Ausgabe 
13.11.1902 Erstes Blatt
 
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Vermischtes

ra!3 Pro DmjiQljgr Männer« Familiral zu (affen4 Mungo;

sprach über Anatomie uud erste Hilse in Unglücksfällen. Bei dem Abturnen wurden Reigen, Ordnungs-, Frei-, Geräten- und besonders auch Stabübungen vorgeführt, zum Teil mit Klavier- und Gesangsbegleitung. Oberschulrat Dr. Scheuer­mann hielt zum Schluß eine Ansprache; er zollte Herrn Schmuck Dank und ermahnte die Teilnehmer, das, was sie hier gelernt hätten, hinauszutragen in die Kreise ihrer Kollegen zum Nutzen und Frommen der Volksschulen. Am Abend fand im .Kaisersaal4 eine Schlußfeier statt, an der u. A. der Obmann des Landeslehrervereins, Oberlehrer Backes, teil-

leisten. Der Stabsarzta. D. Dr. Wilhelm Sägert wurde gestern Abend, nachdem in seiner Wohnung eine um­fassende Haussuchung erfolgt war, in Haft genommen. Schon seit einiger Zeit schwebt gegen ihn ein Verfahren wegen Meineids. Er soll die falsche eidliche Aussage in einem Prozeß gemacht haben, der wegen angeblichen Diebstahls von Wertpapieren in der Sägertschen Wohnung wiederholt vor der hiesigen Strafkammer verhandelt wurde und mit der Freisprechung der angellagten Person endigte. Der Schrei­ber bei dem städtischen Elektrizitätswerk, Meirich, der au Probe angestellt war, hat etwas über 3 0 00 Mk. vermittelst

nächsten Tagen begonnen werden.

- In Amerika verstorbene Hessen. In New- Hott: Phrlippine Schneider, geb. Happel, aus kommen- heim, 72 Jahre alt. In Louisville, Ky.: Jakob Horn aus Hesien-Darmstadt, 76 Jahre all. In Bluffton, O.: Margaretha Kratz, geb. Bernhard, aus Auerbach a. d. B., 71 Jahre all. In Eleoeland, O.: Katharina Ham el, Igefälschter Quittungen unterschlagen und wurde verhaftet.

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Er wollte sich wieder, obschon er noch nicht geschieden war, verheiraten und verlobte sich mit zwei Bräuten, welche er anpumpte. Tie Stadt hatte ihm schon gekündigt. __ Wie es heißt, beabsichtigt die Behörde, den Schutz­mann Baron, der von dem vom Schwurgericht verurteil­ten Zuhäller Eckert s. Z. lebensgefährlich verletzt wurde, gegen seinen Willen zu pensionieren, da er infolge seiner Wunde, die immer wieder aufbricht, und eine öftere Verbringung in das Krankenhaus notwendig machte, seinen Dienst noch nicht wieder aufnehmen kann. Schon un Aprll d. I. wnrde er von dem Polizeimspektor zum Wiederantntt seines Dienstes aufgefordert, und kürzlich legte ihm sein Vorgesetzter in offizieller Weise nahe, ferne Pensionierung freiwillig nachzusuchen, andernfalls dieselbe zwangsweise in kürzester Frist erfolgen werde.

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Denkerstirn doch nur im Nacken gräulich. Als besagte rittertolle und an Lebenserfahrungen reiche Beschließerin von Leberknödeln mit Speck zeigte Frau Jenny ihr bekanntes Geschick für derartige Rollen. Die Bühnenausstattung nament- lich im zweiten Akte war gediegen und solid. P. W.

