Donnerstag 13. Februar 1SVS
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Die Satiren Lucians, des altgriechischen Poeten, sind in Paul Lindaus Bearbeitung neulich in Berlin mit schönem Erfolge über die Bretter gegangen. Sie werden demnächst im ungarischen Nationaltheater, am Breslauer Stadtlheater und am Mannheimer und Stuttgarter Hof- lheater in Szene gehen.
Fritz Mauthner, der bekannte geistreiche Mitarbeiter des „Berl. Tagebl.", hat sich von der Schauspielkritik zurückgezogen, um sich ganz der Vollendung seines großen Werkes „Kriti k der Sprache" (Verlag von I. G. Cotta in Stuttgart) zu widmen.
152. Jahrgang
Volitische Tagesschau.
Zum Zolltarif.
Bekanntmachung.
Vetrrffend die Ausstellung der D. L. G. in Mannheim im Juni d. Js.
Ich gebe den Viehbesitzern davon Kenntnis, daß eine Beschickung der Mannheimer Ausstellung mit Vogelsberger Vieh seitens des Zuchtvereins nicht stattfinden wird.
Büdingen, den 9. Febr. 1902.
Der Direktor des Kreiszuchtvereins für Vogelsberger Rindvieh.
Boeckm ann.
Die Versammlung erklärt, daß der gegenwärtig dem Reichstage vorliegende Zolltarif den Erwartungen nicht entspricht und deshalb für die Landwirtschaft nicht annehmbar ist.
Beide Anträge wurden mit großer Mehrheit an-
Steuer- und Wirtschaftsreformer spricht ihre Befriedigung darüber aus, daß die Verbündeten Regierungen bei der Zolltamfvorlage im Prinzip zur nationalen Wirtschaftspolitik des Fürsten Brsmarck zurückgekehrt sind.
Sie muß andererseits ihrem Befremden darüber Ausdruck geben, daß die gegenwärtigen Zollvor- schläge für die Hauptgetreidearten selbst hinter den von den Verbündeten Regierungen im Jahre 1887 vorgeschlagenen Zollsätzen zurückbleiben, obwohl Leine der großen Forderungen der Landwirtschaft realisiert ist, ihr seit 1887 schwere Belastungen auferlegt wurden, ihre Notlage sich dementsprechend seit jener Zeit auf das äußerste verschärft hat — zu schwerem Nachteile der ländlichen Bevölkerung und der Gesamtwohlfahrt im Deutschen Reiche.
In der ferneren Erwägung, daß bei dem Abschlüsse der gegenwärtigen Handelsverträge ausschließlich die Landwirtschaft die Opfer gebracht hat, spricht die Vereinigung der Steuer- und Wirtschaftsreformer die zuversichtliche Erwartung aus, daß aus den Beratungen des Zolltarifgesetzent- wurses eine Vereinbarung des Bundesrates und des Reichstages hervorgehen werde, welche der durch die jetzigen Handelsverträge schwer geschädigten Landwirtschaft künftig einen wirksamen Zollschutz gewährt.
Geltung zu bringen.
Das Zolltarifgesetz läßt den Versuch erkennen, die inländische Landwirtschaft in ihrem gegenwärtigen Besitzstände zu erhalten. Nur unter diesem Gesichtspunkte kann das Ziel einer wirklich nationalen weitsichtigen Handelspolitik erreicht werden: die Hinderung einer einseitigen, vorwiegend industriellen, wesentlich auf unsicherem Auslandsabsatz gerichteten Entwickelung — und die Erhaltung eines gesunden, die gleichmäßige Förderung der agrarischen und der industriellen Werkthätigkeit sichernden Wirtschaftskörpers, der seine Stärke im Jnlandsmarkte findet.
Die notwendige untere Grenze der Zölle für Getreide — 1887 von den verbündeten Regierungen bei Roggen und Weizen auf 6 Mk. beziffert — ist gegenwärtig nicht isoliert, sondern nur im Zusammenhänge mit der Gestaltung aller sonstigen landwirtschaftlichen Tarispositionen, sowie der für die Landwirtschaft als Verbraucherin in Betracht kommenden Jndustriezölle zu bemessen. — Als Ziel hat die Erreichung durchschnittlich mittlerer Kurse für den Jnlandmarkt zu gelten.
Der Zolltarif dient bei solcher Gestaltung dem Interesse aller Produktivstände, ganz besonders der Arbeiterschaft. Die feindselige Haltung eines großen Teiles der Industriearbeiter ist durch poli, tische, der Gegnerschaft gegen die herrschende Gesellschaftsordnung entspringende Motive beein- flußt. Volkswirtschaftlich betrachtet, verbürgt die Kräftigung und Erweiterung des Jnlandsmarktes, Erhöhung der Löhne und Stetigkeit der Arbeit.
