worben fei, es lagen sieben Haftbefehle gegen ftc und die übrigen Familienmitglieder vor. Außerdem behauptet das Blatt, daß in dem Schloß Vives eaux Papiere und Dokumente beschlagnahmt worden seien, durch welche hochstehende Persönlichkeiten kompromittiert wurden. — Wie verlautet, befänden sich im Spital von St. Louis 19 an Aussatz erkrankte Personen. Als eine Bestätigung dieses Gerüchtes sieht man eine Mitteilung des Amtsblattes an, wonach im Auftrage eines Gemeinderats- Mitgliedes 25 000 Fr. zur Errichtung eines Jsolierpavillons in dem betreffenden Krankenhause zur Verfügung gestellt wurden.
* Petersburg, 12. Nov. Das Frost Wetter nimmt zu. Auf der Newa, Wolga und den Nebenflüssen herrscht starker Eingang. Ter Laruga-See ist zum größten Teile zugesroren. Aus Twer werden 10 Grad Frost gemeldet.
* New hör k, 12. Nov. Tie Blätter beschäftigen sich augenblicklich eifrig mit den Heiratsabsichten deutscher Prinzen in Amerika. Ein Blatt in San Francisko hatte, angeblich aus die Autorität eines Rechtsanwalts und zweier in der Londoner „Gesellschaft" wohlbekannter Damen erzählt, daß Prinz Hugo von Hohenlohe einem Kapitän Ladislaus de Pokorny eine anständige Provision (5 Mill. Mark!) für die Vermittelung einer Heirat mit einer reichen Amerikanerin versprochen habe. Eine Londoner Dame habe mit ber,Muller der jungen Dame gesprochen und es wird sogar ein angeblicher Brief von dieser (Goelet) veröffentlicht, in dem sie sagt, daß ihre Tochter noch sehr jung sei und sie den Vorschlag ablehnen müsse, obgleich sie sich durch ihn sehr geschmeichelt fühle. Wie nun der „Newyork Herald" mitteill, erklärt Prinz Hugo von Hohenlohe, der sich augenblicklich in Newhort' befindet, daß die Geschichte völlig unbegründet sei. Ebenso erfunden wird wohl auch eine Mitteilung des ,Herald" sein, der heute erzählt, daß Prinz Heinrich von Hanau durch einen Heiratsvermittler in Newyork eine Braut mit 2 Millionen Dollars gesucht habe. (Nach dem Gothaer Almanach giebt es nur einen Prinzen Heinrich von Hanau und der ist bereits 60 Jahre alt, also wohl kaum ndch heiratslustig.)
* Wenn b i e Könige reisen. Der Besuch des Kaisers in England, so plaudert ein englisches Blatt, wird infolge der Ruhe, die er während seines Aufenthaltes genießen wird, nicht kostspielig fein; aber es kommt nicht oft vor, daß Könige billig reifen. Georg IV. mußte wegen der Unkosten eine Reise nach Berlin aufgeben, und man bekommt einen Begriff von der Kostspieligkeit königlicher Reisen, wenn man hört, daß der frühere Schah von Persien im Jahre 1878 während eines sechsmonatlichen Aufenthaltes in Europa um 40 Millionen Mark leichter wurde. Seines Sohnes letzter Besuch in Europa soll acht Millionen Mark in bezahlten und unbezahlten Rechnungen gekostet haben; ein Sultan aber hat, wie erzählt wird, an einem Nachmittage in Paris 2 Millionen Mark für Einkäufe bezahlt. Lord Lonsdale hat ein kleines Vermögen ausgegeben, als er Kaiser Wilhelm als Gast bei sich sah. Als der Kaiser 1891 die Königin Viktoria besuchte, gab sie dafür 35 320 Mark aus, unb ein kurzer Besuch des Königs von Siam kostete sie 18 880 Mart. Ihre eigenen Besuche im Ausland rosteten gegen 100 000 Mark, obgleich die Königin selten über Frankreich hinausging; 26 000 Mark dieser Summe wurden allein von dem Oberstallmeister ausgegeben, und