Worms, ia Nov. Eine wichtige gesetzliche Bestim­mung, durch welche der Verschleuderung oder Verschleppung kulturhistorischer Funde vorgebeugt werden soll, ist sell dem 1. Oktober in Rheinhessen in Kraft ge­treten. Nach derselben müssen alle derartige Funde, beweg­liche und unbewegliche Gegenstünde von kulturgeschichtlicher oder sonst geschichtlicher Bedeutung von dem Eigentümer des Grundstückes, auf dem sie gefunden worden sind, dem Bürgermeister des betreffenden Ortes oder dem nächsten Krersamt sofort zur Anzeige gebracht und den Anforder­ungen dieser Behörde wegen dieses Fundes unbedingt Folge gegeben werden. Selbst derjenige, der beabsichtigt, eine Ausgrabung nach derartigen Gegenständen vorzunehmen, muß dieses zur Anzeige bringen. Hinsichtlich der Aus- führung dieser Ausgrabungen, der Verwahrung und son- snger Sicherung, sowie der Behandlung etwa aufzufindender Gegenstände hat der Nachsuchcnde den Anforderungen der Behörde unbedingt Folge zu leisten. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen werden mit Geldstrafen bis zu 1000 Mark oder mit Haft bestraft.

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und 20 Porträts geschmückt ist, zeugt von gründlicher theater- geschichtlicher Forschung und genauer ttennrnis und Durchdringung des Stoffes. Nur scheint uns die Zell der unseligen Inten­dantur Benedix 18Ö557 gar zu kurz adgethan, wohl weil st- in der Thealergeschichte Frankfurts nichts weniger als em Ruhmes­blatt bedeutet. Aber die Zell jener so theaterfreundlichen al» mlendanzfeindlichen Frankfurter Bürgerbewegung Hal noch heule besonderes Interesse. Damals schrieb der junge eriolgreche Tra» matiker Wilhelm Jordan ferne schneidige Flugschrift zur-rbcateo- frage, und aab damit den Anstoß zum uiirühnrlichen Abschiede de» Philisters Benedix von Frankfurt.

L. F u l d a s schönes .Vorspiel »ur Einweih un p des neuen Schauspielhauses zu Frankfurt a. M. , das gelegentlich der Eröffnung an dieser stelle aus'uhrllch oe- spräche,i wurde, ist im Berlage der I. G. EoUa'schen Buchhdlg. Nachf. in Slultgarl zum Preise von 80 Pfg, erschienen.

Berlin, 1L Nov. Wildenbruchs Tragödie König Lauri n" fand im Schauspielbaus starken äußeren Beifall, der frellich größtentells von den Gallerten auS- ging. Die Ostgothenkönigin Arnalasunta trägt, da fie ihr Volk verachtet, Kaiser Justinian ihre Hand an und ver­schreibt ihm ihr Königreich. Die Hochzeitsfeier i|t für sie gerüstet. Ta erhebt Justinian feine Geliebte Theodora zur Xaiferin. Arnalasunta sieht sich würdelos veispotlet und chres Landes beraubt, sie geht m^den Tod. Tie Tragödie bietet eine dichterisch eigenartige «-zene. Im übrigen ver­liert sie sich in leere Theatralik und befremdet durch die Naivetät der Geschichtsauffassung.

München erhält ein n e u e s T h e a t e r. Der Besitzer des Lolojseums will dieses Etablissement nächstes Jahr in cmen Theaterbau umwandeln, der ein Münchener Votts- lHeater werden soll.

Ein fettes Honorar. Rudhard Kipling erhiell von einer amerikanischen Firma für eine Geschichte von etwa 6000 Worten ein Honorar von 10000 Mark.

sfthaffung ter in Me Mletswohnuna eingebrachten Sachen I geb. ZSgntt. au5 Bieber, Kr. Wfeld, 71 Ä

zu verhindern, und daß dieses Recht sich auch auf bieder Freevott, Jll.: Anna Mana Schneider, geb. Kramer, aus Pfändung nicht unterworfenen Sachen erstrecke. I Essenheim, 78 Jahre all. .