Arbeiterfrage ist keine Brotkrage. Stete Arbeitsgelegenheit und guter Verdienst sind jedenfalls, selbst wenn das Getreide etwas höher zu bezahlen ist, für den Arbeiter wertvoller als Krisen auf dem Arbeitsmarkt bei niedrigen Brotpreisen.
Sodann sprach Graf v. Mirbach -Sorguitten im Sinne folgenden, von ihm beantragten Erklärung:
1) Die 27. Generalversammlung der Vereinigung der
Sachverständigen Bankier Plaut und den Angeklagten- Letztere gaben zu, den Vertrag unterzeichnet zu haben, ohne mit dem Inhalt genügend vertraut gewesen zu fein. Sie hätten sich darauf verlassen, daß alles in bester Ordnung gewe,en märe- Sch leget betrachtete sich als Seldstschuldner bei der Sache- Hermann Sumps wird ein Brief vom 11- 3. 1899 vorgehalten, welcher an seinen Bruder gerichtet nxir, und der folgendermaßen schließt: hoffentlich geht das belgische Geschäft glatt, sonst wirds brenzlich- Sumps giebt zu, daß sich diese Wendung auf das Geschäft mit hemixen und der Eaisfe Eommerciale bezog. R. A. Barthel stellt fest, daß das ganze vielgenannte Geschäft des Syndikates der drei belgischen Banken und der sechs Mitglieder der Trebergesellschaft mit der Hemixen-Gesellschaft überhaupt nicht zur Ausführung gelangt- Nur der erst im Jahr 1899 zwischen der Hemixen und der Treber- Gesellschaft abge,chlossene Kauf von 4 Mill. Mark Nominal- Tochterwerten ist durchgeführt worden- Bemerkenswert ist, daß der Sachverständige, Bankier Plaut, das 1899 ab- geschlossene Geschäft als ein verstecktes Lombard- Geschäft mit 10 Prozent Z i n s e n-Ve r gü t un g bezeichnete. Ob das der Hemixen Gesellschaft laut früherem Vertrage zu zahlende Agio von 800 000 Mark von der Treber-Gesellschaft zu decken war, kann der Sachverständige nicht feststellen.
Nackchem die Erörterung der Angelegenheit Hemixen und Caisse Eommerciale beendet ist, wurde mit der Vorführung des urkundlichen Beweismaterials fort-- gefahren. Es wurde zunächst eine Expose vorgetragen, das Schmidt au Schulze-Dellwig und Otto sandte. Es handelt sich dabei, um reine Bücher zu erhalten, die 27 M i l l- betragenden Forderungen derTochtergesell- schaften, sowie 18 Mill. Schulden bei der Leipziger Bank zu übernehmen- Diese Schulden sollten nach dem Vorschläge Schmidts innerhalb 12 Jahren, und zlvar vom 1- April 1903 bis 15. Oktober 1915 getilgt lverden. Für diesen Betrag sollten die Aufsichtsratsmitglleder durch Uebernahme des Betrages von 4 200000 haften- Er, Schmidt, lehnte das Verlangen der Leipziger Bank auf Solidarhaft der Aufsichtsräte ab. Durch diese Transaktion sei es möglich, reine Bücher zu erhalten- Die Oeffent- lichkeit brauche von diesen Schulden nichts zu erfahren. Tie Angeklagten bemerken, daß sie den Geschäftsgang der Tochtergesellschaften für gut hielten und große Hoffnungen in die Sache setzten-
Im Anschluß an das Geschäft mit der Leipziger Bank schreibt u- a. Schulze-Dellwig an Schmidt: „Das wird aber eine Wechsel-Reiterei werden, daß ich mich kaum noch von Hause fortwagen kann. Ich als alter Mann sollte mich ein bischen entlasten, statt dessen komme ich immer mehr herein." Von erheblichem Interesse ist ferner ein Briefwechsel zwischen Arnold und Hermann Sumpf. Ersterer schreibt am 13. November 1900: „Es besteht doch wirtlich ein großes und berechtigtes Mißtrauen gegen unsere Treber-Gesellschaft, was ja auch in dem Schreiben der Mecklenburgischen Bank zum Ausdruck kommt. Auch mit dem ungarischen und bosnischen Werk steht es sehr sch lech t" Hierauf gelangt ein Brief des Angeklagten Otto zur Verlesung, dessen Schluß lautet: „Jeder einzelne von uns wird wegen des Inter- ventions-Kontos bei der Leipziger Bant abgeschlachtet werden- Es wird sich dann Herausstellen, daß wir uns bezüglich unserer Vermögenslage sehr arg ge-
genommen.