ein Herbstbesuch in Balm oral kostete die Königin einst über 200 000 Mark. Einer der indischen Fürsten, die zur Krönungsfeier kamen, verbrauchte 5 Millionen Mark; wenn auch in dieser Summe die Kosten für ein funkelnagelneues Schiff enthalten waren, so müssen die anderen indrschen Fürsten doch etwa ebensoviel aus- gegeben haben. Der letzte Besuch des Zaren in Frankreich soll nicht weniger als 10 Millionen Mark gekostet haben. Die Ausgaben der französischen Regierung betrugen allein 2 480 000 Mark, und sie repräsentieren nur den geringsten Teil der Unkosten. Tüntirchen bezahlte seinen Preis für die Ehre, einen Zaren zum Frühstück zu haben, Rheims gab Zehntausende aus, um den Weg des Zaren mit Gold zu pflastern, und eine besondere Steuer wurde in Eorn- piögne erhoben, um die Kosten zur Bewirtung des Herrschers aller Reußen zu decken. Nicht umsonst folgten 140 Polizeiagenten dem Zaren durch Frankreich, und in Compiögne waren 400 Betten von Polizeibeamten und Dienern im Gefolge Nikolaus II. besetzt. Königliche Besuche sind thatsächlich nicht immer wünschenswert, und Paris
soll erleichtert aufgeatmet haben, als der Zar eine Einladung des Magistrats ausschlug. Einer der letzten Besuche in einer englischen Provinzstadt war der des Prinzen von Wales in Bristol; ein Blick auf die Archive dieser allen Stadt zeigt, daß auch solche königlichen Besuche große Unkosten im Gefolge haben. Als Königin Viktoria Bristol besuchte, haben allein die Dekorationen 120 000 Mark gekostet, und es scheint, als ob die Jetztzeit in solchen Dingen verschwenderischer geworden ist, als man früher war. Königin Anna besuchte Bristol vom Freitag bis zum Dienstag, und das kostete die Stadt noch nicht 1000 Mark, darin waren 82 Mark für die Errichtung einer Laube für die Königin zum Wassersport eingeschlossen. Eromwell besuchte die Staüt auf acht Tage und trug selbst die Unkosten, aber Karl LL unb seine Gemahlin kosteten Bristol 21810 Mark. 130 Golbstücke zu je 22,16 Mark wurden der Königin in einer Börse für 7,50 Mark überreicht. Ein Besuch der Königin Katharina im Jahre 1677 kostete 8920 Mark, und der Prinz und die Prinzessin von Wales verursachten eine Rechnung von 20 000 Mark.
* lieber eine originelle Scheidungsklage berichtet das „Extrablatt" aus Wien: ,^Jn Verhandlung beim Landsgerichle in Zivilsachen stand die Scheidungsklage der Hausmeisterin Aloisia Piena gegen ihr Mann, Damit begründet, dieser komme täglich betrunken nach Hause unb gebe für die Wirtschaft seit langem kein Geld, ^as Paar ist seil zwanzig Jahren verheiratet. Vorsitzen- oer: Was sagen Sie dazu, Herr Plena? Gatte: Ich geb' ihr kein Gelb, well sie alles für ihre Katzen braucht. Bors.: Und wie ist's mit bem Betrunken-Nachhausekommen? Gatte: Das geb' ich ohnewellers zu. . . aber wer is Lchulb? Sie, mit ihren Katzen! Gattin: Is alles nll ivahr! Als Hausmeistern hab' ich zwei, drei Katzen. . . Die werden aber von den Parteien gefüttert, mich kosten s' keinen Kreuzer! Galle: Sie hat achtzig Katzen. Ich hab's gezählt, ich beeid's! Gattin: Und ich beeid', daß nur zwei, drei sind! Galle: Ich hab' Zeugen für achtzig . . . ich könnt' auch die achtzig Katzen herbringen! Vors.: Nein, nein! Wir werden nicht über die Katzen als Eheschei- bungsgrund verhanbeln! Gatte: Ich hab' ihr aber oft zehn Gulden