Das Reichsgericht erkennt damit ein vertragsmäßig zu Ortenberg, 1L Nov. Unser Ort baut un Verem

/bände gekommenes Retentionsrecht des Vermieters an. mit Gemeinden Hirzenhain, Lißberg, Wippenbach und Wenn also in die Mietverträge eine diesbetzügliche g«' SeÜ£rS eine Wasserleitung. Die Quellen derselben be- stimmuug ausgenommen wird, welche dem L^rmieter das bci Merkens ritz. Stockheim besitzt bereits eme

Retentionsrecht an allen eingebrachten Sachen einräumt, r »J **

so würde dieser sich mithin zunächst aus den Pfändbaren ^N^eitung. vierwochentliche

Sachen direkt befriedigen können, während er darüber k- Darmstadt, 11. ^tov. xer

hllmus noch die nicht pfändbaren Sachen zurückbebalten Turnkursuö für Dolksschullehrer -ist geschloffen bann, biS er befriedigt ist. In der Tbat wird auch soeben worden. An dem Kursus nahmen 22 Lehrer aus allen aus Hamburg berichtet, daß der Veroand der Hamburger Kreisen des GroßherzogtumStell. Landesturninspektor Schmuck, Grurweigentümer sich bereits mit der Absicht beschäftigt, ^^r die Leitung sämtlicher Uebungen hatte, hielt eme Vor- eine derartige Vereinbarung in seine Mietverträge aufzu- (e|ung übn hessische Geschichte des Turnens. Prof. Hauser

Man wird ja nun zunächst abwarten müssen, ob die Entscheidung des Reichsgerichts, die nichts weniger als ein* ttanb&frci ist, und die jedenfalls der Absicht des Gesetz­gebers direkt widerspricht, aufrechterhalten werden wird, denn voraussichtlich werden sich in Bälde noch, anbere Senate des Reichsgerichts mit dieser Frage zu beschäftigen haben. Sollte aber die erwähnte Reichsgerchtsenlscheidung nicht umgeswßen werden, dann wird es Sache des Reichs­tags fein, gegen diese Auslegung aus gesetzgeberischem ZLege ein^uschreiten, indem er dem § 559 des B. G. B., der das Pfandrecht «des Vermieters regelt, nach der Analogie anderer Paragraphen die Bestimmung hinzu fügt: Diese Vorschrift kann durch. Vereinbarung der Parteien nicht ge­rändert werden!__________

verstorben sei. t r x .

Eine furchtbare Szene in der p sychiatri- schen Klinik zu Wien. Einen Selbstmord, wie die wildeste Phantasie ihn si'ch nicht schrecklicher auszumalen vermag, hat ein Geisteskranker in der psychiatrischen Klinik des Wiener Allgemeinen Krankenhauses begangen. Vor einigen Tagen war dort ein Prioatbeamter eingeUefedi worden. Er litt an einer unheilbaren Geisteskrankhell und wurde von Tobsuchtsanfällen heimgcsucht, welchen Perioden der tiefsten Erschöpfung folgten. Der Patient wurde daher in einem starken Gitterbett untergebrachl Vorgestern hatte der Kranke abermals einen Lobsuchtsanfall; schreiend rüt­telte er an den Eisenstangen des Bettes und schlug mit Händen und Füßen so raßend um sich, daß man, um de- Kranken vor schweren Selbstbeschädigungen zu schütz«, darangehen mußte, ihn zu fesseln. Tas war keineleichtt Arbell. Mll athletischer Kraft schüttelte der Unglückliche immer wieder die Wärter von sich ab, und erst nach den größten Anstrengungen, die mit Vorsicht gepaart fein mußten, gelang es schlleßlich, den Rasenden zu überwäl­tigen. Plötzlich hörten Aerzte und Wärter ein unheim­liches Knirschen, ein blutiger Schaum trat aus dem Munde des Kranken. Ter Wahnsinnige zerfleischte mit den Zähnen seineZunae, und llidem er die blutige Masse zum Tell verschluckte, lallte er wiederholl: ,£), wie schmeckt das gut!" Tiefe selbst in der psychiatrischen Klinik kaum je baaeroelene Szene rief im Augenblick die Aerzte herbei. Man suchte die weitere schreckliche Selbstverstümmelung zu ver­hindern, durch Betäubungsmittel dem Kranken über den Anfall hinwegzuhelfen. Alles vergebens. Mit größter Vor­sicht Denn der Kranke schnappte wild nach den Händen, die sich seinem Munde näherten versuchte man, durch An­wendung verschiedener Instrumente die Zunge des llngluck- lichen vor weiterer Zermalmung zu schützen, xodj alle Anstrengungen, alle neuen Versuche der Aerzte waren ver­geblich Tie Zunge des Rasenden bildete nur noch einen Stumpf. Nun begann er seine Lippen zu zerbeißen. Endlich sank er vor Erschöpfung zurück Tie ganze grauenhafte

