sehr hohe Steuer. Aber eine solche Steuer würde keine Erträge bringen, weil sie die In­dustrie ruinieren würde.

Abg. Fürst Radziwill (Pole): Dr. Sattler irrt, wenn er meint, seine Ausführungen über Galizien seien nicht zu widerlegen. Wir haben deshalb noch nicht auf ihn geant­wortet, weil die Besprechung unserer Interpellation vom De­zember v. Js. nur vertagt worden ist und demnächst fort­gesetzt werden wird. Es ist unrichtig, daß wir auf diese Fortsetzung keinen Wert mehr legen. Wir haben die Debatte nicht zu fürchten. Informationen beweisen, daß Herrn Sattler eine bedenkliche Entgleisung vom Wege der objekfioen Wahr­heit passiert ist. Thatsache ist, daß die Zahl der ruthenischen Volksschulen in Galizien zugenommen hat. Dagegen giebt es in Preußen trotz feiner 3 Millionen Polen keine einzige polnische Schule. Auch im schärfsten Kampfe sollte zweierlei nicht unter die Räder kommen: Wahrheit und Gerechtigkeit.

Hieraus vertagt sich das Haus.

Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr. (Fortsetzung der ersten Lesung des Etats. Interpellationen Arendt (Rp.) und Oriola (nafi-lib.) betr. Jnvalidenpensionen. Inter­pellation Albrecht (Soz.), betr. die Arbeitslosigkeit.)

Aus Stadt und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Auz." gestaltet.) Gießen, 14. Januar 1902.

** Der erste Schuee im neuen Jahre. Die Temperatur ist im Verhältnis zu dem warmen Wetter der letzten Wochen heute etwas gesunken. Auch zu schneien begann es gegen Mittag. Leider fielen nur wenige Flocken und die freudigen Ausrufe der Jugend, daß es nun doch noch die erwünschten Schlittenpartien und Schneeballenschlachten geben würde, waren wiederum verfrüht.

** Dem Religionsbekenntnis nach waren am 1. Dezember 1900 im Großherzogtum Hessen 746 201 Evangelische, 341 486 Röm.-Katholische, einschl. Altkath., 90 Ruff.-Orth, und Angehörige anderer griech.- (Orient.) kathol. Kirchen, 23 Ev. Brüder (Brüdergemeinde, Herrnhuter), 545 Menno- niten, 279 Baptisten, 32 engl. und schott. Kirche, Pres­byterianer, 87 Methodisten, 428 Apostolische (Jrvingianer), 2442 Deutsch-Kath., 3323 Freirelig. und Freiprotestanteu, 88 Dissidenten, Sonstige 121, 24 486 Israel., 7 Bekenner sonstiger nicht christl. Religionen, 176 Personen anderen Be­kenntnisses, 85 ohne Angabe des Religionsbekenntnisse. Die Stadt Gießen zählte 22 084 Eoang., 2464 Röm.- Kath., 2 Ruff.-Drthod., 11 Mennoniten, 6 Baptisten, 8 Jrvingianer, 6 Deutsch-Kath., Fveirel., 6 Kisfid.,

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parandenanstaltcn und Taubstummenanstalten ist eine Aen- berung der Aufrückungsfristen im Gehalt geplant. Für diese Lehrer besteht zurzeit noch die bis zum Jahr 1897 für die Volksschullehrer übliche Aufrückimgsgebühr von 5 Jahren. Nachdem für die letzteren durch das am 1. April 1897 in Wirksamkeit getretene Gehaltsgesetz vom 11. April 1896 die dreijährige -Aufrückungsfrist eingeführt worden ist, sind die seminaristtsch gebildeten Lehrer an den Gymnasien rc. unter allen Lehrern und auch unter den Zivilbeamten die einzigen mit fünfjährigen Fristen. Da Gründe für ein Weiterbestehen dieses Zustandes nicht mehr bestehen, soll unter Beibehaltung des Anfangs- und Endgehalts, sowie des 30 jährigen von der Prüfung an zu berechnenden Zeitraums, nach welchem letzterer erreicht wird, alle 3 Jahre eine Zulage von 175 Mk. eingeführt werden. Für die technischen Lehrer ist eine Aen- derung der bestehenden vierjährigen Auftückungsftisten nicht geplant, da die Absicht besteht, die zur Erledigung kommenden Stellen künftig wieder mit seminaristischen Lehrern zu besetzen. Als völlig neue Forderung erscheint eine solche von 5000 Mk. für naturwissenschaftliche Fortbildungskurse für akademisch ge­bildete Lehrer an den höheren Lehranstalten. Die raschen Fortschritte auf dem Gebiet der Naturw'ssenschaften und die Unmöglichkeit, daß sich die Lehrer dieses Fachs wissenschaftlich auf dem Laufenden halten, solange sie hierbei lediglich auf chre privaten Mittel und Studien angewiesen sind, haben den Gedanken nahegelegt, abwechselnd an der Landesuniver­sität Gießen und an der Technischen Hochschule zu Darm­stadt naturwissenschaftliche Fortbildungskurse für Oberlehrer unter der Leitung von Fachgelehrten und mit Benutzung der Lehrmittel der naturwissenschaftlichen Institute der genannten Hochschulen zu veranstalten, wie man sie in anderen deutschen Staaten bereits mit Erfolg ins Leben'gerufen hat. Die an- geforberte Summe soll zur Honorierung ber Leiter und zur Bewilligung von Kostenzuschüssen für bie Teilnehmer ber. Kurse verwenbet werben. (Darmst. Ztg.)