in ber Woche geben ... bie Katzen hat's Damit g’füttert . . . ich hab' nix.zu essen kriegt! Gattin: So? Wie er zu mir kommen is, hat er nix g'habt als wie brei zerfetzte Hemben unb eine Butten. . . unb jetzt hat er a Geld in der Sparkasse! Vors.: Wollen Sie sich nicht ausgleichen? Gattin: Durchaus nicht! Gatte: I auch nicht! Vors.: Vielleicht scheiden Sie sich einverständlich? Gattin: I bin dabei, recht gern! Gatte: Wer ich möcht erst das viele Geld zurück haben, mit dem sie die ganzen zwanzig Jahr' d' Katzen g’füttert hat! Muß der Mann für Katzen sorgen? Vors.: Das wäre ein neuartiger Rechtsstandpunkt! Galle: Also will ich was von Den Sachen! Vors.: Sagen Sie genau, was ©ie wollen! Gatte: A Bett, an Tisch, zwa Sessel, a Nachtkastel und an Schreibtisch . . . bann kann's meinettoeg’n achthunbert Katzen halten! Gallin: I verlang gar nix! I Verzicht' auf alles . . . nur er soll geh'n. Er kann bie Sachen abholen gleich nach der Verhandlung! Vors.: Das gegenseitige Begehren auf Scheidung aus dem Verschulden des anderen Teiles wird also fallen gelassen? Beide Gatten: Jawohl! Vors.: Und Sie einigen sich auf einverständliche Scheidung? Gattin: Recht gern. Gatte: Ich auch von Herzen! Der Vorsitzende verkündet nun die Ehescheidung auf Grund einverständlichen Begehrens."
Kunst und Wissenschaft.
Frankfurt a. M., 12. Nov. Im hiesigen Opemhause erlebte heute abend Humperdincks „Dornröschen" seine Erstaufführung. Das Haus war gut besetzt- Der Text von E. B. Eebling-Filhös behandelt den bekannten Märchenstoff, die Musik begleitet zum Teil die Handlung melodramartig, zum Teil besteht sie aus Vorspiel und Schlußeinsätzen, enthüll aber keine größere Solopartie. Die Inszenierung war prächtig. Nach den Aktschlüssen wurde lebhaft Beifall gespendet und zum Schluß der Komponist mehrfach gerufen.
Knioersltats-Uachrichlril.
— Aus Freiburg i B. wird gefchrieben: Auch an der hiesigen Universität ist die Zulafsung von Ausländern zu den Vorlesungen erschwert worden. Es roirb der
Nachweis einer entsprechenden Vorbildung durch Zeugnisse verlangt. Voraussetzung zur Zulassung zum Doktorexamen ist u. A. auch das verständnisvolle Lesen emes lateinischen Schrislsiellers. Es sind denn auch mehrere Russinnen, bie immatrikuliert werben wollten, abgewiesen worben. — Aus Straßburg wird berichtet: Tie tm vorigen Jahre so glücklich emgcleuctcn Volks- hochschultu rfe Haden m bicsem Winter eine festere Organisation erlangt, insokcrn sich nunmehr znr Pflege der Kurse ein besonderer Verein gebildet bat, an dessen Spitze Prof. Ziegler steht. Die Beteiligung an den Kursen, die soeben begonnen haben, ist wieder eben so stark wie im vorigen Jahre, für die Vortragsreihe von Prof. Bloch über das Elsaß tm Mittelalter haben sich jooiek pörer eingeschrieben, baß ber etwa 300 Personen lass ende größte Hörsaal ber Universität kaum ausrelchte. In einer anderen Vortragsreihe behandelt Privatbozent Ejcherich bie einheimischen Insekten des Elsasses. — Mau schreibt aus Brüssel: Ter fünf- lährige Preis sur das beste Werk aus dem (Gebiete der Sozial- wisseuschaiten ist, nachdem bie Regierung abgelehnt Halle, ihn tüt ihre Gewerbezählung anzunehmen, bem Professor Abolphe PrinS von ber Brüsseler Unioersilät sur seine Arbeilen auf bem Gebiete des Slrairechls verliehen worben.
Llindwulfchaft.