nahm.

Osthofen, 12. Nov. In der,Osth. Ztg.- lesen wir: Osthofen ist reich beflaggt, um dem Bruder unseres Kaisers, ___ dem Prinzen Heinrich, der gestern schon an der großen 21115 fitrtht uni) Sunil» Treibjagd in dem Jagdrevier des Frhr. v. Heyl teilgenom-

UllV 6UUV. 11£ unb um bcm bQ3U eintreffenden Landes-

m i Gießen, den 13. November ^02. unferm Großherzog, einen Gruß zu entbieten.

* Gedenktage. Zu Bayreuth starb am 14. November . Heinrich bewegt sich ungezwungen unter den Jagd- 1825 Johann Paul Friedrich Richter, unter bem ä.-ten. x^chtlich Vergnügen bereitete es ihm gestern, als Pseudonym Jean Paul bekannt als em v^uglicher Humorist, R |unge ^anie ihn photographiette; neckisch rief er ihr zu: em reiches, edles Dichtergemüt, unerschöpflich Gedanken- ^en schieß ich!" Worauf ihm schlagfettig die Antwott fülle, das Kleinste und Unscheinbarste mit der Macht seiner - : Ich hab' Sie aber schon l" Gestern nach Be-

Ideen verklärend. Von seinen Wetten leber- heute noch f^ ^igung d7r Jagd stellte sich am Bahnhof dem Prinzen

.HeSperuS', .QumtuS Fixlem , .Siedenkäs , .Titan und . ^xich der Gaslwitt Hamscher von hier als früherer Unter-

.FlegeljahreE. Zu Wunsiedel in Oberfranken, gebener von der Marine vor; in die ihm dargereichte Hand

Dichter ein Derckmal errichtet wurde, war er am 21. März » ^stig ein.

1763 geboren. ______ Frankfurt, 12. Nov. Die Anthropologische Ge-

** Die Ortskrankenkasse Gießen hiell gestern sellschaft hielt am Montag chre erste wissenschaftliche abend im ^Postkeller" ihre statutgemäße ordentlicheGe- Sitzung ab. Dirtttor E. Frank erstattete Bettcht über die ner alverf ammlun g ab, zu der seitens der Arbeit- Prähistotte auf dem Kongreß in Dortmund. Das Hauptin- nehmervertreter 44 und seitens der Arbeitgeber 7 Herren Dresse dieses Kongreßes ttchtete sich auf die Funde von erschienen waren. Die Wahl eines Rechnungsprüfungsaus-^^in zeit-Wohnplätzen und-Gräbern, dieDr.Kohl- fchusses ergab die Wahl der Herren Holtberg Sickert und I^ms m Rh ein Hessen zutage gefördert hat. Man teilt «toa 3000 bis 5000 Jahr- vor Chnsti G-burt zurück, aeber Hanau und Wigandt wurden eüiftimmig wiederge- liegende Zell, aus der die Funde stammen, m den Hmkelstem- wählt. Ter wellere Puntt (Statutenberatung) erstteckte sich Typus, nach den. Funden auf dem Hmkelstem bei Monsheim auf die §§ 2, 5, 15, 22 und 31. Erwähnenswert ist bei in Rheinhessen, ferner in die Zeit der Limen-Keramik und § 15, daß die im Abschnitt 3 vorgesehenen Unterstützungs- der Präsmer-Keramck, so genannt nach einem Ott in Thü- ifäfte ungefähr verdoppelt werden; ferner bei § 22: Sterbe- ttngen, in den Michelsberg-Typus, nur bei Pfahlbauten, in gelb wird vom L Januar 1903 an auch für Familienanae- bie öeit beE Schnur-Keramck und der Zonenbecher. Der erst­hörige bezahll, und es beträgt beim Tode einer Frau bie QCnQnnfe Typus kommt zunächst nur in der hiesigen Gegend Hälfte, bei einem Kinde von 614 ,3a|5e£ vor, die beiden nächsten hier und weit nach dem Osten und

