Ausgabe 
14.1.1902 Zweites Blatt
 
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Trierischen Platz eine Anzahl Frauen, die Pakete trugen uub ganz zufällig in den Schwarm hineingeraten waren. Sie und viele ändere hatten unter der entschieden zu weit gebendenEnergie" der Polizeiorgane aufs Empfindlichste zu leidem DieDemonstranten" benahmen sich durchaus friedfertig- Ein zweiter größerer Tumult ereignete sich nicht weit davon, an der Ecke der Lindheimergasse und Schnur- oasse- Auch dort kamen harmlose Passanten plötzlich in bedrängte Lage- Wer nicht schnell genug enteilen konnte, wurde einfach zur Seite gestoßen. Derartige Dinge spielten sich noch an verschiedenen Stellen in größerer Zahl ab. Es erfolgten mehrfache Festnahmen. Gegen ö Uhr war Überall alles ruhig. (Frkf. Ztg.")

- Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In der Prinz Karl-Kaserne in Mainz stürzte beim Turnen ein Soldat der 11 Komp. 87. Jnf.-Rgts. vom Querbaum und erlitt eine schwere Schädelverletzung. Er wurde be- wußllos in das Garnisonlazarett gebracht. An seinem Auf- fommen wird gezweifelt. In Schwickartshausen feierte dieser Tage der 81jährige Landwirt Johs. Aßmus sein 50 jähriges Jubiläum als Feldgeschworener. Als ein Zeichen ihrer Liebe und Wertschätzung überreichten ihm seine Kollegen aus der llmaegend einen Sessel. Der Kriegerverein, dessen Ehrenmitglied der Jubilar ist, überreichte ihm eine Pfeife.

Vermischtes.

Aachen, 13. Jan. Der Bankier zur Helle wurde gestern Abend im Bureau von drei Personen überfallen. Sie mißhandelten den Bankier, raubten zirka 100 Mark und entflohen, als auf seinen Hilferuf Leute herbeieilten.

Budapest, 13. Jan. In Südungarn und Serbien führte die Donau Hochwasser und ist aus den Ufern ge­treten. Weite Landstrecken sind überschwemmt. In Boria konnten die Einwohner durch rasche Flucht das nackte Leben retten.

Gerichtssaal.

Jena, 13. Jan. Gestern früh trat, wie bereits kurz gemeldet, unter dem Vorsitz des Oberstleutnants Frhrn- v. Haustein in der hiesigen Kaserne das Kriegsgericht zusammen zur Aburteilung des Leutnants Thieme, der am 4. d. M. den stud. chem. Held im Zweikamps erschossen hat, und des Hauptmanns v- Seebach als Kartellträger. Es wurde hierbei festgesdellt, daß dem Leut­nant Thieme durch den Schlag ins Gesicht die schwerste Beleidigung zugefügt wurde, die einen Offizier treffen kann. Da das gesamte hiesige Ofsizierkorps am Neujahrstage zur Kour nach Weimar gefahren war, konnte Leutnant Thieme erst am 2. Januar die nötigen Schritte unternehmen. Auf seinen Wunsch begab sich Hauptmann v. Seebach als Kartellträger zu den Germanen, um Held folgende For­derung zu überbringen: Zehn Schritt Distanz, gezogene Pistolen mit Visier, Kugelwechsel bis zur Kampfunfähigkeit- Hauptmann o. Seebach hatte sich, um Zeitverlust zu ver­meiden, auf den Weg gemacht, bevor der militärische Ehren­rat die Forderung begutachtet hatte; der letztere tagte zu derselben Zett und genehmigte die Forderung- Von der Germania bemühte man sich lebhaft, dem studentischen Brauche gemäß den Ehrenhandel mit dem Säbel auszu­fechten, und man erklärte sich bereit, die Forderung cmfs äußerste zu verschärfen (ohne alle Bandagen, nur in Hose und mit Paukhandschuh). Der Säbel wurde aber von Thieme abgelehnt, da er nicht Säbel fechten fonnte, durch eine drei­monatliche Krankheit zum Gebrauch der blanken Waffe zu sehr angegriffen war, und da auch eine Hinausschiebung des Duells zum Zwecke des Einpaukens in Anbetracht der Schwere der Beleidigung unthunlich erschien- Es einigten sich endlich die Parteien auf eine Milderung der Forderung insofern, daß fünfmaliger Kugelwechsel vereinbart wurde