** Die Sparkassen im Großherzogtum Heffev. Anfang des Jahres 1899 war der Bestand der Sparkassen int Groß­herzogtum Hessen an Guthaben einschließlich ber gutgeschrie­benen Zinsen 189 756 212 SDlf. bei 229 946 Einlegern; Enbe 1899: Bestand 197 400 946 Mk. bei 236 927 Einlegern. Auf 1000 Einwohner kamen 1880 119,43 Einleger mit je 72,25 Mk. Einlage, 1899 214,40 mit je 178,63 Mk. Einlage.

** Aus dem Theaterbureau. Als 5. Volksvorstellung wird am Mittwoch das vieraktige Schönthan'sche Lustspiel Cornelius Voß", mit welchem die diesjährige Theater­saison eröffnet wurde, zur Aufführung gelangen. Der kommende Freitag bringt zum Benefiz für den Spielleiter Herrn Heinrich Gerlach ein Gastspiel des Fräulein Fran­ziska Hesse vom Stadttheater in Stettin alsMargarethe" in GoethesFaust".

D. Dors Gill, 13. Jan. Als Ersatzmann für das im November v. I. zum Beigeordneten gewählte Gemeinderats- mitglied Martin Sames wurde heute Johannes Gorr mit 39 Stimmen in den Gemeinderat gewählt. Sein Gegner Heinrich Grieb erhielt 30 Stimmen. Es ist dies die vierte Wahl, die in dem letzten Halbjahre in unserer Gemeinde zur Ergänzung der Gemeindevertretung ftattfanb. Früher gingen bie Wahlen gewöhnlich ohne besondere Aufregung und bei schwacher Beteiligung vorbei. Anders war es bei den letzten Wahlen. Mit wenigen Ausnahmen machten alle Stimm­berechtigten von ihrem Rechte Gebrauch. Zwei Parteien standen sich gegenüber und mit ihnen zogen Parteihader und Parteihaß in unser sonst so friedliches Dörfchen ein. Die Erregung ist so tiefgehend, daß sich selbst nächste Angehörige verfeindeten. Die allgemeine Losung bei den Wahlen war: Feldbereinigung". Ehe über diese Angelegenheit Klarheit geschaffen ist, wird wohl feine Ruhe in unserem Orte ein­kehren. Es wäre deshalb zu wünschen, daß man darüber bald ins Klare käme.

Grimberg, 13. Jan. In einer vom Ortsgew erb e- o er ein einberufenen, zahlreich besuchten Versammlung hielt gestern nachmittag im GasthausZum wilden Mann" hier Handelslehrer Heckelmann aus Offenbach einen Vortrag überErwerb un Feld, in ber Werkstatt, in bem Laben, an ber Börse und im Spielsaal". Einleitend wies der Redner darauf hin, daß Arbeit keine Last, sondern die Würze des Lebens sei, Entziehung der Arbeit dagegen als Strafe empfunden werde. Sowohl die Landwirte als auch die Handwerker klagten heute über schlechte Zeiten. Wenn auch diese Klagen in gewisser Hinsicht berechtigt seien, so sei ber Ackerbau, rationell betrieben, immer noch lohnend. Wie der

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11 Sonstige, 895 Iso, 5 Bekenner nicht christl. Religion, 12 ohne Angabe des Religionsbekenntnisses.