Der Reichstagsabg. Franken hat in einer Versammlung in seinem Wahlkreise erzählt, eine an der Spitze, der verbündeten Regierungen stehende Persönlichkeit habe chm angedeutet, der Bundesrat werde in eine Herabsetzung des Zolles auf Hafer und Weizen bis 4 M k. willigen. Dazu schreibt jetzt die „Dtsche. Tagesztg.":
Das sind ja recht interessante Enthüllungen. Daß der Abg. Franken für Herabsetzung des Beizen- und Hafer- zoll.es stimmen wird, ist ja bedeutungslos. Man wird ihm aber Gelegenheit bieten müssen, sich etwas klarer darüber zu äußern, welche an der Spitze der verbündeten Regierungen stehende Persönlichkeit ihm angedeutet habe, daß die Regierung in eine Herabsetzung dieser Zölle willigen werde.
im übrigen hervorragend schönen deutschen Kunstrevue, die wir unseren Lesern wiederholt aufs angelegentlichste empfehlen, Verlag von F. Bruckmann in München) über die Da rmstädter Künftlerkolonie in folgender Weise in einem Münchener Blatte richtig:
„Die Behauptung, es sei am Morgen nach dem Schluß der Ausstellung der Künstlerkolonie Räumung des Ernst- Ludwighauses und Uebergabe sämtlicher Schlüssel verlangt worden, ist unwahr. Die Herren der Kolonie traten nach Schluß der Ausstellung sofort in den Genuß ihres Ateliers, der nur auf Grund vorheriger Verhandlung mit den Herren Christi ansen und Olbrich vom 21. Oktober an succes- sive für kurze Zeit unterbrochen wurde, um im Interesse der Künstler die zu schwache Ofenanlage zu ändern. Die große Mittelhalle blieb der Kolonie bis in das Jahr 1902 hinein für Zwecke der Abwickelung der Ausstellung überlassen. Nur bezüglich dreier Souterrainrüume, in welchen während mehr als drei Wochen Ausstellungs-Gegenstände gepackt worden waren, ist die Kolonie sechs Tage zuvor um Räumung bis zum 10. November ersucht worben, weil dieselben als Dienstwohnung für den Hauswärter herberichtet werden mußten. Ter Benutzung anderer Souterrarn- räume zu Packzwecken stand nichts entgegen. Die fragliche Räumung wurde von der Künstlerkolonie sofort bereit» willigst zugesagt und richtig ausgeführt. Es sind den Herren der Kolonie nie Schlüssel ab verlangt worden. Nur fand mehr als vier Wochen nach Schluß der Ausstellung eine die Künstler in keiner Weise berührende Kontrolle der Vollzähligkeit der Schlüssel zwischen dem Bauunternehmer des Gebäudes und dem Baubeamten des Großh. Kabinetts statt. Die Angaben über die Ende Oktober v. I. an die Herren der Künstlerkolonie gerichtete Umfrage sind völlig unzutreffend. Die Nichterneuerung der am 1. Juli d. I. ablaufenden Verträge der Herren Bürck und Huber steht mit der Nichtbeaniwortung der Umfrage in keinerlei Zusammenhang."
Der Großherzog von Weimar hat den Professor Emil Friedrich Graf v. S ch l i tz genannt v. Görtz auf sein Ansuchen „unter gnädigster Anerkennung seiner langjährigen oer-
Nr. 37 erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kesstschen Landwirt bie Siebener iamilien- blLNer oiermc1 in der Woche beigclegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'scheu Unwers.-Buch-u. Steindruckerei (Welsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:
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dienstlichen Wirksamkeit" von der Leitung der großh. Kunstschule in Weimar entbunden.