Äebä^ § 31Äw d-hiu, daß' Süden Deutschlands h-neen Dee F°^chung-n b-ftaNgen daß wer die letzten drei Tage der Woche in Arbeit tritt, oder die zur genannten Zeck unsere Gegenden dicht kDÖltert waren, erften drei Tage der Woche aus ber Arbell gebt, vom Bei- von welchem Volk, konnte noch nicht festgeftellt werden. Man trage beftell ist. Hieran schloß sich der Bericht von der hat u. A. bei Dottmund, Friedberg, Groß-Gerau und Trebur 9. Generalversammlung deutscher Ortskrankenkassen zu Ham- und anderen Otten im Ried, längs der Bergstraße, Württem- burg, aus welchem hervorgehoben sei, daß nur durch Zu- berg u< s. ro. eine Menge großer vorgeschichtlicher Wohn- isammenschluß der vielen Heinen Kassen zu größeren etwas I un^ Grabstätten aufgefunden. Der Redner wandte sich an Ersprießliches erreicht werden kann, und auch unsere DrtMbie wesenden Damen, bie er bat, ihre Küchenlieferanten krankenkasse m Gießen noch mehr leisten könne, wenn die . Scherben auf den Feldern aufmerksam zu Mitalieder der verschiedenen llemen Kassen der Ortskranken- o,L, 1 r ,, ö o- ... ' n»

taffe0 angehören würben. Reicher Beifall lohnte den Dor- machen und um Slbhefcrn solcher Funde zu ersuche. s traaenben könnten dadurch zur Entdeckung von Wohn- und Grabstätten

* Der hessische LandeSlehreroerein läßt seinem\ beitragen und der anthropologischen Wiffenfchast große^Dienste Obmann, Oberlehrer BackeS in Darmstadt, der über zwanzig Jahre den Verein leitet, eine besondere Ehrung durch Her­stellung seines Bildes zuteil werden. Aus zitta 70 Bezitts- lehrervereinen sind berells weit über 1000 Bilder bestellt worden. Mll dem Versandt des Bildnisses wird in den

Vom alten und neuen Frankfurter Schau,pielhaufe. Das fmaraiefle Resultat der er,len Woche tm neuen Schauspiel­haus zu Kranksurl war recht zuiriebenslellend. Tie Einnahmen beliefen sich auf annähernd 000 Matt. lieber »das alle rzrank- surter Schauspielhaus und ferne Vorgeschichte^ hat Fran E. M entz e l, die geschätzte Frankfurter Schnnstellerm, die schon vor 20 Jahren eine iveichichie der Schausvielkunfl m Frank'urt vc-.onenlllchle, im Verlagc von Rüllen u. Übning eme «Lchrift erscheinen laffen, die iür alle Theaterfreunde Inte ress als 200 Sellen zählt und mit einer