und dem Unparteiischen (Hauptmann Frhr. v. Malapert), sowie den Aerzten die Entscheidung über Fortsetzung des Kampfes nach einer Verwundung überlassen wurde- Am Samstag früh 81/2 Uhr fand der Zweikampf auf dem Stern statt- Nach zweimaligem erfolglosen Kugelwechsel wurde im dritten Gange Leutnant 'Thieme in den hals getroffen, Held in die Brust. Tie Kugel zerriß die große Herzschlagader und verletzte das Rückenmark, so daß der Tod sofort eintrat. Leutnant Thieme reichte dem Gegner zur Versöhnung die Hand, Held war aber wahrscheinlich bereits tot, jedenfalls bewußtlos. Thieme wurde unter An­nahme mildernder Umstände zu zwei Jahren drei Monaten Festungshaft, Seebach ebenfalls unter Annahme mildernder Umstände zu 14 Tagen Festungshaft verurteilt-

Märkte.

Gießen, 14. Januar. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochemnarkt kosteten: Butter pr. Pfund 0,850,95 Mk., Hühner­eier pr. Stück 89 Pf., 2 Stück 00.00 Pf., Käse pr. Stück 57 Pf., Kasematte 2 Stück 00 Pfg., Erbsen pr. Liter 20 Pfg., Linsen per Liter 30 Pfg., Tauben pr. Paar 0,801,00 Mk., Hühner pr. Stück 1,001,40 Mk., Hahnen pr. Stück 0,901,50 Mk., Enten pr. Stück 2,202,50 Mk., Gänse pr. Psd. 6075 Pfg-, Ochsenfleisch pr. Pfund 6676 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 6066 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kar. 3,500,00 Rck., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 4,005,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 915 Pfg., in Körben 1215 Pfg. Trauben 3550 Pfg., Tomaten per Pfd. 1820 Pfg.

Kriefkasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

B. tu Schotten. Die NotenGenügend" undBefriedigend" dürften im Allgemeinen gleichwertig sein. In den verschiedenen deutschen Landestellen und in den verschiedenen Lehranstalten wird teilsgenügend", teilsbefriedigend" gebraucht, aber immer als Vorstufe zu der höheren Notegut", während beide Noten an der­selben Lehranstalt nicht in Anwendung kommen, woraus doch auf die Gleichwertigkeit zu schließen ist.

W. B. tu Lollar. Die Beigeordneten in Landgemeinden sind in den Gemeinderatsfltzungen in allen Fällen stimmberechtigt.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungerr des Gießener Anzeigers.

Frankfurt a. M., 14. Zan. Heute vormittag fanden hier zwei Versammlungen von Arbeitslosen statt, die von etwa 1400 Personen besucht waren und ruhig verlieseu. Es wurden Resolutionen bezüglich Schaffung von mehr Arbeitsgelegenheit angenommen.

Berlin, 14. Jan. In parlamentarischen Kreisen glaubt man neuerdings aunehmen zu muffen, daß ein Teil der deutschen Eiuzelstaaten sich nicht mit den bereits vorliegenden Beschlüßen der Reichstagskommisfion, die den Toleranzantrag des Zentrums zu beraten hat, einverstanden erklären wird.

München, 14. Jan. Die Beerdigung des Dr. Sigl sand unter großer Teilnahme statt. Auf Wunsch der Hinter­bliebenen wurde die Leiche vor ihrer Ueberführung in die Gruft seziert, wobei sich als Todesursache ein hochgradiges Gehiruleiden ergab.

Weimar, 14. Jan. Die Unterhandlungen der thüringischen Regierungen wegen Errichtung einer gemeinsamen thüring­ischen Technischen Hochschule find dem Abschluß nahe. Als Sitz der Hochschule soll Jena bestimmt werden.