Allerhand Nachdenkliches vom deutschen Bühnenspielplan bietet Heinrich Stümcke über die Ergebnisse einer Spielplan-Statistik. Otto Ernst's „F'lach s m an n"-Komödie marschiert mit 951 Vorstellungen im Spieljahr 1900/01 an der Spitze. Sudermanns „Johannis feuer" erzielte 727, Hartlebens „Rosen- m o n t a g" 715 Aufführungen. Der 1. Teil von Björnsons Kr a f t - Tragödie und die „T a m e v o n M a x i m" stehen mit je 400, der 2. Teil von „Ueb er unsere Kraft", der uns Gießenern ja auch noch bevorsteht, mit 190 Vorstellungen im Spielplan. „T ie Macht der Finsternis" ist 133mal, „Die strengen Herren 388, „Le- ontinens Ehemänner" 253, „Coralie L Co" 204, „Ter Ausflug ins Sittliche" 154, „T i e Zwillings- sch wester" 143mal gespielt. Von Hauptmanns Dramen scheint „Die versunkene Glocke" mit 150 Aufführungen dauernd die stärkste Anziehungskraft auszuüben. Sudermann ist, abgesehen von den „Reiherfedern", mit seiner ganzen bisherigen dramatischen Produktion in stattlichen Ziffern vertreten, „Tie Heimat" z. B. mit 131 Aufführungen. Halbes „Jugend" bildet mit 159 Vorstellungen immer noch einen Trost für den mit seinen übrigen Werken auf der Bühne nur schwach vertretenen Dichter.
Feuilleton.
Ein Kaiserpo r t rä t mit Untersch rift- Der Kaiser sandte an Ludwig Barnay, den berühmten Mimen und Begründer und früheren Direktor des Berliner Theaters, zu dessen 60. Geburtstag fein großes Porträt mit Unterschrift- Diese Mitteiluna ruft dre Erinnerung an ein anderes Kaiserporträt wach, das Hofrat Barnay in einer denkwürdigen Zeit zu ging, und das eine noch denkwürdigere Unterschrift trägt. Die „Franks. Ztg." erzählt darüber: Nachträglich — es sind seither anderthalb Jahre verflossen — wird uns Kemttnis von einer schriftlichen Aeußerung des Kaisers, die an sich scheinbar ohne Beziehung, ihre besondere Geltung aus der Zeit herleitet, in der sie entstanden. Diese Zeit ist der Anfang des Monats August 1900. Am 27. Juli hatte der Kaiser in Bremerhaven feine „Hunnenrede" (gemeint ist die Rede des Kaij'ers vor der Abreise des Grafen Waldersee nach China. D. Red. d. „Gieß Anz.") gehalten („Pardon wird nicht gegeben"), die allenthalben so großes Aufsehen erregten. In den Tagen, die ihr folgten, und die an Betrachtungen über diese Rede gar reich waren, hatte der Kaiser Herrn Hvfrat Ludwig Barnay in Wiesbaden feine mit einer eigenhändigen Widmung versehene Photographie übersendet. Und auf diesem Bild war zu lesen:
„Ich schau herab von meinem Tier Auf das Gehudel unter mir!"
Es ist dies kein eigentliches Zitat, sondern eine Re- rniniseenz aus „Wallensteins Lager". Dort spricht der Erste Kürassier, nachdem er die Vorzüge eines friebfamen bürgerlichen Lebens geschildert, die Worte:
„Ich, — ich hab' kein Gemüt ba$u. Frei will ich leben und also sterben, Memand berauben und niemand beerben, Und auf das Gehudel unter mir Leicht wegschauen von meinem Tier!"
Der Verkehrverein Darmstadt stellt Ausführungen des Dr. Benno Rüttenauer in der „Kunst (einer
In der Vereinigung der Steuer - und Wirtschafts-Reformer, von beten Generalversammlung wir bereits gestern berichteten, sprach zur Zolltarifvorlage Justizrat Dietrich-Prenzlau. Er verglich unsere Zollverhältnisse mit denen des Auslandes, namentlich mit denen der Vereinigten Staaten von Nordamerika und suchte durch historische Hinweise, sowie durch Erörterungen über die Notwendigkeit ausreichend erhöhter Getreidezölle den Nachweis zu liefern, daß die Sätze des gegenwärtig vorliegenden Zolltarifes für die Gesundung unserer Landwirtschaft nicht genügen. Er beantragte schließlich folgende Erklärung:
Tie 27. Generalversammlung der Bereinigung der Steuer- und Wirtschafts-Reformer erklärt:
Der Entwurf eines Zolltarifgesetzes ist prinzipiell als ein geeignetes Werkzeug zu erachten, um in unseren Handelsdeziehungen zum Auslande den Grundsatz wahrer materieller Gegenseittgkeit zur
Der Kasseler Hreöerprozeß.
X.
Kassel, 12- Febr.
Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen wird Rechtsanwalt Barthel über bie verwickelten Verträge mit der Fabrik Hemixen und der Caisse Eommerciale vernommen. Daran schloß sich eine Auseinandersetzung mit dem
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W General-Anzeiger ” ** SS
v ** für den polü. u. atigern.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WGZ v 1 U jcigenleil: Hans Beck.