*e In dem Staatsbudget für 1902/03 sind die Einnahmen für da§ Gymnasium in Gießen an Schulgeld mit 27 400 Mk., insgesamt 28 270 Mk., die Ausgaben mit 64 720 Mk., der Staatszuschuß mit 36 450 Mk. veranschlagt. Für das Gymnasium in Büdingen sind die entsprechenden Zahlen: Einnahmen 12 000 (17 300), Ausgaben 51 500, Staatszuschuß 34 200 Mk.; für die Augustinerschule (Gym­nasium und Realschule) in Friedberg: 26 000 (36 040), 92 240, 56 200 Mk.; für das Gymnasium Fridericianum in Laubach: 11000 (25980), 48700, 22720 Mk.; für bie Realschule in Alsfeld: 8 600 (14874) 36 084, 21 210Mk.; für die Realschule in Butzbach: 9000 (16500), 36470,

Gymnasium in Gießen Realgymnasium u.Real- schule in Gießen . .

Gmnnasium in Bü­dingen .....

Gymnasium und Real­schule in Friedberg .

Gymnasium und Fride-

19 970 Mk. begründet.

Die Zahl der Lehrerstellen folgende:

Für die seminaristisch gebildeten Lehrer

Mafien, Realgymnasien, Ober-Realschulen, Realschulen, Prä:

ricianum in Laubach Realschule in Alsfeld . Realschule in Butzbach

umsichtige Landwirt, so müffe auch der Handwerker sich den veränderten Zeitverhältniffen anzupaffen suchen. Für viele Handwerker, z. B. Uhrmacher, Schlosser, Buchbinder, Schuh­macher' u. a., sei die Einrichtung eines Ladens neben dem Werkstattbetrieb unerläßlich. Thöricht sei es, wenn ein Hand­werker, wie dies häufig beobachtet werden könne, aus Eitel­keit seinen Sohn einem sogen, gelehrten Berufe zuführe, während er auf dem Boden des Handwerks oft einen wett lohnenderen Erwerb finden könnte. Redner bezeichnet es als seine Hauptaufgabe, die Handwerker mit ihrem Berufe zu ver­söhnen, und sucht an der Hand zahlreicher aus dem Leben gegriffener Beispiele nachzuweisen, daß auch heute noch das Handwerk goldenen Boden hat. Gänzlich zu verwerfen sei bie Sucht vieler kleiner Leute, ohne Mühe, durch Spielen in der Lotterie ober an der Börse, reich und glücklich zu werden. Weit ratsamer sei es, seine Ersparniffe in einer Sparkasse oder in guten deutschen Wertpapieren anzulegen und den Grund­satz zu beherzigen:Je mehr Prozente, desto größer das Risiko". Mit dem ernsten Hinweis, daß ohne Arbeit fein Reichtum zu erwerben fei, schloß Redner feine von köstlichem Humor gewürzten Ausführungen, für die ihm der Vorsitzende des Gewerbevereins, Spenglermeister Kaiser, den Dank der Versammlung aussprach.

f Homberg a. d O., 13. Jan. Am Samstag Abend hielt Handelslehrer Heckelmann aus Offenbach tm hiesigen Orts­gewerbeverein einen Vortrag überAllereinfachste Buch­führung für Handwerker und Gewerbetreibende." Redner verbreitete sich über zweckmäßige Aufbewahrung der Korrespondenzen, Anlegung des Kontokorrents für Lieferanten und Kunden, Aufstellung der Bilanz und endlich über An­legung des Kassabuchs. Einfache, übersichtliche und dennoch vollständige Buchung aller Geschäftsvorfälle müsse erstrebt werden. Redner empfiehlt daher unfern Handwerkern für den Verkehr mit jedem Geschäftsfreund das Anlegen dünner Sondermappen, die, alphabettsch geordnet, in einem Regal von etwa 1520 Fächern Platz finden. War schon das Thema an und für sich für unsere Handwerker und Kleinkaufleute von ganz besonderem Interesse, so wurde der Wert des Vortrags noch wesentlich erhöht durch die Art und Weise des Vorttags; denn der Redner verstand es, die trockene Materie überaus anschaulich zu gestalten. Das leb­hafte Interesse, mit dem die Zuhörer den Darbietungen folgten, sowie der Beifall am Schluffe lassen hoffen, daß der Zweck des Vortrags erreicht und unsere Handwerker für eine geord­nete Buchführung gewonnen worden sind.