Chicago, 14. Jan. Der deutsche MännerchorGermania" beschloß, den Prinzen Heinrich einzuladen, nach Chicago zu kommen. Es ist ein großer Empfang geplant.

Berlin, 14. Jan. Jrn Abgeordnetenhause soll die Zentrums-Interpellation, bett, das Altenbeker Eisen- bahn-Unglück, nachdem die Besprechung der Inter­

pellation zur Polenfrage zu Ende geführt sein wttd, zur Be­sprechung gelangen, also der ersten Lesung des Etats voran-' gehen. Minister v. Thielen hat sich bereit erklärt, die Inter­pellation sofort beantworten zu wollen.

London, 13. Jan. Das Komitee für den Helgoland- Becher beschloß, um den Kaiserbecher am 21. Juni mit in; Wettbewerb zu treten. Der Gehalt der Yachten ist auf 80 Tonnen, anstatt 70, wie es früher der Fall war, fest- gesetzt worden.

London, 14. Jan. Campbell Bannermann hielt hier gestern abend «auf einer Versammlung der liberalen Vereinigung Londons eine Rede. Er sprach die Freude über die Rückkehr Roseberys in das öffentliche Leben aus. Der Krieg könne nur auf dem Wege der Versöhnung,nicht auf dem der Unterwerfung beendigt werden. Er er^ klärte die Behauptung von der beabsichtigten Gründung einer 3. Partei für falsch und fügte hinzu, das Schicksal der liberalen Union sei eine furchtbare Mahnung für den maß^ losen Ehrgeiz gewesen. Da er bezüglich des Krieges im wesentlichen einer Meinung mit Roseberys Partei sei, so tehe fein Hindernis entgegen, daß irgend ein Liberaler mit Rosebery in der Frage des Krieges zusammengehe. Es werde nicht seine Schuld sein, wenn ein solches Zusammengehen nicht stattfinde. Nach Bannermann sprach Spencep und erklärte seine Zustimmung zu der Rede Roseberys, die auf ein Zusammengehen Roseberys mit verschiedenen libe­ralen Gruppen hinzudeuten scheine. Beide Redner wurden von der Versammlung begeistert begrüßt. Auch Miß H 0 b - hvu.se war anwesend und gleichfalls Gegenstand von Hul­digungen. Ehe die Redner sprachen, wurden von der Gallerte Flugschriften herabgeworsen, worin Rosebery des Verrats an der Sache der Liberalen beschuldigt wird. Der Brief, in dem er sein Nichterscheinen entschuldigt, wurde mit Beifall, in das sich indes auch Zischen mischte, aufge,.

nommen.

London, 14. Jan. Reuter meldet aus Peking vom 13. Januar: Der amerikanische Konsul in Niutschwang teilte dem russischen Verwalter mit, es sei kein Beweis dafür erbracht worden, daß amerikanische Matrosen mit der Erschießung eines russischen Sol da ten im Zusammenhang ständen. Songer erhielt eine Abschrift' des neulichen Briefwechsels zwischen dem Konsul und dem Verwalter, worin ersterer wiederholt Beschwerde darüber führt, daß die Russen in die Rechte der Aus­länder eingriffen.

London, 14. Jam Lord Pensag, Führer der libe­ralen unionistischen Gruppe, hat seine Demission ge­geben mit dem Hinweise darauf, daß eine Existenzberech­tigung dieser Gruppe nicht mehr vorhanden sei. Gr hat die Mitglieder ersucht, entweder sich den Konservativen anzu- schließen, oder eine besondere Gruppe zu bilden, welche Lord Rosebery unterstützt Aus Pretoria wird gemeldet: Die Zahl der kämpfenden Buren undRebellen"' beläuft sich noch immer auf eo- 13 000 M anm

Telephonischer Kursbericht,

Frankfurt a. 31.. 14. Januar.