— Heber den WirtschaftSbetrleb auf (Sabinen, dem Gur des Kaisers in ber Nähe von Elbing, veröffentlicht bie »Danziger Ztg." eine Schilderung, welche dem Irrtum entgegentritt, baß die Ladiner Wirlschast bie kauerliche Prioatschatulle hinter sich habe. Vielmehr bestärkte em Besuch ber Wirlschast Eabmen bie Ueberzeugung, baß die Landwirtschaft auch heule noch die Kraft hat, durch sich selbst zu bestehen. In ber Schilberung wirb baraus hingewiesen, baß weder der Kaiser als Gutsbesitzer noch sein Gutsmspeklor meinen, bie hohen (betreibe- zölle seien für die Lanbwlrlschast unentbehrlich. .Nicht an dem Kamps um bie Gelreibezölle wurde ich mich je beteiligen,* so erklärte Oberinspektor Clbenbnrg bem Besucher bes Gutes (Sabinen, .aber wo es sich barum hanbclt, berLandwirtschaft bleZufii hr- ivege zu erleichtern unb namentlich bie Wege zu ben Kalilagen, unb ber Phosphorsäure zu verbilligen, bei einer wichen Bewegung würde ich mit allem Nachdruck dabei jein/ Auf eine direkte Frage, ob er auch an bie Unmöglichkeit glaube, baß sich bic Lanbwin- schast aus eigener Kratt erhalte, antwortete er ebenso blickt und rückhaltlos: »Nein! bei sparsamer Wirtschaft kann ber Landwirt auch heute noch existieren, wenn er auch mcht mit einer solchen Verzinsung seines Kapitals zu rechnen har, wie die Industrie I" In der Schilderung wird hervorgehoben, daß Cadmen lediglich auf Getreidebau und Viehzucht angewiesen ist und zwar mit Roggen unb Kartoffeln als Haupt'ruchten. In ben vier Jahren, in benen ber Kaiser das Gut besitzt, ist es möglich gewesen, bie Rindviehherde nach unb nach völlig aufju- frischen. Sie zählt heute 150 Haupt. Auch die Schivemezucht wird mit ersreulichem Nutzen betrieben, ebenso wie bie allmählich wieder belebte Schafzucht. Ter Schweinestall zählt etwa Hunden Insassen, der Schafbestand 180 Mutterschafe. Für bie ganze Wirtschaft ist ebenso wie für bie Brennerei das Prinzip maßgebend gewesen, Veroollkommiiungen des Wirtschastsbetriebes vorzunehmen, soiveit Diittel aus eigenem Betriebe für solche Zwecke bereit gewesen sind.
Neueste Aielvuiigeu.
Origirtaldrahtmeldungcn des Gießener Anzeiger.
Berlin, 13. Nov. Staatssekretär Graf Posadowsly lud auf Freitag eine Anzahl von Sachverständigen bc-5 Kartellwesens zu einer Beratung, darunter bie Reichstags« abgeordneten Beumer, Gothein, Frhr. v. Heyl, Graf Kamtz, Dr. Spahn und Molllnbuhr. — Gegenüber anderen Blätter- Meldungen stellten bie ,Berl. Polit. Nachr." fest, daß im nächstjährigen preußischen Etat eine Erhöhung der Forderung für die Hebung des gewerblichen Unterrichts erhalten fein wird. — Der „Vorwärts" veröffentlicht 19 pon ben Sozialdemokraten zum Anträge Aichbichlcr gestellte Abänderungsvorschläge. — Der bisherige Burenoberst Schiel (dessen großes schönes Kriegswerk im Verlage von F. A. Brockhaus dieser Tage erschien) hielt gestern abend einen Vortrag über ben Burenkrieg. Er schildert? daS Elend, dem die Deutschen in Transvaal infolge deS Krieges ausgesetzt sind, schilderte die vor bem Kriege in kurzer Zeit zu großer Blüte gelangte deutsche Kolonie Liedenburg, die jetzt vernichtet daliegt, und rühmte den Engländern nach, daß sie nach der Schlacht bei Elandslagte mit den Deutschen kameradschaftlichen Verkehr gepflogen hätten. Zum Schluffe gab er eine eingehende Schilderung seines Gefangenenlebens in Afrika.