Ober-Mockstadt, 13. Jan. In der vorigen Woche wurde auch die hiesige Gegend von einem Schwindler unsicher gemacht. Er stellte sich dem hiesigen Arzte wie auch im Pfarrhause als Dr. Wolf von Wächtersbach vor und bat um Nachtherberge. Da er merkte, daß feinen Angaben nicht getraut wurde, erklärte er, Schuhmacher zu fein und ging dann nach Ranstadt. Gegen 9 Uhr abends kam er dort hin, und wußte durch geschickte Art des Erzählens von feinen Lebensschicksalen den Lehrer Kr. für sich zu gewinnen, der für ihn Nachtquartier rc. besorgte. Am andern Morgen versuchte er noch einen Diebstahl auszuführen. Als er er­tappt wurde, verschwand er.

w Friedberg, 12. Jan. 36 Gemeinden unseres Kreises mit zusammen 35900 Einwohnern haben durch Vermittelung des Krcisamts mit einer Versicherungsgesellschaft Versicherungs­verträge gegen die gesetzliche Haftpflicht abgeschlossen. Die Gesellschaft verpflichtet sich demgemäß, der Versicherungs­nehmerin diejenigen Entschädigungszahlungen zu ersetzen, die diese in ihrer Eigenschaft als Eigentümerin, Mieterin oder Verwalterin der ihr gehörigen, von ihr emiictcten oder ver­walteten Grundstücke, und die sie in ihrer Eigenschaft als Gemeinde wegen der durch Unfall während der Dauer dieser Versicherung erfolgten Tötung oder Beschädigung von Menschen auf Grund gesetzlicher Haftpflichtbestimmungen leisten muß. Es ist auch diejenige gesetzliche Haftpflicht eingcschlossen, welche der Versicherungsnehmerin in den in der Police be­zeichneten Eigenschaften wegen Beschädigung fremder Sachen und Tiere erwachsen kann. Die Prämien werden durch die Kreiskasse vorgelegt und von den einzelnen Gemeinden er­hoben. Sie belaufen sich auf zusammen 287 Mk. 20 Pfg. Die Beitrüge der einzelnen Gemeinden werden auf die Ein­wohnerzahl ausgeschlagen. Billiger und bequemer dürften sich Gemeinden nicht gegen die Ansprüche, die auf Grund der Haftpflichtgesetz-Bestimmungen erhoben werden können, versichern können. Ein einziger Unfall, der etwa durch Eis an einem Brunnen, schlechtes Pflaster, ungenügende Reinig­ung und Beleuchtiing u. dergl. einer Gemeinde zur Last füllt, kann sie unter Umstünden mehr kosten, als die Ver- sicherungsbeitrüge in 100 Jahren.

b. Mainz, 13. Jan. Wie gerüchtweise verlautet, wird der Groß Herzog noch vor der Karnevalszeit auf kurze Zeit hier Aufenthalt nehmen. Die erste Mainzer Kochkunst- Ausstellung ist gestern Abend zu Ende gegangen. Sie hatte sich bis zum Ende eines zahlreichen Zuspruches zu er­freuen, weshalb auch das finanzielle Ergebnis ein über Er­warten günstiges ist. Da die Anordnung der Ausstellung wie auch die Darbietungen der Aussteller allseitig gelobt iverdcn, hinterläßt auch in dieser Beziehung die Ausstellung eine angenehme Erinnerung.

m. Wiesbaden, 13. Jan. Infolge der Explosion eines Petroleumheizofens brach in vergangener Nacht in der Geflügelzüchterei auf Kloster Klarenthal Feuer aus, welches das ganze Gehöft, Wohnhaus, Ställe usw., mit dem gesamten Mobiliar einäscherte. Auch eine größer Anzahl Hühner kam in den Flammen um. Der übrige Teil des Geflügels rettete sich in den nahen Wald.

Frankfurt, 13. Jan. Die heutigen Demonstra­tionen der Arbeitslosen nahmen ihren Anfang am Roßmarkt, der wegen der dort stattfindenden unentgelt­lichen Ausgabe desArbettsmarktes" überhaupt stets am Nachmittag der Sammelplatz von Leuten ist, die Arbeit suchen. Nach Ausgabe des Blattes zogen etwa 1000 Per­sonen in Begleitung zahlreicher Polizeimannschasten in Sie WeiHadlergasse hinein und durch diese weiter bis zur Schnurgasse. Aus dem Trierischeu Platz aber kam es zu einem tumultuaris ch en Auftritt. Die Polizei soll sich dabei wenig geschickt benommen haben. Die Schutzleute die uniformierten mit dem blanken Säbel in der Faust, die Geheinischutzleute nut Ochsenziemern bewaffnet drangen auf die in ängstlicher Flucht sich zurückziehenden Menschen, von denen auch nicht einer ben Versuch machte, sich irgendwie zur Wehr zu fe£en. Man bemerkte auf denk