3V,o/o Reicheanleihe . . 101.60 30/., do. ... 90.30 3V,o/o Konsole .... 101.70 30/0 do...... 90 25

Hessen .... 100.00

3% Hessen. 4% Oesterr. Goldrente . 102.60 4x(6% Oesterr. Silberrente 100.20 4% Ungar. Goldrente . . 100.80 40/ Italien. Rente . . . 101.00 41/,% Portugiesen . . . 40.50 »0/ Portugiesen .... 26.95 \% C. Türken .... 27.40 Türkenlose ..... 106.80

4% Grieoh. Monopo l-Anl 42.30 47,% äussere Argentiner.

8% Mexikaner .... 26.50 4V2 A Chinesen .... 87.90 Electric. Sol uckert . . . 116.00 Nordd. Lloyd ..... Kreditaktien 203.50 Diskonto-Kommandit , . 184.90 Darmstädter Bank . . . 129.70 Dresd- ner Bank .... 131.90 Ber iner Handelsges. . . 143.70 Oesterr. Staatobahn . . . 139.75 Lombarden .... 19.70 Gotthardbahn .... 167.10 Laurahütte ..... 193.00 Bochum ...... 181.25 Harpener ..... 164.00

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Der Voranschlag der Gemeinde Villingen liegt vom 16. bis einschließlich 23. Januar d. I. zur Einsicht der Interessenten bei mir offen.

Villingen, den 13. Januar 1902.

183 Der Bürgermeister: Rühl.

Kunstverein.

Die Gemälde-Ausstellung im Turmhaus am Brand bleibt wegen größerem Wechsel der Gemälde von morgen, Mittwoch, an 4 Tage geschlossen.487

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Die glückliche Geburt eines gesunden Jungen zeigen 5 hocherfreut an 484

Ferdinand Krämer und Fran,

Giessen, den 14. Januar 1902. Bertha, geb. Levy. B

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Theodora Atzelhöfer Paul Elsner

, Verlobte.

Darmstadt. Giessen.

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Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Land- witts Christian Nebe in Gießen ist Termin zur Ab­nahme der berichtigten Schluß­rechnung, zur Erhebung von Einwendungen gegen das be­richtigte Schlußverzeichnis der bei der Vetteilung zu berück­sichtigenden Forderungen auf Freitag den 14. Februar 1902, vormittags 10 Uhr, an beraumt worden. 473

Gießen, 10. Januar 1902.

Der Gerichtsschreiber des Großh. Amtsgerichts.

Iagdverpachtung. ^Freitag den 7. Februar 1902, vormittags 11 Uhr, soll im Gemeindehause dahier unter den daselbst bekannt ge­macht werdenden Bedingungen die hiesige Gemeindejagd, um­fassend 1200 Hektar, davon 300 Hektar Wald, in zwei Abteilungen auf weitere sechs Jahre verpachtet werden.

Wieseck, 13. Januar 1902. Großh. Bürgermeisterei Wieseck.

Sommerlad. 475

Iagdverpachtung.

Samstag den 25. d. M., nachmittags 2 Uhr, soll im Schulsaal dahier die der Ge­meinde Annerod zustehende Feld- und Waldjagd auf weitere 6 Jahre unter den dabei bekannt gemacht wer­denden Bedingungen verstei­gert werden.

Annerod, 14. Januar 1902. Großh.BürgermeistereiAnnerod

H o rn. 491

Mittwoch den 15. Januar 1902, nachmittags 2 Uhr, werden im Bieker'schen Saale versteigert: Sofas, Kommoden, 1 Silberschrank, 1 Vertikow, ein Regulator, 1 Kleiderschrank, eine Nähmaschine, 2 Faß Wein, ein or. Tisch, 1 großer Ladenschrank mit Glasthüren, 1 Ladenregal mit vielen kleinen Gefachen, eine große Pattie Glas- u. Porzellan­waren u. v. a. 485

Geißler, Gerichtsvollzieher.

Donnerstag den 16. d. M., nachmittags 1 Uhr, versteigere ich Marktplatz 20 dahier einen Schreibtisch, 1 Sofa, 1 Ber- tikow u. 1 Zimmertisch zwangs­weise gegen Ba^ahlung.

Die Versteigerung findet bestimmt statt und können die Sachen vorher dortselbst an­gesehen werden. 0194

Gießen, 14. Januar 1902.

Seipel, Gerichtsvollzieher.

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