Frankfurt, 13. Nov. Bei ben Stadtverordneten wählen wurden 4 Demokraten und 4 Nationalliberale gewählt. 13 Stichwahlen haben stattzusinden.
Feuilleton.
In der zweiten Lieferung des von dem früheren Chef- tebatteur der Münchener,,2111g. Ztg.", C h r i st i a n P e tz e t, herausgegebenen wertvollen Beitrages zur deutschen Lille- ratur- und Nationalgeschichtc: „Die Blütezeit der deutschen politischen Lyrik von 1840 bis 1850" kennzeichnet Petzet die Beteiligung der Dichter Dingelstedt, Herwegh, Prutz unb Freiligrath an der politischen Dichtung jener Periode. Von den genannten Dichtern hat der Kurhesse Dingelstedt wegen seiner späteren großdeutschen Gesinnung und wegen seines Vorwärtsstrebens die vielfältigste Beurteilung erfahren. Er weist nach, daß Dingel- ftebt trotzdem bis zuletzt sein vaterländisches Ehr- und Rechtsgefuhl nie verleugnet hat. Mit schärferer Tonart, mit Schwung deS Gefühls, der Gedanlen unb Sprache, zugleich in voller Beherrschung ber lyrischen Form llllt Georg herwegh mit bem ersten Banbe ber „Gedichte eines Lebendigen" in die vordere Reche der politischen Dichter. In Sturmliedern fordert er in Wut unb haß auf zum Streite gegen bie Allichte ber Finsternis unb Volksunterdrückung. Schwungvoll besingt er ben beut sch en Beruf zur See mit Forberung einer Flotte, mahnt Preußens König an Erfüllung ber beutschen Mission, wie er später aud) mit ihm eine scharfe polllische Abrechnung hält. Nach Enttäuschungen verwanbelt sich seine Begeisterung in ebenso radikalen unb fanatischen Pessimismus. Als Lyriker von „vielseitigem, einpjindungsreichem unb burchgebilbetem ©eifte, von sympathischem Ernst und Ebenmaß" ragt Robert Prutz in ber politischen Dichtung hervor. Prutz ist Realpolitiker in demolratisch-tonsillutioneller Richtung, der er rn kräftigen Gefuhlsausbrüchen unb Gebauten unverblümten Ausdruck verleiht. Mächtiger als bie anbereu greift Fer- binanb Freiligrath in die <xiii.cn. In echter Poesie erschallen sein^vturmiillrer, wie |ic noch von ke.nes Sängers Munde ertönt waren. Mit dämonischer Gewalt, durchdrungen von innerster unb aufrichtigster Empfindung und Lieoe zum Vaterlande, vom staristcn G. fuhll für nationale Ehre und Würde besingt Freiligr.. bie raottale Revolution, man sieht sie vor sich in allen Schrecken in ..ampj und Blut. Das einzige Heil findet Freiligrath nur in der Republik. Von zündender Glut ist sein RevolutionSlied „Tie Toten
an die Lebendigen". Daß er nach 1870 glücklich war, die Auferstehung des einigen deutschen Vaterlandes noch zu erleben, wenn auch in anderer als in der gehofften Form, bezeugt das herrliche Widmungsgedicht „An Deutschland". Tie Freunde deutscher Lllteratur unb Geschichte seien auf das bedeutsame Werk Petzets, dessen Hauptvorzug das flare unb unbefangene Urteil eines ruhig abroägenben Lillera- turhistorikcrS ist, aufmerksam gemacht. Die 2. Lieferung lostet 2.20 Mark. Das Werk erscheint im Verlage von I. F. Lehmann in München.