Die gestrige Darstellung war recht hübsch. Fräulein Würtemberg zeigte als ,goldene ©oa' in den altdeutschen Gewändern sehr viel liebenswürdige und glaubhafte nawe Frische ohne kokette Ziererei, und that auch ihr Möglichstes, um über das Fehlen einer Seele in dieser anmutigen Gestalt die Zuschauer hinwegzutäuschen. Ihr Organ ist biegsam und klangreich, wenn auch nicht klangvoll; jedenfalls geht Frl. W. geschickt mit ihm um. Ihre Bewegungen sind von unge­zwungener Natürlichkell, nie überhastet oder gar ungestüm. Trotzdem scheint auch Lebhaftigkell eine der schauspielenschcn Tugenden unserer neuen ersten Liebhaberin zu sein, deren Acquisition begrüßt werden und deren weiterem Auftreten man mit angenehmen Erwartungen entgegensehen kann. Herr v. Stahl gab den verliebten poetischen Gesellen Peter mit großer Gewandthell und auch ziemlich zwangfrei. Die große Liebesszene im 2. Akte war natürlich der Glanzpunkt des Abends, zumal bei der feurigen Beredsamkeit dieses tüchtigen, talentvollen Künstlers. Er gab sich sichtlich und mit bestem Erfolge Mühe, ungekünstelt, frei weg von der Leber zu reden, was bisher wohl nicht immer seine Att war. An innerlicher Ueberlegenheit gab er vielleicht ein wenig zu viel für diesen srischftöhlichen Goldschmiedegesellen. Jedenfalls aber warS wieder eine sehr gelungene und echt künstlerische Leistung. Die Angewohnheit, ab und zu von der Bühne weg in die oberen Logen einen Blick zu werfen, läßt sich ja schnell ver­lieren. DaS armselige Ritterpaar wurde von den Herren Zoder und Becker mit vielleicht allzu merklicher Selbst- oetteugnung gespielt, aber doch un ganzen in dem burlesken Ton, den die Rollen verlangen. Beide waren nur etwas zu cm» jcitig in ihrer Charaktcrisirung. Und wie kam eigeniUch die einstmals schöne Frau Barbara darauf, von dem .leicht er­grauten' Haupthaar deS Leiber nimi ich wo bisch schwärenden Herrn v. Schwetzingen zu sprechen? War seine würdige

* Vermächtnis. Ter Landaerichtsdirektor Cappel in Berlin vermachte der Stadt Essen testamen­tarisch 150 000 Mark für den Bau einer Kunsthalle und schenkte außerdem 50 Gemälde unb Broncen von höchstem Kunstwert. w c ,

* Ein Roman ausbernLeben. Vor drei Jahrai erregte ein Ehescheidungsprozeß in der Berliner Gesell­schaft Aufsehen. Tie Gattin eines Zivilingenieurs Schaffer wurde als schuldiger Tell von ihrem Ehemanne geschieben, well sie ihren Gatten mit einem Buchhalter betrogen hatte. Frau Schaffer, bie ans ganz armer Familie flammte, erhiell von ihrem sehr wohlhabenben Gatten nach ber Scheibung ein freiwilliges Geschenk von 3000 Mark. MU diesem Gelbe wanberten bie beiden Liebenden, Frau Sch. und der Buchhalter Baumgart, nach Amerika aus. Drüben heiratete B. seine Geliebte, unb bann blieben Beibe Jahre lang verschollen. Ansang September bieses Jahres erhiell Schaffer, der inzwischen ebenfalls wieder geheiretct hatte, von der Verschollenen einen Brief aus Philadelphia. Unter Ausdrücken bitterster Reue schilderte Frau Baumgatt, daß ihr Mann, mit dem sie sich damals an Schafter ver­sündigt, sie in Amerika verlassen h<che. Sie selbst fei in bitterer Not, leide an der Schwindsucht, und habe nur noch Monate zu leben. Schaffer möge noch einmal Groß­mut üben und ihr das Geld zur Ueberfahrt schicken, da­mit sie in der Heimat sterben könne. Im Einverständnis mit seiner jetzigen Frau sandte Schaffer der Unglücklichen 500 Mark unb verschaffte ihr eine Freistelle in einem Sanatorium für Lungenkranke. Seine Großmut ist jeboch umsonst gewesen, bas Gelb kam vor einigen Tagen mit ber Bemerkung zurück, baß Frau Baumgatt inzwischen