Die Völker der Erde. Eine Schilderung der Lebensweise, der Sitten, Gebräuche, Feste und Zeremonien aller lebenden Völker von Dr. Kurt Lampert. Mit etwa 650 Abbildungen nach bem Leben. 35 Lieferungen zu je 60 Psg. Lieferung 11—16. (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt.) — Das rüstig vorwärts schreckende Werk verspricht nach seiner Vollenbung eine Lücke in der bisherigen ethnographischen Lilleratur auszufüllen. Dian besaß seither leine allgemein verständliche Völkerkunde in so ansprechender Tarsiellungsweise unterstützt durch eine reiche Fülle authentischer und höchst charakteristischer Bilder. Die neuesten Lieferungen führen zunächst die Schilderung der Völker Indiens zu Ende. An die Bewohner Ceylons und der Anbamanen schließen sich die Beludschen, Afghanen und Perser, die zusammen die Jranen ausmachen. lleber- Turkestan mll seinem bunten Völkergemisch gelangen wir nach Buchara und Chiwa, dann werden die Völler Sibiriens, bie des Kaukasus unb bie Armenier vorgeführt. Die Ausstattung ist vornehm und gediegen.
Dic „Neue Musik-Zei tun g", illustriertes Fa- milicnblaü (Verlag von Carl Grüninger in Stuttgart), die sich seit Jahrzehnten eurer ungewöhnlichen Verbreitung erfreut, weiß sich durch eine lieberfülle an belehrendem und unterhaltendem Stoss ihre voiksrümliche Beliebtheit zu sichern. Jede 'Kummer pflegt biographische Skizzen und Gedenll'iatter (mit Porträts), Berichte über Konzert- und Dpernnovitäten, Novellen, Feuilletons aus der Zünftler- well, eine Menge Notizen aus bem Musikleben der Gegenwart, Besprechungen von Neuerscheinungen des Musikallen- unb Büchermarktes, allgemein interessierende Studien und aussätzc, außerdem Texte für Liederkomponisten, humoristische Gedichte, Illustrationen und 24 Seiten Musikbei
lagen, bestehend aus melodiösen Klavierstücken und feinsinnigen Liedern von namhaften Komponisten au bringen. Letztere repräsentieren allein den mehrfachen Betrag des Abonnementspreises von nur 1 Mart pro Vierteljahr (sechs Nummern). Eine geschätzte Einrichtung bildet der Brieflasten, der den Abonnenten nicht blos Informationen aller Art erteilt, sondern auch kritische Winke betreffs ber o.'n ihnen eingefanbten kompositorischen und litterarischen Ser- suche giebt.
Xie Zahl ber „ärztlichen Ratgeber", die im Laufe der Jahre im Buchhandel erschienen sind, ist, abgesehen von ben Einzelschriften, äußerst groß, und da ist wohl die Frage berechtigt, ob auf diesem Gebiete überhaupt noch etwas besonders 'Neues und Eigenartiges geschaffen werden kann. Aber diese Frage beantwortet in überraschender Weise ein neues, im Verlage von FranzLipp, Leipzig. Brüderstraße 49, erscheinendes Lieierungswerk, betitelt: „Praktischer Haus sch atz der Heilkunde". Während nämlich alle bisher erschienenen Werke sich einer besonderen Methode annahmen, ja wie die vielen „Naturheilbücher" gewissermaßen Propagandaschriften für das Namrheilversahren waren, stellt sich dies neue Werk nicht in den Dienst irgend einer Methode, sondern hier soll unparteiisch „jeder nach seiner eigenen Fa^on" furicrt werden. Ter Herausgeber steht auf folgendem Standpunkt: Krankheiten sind individuell! Es ist ein Irrtum zu behaupun, daß dieses oder jenes Mittel bei jebem Menschen diese ober jene Krankheit heilen müsse. Mittel, bie den einen zur Genesung führen, können dem andern den Tod bringen, unb Tausende sind zu Grunde gegangen, weil sie in Unkenntnis weiterer Mittel durch eine für sre nicht pa,sende Methode behandelt wurden. Ter Kranke nruß (Liber suchen, seinen Körper in seinen bejonoeren Eigen,u,ast'.n lenucn zu lernen .Von der wissenschastlichen Med.zin blS zuur Eesundbeten ist eine welle Staj.ei unb a.ie uii> Methoden .natürlich unter Ausschluß der e.w..',enermaß ivcrt.o|c;i, gegenübcrzustcll.u. . < bie Au .
HauSschatzeS der ^.r.künde. Das Werl, au; bas wir noch öfter zuruckzu'omm.n gcbcnlcn, er.cheint in 25 Lieferungen ä 50 Pfg.


